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Aller guten Dinge sind drei

von Maybe44
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
23.10.2020
21.11.2020
11
12.191
10
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
12.11.2020 1.407
 
Sabines Geschichte war ebenso traurig wie klassisch. Sie hatte sich in einen Kollegen, ebenfalls Leiter eines Kommissariats im Polizeipräsidium München, verliebt. Dieser war jedoch bereits verheiratet. Monate, dann Jahre, verstrichen, in denen sie ihre Beziehung geheim halten mussten. Stets versprach er ihr, sich ganz sicher, ganz bald, von seiner Ehefrau trennen zu wollen - doch immer war der Zeitpunkt gerade nicht günstig.
Erst als Sabine zufällig erfuhr, dass ihr Geliebter bald zum dritten Mal Vater werden würde, gestand sie sich endlich ein, was sie längst geahnt hatte, aber nicht wahrhaben wollte. Er würde sich niemals von seiner Frau trennen, sie würden niemals offen eine Beziehung führen können.
Als sie von einer kurzfristig frei gewordenen Revierleiterstelle hörte, zögerte sie nicht lange und siedelte schon kurz darauf um nach Wolfratshausen, ohne sich wirklich Gedanken darüber zu machen, was dieser Schritt für ihre Zukunft bedeuten würde.

Die beiden Frauen saßen auch an diesem Abend beisammen und plauderten, bis es schließlich dunkel geworden war. Dann kehrten sie zurück in ihr jeweiliges Hotelzimmer, um diesmal zu mehr Schlaf zu kommen, als in der Nacht zuvor.

Am nächsten Vormittag hielt Anja ihren Vortrag und bereits am Nachmittag ging der Kongress auch schon zu Ende. Die beiden neuen Freundinnen teilten sich zum Abschluss noch ein Taxi zum Flughafen, wo sie sich herzlich voneinander verabschiedeten.

Als Anja schließlich wieder im Flugzeug Platz genommen hatte und auf die Startfreigabe wartete, blickte sie aus dem kleinen Fenster zu ihrer Linken. Nun würde sie Europa also schon wieder den Rücken kehren. Sabine hatte ihr das Versprechen abgenommen, sich bald bei ihr zu melden. Augenzwinkernd hatte sie gefragt, ob sie sich nicht vielleicht endlich auch bei ihrem Exmann melden wolle.
Anja hatte stumm gelächelt und den Kopf geschüttelt. Wenn sie nur wüsste, wie sie das anstellen sollte, was sie ihm sagen könnte, dann würde sie es vielleicht sogar tun. Doch momentan fehlten ihr die richtigen Worte.
Nun würde sie wieder in ihren Alltag nach Kanada zurückkehren und auch dort stand demnächst eine wichtige Entscheidung an. Ihr Arbeitsvertrag lief nach 15 Monaten in einigen Wochen aus. Der Institutsleiter hatte ihr bereits eine Verlängerung angeboten, doch noch hatte sie nicht verbindlich zugesagt. Aber auch damit würde sie sich beschäftigen, wenn sie wieder gelandet war, beschloss die Ärztin und zog ihren Roman hervor, um ein paar Seiten zu lesen.

Nach ihrem kurzen Rückflug beschloss Sabine Kaiser, direkt noch im Polizeirevier vorbeizuschauen. Sie hatte immerhin keine panischen Anrufe von ihrer jungen Kollegin erhalten während ihrer Abwesenheit, das war schonmal ein gutes Zeichen. Trotzdem traute sie dem Frieden nicht und wollte lieber noch nach dem Rechten sehen, auch wenn es schon spät am Abend war.

Das Revier lag dunkel und scheinbar verlassen da, als sie auf den Parkplatz bog. Ihre Kollegen hatten sicher schon lange Feierabend gemacht. Doch als sie die Vordertür aufschloss, sah sie einen Lichtschimmer aus dem hinteren Büro, welches sich Girwidz und Hubert teilten. Neugierig bog Sabine um die Ecke und staunte nicht schlecht. Die beiden Beamten saßen an ihrem Schreibtisch und waren so vertieft in ihre Arbeit, dass sie sie nicht hatten eintreten hören, bis sie sich schließlich bemerkbar machte.

"Guten Abend, meine Herren! Noch so fleißig zu später Stunde?"

"Aahh!" Erschrocken fuhr Reimund Girwidz herum und griff sich theatralisch ans Herz. "Frau Kaiser! Was soll das? Wollen Sie uns zu Tode erschrecken?!"

Hubsi grinste nur und nickte seiner Chefin kurz zur Begrüßung zu.

"Och Herr Girwidz, seit wann sind Sie denn so schreckhaft? Ich bin überrascht, Sie noch hier vorzufinden. Alles okay?"

Der Revierleiterin entging der kurze Blick nicht, den sich ihre beiden Mitarbeiter zuwarfen.

"Ois Bestens!" beeilte sich Hubsi zu versichern und schob unauffällig ein dickes Buch unter einen Stapel Papiere.

"Selbstverständlich, hier ist alles in bester Ordnung!" bekräftigte auch der ehemalige Polizeirat wortreich.

Sabine blickte misstrauisch von einem zum anderen und lief dann langsam um den Schreibtisch herum. "Was war denn so los die letzten Tage?"

"Aaach, nix besonderes!"

"Na, wirklich nix besonderes. S gab a Leich, aber der Fall is scho so gut wie gelöst."

