Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Siegel der Schatten

CrossoverFantasy, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
25.10.2020
06.04.2021
35
210.909
5
Alle Kapitel
18 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
25.10.2020 6.104
 
So, das hier ist zugleich eine alte und eine neue Story.
Alt, weil ich sie 2006 begonnen habe. Neu, weil ich sie derzeit gerade beende. Nach einer erzwungenen Pause von über 8 Jahren, in der ich zwar weitergeschrieben habe, aber nicht so viel wie ich wollte und vor allem nicht so viel, wie ich sollte, bin ich nun in der Zielgeraden. Und deshalb veröffentliche ich die Story nun doch noch hier, wie meine lieben Reviewer auf fanfiction.net mir damals immer geraten haben. ^_^

Also ja, die Story ist (evtl. mit ein paar mehr Rechtschreibfehlern ^_^' ) bis zum 24. Kapitel schon auf fanfiction.net veröffentlicht. Wer es also nicht erwarten kann, der kann durchaus dort vorbeischauen. Aber ich werde mich bemühen, hier die Kapitel relativ schnell ebenfalls auf diesen Stand hochzuladen.
Und dann kommen die restlichen Kapitel natürlich sofort auf beiden Platformen hinterher.

Also langer Rede kurzer Sinn: Los gehts.

Disclaimer: Ja, muss ich erwähnen, dass mir weder Yu-Gi-Oh! noch Harry Potter gehören? Nö eigentlich nicht...na zu spät! HP gehört JKR und YugiOh! gehört Kazuki Takahashi. Ich leih mir die Charas nur so gerne aus ^_^

Warnung: Das wird definitiv ne Shonen-ai-Story! Also Jungs-Jungs-Beziehung, Slash, Boy x Boy, wie ihr es nennen wollt. Wer das nicht mag, ihr wisst, wo der Exit-Button ist.

Pairings: Yami Yuugi/Yuugi, Harry/Draco, Seto/Joey, Ryou/Bakura/Marik, Hermine/Ron; weitere kommen noch!

So jetzt aber! Viel Spaß und sagt mir wie ihrs findet.


Siegel der Schatten
1. Auftakt

Yuugi ließ den Kopf auf den Tisch fallen und seufzte vernehmlich.

‚Ich will zurück! Das ist so langweilig.’

Yami ließ in seinem Seelenraum ein leises Lachen vernehmen und Yuugi konnte nicht umhin zu bemerken, dass er dieses Geräusch in den letzten Monaten sehr selten gehört hatte.

/Aber Aibou, Hieroglyphen sind doch interessant!/

Yuugi seufzte erneut vor sich hin und ignorierte den sarkastischen Unterton des Pharaos.

‚Jaa, Hieroglyphen sind interessant. Aber nicht die Art, wie er es uns versucht beizubringen. Und ich wette, ich hab in den letzten Monaten mehr ägyptische Steintafeln gesehen, als dieser selbsternannte „Hieroglyphenexperte“ in seinem ganzen Leben.’

Yami sagte dazu nichts, denn es war die Wahrheit. Yuugi verkniff sich ein weiteres Seufzen. Da waren sie extra zwei Wochen eher von diesem Seminar in Karnak und Theben wiedergekommen um den Beginn des neuen Semesters nicht zu verpassen – und dann wartete hier so eine Schlaftablette auf sie. Dieser angebliche Professor Swannson hatte Ägypten wahrscheinlich drei Mal in seinem ganzen Leben besucht und hielt sich deswegen gleich für einen Experten. Dabei konnte er garantiert nur die Hälfte der Texte lesen, die er den Studenten im Laufe der letzten Stunde als weltbewegende Geschichtsdokumente an die Wand projiziert hatte, während sich Yuugi angesichts der langweiligen Einkaufslisten, Baupläne oder Lebensmittelbestellungen für große Feste nur mühsam das Gähnen verkneifen konnte.

Wie viel spannender waren da doch die Ausgrabungsstätten gewesen. Natürlich hätte ihre Seminargruppe ohne Yamis Hilfe nur die Hälfte von dem gefunden, was sie in den letzten drei Monaten vom Sand befreit hatten. Doch Yuugi konnte sich rühmen, zumindest die alte Sprache der Ägypter und die meisten der häufiger gebräuchlichen Dialekte selbst entziffern zu können – sogar ohne Yamis Hilfe. Masah, der Leiter der Ausgrabungsstätten circa 5 Kilometer von Karnak entfernt, hatte ihn gar nicht mehr gehen lassen wollen, obwohl er Yuugi am Anfang überhaupt nicht beachtet hatte. Das Seminar wurde zwar jedes Jahr abgehalten, weil die Archäologen durch die Studenten billige Arbeitskräfte bekamen, die sich auch bei der größten Mittagshitze nicht beklagen durften, doch normalerweise waren dort sonst nur Studenten aus Kairo selbst, oder aus den reicheren Unis von Amerika und England zugange. Yuugi war der erste japanische Student überhaupt gewesen.

Natürlich hatten sie sich zuerst über sein seltsames Aussehen gewundert und Scherze gemacht, wie lange er es wohl in den schwarzen Lederhosen unter der heißen ägyptischen Sonne aushalten würde. Dann hatten sie sich kurzfristig für ihn interessiert, als sie erfuhren, dass sein Großvater Sugoroku Mutô war. Doch letztendlich durfte Yuugi die ersten drei Tage nichts anderes machen als Wasser hin und her schleppen und Pinsel oder Spaten reichen.

