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Catch & Release

von Die Meg
GeschichteLiebesgeschichte / P18
Draco Malfoy Hermine Granger
25.10.2020
28.11.2020
8
38.751
48
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 5.262
 
6. the last crazy thing

Hermine kam es vor, als wäre es immer so gewesen. Sie alleine auf irgendwelchen Malfoy-Festen. Es musste anstrengend sein, so viel Gold zu haben. Alle schienen immer rauschende Partys zu erwarten. Sie nahm an, die Hälfte des Malfoy-Vermögens ging drauf für teure-

„-wie geht es Ihnen, Mrs Weasley?“

Sie war nicht darauf vorbereitet gewesen, angesprochen zu werden.

„Ich – danke, gut“, entkam es ihr reflexartig. Sie war es so sehr gewöhnt, zu lügen, dass sie gar nicht ernsthaft darüber nachdachte, die Wahrheit zu sagen. Und natürlich wollten die Leute auf so eine Frage nicht die Wahrheit hören. Es würde den gesellschaftlichen Rahmen sprengen. Außerdem war diese Gesellschaft hier sowieso verlogen.

„Schön, dass Sie kommen konnten.“ Scorpius schien zwanghafte Konversation mit ihr zu betreiben. Sie nahm an, Rose war daran schuld. Und er hatte Glück, denn hier, vor versammelter Familie, würde sie ihn nicht ignorieren oder anschreien können.

„Meine Tochter hat mir nahe gelegt, dass es unhöflich wäre, eine Einladung auszuschlagen“, erwiderte sie, absolut nicht um Höflichkeit bemüht. Er schenkte ihr ein so absolut nichtssagendes Lächeln, dass sie erschöpft ausatmete. „Es ist ein nettes Resort“, ergänzte sie mit einem knappen Blick in die Runde.

„Jaah“, entgegnete er. „Wir sind hier jedes Jahr.“ Ihr fiel etwas ein. Wo er schon gerade hier war, dieser kleine Mistkerl.

„Scorpius, weißt du zufällig, ob deine Großmutter mich eingeladen hat?“ Sie hatte die Stimme gesenkt. Sie war heute schon mit Narzissa durch den Park spaziert, hatte mehr oder weniger subtil versucht, herauszufinden, ob Narzissa Malfoy sich in irgendeiner Art und Weise mit Lust-Zaubern auskannte, aber sie hatte nichts aus der alten Schachtel rausbekommen.

„Meine Großmutter?“, wiederholte er bloß, etwas ratlos.

„Sie… hat die Geschenkkörbe auf eurer Hochzeit gepackt, oder?“ Sie nahm an, Scorpius zu fragen, war ähnlich fruchtlos, wie seinen Vater um Antworten zu drängen.

„Ich – keine Ahnung“, entkam es ihm achselzuckend. „Wahrscheinlich.“ Hermine wusste, sie käme so nicht weiter. Und sie wusste auch, es gab gerade andere Meilensteine im Leben dieser jungen Idioten.

„Wie… geht es dir?“, fragte sie also, mehr oder weniger interessiert. Hermine hatte keine besonders große Lust, sich Mühe zu geben. „Mit der Schwangerschaft und all dem“, machte sie deutlicher, als sie wieder seinen ratlosen Blick geschenkt bekam. Und immer deutlicher erinnerte er sie an seinen Vater. Sie sahen sich verblüffend ähnlich. Widerlich.

„Gut“, sagte er, und sie kannte diese einsilbigen Gespräche schon von ihrer Tochter, und es trieb sie immer zur Weißglut.

„Ok“, gab sie sich geschlagen und atmete aus.

„Dann… bis später“, verabschiedete er sich, genau passend, denn der Ehrengast betrat den Saal und Korken knallten so laut, dass sie fast aufgesprungen wäre und ihren Zauberstab ziehen wollte. Merlin! Die Kellner fingen sogar an zu singen.
Sie saß etwas abseits an der Tafel, fixierte ihre Tochter, die sich schließlich nach höflichem Applaus neben Scorpius setzte und ihr immerhin ein Augenzwinkern schenkte. Hermine verzog den Mund, hasste, dass sie hier war, neben wildfremden Reinblütern sitzen musste und so zu tun hatte, als interessiere sie sich einen feuchten Eulendreck dafür, ob Draco Malfoy Geburtstag hatte. Ihr Geschenk für ihn war sparsam ausgefallen, war auch das kleinste auf dem Haufen an Geschenken und beinhielt nicht viel mehr, als die olivgrüne Krawatte, die ihr so viel Leid beschert hatte. Sie hatte es witzig gefunden. Auf eine bittere Art und Weise.

Sie beobachtete ihre Tochter, und Rose war nicht anzusehen, dass sie Ron vermisste. Wie konnte es sein, dass beide, Ron und Harry, Kinder hatten, die nicht mehr mit ihnen sprachen – und es störte keinen?! Darüber würde Hermine mit ihrer Tochter irgendwann noch reden müssen. Sie war recht dankbar, dass Rose immerhin ihre Unterstützung suchte, sie nicht verstieß. Immerhin. Aber der Preis war sehr hoch.

