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Entdeckungen und Entscheidungen

GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P12 / Gen
25.10.2020
25.10.2020
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Hallo miteinander :)
Dieser Oneshot ist mein erster (und wahrscheinlich nicht letzter) Beitrag zum Projekt
Entweder... oder. Es war spannend, die ersten Vorgaben umzusetzen, auch wenn ich mir natürlich gewisse Freiheiten herausgenommen habe. Aber alle verlangten Punkte kommen selbstverständlich in der Geschichte vor.

Nun wünsche ich euch wie immer viel Spass beim Lesen!

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Jeff… Er drehte sich zur Seite, schenkte der Stimme keine Beachtung. Jeff! Er schlug die Hand beiseite, die ihn rüttelte, als wäre sie eine lästige Fliege. Erst als Elena ihm die Decke vom Körper riss, konnte er sich dazu überwinden, die Augen zu öffnen. Vor lauter Aufregung hatte er die halbe Nacht wach gelegen und erst im Morgengrauen den lange ersehnten Schlaf gefunden. Ohne ihre Aufmerksamkeit hätte er den wichtigsten Tag seines Lebens glatt verschlafen.

Er sprang aus dem Bett und direkt unter die Dusche. Das Wasser, welches er abwechslungsweise heiss und kalt über seinen Körper prasseln liess, weckte seine Lebensgeister. Heute wurde zum ersten Mal seit über hundert Jahren ein neues Wurmloch geöffnet. Der Grund war nicht besonders erfreulich, denn wie es nun mal die Art der Menschen war, hatten sie es innerhalb eines Jahrhunderts geschafft, den Zwergplaneten Ecton zu Grunde zu richten. Kaum hatten sie einen neuen Lebensraum erobern können, vermehrten sie sich wie die Karnickel, was innerhalb kürzester Zeit zu einer erneuten Überbevölkerung führte. Für eine Geburtenregulierung war es schon zu spät, innerhalb von zwanzig Jahren käme es wieder zu Hungersnöten und Kriegen. Bei den drei anderen Zwergplaneten Ielea, Greron X und Mypso sah es nur wenig besser aus. Also musste ein neuer Planet gefunden werden und Jeff war derjenige, der auf eine neue Spur gestossen war. Oder besser gesagt auf eine alte.

Normalerweise leitete er ein aktives Forscherteam. Eine Verletzung zwang ihn allerdings, für eine Weile im Forschungsinstitut zu bleiben und von dort aus zu arbeiten so gut es eben ging. Bei einer Recherche im Archiv des Instituts für interplanetare Fortbewegung war er auf ein Dokument gestossen, welches Erstaunliches offenbarte. Es waren ursprünglich nicht wie immer angenommen vier- sondern fünf neue Planeten mit lebensfreundlichen Bedingungen entdeckt worden. Nur hatte man letzteren damals aus Geldmangel nie genügend erforschen können. Bevor die Erde endgültig kollabiert war, gab es ein unglaubliches Chaos, die Mittel hatten nur noch gereicht, um die wichtigsten sowie vielversprechendsten Forschungen voranzutreiben. Und das Portal, welches damals erschaffen wurde, war sofort in sich zusammengefallen. Keiner hatte sich die Mühe gemacht, es ein zweites Mal zu versuchen, da die Erschaffung der Wurmlöcher viel aufwändiger und unsicherer gewesen war als heutzutage. Und sie hatten ja bereits vier lebensfreundliche Zwergplaneten gefunden, was damals ausreichend gewesen war um die Menschheit vor dem Aussterben zu bewahren.

Das alles lag nun schon über hundertachtzig Jahre zurück und war längst in Vergessenheit geraten. In einem der alten Notizbücher fand er jedoch die Koordinaten des Planeten und heute würden sie versuchen, ein neues Wurmloch zu erschaffen um auch diesen Ort zu zivilisieren. Vorausgesetzt, keine andere Spezies war ihnen zuvorgekommen. Da Jeff der Grund für diese Entdeckung war, stand ihm und seinem Team das Privileg zu, den Planeten als erstes zu erforschen.

