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Aller guten Dinge sind drei

von Maybe44
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
23.10.2020
21.11.2020
11
12.191
10
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
03.11.2020 1.026
 
Und so begann Anja ihre Erzählung.

"Zum ersten Mal gesehen haben wir uns in Minga, Nachts, im Regen, am Tatort eines Raubüberfalls. S is scho ewig her. A Streife hat zufällig gesehn, wie oaner a alte Dame bedroht, mit am Messer verletzt und ausgeraubt hat. Der Hubsi war oaner von den Polizisten in dem Streifenwagen. Der is erm dann nach und hatn a erwischt, dabei kam es zum Kampf. Der Hubsi is mitm Messer verletzt worden, konnt aber sei Waffe ziehen und hats dem Täter ins Bein geschossen. Dann gings los, du kennst des ja. Schusswaffengebrauch zieht immer a umfangreiche Ermittlung nach sich. I war damals grad fertig mitm Studium und hatte neu in der Rechtsmedizin angefangen. Weil I Bereitschaft hatte, hams mi zum Tatort gerufen. Der Hubsi hat koan Sanka gwollt. Er war damals scho a rechter Sturkopf." Sie lächelte bei dem Gedanken an vergangene Zeiten und brachte damit auch Sabine zum Schmunzeln.
"Wie a immer, da saß er dann. Blass, frierend, schmutzig, zerrissene Uniform, blutige Schnittwunden an den Armen. Dazu funkelnd hellblaue Augen, in die sich ohne Zweifel schon Dutzende Frauen verliebt hatten. Und I mi glei mit in der Nacht."

Anja blickte versonnen auf ihre Hände, ehe sie noch einen Schluck trank.

Sabine beobachtete sie wehmütig. Aus ihrer neu gewonnenen Freundin sprach so viel Zuneigung und Wärme, dass sie sich einfach nicht erklären konnte, weshalb die Ehe nicht gehalten hatte.

Schließlich sprach Anja weiter. "I hab mi dann a bissl um erm gekümmert, hab sei Wunden notdürftig verarztet, nachdem I mit der Spurensicherung fertig war. Er hat die ganze Zeit über koa Wort gsagt, hat mi nur mit diesen wahnsinnig blauen Augen unverwandt angeschaut. Irgendwann war I dann fertig, hab mi verabschiedet. Da hat er mi am Arm festgehalten und hat gfragt wie I hoas. Anja, hab I gsagt und er hat gsagt 'Danke, Anja. Bis bald.' - I schwör dir, I bin knallrot angelaufen und hab danach Nächtelang ned geschlafen. I hab nur noch an diese blauen Augen denken kenna." Selbst jetzt noch röteten sich die Wangen der Ärztin leicht und sie strich sich verlegen durch die Haare.
"Naja, des wars dann aber erstmal. Er hat sich ned bei mir gemeldet und I habs mi a ned getraut, ehrlich gsagt. Dabei wärs so einfach gewesen. I hab ja damals ned ahnen kenna, wie schüchtern der Hubsi soi kann. I hab halt gedacht der hat koa Interesse an mir."

Sabine schüttelte lächelnd den Kopf. So hatte sie noch nie über ihren Mitarbeiter nachgedacht. Eingestehen musste sie sich jedoch, dass dessen strahlend blauen Augen ihr durchaus nicht entgangen waren. Sacht stupste sie Anja in die Seite. "Und wie ging es dann weiter?"

Anja lächelte verlegen. "Der Klassiker. Mei Vorgänger in der Pathologie in Wolfratshausen war scho recht alt und is öfter krank geworden. Da hams mi hingeschickt, als Vertretung. Mei erste Leich da und auf einmal stand er wieder vor mir. Der Hubsi war mittlerweile auf eigenen Wunsch nach Wolfratshausen versetzt worden, er stammt ja von da. Diesmal hab I versucht, mi ned glei wieder einwickeln zu lassen von diesen blauen Augen. Aber I hab scho gemerkt, dass der Hubsi mi ned aus den Augen gelassen hat die ganze Zeit über." Sie grinste breit. "Und dann hatte der Hansi an ganz großen Auftritt. Der hats mi angestrahlt, wenn'sd erm mal kennengelernt hättest, du wüsstest genau was I moan. Und der Hansi, der war fei nie schüchtern. I hat noch ned richtig angefangen mit der Leichenschau, da hats der mi scho gfragt, ob er mir mal die Stadt zeigen soll. Der Hubsi war so sauer! Und der arme Hansi hat ja ned mal gewusst weshalb. I hab natürlich höflich abgelehnt und insgeheim gehofft, der Hubsi würd mi stattdessen vielleicht einladen. Aber nix. Zum Schluss hat er mei Koffer zum Auto getragen, die Tür aufgehalten und weg war er." Sie kicherte verlegen. "I hab ja ned gewusst, dass er mir an Zettel mit soi Telefonnummer in die Taschn geschoben hat. Blöderweise wars die Tasche vom Einwegoverall, den I direkt in der Pathologie ausgezogen und entsorgt hab..."

"Du hast was?", fragte Sabine und schlug sich erschrocken die Hand vor den Mund, bevor sie in schallendes Gelächter ausbrach.

Immer noch verlegen grinsend hob Anja die Schultern. "Mei, wenn man's immer vorher wüsst..."

"Unglaublich..." die Polizistin konnte es nicht fassen.

"Naja, im Nachhinein hab I erfahren, dass der Hubsi damals gedacht hat, I hätt kei Interesse. Zum Glück is der Kollege in Wolfratshausen damals kurz drauf pensioniert worden und I hab die Stelle übernommen. S hat mir gefallen in Wolfratshausen, ned nur weger dem Hubsi. So haben wir uns bald wiedergesehen. Des war erstmal irgendwie komisch am ersten Tatort. Mir wussten beide ned, wie wir miteinander umgehen sollen. Der Hansi, der uns ned aus den Augen gelassen und die ganze Zeit breit gegrinst hat, hats ned besser gemacht."

"Also hatte der es mittlerweile schon begriffen?" warf die Polizistin ein.

"I woas gar ned ob der Hubsi was gsagt hat oder ob er sich des selbst zusammengereimt hat. Auf jeden Fall saß I dann neben der Leich, der Hubsi auf der anderen Seite und auf einmal sagt er 'Wäre es ned schee, wenn wir uns Morgens mal sehen würden, ohne dass a Leich zwischen uns liegt?'. Des war zugleich der bescheuertste aber a der beste Spruch, den I je gehört hab."

Sabine fiel vor Lachen beinahe von ihrem Barhocker. "Nicht dein Ernst?! Das hat Hubert gesagt?"

Anja nickte bestätigend und konnte sich ein selbstzufriedenes Grinsen nicht verkneifen. "Tja, der Hubsi is fei immer für a Überraschung gut. Jedenfalls hab I erstmal herzhaft lachen miassa. Er dann a. Und dann, naja, dann hab I gsagt, dass des wirklich schee wär. Also mit dem einander ohne Leich Morgens sehen. Und so kam eins zum anderen. Am nächsten Morgen lag scho koa Leich mehr zwischen uns. A paar Wochen später bin I zu erm gezogen und a halbes Jahr später waren mia verheiratet."
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