So begann der endlose Abend, und Hermine war dem Champagner auch heute nicht abgeneigt. Anders waren die endlosen Gespräche über Gold und Anlagen auch nicht zu ertragen.

~*~

Das Essen hatte lange gedauert, sie war drei Gläser Champagner betrunkener, und immerhin besaß Draco Malfoy den Anstand, seine Gäste früh zu entlassen, damit diese im Resort ihren Spaß haben konnten. Es gab etliche Poolanlagen, professionelle Masseure, die man buchen konnte, neben Sportangeboten, alle extra heute für Malfoys Feier ausschließlich für die Gäste reserviert, und um zehn Uhr wurde zum Abend-Snack geladen, und es würde eine Band spielen, während Cocktails gereicht wurden.

In ihrem Zimmer angekommen, sah sich Hermine einem endlos langen Abend gegenüber gestellt. Rose zwang sie, aufzutauchen, verbrachte ihre Zeit aber natürlich mit Scorpius – nicht mit ihr. Und Hermine glaubte auch nicht, noch ein Gespräch mit Rose ertragen zu können, über Kindererziehung, oder was auch immer. Hermine war von einer mäßig netten Hexe darüber aufgeklärt worden, dass man den unteren Teil des Resorts nur in Badekleidung zu betreten hatte. Es wäre eine Alternative, und Rose hatte ihr aus übertriebener Vorsicht tatsächlich einen ihrer alten Bikinis mitgebracht. Man konnte es glauben oder auch nicht, aber Hermine besaß keine Badebekleidung mehr. Sie konnte sich nicht mal erinnern, wann sie das letzte Mal schwimmen gewesen war. Es war Jahrzehnte her.

Und mehr aus Zufall war Hermines Blick auf den Garderobenschrank gefallen, als sie mit der Badebekleidung ins Badezimmer hatte verschwinden wollen, um sich umzuziehen. In dem kleinen Fach lehnte eine Karte, die ihren Namen trug. Zuerst glaubte sie, es handele sich lediglich um ein Namensschild, oder etwas ähnliches, aber als sie die Karte nahm und aufklappte, war sie überrascht, eine handgeschriebene Notiz zu finden.

‚Triff mich unten, Raum C. Wir müssen reden.‘

Sie erkannte die Handschrift nicht, aber es wäre wohl auch nicht möglich, denn der kurze Text war mit einer Schönschreibe-Feder verfasst, die immer gleich schrieb. Benutzte Rose so etwas, fragte sie sich dumpf. War die Nachricht von Rose? Von wem sonst? Wer hatte sonst Zutritt zu ihrem Zimmer – oder, wer verschaffte sich sonst Zutritt? Sie atmete aus. Wahrscheinlich würde nur ihre Tochter darauf verzichten, mit Namen zu unterschreiben. Aber würde Rose eine Notiz an sie nicht mit ‚Mum‘ beschriften? Fast war sie neugierig. Zumindest würde es bedeuten, dass ihre Tochter doch mit ihr Zeit verbringen wollte. Und Hermine hatte ohnehin nach unten gehen wollen. Immerhin hatte Rose sich die Mühe gemacht, einen privaten Raum zu buchen.

In den weichen Bademantel gepackt, begab sich Hermine hinab in das Labyrinth aus gefliesten Gängen und Lavendelduft. Pompöse tropische Topfpflanzen standen an jeder Ecke, Wassertropfen erfüllte die feuchte Luft, und irgendwann fand Hermine den Erholungsraum C. Die Tür war angelehnt und sie betrat das riesige Areal.
Der Ruheraum war ein schmaler, holzgetäfelter Gang, der zunächst an den Duschräumen vorbeiführte, hin zu einer riesigen, privaten Sauna, die bereits vor Dampf stand, und ganz am Ende öffnete sich der Gang, offenbarte eine hohe Decke, einen magischen Sonnenuntergang und eine spiegelglatte Pooloberfläche eines ovalen Pools, mit türkisen Mosaikfliesen. Es war kein Raum. Es war eine eigene Badeanstalt. Es wäre nett, so was Zuhause zu haben, nahm sie an.

Sie schritt zur Sauna, öffnete die Tür, aber natürlich saß Rose nicht im Innern. Sie war auch schwanger und sollte überhaupt keine Sauna aufsuchen. Hermine wartete also noch etliche Minuten, bevor sie gelangweilt zum Schwimmbecken schritt. Wo blieb ihre Tochter? Sie war diejenige gewesen, die hatte reden wollen.

Irgendwann stand sie vor dem künstlichen Sonnenuntergang und glaubte nicht mehr daran, dass Rose noch auftauchen würde. Sie überlegte, ob sie eine Runde schwimmen sollte und Roses Notiz einfach ignorierte, aber dann hörte sie, wie jemand den Raum betrat. Merlin, endlich! Vielleicht wäre ihr erstes Thema auch, dass Rose anfangen sollte, etwas mehr auf Pünktlichkeit zu achten, und dass man Leute nicht warten ließ.