Zu diesem Team gehörten die Astrophysikerin Siara Zhang und der Biologe Luke Warren. Ausserdem wurden sie von einem Mitglied des Militärs begleitet, denn von den drei Forschern konnte keiner geschickt eine Waffe führen und man wusste nie, was einem auf so einem neuen Planeten erwarten konnte. Jeff hoffte sehr, dass sie Adrians Fähigkeiten hier nicht brauchen würden, aber es wäre fahrlässig, ganz ohne Schutz los zu ziehen. Schliesslich liess Elena ihn nur mit dem Versprechen ziehen, heil wieder zurück zu kehren. Nach seiner kürzlichen Verletzung zeigte sie sich immer unzufriedener mit seiner Berufswahl. «Du versprichst es mir?», fragte sie nochmals, als sie sich voneinander verabschiedeten.
«Ich verspreche es dir nicht», entgegnete er und sah ihr dabei tief in die Augen. «Ich schwöre es.» Sie verschränkte die Arme vor der Brust. «Das sagst du nur, weil du die letzten beiden Versprechen nicht gehalten hast. Ich meine es ernst Jeff.» Er nahm sie in den Arm. «Du weisst, dass ich eine Chance wie diese wahrscheinlich nie mehr bekomme. In einer Woche, spätestens zwei bin ich wieder da.» Er küsste sie ein letztes Mal und ging ohne sich nochmal zu ihr umzudrehen. Ihm war bewusst, dass er sie nicht ewig so würde hinhalten können. Irgendwann würde sie das Warten leid sein und sich einen anderen suchen, das könnte er ihr nicht mal verübeln. Trotzdem: Diese Chance konnte und durfte er sich einfach nicht entgehen lassen.

Draussen lagen die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt, aber das konnte er aushalten. Da Ecton um einiges kleiner war als die Erde, waren auch die Jahreszeiten kürzer. Ausserdem wärmte ihn die Bewegung, als er zum Labor rannte. Noch mehr Zeit verlor er bei der Sicherheitskontrolle, die bei jeder Person die das Gebäude betreten wollte durchgeführt werden musste. Am schlimmsten war das für ihn, weil er diese hohen Sicherheitsstandards erst ins Leben gerufen hatte. Es war einmal einer Hand voll halbwüchsiger gelungen sich Zutritt ins Innere zu verschaffen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ihre Dummheit hatte sie am Ende alle in die Luft gejagt und den ganzen Ostflügel des Gebäudes noch dazu. Dieser wurde immer noch neu aufgebaut, sein Weg führte ihn stattdessen in den West-Flügel, wo schon über ein Dutzend Personen ungeduldig auf ihn warteten. Trotzdem nahm er sich genug Zeit, seinen Raumanzug korrekt anzuziehen und sicher zu stellen, dass alles dicht verschlossen war und die Sensoren gut funktionierten.

«Bereit?», fragte Vidar, die Hand bereits am entscheidenden Hebel. Jeff besah sich sein Team, alle waren entschlossen und bestens ausgerüstet. Also zeigte er mit dem Daumen nach oben und das Gerät vor ihnen erledigte den Rest. Ein statisches Summen war zu hören und nur wenige Meter vor ihnen entstand ein schwarzes Loch, welches zwar furchterregend aussah, sich jedoch zu den sichersten Fortbewegungsmitteln zwischen verschiedenen Planeten entwickelt hatte. Entschlossen traten sie hindurch. Keiner konnte genau sagen, wie lange diese «Reise» dauerte, Zeit und Raum hatten hier keinerlei Bedeutung. Aber es dauerte lange genug, damit sie alle erleichtert aufatmeten, als sie das andere Ende des Portals durchquerten.

