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To the top (of your heart)

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
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28.11.2020 2.157
 
Heute sollte ich also das erste mal nicht zu dem Training unserer Jungs gehen, sondern zum Rivalen. Ich fühlte mich komisch. Aber nicht nur deswegen. Yuu deklarierte unser Gespräch immer noch als „nicht beendet“. Darauf wusste ich kaum etwas zu entgegen. Ehrlich gesagt gar nichts. Sugawara hatte sich auch immer noch nicht gemeldet. Ich wartete auf eine Erklärung, aber stattdessen wurde ich weiterhin vertagt. Wusste jedoch auch, wenn ich frage, würde es nur wieder dazu kommen, dass einer kommentarlos das Gespräch verließ. Und dann war da noch Kenma, der mich in seinem ganzen Schul – und Volleyballstress vermisste und gleichzeitig einen Komplettscan von Oikawa haben wollte. Kuroo hingegen nahm es kommentarlos an und ich schickte mir nur ein Oikawabasiertes Meme, was er wohl selbst zusammengebastelt hatte.

Das alles schwirrte in meinem Kopf herum und doch verließen alle Gedanken meinen Kopf, wie ich vor dem Tor der Aoba Johsai stoppte. Oikawa hatte gesagt, ich solle einfach direkt zur Sporthalle kommen. Er und das Team würden schon da sein. Ich hatte etwas Bammel, denn neue Leute waren eigentlich nie so meins. Dennoch, ich nahm meinen Mut zusammen und ging den gleichen Weg zur Sporthalle, wie damals, beim ersten Testspiel.

Je näher ich kam, desto lauter wurden die Schläge gegen den Ball, die ich laut und deutlich nach hier draußen hin hören konnte. Und als ich dann dem Eingang angekommen war, schaute ich nur kurz um die Ecke. Ja, die Mannschaft war hier und trainierte. Durfte ich einfach eintreten? Was würden die Trainer wohl sagen? Ich war nervös, doch ehe ich antworten auf meine Fragen finden konnte, kam Oikawa schon vom Spielfeld, direkt auf mich zu.

„Du bist gekommen“, Tōru lächelte breit, packte mich bei der Hand und küsste kurz ihren Handrücken. Er wusste genau, wie man Mädchen und Frauen beeindrucken konnte und ihnen schmeichelte. Folgend zog er mich langsam in die Halle und setzte mich erst einmal an die Seite. Bevor er jedoch wieder ins Spiel einstieg, legte er mir noch seine Weiß türkise Jacke um und zwinkerte.

„Ich sagte doch, sie würde dir besser stehen“, noch ein kurzes Grinsen, bevor er mich erst einmal alleine ließ. Ich versuchte mich vor den Blicken der Trainer zu verstecken. Sie sagten nichts, was mich beruhigte, dennoch fragte ich mich direkt, ob sowas wohl öfter vorkam. Brachte Oikawa etwa regelmäßig Mädchenbesuch mit? Dieser Gedanke hatte einen faden Beigeschmack, den ich bei weitem nicht mochte.

Ich versuchte es jedoch zu ignorieren und konzentrierte mich voll und ganz auf Oikawas Training. Es schaute aus, wie bei uns, manchmal sogar noch etwas strenger, was mich oft Zucken ließ. Aber ich konnte sogar noch etwas mitnehmen, denn letzten Endes trainierte jeder anders. Auch hier und es war aufschlussreich, definitiv.

Eine kurze Pause wurde eingeleitete und Oikawa kam direkt etwas auf mich zugesprintet: „Ist es okay, dass du hier sitzt? Einige der Jungs wollten nach dem Training noch n‘ Eis essen, vielleicht magst du ja mitkommen?“

Es machte mich froh, dass Oikawa versuchte, mich mit einzubinden. Deswegen wollte ich seine Mühe nicht zunichte machen, auch wenn ich wohl lieber alleine mit ihm ein Eis essen gegangen wäre. Deshalb nickte ich, holte aber im gleichen Atemzug noch etwas aus meiner Tasche hervor: „Ich mache solange noch meine Hausaufgaben, aber ich … ehm … ich habe dir was mitgebracht.“

