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Aller guten Dinge sind drei

von Maybe44
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
23.10.2020
21.11.2020
11
12.191
10
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.11.2020 1.198
 
Der nächste Tag war sowohl für Anja als auch für Sabine eine Qual. Beide waren hundemüde und der Restalkohol bereitete ihnen ordentliche Kopfschmerzen. Die Ärztin war heilfroh, dass ihr Vortrag erst für den nächsten Vormittag geplant war. Sabines Beitrag hingegen war für den heutigen Tag nach der Mittagspause vorgesehen. Die Polizistin hatte bereits die zweite Kopfschmerztablette eingenommen, saß nun vor einem großen Glas Mineralwasser und versuchte verzweifelt, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Als es dann schließlich soweit war, stellte Anja staunend fest, dass man ihr den Schlafmangel und den Kater kaum anmerkte. Sabine hielt ihren Vortrag kurzweilig und eloquent und erntete dafür langanhaltenden Applaus ihrer Zuhörerinnen.

Die beiden Frauen waren sich nichtsdestotrotz einig gewesen, den heutigen Abend etwas ruhiger angehen zu wollen. Deswegen hatten sie sich zu einem gemeinsamen Abendessen in dem kleinen italienischen Restaurant neben ihrem Hotel verabredet. Bei Pasta und einem Glas Wein wollten sie ihr nächtliches Gespräch fortsetzen.

Der Himmel blieb wolkenlos und so waren sie froh, einen kleinen Tisch unter freiem Himmel ergattert zu haben, war es doch immer noch warm und sie hatten den ganzen Tag im Konferenzraum verbracht. Anja sprach ihrer Freundin ein Lob aus. "Mei, Respekt für deinen Vortrag heit! Des hätt I niemals so hingebracht nach der Nacht!"

Sabine lächelte. "Glaub mir, ich war heilfroh, als es endlich vorüber war. Eine Minute länger und ich wäre auf der Stelle im Stehen eingeschlafen."

"Ja, wollen mia hoffen, dass die heutige Nacht a weng ruhiger und a bisserl länger wird. Wobei I ehrlich gsagt fast froh bin über den ungebetenen Gast von gestern. Immerhin hätten wir uns sonst gar ned so kennengelernt."

"Da geb ich dir recht." bestätigte Sabine und hob ihr Glas. "Auf den ungebetenen Gast!"

Sie ließen die Gläser klirren und nippten an ihrem Wein.

"Dein Vortrag war Spitze." bemerkte Anja. "Aber s klang für mi eher so, als datst du von Minga erzählen und ned von deiner neuen Dienststelle."

Sabine schnaubte. "Das siehst du ganz richtig. Was hätte ich denn auch erzählen sollen? Dass ich zwar keine Probleme damit hatte, ein Kommissariat mit acht Mitarbeitern und zwei Schreibkräften zu führen, mich nun aber drei Männer schier in den Wahnsinn treiben?"

Anja grinste. "So schlimm?"

"Schlimmer!" schnaubte Sabine. Nach kurzem Überlegen fügte sie hinzu "Ach, naja. Die Aufklärungsquote ist enorm hoch. Also was auch immer die beiden Herren da treiben, Erfolg haben sie damit durchaus. Es wäre nur schön, wenn sie mich ein bisschen einbeziehen und nicht immer vor vollendete Tatsachen stellen würden. Außerdem würde ich mir wünschen, dass sie ihren jungen Kollegen ein bisschen mehr beteiligen würden. Riedl bekommt - wenn überhaupt - nur irgendwelche stumpfsinnigen Aufträge zugewiesen und kann sich gar nicht weiterentwickeln."

Anja lachte laut auf. "Der arme Riedl. Des war scho immer so. S is aber a ned grad einfach was zu finden, bei dem er koan Schaden anrichten kann. Hast wenigstens noch weibliche Verstärkung? Früher gabs die Sonja Wirth, die hat wenigstens den Überblick ghabt in dem Laden."

"Jaja, zwar bleiben die jungen Polizistinnen uns nie lange erhalten, aber die Christina Bayer, die momentan bei uns ist, ist mir wirklich eine große Stütze. Aber sag mal, dein Exmann - hat der eigentlich ein Problem mit Frauen in Führungspositionen? Oder nur mit mir?"