Sie schritt um den Pool zurück zum Gang und verharrte direkt.
Unschlüssig sah er ihr entgegen, den dunklen Bademantel fest verschlossen, und ihr Mund öffnete sich, bevor sie gereizt ausatmete.

„Mach es kurz“, schien er sie zu warnen, und alle Worte erstarben auf ihren Lippen. Was?! Er schien nicht im Geringsten überrascht, sie vorzufinden. Absolut nicht. Die Notiz war nicht von Rose gewesen, wurde ihr klar. Sie… war von Malfoy!

„Du… du willst mit mir reden?“, entkam es ihr mehr als ungläubig, und er verzog den Mund.

„Nicht wirklich, nein“, widersprach er bitter.

„Warum bist du dann hier?“, wollte sie ungläubig von ihm wissen. Er zitierte sie her und verhielt sich, als wüsste er nicht Bescheid.

„Weil du reden willst“, erwiderte er genervt.

„Ich?“ Das Wort verließ absolut entgeistert ihre Lippen.

„Ich werde nicht mit dir schwimmen gehen“, schien er sagen zu müssen, und ihr Mund öffnete sich verstört, als er ihre Aufmachung betrachtete.

„Ich habe nicht vor, mit dir zu schwimmen, Malfoy“, sagte sie seltsame Worte, und er nickte.

„Ich werde auch nicht-“, begann er ablehnend, aber Hermine hatte begriffen. Sie war nicht dumm. Die meiste Zeit über war sie ziemlich clever. Nur gab es Momente, da setzte ihr Gehirn einfach aus.

„-du hast auch eine Notiz bekommen?“, vermutete sie mäßig tonlos, und er schwieg abrupt.

„Was?“ Jetzt hatte sie seine Aufmerksamkeit.

„Ich hatte eine Nachricht in meinem Zimmer von einem Unbekannten Absender, und anscheinend war das bei dir auch der Fall“, schloss sie grimmig. Er runzelte die Stirn. Tatsächlich zog er seine schmale Karte aus der Tasche seines Bademantels. Sie erkannte seinen Vornamen, kam näher und griff sich hastig die Karte, als könne sie verschwinden. Seine Karte war nicht anonym, nein! Sie hatte unterschrieben! „-ein Waffenstillstand wäre angemessen?!“, las sie entrüstet und sah ihn ungläubig an. „Ernsthaft? Du denkst, so etwas schreibe ich?“ Sein Mund schloss sich knapp. „Das ist kein Zufall!“, fuhr sie ihn jetzt an. „Der dämliche Zauber, die Karten – die Tatsache, dass ich hierher eingeladen wurde!“

Sein Mund öffnete sich unschlüssig. „Deine Familie ist krank, Malfoy!“, zischte sie. „Ich gehe!“, schloss sie wütend, marschierte an ihm vorbei, erreichte die Tür, die mittlerweile geschlossen war – und zog.

Sie gab nicht nach. Hatte Malfoy sie geschlossen? Sie hörte, wie er neben sie trat, sie praktisch zur Seite schob, nur um selber nichts ausrichten zu können.

„Deinen Zauberstab“, entfuhr es ihm befehlsgewohnt, und sie sah ihn an.

„Ich habe ihn nicht mitgenommen. Nimm deinen Zauberstab“, knurrte sie, aber der Blick aus seinen Augen sagte ihr, dass er sie nur fragte, weil er ebenfalls keinen Zauberstab dabei hatte. So ein Mist.
Und mittlerweile war sie sich absolut sicher, dass jemand die Tür mit voller Absicht verschlossen hatte. „Scheiße!“, entkam es ihr, und blind schlug sie gegen das dicke Holz. „Hallo?“, brüllte sie, aber draußen rührte sich nichts.

„Weg“, informierte er sie lediglich, und sie wich zurück. Er warf sich praktisch gegen die verschlossene Tür, brüllte anschließend nach Hilfe, hämmerte mit Fäusten so hart gegen das Holz, dass sie fast befürchtete, dass es brechen würde, aber die Tür blieb verschlossen und auf dem Flur draußen herrschte weiterhin Stille.

„Das… das ist Absicht!“, äußerte er mit rauer Stimme ihre Gedanken.

Hermine begriff es nicht. Wer sollte so etwas tun? Wer sollte so etwas wollen? Wie konnte es sein, dass sie schon wieder mit Draco Malfoy in einem Raum war?!

Ein weiteres Mal warf er sich gegen die Tür. „Fuck!“, entfuhr es ihm haltlos. „Hallo? Irgendjemand?“, schrie er wütend, bevor er von der Tür abließ.

„Malfoy“, flüsterte sie fast, als sie die feinen magischen Wellen und Funken um das Holz erkannte, die je nach Lautstärke, ausschlugen und sich wieder beruhigten. „Der Muffliato liegt auf der Tür“, ergänzte sie still.

Sofort ließ er von der Tür ab, wich zurück, und schien etliche Sekunden zu benötigen, um sich zu sammeln. Dann fuhr er zu ihr herum. „Wie kannst du so blöd sein, hier alleine runter zu gehen? Hast du irgendwen im Gang gesehen? Irgendwen?“, wollte er wütend wissen, aber sie war die falsche Person, die er anschrie.

