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Aller guten Dinge sind drei

von Maybe44
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
23.10.2020
21.11.2020
11
12.191
10
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
15.11.2020 1.275
 
Amüsiert beobachtete Sabine das Mienenspiel ihrer drei männlichen Kollegen bei Nennung des Namens Hartwich.
Riedl starrte mit offenem Mund zur Tür, ihm stand das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben.
Girwidz blickte sauertöpfisch drein und fühlte sich sichtlich unwohl mit dieser Wahl.
Am interessantesten anzuschauen war jedoch Franz Hubert. Der Funke Hoffnung, welcher in seinen Augen erglommen war, war sogleich wieder erloschen. Stattdessen stand ihm eine Abneigung ins Gesicht geschrieben, wie sie die Revierleiterin selten bei ihrem sonst so stoischen Mitarbeiter gesehen hatte.
Sie musste sich beherrschen, nicht über das ganze Gesicht zu grinsen. Der erste Teil ihres Plans war aufgegangen.
Ein bisschen weniger zum Lachen war ihr jedoch schon nach kurzer Zeit zumute, als sie feststellen musste, dass Dr. Hartwich nicht nur genauso impertinent und nervtötend war, wie er ihr beschrieben wurde, sondern noch viel schlimmer.

Sabine hatte ihren neuen Pathologen zunächst freundlich begrüßt und ihm Christina Bayer vorgestellt. Hartwich hatte sich gar nicht entscheiden können, welche der beiden Frauen er mehr angeifern sollte. Seine volle Aufmerksamkeit hatte sich schließlich auf Sabine konzentriert, vermutlich aufgrund seines offenkundig stark ausgeprägten Standesdünkels. "Frau Kaiser, welch' Glanz in dieser unscheinbaren Hütte! Es ist mir eine außerordentliche Freude, Ihnen hier unter die Arme greifen zu dürfen!" Er zwinkerte anzüglich und Sabine starrte ihn einen Augenblick mit offenem Mund an, bis sie auf ihre Mitarbeiter wies. "Ähm ja. Die Herren Riedl, Hubert und Girwidz kennen Sie ja bereits?"

Der Pathologe nickte kurz und begrüßte Girwidz charmant mit den Worten "Waren Sie beim letzten Mal nicht noch der Chef hier? Tja, so schnell kann's gehen, was?"
Der ehemalige Polizeirat lief hochrot an und wollte schon zu einer bissigen Erwiderung ansetzen, doch Hartwich ließ ihn gar nicht erst zu Wort kommen. Stattdessen wandte er sich sogleich Hubert zu. "Ah, Polizeiobermeister Hubert! Noch immer keine Beförderung in Sicht, was? Ob das noch klappt vor der Pensionierung? Zweifelhaft, immerhin haben Sie nun in kurzer Zeit schon zwei Pathologinnen vergrault." sagte er mit boshafter Miene. Es bedurfte Hubsis ganze Willenskraft, die Contenance zu wahren und nicht aufzuspringen und dem widerwärtigen Doktor an die Gurgel zu gehen.

Da dies auch Sabine Kaiser nicht verborgen blieb, unterbrach sie kurzerhand den Austausch von Nettigkeiten und bat Christina und Riedl, dem Pathologen die offenen Fallakten zu übergeben.
Als die drei ihr Büro verließen hörte sie noch, wie Hartwich bereits auf Christina einredete. "Wolfratshausen ist immer wieder eine große Freude für mich! Hier arbeiten einfach die hübschesten Polizistinnen. Ihre Vorgängerin und ich hatten ja schon einen ganz besonderen Draht zueinander, aber ich denke, wir beide werden auch ganz vorzüglich miteinander auskommen..."

Kaum hatte sich die Tür hinter ihnen geschlossen, legte Hubert auch schon los. "Der? Sagens, sans jetzt völlig irre? Den Quacksalber wieder da her zu holen!"

Sabine verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. "Dr. Hartwich mag vielleicht keine Koriphäe auf seinem Gebiet sein, er genießt jedoch fachlich einen durchaus akzeptablen Ruf. Menschlich, naja, da muss man vielleicht Abstriche machen, aber damit werden wir professionell umgehen, oder nicht?"

Auch Girwidz fand seine Sprache wieder. "Soll der etwa bleiben? Dauerhaft?"

"Etz tuns ned so, Sie ham den damals doch auch unbedingt einstellen wuin. Da wolltens sogar die Anja rausschmeißen! Frischer Wind und so!" pampte Hubsi seinen Partner an.

Dieser schnaufte ungehalten. "Das war höchstens mal eine Überlegung. Wie Sie wissen, habe ich ja dann auch davon Abstand genommen und Ihre Exfrau ist uns noch lange erhalten geblieben."

Sabine entschied sich zu intervenieren und hob beschwichtigend beide Hände. "Meine Herren, bitte. Ich kann Ihre Vorbehalte gegenüber Dr. Hartwich ja durchaus verstehen. Er scheint in der Tat ein wenig speziell zu sein. Doch München konnte eben kurzfristig nur ihn entbehren."