Wenn es nach Yami gegangen wäre, säße die gesamte Mannschaft noch jetzt im Reich der Schatten fest, aber Yuugi hatte ausgehalten ohne sich zu beklagen. Denn er hatte gewusst, dass früher oder später eine Situation kommen würde, wo sie ihn – oder besser Yami – nicht mehr länger ignorieren konnten. Als Masah dann höchstpersönlich einen Obelisken ausgegraben hatte, dessen Inschrift aufgrund des fremden Dialektes keiner lesen konnte, war dieser Tag gekommen. Yami war es leicht gefallen, den ungewöhnlichen und prunkvollen Wegweiser – um nichts anderes handelte es sich bei dem Granitstein nämlich – zu entziffern. Yuugi hatte zwei Tage gewartet, um nicht zu verdächtig zu erscheinen und war dann mit einer absichtlich holprigen, unvollständigen, aber dennoch sehr hilfreichen Übersetzung zu Masah gegangen. Von da an hatte diese Arbeitsgruppe mehr Fortschritte gemacht, als in all den vorangegangenen Monaten zusammen und letztendlich hatten sie sogar eine der kleineren Grabpyramiden aus der 16. Dynastie gefunden.

Und deshalb war Masah auch so unglücklich gewesen, als Yuugi am Ende der drei Monate wieder nach Japan zurück gekehrt war, um das neue Semester zu beginnen. Der Leiter wusste durchaus, wem er seinen Erfolg zu verdanken hatte, auch wenn Yuugi die Entdeckungen möglichst unauffällig vorangetrieben hatte.
Doch jetzt bereute Yuugi, Yamis Flehen um noch eine Woche mehr nicht nachgegeben zu haben. Diese Vorlesung hier konnte er sich echt schenken. Und so was nannte sich nun 4. Semester.

Yuugi drehte den Kopf auf die andere Seite, ohne seine bequeme Lage auf dem Tisch jedoch aufzugeben. Ryou sah auch nicht sehr aufmerksam aus. Er kritzelte die ganze Zeit seinen Block wahllos mit Hieroglyphen voll. Plötzlich spürte der weißhaarige Junge den Blick seines Kommilitonen auf sich und drehte sich mit einem breiten Grinsen zu Yuugi um. Dieser stutze kurz, erkannte, dass Bakura die Kontrolle über Ryous und seinen gemeinsamen Körper übernommen hatte und hob leicht den Kopf, so dass er lesen konnte, was auf dem Blatt vor seinem Freund stand. Ihm wurde klar, dass es sich nicht einfach nur um willkürliche Schriftzeichen handelte und Yuugi schickte dem Grabräuber einen strafenden Blick. Doch er wurde von einem leisen, amüsierten Kichern Yamis unterbrochen, was Yuugi stutzen ließ. Das war jetzt schon das zweite Mal innerhalb weniger Minuten, dass Yami seiner guten Laune Ausdruck verlieh, wo er doch selbst in Karnak in den letzten Monaten gerade mal so bei einer neuen Entdeckung ein leichtes Lächeln gezeigt hatte. Schon allein für diesen seltenen Moment, Yami glücklich zu sehen, konnte Yuugi Bakura nur dankbar sein. Also ignorierte er dessen Schlachtplan, Swannson mit den Geistermonstern seines Decks zu bannen, mit dem Schwarzen Magier vor versammelter Mannschaft anzugreifen und ins Schattenreich zu verbannen. Zugegeben, es war eine amüsante Vorstellung, besonders wenn er überlegte, die Angriffsbefehle in Ägyptisch zu rufen und zu sehen ob Swannson sie übersetzen konnte, bevor er anhand der Aktion herausfand, was die Worte bedeuteten.  

Yuugi lenkte seine Aufmerksamkeit nun doch wieder nach vorn und ließ Bakura weiter Pläne schmieden. Es würde sowieso nur bei der Theorie bleiben, denn erstens hatte auch Ryou – mittlerweile von Bakura als annähernd gleichwertig anerkannt – noch ein Wörtchen bei derartigen Aktionen mitzureden und zweitens verkniff sich Bakura trotz seines Sinns für dramatische Auftritte solche Sachen, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Er wollte ja schließlich in Ruhe weiter in Domino City bleiben, ohne dass jeder seine Fähigkeiten kannte – auch wenn Bakura die Angst der Menschen sicher genießen würde.

Yuugi konnte dem Unterricht jedoch nicht lange folgen, denn es war auch in den letzten Minuten nicht interessanter geworden. Also verlor er sich in Grübeleien. Dabei schottete er seine Gedanken leicht von Yamis Seelenraum ab, wusste aber, dass der Pharao ihn noch immer hören konnte, wenn er das wollte. Yuugis Gedanken schweiften zu ihrem Duell vor drei Jahren zurück. Damals hatte er beweisen müssen, dass er auch ohne Yami an seiner Seite überleben konnte. Doch letztendlich hatte sich gezeigt, dass er zwar allein nicht hilflos war, aber auch nicht ohne Yami sein konnte. Genauso wie der Pharao nicht ohne seine lichte Hälfte überleben konnte.

+-+-+-+-+- Flashback -+-+-+-+-+-

Das goldene Portal hatte sich geöffnet und die Verlockung stand groß und unübersehbar vor ihm. Dort dahinter war seine Vergangenheit, sein Leben, alles was ihn ausmachte. Der Wunsch, zu wissen, wer er war, hatte Yuugi und ihn im letzten Jahr in immer neue Abenteuer gestürzt und nun stand er endlich am Ende des Weges. Ruhe und Erlösung nach 3000 Jahren voller Irrwegen warteten auf ihn und er würde endlich all seine Fragen beantwortet bekommen. Und dennoch zögerte er.

