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Aller guten Dinge sind drei

von Maybe44
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
23.10.2020
21.11.2020
11
12.191
10
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
06.11.2020 1.117
 
"Klingt nach der großen Liebe." sagte Sabine.

"Oh ja. Die oane große Liebe. So oane, die man koa zwoates Mal im Leben findet." bestätigte Anja versonnen.

"Wieso seid ihr dann nicht mehr zusammen? Was hat euch auseinandergebracht?" fragte die Polizistin vorsichtig nach.

Anja warf ihr einen skeptischen Blick zu. "Wenn du das wirklich wissen willst, brauch I was stärkeres zu Trinken." verkündete die Ärztin nüchtern und signalisierte dem Barkeeper. "Zwei Whisky, bittschön."

"Doppelte." ergänzte Sabine breit grinsend und der junge Barkeeper beeilte sich, dem Wunsch seiner mittlerweile einzigen Gäste nachzukommen.

"Die ersten Jahre war eigentlich alles gut. Sehr gut sogar. Mia waren glücklich miteinander." erklärte Anja. "Aber irgendwann kam da einfach nix mehr. Der Alltag hatte uns fest im Griff, jeder Tag war irgendwie wie der andere. I wollt immer raus, was von der Welt sehen, was erleben. Unter Menschen sein." Sie zuckte mit den Schultern. "Der Hubsi ned. Der wollt nie weg von Wolfratshausen, am End ned mal mehr für a paar Tage nach Südtirol im Urlaub. Und unter Menschen wollt er scho glei gar ned, manchmal hat er scho die Augen verdreht, wenn I nur Besuch zu uns eingeladen hab."

"Vielleicht wollte er dich einfach ganz für sich alleine haben?" warf Sabine ein.

Anja musterte sie zweifelnd. "Dafür hat er sich aber dann ganz schee wenig für mi interessiert. I hat grad immer des Gefühl, ihn dat nix, aber a goar nix, interessieren, was I zu erzählen hat." Gedankenverloren strich sie mit dem Zeigefinger den Rand ihres noch halb gefüllten Glases entlang. "Irgendwann ham wir nur noch gestritten. Oder uns angeschwiegen. I woas gar ned, was schlimmer war..." Die Ärztin holte tief Luft. "Den einen großen Knall hats eigentlich nie gegeben. Lange Rede, kurzer Sinn- am End hab I mei Koffer gepackt und bin weg. Vielleicht hab I innerlich immer gehofft, dass er mi zurückholen würde."

"Hat er aber nicht." stellte Sabine fest.

"Na. Hat er leider ned." flüsterte Anja. "Also hab I zwei Jahre nach der Trennung die Scheidung eingereicht." schloss sie und stürzte den Rest ihres Getränks mit einem Zug hinunter.

Die Polizistin tat es ihr gleich und schüttelte sich, als die Flüssigkeit ihre Kehle hinab rann. "Das ist aber noch nicht das Ende der Geschichte."

"Wie moanst etz des?"

"Ich bitte dich. Ich bin Ermittlerin und weder blind, noch blöd. Das ein oder andere habe ich auch schon aufgeschnappt auf dem Revier, auch wenn die Herren mir nicht viel erzählen!"

"Du hast ja recht." gab die Ärztin zu. "Mia ham uns ja weiterhin sozusagen fast täglich gesehn, nach der Scheidung. Irgendwann hab I dann a wieder jemanden kennengelernt, a Kollege vom Klinikum. I hat immer des Gefühl, s war dem Hubsi gar ned recht." Ein zufriedenes Lächeln zierte nun Anjas Gesicht. "Aber s war eh ned der Richtige. Später hab I dann den Ferdl kennengelernt. Mit erm wars anders. Er war anders. Irgendwie hat er mir gut getan. Tja, dann isser aber ermordet worden, mi hams verdächtigt, weil I an dem Abend am Tatort gwesen bin. I konnt mi aber an nix erinnern. Der Hubsi hat mir geholfen damals. Mia san uns wieder näher gekommen... Am Schluss hat sich rausgestellt, dass I tatsächlich dabei war beim Mord und mi an nix erinnern konnt, weil I vom eigentlichen Täter hypnotisiert wurde. Als die Erinnerungen wieder zruck kemma san, war des ois zu viel fer mi. I hab mei Koffer gepackt und bin weg. Erst kurzfristig nach Minga, kurz drauf kam dann das Angebot aus Kanada."