Der Anblick welcher sich hier bot, liess ihn alles andere vergessen. Seinen Job, die drei Menschen neben sich und sogar Elena. Vor ihnen erstreckte sich ein Ufer, hinter dem ein See in völliger Ruhe dalag. Das war jedoch nicht, was sie vor Ehrfurcht erstarren liess, sondern die Himmelskörper über ihnen. Ein grosser, violetter Planet mit einem Gürtel, ähnlich demjenigen des Saturns, befand sich direkt über ihnen und man hätte meinen können, dass er jederzeit auf sie hinabstürzen und unter sich begraben würde. Die Luft war etwas dünner als auf Ecton, aber es machte nicht den Eindruck, als würden sie ihre Sauerstoffgeräte brauchen. Dennoch getrauten sie sich nicht, ihre Schutzhelme abzuziehen. Die Sensoren kannten zwar die meisten giftigen Stoffe, aber eben nicht alle. Deshalb mussten sie auch Boden- und Luftproben mitnehmen, um diese dann später genau analysieren zu können.
«Also ich würde sofort hierherziehen», entfuhr es Siara neben ihm und er musste ihr stumm Recht geben. Mit Vorbehalt, denn was sie hier sahen war nur ein winziger Teil des Ganzen. Wer wusste schon, was sich zehn Meilen weiter von hier abspielte? War das Wasser überhaupt trinkbar? All das mussten sie nun herausfinden.

«Ich sehe mich mal am Ufer um», entschied er schliesslich. «Ist gut, ich überprüfe mal lieber, welchen Einfluss dieser violette Planet hier auf uns hat. Die Atmosphäre hier scheint mir nicht sehr gut vor Strahleneinfluss geschützt zu sein», gab Siara zu bedenken und packte bereits ihr Gerät aus. Luke war schon längst auf den Knien und sammelte das bläulich schimmernde Moos zusammen, welches die Fauna hier beherrschte, während Adrian sich nur staunend umblickte. Die Farbenpracht an diesem Ort war unglaublich. Neben dem Violetten Schimmer des Planeten und dem Moos gab es auch kleine leuchtende Käfer, ähnlich wie Glühwürmchen, nur in den verschiedensten Farben. Die Umgebung wirkte wie aus einem alten Märchenbuch entsprungen.

Den Weg zum See zurückzulegen dauerte erstaunlich lange, auch wenn die Schwerkraft hier nicht stark- und sein Gewicht somit weniger schwer war als auf seinem Heimatplaneten. Sein Hauptproblem bestand darin, dass er nicht so recht wusste, wohin er seinen Blick nun richten sollte. Die Umgebung war einfach atemberaubend und das Firmament so wunderschön, dass er mehrmals ins Stolpern geriet, weil er den Blick nicht auf den Boden richtete. Doch dann erweckte ein helles Schimmern ganz am Rande des Sees seine Aufmerksamkeit. Interessiert hielt er darauf zu und sah, dass es sich um einen Kristall handelte, der von innen heraus schimmerte, ohne, dass sich eine ersichtliche Lichtquelle in der Nähe befand. Eine Kurzanalyse ergab nichts weiter besorgniserregendes, es ging keine gefährliche Strahlung oder ähnliches davon aus- jedenfalls keine, die seine Sensoren ausmachen konnten. Erst auf den zweiten Blick erkannte er, dass unter dem Kristall etwas festgeklemmt war, das nicht organischen Ursprungs zu sein schien. Neugierig zog er den flachen Gegenstand unter dem Kristall hervor und war verblüfft, eine Glasröhre vorzufinden, in der sich etwas befand. Nach kurzem Zögern öffnete er das Gefäss und erkannte dessen Inhalt als ein zusammengerolltes Blatt Papier. Er rollte es auseinander und begann es aufmerksam zu lesen. Das helle Sternenlicht und der Schimmer des violetten Mondes erlaubten es ihm, die Buchstaben zu entziffern.