Ein hübsch eingepacktes Milchbrot erklomm das Tageslicht: „Ich hab‘ es selbst gebacken. Hoffe, es schmeckt dir.“

Früher habe ich viel gebacken. Auch ganz oft für Koshi. Irgendwann hat Daichi jedoch gesagt, ich solle das lassen, sondern würde Suga aufgehen, wie ein Hefekloß. Deshalb hörte irgendwann komplett mit diesem Hobby auf. Aber ich hoffte, dass es dieses Mal anders sein würde. Dass Oikawa es mögen würde und es vielleicht nicht das letzte Milchbrot war, welches ich zusammenschustern würde.

„Aw, wie lieb von dir. Danke!“, es war vielleicht nicht ganz die Antwort, die ich erwartet hatte, aber ich freute mich trotzdem, wie er mir die Verpackung abnahm und zu seinen Sachen legte, denn es ging weiter.

Ich vertrieb mir die Zeit damit, meine Hausaufgaben für morgen zu erledigen. Sogar schon welche für den Folgetag. Und irgendwann, kniete sich jemand in eine Hocke zu mir hinab und legte sein Kinn auf meine Knie nieder, die mein Buch ordentlich hielten, um zu lesen: „Na? Bereit zum aufbrechen?“

Ich war so vertieft gewesen, dass ich kaum mitbekommen hatte, wie Oikawa und seine Teamkollegen sich sogar schon umgezogen hatten. Einige von ihnen standen hinter ihm, dabei der Kerl, von letztens. Oikawa nannte ihn Iwa-Lein. Ich nickte damit zu Tōru hinauf, packte meine drei Bücher sorgfältig in meine braune Leder Tasche zurück und Oikawa half mir dann vom Hallenboden.

Gemeinsam mit Tōru spazierte ich in der Mitte der Truppe, die zielstrebig ihren Weg ging. Neben mir Oikawas bester Freund, dessen richtiger Name wohl Iwaizumi Hajime war. Er war nett, jedoch ganz anders, als Tōru. Deutlich strenger und er hielt ihn gut unter Kontrolle, wenn Oikawa mal falsch über sich hinaus wuchs. Auch die restlichen Jungs waren nett – unterhielten sich mit mir, was mich freute und sofort mehr mit einschloss. Ich war schon überrascht, dass es so gut klappte.

Die Sonne schien uns noch etwa auf die Köpfe, wie wir an dem kleinen Eisladen angekommen waren. Ich schaute auf die Karte, die über dem kleinen Tresen hing. Hier gab es ja eine Menge. So viele leckere Sorten, am liebsten hätte ich sie alle probiert.

„Was möchtest du? Ich lade dich ein“, Oikawa beugte sich zu mir hinab, stand jedoch hinter mir. Sein Kopf sank vorsichtig auf meine Schulter nieder und ich konnte seine langsame, aber dennoch stockende Atmung an meinem Ohr vorbei ziehen spüren. Es verpasste mir eine leichte Gänsehaut auf meinen Unterarmen, welche ich sofort zu verstecken versuchte.

„D-danke! Ich hätte gerne den Nussbecher mit Krokant“, schmunzelte ich leicht und ließ meinen Kopf einfach so, ohne auch nur einen Gedanken zu verlieren, gegen seinen fallen. Wir verharrten kurz so, als Oikawa jedoch spitz kriegte, wie seine Freunde uns nach und nach ihre Aufmerksamkeit schenkten, zuckte er etwas zurück. Nickte jedoch meine Entscheidung noch ab. Ich atmete auf.

Oikawa bestellte, für uns beide, zahlte dann und kam mit zwei zu einem Becher geformten Eiswaffeln wieder. Er schien sich einen normalen Erdbeerbecher bestellt zu haben. Aber es schienen nicht alle so viel Zeit zu haben, weshalb wir – nachdem jeder sein Eis geholt hatte – schon den Heimweg antraten. Und genauso, wie bei uns, kapselten sich nach und nach die Leute ab, um alleine weiter ins eigene Heim zu schleichen. Letzten Endes nahmen wir uns doch nicht viel.

