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To the top (of your heart)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
43
Alle Kapitel
155 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
23.12.2020 3.654
 
CAUTION: Slight Manga Spoiler

Wie haben es alle ziemlich weit gebracht. Und das nur in der Schule. Ich gebe zu, das hatte ich nach all dem hoch und runter kaum erwartet. Trotzdem stand ich jetzt hier oben, hielt diesen Zettel in der Hand. Mein Zeugnis und neben mir, da grinste mein Bruder breit. Und daneben Sugawara und Asahi und Shimizu. Für sie war es nun vorbei. Für mich noch nicht so ganz. Zumindest nicht so, wie es die meisten wohl erwarten würden.

Mama und Papa winkten von den Zuschauersitzen aus, genauso, wie Kenma und Kuroo es taten. Es war schwer sich zurückzuhalten, aber ich musste. Zumindest so lange, wie Daichi noch das Podium erklomm, um seine allerletzte Rede hier auf dieser Schule zu halten, bevor sich für ihn eine neue Welt eröffnen würde. Ich grinste weit, musste jedoch gleichzeitig versuchen, nicht unkontrolliert drauf loszuheulen.

Angespannt griff er nach dem Mikrofon, richtete es, während Noya und Tanaka, Shōyō, Kageyama und Yachi und der Rest – sogar Coach Ukai – darauf warteten, wofür er seine starke Stimme heute benutzen würde: „Ich habe mir eigentlich einen Zettel vorbereitet, aber … je mehr ich mir den Text darauf durchlese, desto blöder kommt mir das vor. Ich, aber da kann ich sicherlich auch für den Rest sprechen, haben lange nicht geglaubt, dass es sowas wie ein Leben nach der Schule überhaupt gibt. Da es nun jedoch unmittelbar vor der Tür steht, bin ich nur umso mehr froh, meinen Club und meine Freunde bis zum allerletzten Tag mit Volleyball begleitet zu haben. Es war mir eine Ehre. Und ihr werdet es noch weiterbringen als das, was wir gemeinsam erreicht haben. Danke für das gute Spiel!“

Mir liefen nun doch die Tränen, Daichi liefen die Tränen. Alle auf der Bühne, sie weinten bitterlich und auch im Publikum blieben die Augen nicht trocken. Und von jedem einzelnen kam es zurück, auch von mir: „Danke für das gute Spiel!“

Daichi hatte recht gehabt. Niemand verschwendete auch nur einen Gedanken daran, was nach der Schule käme, es sei denn man stünde unweigerlich davor. Und weil es mir jetzt bereits vor Augen geführt wurde, da schien ich wohl erst recht darüber nachzudenken, was in einem Jahr kommen würde. Wenn dieses Kapitel auch für mich vorbei wäre.

Ich umgriff mein Papier fester, warf noch einmal meinen Arm in die Luft und gemeinsam mit meinen Freunden und meinem Bruder verließen wir diese Bühne, die nur für uns gemacht war. Mein Lächeln vermischte sich mit Unmengen an salzigen Tränen, die ich erst wieder versuchte zu halten, nachdem ich meinen Eltern in die Arme gefallen war. Und auch Daichi. Das hier wirkte surreal, aber ich wusste genau, dass es kein Traum war. Wieso? Weil ich mich, egal wie schwer die Trauer lag, auf das freute, was mich danach erwarten würde.

Das Team kam auf uns zu und ich ließ den Absolventen den Vorrang sich zu verabschieden. Erst danach drückte ich Tanaka und Noya gemeinsam fest an meine Brust. Nun würde auch für sie das letzte Jahr losgehen. Es schien ihnen sehr nahe zu gehen. Aber das war verständlich. Mir tat der Kopf vom heulen auch bereits weh.

„Passt ihr mir gut auf Yachi auf? Da draußen gibt’s eine Menge Perverse“, versuchte ich unter meinen Tränen zu grinsen, aber schluchzte doch nur weiter vor mich hin. Wir waren nochmal richtig zusammengewachsen, aber meine Entscheidung wäre die richtige gewesen. Sie hatten alles, was sie brauchten. Hitoka würde auf meine Jungs aufpassen. Und andersherum wäre es sicherlich nicht anders.