"Aha. Und weshalb wälzen Sie dann ein Lehrbuch namens 'Grundlagen der Rechtsmedizin', Hubert? Was ist denn mit Frau Dr. Fuchs?" fragte Sabine, während sie das dicke Buch aus seinem untauglichen Versteck hervorzog und in der Hand wog.

"Hallo, meine Herren? Jemand Zuhause?" ungeduldig wedelte Sabine mit der Hand vor ihren Untergebenen hin und her. Scheinbar fühlte sich keiner der beiden bemüßigt, ihre Frage nach der ortsansässigen Pathologin zu beantworten.

Schließlich erbarmte sich Hubert. "Die Fuchs, naja, die war a weng unpässlich die letzten Tage...."

"Unpässlich?" hakte die Revierleiterin nach. "Wie darf ich das verstehen? Wenn sie erkrankt ist, gibt es doch sicherlich eine Vertretung?"

"Ja, also, krank ned direkt... Eher..."
Hilfesuchend blickte Hubsi zu seinem Partner.

Girwidz fuhr sich seufzend mit der Hand über das Gesicht und ergänzte "Sie hat erst die Leiche am Tatort angeschrien, dann den Bestatter beleidigt und am Schluss ist sie in Tränen ausgebrochen und weggelaufen."

Sabine blickte ungläubig zwischen den beiden Männern hin und her, die sie nun treuherzig anblickten. Dann ließ sie sich stöhnend auf der Tischkante nieder. Nach kurzer Bedenkzeit verkündete sie "Gehen Sie nach Hause. Ich kümmere mich um die Angelegenheit."

Das ließen die beiden Polizisten sich nicht zweimal sagen. Eilig rafften sie ihre Sachen zusammen und wollten schon hinauseilen, als Sabine sie noch einmal zurückhielt. "Ich finde es ja nett, dass sie ihre Kollegin schützen wollen. Ihnen ist aber schon klar, dass gerade wir hier in Wolfratshausen eine einsatzfähige Pathologie benötigen? Bei unseren Fallzahlen..."

Die beiden Polizisten nickten unisono wie zwei Schulbuben, die soeben auf frischer Tat ertappt worden waren. Dann verschwanden sie eilig aus dem Revier.

Zurück blieb eine nachdenkliche Revierleiterin, in deren Kopf bereits ein Plan Gestalt annahm. Schon wollte sie zum Telefonhörer greifen, als ihr bewusst wurde, dass sie jetzt wohl niemanden erreichen würde. Nun gut, würde sie eben ihren Plan erstmal in ihrem Kopf weiterspinnen, bevor er hoffentlich zur Umsetzung gelangte.

Am nächsten Morgen war Sabine die Letzte, die weit nach Dienstbeginn im Revier eintraf. Sofort rief sie ihre vier Mitarbeiter zu einer Besprechung zusammen. "Guten Morgen!"

"Morgen is gut, mia ham bald Mittag." murmelte Hubert, was ihm einen strengen Blick seiner Vorgesetzten einbrachte.

"Ich habe ein wenig herumtelefoniert und war außerdem bereits in der Pathologie. Nachdem ich Frau Doktor Fuchs dort nicht angetroffen habe, bin ich zu ihr nach Hause gefahren. Wir haben dort ein langes Gespräch geführt. Lange Rede, kurzer Sinn: Sie wird so schnell nicht mehr einsatzfähig sein."

Auch wenn die Nachricht nicht unerwartet kam, tauschten die vier Polizisten betretene Blicke miteinander aus.

Sabine wandte sich an Reimund Girwidz. "Ich wusste ja gar nicht, dass die Kollegin vorbelastet ist. Sie hat mir von ihrem stationären Aufenthalt in der Burn-out Klinik erzählt, aus welchem Sie sie quasi vom Fleck weg engagiert haben."

Girwidz wandte sich unter ihrem forschenden Blick. "Also genau genommen haben ja damals Hubert und Staller die Frau Doktor mit in die Ermittlungen einbezogen!" rechtfertigte er sich.

Sabine zog eine Augenbraue in die Höhe. "Aber Sie waren doch damals der Revierleiter und haben sie langfristig eingestellt, oder nicht?"

"Ja. Ja, das hab ich wohl. Die Frau Doktor Licht war ja damals gerade von uns gegangen..." Huberts Kopf schnellte in die Höhe. "Also, weggegangen meine ich. Und da hatten wir eben dringend Bedarf."

Seine Vorgesetzte schüttelte den Kopf. "Ob das so eine gute Idee war, eine Pathologin, die wegen Burn-out schon stationärer Behandlung bedurfte, ausgerechnet in dieses Revier zu holen, wage ich ja zu bezweifeln. Aber gut. Es ist, wie es ist." Sie blickte in die Runde. "Dank meiner guten Kontakte ist es mir zumindest gelungen, kurzfristig Ersatz zu finden. Es ist jemand, mit dem Sie - ausgenommen Christina natürlich- bereits früher zusammengearbeitet haben."

Hubert, der zuvor mit verschränkten Armen vor sich hin gestiert hatte, wurde nun munter und rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Sollte das etwa heißen....? Hoffnungsvoll blickte er seine Chefin an, als auch schon zu hören war, wie die Eingangstür geöffnet wurde und jemand eintrat.

"Ah, wie auf's Stichwort!" freute Sabine sich. "Christina, meine Herren: Begrüßen Sie Frau Fuchs' Vertretung. Doktor Michael Hartwich!"
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