Nach etwa 20 Minuten waren nur noch Oikawa, Iwaizumi und ich übrig. Ich schlenderte zwischen den beiden Jungs, aber es fühlte sich nicht so an, wie bei Kuroo und Kenma. Sofort vermisste ich die beiden, denn ich sah sie eigentlich viel zu wenig. Die beiden waren eben selbst genug beschäftigt und abends ständig nochmal zu diesem Spielplatz zu laufen, war für uns beide Parteien anstrengend. Dennoch – ich wollte sie wiedersehen. Unbedingt.

„Möchtest du mal probieren?“, Oikawa hielt mir seine Waffel mit dem Erdbeereis entgegen. Es war von allen Seiten bereits angeleckt. Würde … würde ihm das wohl etwa nicht stören? Würde es mich stören?

Ich nickte kurz, als Bestätigung, bevor er es niedriger zu mir nach unten hielt und ich meine warme Zunge einmal im Halbkreis um die frische Kugel zog. Sie schmeckte fantastisch. Das hatte ich nicht erwartet. Das Milcheis zerging mir auf die Zunge, war nicht zu süß und schmeckte nicht chemisch – ein Traum.

„D-du auch?“, ich musste anhalten, denn es war zu schwer Oikawa die Waffel hinaufzureichen, ohne über meine eigenen Füße zu stolpern. Auch er ließ seine Zunge wandern und nahm etwas von dem knusprigen Krokant mit. Ich wurde etwas rot, wie ich Tōru dabei beobachtete. Ich stolperte unweigerlich über den Gedanken und die Frage, was er damit wohl noch alles tun könnte und wie ich mich aber erwischte, das zu denken, wurde ich noch mehr rot.

„Lecker~“, grinste Oikawa mich an und wir beide beendeten unser Eis noch vor der nächsten Kreuzung. Dort blieb Oikawa stehen, schloss mich unangekündigt in eine Umarmung ein, welche ich stockend erwiderte, denn ich wusste nicht, was mich erwarten sollte.

Erst, als er mich wieder losließ, schaute er zu mir hinab: „Ich muss hier leider abbiegen. Muss noch für die Klausur morgen lernen, deshalb kann ich dich nicht nach Hause bringen. Aber Iwaizumi geht noch etwas in deine Richtung.“

Die beiden Freunde tauschten kurz den Blickkontakt aus und Hajime nickte ab, dann meldete Tōru sich noch einmal zu Wort: „Ich rufe dich nachher noch an. Ich habe noch eine Überraschung.“

Er wandte sich von uns ab, warf seinen Arm zum Abschied noch in die Luft und Oikawa überrumpelte mich jeden Tag aufs Neue. Aber er war der Typ, er war schrill, laut und schnell. Alles, was ich eigentlich nicht war, aber ich wollte dem ganzen eine Chance geben. Vielleicht war es ja gut, vielleicht kam ich so etwas aus mir heraus. Ja, vielleicht brauchte ich das.

Sowohl Iwaizumi, als auch ich schauten Oikawa hinterher, bis er verschwunden war. Erst dann blickte ich zu Oikawas besten Freund hoch, der kaum eine Mine verzog, nur wenn er lachte: „Wenn du lieber in Ruhe heimgehen möchtest, dann gehe ich einen anderen Weg. Ich will mich nicht aufdrängen.“

Er winkte ab: „Schon gut. Tōru killt mich, wenn ich seine Freundin einfach so am Straßenrand aussetze.“

Meine Augen wurden etwas größer und ich schluckte. W-was hatte Tōru denn schon für Gerüchte in die Welt gesetzt? Um Himmels Willen, meine Beine wurden ganz weich: „W-wir sind noch gar nicht so weit!“

„Nicht? Ihr seid euch so nah. Sowas hab‘ ich bei Tōru nur noch nie gesehen. Aber er hält Mädchen auch normalerweise fern vom Team – sie interessieren sich sowieso nicht für den Sport.“

Iwaizumi und ich setzten uns in Bewegung. Es würde nicht mehr allzu weit nach Hause sein und Daichi war sicherlich auch schon daheim – bestimmt am kochen. Er würde mich über den Tag ausquetschen wollen, da war ich mir zu 98,90% sicher. Die restlichen 1,10% bestünden aus seinem Tod.

