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To the top (of your heart)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
42
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
02.12.2020 3.659
 
Playing: Follow You — Bring me the horizon

T-3 Stunden. Und ich stand vor dem Spiegel im Badezimmer. Ich hatte versucht die Schleife an meiner Schuluniform schöner zu binden, als sonst, aber gefühlt wurde es nur immer schlimmer. Wenigstens schaffte ich es mir eine ordentliche Frisur zu verpassen. Ich flocht mir zwei Zöpfe an der Kopfhaut entlang und Band sie am meinem Hinterkopf gemeinsam zusammen. Über meine Stirn fiel mein gerade geschnittener Pony. Und mein schlichter Eyeliner gab mir den letzten Schliff. Trotzdem, egal wie gut ich in meinen Augen aussehen würde, mein Herz explodierte wenn ich an die Menge der Leute dachte, die mir heute zuschauen würden.

Aber es half alles nichts, ich musste endlich los. Immerhin wollte ich den Jungs vorher auch noch einen Besuch abstatten. Gegenseitige Unterstützung war doch genau das, was nicht nur ich, sondern auch der Club brauchte. Deshalb schnappte ich mir meine Umhängetasche, schloss ab und nahm meine Beine in die Hand, damit mir noch genug Zeit für alles blieb.

Das Schulfest hatte bereits vor zwei Stunden begonnen. Es war sicherlich schon einiges los und mit den einherziehenden Stunden würde sicherlich noch einiges an Besucher dazukommen. Und es war genau so, wie ich es mir gedacht hatte. Stände hatten schon eine Menge Kundschaft und auch an den Bühnen tummelten sich die Menschen. Bevor ich zur Sporthalle tigerte, stattete ich meinem Chor noch einen Besuch ab, die ein Medley aus den verschiedenen Zeitepochen der Musik aufführten. Sie entdeckten mich alle in der Menge, wie ich ihnen zujubelte und einen Daumen zeigte. Sie machten das toll. Und ich hoffte, dass sie auch mir nachher sagen würde, ich hätte meinen Auftritt gut gemeistert.

Nun war es aber Zeit, ich wollte zu den Jungs. In der Halle war genauso viel los. Auch, wenn sie gegen die Seijoh verloren hatten, das Team hatte sich herumgesprochen und eine kleine Fangemeinde angesammelt. Die nun zu Besuch gekommen war. Die Jungs nahmen immer wieder Besucher mit ins Team hinein und spielten kleine Runden mit ihnen. Es war süß mit anzusehen, wie Sugawara mit kleinen Kindern spielte und Daichi es ebenso versuchte. Aber auch, wie Noya sich mit ihnen über den Boden rollte. Ich wollte gar nicht mehr weg. Gleichzeitig wollte ich aber auch noch etwas Action und eventuell Ablenkung.

„Hey, darf man als Schwester des Captains hier auch mitmachen?“, grinste ich breit durch die Halle und kam an den Spielfeldrand geschlichen.

„Nur, wenn wir wegen dir nicht verlieren. Schnapp dir ein Trikot“, grinste Kageyama breit und ich nahm mir eines der sauberen Trikots, die an der Seite auf der Bank lagen. Vorsichtig stülpte ich es mir über, um meine Uniform für den Auftritt nicht dreckig zu machen.

„Pass auf, dass Kazuko dir nicht die Show stiehlt, Hinata. Vielleicht ist sie ja der bessere kleine Titan“, lachte Daichi frech und ich musterte mein Oberteil. Ich trug die 10. Shoyos eigentliche Nummer und die Nummer des kleinen Titans. Das Trikot stand mir besser, als gedacht und langsam fragte ich mich wirklich, ob es nicht besser wäre, einen neuen Club zu suchen.

„Mir steht das besser, als ihr!“, maulte Hinata auf und ich brach in ein lautes Lachen aus, bevor ich mich in die linke Hälfte des Feldes stellte. Ich spielte mit Shoyo und Kags, das konnte also lustig werden. Im generischen Feld fanden mein Bruder und Sugawara Platz. Ich freute mich, pumpte mich voller Adrenalin, wollte aber gleichzeitig einfach auf andere Gedanken kommen.

