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Aller guten Dinge sind drei

von Maybe44
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Anja Licht Franz Hubert
23.10.2020
21.11.2020
11
12.191
10
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
21.11.2020 1.346
 
Anja genoss es, durch altbekannte Straßen und Landschaften zu fahren. Der Anblick machte sie zufrieden und erfüllte ihr Herz mit Freude. Sie hatte ihre alte Heimat wirklich vermisst!

Vorsichtig steuerte sie den Dienstwagen in den schmalen Waldweg hinein und konnte schon von weitem den alten, grün-weißen Streifenwagen am Wegesrand stehen sehen. Sie umfasste das Lenkrad fester, da ihre Hände zu zittern begonnen hatten.
Gleich würde es soweit sein, gleich würde sie Hubsi wieder gegenüberstehen.
Unzählige Szenarien hatte sie sich ausgemalt, wie dieses Wiedersehen ablaufen könnte, doch keines davon erschien ihr im Moment auch nur annähernd realistisch.

Sie stellte den Wagen direkt hinter dem Streifenwagen ab, stieg langsam aus und blickte sich suchend um. Ein älteres Paar in Sportkleidung musterte sie neugierig, als sie ihren Overall überzog und nach ihren beiden Koffern griff. In der offenen Hütte war niemand zu entdecken, doch sie hörte wohlbekannte Stimmen hinter derselben. Langsam umrundete sie das hölzerne Gebäude.

Ihr Exmann wandte ihr den Rücken zu und beobachtete mit vor der Brust verschränkten Armen seinen Kollegen. Reimund Girwidz kniete neben dem auf dem Boden liegenden Leichnam und versuchte sich an einer ersten laienhaften medizinischen Einschätzung. Anja blieb einige Meter entfernt stehen und besah sich amüsiert das Schauspiel.

"Nun schauen Sie doch auch mal mit, Hubert! Das da sieht doch aus wie Leichenflecken. Wie war das, Leichenflecke bilden sich doch schon eine Stunde nach dem Ableben... oder war das die Totenstarre?"

Ein genervtes Schnauben war die Antwort. "Des is doch a Schmarrn da. Mia brauchen fachkundige Hilfe. I wünschd, die Anja wär wieda da!" stieß Hubert inbrünstig hervor und blickte weiter starr geradeaus.

Girwidz wandte sich zu ihm um und erstarrte, als sein Blick auf besagte Anja fiel. "Da... Hubert... Da..."

"Da... Hubert... Da..." äffte Hubsi seinen Partner nach. "Was is, hams an Geist gesehen?"

"Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen! Ihre Exfrau steht da hinter Ihnen!" posaunte der ehemalige Polizeirat hinaus und zeigte aufgeregt in ihre Richtung.

Jetzt endlich wandte Hubsi sich wie in Zeitlupe ebenfalls zu ihr um. Für einen langen Moment starrte er sie völlig perplex an, als wolle er seinen Augen nicht trauen.

Anjas Gefühle fuhren Achterbahn, als sich ihre Blicke trafen. Doch Hubsis Miene blieb zunächst unergründlich. Er wirkte wie versteinert, als habe er einen Geist gesehen. Ganz genauso fühlte der Polizist sich in diesem Moment auch. Tausende Gedanken wirbelten durch seinen Kopf. Anjas Anwesenheit erschien ihm völlig surreal. Seine Vorgesetzte hatte doch gesagt, dass eine Pathologin aus Kanada kommen sollte!
Doch mit einem Mal fielen alle Puzzleteile an ihren Platz und die Sache war sonnenklar. Anja war damals tatsächlich ins Ausland gegangen, deswegen hatte er sie auch nicht mehr telefonisch erreichen können. Sie musste ebenfalls den Kongress in London vor ein paar Wochen besucht haben und dabei auf seine Chefin getroffen sein. Und nun war sie zurückgekehrt!

Nach dem gefühlt endlosen Augenblick, den er benötigt hatte um sich zu sortieren, legte sich nun endlich ein glückliches Lächeln über sein Gesicht und er breitete die Arme aus, während er einen einzigen Schritt in Anjas Richtung tat.

Anja ließ ihre beiden Koffer achtlos zu Boden fallen. Dann warf sie sich in Hubsis offene Arme, und die Lippen der beiden verschmolzen in einem tiefen, lang ersehnten Kuss.

"Ähem... ÄHEM!" räusperte sich Girwidz schließlich geräuschvoll, als die beiden sich gar nicht mehr voneinander lösen wollten. "Ich will ja wirklich nicht stören, aber wir haben hier immer noch eine Leiche!"

Nur widerwillig entfernte Hubsi seine Lippen von Anjas. Um den Körperkontakt nicht ganz zu verlieren, schlang er einen Arm um ihre Hüfte und zog sie eng an sich. Er war so glücklich, dass er sie endlich wieder zurückbekommen hatte, dass er es nicht über sich brachte, sie so schnell schon wieder loszulassen. Anja erging es ebenso und sie schmiegte sich eng an seine Seite.