"Und Hubert?" wollte Sabine wissen.

Achselzuckend berichtete Anja "Der is in Wolfratshausen geblieben. Am Anfang haben wir noch telefoniert, aber irgendwann... I konnt des ned mehr. I braucht einfach Abstand."

"Hm. Viel mehr Abstand als in Kanada kannst du ja kaum finden." Sabine klang nicht überzeugt. "Und jetzt? Lebst du glücklich und zufrieden am anderen Ende der Welt?"

Anja schüttelte energisch den Kopf. "Na. Versteh mi ned falsch, I hab an tollen Job da in Vancouver am Institut. I hab gute Freunde da gfunden. Aber die Heimat fehlt mir doch arg..." Der Barkeeper war mittlerweile fertig mit dem Abwischen sämtlicher Tische und stapelte nun bereits die Stühle ordentlich auf den Tischen. Anja warf einen Blick auf ihre Armbanduhr. "Mei, so spät scho! Mia sollten fei wirklich noch a weng schlafen!"

"Ach herrje! Schon halb Drei... Und ich muss Morgen meinen Vortrag halten..." rief Sabine entsetzt aus.

Gemeinsam brachen die beiden Frauen eilig auf und gingen zu ihren Zimmern zurück.

"Mei, Sabine, etz hab I den ganzen Abend nur von mia erzählt. Morgen...äh, heute Abend bist du dran!" verkündete Anja augenzwinkernd.

Sabine winkte ab. "Glaub mir, deine - oder eure - Geschichte ist viel interessanter! Schlaf gut. Ohne weitere ungebetene Besucher, hoffe ich."

"Des hoff I a! Gute Nacht!" gab Anja lachend zurück.

In ihrem Zimmer prüfte sie zuerst einmal, ob das Fenster wirklich sicher verschlossen war. Tatsächlich stand mittlerweile wie vom Rezeptionist versprochen ein kleiner Ventilator bereit, den sie auf niedrigster Stufe einschaltete und auf ihr Bett richtete. Was war das nur für ein verrückter Abend! Erst die Sache mit dem versuchten Einbruch, und dann stellte sich heraus, dass ausgerechnet die neue Vorgesetzte ihres Exmannes ihre Zimmernachbarin war. Sabine Kaiser war wirklich nett. Sie hatte ihr Gespräch sehr genossen. Morgen musste sie unbedingt in Erfahrung bringen, wie es Hubsi so ging und was er so machte. Auch wenn sie sich lebhaft vorstellen konnte, wie Hubsi sich stets bemühte, seiner Chefin aus dem Weg zu gehen, würde Sabine doch sicher ein bisschen was zu erzählen haben. Mit diesem Gedanken im Kopf schlief die Ärztin schnell ein.

Im Nebenzimmer fand die Polizeirätin zunächst keinen Schlaf. Selbst aus einer unglücklichen Beziehung von der Großstadt aufs Land geflohen, hatte die Geschichte ihrer neuen Freundin und ihres wortkargen, schwer zu durchschauenden Mitarbeiters sie eigenartig berührt. Fast konnte sie Franz Hubert nun ein wenig besser verstehen. Er hatte seine große Liebe gleich zweimal verloren, war vom Leben enttäuscht und frustriert.
Drei Anläufe hatte es gebraucht, bis die beiden damals zueinander gefunden hatten. Verlangte es nicht das Gesetz der Serie, dass es nun erneut drei Anläufe brauchte, bis die beiden wieder zueinander fanden? Anja und Franz Hubert waren füreinander bestimmt, daran hegte Sabine keine Zweifel. Vielleicht würde ihr ja irgendetwas einfallen, um die beiden wieder zusammenzubringen. Seufzend schloss sie die Augen, um endlich wenigstens noch ein bisschen Schlaf zu finden.
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