Es ging los, wurde angepfiffen und die Jungs gaben sich Mühe. Aber nicht zu viel, ein Laie wie ich sollte ja auch noch hinterher kommen. Trotzdem war ich überrascht, wie Kageyama direkt nach mir rief und ich versuchte, den Ball zu versenken. Auch, wenn es schon etwas her war, ich bemerkte direkt den Unterschied zwischen Tobios und Koshis Zuspiel. Es war von Grund auf verschieden. Aber beide ließen sich definitiv gut spielen und das war das eigentliche Ziel. Ich konnte ihn versenken, aber wohl eher, weil Daichi und Noya mich ließen. Bei Nishinoya wusste ich nicht genau wieso, Daichi vielleicht wollte mich einfach nur aufmuntern.

Die Runden waren lustig. Auch, wenn ich deutlich merkte, dass ich mehr gefragt wurde. Ich spielte fast jeden Ball rüber, fast jeder ging rein. Daichi hatte ihnen bestimmt gesagt, dass sie mir die Nervosität nehmen sollten und ich musste zugeben, sie hatten es ein wenig geschafft. Deshalb bedankte ich mich bei ihnen für das Spiel und legte Hinatas Trikot wieder ab, auch wenn mir schwarz und orange wirklich ausgezeichnet stand, wenn ich das mal so sagen durfte.

„Ich seh euch hoffentlich gleich an der Bühne stehen, ansonsten müsst ihr zur Strafe tauchen gehen“, lachte ich auf, schnappte meine Tasche und winkte ihnen zum vorläufigen Abschied zu. Ich musste noch mein Mikrofon testen, dass es auch wirklich ginge. Meine Musik wurde auch noch einmal angetestet und dafür sollte ich nicht zu spät kommen.

Auf dem Weg zur Bühne schaute ich immer mal wieder durch die Reihen, um nach Leuten Ausschau zu halten, die ich kannte und auf die ich wartete. Kenma, Kuroo, Iwaizumi und auch Oikawa. Aber ich entdeckte sie nicht in den Maßen an Menschen, weshalb ich das Versteckspiel unterließ und direkt in meine Chorleiterin rannte, die bereits auf mich gewartet hatte. Denn es waren nur noch 20 Minuten Zeit.

„Aufgeregt, kleine Maus?“, schmunzelte sie, während sie mir die Jacke und die Tasche abnahm. Ich nickte ihr zu, biss mir dabei auf die Zunge und schüttelte meine Hände vor Nervosität aus.

„Es war noch schlimmer, aber ich krieg das hin, irgendwie!“, meine Stimme zitterte leicht, aber meine Lehrerin streichelte mir kurz mit ihrer warmen Hand über die Schulter. Ihre ruhige Aura ging etwas auf mich über und ich beruhigte mich ein Stück weit.

„Dein Lied ist klasse und deine Generalproben liefen super! Sie werden dich lieben“, es freute mich so sehr, dass sie mir das sagte. Mein Musikgeschmack war manchmal besonders. Ich hörte alles, solange der Songtexte mir Kraft gab oder mir etwas bedeutete. Ob es lustig, traurig oder kraftgebend war. Ich war überzeugt von meinem Lied. Jetzt musste ich es nur noch authentisch hinüber bringen. So, als wäre es mein Lied.

Etwa drei Minuten vor dem Start meiner Performance, erklomm meine Chorleiterin das Pult und griff nach dem Mikrofon: „Und nun stellen wir Ihnen eine weitere Vertreterin unseres Schulchores vor. Sie wird ihnen einen Solo Song performen, der ihr viel bedeutet und für den sie hart trainiert hat – begrüßen Sie mit mir Kazuko Sawamura!“

Ich holte Luft, so tief ich konnte. Ich würde es schaffen! Singen war meine zweite große Leidenschaft neben dem zugucken von Volleyball. Nichts tat ich länger in meinem Leben, als das! Also los, reiss dich zusammen und Rock die Bühne!

Mit dem Mikrofon fest in der Hand trat ich auf die Bühne, gab mir mit meiner Lehrerin quasi die Klinke in die Hand und stand alleine da oben. Mein Blick durch die Reihen gehend. Schnell entdeckte ich Daichi, Tanaka, Tsukki – der seine Kopfhörer mal nicht im Ohr hatte. Mein ganzer Club war da. Für den Rest, den ich suchte, brauchte ich noch Zeit, aber es sollte losgehen. Ich durfte niemanden warten lassen. Ich hob die Hand, damit mein Lied starten konnte.