Atemlos bot nun auch Sabine Kaiser um die Ecke. "Bin ich zu spät? Mist, ich bin zu spät. Hallo Anja, schön dich zu sehen!" sagte die Polizeirätin und schloss ihre Freundin kurz in die Arme.

Girwidz blickte verständnislos in die Runde. "Wie, was, war das etwa geplant?"

Sabine hob abwehrend die Hände. "Also ich habe nur eine außerordentlich kompetente Pathologin zurück nach Wolfratshausen geholt!" zwinkerte sie.

"Und dafür bin I außerordentlich dankbar!" lächelte Anja.

"Da hams wirklich mal was richtig gurd gemacht." bestätigte Hubsi und küsste Anja liebevoll auf die Stirn, was seiner Vorgesetzten ein neidvolles Seufzen und Girwidz ein irritiertes Schnauben entlockte.

Energisch klatschte Sabine in die Hände. "Dann würde ich sagen, schnell an die Arbeit, umso eher können Sie, Herr Hubert, heute Feierabend machen. Kollege Girwidz und ich übernehmen dann den Rest des Tages, nicht wahr?" sagte sie und stieß Reimund auffordernd mit dem Ellenbogen in die Seite, als dieser nicht antwortete.

"Hm? Ach so, ja ja, von mir aus." stimmte er schließlich notgedrungen zu.

So zügig wie nie zuvor erledigte Anja die Leichenschau vor Ort und bereitete den Leichnam für den Abtransport in die Pathologie vor. Immer wieder warfen sie und Hubsi sich liebevolle Blicke zu oder stahlen sich einen schnellen Kuss.

Ebenso zügig erledigte Anja schließlich die Autopsie im Klinikum Wolfratshausen und gab die Ergebnisse vorab mündlich an Sabine und Girwidz durch, welche die Übermittlung der Todesnachricht an die Angehörigen übernehmen würden. Weitere Ermittlungen waren in diesem Fall nicht notwendig, da es sich ausnahmsweise einmal um einen natürlichen Tod durch einen Herzstillstand, hervorgerufen durch ein  älteres Herzleiden, handelte.

Hubsi wartete bereits ungeduldig vor der Pathologie auf Anja. Er konnte noch immer nicht glauben, dass seine Anja tatsächlich nach Wolfratshausen zurückgekehrt war. Während sein Herz auf der einen Seite vor Glück fast zerspringen wollte, machten sich auf der anderen Seite Zweifel breit. Würde Anja nun wirklich bleiben und nicht schon bald wieder von der Bildfläche verschwinden? Denn das, dessen war er sich sicher, würde er nicht ertragen.

Auch Anja plagten Zweifel, während sie ihre Arbeitsutensilien säuberte und verstaute. Ihr Wiedersehen hätte kaum schöner verlaufen können, doch sie war sich dessen bewusst, dass sie Hubsi nun Rede und Antwort würde stehen müssen. Sie hoffte inständig, dass Hubsi Verständnis für ihr Verhalten in den letzten Monaten zeigen würde. Nichts wünschte sie sich sehnlicher, als dass er ihnen nun eine Chance für einen Neuanfang einräumen würde.

Doch als sie durch die Tür trat und erneut in Hubsis freudig strahlende Augen blickte, flog die Ärztin erneut förmlich in seine Arme und alle Zweifel waren wie weggeblasen, als sie leise feststellte "Du hast auf mi gewartet."

Beiden war nur allzu bewusst, dass es nicht um die letzte Stunde ging, in der Hubsi vor der Pathologie gewartet hatte, sondern um die zurückliegenden Monate.

Hubsi nickte. "Ja, I hab auf di gewartet. I hab immer gehofft, dass du eines Tages zruckkemma dadst."

Nach einem weiteren leidenschaftlichen Kuss flüsterte Anja, ihre Stirn sacht gegen die seine gelegt, "I hätt damals ned einfach weglaufen dürfen. S durd ma leid. I hab dir so viel zu erklären..."

"Na, des brauchst ned." erwiderte Hubsi leise. "Hauptsache du bist wieda da. Und bleibst diesmal a?" fügte er hoffnungsvoll hinzu.

"Ja. Ja, I bleib etz da. Aller guten Dinge san drei, woast noch? I bleib solange, wiesd mi ertragen kannst!"

Lächelnd schüttelte Hubert den Kopf. "Wie könnt I des vergessen. Und wenns danach geht, dann ab etz für immer! Zumal du offenbar an gurden Draht zur Chefin hast, des is ja nie verkehrt. Die Geschicht musst mia fei scho no irgendwann verzählen."

"Versprochen." flüsterte Anja, während ihr Zeigefinger federleicht an Hubsis Schlüsselbein entlangfuhr und mit seinem Hemdkragen spielte. "Aber was hältst davon, wenn wir zuvor erstmal unser Wiedersehen richtig feiern? Nur wir beide..?"

"Das" er küsste sie zärtlich "klingt verdammt gurd. Lass uns gehn."
Hubert nahm seine Anja bei der Hand und zog sie mit sich zu seinem Wagen, um Zuhause endlich in trauter Zweisamkeit ihr Wiedersehen und ihre gemeinsame Zukunft zu feiern.

ENDE
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