„Aye, Miss!“, kam es aus beiden Mündern, während die heißen Tränen an den Seiten ihrer Gesichter herunter liefen. Ich lachte kurz auf und reichte Ryu dann an Shimizu weiter, die schon gespannt auf ihn wartete. Zwischen ihnen knisterte es gewaltig. Was daraus wohl noch werden würde – ich war gespannt, was die weitere Zukunft für alle bereithalten würde.

„Pass gut auf dich auf, Noya. Wir sehen uns sicherlich auch nochmal wieder! Meld‘ dich mal“, ich wischte mir meine Augen trocken, wurde jedoch schnell von einer tiefen Umarmung überrascht. Der kleine Junge hatte sich um meine Taille geschlungen und drückte mich fest gegen sich. Mir wurde ganz warm und ich ging auf diesen wunderbaren Abschied drauf ein. Wer weiß, wo es ihn hinverschlagen würde. Ich freute mich bereits darauf, von seinen Abenteuern zu erfahren.

„Sicher doch! Versprich mir nur, dass du mich nicht ignorierst“, es war noch immer nicht ganz an  Nishinoya vorbei gegangen. Das tat mir leid. Ich hoffte, dass er diese Angst, die ich ihm aufgehalst hatte, irgendwann hinter sich lassen konnte. Und wenn ich dafür irgendwann selbst durch die Hölle gehen musste, Noya hatte es verdient. Für ihn würde ich das tun, deshalb nickte ich, während ich meine Nase in seinen durchwurschtelten Haaren vergrub.

„Versprochen, kleiner Mann!“, schmunzelte ich zärtlich und drückte Noya noch ein Mal fest, bevor wir das letzte mal voneinander abließen. Das verheulte Lächeln, welches ich in Yuus Gesicht sah, sollte mich auf immer begleiten. Ich würde es bis in meine späte Zukunft tragen, das wusste ich nun jedoch noch nicht.

Mein Herz wurde warm und noch viel mehr emotional, wie ich die Jungs sich in die Arme fallen sah. Gemeinsam hatten sie so viel erreicht und über die Jahre waren sie alle zu den besten Freunden zusammen gewachsen. Egal, was kommen würde, nichts davon könnte ihre Bindung zerreißen und ihnen das wegnehmen, was sich bis hierhin angesammelt hatte. Liebe, Freundschaft und eine Menge Erinnerungen, die nie zu vergessen waren. Es machte mich froh, dass ich ebenso ein Teil davon sein durfte.

„Kazukoooooooo!“, noch bevor ich auf den lauten Schrei reagieren konnte, rannten mir schon zwei kleine Personen in die Seite. Es war schwer, sich auf den Beinen zu halten, aber ich schaffte es gerade so. Ich nahm die beiden Personen so gut es ging mit meinen Armen auf, denn sie beide hingen nur noch an meiner Hüfte, ich konnte nicht anders, als zu lachen.

Mein Blick ging jedoch schnell auf, wie ich schlussendlich Kageyama auf mich zukommen sah. Seine Hände tief in seinen Hosentasche schaute er mich an. Wir hatten nie wieder über diese Sache geredet. Vielleicht war er ja auch mit der Grund, weshalb ich gehen würde – in seinem Kopf. Eventuell war dies ein kleiner Schups dazu gewesen, aber mehr auch nicht. Ich schüttelte spielerisch den Kopf: „Ich habe keinen Bock auf schlechte Laune, komm her, König.“

Ich nahm noch den dritten in meine warme Umarmung auf und drückte sie alle ganz fest an mich. Am liebsten wollte ich immer so bleiben. Hier stehen, in der Sonne und der frischen Luft. Shōyō, Yachi und Kageyama, die sich fest an meinen Körper drückten. Für sie würde es noch etwas länger weitergehen. Ein Jahr länger, als bei mir, aber Sorgen machen musste ich mir um dieses Dreiergespann wohl kaum.

„Du darfst uns nicht verlassen, Koooooo!“, Shōyō hatte ganz nasse Augen. Es tat mir schon ziemlich weh den kleinen Kerl so traurig zu sehen. Deshalb versuchte ich mir mein breitestes Lächeln aufzusetzen, damit er sich mit mir freuen konnte. Aber Hinata schien nur noch mehr flennen zu wollen.