Die ersten Töne des Basses erklangen hinter mir durch die großen Boxen. Sie versetzten mich in Bewegung, so viel Schwung brachten sie mit. Und mit jedem verstrichenen Akkord, der mich näher an meinen Text brachte, fingen meine Hände an zu schwitzen und mir wurde ganz heiß. Aber ich liebte das Lied und ich liebte die Message dahinter. Und diese wollte ich vermitteln. Mit aller Inbrunst.

„My Heard is haunting me and my heart feels like a ghost. I need to feel something cause I’m still so far from home“, die ersten Worte kamen zittrig aus mir heraus. Ich versuchte sofort, mich zu verbessern, meine Stimme zu finden und nicht mehr so leise zu sein. Der Song wurde im Refrain kräftig, bis dahin musste ich meinen ganzen Mut gesammelt haben.

„Cross your Heart and Hope to die, promise me you’ll never leave my side“, meine unruhigen Blicke gingen durch die Reihen der Menschen. Ich stoppte bei meinem Bruder und bei Sugawara. Ja, sie waren mir wichtig und wenn ich heute und hier den Wunsch äußern könnte, dann wollte ich, dass sie immer bei mir bleiben würden. Egal, wie und als was.

„Show me what I can’t see when the spark in your eyes is gone, you’ve got me on your knees - I’m your one man cult“, ich erblickte Tsukki, wie er grinste. Er war definitiv der Musikexperte im Team und er schien den Song zu kennen. Vielleicht wusste er ja bereits, was ich sagen wollte. Und ja es ging auch an ihn, es ging ans ganze Team.

„Cross my heart and hope to die, promise you I’ll never leave your side“, mein Blick und Sugas trafen aufeinander. Ich wünschte so sehr, er würde verstehen, wie ich fühlte. Aber er tat es nicht. Warum nur nicht? War es so schwer? Wollte er einfach nicht? Ließ er es nicht zu? Warum … es war mir so wichtig. Und ich sah auch, dass es an ihm selbst nicht spurlos vorbei ging. Nein, sein Blick beherbergte Gedanken, die nicht so einfach waren. Ich erkannte es.

„Cause I’m telling you, you’re all I need, I promise you, you’re all I see“, ich suchte weiter, weiter und weiter. Ah, da! Zwei rote Trikots mitten in der Mitte der Menge. Kuroo hob Kenma etwas hoch, damit er besser sehen konnte. Ich wollte weinen. Sie waren wirklich gekommen. Sogar richtig pünktlich. Mein Herz erwärmte sich, denn das Lied war auch für sie.

„Cause I’m telling you, you’re all I need, I’ll never leave“, ich schüttelte leicht den Kopf, während ich mich auf der Bühne wohler fühlte. Ich ging umher, gestikulierte mit meiner Hand und ließ den Augenkontakt mit Kuroo und Kenma nicht brechen. Auch sie waren mir wichtig. Ich bereute jede Zeit, die ich nicht mit ihnen nutzen konnte oder genutzt habe in der Vergangenheit, denn es war jedes Mal eine Erinnerung, die ich gern gewonnen hatte.

Ich holte tief Luft, denn nun musste der ganze Druck in mir heraus, direkt in das Lied hinein fließen: „So you can drag me through hellllll, if it meant I could hold your hand!“

Ich wurde lauter, presste meine ganze Luft aus der Lunge um das beste aus meiner Stimme herauszuholen. Meine Stimmbänder vibrierten noch nie so stark, ich drückte mir gegen das Dekolleté, um es besser zu spüren. Die Kraft, die dahinter steckte, meine ganzen Gefühle, die in die Performance flossen. Es war ein tolles Gefühl und ich ging endlich auf.

„I will follow you, cause I’m under your spell!“, ich zeigte kurz mit dem Finger auf Kuroo und dem Kenma in seinen Armen. Sie lachten mir zu, Kenma winkte sogar und Kuroo zwinkerte mir zu. Meine Katerchen.

„And you can throw me to the flames“, aber wo war er? Es dauerte seine Zeit, bis ich Iwaizumi und zwei drei weitere Anhänger des Volleyballclubs der Seijoh erblickte. Sie feuerten mich an, mit rufen und mit klatschen. Vor allem Iwaizumi. Aber wo war … warum war Tōru nicht bei ihnen?