„Was willst du von mir? Du bist genauso alleine hier!“

„Du bist doch angeblich so verdammt schlau, dann hättest du das durchschauen können!“, blaffte er, mehr als nur etwas gereizt.

„Durchschauen? Was zur Hölle hätte ich durchschauen sollen? Dass tatsächlich irgendjemand hier so absolut krank ist, dass er dich und-“ Sie schwieg plötzlich. „Rose“, flüsterte sie leer. Rose war zu ihr gekommen, hatte sie überredet, hier aufzutauchen und Rose könnte die Notiz geschrieben haben. Es musste… Rose sein. Oder? Sie blickte verzweifelt zur Seite.

„Rose?“, wiederholte er ungläubig. „Du denkst, deine Tochter ist verantwortlich? Wie krank ist das bitteschön?“

„Es macht keinen Sinn“, begann sie, und er lachte hart auf.

„Nein, es macht überhaupt keinen Sinn. Das denkst du doch wohl nicht?“

„Sie kam zu mir. In mein Büro und hat mich gezwungen, hier aufzutauchen, weil…“ Noch immer konnte sie ihn nicht ansehen.

„Weil Rose einen neuen Daddy haben möchte?“, schloss er sehr scharf. „Garantiert“, ergänzte er kalt. Hermines Blick hob sich angewidert.

„Nein!“, sagte sie mit zitternder Stimme. Denn nein! Rose würde so nicht denken, würde das nicht wollen. Es war… ekelhaft. Und dann schwieg sie plötzlich. „Die Box“, entkam es ihr schwach.

„Die Box?“, wiederholte er.

„Sie… ist aus dem Scherzartikelladen“, flüsterte sie. Kurz schien er nicht zu begreifen, bevor er den Mund verzog.

„Der Laden verkauft Lust-Zauber?“, entkam es ihm angeekelt, aber Hermine atmete gereizt aus.

„Nein, der Laden verkauft aber dumme Scherzartikel, wie Liebeszauber-Boxen, die man mit ein wenig Geschick umwandeln kann“, korrigierte sie ihn. Sie Augenbraue hob sich.

„Das hast du also ausprobiert, ja?“, wollte er angewidert wissen, aber sie stöhnte auf.

„Darum geht es nicht, Merlin noch mal!“, knurrte sie. „Es geht darum, dass es ein Produkt aus Weasleys Zauberhafte Zauberscherze ist, verdammt!“, fuhr sie ihn an. „Rose hätte-“

„-Rose hätte was?“, unterbrach er sie fassungslos. „Den Zauber ändern, die Box verstecken und meine Krawatte stehlen können?“ Es klang… nicht wirklich schlüssig. Aber nichts machte noch Sinn! „Rose hat keinen Zugang zu den Zimmern hier“, ergänzte er dann. „Aber Narzissa würde nicht in einen Scherzartikelladen spazieren, um-“

„-deine Mutter?“, unterbrach sie ihn stirnrunzelnd.

„Sie hat dir die Einladung zukommen lassen“, erwiderte er, was er wohl herausgefunden hatte.

„Das weiß ich schon“, entfuhr es ihr, denn sie hatte auch gefragt.

„Vielleicht ist das alles ein Zufall-“, begann er, und als sie protestieren wollte, hob er die Hände, „-oder es ist eine Teamleistung“, fuhr er scharf fort, und sie schwieg schließlich. Denn, egal, was es war, es klang nach einem Fehler. Es klang… absolut willkürlich und nicht nach einem guten Plan. Weshalb sie Rose überhaupt als Hauptverdächtigen in Erwägung zog. Ihre Tochter war nicht klug genug. Aber sie glaubte nicht, dass Rose irgendein Interesse daran hatte, die Familien zusammenzubringen – auf diese Art und Weise.
Abwesend biss er auf seine Unterlippe, und sie sah zu ihm auf, ein wenig verloren, ein wenig verzweifelt. Sie fühlte sich manipuliert, und sie war völlig bereit, seiner Familie diese Aktion in die Schuhe zu schieben.

Sie hatte mit ihm geschlafen. Zweimal!

Es schüttelte sie mit einem Mal vor Ekel, und sie wandte sich ab. Sie kam sich schäbig vor, und ein bisschen dumm, dass sie tatsächlich hier aufgetaucht war. Dass sie sich tatsächlich von Rose ein schlechtes Gewissen hatte machen lassen. Wegen Malfoy!

„Da!“, vernahm sie seine Stimme, und sie wandte sich um, vergaß ihr eigenes Leid, und folgte seiner Geste. Sein Zeigefinger deutete an die stuckverzierte Decke. Ihr Mund öffnete sich perplex. So viel zum Zufall. In der Luft schwebte eine gefaltete Notiz. Sie erkannte dasselbe dicke Pergament, auf der die Nachrichten verfasst gewesen waren. „Jemand spielt mit uns“, erkannte er mit bitterer Fassungslosigkeit.