„Yachi wird gut auf euch aufpassen! Da bin ich mir sicher. Ärgert sie also nicht so doll, okay?“, ich wuschelte sowohl Shōyō, als auch Tobio durch die Haare. Wie ich jedoch sah, dass auch Kageyama sich die ein oder andere Träne wegwischen musste, da konnte ich nicht anders, als ihn noch einmal in eine alleinige Umarmung zu ziehen. Ich fragte mich all die Zeit, ob unser Streit ihn belastet hatte. Nie hatte er auch nur Anstalten gemacht, sich dazu zu äußern. Dass er nun jedoch so emotional reagierte, das überraschte auch mich ziemlich.

„Wer wird denn gleich …“, murmelte ich in Kageyamas Hals, wie ich meine Nase darin vergrub. Er schluchzte mir tief ins Ohr und ab diesem Moment wusste ich, dass Tobio doch nicht alles egal war. Nicht alles ging einfach so spurlos an ihm vorbei, wie ich es mir dachte. Er war genauso emotional, wie jeder anderer der Jungs auch und das endlich zu wissen, ließ mich etwas schmunzeln.

„Tut mir leid, das ich dich verhauen habe und dass ich so ein Idiot war!“, ich kniff die Augen etwas zu, wie Kageyama mir so ins Ohr brüllte. Dieser Junge machte mich echt fertig. Er und Shōyō hatten sich charakterlich in ihren guten Eigenarten kaum verändert. Ihre schlechten Merkmale aber haben sie wirklich ausgebaut. Deshalb meinte ich auch alles ernst, was ich Tobio als Abschied schenkte.

„Du hast dich verändert. Zum besseren. Halte daran fest“, flüsterte ich zart gegen sein Ohr, damit nur Tobio das hören konnte – unterstützt mit einem streicheln über seinen Hinterkopf. Wir saßen vielleicht nicht immer auf dem selben Zweig und bewarfen uns vielleicht auch ein Mal zu oft mit Steinen, aber schlussendlich meinten wir es doch in den seltensten Fällen wirklich ernst. Und wäre alles nicht so gekommen, wie es gekommen war, ständen wir vielleicht jetzt auch gar nicht hier.

Nachdem ich den großen Jungen wieder losgelassen hatte, musterte ich alle drei kleinen, die nebeneinander standen. Jetzt war ich mir definitiv sicher, sie würden das alles hier schon schaukeln und Coach Ukai hatten sie ja jetzt auch an ihrer Seite. Es konnte also gar nichts mehr nach hinten losgehen, sondern nur noch geradeaus.

„Pass mir gut auf die beiden Jungs auf, Yachi. Du bist jetzt die einzige, die die beiden Teufel im Griff halten kann“, grinste ich breit und strich dem kleinen blonden Mädchen einmal durch ihre offenen Haare. Ich vertraute ihr, sie würde das schon schaukeln, da war ich mir sicher. Deshalb nahm ich zuerst sie und dann auch nochmal die anderen beiden fest in den Arm, bevor sie sich zu guter letzt noch auf ihren bald Ex – Kapitän stürzten. Sofort stellte ich mir die Frage, wer diesen Posten ab jetzt wohl übernehmen würde. Aber die Jungs würden schon ordentlich wählen. Ich konnte mir jedoch Noya oder Tsukki gut vorstellen. Wenn Tanaka sich nicht mehr so viel mitreißen ließ, dann er vielleicht auch.

Vom Teufel „gesprochen“, bog er auch schon um die Ecke – mit den Händen tief in den Taschen grinste er mir breit entgegen. Vor mir kam er zum stehen und ich konnte nicht anders, als sein typisches Grinsen, genauso blöd zu erwidern. Er heulte sich im Vergleich zu mir wenigstens nicht die Augen aus dem Kopf. Und doch, wie ich so da stand, zu dem Riesen hinaufschauend, da war es doch tatsächlich ziemlich schwer die Tränen in mir drin zu behalten. Wie lange würde ich noch so flennen? War die Flüssigkeit in meinem Kopf nicht langsam aufgebraucht.