„I will follow you, I will follow you!“, ich versuchte mit Iwaizumi in den Augenkontakt zu gehen. Er sah es mir direkt an. Die Frage. Wo er war. Aber alles, was Hajime mir als Antwort darauf geben konnte, war ein Kopfschütteln und ein minimales Zucken mit den Schultern. Es war enttäuschend – ich fiel in mich zusammen. Tōru hatte es mir versprochen gehabt. Er hatte gesagt er würde kommen und mir zusehen. Er war ein Lügner.

Für einen minimalen Augenblick ließ ich mich runtermachen, verlor den Halt, musste mich sammeln. Aber die Wut und die Traurigkeit in mir, ich nahm sie mit um meinem Song noch einen oben drauf zu setzen. Es fühlte sich an, wie ein Leistungssport. Als würde ich in diesem Moment eine Partie Volleyball spielen. Und es fühlte sich gut an, auch wenn die verschiedensten Gefühle durch mich hindurch schossen.

Das Lied näherte sich dem Ende. Ich schaute sie noch einmal alle an. Sie klatschten, jubelten, lachten. Ich hatte das Gefühl, nur sie zu hören. Sogar Noya lächelte mir zu. In diesem Moment fühlte es sich so an, als wäre alles perfekt und doch so traurig.

Ich beendete den Song mit den letzten Worten, die Musik stoppte und erst wurde es ruhig, bevor der Trubel losbrach. Es wurde applaudiert aus allen Richtungen und ich verbeugte mich, bevor ich noch einmal in das Mikrofon sprach: „Ich würde gerne noch etwas sagen.“

Die Menge ließ mich reden, wurde ruhiger, um meine Worte besser zu verstehen: „Alle wichtigen Menschen, die ich heute hierher eingeladen habe sind fast alle gekommen. Ich danke euch, dass ihr immer für mich da seid. Wir gehen alle auf verschiedene Schulen. Sind Freunde, beste Freunde, Familie oder uns nur flüchtig bekannt. Aber ihr seid toll! Und ich glaube an euch und liebe euch! Danke, für das gute Spiel!“

Es kam zurück. Ein danke kam zurück von ihnen. Ich konnte fast jede ihrer Stimmen differenzieren. Daichi, Noya, Tanaka, Kags, Kuroo, Kenma oder Hajime. Beinahe wäre es der perfekte wahrgewordene Traum gewesen. Ich verabschiedete mich, mit einem winken und verließ die Bühne und auch, wenn meine Lehrerin mich aufhielt, mir gratulieren wollte, ich konnte doch nicht anders, als in die Menge zu sprinten, an meinem Team vorbei. An Kuroo und Kenma vorbei und direkt zu Iwaizumi und seinen Anhängern.

Noch bevor ich ihn begrüßte, griff ich im Lauf sein Handgelenk, zog ihn mit mir an den Rand und sprach laut: „Wo ist er? Warum ist Tōru nicht bei euch?“

Hajime sprach nicht. Keine Ahnung, ob er nicht wusste, was er sagen sollte oder ob ich ihm mit meiner Performance die Sprache verschlagen hatte, deshalb wurde ich lauter: „Hajime, wo ist Oikawa!“

„Er ist in der Schule. Keine Ahnung, was er da macht!“, kam es angespannt und zittrig zurück. Das reichte mir. Mehr musste ich nicht wissen, denn egal, wo Oikawa war. Er war nicht hier und das war der fatale Fehler. Wenn er nicht mindestens mit Krebs vierten Stadiums im Krankenhaus lag, hatte er keinerlei Entschuldigung, die ein Versprechen dieser Art brechen konnte.

Noch einmal nahm ich den Blickkontakt mit Hajime auf, er wusste, was kam. Und ich wusste, er würde mich aufhalten. Es war eine Art Intuition und deshalb, zuckte ich zurück, während Hajime zeitgleich nach meinem Arm griff und verfehlte.

„Kazuko, bleib stehen!“, ich rannte. Blieb nicht stehen, egal, wie sehr ich irgendwann keuchte. Denn Iwaizumi klebte mir an den Hacken. Das ganze Stück bis zur Seijoh hin musste ich durchhalten, durfte nicht schlappmachen, denn Hajime war ein trainierter Sportler. Dennoch hielt er mit meinen Schritten nicht ganz mit und ich wandte mich immer gekonnt aus seinen Griffen und alleine dass er mir nachlief, mich verfolgte, mich abhalten wollte von was auch immer ich sehen oder hören würde – ich war auf nichts gefasst. Vielleicht wollte Iwaizumi mich beschützen, vielleicht wollte er Oikawa decken. Es war mir egal. Tōru war mir eine Erklärung schuldig. Dieser Fakt wäre nicht mehr änderbar.