Atemu hatte nicht gegen Yuugi kämpfen wollen, doch es wurde von ihnen beiden verlangt und er hatte die Herausforderung letztendlich akzeptiert, so wie er sie immer akzeptierte. Und außerdem hatte Yuugi dadurch die Chance erhalten sich selbst und allen anderen zu beweisen, wie stark er allein wirklich war und das er niemanden brauchte – auch nicht ihn, den Pharao eines längst vergangenen Reiches, seinen Seelenverwandten, sein anderes ich. Nach so langer Zeit, die sie gemeinsam in Yuugi Körper verbracht hatten, hatte der Junge endlich bewiesen, dass er allein ebenso mächtig war, wie zusammen mit seinem Yami.
Es war alles so, wie es sein sollte und dennoch wollte ein Teil von Atemu nicht gehen. Dieser Teil von ihm akzeptierte nicht, dass er nur für den Preis des Wissens um die Vergangenheit, die sowieso schon längst vorbei und vergessen war, die Gegenwart aufgab und Menschen zurück ließ, die ihm wichtig waren.
Atemu ahnte nur ansatzweise, was es war, dass ihn noch hier in dieser Welt hielt und teilweise weigerte er sich noch, dieses Gefühl tiefer zu erforschen. Denn er wusste, dass er dann nicht mehr würde gehen können, egal wie hell dieses Tor der Verlockung vor ihm auch immer strahlen würde. Er durfte diese Chance nicht ungenutzt verstreichen lassen. Sie würde nie wieder kommen. Er musste jetzt gehen.

Ohne sich umzublicken machte Atemu einen weiteren Schritt auf das Tor aus Licht zu, doch plötzlich hörte er eilige Schritte hinter sich und ein warmer Körper schmiegte sich sehnsuchtsvoll und ängstlich an ihn. Arme umschlangen seine Taille und hielten ihn, als wollten sie ihn nie mehr fortlassen. Und Atemu wusste genau wer es war. Er hatte es halb gefürchtet und halb gehofft. Und jenes Gefühl wurde stärker und drängte weiter nach oben.

„Geh nicht. Ich brauche dich!“

„Yuugi, du hast bewiesen, dass du allein klarkommst. Du brauchst mich nicht. Mein Platz ist nicht mehr hier.“ Atemu wollte den anderen von sich lösen, doch er hatte nicht die Kraft dazu, etwas so Grausames zu tun.

„Nein. Ich habe bewiesen, dass ich auch allein überleben und siegen kann, aber ohne dich bin ich dennoch hilflos. Ich brauche dich. Ich...“ Yuugis erstickte Stimme war nur leise, doch Atemu verstand jedes Wort als würde der andere schreien. Und jede Silbe schnitt tief in die Mauer, die er um dieses eine Gefühl gelegt hatte und riss sie immer mehr entzwei.  

Und plötzlich konnte er es nicht mehr leugnen. Er erkannte, dass nichts diesen Preis wert war. Nichts war so wertvoll wie ihre gegenseitigen Gefühle. Wie erstarrt stand er vor dem Tor zu seiner Vergangenheit und dem Wissen um sein früheres Leben und konnte sich nicht rühren. Der Körper an seinem Rücken war der einzige Halt, den er hatte und er war sich der Gegenwart Yuugis mit jeder Faser seines Körpers bewusst.

Er konnte nicht gehen!

Yuugi hatte vielleicht bewiesen, dass er allein auch stark war, doch er – Yami – konnte allein nicht existieren. Er brauchte Yuugi so wie dieser ihn brauchte. Sie gehörten zusammen. Nichts durfte sie trennen. Kein Feind, keine Verlockung, keine Macht der Welt.
Er gehörte Yuugi und Yuugi gehörte ihm und so musste es sein, weil ....

„Ich liebe dich!“ Yuugis Stimme war nur noch ein Flüstern und Yami spürte überdeutlich, dass Yuugi keine Hoffnung hatte, ihn noch umzustimmen. Der jüngere glaubte, dass es für Yami nichts Wichtigeres gab, als seine Erinnerungen und sein früheres Leben wieder zu entdecken. Diese Erkenntnis schmerzte Yami bis auf den Grund seiner Seele, denn er spürte wie einsam und verloren sich Yuugi gerade jetzt fühlte, wo er doch noch immer bei ihm war. Für Yuugi musste es sich anfühlen wie blanker Hohn. Dass, was er liebte, war zum Greifen nahe und doch unerreichbar. Und Yami schwor sich in diesem Augenblick Yuugi nie wieder so zu verletzen, auch wenn es nicht seine Schuld war. Und er wusste, dass er für immer bei Yuugi bleiben würde. Sie gehörten zusammen und brauchten einander. Weil sie sich liebten.

In dem Moment, als sich Yami in Yuugis Armen umdrehte, ihm tief in die amethystfarbenen Augen blickte und ihre Lippen zu einem sanften und doch leidenschaftlichen Kuss vereinte, glühte das Licht des Tores strahlend hell auf, als würde es einen Abschiedsgruß senden. Dann erlosch das Glühen und zurück blieb Yuugi mit brennenden Lippen, geröteten Wangen und einem Versprechen. Warme Gedanken brandeten von Yamis Seelenraum zu Yuugi und umhüllten ihn wie einen schützenden Kokon. Sie waren eins und würden es bleiben. Niemand konnte sie trennen und ihre Liebe aufhalten. Sie gehörten zusammen.