In Erdenjahren schreiben wir das Jahr 2999. Bisher hat sich keiner die Mühe gemacht, eine genaue Zeitrechnung Edens anzufertigen. Wie auch, mit nur einem Bewohner? Die Zeit vergeht hier anders. Falls du dich übrigens fragst, wer sich diesen selten dämlichen Namen für den Planeten ausgedacht hat, ich befürchte, der ist auf meinem Mist gewachsen. Als junger, aufstrebender Wissenschaftler lässt man sich schnell zu solchen Trugschlüssen verleiten. Jung… Das war ich tatsächlich einmal, doch ist das schon so lange her, dass ich mich kaum daran erinnern kann. Ich weiss nicht, ob irgendjemand diese Zeilen jemals lesen wird, doch wenn ja, versucht daraus zu lernen und nicht dieselben Fehler zu begehen.

Um die Lage etwas deutlicher zu schildern- alles andere würde meine Ehre als Wissenschaftler nicht zulassen- beginne ich am Anfang.
Die Menschen waren schon seit jeher sehr geschickt darin, ihren Planeten stetig und nachhaltig zu zerstören. So wunderte es also niemanden, als im Jahre 2378 damit begonnen wurde, ernsthafte Alternativen zur Erde zu suchen. Zu jener Zeit waren bereits zwei bemannte Expeditionen zum Mars aufgebrochen und kläglich gescheitert. Die erste wurde kurz nach ihrer Ankunft von einem Sandsturm hinweggefegt. Die Wissenschaftler hatten das Risiko zwar im Voraus kalkuliert, doch selbst die beste Berechnung konnte der unberechenbaren Natur nicht immer standhalten, eine Lektion, die ich Jahrhunderte später am eigenen Leib erfuhr. Die zweite Expedition hielt zwar etwas länger durch, brachte aber die Erkenntnis, dass man niemals tausende oder gar Millionen von Menschen mit in Treibhäusern gezüchteten Lebensmitteln durchbringen konnte. Jedenfalls nicht auf längere Sicht. Also musste eine neue Lösung her- oder anders gesagt, ein neuer Planet. Und dieser liess sich nicht in unserem Sonnensystem finden.

Durch die neuen Hochleistungsteleskope gab es zwar schon länger Bilder von sehr wahrscheinlich bewohnbaren Planeten, doch waren die selbst für die modernste und schnellste aller Raumsonden Jahrhunderte weit entfernt. So viel Zeit blieb der Menschheit aber nicht, zumindest darin waren sich alle einig. Also wurde viel Zeit und noch mehr Geld investiert, um verschiedene Arten der Fortbewegung zu erforschen. Die meisten gingen davon aus, dass ein Antrieb mit Lichtgeschwindigkeit die lange ersehnte Lösung bringen würde, doch dem war nicht so. Eine Gruppe von Wissenschaftlern konzentrierte sich nämlich auf einen anderen Ansatz, das Transferieren von Materie von einem zu einem anderen Ort. Kurzum, sie versuchten ein künstliches Wurmloch zu erschaffen.

Noch Jahre zuvor war alleine die Planung eines solchen Unterfangens undenkbar gewesen, zu gross waren die Risiken. Ein unkontrolliertes Wurmloch konnte das Leben auf der Erde in einem Sekundenbruchteil auslöschen. Doch Hungersnöte und Naturkatastrophen hatten bereits einen Viertel der gesamten Menschheit dahingerafft, sodass kaum jemand auch nur die Stimme erhob. Schliesslich, nach weiteren fünfzig Jahren intensiver Forschung war es soweit. Es wurde ein Wurmloch erzeugt, welches aber bereits nach wenigen Sekunden in sich zusammenfiel. Noch am selben Tag sendete man eine mit Kamera uns allerlei Messgeräten beladene Raumsonde durch ein weiteres Wurmloch hinaus ins All- erhielt jedoch nur wenige Sekunden Bildmaterial, eher die Verbindung abbrach. Dennoch wurde dies als erster Teilerfolg gewertet, denn die Sichtung des Bildmaterials ergab, dass keiner der Sterne oder Planeten der Menschheit bekannt war. Eine neue Galaxie war entdeckt worden und nicht nur das. Die hochauflösenden Bilder offenbarten Planeten mit Flüssigkeit und einer Atmosphäre. Wenn diese derjenigen der Erde auch noch ansatzweise ähnelte, so wären all unsere Probleme gelöst. Weitere Dekaden vergingen und während die Forschung immer weiter voranschritt, dezimierte sich die Menschheit nicht weniger rasch. Erst vor knapp hundert Jahren wurden die ersten Besiedlungsversuche unternommen.