Die Aoba Johsai tauchte am Horizont auf und ich zog noch einmal das Tempo an, egal, wie weh mir das Seitenstechen tat. Denn schlussendlich gab es nur zwei Möglichkeiten. Ich rannte für die Rettung meiner Beziehung oder direkt zum Tor der Hölle. Bei Tōru Oikawa konnte mich wohl beides erwarten.

Ich sprang durch das Tor der Schule, ließ Hajime noch ein weiteres Stück zurück, bevor ich die scharfe Kurve zur Sporthalle nahm und auch dort durch die Tür fiel, doch deutlich leiser, denn ich hörte schon von weitem Stimmen aus dem Putzraum kommen. Iwaizumi stoppte direkt hinter mir, wollte mich abhalten oder Oikawa vorwarnen mit einem Aufschrei. Ich hielt jedoch meinen Zeigefinger warnend hoch und flüsterte zu ihm: „Wenn es dir nur irgendwas bedeutet hat, dass du mir Faust geschenkt hast, dann wirst du jetzt still sein.“

Hajime ließ sich ein wenig zurückfallen und gab mir damit die Bestätigung alleine weiter vorzugehen. Vorsichtig setzte ich mich in Gang, schaffte es leise auf die andere Seite der Halle, lehnte mich gegen die verkleidete Wand und lauschte durch die offene Tür hindurch.

„Treffen wir uns heute Abend wieder? Es hat Spaß gemacht gestern“, hörte ich eine weibliche Stimme sprechen. Sie schien komplett im Bann von Oikawa zu stehen, ich konnte sie fast sabbern hören. Was war das für ein Scheiß? Ich biss mir angespannt auf die Zunge.

„Klar, aber ich muss noch Gummis kaufen gehen, sonst setzen wir noch kleine Oikawas in die Welt. Wobei das doch sicherlich gar nicht so schlimm wäre“, wieso grinste er so breit? Was war das für ein widerlicher Kack? Ich wollte kotzen, mich im Strahl übergeben. Ich hielt das nicht aus. Der Ritter in glänzender Rüstung war der Wolf im Schafspelz. Wie konnte ich nur so blind sein? Tōru hatte sich echt hervorragend verkauft – so wie immer. Ich hätte es besser wissen müssen. Ich blöde Kröte. DAS WAR DOCH ECHT ZUM-

BOOM! Es krachte, laut. Gefolgt von einem schrillen weiblichen Aufschrei. Oikawa hingegen blieb ganz ruhig, prangerte seine neue Errungenschaft weiterhin gegen die Metallschliessfächer an, die nun eine Delle zu verzeichnen hatten. Ich hatte den nächstgelegenen Volleyball dagegen geknallt und ich wünschte, ich hätte beide ihrer Birnen zu Matsch geschossen.

„Nun sieh mal einer, schau“, grummelte ich in mich hinein und der Blick von Tōru, wie er mich sah und es realisierte – den Fehler seinerseits. Es war fast köstlich, zum Leidwesen meiner Psyche. Ich wünschte, ich hätte in dieser Situation einfach lachen können.

Aber ich weinte nicht einmal, ich zog ein verletztes Grinsen: „Echt, kannst du keine Kritik ab oder bist du einfach das ekelhafteste Stück Scheisse auf diesem Planeten? Ist das jetzt meine Heimzahlung, weil ich es nicht mit dir gemacht hab?“

Dieses ekelhafte Gesicht von diesem ekelhaften Kerl. Er war so sprachlos. Vermutlich hatte er nicht annähernd damit gerechnet, erwischt zu werden. Das war wohl Karma, Schicksal oder einfach nur Pech. Egal, welche übernatürliche Macht, Tōru hatte es verdient. In mir war kein Gefühl. Kein Gefühl außer die reiste Verachtung.

„Hast du etwa nichts zu deiner Verteidigung zu sagen, du blödes Arschloch? Was glaubst du, wer du bist? Scheiss drauf, König des Spielfeldes, du bist ein verdammter Verräter!“, ich konnte mich nicht halten, in der leichten Dunkelheit auf diesem Platz, sondern sprang aus dem Stand direkt in die Richtung von Tōru, doch mich hielt ein starker Arm davon ab, hielt mich zurück, während ich umher zappelte, wie ein frisch genagelter Fisch. Iwaizumi hielt mich auf der Stelle, ansonsten hätte Tōru wohl auch schon eine blutige Nase. Ich schrie.