„Da muss die kleine Kratzbürste doch tatsächlich zum Abschied weinen“, lachte Tsukishima zu mir hinab und ich wischte mir schluchzend meine Tränen aus den Augen, „komm‘ her.“

Tsukki schloss mich tief in seine Arme ein. Ich krallte mich um seine schlanke Taille und horchte seinem pochenden Herzen zu, wie es schnell in seiner Brust umher schlug. Auch an Tsukishima ging das alles nicht einfach so spurlos vorbei und ich bin ehrlich, das war das allerletzte, was ich irgendwie erwartet hatte. Und jetzt standen wir hier. Der Junge mit den kurzen blonden Haaren und der Brille auf seiner Nase, drückte mich mit jedem Atemzug fester an sich und ich erwiderte dies mit einem festen Drücken zurück. Manchmal, da konnte ich diesen Kerl echt nicht ab. Wie er immer umher spazierte und glaubte, ihm würde die Welt gehören. Und doch, als ich ihn plötzlich mehrmals zusammenzucken und leise, nur minimal, schluchzen hörte, da konnte ich nicht anders, als meine Augen weit aufzureißen. Er weinte … noch nie hatte ich Tsukishima weinen sehen.

Noch in Tsukkis Armen schaute ich zu ihm auf. Ganz schnell wischte er sich über die Augenpartie, bevor ich leise zu ihm sprach: „Du … Du weinst ja.“

Angespannt schaute Kei weg und seine Wangen färbten sich doch tatsächlich etwas rötlich: „Erzähl doch keinem Quatsch! Echt mal!“

Sofort trieb es mir zwischen den ganzen Tränen ein Lachen aufs Gesicht und Tsukishima schaute mich direkt verwirrt an. Dennoch ließ er nicht von mir ab, sondern blieb ganz ruhig. Dieser Kerl, er war echt eine Granate und mit Abstand die einzige Person, wo ich nicht vermuten konnte, wo er wohl später landen würde. Es interessierte mich brennend, aber da würde ich wohl noch ziemlich lange drauf warten müssen.

„Ich weine doch auch … es ist okay, traurig zu sein“, murmelte ich zurück und das letzte mal drückten wir uns fest in die Arme des anderen. Danach ließen wir voneinander ab und ich verabschiedete mich auch noch von dem ganzen Rest des Teams.

Daichi war noch voll beschäftigt sich unter Tränen von den anderen zu verabschieden, deswegen stand ich eine Zeit lang abseits und schaute ihm nur dabei zu. Er würde sie alle so schrecklich vermissen und zu akzeptieren, dass nicht jeder Kontakt aufrecht erhalten werden würde, das wäre wohl mit das schlimmste für meinen Bruder. Aber seine Zukunft würde blendend werden. Ich war mir sicher, dass er den richtigen Weg nehmen würde und am Ende dessen glücklich wäre. Egal, was passierte, ich wäre immer da und ich war mir sehr sicher, dass auch seine und Sugawaras Freundschaft bis in den Tod halten würde.

„Schade, dass du uns auch verlässt“, es riss mich aus meinen tiefe Gedanken heraus, wie man mich von hinten heraus ansprach. Erschrocken drehte ich mich um, doch meine Lippen setzten schnell ein Lächeln auf. Herr Takeda und neben ihm Coach Ukai.

„Ja, das fällt mir nicht leicht, aber ich bin sicher, dass es die richtige Entscheidung war – ich freue mich, auf das was kommt und ganz sicher sehen wir uns schneller wieder, als wir denken“, ich zwinkerte den beiden schelmisch zu und sie schienen nicht zu verstehen. Wenn wir uns jedoch erstmal in der Situation befänden, dann wüssten sie, was ich meinte.

„Danke für die letzten Jahre und dass Sie nie an uns gezweifelt haben, Herr Takeda“, er hielt mir die Arme auf und ich verabschiedete mich gebührend von ihm. Er und Keishin würden die jetzigen Schüler und alles, was danach Käme durch den Sport leiten.

Wie ich Takeda los ließ, schaute ich direkt zum Coach. Er schien sich mit Abschieden schwer zu tun, deshalb nahm ich es ihm etwas ab: „Ich bin froh, dass sie den Jungs so viel beigebracht haben. Ohne Sie wären wir nie so weit gekommen.“

Meine Worte schienen bei Ukai einen Nerv zu treffen. Er entspannte sich sofort und lud auch mich in eine Umarmung ein. Das wäre es dann wohl. Der Club würde ohne mich existieren und alleine daran zu denken, wollte mich wieder unaufhörlich heulen lassen. Vor zwei Jahren hätte ich daran nicht einen Gedanken verschwendet und nun war es soweit. Ich ging.
Ich überließ Daichi nun den Abschied seiner Trainer und widmete mich meiner Zukunft, die da gerade auf mich zu marschiert kam.