„Wie kommen wir da dran?“, wollte sie lediglich wissen und erntete seinen Blick.

„Es interessiert mich einen Scheißdreck, was auf dieser Karte steht!“, informierte er sie, und kurz war sie geneigt, ihm zuzustimmen, denn es interessierte sie ebenso wenig. Aber darum ging es schon nicht mehr.

„Das ist unser Ausweg. Ich habe auch keine Lust, an einem Spiel zu partizipieren, was mich dieser Demütigung aussetzt, aber ich will so schnell wie möglich weg von hier!“, fasste sie ihr Leid zusammen, und seine Augen verfolgten finster die flatternde Notiz über ihnen.

„Sie wird nicht runter kommen“, war alles, was er sagte. Sie sah ihn wieder an. „Das heißt“, fuhr er gedehnt fort, „wir müssen da hoch“, schloss er schlicht.

„Wie?“ Die Notiz schwebte knapp drei Meter über ihnen.

„Es wird dir nicht gefallen, so viel kann ich dir versichern“, entgegnete er mit einem sehr eindeutigen Blick, und sofort machte sie einen Schritt weg von ihm.

„Nein“, sagte sie schon einmal vorsintflutlich und schüttelte den Kopf.

„Zeig mir einen Stuhl und ich löse das Problem ohne dich“, erwiderte er glatt, und fast hilfesuchend sah sie sich um, umwanderte das kleine Areal, aber natürlich ließ sich kein Stuhl finden.

„Nein“, sagte sie wieder, als sie zu ihm zurückkam. Sein Ausdruck wirkte genauso unbegeistert. „Du wirst mich fallen lassen“, prophezeite sie bitter.

„Du fällst weich“, behauptete er, mit Blick auf den Pool, über dem die Notiz beinahe schwebte. Ihre Augenbrauen hoben sich. „Und ich lasse dich nicht fallen.“

„Wir sind zu alt für so was“, kürzte sie diese Argumentenkette ab, und er belächelte sie tatsächlich.

„Das mag für dich zutreffen. Im Gegensatz zu dir, habe ich mich nicht gehen lassen. Ich mache Sport“, behauptete er kalt, und sie verschränkte die frottierten Arme vor der Brust.

„Ach ja? Zwei Runden Sex und magisches Tontaubenschießen gilt neuerdings als Sport?“ Manchmal war sie schlagfertiger, als Menschen annahmen, und manchmal sollte sie einfach den Mund halten.

„Schön, wenn du mich beobachtest, aber nein“, bemerkte er ruhig. „Neben Sex mit dir und Tontauben schießen verfolge ich noch wesentlich befriedigendere Tätigkeiten.“

„Du bist so unfassbar ätzend, dass ich mich direkt übergeben könnte“, fasste sie ihre direkten Gedanken in leere Worte, und er lächelte wieder.

„Danke, gleichfalls“, erwidere er, ohne jede Freundlichkeit im Blick. „Bist du dann fertig?“, wollte er kalt wissen.

„Ich steige nicht auf deine Schultern, Malfoy!“, fuhr sie ihn gereizt an.

„Möchtest du hier raus, oder möchtest du deinen Abend wieder einmal mit mir verbringen?“, fragte er sie jetzt, und ihr Mund hatte sich fest geschlossen. „Denn ich bin ehrlich – ich will hier raus. Ich würde es begrüßen, dich monatelang nicht zu sehen, nicht deinen Namen zu denken und still zu hoffen, dass sich die Ehe unserer Kinder klanglos zerschlägt“, entgegnete er bissig.

Ja, so in etwa sahen ihre Hoffnungen ebenfalls aus.

„Fein“, spuckte sie ihm schließlich entgegen, öffnete ihren Bademantel, und das Déjà-Vue überkam sie mit aller Macht. Kurz überflog sein Blick ihren Körper, der vielleicht in den letzten zwei Wochen durch massive Überstunden schlanker geworden war, aber garantiert nicht jünger.

„Du bist zu alt für diesen Look“, bemerkte er bloß, mit Blick auf den schwarzen Bikini, den sie trug.

„Stell dir vor, es interessiert mich nicht, was du denkst!“, knurrte sie böse. Arrogant öffnete er ebenfalls seinen Bademantel, und sie erlaubte sich nicht, den Blick zu senken, seine dunkle Badeshorts zu fixieren. Sein Oberkörper war für sein Alter relativ muskulös und fest, und ja, er gewann wahrscheinlich ein Kräftemessen mit ihr, was Fitness betraf, aber das reizte sie nur noch mehr. Ihr fiel auf, was ihr letztes Mal nicht aufgefallen war, aber schnell hob sich ihr Blick zu seinem ätzenden Gesicht. Er trug das Mal nicht mehr. Und sie hoffte, das vernarbte Gewebe auf seinem Unterarm schmerzte ihn zumindest dann und wann. Dämliches Todesser-Arschloch, dachte sie zornig. Unfassbar, was für einen schlechten Geschmack ihre Tochter besaß. Und gnade ihr Merlin, sollte Hermine herausfinden, dass Rose verantwortlich für all das hier war!