+-+-+-+-+-+-Flashback Ende+-+-+-+-+-+

Joey, Tristan und besonders Seto wussten nicht richtig, was sie davon halten sollten. Und Tea hatte einfach ignoriert, was sie da gesehen hatte. Das Mädchen hatte erst volle 6 Monate danach wirklich begriffen, dass ein Kuss zwischen Yami und Yuugi zwangsläufig bedeutete, dass sie keine Chance bei einem der beiden hatte.
Nachdem sich das Tor zu Yamis Vergangenheit geschlossen hatte ohne jemanden hindurch zu lassen, hatten sich die 7 Milleniumsgegenstände wieder aus der Steintafel gelöst und Yuugi hatte sie erneut an sich genommen. Dann waren alle in dem Bewusstsein zurück gekehrt, dass Yami noch immer bei ihnen war. Doch die anfängliche Begeisterung Yuugis und Yamis war schnell Ernüchterung gewichen.
Sie konnten die Gedanken des anderen hören, sie fühlten, was der andere fühlte, sie konnten dem anderen Gefühle der Liebe und Wärme senden – doch das war alles. Anfangs hatte Yuugi seine Gedanken vor Yami verheimlicht, weil er sich schuldig fühlte. Nur seinetwegen war Yami nun in dieser Welt gefangen. Ja, sie liebten sich, doch wie konnte man jemanden wirklich lieben, ohne dieses Gefühl auch mit dem Körper zu erleben. Yuugi ertappte sich immer öfter dabei, dass ihm die bloße Gegenwart Yamis nicht reichte. Er wollte mehr. Und er schämte sich für diese Selbstsucht, denn ohne Yamis Opfer wäre er ganz allein. Wie konnte er da noch mehr verlangen?
Rückblickend hatten sie in diesem Jahr nach ihrem Duell und somit in seinem letzten Schuljahr weniger miteinander geredet, als jemals zuvor. Und irgendwann war die ganze Situation unerträglich geworden. Als Seto dann offiziell mit Joey zusammen gekommen war, war es eskaliert. Es war eine ganz normale Party gewesen, auf der Seto Joey dann irgendwann einfach zu sich gezogen und geküsst hatte. Alle hatten applaudiert, selbst Tea, doch Yuugi hatte nur wie erstarrt da gestanden und verzweifelt versucht seine Gedanken vor Yami zu verbergen. Dass er genau das wollte, dass ihm nur die Gefühle nicht reichten. Er hatte solche Angst gehabt, dass Yami ihn hören könnte und ihn für seinen Eigennutz hassen könnte. Doch der Pharao hatte seine Seele nur warm umarmt und ihm gebeichtet, dass er die gleichen Gedanken schon seit Monaten selbst hatte. Ihnen reichte beiden nicht, was sie jetzt hatten, doch sie wussten nicht, wie sie die Situation ändern konnten. Sie wollten zwei Körper um eins zu werden, doch das war unmöglich.

Yuugi hatte sich dann von der Party davongeschlichen und die ganze Nacht mit Yami geredet. Der Pharao hatte ihm gestanden, dass er sogar das Reich der Schatten nach einer Lösung dieses Problems abgesucht hatte. Seit jenem Tag, als sie ihr Duell ausgetragen hatten und sich gemeinsam für eine Zukunft als Einheit entschieden hatten, standen Yami fast alle Türen seiner Seele offen die zuvor verschlossen waren. Oft hatten sie gemeinsam zu erforschen versucht, was sich in den Räumen und Hallen verbarg und waren nicht nur einmal an der schieren Ausweglosigkeit dieser Unendlichkeit verzweifelt. Doch Yami wusste heute viel mehr über seine Fähigkeiten und das Schattenreich  als je zuvor und dennoch hatte er keine Möglichkeit gefunden, seinen und Yuugis sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Und so hatten sie lernen müssen, damit zu leben.

Und irgendwie hatten sie die Zeit bis heute überlebt ohne an ihren Gefühlen und ihrem Verlangen zu zerbrechen. Doch Yamis Lachen war noch seltener geworden und auch Yuugi war ernster und düsterer geworden. Dieses Seminar in Ägypten war der erste Lichtblick seit Beginn ihres Studiums der ägyptischen Geschichte und Kultur gewesen, lenkte es sie beide doch wirkungsvoll von allen düsteren Gedanken ab. Wenn man 12 Stunden im glühend heißen Sand herumkroch konnte man nicht mehr an viel anderes denken als an seine Arbeit. Zumal jedes neue Stück eine neue Geschichte erzählte, die um so vieles spannender war als alles zuvor.

Und so war nicht nur die langweilige Vorlesung ein Grund für Yuugis Wunsch zurück nach Karnak zu gehen. Er fürchtete sich davor, dass wieder diese Gedanken zurück kehrten. Wieder hier in Domino zu sein, Seto und Joeys verliebte Blicke zu sehen und genau zu wissen, dass man das selber nie so erleben konnte, obwohl man den Partner fürs Leben längst gefunden hatte – das würde sein und Yamis Leben weiterhin überschatten und sie jeden Tag aufs Neue prüfen.

+-+-+-+-+-+-

„Hey, Schlafmütze. Aufwachen, ihr zwei!“

Yuugi blinzelte etwas und erkannte dann Ryou, der ihn aus amüsierten Augen anlächelte. Dann brandete auch der Lärm der Studenten an sein Ohr und dem Jungen wurde bewusst, dass diese öde Vorlesung tatsächlich zu Ende war. Mit einem Stoßgebet zu Re erhob sich Yuugi und packte seine Tasche zusammen – nicht, dass er viel mitgeschrieben hätte.

Ryou ging voraus und lotste sie beide durch diverse Studententrauben aus dem Hörsaal hinaus. Doch er bog nicht, wie die anderen, zum Hauptausgang ab, sondern verschwand in der Toilette und Yuugi folgte ihm lustlos. Es war nicht nur die Nachwirkung der Vorlesung, sondern auch das, was nun kam. Doch Ryou erwartete es von ihm.

