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To the top (of your heart)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
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29.10.2020 1.952
 
Ich wischte mir die kleinen Schweißperlen von meiner Stirn, während ich den Weg zur Sporthalle antrat. Heute war ein unglaublich heißer Sommertag und die schwarze Schuluniform verschaffte mir keinerlei Erleichterung, schlimmer noch – das Gegenteil trat ein. So fiel ich die Treppe im Aufgang herunter, während mein dunkler Blazer von meinen Fingerspitzen herunter hing und meine Schienbeine in meinen Kniestrümpfen beinahe weg brannten. Von meinen Füßen gar nicht erst anzufangen.

Aber der Gedanken, in ein paar Minuten in der kühl gelüfteten Sporthalle zu sitzen und nichts mehr tun zu müssen nach einem anstrengenden Tag mit sämtlichen Schulstunden, das ließ mich aufatmen und meine letzte Kraft sammeln, um mit einem leichten Grinsen auf den Lippen durch einen der hinteren Eingänge zu schleichen. Auf halben Wege konnte ich schon die Bälle durch die Halle fliegen hören – die Jungs waren schon vollends dabei mit ihrem Training. Als ich jedoch in den Radius ihrer Stimmen gelangt war, schluckte ich tief. Denn nicht nur eine neue alte Stimmlage hatte sich in das Durcheinander gemischt, es waren gleich zwei.

Nach einem kurzen Stopp, denn ich versuchte bereits von etwas weiter weg die verschiedenen Tonlagen zuzuordnen, nahm ich meine zittrigen Beine in die Hand und stemmte mich gegen den Türrahmen. Mein Blick streifte auf der Stelle durch die mittelgroße Halle, in der mehrere Leute durch die Gegend sprinteten und ihre Bälle hin und her schlug. Aber meine Augen fokussierten sich sofort auf den kleineren Jungen in der linken Hälfte des Volleyballfeldes. Er beugte sich dem fliegenden Ball entgegen, seine Arme weggestreckt von seinem Körper, tief in den Knien hängend. So geschmeidig wie er bewegte sich niemand so nah über dem Spielfeldboden. Nishinoya.

Und neben ihm, eine große Gestalt. Sie hob wie eine starke Krähe vom Erdboden ab und streckte sich dem Ball entgegen, als wäre er sein Eigentum. Asahi.

Lange waren die beiden fort. Trauten sich nicht einmal in die Nähe der Sporthalle. Manchmal sogar nicht einmal in die Nähe meines Bruders – ich hatte beide eine ganze Zeit nur aus der Ferne beobachtet. Die Stimmung war angespannt und nun, da hüpften alle beide über das Spielfeld, als wäre nie etwas gewesen. Was um alles in der Welt war hier los? Ab wann hatte sich die Aura um uns so verändert, dass sich die ganze Welt um das Karasuno Volleyballteam plötzlich so auf den Kopf stellte?

„Kazuko, du blockierst die Tür“, Kiyokos ruhige Stimme riss mich aus meinen Gedanken und sofort erschlaffte mein Körper. Ich machte ihr Platz zum durch gehen, doch das Mädchen stoppte vorerst neben mir.

„Seit wann – seit wann sind die beiden zurück?“, ich konnte meinen Blick nicht von ihnen abwenden. Dass sie nun wieder hier waren, das war für mich kaum zu glauben. Es fühlte sich an wie ein Traum – ob nun gut oder schlecht, das wusste ich noch nicht so genau.

„Erst vor kurzem hat Daichi sie hier aufgegabelt und Shoyo hat sie wohl dazu überreden können sich wieder ihrer Leidenschaft zuzuwenden“, ich nickte Kiyokos Antwort ab, welche folgend an mir vorbei zog, um die Trinkflaschen der Jungs aufzufüllen. So, wie Shimizu sich ausdrückte, das musste doch heißen, dass sie bleiben, oder? Für immer, nicht wahr? Dann dürfte es doch jetzt die perfekte Schachfigur in meinem Plan mit Sugawara geben, oder?

Lange beobachtete ich die beiden. Die Freude, die sie schon früher in ihren Augen hatten, die war immer noch da. Vielleicht nun sogar ein wenig größer. Das machte mich froh. Und doch fragte ich mich, wurde das alles nun nur wieder so wie früher, weil Hinata und Kageyama neuen frischen Wind der Veränderungen mit sich brachten? Musste sie kommen, damit es wieder nach vorne gehen würde und weder Daichi, noch das Team der Karasuno sich auf ihrem aktuellen Stand rotierten?

Daichi hatte eine Pause eingeläutet. Und ich wusste, wie ich mir dies zu Eigen machen würde. Ruhig stand ich neben den Waschbecken, draußen, im Schatten, an der Außenwand der Turnhalle. Und ich wartete – um mir jedoch die paar Minuten Zeit zu vertreiben, spielte ich mit der fremden Trinkflasche in meiner Hand.