Man fand fünf Planeten, bei denen eine Kolonialisierung möglich schien. Unser Forschungsteam war es, welches dies letzten Endes ermöglichte, als es uns gelang, Wurmlöcher nach Koordinaten auszurichten. Ein Erfolg, der Millionen von Menschen das Leben retten sollte. In der Zwischenzeit stellt die Kommunikation zwischen den Wurmlöchern und der Erde auch schon längst kein Problem mehr dar, weswegen die ersten Wagemutigen schon wenige Monate nach unserer Entdeckung die Reise antraten. Der nun folgende Teil meiner Geschichte ist weitaus persönlicherer Natur, aber nicht ganz unwesentlich dabei, warum ich hier gestrandet bin. Ich weiss nicht, wie weit sich die Gesellschaft verändert haben wird, bis dies gelesen wird, darum lasst mich etwas vorgreifen.

Einst gab es das Sprichwort «Geld regiert die Welt» und dieses hat die Jahrhunderte überdauert. So war es also mein Glück in eine Familie hineingeboren zu werden, die als eine der reichsten und einflussreichsten ihrer Zeit galt. Dass ich in die Fusstapfen meines Vaters und dessen Vaters treten würde, war von der Stunde meiner Geburt an klar gewesen. Doch störte ich mich nicht daran, denn ich verspürte ein reges Interesse, bei der Suche neuen Lebensraums zu helfen. Das Einzige, was mich hin und wieder von meiner Arbeit abzulenken vermochte, war Jane. Wir waren uns in Kindertagen zum ersten Mal begegnet, denn auch ihre Eltern waren Wissenschaftler und diese tauschten sich rege untereinander aus. Was nicht hiess, dass auch all untereinander befreundet waren. Tatsächlich sprach sich mein Vater sogar mehrfach gegen diese Freundschaft aus, doch war ich ein mustergültiger Sohn und so liess er es vorerst geschehen.
Schleichend entwickelte sich diese innige Freundschaft zu einer nicht weniger innigen Leibesbeziehung. Es war, ohne unnötig dramatisch zu werden, die schönste Zeit meines Lebens. Ich hatte mich in die schönste Frau des ganzen Planeten verliebt und im selben Jahr einen bahnbrechenden Durchbruch erzielt. Nur war ebenjener Durchbruch der Ausschlag dafür, dass ich letzten Endes nicht Jane, sondern Miranda heiratete. Denn die Regierungen hatten oftmals nicht mehr die Mittel, Expeditionen zu finanzieren und so hing es meistens nicht davon ab, wer die besten Ideen- sondern am meisten Einfluss und vor allem das grösste Budget hatte. Dies führte dazu, dass die Menschheit in sozialer Hinsicht ins Mittelalter zurückgeworfen wurde und Hochzeiten auch in den westlichen Kreisen keine Frage der Liebe mehr waren.