„Das schaffst du niemals“, stellte Hermine schließlich fest, und auch Malfoy wirkte kurz nachdenklich. Dann schritt er zur Einstiegleiter des Pools und ging in die Hocke.

„Das werden wir rausfinden.“ Er betrachtete sie von unten herauf. „Wie viel wiegst du?“, fragte er sie knapp, und sie verzog den Mund, als sie näher kam.

„Weniger als du“, behauptete sie lediglich, denn es ging ihn nichts an. Sie waren zu nackt, ging ihr wieder einmal auf. Sie hasste, dass es sie nicht einmal groß schockierte, dass sie genau wusste, wie er ohne Kleidung aussah. Und sie hasste, dass sie weniger Scheu besaß, als sie besitzen sollte, als sie sich hinter ihn stellte, und zaghaft seine Schultern berührte. Seine Hand hielt sich an der glänzenden Leiter fest, und Hermines Magen fühlte sich nicht gut an. Sie hatte Höhenangst. Das war der Grund, warum sie Quidditch immer gehasst hatte. Das, und ihre massiven Koordinationsprobleme.

„Brauchst du eine Extraeinladung, oder-?“, begann er gereizt, aber sie atmete gepresst aus.

„-halt den Mund“, murmelte sie, nicht mehr schlagfertig, und hob ihr Bein über seine Schulter. Seine Haut war wärmer als ihre, und sie hasste jede Sekunde hiervon. Sie stützte sich ebenfalls an der Leiter ab, als sie auch mit dem anderen Bein über seine Schulter stieg. Wacklig saß sie auf ihm, und spürte, wie er tief Luft holte.

„Bleib gerade“, informierte er sie.

„Das ist verdammt gefährlich, Malfoy“, flüsterte sie jetzt panisch, als ihr tatsächlich aufging, dass dieses Manöver sehr leicht lebensbedrohlich werden könnte, aber er machte ein gereiztes Geräusch.

„Nicht, wenn du gerade bleibst“, erwiderte er wenig hilfreich, und sie hielt die Luft an, als er sich plötzlich abstieß, in die Höhe stieg und sie jeden Halt unter den Füßen verlor. Er war stärker, als sie angenommen hatte. Wesentlich stärker, aber auch er schien seine ganze Kraft aufbringen zu müssen. Ihr Atem ging schnell, und so weit oben wurde ihr schwindelig. Sie krallte sich praktisch in seine dichten Haare, und war sehr froh, dass er es nicht kommentierte. Er atmete angespannt durch die Nase, und keine Armlänge über ihr schwebte die Notiz. Sie musste nur den Arm ausstrecken. Nur ein Stück. Sie wankte nach hinten, als sich ihre Hand löste, und sofort reagierte er, glich die Balance aus und schnappte wütend nach Luft.

„Du-sollst-verdammt-noch-mal-gerade-bleiben!“, zischte er durch zusammengebissene Zähne, und es tat ihr tatsächlich leid, aber sie sagte gar nichts, zwang ihre Ängste nieder, griff mit kalten zitternden Fingern nach der Notiz, und als sie den Arm hastig wieder runter riss, krümmte sie ihren Oberkörper, und dieses Mal konnte er ihren Fehler nicht ausgleichen, wankte mit ihr nach vorne, und schon fielen sie kopfüber nach vorne und durchbrachen die kühle Wasseroberfläche.

Sofort legte sich ihre Angst, aber eilig strampelte sie an die Wasseroberfläche, denn in ihrer Faust befand sich noch immer die Notiz. Er tauchte gleichzeitig mit ihr auf, schüttelte die Haare aus dem Gesicht und schien sich sehr kurz zu vergewissern, dass sie ok war, denn sein Blick flog über ihre Gestalt, bevor er den Mund verzog.

„Immerhin hast du uns nicht umgebracht“, sagte er gereizt, und sie schwamm eilig an den Rand, um die nasse Notiz zu entfalten. Sie hoffte, sie war nicht zerstört. Sie erkannte eine verlaufene Zeichnung. Darunter standen die Worte, kaum noch leserlich, aber vorhanden: Such mich, wo die Hitze herrscht.

Er schwamm neben sie, stützte sich ebenfalls ab und betrachtete die Notiz.

„Das ist ein Schlüssel“, stellte er lediglich fest, und schien die Zeichnung zu meinen.

„In der Sauna!“, kam ihr die Lösung, und sie würde Albträume von diesem Abend bekommen, so viel stand fest.

„Ich gehe“, erwiderte er, schwamm in wenigen Zügen zur gegenüberliegenden Leiter, und sie war ganz froh, denn ihre Knie waren noch sehr weich. Sie warf die Notiz zornig auf die Fliesen und war dankbar, nicht gestorben zu sein. Sie schwamm zur Beruhigung einige Bahnen, während sie auf Malfoy wartete. Nach einigen Minuten öffnete sich die Tür der Sauna, aber sein verschwitztes Gesicht wirkte mäßig unzufrieden. „Ich finde ihn nicht“, informierte er sie und schien eine Pause zu brauchen. Sie zog sich am Rand des Beckens nach oben, nur um dort sitzen zu bleiben. Das Tropfen ihrer Haare ins Becken war das einzige Geräusch, und kurz schloss sie die Augen, atmete lange ein und bedeckte anschließend ihr Gesicht mit ihren Händen, um wieder auszuatmen. Sie lehnte sich vor, legte ihre Arme auf ihren Beinen ab und starrte in das klare Wasser, was durch die bewegten Mosaike absurde Formen annahm.