„Na, neue Managerin? Bereit in den neuen Lebensabschnitt zu spazieren?“, Kuroo legte seinen Arm um meine Schultern und holte mich näher. Mit einem schnellen Hüpfen meines Herzens drückte er mir einen zarten Kuss auf die Lippen, bevor ich folgend Kenma in die Arme fiel. Es bedeutete mir viel, dass die beiden gekommen waren. Sie nahmen mich direkt mit und ließen mich nicht alleine den neuen Weg gehen.

„Ja … aber“, die beiden Jungs wirkten erschrocken – vielleicht glaubten sie, ich hatte mir meine Entscheidung doch noch überlegt, deswegen wollte ich sie schnell beruhigen, „es wäre einfacher gewesen, wenn ich auch mit dir zur Schule gegangen wäre, Kuroo.“

Kuroos Schock wandelte sich in ein leidenschaftliches Lächeln um. Auch er war nun Absolvent. Nur Kenma würde mich auf die neue Schule begleiten und der ganze Rest dort wäre komplett fremd für mich. Ich hatte Angst. Die Nekoma war so groß und so neu für mich. Ich hoffte, im letzten Jahr noch alles irgendwie hinzubekommen. Immerhin war meine Entscheidung riskant gewesen. Aber ich wusste, sie war richtig.

„Kenma wird da sein und mehr brauchst du nicht. Du bist eine starke Person und wir werden uns jeden Tag sehen, sollte das nicht genug sein, erinnere dich an unseren Plan – ich jobbe ein Jahr und dann drücken wir gemeinsam die Bank der Uni. Wir drei, klar?“, Kuroo machte mir Mut, während ich Kenma noch in den Armen lag. Ja, das war unser aller Plan. So hatten wir es abgesprochen und ich wollte, dass wir alles daran setzten, dieses Ziel zu erreichen. Ich nickte den beiden Jungs zu, blieb aber dennoch leise.

„Wir haben extra noch ein Ass im Ärmel, um dich Lächeln zu sehen“, Kenma hielt mir einen Beutel hin. Darin ein rotes Stück Stoff, den ich vorsichtig aus der Plastiktüte zog. Sofort eröffnete sich mir Kuroos alte Teamjacke. Eine Nekoma Jacke. Sie sagten ja … sie würden wir eine schenken. Sofort ging mein Blick in Kuroos Richtung, welcher meine Aufmerksamkeit jedoch wieder zurück schickte. Und da hielt Kenma auch schon die Kapuze hoch. Katzenohren. Ich konnte die verschiedenen Nadelstiche erkennen, aber das ließ sie nur noch toller wirken in meinen Augen. Ich schniefte erneut.

„Probier sie an“, Kenma half mir in die große Jacke hinein. Sie ging mir bis zu der Mitte der Oberschenkel. Ja, sie war deutlich zu groß, aber ich liebte sie sofort. Ich wollte sie nie wieder ausziehen. In dieser Jacke fühlte ich mich mehr zuhause. Und das wäre es auch – die Nekoma wäre mein neues Zuhause, nach den Ferien.

Ich drehte mich im Kreis, fiel folgend meinen beiden liebsten Katzen in die Arme und drückte sie fest an mich. Kuroo hatte ich zwar verpasst, aber endlich würde ich wissen wie es war, immer bei Kenma zu sein und vor allem, wie es war, ein komplettes Team zu managen. Ich freute mich auf die Herausforderungen und den Spaß. Und auch auf das Blut, den Schweiß und die Tränen die ich investieren würde.

„Nekoma - Schülerin und Managerin des Volleyballteams. Die Karasuno hat Potenzial verloren“, hörte ich meinen Bruder sagen und nahm auch ihn nochmal in den Arm. Ich wusste ganz genau, dass ich ihn heute Abend am Abendbrotstisch wiedersehen würde und trotzdem fühlte es sich an, wie ein Abschied von ihm. Immerhin sagte ich auch auf Wiedersehen. Wir würden nie wieder herkommen zum Training. Wir würden nie wieder in ein Trainingscamp fahren und auch nicht mehr gemeinsam nach Hause gehen.

„Mal sehen, ich muss noch bisschen pauken, um Potenzial zu schöpfen“, wir brachen alle in ein Lachen aus und Daichi nickte ab. Auch ich stimmte zu und gemeinsam, zu siebt spazierten wir durch die Leute, winkten noch einmal zurück und machten uns nun auf den Weg zu gehen.