Die beiden mussten warten, bis ein anderer Student das WC verließ, doch dann waren sie allein und Yuugi überließ seufzend Yami die Kontrolle. Dieser rief die Fallenkarte ‚Verschlossene Tür’, die zwar normalerweise im Duell nur in Kombination mit der Feldzauberkarte ‚Verwunschenes Schloss’ angewendet werden konnte, doch hier erfüllte sie eine ähnliche Funktion. Dann blickte Yami Bakura, der jetzt den Körper Ryous übernommen hatte, mit einem undeutbaren Blick an, konzentrierte sich aber dann auf sein Puzzle.

„Bereit!“, fragte der Pharao knapp und der Grabräuber nickte, ohne sich über den Tonfall zu wundern. Er glaubte wohl, dass Yamis Distanz noch von ihrer früheren Feindschaft stammte, die bis jetzt auch noch nicht wirklich aufgehoben war. Doch es war mehr, viel mehr.

Bakura holte den Milleniumsring unter dem Shirt hervor und konzentrierte sich. Yami tat es ihm gleich und ließ die Kräfte des Puzzles frei fließen. Gemeinsam konzentrierten sie sich auf das Milleniumsauge und schickten dann die Macht der Schatten aus, um Marik zu rufen. Vor drei Jahren, als die Steintafel die sieben Milleniumsgegenstände wieder frei gegeben hatte, hatte Yuugi gemeinsam mit Yami entschieden, dass es sicherer war, die Artefakte getrennt zu hüten. So hatte der Junge die Kette und den Schlüssel behalten und besaß natürlich noch immer das Puzzle. Der Stab war an den rechtmäßigen Eigentümer Seto gegangen, auch wenn dieser sich damals standhaft geweigert hatte, die Tatsache seines früheren Lebens als Hohepriester zu akzeptieren. Auch die Waage hatte Yami seinem früheren Freund und Berater anvertraut und langsam zeigte sich sogar, dass der junge Firmenchef seine Erinnerungen und seine Fähigkeiten entdeckte. Ryou trug weiterhin den Ring mit Bakuras Seele und Marik hatte im Austausch gegen den Stab das Auge erhalten. Da seine dunkle Hälfte sicher im Reich der Schatten gefangen war, bestand kein Risiko, doch es stand Marik als Mitglied der Grabwächter zu, einen der heiligen Gegenstände zu tragen. Aber die Macht des Auges allein reichte nicht, um ihn von Ägypten hier her nach Japan zu bringen und selbst in Kombination mit dem Ring war das schwierig und so war es nötig, dass Yami die Macht seines Puzzles zur Verfügung stellte.

Nach einigen Augenblicken stiller Konzentration öffnete sich ein Schattenportal in ihrer Mitte und eine bekannte Gestalt trat hervor. In eine leichte Sommerhose und ein helles Top gekleidet, stand Marik zwischen den beiden Studenten und machte eine begrüßende Geste. Als das Portal, welches die Magie der Milleniumsgegenstände erschaffen hatte, zusammen brach, drehte er sich jedoch erwartungsvoll zu Bakura um und die beiden umarmten sich heftig, bevor sie in einem leidenschaftlichen Kuss versanken.

Yami senkte den Kopf und versuchte die geflüsterten Liebesworte zu überhören. Frustriert überließ er Yuugi wieder die Kontrolle und verkroch sich in seinem Seelenraum. Diesem fiel es zwar auch nicht leicht, seine Gefühle angesichts der Zärtlichkeit seiner Freunde zu unterdrücken, aber er hatte ein besseres Talent, sie zu verstecken. Bei Yami fehlte in solchen Situationen nie viel zu einer Überreaktion, bei der er Bakura und Marik sicher heftiger attackiert hätte, als mit einfacher Feindschaft zu erklären war.

Auch Yuugi wagte es nicht, den beiden bei ihrem langen Kuss zuzusehen. Wie er das hasste. Doch Ryou konnte seinen und Bakuras Geliebten nun mal nicht ohne ihre Hilfe aus Ägypten holen und die drei sahen sich durch Mariks Arbeit im Museum von Kairo selten genug. Wer war er also, dass er ihnen ein Treffen verbieten durfte – nur aus Eifersucht.
Doch irgendwann trennten sich die beiden dann doch und Marik hatte nun auch Zeit Yuugi und Yami zu begrüßen. Yuugi besaß glücklicherweise noch immer sein Talent, jedem bei jeder Gelegenheit den fröhlichen Jungen vorzuspielen und so konnten die drei auf ihrem Weg durch das Unigelände sogar über Mariks Erzählungen über diverse ‚unwissende’ Touristen lachen.

Doch als sich Ryou und Marik von Yuugi verabschiedeten um nach Hause zu gehen, war der Junge dennoch erleichtert. Er wusste gar nicht mehr, wann die drei zusammen gekommen waren. Damals hatte er sich für sie gefreut, denn immerhin hatte es keiner von ihnen je besonders leicht in seinem Leben gehabt. Und jemanden zu haben, auf den man sich verlassen konnte, der einen tröstete und dessen Liebe man spüren und erwidern konnte, dass war für sie alle ein verdientes Geschenk. Und sie forderten ihn und Yami ja auch nicht bewusst heraus. Sie benahmen sich nur eben wie die Verliebten, die sie waren und dann wurde Yuugi und seiner dunklen Hälfte immer wieder vor Augen geführt, was sie eben nicht haben konnten.