Sie spürte seinen Blick auf sich, aber sie wollte ihn nicht ansehen. Sie wusste nicht, ob die Person, die hierfür verantwortlich war, das ernsthaft witzig fand. Ob sie Spaß daran hatte, ihr Leben durcheinander zu bringen.
Hermine fand es furchtbar und geschmacklos. Und es hätte sehr viel schief gehen können, gerade. Sie hätten stürzen können, hätten sich die Beine oder das Genick brechen können.
Vor allem könnte Hermine längst wieder bei Ron sein. Sie hätte sich entschuldigen können, ihm versprechen können, einen Ausweg zu finden. Stattdessen war sie nun gezwungen worden, hier zu sein, nur um in eine weitere Falle zu tappen. Sie hätte nicht zur Hochzeit gehen dürfen. Das wusste sie jetzt. Dann wäre Rose wütend gewesen – na und? Rose war ohnehin nicht das Kind, auf das Hermine stolz war, so weh es tat, so zu denken. Aber wegen Rose war alles furchtbar geworden. Und dann würde es nicht halten. Mit Kind oder ohne, Hermine war sich sicher. Gott, Rose bekam ein Kind. Dann wären sie für immer mit den Malfoys verbunden, egal, wie früh Rose sich scheiden lassen würde.

„Hey“, riss sie seine Stimme beinahe ruhig aus ihren Gedanken. Er setzte sich neben sie, und Hermine fühlte sich nicht wie Mitte vierzig, nicht wie eine erwachsene Frau, die vieles besser wissen sollte. Irgendwie hatten die letzten Wochen geschafft, sie einzuholen, ihr einen Dämpfer zu verpassen. Wer war sie, dass sie von irgendwem verlangen konnte, sie zur Ministerin zu wählen? Wenn die Wähler wüssten, was für eine Katastrophe sie war! Sie brauchte dringend Hilfe. Aber wen sollte sie fragen? Wohin sollte sie gehen? Noch hatte sie sich nicht mal mit der Familie auseinandergesetzt. Mit allen Weasleys, die natürlich über kurz oder lang Rons Seite wählen würden. Sie war der Außenseiter. Sie war angeheiratet. Und sollte Ron die Scheidung einreichen, dann… wäre sie die Exfrau. Wenn er wen anders kennenlernen würde? Wenn er…-
Sie schluckte schwer. Sie verdiente wirklich nichts Besseres, als das hier. Eingesperrt sein, auf einer weiteren Feier, mit dem Teufel persönlich. Mit leerem Ausdruck hob sie den Blick zu seinem Gesicht. Er hatte Recht. Sie wollte sein Gesicht auch nicht mehr sehen, auch nicht mehr seinen Namen denken. Sie hatte genug. Ruckartig erhob sie sich, ließ ihn sitzen, wischte sich wütend die aufkommenden Tränen vom Gesicht und riss die Tür zur Sauna auf. Sie war magisch, und deshalb entwich kein Dampf nach draußen. Sie kniff die Augen zusammen, tastete die warmen hölzernen Wände ab, griff blind nach den Bänken und hörte wie er die Sauna betrat.

„Warte!“, sagte er gepresst. „Ohne System-“

„-ich will hier raus, Malfoy!“, unterbrach sie ihn, ohne Geduld, ohne ihre Aufgelöstheit verbergen zu können.

„Das will ich auch, aber ohne Plan wird es ewig dauern!“, widersprach er gereizt.

„Dann such die Bänke ab, ich suche am Boden!“, fuhr sie ihn zitternd an, ging auf die Knie, und zornig tastete sie den Boden ab, krabbelte schluchzend weiter, bis sie spürte, wie sich seine Hände um ihre Oberarme legten und sie in die Höhe zogen. „Lass mich, Malfoy!“, rief sie wütend, aber sein Griff wurde lediglich fester und er zog sie nach draußen. Schweiß lief über ihre Stirn und wütend sah sie zu ihm auf.

„Beruhige dich“, informierte er sie, ruhiger, als sie geglaubt hatte. „Es ist ok.“

„Nichts ist ok!“, entkam es ihr ungläubig, fast hysterisch.

„Wir kommen hier raus. Selbst ohne Schlüssel ist es nur eine Frage der-“

„-das ist mir klar!“, fuhr sie ihn wieder an, während ihr Atem sich beschleunigte, die Panikattacke nicht mehr weit entfernt. „Es geht mir nicht um diese scheiß Feier hier!“

„Ich weiß“, sagte er lediglich, und kurz vergaß sie, panisch zu werden. „Ich weiß das, ok?“, wiederholte er beherrschter. „Das hier ist furchtbar, und glaub mir, sobald ich rausgefunden habe, wer verantwortlich ist, werden es schwarze Tage für diese Person werden. Aber du musst dich beruhigen“, sagte er wieder, und sie konnte nicht. Sie konnte einfach nicht.