Je näher wir dem Tor kamen, umso schwerer fielen mir die Schritte, aber es ging mir nicht alleine so. Deshalb umgriff ich erst Daichis und folglich sogar Sugawara Hand und so ging es weiter. Sogar Kenma und Kuroo würden mit aufgenommen und gemeinsam nahmen wir den letzten Schritt über die Schwelle ins nächste Leben. Es fühlte sich komisch an. Aber je mehr ich darüber nachdachte, dass ich nicht mehr zurückkehren würde, desto schwerer lag mir mein Herz in der Brust.

Mit einem letzten Blick verabschiedete ich mich von den Klassenräumen. Von der Sporthalle und von allen Erinnerungen, die ich gesammelt hatte. Von allem Streits, von meinem blöden Plan. Von allen Siegen, die wir eingefahren hatten. Alles das ließ ich mit meinem Karasuno – ich hier. Und irgendwann würde ich sicherlich zurückkommen. Vielleicht an einem Schulfest und dann würde ich mich erinnern und zurückblicken auf jeden Augenblick, den ich erlebt hatte. Einfach alles.

Gemeinsam liefen wir die Straße hinab. Alle sieben nebeneinander, alte Geschichten erzählend, vor allem von dem Camps. Gemeinsam lachten wir und das freute mich so sehr. Wir waren erwachsener geworden. Daichi und die anderen Drittklässlerer mehr als ich, aber auch ich würde mich sicherlich noch machen. Gemeinsam mit Kenma an meiner Seite und Kuroo in meinem Herzen würden wir alles schaffen.

Die Kreuzung war gekommen. Die Kreuzung, an der wir uns trennen würden. Es war nicht so dramatisch, wir gingen nur in verschiedenen Restaurants etwas essen, aber dennoch. Gemeinsam mit Kenma und Kuroo auf meiner Seite, schaute ich auf die Seite meines Bruders. Sie alle hatten Träume und nun würden sie sich alle daran machen, sie zu erfüllen. Und während mein Bruder hierbleiben würde, wusste ich nicht, wo es die anderen hinverschlug.

Ich verabschiedete mich von Asahi und Shimizu in einer langen Umarmung, bevor ich mich an Sugawara wandte. Ich dachte an unsere Unterhaltung, aber seitdem hatte sich nicht geändert. Mein Herz lag nun in Kuroos Händen und ich hatte diese Entscheidung bis heute nicht bereut. Nein, im Gegenteil.

„Pass auf dich auf, Kazuko. Ist es zu viel verlangt, wenn du dich mal hören lässt?“, ich lachte in Sugawaras Gesagtes hinein und schüttelte den Kopf. Wir hatten eine ziemlich lange Zeit verbracht. Es kam mir vor, als wären wir erst gestern das erste Mal gemeinsam zum Training gegangen. Dabei war das schon so lange her.

„Keine Sorge, wir sind beide nicht aus der Welt“, das war sowas, was Erwachsene sich immer sagten, aber sich schlussendlich nie wieder miteinander unterhielten. Ich hoffte inständig, dass das bei Koshi und mir nicht so wäre, doch was viel wichtiger war, waren ihre Wünsche. Und daran sollten sie jetzt arbeiten.

Die vier warfen ihre Arme in die Luft, während sie die Straßen geradeaus nahmen, Kenma, Kuroo und Ich sollten nach links abbiegen. Bevor sie verschwanden, rief Daichi jedoch noch in meine Richtung: „Bis heute Abend, Schwesterherz!“

Ich lachte es ab, während ich sowohl nach Kenmas, als auch Kuroos Hand griff und gemeinsam mit ihnen abbog. Niemand hatte jemals gesagt, dass ein Abschied einfach wäre. Und ich konnte das bestätigen. Nichts heute war einfach gewesen, aber Kenma und Kuroo gaben mir den Halt, den ich brauchte, um die Schritte nach vorne zu tun. Ich freute mich auf die Zukunft mit ihnen. Auch auf die weiter entfernte. Gemeinsam würden wir das schaukeln, da war ich mir sicher. Ja, ich freute mich. Nicht nur auf das kommende Jahr, sondern auch auf die Zeit danach. Die Uni. Mama und Papa schwärmten immer von ihrer Zeit an der Universität, es wäre also nicht übertrieben, wenn ich sagte, ich freute mich auf das Abenteuer – zu dritt.
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