„Lass mich los! Er hat es verdient!“

Tōru knurrte, endlich sagte er etwas: „Meine Güte. So ein Theater. Vielleicht solltest du dir nicht immer alles so gefallen lassen und andere Dinge mehr schätzen“, er stellte sich unweigerlich vor mich, wich jedoch den Tritten und Schlägen gut aus.

„Tōru, hör auf damit. Das ist wohl echt nicht nötig“, aber auf Hajimes Ansage hin, drehte sich Tōru nur zur Seite und hielt nach der Hand seiner Eroberung Ausschau.

„Ist doch wahr. Sie schien so einfach, aber tief drinnen, ist sie doch nur von Selbstzweifel geplagt.“

Ich wurde kurz still, nahm dann jedoch wieder mehr Fahrt auf und wurde lauter: „Klar! Rede dir das nur ein! Ich hab dich doch nur geil gemacht und weil du’s nicht ertragen hast, dass dich ein Mädchen abserviert, musstest du dir jemand anderen zum bumbsen suchen!“

Iwaizumi drückte mich fester an sich: „Du kannst auch mal die Klappe halten! Er hat sie schon viel länger als gestern Abend!“

Stille, zwischen allen Parteien. Was … was sollte das jetzt? War das sein Ernst? Nicht nur Tōru hatte gelogen? Hajime gleich hinterher? Das ganze Team war ein Haufen voller ekelhafter Lügner und Betrüger, ich fasste es nicht. Ich Blieb noch eine Weile still, bewegte mich nicht, bis ich den schwachen Moment von Iwaizumi nutzte, um mich aus seinem Griff freizurütteln. Aber ich sprang nicht Oikawa an den Kragen, sondern schlug Hajime gegen die Brust: „Du hast es gewusst. Und du hast nichts gesagt. Schwafelst du jedem Mädchen von deinem Kumpel vor, dass sie die eine ist? Das ist abartig. Du bist noch schlimmer, als er selbst. Und so wirst du auch immer die Nummer zwei bleiben.“

Ich trat an beiden vorbei, stand in die Tür, drehte mich über die Schulter hinweg jedoch noch ein Mal um: „keine Ahnung, warum du dir die paar Wochen mit mir schön gemacht hast. Ob du mich oder meinen Bruder ärgern wolltest. Aber wenn du mir noch ein Mal unter die Augen trittst, kannst du dir eine stärkere Schiene für dein Knie besorgen.“

Ich versuchte die starke Energie mitzunehmen, die mich den Tag über begleitet hatte. Ich versuchte nicht zu weinen, aber ich tat es. Die Tränen rannten mir unkontrolliert über die Wangen, direkt in die Mundwinkel hinein oder tropften an meinem Kinn hinunter. Ich wollte nicht lügen, es gab schöne Tage mit Tōru. Das Eis essen und auch das Schulfest war hier und da toll. Und ehrlich gesagte wusste ich nicht, was mich härter traf. Tōru selbst oder Iwaizumi. Aber tief im inneren, da wusste ich es. Ich wusste, dass Oikawa nachgeben würde. Dass es nur jetzt sein würde, hatte ich nicht gedacht. Aber besser Früher, als nie, oder? Ja, und es war auch abzusehen, dass Hajime mit ihm ziehen würde – aber auch als bester Freund … sowas wäre das letzte, was ich unterstützen würde.

So ein Müll, echt. Wohlmöglich war es so jedoch besser. Ich müsste mich nicht mehr mit irgendwelchen Typen rumschlagen. Eventuell noch ein klärendes Gespräch mit Noya und Suga führen und dann wäre das Kapitel Typen für die nächsten dreißig Jahre erst einmal abgeschlossen. Denn das schoss den Vogel ab. Den Vogel und direkt durch mein Herz hindurch.


ANMERKUNG: Gestern habe ich die Story beendet :) jetzt werde also nach und nach die Kapitel hochgeladen. Möchtet ihr gerne jeden Tag weiterhin ein Kapitel oder vielleicht sogar zwei? Ich freue mich auf euer Feedback!

Eure xoxokarmaxoxo
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