Der Junge wanderte in Gedanken versunken weiter die Straße entlang auf dem Weg zum Gameshop, den sein Großvater noch immer mit Elan betrieb. Es war einfach nicht fair. Er und Yami hatten diese Chance nicht. Sie liebten einander und konnten einfach keinen dritten in dieser Beziehung akzeptieren. Sicher, für die Dreiecksbeziehung, die Marik, Ryou und Bakura besaßen, war es nötig, dass sich auch Ryou und der Grabräuber liebten, doch sie konnten ihr körperliches Verlangen stillen und empfanden es nicht wie Fremdgehen. Yuugi hatte nur ein einziges Mal an etwas derartiges gedacht, kurz nachdem Ryou es ihm erzählt hatte. Doch der Gedanke, mit jemand anderem außer seiner zweiten Hälfte zu schlafen, war ihm wie Verrat an Yami vorgekommen. Seitdem hatte er daran nie wieder gedacht und auch mit Yami nie darüber gesprochen. Sicher, der Pharao hatte garantiert mindestens einmal ähnliche Gedanken gehabt und sei es nur um ihn, Yuugi, glücklich zu sehen und ihm zu ermöglichen, sein Verlangen zu stillen. Doch er hatte dieses Thema von sich aus nie angesprochen, weil er selbst erkannt hatte, wie falsch eine Beziehung mit einem dritten für sie beide wäre. Sie liebten nur einander.

Yuugi betrat seufzend den Laden, setzte aber sofort ein leichtes Lächeln auf, als er seinen Großvater sah. Seine und Yamis Probleme gingen niemanden etwas an.

„War die Vorlesung so schlimm?“ Sugoroku sah seinen Enkel mitleidig an und dieser merkte wieder einmal, dass er vor dem Mann nichts verbergen konnte, da der ihn einfach zu gut kannte. Doch der Vorwand war ihm willkommen.

„Der Mann hat echt keine Ahnung. In der ersten Stunde dachte ich ja noch, er zögert den interessanten Teil hinaus, um die Leute bei der Stange zu halten. Aber mittlerweile weiß ich, dass er einfach nicht mehr weiß. Da brauche ich bei Yami nur durch die nächstbeste Tür zu gehen und erfahre mehr, als Swannson in einer ganzen Vorlesungsreihe erzählen kann.“

„Du solltest nicht so negativ denken. Und das ist ja nicht dein einziges Fach.“

Yuugi nickte leicht. „Gott sei dank. Und die Aufarbeitung des Seminars wird mich dann doch noch eine Weile beschäftigen. Ich will ja einen guten Bericht abgeben. Das ist überhaupt ein gutes Stichwort. Ich hab ja gestern schon nichts gemacht. Ich bin dann oben.“

Sugoroku nickte nur und sah Yuugi hinterher wie er über die Treppe aus dem Laden verschwand. Irgendetwas stimmte mit dem Jungen schon seit langem nicht, aber er schien der Meinung zu sein, dass er damit selbst fertig werden musste. Der Mann seufzte leise und wandte sich der angefangenen Bestellung zu. Irgendwann würde er es erfahren und bis dahin konnte er sowieso nichts tun.

+-+-+-+-+-+-

Der warme Körper presste sich an ihn und heiße, feuchte Lippen fuhren seinen Hals entlang, liebkosten jeden Zentimeter Haut, den sie berührten auf ihrem Weg nach oben. Dann trafen sich ihre verlangenden Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss und seine Hand fuhr durch das Haar es anderen. Ihre Zungen vollführten einen leidenschaftlichen Kampf um die Herrschaft, den letztendlich Yami gewann. Yuugi stöhnte leise in den Mund des anderen, als Yamis Hände auf Wanderschaft gingen, mit massierenden Bewegungen den Rücken hinab fuhren und dann in Yuugis Lederhose verschwanden. Sein Körper schmiegte sich noch näher an den seiner dunklen Hälfte und er fühlte wie sich ihre Erregungen aneinander rieben. Verlangend rieb er sich am Schritt des Geliebten und.....

Yuugi blinzelte und versuchte die Wirklichkeit von dem Traum zu trennen. Seine Hand lag auf seinem pulsierenden Schritt und war feucht von seinem Samen. Halb benommen, halb hellwach blickte er sich nach der Ursache um, die ihn geweckt hatte. Als er die Stimme seines Großvaters erneut rufen hörte, ließ er sich erleichtert zurück in die Kissen fallen und atmete erst einmal ruhig durch.

„Ich komme gleich!“, rief der Junge nach unten und musste trotz des Traumes leicht schmunzeln. Gleich war falsch formuliert. Eigentlich war er schon gekommen.
Yuugi seufzte und löste seine Hand endlich von seiner noch immer festen Männlichkeit. Das Sperma an den Boxershorts abwischend, die er noch immer trug, dachte er an den vergangenen Traum.

/Das war das dritte Mal diese Woche oder?/

Yuugi errötete leicht, denn er hörte aus Yamis Stimme noch die Erregung. Aber immerhin war er nicht alleine an diesen immer wieder kehrenden Träumen schuld, denn sie waren ein Produkt ihrer gemeinsamen Fantasie. Das machte sie jedoch nicht weniger qualvoll.

Seit mindestens zwei Jahren träumten sie schon davon, in getrennten Körpern einander Lust zu schenken. Der Traum variierte oft, doch der Kern blieb immer gleich. Und in letzter Zeit häufte er sich. Langsam wurde es unerträglich. Und das schlimmste war, dass sie es nicht einmal im Traum schafften, eins zu werden. Irgendetwas störte sie immer. Sie waren in all der Zeit nicht über Küssen und Streicheln hinausgekommen und jedes Mal wachte Yuugi erregt und unbefriedigt auf und Yami ging es dadurch nicht anders. Immerhin war es ihr gemeinsamer Körper. Doch eigentlich wollte Yuugi auch nicht im Traum mit Yami schlafen, denn es würde immer nur ein Traum sein, nicht die Realität.

Stop!

Yuugi rief sich innerlich zur Ordnung und stoppte seine wandernden Gedanken. Das brachte ja sowieso nichts. Er würde über das ganze Grübeln nur wieder deprimiert werden und das konnte er wirklich nicht gebrauchen.