Es war ruhig in der Gegend. Der richtige Feierabendansturm stand noch aus, umso besser konnte man die Ruhe genießen und sich eventuell unterhalten. Ich wusste nur noch nicht ganz, wie ich mit Iwaizumi umgehen sollte. Er war neu, unbekannt und unglaublich schwer einzuschätzen. Er hielt ein Poker Face aufrecht.

„Ich mag den Sport. Ihr habt wirklich gute Techniken drauf. Um es objektiv zu betrachten – die Karasuno kommt gut an euer Niveau heran, aber sie brauchen die Übung, die ihr ihnen durch ein mehr eingespieltes Team bereits voraus habt. Aber weder ihr, noch wir sind zu unterschätzen“, lächelte ich zu Hajime hinauf, welcher mir überzeugt zunickte.

„Mal sehen, wann Tōru anfängt dir das Ohr mit Volleyball abzuknabbern – oder Milchbrot“, grummelte Iwaizumi gespielt, was mich zum Lachen brachte. Das Gequassel über Volleyball blieb zwar noch aus, aber dass er Milchbrot liebte, bekam ich nun schon wirklich oft zu hören. Hoffentlich würde er mein selbstgebackenes auch mögen.

Stille kam auf, während wir in das Einfamilienhausgebiet spazieren, in dem auch ich mit Daichi wohnte. Es war nicht mehr weit, noch drei Straßen und ein paar Ecken, dann wäre ich schon da. Ich fragte mich, wo Iwaizumi abbiegen müsste.

„Tōru ist nur manchmal ein wenig anstrengend. Er ist kein schlechter Mensch, das sagte ich dir auch bereits – aber er ist nicht leicht zu handhaben. Deshalb solltest du dir sicher mit ihm sein. Er brauch manchmal eine starke Hand, die ihn führt und viel Geduld, auch wenn es in diesem Moment nicht so erscheinen mag und manchmal … da brauch er auch weniger Geduld.“

Ich würde Hajimes gesagtes wohl erst besser verstehen, wenn ich mehr Zeit mit Oikawa verbracht habe. Aber ich wollte es im Hinterkopf behalten. Deshalb nickte ich ihm überzeugt zu, als ich stehen blieb, an der kleinen Kreuzung innerhalb der Siedlung.

„Hier muss ich abbiegen. Das fünfte Haus ist meines“, ich schaute kurz an mir hinunter, „oh, ich habe Tōrus Jacke mitgenommen. Würdest du sie ihm zurück geben?“

Iwaizumi musterte die Jacke an mir, nickte jedoch ab: „Hätte es ihn gestört, würdest du sie jetzt nicht tragen. Also behalt sie erst einmal.“

„Danke“, ich verbeugte mich vor dem Jungen, bevor ich den Weg in der Dunkelheit nach Hause alleine weiter betrat. Als ich jedoch noch einmal zurück blickte, stand Hajime noch immer da. Ob Oikawa wollte, dass er aufpasste? Bis ich an meinem Gartentor angekommen war, stand er dort, wartete und ich winkte ihm zu, als dank. Er nickte es ab, das war jedoch schwer zu erkennen bis hier und erst dann ging er weiter.

Bis hier vorne roch ich bereits die Pizza im Backofen. Daichi war heute wohl faul, aber nicht faul faul. Er hatte noch Tiefkühlpizza gekauft und es sogar geschafft sie zu machen, aber für mehr war er nicht bereit. Das war okay. Ich mochte Tiefkühlkost – manchmal war es eben das, was man brauchte. Und ich brauchte es, um den heutigen ereignisreichen Tag zu beenden.
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