Um die Mittel für eine erste Erkundung aufzubringen wurde also von mir erwartet, eine Frau zu heiraten, die ich nicht liebte. Wäre Jane nicht gewesen, so hätte ich mit Freuden eingewilligt, denn Miranda war klug und freundlich. Doch Jane war nunmal da und ich konnte mir nicht vorstellen, mein Leben mit einer anderen Frau als ihr zu verbringen. Dies zumindest dachte der junge Mann in mir. Stärker zu jener Zeit war jedoch der Wissenschaftler und Weltenerforscher, der die Möglichkeit, andere Planeten zu entdecken nicht wegen einer Frau aufgeben wollte. Also willigte ich nach langem Zögern doch noch ein, Miranda zu heiraten, obwohl ein Teil von mir sich mehr als nur im Klaren darüber war, den grössten Fehler meines Lebens zu begehen. Und nun nähern wir uns den Geschehnissen, die dazu geführt habe, dass ich jetzt mutterseelenallein hier sitze. Denn die Expedition wurde zwar durch meine Hochzeit finanziert, jedoch reichte das Geld nur für vier voll bemannte Expeditionen. Während die ersten vier Planeten der Erde ähnlich waren, hatte der fünfte eine ganz andere Struktur. Es gab zwar auch Sauerstoff, Meere und Pflanzen, jedoch zwei Sonnen und drei Monde. Viele liessen sich davon irritieren und man wollte die Mittel lieber für die anderen Planeten benutzen, obwohl diese gerademal halb so gross waren wie Eden. Miranda war der festen Überzeugung, dass ein Leben auch hier möglich sei und überredete mich schliesslich dazu, alleine eine Untersuchung vorzunehmen. Wie gesagt, nachdem ich eine Frau geheiratet hatte, die ich nicht liebte, gab es bei mir ohnehin nur die Wissenschaft und so brauchte sie nicht lange, bis sie mich soweit hatte. Ich denke auch nicht, dass eine böse Absicht dahinterstand, ich hatte einfach nur Pech. Denn kaum hatte ich das Wurmloch durchquert, wurde dieses instabil und fiel hinter mir zusammen. Da sass ich nun also, unzählige Lichtjahre vom nächsten bewohnten Planeten entfernt und völlig auf mich alleinegestellt. Keiner machte sich je die Mühe, ein weiteres Wurmloch hierher zu öffnen. Immerhin, mit ihren Vermutungen hatte Miranda goldrichtig gelegen, die Umgebung war freundlich für Lebewesen und diese gab es auch. Keine Menschen- jedenfalls hätte ich in den Jahrzehnten, die ich nun hier bin keinen entdeckt- aber Tiere. Dinosaurierartige Tiere, Reptilien, aber auch Warmblüter, die...


Es wirkte fast so, als wäre zwischen diesem Absatz und dem nächsten etwas passiert, denn als der Eintrag weiterging, war die Schrift um einiges Zittriger.

Zurzeit befinde ich mich in meinem hundertzwanzigsten Lebensjahr (nach Zeitmessung der Erde). Das hunderteinundzwanzigste werde ich sicherlich nicht mehr erleben, darum beende ich mein Schreiben hier, obwohl es noch so viel zu erzählen gäbe. Neben all den wissenschaftlichen Aspekten, möchte ich aber gerne noch einen persönlichen Ratschlag weitergeben… Heirate nicht denjenigen, mit dem du gut leben kannst, sondern denjenigen, ohne den du nicht mehr leben kannst.

Hier endete das Schreiben und Jeff schluckte, dachte über eine hitzige Diskussion, die er erst kürzlich mit Elena geführt hatte. Sie war sehr verständnisvoll, doch manchmal machte sie ihm den Vorwurf, dass er seine Arbeit mehr liebte als sie. Vielleicht war es langsam an der Zeit, ihr das Gegenteil zu beweisen… Er warf einen Blick zum Wurmloch zurück, beinahe verängstigt, es könnte in sich zusammengefallen sein. Doch es war noch genau so stabil wie zuvor. Auf einmal lockte ihn die Heimat um einiges mehr, als die Expedition. Es gab dutzende Wissenschaftler, die sich um seinen Posten rissen und dabei wahrscheinlich um einiges geeigneter waren als er selbst. «Wo gehst du hin?», fragte Adrian verwirrt, als er sich näherte. «Nachhause.»
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