"Freili, die san froh, dass sie den endlich los san." brummte Hubsi.

Sabine brachte ihn mit einer unwirschen Handbewegung zum Schweigen und fuhr fort. "Und ja, Dr. Hartwich hat nach wie vor Interesse, die Stelle hier in Wolfratshausen dauerhaft zu übernehmen. Ich habe da noch eine andere Option, aber da kann ich noch nichts versprechen."

"Glaubens mir, alles is besser als der!" verkündete Hubert und verließ wutentbrannt das Büro. Die Tür fiel mit einem lauten Knall hinter ihm ins Schloss.

Betreten blickte Girwidz ihm nach. "Er... also... seit seine Exfrau weg ist, ist die Pathologie ein rotes Tuch für ihn. Und die Zusammenarbeit mit dem Doktor Hartwich verlief damals, wie soll ich sagen, auch nicht gerade reibungslos..." versuchte er den Ausbruch des Kollegen herunterzuspielen.

Sabine Kaiser winkte ab. "Schon gut. Das wird sich schon alles regeln. Vielleicht fahren Sie erstmal mit Hubert raus. Eine schöne gemütliche Streifentour durchs Dienstgebiet, eine Tasse Kaffee bei Frau Hansen, bis er sich wieder ein bisschen beruhigt hat." schlug sie vor.

Dankbar nickte Reimund und beeilte sich, Hubert einzuholen.

Sabine wollte gerade zum Telefonhörer greifen, als ihr die neun Stunden Zeitverschiebung wieder einfielen. Sie würde Anja erst am Abend anrufen können. Ungeduldig wandte sie sich stattdessen dem liegengeblieben Papierkram der letzten Tage zu.

In den nächsten Wochen schaffte es Dr. Michael Hartwich, alle fünf Beamten des Reviers, inklusive Sabine Kaiser, beinahe in den Wahnsinn zu treiben. Seine herablassende Art, gepaart mit nachweislich fachlichen Unvermögens brachte die Männer auf die Palme. Die beiden Frauen hatten zudem unter den plumpen Flirtversuchen des Mediziners zu leiden, was zur Folge hatte, dass selbst die sonst immer fröhliche, offene Christina zur verschlossenen Auster wurde, wann immer der selbstverliebte Pathologe die Räumlichkeiten des Reviers betrat.

Doch endlich, nach fünf langen Wochen, hatte Sabine Kaiser gute Neuigkeiten für ihr Team. Erneut hatten sie sich alle zu einer morgendlichen Besprechung zusammengefunden, als die Revierleiterin verkündete "So, zum Schluss noch eine gute Nachricht. Dr. Hartwich wird uns bald wieder verlassen."

Laute Freudenschreie ertönten und Martin und Christina fielen sich vor Freude sogar in die Arme. Als der Jubel sich gelegt hatte, fuhr Sabine, die selbst ein leichtes Grinsen nicht verbergen konnte, fort "Knapp drei Wochen müssen wir allerdings noch durchhalten."

Neugierig fragte die Jüngste des Teams "Und wer besetzt die Stelle dann?"

"Danke, dass Sie nachfragen, Christina. Mir ist es gelungen, eine fachlich äußerst kompetente Pathologin aus Kanada für die Stelle zu gewinnen. Ich habe die Kollegin auf dem Kongress vor einigen Wochen kennengelernt und bin mir sicher, dass sie sich ganz wunderbar ins Team einfügen wird."

"Aus Kanada?" staunte Riedl. "Ja sprichts die denn überhaupts Deutsch?"

"Keine Sorge, Riedl. Sie ist deutschstämmig und wird sogar Ihren bayerischen Dialekt problemlos verstehen."

"I sag ja, alles besser als der Hartwich." brummte Hubsi, der als Einziger nicht ganz so glücklich mit dieser Ankündigung war. Er würde es seinen Kollegen niemals verraten, aber nach vier Wochen mit Hartwich hatte er es endlich gewagt, nach Monaten wieder einmal Anjas Handynummer zu wählen. Er hatte sie tatsächlich frei heraus bitten wollen, wieder zurück nach Wolfratshausen zu kommen. Es hatte Tage gedauert, bis er es endlich gewagt hatte, und den Anruf wirklich tätigte. Doch er war bitter enttäuscht worden. Die alte Nummer war nicht mehr vergeben und er hatte keine Ahnung, wo sie derzeit beschäftigt war und wie er sie sonst erreichen könnte. Nun also würde er sich mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass Anjas Platz - und das würde er für ihn für immer bleiben - schon wieder von jemand anderem besetzt wurde.

Wie gesagt, alles war besser als Hartwich. Und doch hatte er sich so gewünscht, dass dies vielleicht die Gelegenheit sein könnte, Anja zurück nach Wolfratshausen und zurück in sein Leben zu holen.
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