Und es dauerte wirklich nicht lange, bis meine Zielperson um die Ecke bog und mich mit mehr oder weniger großen Augen von der Seite anschaute.

„Dass du zurück bist, hättest du mir ja ruhig früher sagen können, hm?“, ich warf seine Flasche in die Luft, ließ sie kurz rotieren und fing sie wieder auf, bevor ich ihn von der Seite anblitzte.

Nishinoya lachte auf und kam mir etwas näher, stoppte aber dennoch etwa einen Meter vor mir: „Ich hatte nicht gedacht, dass du nach meiner Suspendierung und dem Stress noch mit mir reden willst. Also hab‘ ich den Versuch einfach gleich unterlassen.“

Ich drückte mich mit dem Fuß, mit welchem ich vorher gegen die Wand gelehnt stand, von dem Beton weg und fiel Nishinoya somit entgegen. Noch im Gang drückte ich ihm die Falsche gegen den Körper, nach welcher er angespannt und deutlich überrascht griff. Schulter an Schulter mit dem Jungen blieb ich allerdings stehen: „Dass du dich nicht gemeldet hast, weder bei mir noch bei Daichi, dass hat mich wirklich sauer gemacht. Deshalb gebe ich dir die Chance, das wieder gut zu machen.“

Yuu antwortete mir nicht und er hielt mich auch nicht auf. Mit einem siegessicheren Grinsen stand ich in der Tür und atmete tief durch unter dem Blicken der anderen Teammitgliedern, welche offensichtlich nicht ganz verstanden. Ich jedoch schien endlich mehr mit meinem Plan voran zu kommen, denn Nishinoya könnte nicht entkommen. Er musste zusagen, vor allem nachdem er mich einfach hatte sitzen lassen. Plan „Sugawara“ nahm endlich, wenn auch nur allmählich Fahrt auf.

Das ganze restliche Training konnte Nishinoya sich wohl schlecht konzentrieren. Immer wieder sprang er zu spät los oder stolperte mal zur Seite. Es tat mir schon etwas leid, aber schlussendlich hatte er es sich auch selbst zuzuschreiben. Nach diesem fiesen Streit, wo auch der Mopstiel dran glauben musste, war Yuu spurlos verschwunden gewesen. Von einem Tag auf den anderen ausgestiegen und niemand konnte so wirklich verstehen, wieso. Asahi folgte direkt darauf und beide waren herbe Verluste für das Team. Und natürlich blieb auch in meiner, Daichis und Sugas Bindung mit den beiden eine große Kerbe zurück.

Am Ende der heutigen Einheit half ich wieder mit das Netz abzubauen, während Sugawara mit den Erstklässlern den Boden wischte. Die Spannungen zwischen uns waren noch immer nicht behoben. Ich glaubte aber, dass es nur daran lag, dass wir beide einander direkt ins Gesicht logen. Wir waren beide nicht die Typen, die sonderlich gut im Lügen waren oder es gerne taten. Dass wir es trotzdem taten, zeigte davon, wie wichtig uns das alles eigentlich doch war und dass wir genauso viel an die Leute um uns herum dachten.

Daichi packte gerade unsere Sachen zusammen, als ich zu ihm stieß. Nishinoya wollte gleichzeitig an mir vorbei ziehen und den Weg nach Hause antreten, als ich nach dem Gurt seiner Sporttasche griff, welche er um die Schulter gelegt hatte und ihn an Ort und Stelle neben mich zog.

„Ich wollte mit Yuu was essen gehen. Geht das klar für dich?“, Nishinoya schien überrumpelt, natürlich, aber er spielte dennoch mit und lächelte Daichi gespielt ins Gesicht. Mein Bruder war überrascht, war ja klar. Nishinoya und ich kamen eigentlich immer gut klar, aber nachdem er uns alle einfach hatte sitzen lassen, hatte Daichi von seiner impulsiven Schwester wohl doch eine andere Reaktion erwartet.

„Sicher doch. Komm‘ aber bitte nicht zu spät nach Hause, alles klar?“, ich gab ihm mein Go dafür und entführte Yuu. Gemeinsam gingen wir in Richtung der Bushaltestelle und stiegen in einen der nächste Busse. Es war bereits spät, etwas anderes als ein kleiner Kiosk hätte bald nicht mehr auf, weshalb ich gemeinsam mit Nishinoya einen Imbiss etwa an der Endhaltestelle des Busses ansteuerte.