Grinsend schüttelte Anja den Kopf. "Der Hubsi hat generell a Problem mit Führungskräften, egal ob männlich oder weiblich. Glaubs mir, beim Girwidz damals wars ned anders. Der war auch immer der Letzte, der über irgendwas informiert wurde."

"Hrm. Beruhigt mich jetzt auch nicht wirklich." brummte Sabine.

Aufmunternd lächelte Anja ihr zu. "Des wird scho. Bleib hartnäckig und lass die Herren regelmäßig zum Rapport antreten. Am Besten zsammen mit der Pathologin, dann bekommst da wenigstens glei alles mit. Sag, die Caroline Fuchs is doch noch in Wolfratshausen, oder? Die war damals mei Nachfolgerin."

"Ja, die Frau Doktor Fuchs ist noch da. Was hältst du von ihr?"

Anja zog die Augenbrauen in die Höhe. "I kenn sie gar ned persönlich, sie kam erst auf die Stelle, als I scho weg war. Aber fachlich hats an guten Ruf. Wieso? Kommst ned gut klar mit ihr?"

Sabine zuckte verlegen mit den Schultern. "Doch doch, eigentlich schon. Ist nur so ein komisches Gefühl, dass mit ihr irgendwas nicht stimmt. Sie ist irgendwie nicht so zugänglich. Mit Girwidz und Hubert scheint sie allerdings kein Problem zu haben. Ist ja auch was wert."

"Oh ja!" bestätigte Anja. "Wenn ich daran denke, wie oft Hubsi und Hansi mir damals die Pathologie ins Chaos gestürzt haben... da braucht man schon gute Nerven." schmunzelte sie.

"Wem sagst du das..."

In einvernehmlichen Schweigen machten die Frauen sich über ihre Pasta her, die der Kellner nun brachte.

Sabine war es, die den Faden wieder aufnahm. "Weißt du, ich glaube nicht, dass Hubert glücklich ist ohne dich."

Anja legte ihre Gabel zur Seite und blickte sie mit großen Augen an. "Wie kommst du darauf?"

"Ich habe das Gefühl, er hat einfach abgeschlossen. Als habe er akzeptiert, dass das Leben für ihn nichts Gutes mehr bereithält. Und so lebt er einfach tagein, tagaus, vor sich hin. Ein bisschen Leben, ein bisschen Freude hat er eigentlich überhaupt nur dann gezeigt, als es um dich ging. Da hab ich auf einmal gedacht, schau da, irgendwas schlummert da doch noch in ihm."

Anja starrte stumm auf ihren Teller. "So schlimm?" flüsterte sie dann.

"Ach, schlimm ist relativ." wehrte Sabine ab. "Ich meine ja nur, er hat irgendwie resigniert. Soweit ich weiß, verbringt er seine Abende stets allein. Von Frauengeschichten hab ich auch noch nie gehört. Das heißt ja nun aber nicht, dass er sich gleich was antut."

Anja schob ihren Teller beiseite. Ihr war der Appetit vergangen. "Die Geschichte mit dem Schuss aus seiner Dienstwaffe kennst du also nicht?" fragte sie.

Sabine schüttelte irritiert den Kopf.

"Als i grad a paar Tage weg war, hat sich beim Hubsi a Schuss aus der Dienstwaffe gelöst, als er allein im Büro saß. Angeblich aus Versehen, bei der Reinigung der Waffe."

"Hubert reinigt freiwillig seine Waffe?"

"Ganz genau. Des macht er eigentlich nie. Der Hansi hat mi damals angerufen, weil er sich ned mehr zu helfen wusste. Dem Hubsi gings gar ned gurd damals. Er hat kaum was gegessen, ned viel geschlafen... Vielleicht hätt I da scho zruck kemma sollen."

Die Revierleiterin legte ihr mitfühlend die Hand auf den Arm. "Jetzt hör aber auf. Hubert ist ein erwachsener Mann. Du bist doch nicht für ihn verantwortlich! Du hattest und hast alles Recht der Welt, auch einmal an dich zu denken, nach allem, was du damals mitgemacht hast!"

Anja griff nach ihrer Hand und drückte sie dankbar. "Lieb dass du des sagst. I glaub mittlerweile trotzdem, dass I ned oifach hätt gehen derfa. Immerhin war des ois für den Hubsi a ned einfach. Aber jetzt erzähl mir endlich mal von dir! Was hat di nach Wolfratshausen verschlagen?"
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