„Rose hat ihn geheiratet“, flüsterte sie fast, schüttelte ungläubig den Kopf, und ihr Blick schwamm. „Sie… sie hat ihn einfach geheiratet, ohne… nachzudenken, ohne…“ Sie schluckte schwer.

„Ich weiß“, sagte er wieder. „Und es tut mir leid.“ Unglücklich sah sie ihn an.

„Dir tut es leid?“, wiederholte sie.

„Ja“, sagte er bloß. „Es tut mir leid, dass ich Scorpius nicht davon abbringen konnte. Es tut mir leid, dass du alleine auf diese Hochzeit kommen musstest, und es tut mir leid, dass…“ Er beendete den Satz nicht, aber sie nahm an, sie wusste, was ihm sonst noch leid tat. „Dass deine Ehe deshalb endet“, wählte er andere Worte. Sie schniefte und wandte den Blick ab. „Aber dann ist es nicht schlimm“, fuhr er bitter fort. Sie sah ihn wieder an.

„Was?“, flüsterte sie verzweifelt.

„Wenn dein Mann wegen der Beziehung eurer Tochter seine eigene Ehe schmeißt, dann ist es kein Verlust. Dann ist er ein Arschloch, und dann tut mir nicht mal die Hälfte von dem Leid, was vor zwei Wochen passiert ist“, schloss er tonlos, und wieder schluckte sie schwer. „Nettes Geschenk, übrigens“, wechselte er ruhig das Thema, und sie sah ihn überfordert an. „Es hatte mich interessiert, also habe ich es ausgepackt. Geschmackvoll“, ergänzte er eindeutig, und sie begriff, dass er von der Krawatte sprechen musste. Minimal hoben sich ihre Mundwinkel.

„Herzlichen Glückwunsch, Malfoy“, erwiderte sie schließlich. „Ich nehme an, du hattest dir deinen Abend anders vorgestellt?“

„Etwas“, entgegnete er ausweichend. Seine Mundwinkel zuckten kurz. „Also, lass uns den verdammten Schlüssel finden. Dann besorge ich dir persönlich einen Fahrenden Ritter und du kannst nach Hause.“ Er öffnete die gläserne Tür erneut, und Hermine streckte den Rücken durch. Sie trat in den heißen Dampf und atmete den sanften Pinienduft ein.

Sie spürte ihn neben sich, konnte seinen Umriss schemenhaft erkennen. „Du links, ich rechts“, sagte er, und sie wusste nicht, warum es gut tat, dass er nicht wahnsinnig wurde, dass er einen kühlen Kopf bewahrte, dass er da war und den Durchblick hatte. Sie machte so viele Fehler, tat sich schwer mit jeder neuen Entscheidung, und sie wusste, diese Entscheidung war genauso dumm wie alle bisherigen, aber bevor er im Nebel verschwinden konnte, griff sie nach seinem Arm, zog ihn näher, und dachte wieder nicht nach. Sie vergaß den Ekel und die Wut. Vergaß, was es bedeutete, und sie lehnte sich nach oben, griff mit der freien Hand in seinen Nacken, und es war ein Kuss ohne Widerstand. Er fand ihre Lippen sofort, und sie hasste, dass sie ihn küssen wollte, weil er der einzige Mann war, der nett zu ihr war. Für eine Sekunde. Denn er war nicht mal nett.
Aber hier im Dampf der Sauna, wo nichts wirklich echt erschien und die Hitze ihren Verstand benebelte, erschien es nicht mal verwerflich – dabei war es das.

Sein Körper war heiß gegen ihren gepresst, die Wärme seiner Haut absolut beruhigend, und dann war es eben ihr Geburtstagsgeschenk. Ein letzter Kuss. Denn das war es. Mehr gab es nicht.
Für sie war das der Abschied. Sie würde ihn nicht mehr sehen, bis es nicht absolut nötig war. Zur Scheidung, zur Geburt – zu was auch immer. Deshalb öffnete sie den Mund unter seinen Lippen, seine Zunge drang nach vorne, und es war das letzte Verrückte, was sie tun würde.

tbc...

A/N: ihr lieben, das war part one. nächste woche beginnt dann part two :> hoffe, ihr hattet spaß. es wird einen zeitsprung geben, da wir ja nicht ganz so lange in dieser story leben werden... aber das ist ok! bin gespannt, was ihr vom weiteren verlauf halten werdet :>
zum kapitelnamen 'the last crazy thing' ist die anspielung auf gilmore girls, staffel 5, episode 14 'say something', wo lorelai lukes anrufbeantworter zutextet mit 'the way we were'  szenen und dann das tape klaut.... sehr gute folge... :> hatte gilmore girls on my mind, während ich geschrieben habe... schon das vorherige kapitel, wie mir scheint :> gibt wesentlich schlimmeres, nehme ich an ;> ich drück euch!
M.
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