Ich sagte den ganzen Weg über nichts, während mich der Junge mit den stacheligen braunen Haaren und seiner blonden Strähne im Pony durchgängig Löcher in den Bauch fragte. Ich blieb jedoch hartnäckig, setzte ihn als wir angekommen waren an einen der wenigen Tische, bestellte für uns beide gebratene Nudeln und kam mit Essen in der Hand und zwei Flaschen Wasser wieder an den Tisch getaumelt. Beides servierte ich uns, setzte mich Yuu gegenüber und begann erst einmal seelenruhig zu mampfen. Yuu aber griff noch nicht einmal nach den Essstäbchen.

„Ko, würdest du mir jetzt endlich sagen, was du von mir willst? Ich hab‘ genug gelitten!“, Nishinoya zog sein gesagtes etwas gespielt auf. Ich konnte dennoch die Unsicherheit in seiner Stimme hören und wusste, dass er keinen Schimmer von dem besaß, was gleich auf ihn niederregnen würde. Es war wohl auch wirklich schwer zu erraten gewesen.

Ich legte meine Stäbchen auf dem Tellerrand ab und schraubte meine Wasserflasche auf: „Du wirst mein Freund werden.“

Yuus Augen weiteten sich ungemein und er wusste nichts zu sagen. Für eine ganze Zeit nicht. Nicht, während ich trank und auch nicht, während ich wieder nach meinem Essen griff. Ich deutete schon auf seinen Teller, damit seine Nudeln nicht kalt werden würden, aber Nishinoya war verwirrt.

„W-wow, also, ich weiß nicht genau – ehm, war da jetzt eine indirekte Frage drin versteckt? Oder – ich bin verwirrt. Ich glaube nicht, dass wir uns auf dem gleichen Nenner befinden“, Nishinoyas zittrige Stimme war neu für mich. Ich wusste nicht genau, was ihn so aus der Bahn warf. Glaubte er, ich wollte wirklich was von ihm? Wollte er wohlmöglich etwas von mir? Ich wollte seine Verwirrung schnell auflösen.

„Keine Sorge. Ich bin nicht in dich verknallt. Ich war das auch nie. Aber du schuldest mir was. Also wirst du mein Fake Freund werden, damit ich Sugawara eifersüchtig machen kann“, ich sah bereits während ich erklärte, dass Yuu das für eine unglaublich dumme Idee hielt. Deshalb holte ich direkt erneut aus und setzte mit Argumenten zur Unterstützung an.

„Der Plan hat auch einen guten Nebeneffekt für dich aufzuweisen. Du bist doch in Kiyoko verschossen, oder? Das ganze wird umgekehrt sicherlich genauso funktionieren“, erklärte ich ihm weiter und zog meine Augenbrauen leicht hoch, „Du hast nicht groß eine Wahl. Es sei denn du willst dich dein Leben lang schuldig fühlen, dass du unsere Freundschaft fast kaputt gemacht hast. Trotzdem bin ich die erwachsenere von uns beiden und gebe dir dennoch eine Wahl.“

Noch immer hatte der kleine Junge seine Nahrung nicht angerührt und so langsam wurde ich sauer, dass ich 800 Yen für seine Portion Nudeln bezahlt hatte. Trotzdem wartete ich ruhig auf eine Antwort von seiner Seite, die etwas auf sich warten ließ: „Ich denke nicht, dass das wirklich ein erwachsener Weg ist. Das ist sogar ziemlich dumm. Ich mach‘ da nur mit, für meinen Sideffekt. Und sollte irgendwas nach hinten losgehen, dann trägst du die Verantwortung.“

Sofort stimmte ich ihm zu und setzte ein siegessicheres Grinsen auf: „Sehr schön. Nimm dir die nächsten zwei Wochen Zeit. Wir werden abends täglich irgendwas unternehmen, für den Schein. Ab dann können wir anfangen unsere Fake Beziehung publik zu machen und dann beginnt der Spaß.“

Ich erhob mich von dem harten weißen Plastikstuhl und hob meinen Rucksack vom Boden auf, denn es wurde spät. Yuu hielt mich aber noch einmal auf, bevor ich mich auf die Socken machen wollte: „Wann wird das Theater vorbei sein?“

Nachdenklich schaute ich in den Nachthimmel, an welchem, kaum Sterne zu erkennen waren: „Wenn der Plan aufgegangen ist.“

Ich verabschiedete mich und so tat es auch Nishinoya. Das lief ab jetzt ja besser als erwartet. Der Plan konnte also in Phase 2 Überlaufen. Die Vorbereitung. Es musste so ausschauen, als würden Yuu und ich ständig aufeinander sitzen, dann wäre eine Beziehung zwischen uns erst glaubwürdig. Irgendwie mussten wir das Bild vermitteln, als würden wir an dem Punkt ansetzen, an welchem wir nach dem Streit aufgehört hatten. Aber das würde werden, da war ich mir sicher.
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