Entschlossen schwang sich der Junge aus dem Bett, schmiss die Shorts in die Schmutzwäsche und stellte sich ausgiebig unter die kalte Dusche. Yamis Gedanken drangen grummelnd zu ihm heran über diese Holzhammermethode, doch letztendlich waren sie wach und ihr ‚Problem’ hatte sich auch verkleinert. Aber beide wussten, dass diese Situation langsam unerträglich wurde. Lange konnte das nicht so weiter gehen. Aber sie sahen keinen Ausweg.

Als Yuugi dann endlich am Frühstückstisch erschien, stellte er fest, dass es schon 14 Uhr durch war. Eigentlich war es sonst nicht seine Art, so lange zu schlafen, doch er hatte gemeinsam mit Yami bis zum Morgen über dem Protokoll für das Karnak-Seminar gebrütet und war seinem Großvater dankbar, dass er ihn hatte schlafen lassen.

Fünf Stunden später blickte sich Yuugi dann kritisch im Spiegel an und Yami erschien in seiner Geistform neben ihm und schaute ihm über die Schulter.

„Irgendwie ist das ungewohnt.“

/Ich gebe zu, du siehst nicht schlecht aus, aber Leder steht dir trotzdem besser. Warum musste es noch mal ein Anzug sein?/

Yuugi zuckte mit den Schultern. ‚Ich hab keine Ahnung. Kaiba meinte irgendwas von standesgemäßer Kleidung und ich solle es ja nicht wagen mit Leder oder Gürtel zu erscheinen. Entweder will er Joey heiraten oder ein Tanzturnier veranstalten.’

/Ich halte beides für sehr unwahrscheinlich. Und ich finde dem Anzug fehlen noch ein paar Accessoires./ Yami trug seine normale schwarze Lederhose und ein schwarzes Shirt. Seine Hand zeigte bezeichnend auf den nieten- und schnallenbesetzten Gürtel um seine Hüften, doch Yuugi schüttelte nur den Kopf.

‚Wenn Kaiba mich im Anzug sehen will, kann ich das dazu wirklich nicht tragen. Das wäre Provokation hoch Zehn. Obwohl es sicher interessant aussehen würde. Aber er sollte sich schon einen wichtigen Grund für diesen Aufzug ausdenken, sonst kann er sein nächstes Turnier ohne mich veranstalten.’

Yami grinste sarkastisch. Das würden sie beide sowieso nicht durchstehen. Wenn Kaiba ein Duell vorschlug, konnten sie doch eh nicht widerstehen.

Der Pharao legte seinen Kopf schräg und musterte Yuugi noch einmal von oben bis unten.

/Na einen Abend werde ich es aushalten, dich so zu sehen./

Yuugi nickte seiner zweiten Hälfte zu und suchte dann das Jackett aus dem Kleiderstapel auf seinem Bett heraus. Kaiba hatte ihm mehrere Garnituren geschickt, in dem Wissen, dass der Junge sowieso nichts ‚Passendes’ besaß.

Als er sich die Jacke überstreifte, spürte er Yamis Gedankenarme seine Seele sanft umarmen. Eine leise Stimme fragte vorsichtig: /Müssen wir da wirklich hin? Joey wird es wieder nicht lassen können von ihren gemeinsamen Nächten zu schwärmen und der Grabräuber ist auch nicht besser. Ich glaub nicht, dass ich das einen ganzen Abend aushalte./

Die verliebten Blicke, die Berührungen, das Händchenhalten oder Bakuras Prahlereien...Yuugi seufzte. Eigentlich wollte er auch nicht auf diese Party, aber er hatte es Seto versprochen und es hatte nach etwas Wichtigem ausgesehen. Yuugi vermutete schon die ganze Zeit eine Verlobungsfeier oder etwas Ähnliches.

‚Wir haben keine andere Wahl. Es sind immer noch unsere Freunde. Ich will da ja auch nicht hin, aber es muss sein. Und ich verspreche dir, wenn es zu unerträglich wird, verschwinden wir einfach wieder. Keiner hat gesagt, wie lange wir bleiben müssen.’

/Ich weiß. Danke./ Yami sandte ein warmes Gefühl der Dankbarkeit zu Yuugi. Seine seelische Umarmung wich auch auf dem Weg durch die Straßen von Domino nicht. Sie hätten zwar leicht durch das Schattenreich gehen können, denn für eine so kurze Entfernung brauchte sich Yuugi nicht einmal anstrengen, doch Seto mochte es noch immer nicht, wenn auf seinem Grundstück oder in seinem Beisein Schattenmagie benutzt wurde. Der Bus wäre eine weitere Alternative gewesen, oder sie hätten sich sogar von Setos Leuten abholen lassen können, doch der Weg durch die Stadt gewährte ihnen noch einen gewissen Aufschub in dem sie Mut sammeln konnten. Es würde wirklich nicht leicht werden all diese Gefühle zu verdrängen, die beim Anblick des Glücks der anderen wieder hochkommen würden.

Dann als sie eine halbe Stunde später die Villa der Kaiba Corporation erreicht hatten, stockte Yuugi noch einmal.

‚Bereit?’

Yami umhüllte seinen Geliebten mit Wellen der Stärke und des Mutes. /Wir nehmen die Herausforderung an, nicht, Aibou?/

Yuugi musste über die Worte lächeln. Es fiel Yami immer leichter, Herausforderungen zu meistern, wenn er sie als Spiel betrachtete. Nach einer kurzen Anmeldung beim Portier am Eingang und der Ablehnung eines Autos, machte sich Yuugi auf den Weg zu der Villa. Aus Erfahrung wusste er, dass ihm noch weitere 10 Minuten Aufschub gewährt wurden, bis er seinen Freunden begegnen würde. Nervös zupfte er immer wieder an dem Jacket und der Krawatte herum. Gott sei dank war es heute nicht so heiß, wie in den letzten Wochen. Dann hätte er sich geweigert, in so einem Festtagsstaat zu erscheinen. Aber auch so fühlte sich der junge Mann eingezwängt.

Als seine Hand erneut nach oben fuhr, um die Krawatte etwas mehr zu lockern, stockte er plötzlich und blieb mitten im Schritt stehen.

Gleichzeitig erklang Yamis Warnung: /Irgendwas stimmt nicht. Ich spüre aber nicht, woher der Angriff kommt.../

Yuugi nutzte seine Macht über das Schattenreich – beziehungsweise die des Pharaos – um nach dem Feind auf magischer Ebene Ausschau zu halten, doch als der Angriff dann erfolgte, überrollte es sie beide wie eine alles vernichtende Welle.

Weder Yami noch Yuugi konnten sich bewegen, ihre Seelen waren wie erstarrt und ihre Herrschaft über ihren gemeinsamen Körper löste sich in nichts auf. Yuugi spürte den Aufprall seines Körpers auf dem Boden jedoch gar nicht. Er sah die Außenwelt wie durch einen Nebel. Geräusche erklangen wie aus weiter Ferne, und nur Yamis Stimme hielt in davon ab, den Verstand zu verlieren. Irgendetwas zog an ihm und rief ihn, doch er verstand die Worte nicht und er hatte Angst – Angst, Yami zu verlieren.

‚Yami, Yami!’ Immer wieder rief er nach seiner dunklen Hälfte und er spürte auch noch immer dessen Gegenwart, doch er war plötzlich so weit weg.

/Aibou. Ich bin hier. Beruhige dich, sonst schaffen wir es nicht. Hikari, alles wird gut, wenn du stark bist. Konzentrier dich auf mich./

Und Yamis ruhige Stimme half Yuugi wieder zu sich selbst zu finden. Der Angriff war noch immer so heftig, wie zu Beginn, doch mit jedem Wort spürte Yuugi seine zweite Hälfte näher zu sich gleiten und irgendwann erreichten sich ihre Seelen trotz der Kraft, die versuchte sich zwischen sie zu drängen. Und als sich ihre Seelen berührten, da spürte auch Yuugi die Ruhe in sich zurück kehren. Er verstand noch immer nicht, was die Stimmen riefen, doch er konnte nun die Barriere sehen, die ihn umgab und die ihre Fänge nach ihm ausstreckte und ihn von seinem Yami zu trennen versuchte. Doch das würde nicht geschehen. Niemand durfte sie trennen, dass hatten sie sich geschworen.

/Alles okay, Aibou?/ Yamis Stimme war sanft und beruhigend und Yuugi fühlte sich geborgen in der Umarmung ihrer Seelen.

‚Mir geht’s gut, aber wir sollten etwas unternehmen. Die Panik hat mich etwas verwirrt, aber ich denke, jetzt können sie uns nicht mehr entkommen.’

/Ich bin deiner Meinung. Also lass uns ihnen zeigen, mit wem sie sich da anlegen wollten./

Gemeinsam konzentrierten sie sich auf das Schattenreich und verstärkten ihre eigene Kraft. Sie erichteten ein Schutzschild um ihre Seelen und bezogen dann immer mehr Energie aus dem Reich, das ihnen gehorchte. Das Schild dehnte sich aus und wuchs, bis es gegen die Nebelwand stieß, die der Feind aufgebaut hatte. Und mühelos konnten sie die Wand zurückdrängen. Immer weiter und weiter wich der Feind zurück und der Nebel wurde immer durchscheinender bis er plötzlich verschwand.

Und augenblicklich kehrte Yuugis normale Wahrnehmung zurück. Er registrierte, dass er auf dem kühlen Gras lag und Scheinwerfer von weit her auf ihn zuzuhüpfen schienen. Dann hörte er Stimmen und plötzlich beugte sich Joey über ihn.

„Alles okay, Kumpel? Du bist stocksteif umgefallen. Was ist passiert?“

‚Yami, alles klar bei dir?’ Yuugi setzte sich auf und ignorierte Joey erst einmal komplett. Yami war wichtiger.

/Ich bin okay. Eigentlich war der Angriff ziemlich schwach. Er kam nur überraschend./

Yuugi nickte. ‚Ich war total verwirrt, weil ich spürte, dass sie uns trennen wollten. Aber wer waren die?’

Yami konnte nur mit den Achseln zucken. /Wir werden es herausfinden müssen./

„Hey Alter, alles klar? Erde an Yuugi!“

Der Angesprochene blinzelte einige Male und wurde sich dann seiner Umgebung bewusst. Joey kniete noch immer vor ihm. Sein weißer Anzug stach in der Dunkelheit deutlich hervor und seine besorgten Augen musterten den Freund eindringlich. Hinter ihm stand Seto mit unbewegter Miene, doch seine kalten Augen taxierten aufmerksam die Umgebung, als suche er nach dem Feind, der Yuugi offenbar angegriffen hatte.

Setos Leute eilten geschäftig hin und her und fabrizierten dadurch ein heilloses Chaos in dem die drei fast eine Oase der Ruhe bildeten. Dann kamen Tea und Tristan, ebenfalls in festlicher Kleidung, aus Richtung Villa angerannt und stoppten schwer atmend bei den Freunden.

„Ryou spürt keinen Angreifer. Er hat dennoch einige Fallenkarten um das Schloss aufgebaut. Was ist eigentlich los?“ Tea blickte von Yuugi zu Seto und zurück, doch keiner konnte darauf antworten. Selbst Yami hätte auf Teas letzte Frage gern eine Antwort gehabt. Wer hatte sie angegriffen? Niemand wusste es. Und was wollten sie? Etwa Yami?
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast