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To the top (of your heart)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
40
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
28.11.2020 4.880
 
Angespannt saß ich in meiner Klasse. Die Sonne wurde heute von grauen Wolken verdrängt und es war etwas kalt. Deshalb hatte ich heute auch meinen Pullunder drüber gezogen und ich machte mir direkt Gedanken, dass mein Date mit Oikawa in Mitleidenschaft gezogen werden würde, wegen dem miserablen Wetter. Aber das war wohl nicht der einzige Grund. In meinen Pausen war ich an Asahis und Yuus Klassenzimmern vorbei gelaufen. Beide schauten so aus, wie das Wetter draußen. Niedergeschlagen. Diese Laune würde sich wohl auch bei den anderen abzeichnen. Deswegen war es vielleicht ganz gut gewesen, dass das Training heute ausfiel.

Ich war die letzte, die noch im Unterricht saß, als die Stunde bereits vorbei war. Deshalb ließ ich mich erst recht nicht hetzen und packte meine Sachen zusammen, um in die nächste Stunde zu schlendern. Diese doppelte Unterrichtseinheit musste ich noch hinter mich bringen, dann würde ich Oikawa auf einer ganz anderen Ebene treffen – ich war etwas aufgeregt.

Angespannt knabberte ich auf meiner Lippe herum und wollte gerade in das kleine Treppenhaus abbiegen, denn der Klassenraum für Geografie lag im zweiten Stock, da drangen bereits mehrere vertraute Stimmen in meine Ohrmuschel. Ich stoppte abrupt und sperrte meine Lauscher genau auf.

„Wir sollten uns mal über etwas unterhalten“, Daichis Stimme klang niedergeschlagen, ihn belastete etwas. Und vermutlich war es nicht nur die Niederlage gegen Seijoh. Ich musste direkt daran denken wie unbeliebt ich mich wohl machen würde, wenn Daichi erstmal herausfinden würde, dass ich mich mit Oikawa traf. Und das auch noch während ich vier Wochen Hausarrest an der Backe hatte. Aber ich wäre nicht Daichis Schwester, würde mir dahingehend nichts einfallen.

„Ich bin gespannt – wenn du nur mit uns beiden redest, kann das nicht so ein gutes Zeichen sein“, Sugawaras Stimme drang mit in das Gespräch ein. Ich konnte ihn mir vorstellen, wie er mit einer hochgezogenen Augenbraue am Geländer der Treppe stand und seine Arme vor seinem Torso verschränkte. Koshi hielt Daichi oft im Griff. Er war wohl auch der einzige, der das so gut konnte. Dafür bewunderte ich ihn ebenfalls.

„Wir sollten uns überlegen aus dem Volleyball – Club auszutreten“, die allgemeine Stille verriet mir genau, was sowohl Asumane, als auch Sugawara wohl denken mussten, „findet ihr nicht auch, es wäre besser den Zweitklässlern den Vorgang zu lassen? Langsam wird es ernst mit der Schule, wir sollten uns auf die Zukunft konzentrieren.“

Eine kurze Zeit kam gar nichts mehr. Ich wollte schon dazwischen treten, aber meine Gedanken hielten meinen Körper zurück. Es war ihr Gespräch. Die drei waren die ältesten des Clubs, ihre Zeit an der Karasuno und allgemein in der Schule wäre bald vorbei. Aber genau das war es doch – sie sollten diese Zeit noch genießen und ich wusste ganz genau, dass es jeder von ihnen nur mit dem Team und ihrer erfüllten Leidenschaft konnte.

„Das meinst du … doch nicht ernst, oder?“, kam es erst von Seiten Asahis, doch Sugawara löste ihn schnell ab.

„Daichi, ich weiß nicht, was du mir da erzählst, aber das ist doch Blödsinn. Du spielst genauso gerne Volleyball, wie wir. Warum willst du das einfach aufgeben?“, Daichi sagte erst einmal nichts auf Sugawaras gesagtes hin, „ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich möchte noch so viel Zeit wie möglich auf dem Spielfeld verbringen. Mein Ziel ist immerhin das Frühlingstunier mit euch zu gewinnen. War das nicht auch dein Wunsch?“

Noch immer blieb mein Bruder still und ließ Asahi damit den Vortritt: „I-ich will auch noch etwas mit euch Volleyball spielen! Keine Ahnung, wo uns die Zukunft hintreiben wird, deshalb möchte ich noch so viel Zeit, wie möglich mit euch verbringen – mit meinen besten Freunden.“

Ich war gespannt, was Daichi nun sagen würde. Eigentlich wusste ich genau, dass er nicht aufhören wollte. Volleyball bedeutete ihm fast alles. Dass er mit dieser schwachsinnigen Idee um die Ecke kam, war sowieso das kleine Pflänzchen, was die Lehrer ihm ins Ohr gesetzt haben. Er wollte nicht darauf hören.

„I-ich … ich will das doch auch!“, Daichi wurde lauter und ich konnte beinahe hören, wie er seine Hände zu kleinen Fäusten ballte, „ich will auch mit euch zum Frühlingstunier und gewinnen! Ihr sollt nur nicht eure Zukunft für das Team opfern … auch, wenn ich weiß, dass ihr das wohl mit links tun würdet.“

Es hörte sich so an, als würden sie sich gegenseitig auf die Schultern klopfen: „Dann lasst uns das schaukeln!“

Ich grinste kurz, bevor ich um die Ecke biegen wollte, aber direkt auf der anderen Seite eine Shimizu ertappte. Auch sie hatte wohl gelauscht, schien jedoch genauso froh zu sein, wie ich. Wir nickten uns nur minimal zu, bevor Kiyoko umdrehte und in die andere Richtung verschwand. Ich hingegen musste mich nun langsam für den nächsten Unterricht sputen und kehrte um die Ecke, direkt auf die drei Jungs zu. Sie erblickten mich schnell, schlossen mich in ihrem Blickfeld ein und musterte mich, wie ich durch ihre Gruppe tigerte und an ihnen vorbei zog. Sie wussten sicherlich alle, dass ich etwas mitbekommen hatte. Aber sagen tat niemand was. Nur ich hinterließ ein zaghaftes „Hallo“, welches leise von den dreien erwidert wurde.

Ihre Blicke jagten mir ein Hohlkreuz in den Rücken, aber ich versuchte es zu ignorieren. Jedoch erst als ich im zweiten Stock um die Ecke und aus ihren Sichtfeldern spaziert war, konnte ich aufatmen. Es fiel mir ein Stein vom Herzen, dass die drei sich entschieden, zu bleiben. Ohne sie könnte das Team nicht wirklich viel ausrichten, auch wenn Kageyama und Shōyō jetzt da waren. Aber die Drittklässler waren das aktuelle Rückgrat.

Die Stunden nahmen ihren Lauf. Ich war nie die beste in Geografie gewesen, aber ich gab mir Mühe und diese machte sich in den meisten Arbeiten auch immer bezahlt. Heute ging es um Russland – das Land der Bären und Vodka. Zumindest war dies das einzige, was ich aus den beiden Stunden irgendwie mitnahm. Denn je näher wir dem Schulschluss kamen, desto weniger konnte ich mich konzentrieren, denn schon von hier konnte ich das Tor der Schule sehen. Und etwa zehn Minuten vor meinem Stunden Schluss, hatte Oikawa sich gegen die Mauer davor gelehnt. Pünktlich. Das brachte ihm direkt Bonuspunkte ein. Aus diesem Grund fühlten sich die letzten paar Sekunden, bis die Glocke läutete jedoch an, wie Jahre.

Ich packte schnell zusammen und machte mich auf, um ihn nicht allzu lange warten zu lassen. Immerhin war er ja pünktlich gewesen. Deshalb verließ ich in einem angezogenen Schritttempo und einem breiten Grinsen auf den Lippen das Hauptschulgebäude. Als ich jedoch um die nächste Ecke bog, um Oikawa am Tor schon erblicken konnte, schluckte ich tief und meine Freude schwand etwas. Egal, wo er war. Sein Fanclub würde ihm wohl folgen. Etwa fünf Mädchen hatten sich um ihn versammeln und ich spielte direkt mit dem Gedanken, einfach umzudrehen. Sie waren alle so hübsch. Ich hingegen war nicht unbedingt ein Mädchen nach dem sich alle umdrehten.

Trotzdem, ich holte tief Luft und kam einige Schritte auf die kleine Versammlung zu. Tōru erblickte mich schnell, er konnte ganz einfach über die Köpfe der Mädchen verschiedener Altersklassen hinweg sehen, was mich wenigstens etwas aufatmen ließ: „Hey, da bist du ja.“

Ich nickte nervös, wusste erst nichts zu sagen: „W-wollen wir dann?“

Die Blicke der Mädchen um uns herum, sie konnten Böser nicht sein. Zerrissen mich förmlich in der Luft, was mich zittern ließ. Doch Oikawa griff einfach nach meiner wackeligen kühlen Hand, was mir direkt eine rote Farbe ins Gesicht zauberte und zog mich mit sich vom Schulgelände: „Wir sehen uns, Ladies.“

Der Typ sprang wohl immer direkt mit dem Kopf voran ins Wasser. Er ließ mich nicht los, egal, wie viele Schritte wir von der Schule wegtaten. Daraus resultierte mein roter heißer Kopf und es nahm kein Ende. Ich wusste dem nicht zu entgegen. Vielleicht kam es daher, dass Sugawara sowas nie tun würde – er war eher der zurückhaltende Typ. Oder dass Yuus und meine Beziehung nur mit einem Handschlag existiert hatte.

„H-hey, ehm, I-ich muss dir noch etwas gestehen“, murmelte ich leise und Tōru legte sein schnelles Tempo etwas nieder, meine Hand hielt er dennoch fest, was mein Herz mehr und mehr zu, rasen bracht, „i-ich weiß nicht, was du dir für unsere Verabredung so ausgedacht hast, aber … i-ich habe eigentlich Hausarrest. Geht das für dich klar, wenn wir meinen Bruder ein wenig bescheissen und wir einfach den Nachmittag bei mir verbringen?“

Oikawa schaute mich von oben herab an. Mir fiel das erste mal auf, dass er seine Schuluniform trug und auf seiner Nase saß eine leichte Runde Brille. Sie stand ihm gut, ließ ihn direkt anders wirken, was mich überraschte, aber er zog schnell ein Lächeln und nickte: „Sicher doch.“

Es erleichterte mich, dass Tōru nicht direkt kehrt machte und einfach wieder verschwand. Das ließ mich direkt wohler fühlen. Auch, wenn er mein kleines zittriges Patschehändchen noch immer nicht loslassen wollte, was mich noch immer an den Rand eines Herzinfarktes beförderte.

Aber wir gingen nebeneinander her, ich führte Oikawa ein wenig in die Richtung meines Hauses und den größten Teil schwiegen wir. Ich wusste nicht genau, ob das so gut war oder ob ich hätte mehr reden sollen. Nur worüber? Was würde einen Tōru Oikawa interessieren? Interessierte ihn überhaupt irgendwas? So richtig vertraut war ich mit der Situation noch nicht. Und besonders überrascht und sogar etwas nervlich mitgenommen war ich, als Tōrus Finger nach den Zwischenräumen meiner suchten. Er hatte sie zuvor nur einfach umgriffen und nun suchten seine dünnen knochigen aber weichen Finger nach mehr. Ich biss mir auf die Zunge. W-was wurde hier nur von mir erwartet? Wenn es dann doch ernster wurde, war ich noch überhaupt nicht erfahren, egal, wie sehr ich mir das wünschte.

„Alles okay? Dir weicht die Farbe aus dem Gesicht“, Tōru grinste. Sein Lächeln war schön. So unbeschwert und leicht – ich mochte es. Dennoch konnte ich mich gegen den heissen Kopf nicht wehren und stammelte vor mich hin.

„I-ich … bin noch nicht so erfahren auf diesem Gebiet, weißt du?“, versuchte ich mich langsam ranzutasten, was Oikawa direkt mit einem nicken annahm.

„Spreizt die Finger“, ich schaute zu unseren Händen hinab. Sie waren so viel größer als Yuus und auch als Sugas. Er könnte meine ganze Hand einfach so einhüllen, für seine Pranke war das kein Problem. Ich tat, wie befohlen und streckte meine Finger auseinander. Oikawa füllte die Zwischenräume mit seinen Fingern und griff wieder zu – so wie ich es folglich auch tat. Er war ganz warm, im Vergleich zu mir.

„Fühlt sich doch gut an, oder?“, während er das sagte, drückte Oikawa einige Male seine Hand etwas zu, was ich mit einem leichten pressen erwiderte. Ja, es war wirklich irgendwie was anderes. Etwas Neues, was ich unter diesen Bedingungen bisher noch nicht kannte, weshalb ich mit einem Grinsen und einem überzeugten nicken antwortete.

Es war nicht mehr allzu weit bis zu uns nach Hause und zu meinem erleichtern besserte sich sogar das Wetter um einiges. Es wurde etwas Wärmer, die Sonne kam heraus und es war angenehm sich draußen aufzuhalten. Vielleicht würden wir uns ja sogar in den Garten setzen, wie alte Leute und die Sonne etwas mehr genießen.

Ich ließ Oikawa den Vortritt durch das Gartentor, bevor ich die Haustür aufschloss. Daichi war noch nicht da. Vielleicht würde er einkaufen – es dürfte jedoch nicht mehr allzu lange dauern. Immerhin fiel das Training ja heute ins Wasser. Ich rechnete damit, dass er etwas in der nächsten Stunde hier durch die Tür schneien würde.

„Wir haben Mochi-Eis da. Vielleicht uhm … vielleicht wollen wir uns ja in den Garten setzen“, schlug ich vor und kam mir irgendwie dumm vor. Vermutlich hatte Tōru damit gerechnet, dass wir irgendwo ein Eis essen gehen oder ins Kino und einen Film schauen. Und nun würde er mit mir auf der Veranda sitzen, ich konnte mir tausend coolere Dinge ausmalen.

Dennoch, während ich meine Jacke anhing und nach besagtem Eis schaute, ließ Tōru seiner Neugier freien Lauf und ging direkt an mir vorbei, durch die Küche hindurch und öffnete die Tür zur Terrasse. Es erstreckte sich ein schöner Garten, mit einer kleinen Wiese und drum herum die verschiedensten Büsche. Wir hatten sogar einen kleinen Teich mit Koi’s darin. Man konnte sogar seine Füße darin etwas baumeln lassen, wenn auch nicht allzu lange.

Oikawa ließ sich auf den Rand der Terrasse nieder und wartete auf mich. Schnell das Eis ausgepackt und mit der Plastikverpackung durch die Tür spaziert, setzte ich mich neben Tōru nieder und stellte das Eis zwischen uns. Er griff nach dem gelben Mochi, es war glaube ich Maracuja oder Mango, vielleicht auch Ananas oder alles zusammen. Ich griff nach dem Erdbeere-Mochi.

„Tut mir leid, dass wir nichts spannenderes machen können. Mein Bruder und ich haben nur aktuell ein angespanntes Verhältnis, deshalb will ich es nicht unnötig ausreizen. Dennoch war ich so egoistisch und habe dir einfach zugesagt, ich hoffe, das stört dich wirklich nicht“, murmelte ich vor mich her und nahm den ersten Bissen meines Eises.

Tōru lächelte kurz: „Du scheinst dir gerne Gedanken zu machen, was? Ist doch auch entspannend, hier zu sitzen. Die Ruhe zu genießen und sich zu unterhalten.“

Oikawa blickte gen Himmel, kaute leise auf seinem Eis herum und ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen. Ja, vielleicht war es wirklich ganz gut so gewesen. Es machte sich eine entspannte Aura zwischen uns breit, was mich dazu verleitete, weniger angespannt zu sein. Ich war beruhigter und griff nach dem nächsten Eis.

„Der Libero, hat er dich in Ruhe gelassen? Oder muss ich wiederkommen?“, Tōru lachte und ich stimmte mit ein, wie er fertig war mit reden. Oikawa war mir mit Yuu wirklich eine große Hilfe. Keine Ahnung, was ich wohl ohne ihn gemacht hätte. Vermutlich früher oder später einfach drauf losgeheult vor Überforderung.

„Keine Sorge, es gab keine weiteren Komplikationen. Dank dir“, grinste ich Oikawa von der Seite an, während er in sein drittes Mochi biss. Die klebrige Hülle des Eises hielt etwas an seinen Lippen fest. Sie schienen weich zu sein und wenn er mit ihnen ein Grinsen formte, erwischte ich mich manchmal, dass mein Herz einen Aussetzer schob. Und manchmal, da vergaß ich sogar Sugawara ein wenig, was mich erschrocken zurückließ. In diesem Moment versuchte ich jedoch nicht zu viel darüber nachzudenken, sondern die Situation einfach geschehen zu lassen – Oikawa hatte sie ja auch ganz gut im Griff.

„Für jedes Danke hab‘ ich bald was gut bei dir. Ich kann schon kaum noch mitzählen“, während Tōru breit lachte, kratzte ich mich verlegen im Nacken. Er hatte ja recht – ich hatte ihm jetzt schon zehn mal für die gleiche Sache gedankt. Wie peinlich.

Aber ich sprang einfach auf den Zug mit auf: „Fein, für jedes überflüssige danke, hast du einen Wunsch frei.“

„Klingt fair“, zwinkerte Tōru von der Seite und ich schluckte tief. Wenn mir vor drei Wochen jemand gesagt hätte, ich würde heute mit Oikawa in meinem Garten sitzen und Mochi Eis essen, hätte ich ihm wohl einen Vogel gezeigt. Und eventuell war es auch nicht gut hier zu sein. Noya saß mir noch immer im Nacken und eigentlich durfte ich Sugawara nicht vergessen. Aber ich war schwach – Oikawa machte mich schwach. Mit seinen Fingern zwischen meinen und auch, wie er die leere Plastikverpackung des Eises beiseite schob, um näher an mich zu rücken. Aber war das schlimm? Besonders, wenn es mich besser fühlen ließ in diesem ganzen Gefühlschaos?

„Den Schüler … den du schlagen wolltest. War das Kageyama gewesen?“, ich hatte eine ganze Zeit mit dieser Frage gerungen, war nun jedoch zu neugierig gewesen. Ihre Bindung interessierte mich so. Was war da zwischen ihnen gewesen? Wieso waren sie solche Rivalen?

Es kam keine Antwort, Oikawa starte lediglich auf den Boden, weshalb ich mich sofort schlechter fühlte und meine Frage ohne weiteres bereute: „T-tut mir leid. Ich wollte nicht zu persönlich werden!“

Oikawa drückte sich von der Veranda auf und fiel etwas nach vorne: „Jetzt habe ich einen Wunsch frei.“

Er grinste breit, schaute zu mir, während ich fragend nach links und recht schaute und nicht direkt verstand: „Aber ich dachte … nur wenn ich danke sage. Und es nicht gerechtfertigt ist.“

„Du entschuldigst dich auch ziemlich oft. Ist dir das nie aufgefallen? Für Dinge, für die du gar nichts kannst. Ich habe dir mein Geheimnis anvertraut – warum entschuldigst du dich dafür?“

Schon wieder lag er im Recht. Aber es schien nicht immer so zu sein. Ansonsten wäre sein Teamkollege im Vorentscheid nicht ausgerastet und hätte ihn nicht abgeworfen. Und Oikawa hätte nicht den Drang gespürt, einen jüngeren Schüler zu verprügeln. Aber so war das nun mal. Man konnte nicht immer im Recht liegen. Oder gewinnen.

„Entschuldige, ich-“, sofort saß ich stramm auf dem Rand der Terrasse, während Oikawa sich einen kleinen Lacher nicht verkneifen konnte, „oh Gott, ist das eine Krankheit? Hilf mir!“

Wir brachen gemeinsam in ein riesiges Gelächter aus und Oikawa griff nach dem Volleyball, der auf unserem Rasen hin und her rollte. Daichi trainierte manchmal abends noch oder ich half ihm dabei. Manchmal spielte sogar ich damit, aber nun ja, ich war keine Spielerin, also war es bei mir wohl auch eher passabel.

Oikawa spielte sich kurz selbst über Kopf zu, bevor er den Ball in meine Richtung spielte. Ich nahm ihn mit der unteren Annahme an und gab ihn an den Kapitän der Seijoh zurück: „Das war gut. Spielst du mit deinem Bruder manchmal?“

Ich kam etwas mehr auf Oikawa zu, damit es einfacher war, den Ballwechsel zwischen uns aufrecht zu erhalten: „Ja, selten, aber manchmal da spielen wir ein wenig. Alleine macht’s dann aber nicht so viel Spaß.“

Wir spielten uns den Ball immer wieder zu. Tōru nahm sich jedoch etwas zurück, dafür war ich ihm auch dankbar. Seinen Bällen würde ich nie im Leben standhalten. Um sein Level zu erreichen war einiges nötig. Er hatte seinen Ruf verdient, alle mal.

„Wie lange läuft dein Hausarrest noch?“, ich passte kurz nicht auf, wie Oikawa mir zuspielte, sondern schaute ihn bei der Frage direkt an. Ob ihm meine Antwort gefallen würde? Wohl eher nicht.

„Noch drei Wochen und sechs Tage“, murmelte ich leise, versuchte mich auf den Ball konzentrieren, der mir schon ziemlich nahe gekommen war und wollte ihn von unten heraus annehmen. Er war jedoch zu weit von mir weg, weshalb ich beim Versuch des annehmens, vorne überkippte. Es war nicht schlimm, ich rollte direkt auf die Seite und begann zu lachen. Ich fühlte mich gut. Nicht belastet – ganz leicht und das machte mich froh.

Oikawa nahm den Ball in seine zwei Hände, kam zu mir und schaute von oben herauf auf mich ab. Es kam jedoch schnell, dass er sich zu mir hinunter beugte, sich auf einem Knie abstützte und mir sachte ans Kinn griff. Meine Augen wurde direkt größer, wie er mich anschaute. Seine nussbraunen Augen fuhren meine Wangen ab, direkt zu meiner Kieferpartie und dann sachte an mein Kinn. Meine Atmung wurde direkt flacher und ich schluckte tief, was Oikawa wohl gut vernehmen konnte.

„War das hier der Libero?“, Oikawa drückte meinen Kopf mehr in meinen Nacken, was mir ein zartes Aufatmen aus dem Mund drückte. Ich wollte direkt aufspringen, riss mich aber zusammen und blieb auf dem weichen Erdboden liegen.

„N-nein, Kageyama und Hinata haben sich geprügelt. Ich bin dazwischen und Tobio hat mich ein bisschen mit verprügelt“, versuchte ich leicht zu grinsen, konnte mir dann jedoch nur noch auf meine Zunge beißen. Was war das nur wieder? Er kam mir so nah. Machte er sich wohl sogar Sorgen um mich? Ich war verwundert.

Oikawas Zeigefinger wanderte von meinem Kinn, sachte meinen Hals hinunter. Er fuhr direkt in die Mitte hinab, stoppte jedoch an meinem Pullunder und dem Hemdkragen und drehte dort wieder um. Erneut an meinem Kinn angekommen, bog er zu meiner linken Kieferpartie ab, stoppte aber auch dort am Ende. Zu guter letzt wanderte seine weiche Fingerspitze sanft meine Nase zur Stirn hinauf und setzte dann ab. Ich wurde rot, versuchte mein rasendes Herz jedoch unter Kontrolle zu kriegen. Oikawas blieb immer gleich konzentriert. Nachdenklich. Und eventuell genoss er es sogar ein wenig. Aber bei mir war es ja nichts anderes.

„Du hast ein schönes Gesicht. So ganz anders“, es formte sich ein Kloß in meinem Hals. Was war darauf zu antworten? Danke? Du auch? Ich wusste es nicht, aber ich wollte ihn nicht ohne ein Kompliment gehen lassen.

„Deine Augen. So ein braun … habe ich noch nicht gesehen-“, noch während ich die letzte Silbe sprach und eigentlich noch mehr als das loswerden wollte, riss uns plötzlich eine dunkle Stimme aus dieser eigenen Welt, die sich um uns gebildet hatte.

„Kazuko? Was wird das, wenn’s fertig ist?“, sowohl Tōru, als auch ich drehte unsere Köpfe zeitgleich und fast im gleichen Tempo, zu meinem Bruder, der mit verschränkten Armen in der Tür der Veranda stand. Erst jetzt fiel mir auf, dass es langsam schon dunkler wurde und Daichi mehr als eine Stunde gebraucht hatte, um wieder nach Hause zu kommen. Dennoch war der Fakt, dass Oikawa jetzt gehen und ich erneut den Hintern voll kriegen würde, unausweichlich.

Oikawa half mir vom Boden auf und legte den Ball beiseite. Tōru wusste selbst, es wäre jetzt Zeit, das Date zu beenden, leider. Deshalb ging vor allem ich nicht darauf ein, was Daichi zu mir sagte, sondern griff nach Oikawas Handgelenk und zog ihn zurück ins Haus, direkt an Daichi vorbei, sofort in den Flur, damit die Blicke von meinem Bruder weniger störend waren.
Natürlich war es genauso unausweichlich, dass mein Bruder uns folgte und im Flur mit stehen blieb, aber ich wollte Ruhe. Die ich mir mit einem Todesblick in Daichis Richtung auch erfolgreich ergattert. Mit meinem zweiten Ohr lauschte ich genau, wie mein Bruder sich an den Tisch setzte und mit dem Fuß wippend auf mich wartete.

„Tut mir leid, dass es jetzt so gelaufen ist … aber … ich fand’s schön. Danke“, ich erkannte es noch an Oikawas Blick und machte mich direkt gefasst.

„Ein unberechtigtes Danke und einen Wunsch frei für mich“, Oikawa zwinkerte mir zu und kratzte mich verpeilt am Kopf. Konnte mir aber ein Lächeln selbst nich verkneifen.

„So unberechtigt war das gar nicht, aber fein. Meinetwegen“, ich stimmte zu, schaute Tōru zu, wie er seine Jacke überzog und sich seine Tasche über die Schulter warf. Der Kerl war wirklich groß. Er konnte fast nichts anderes außer Volleyball spielen.

„Komm morgen zum Training“, ich riss meine Augen weit auf, während Oikawa schon nach der Türklinke der Haustür griff, „das ist mein Wunsch.“

Mein Blick ging sofort zur Küche, denn wenn Daichi das hörte, durfte ich mir das eh abschminken. Das wusste Oikawa, aber dennoch sagte er dazu erst einmal nichts. Auch, wenn ich mir selbst noch nicht sicher war, nickte ich dennoch als Bestätigung. Irgendwie würde ich das wohl schon geschaukelt kriegen.

„Ab nach Hause, wird spät für den Zuspielerkönig“, zwinkerte ich, doch bevor ich Oikawa aus der Tür schieben konnte, zog mich der selbstbewusste Kerl schnell in eine Umarmung. Ich war direkt überrascht, aber ich nahm es an. Meine Arme wandten sich um seinen Torso, genauso, wie es seine bei mir taten. Er drückte mich feste an sich und ich vergrub meine Nase etwas zwischen Schulter und Hals. Oikawa duftete, irgendwie süßlich, vielleicht war es ja das Milchbrot. Ich grinste. Und es dauerte seine Zeit, bis wir voneinander abließen.

„Bis morgen, Kazuko. Ich freue mich auf dich“, er winkte mir noch einmal vom Gartentor aus zu, bevor er in der Dunkelheit verschwand und ich schlussendlich die Tür des Hauses wieder ins Schloss drückte und direkt für die Nacht abschloss.

Dennoch wollte ich mich nicht trauen, in die Küche zu gehen. Ich war so froh, meine Uneinigkeit mit meinem Bruder beseitig zu haben und nun war er doppelt sauer auf mich. Ich musste also einmal tief Luft holen, bevor ich in den Türrahmen trat. Meine müden Augen sahen Daichi schon tief Luft holen , aber ich kam ihm schnell zuvor. Wer weiß, was sonst für ein fluchen aus ihm raus getreten wäre. Mir blieb nichts anderes übrig, als es bereits vorher zu unterbinden.

„Ich hoffe, du hast gut eingekauft. Lass uns was ordentliches kochen“, ich bog in die Küche ein, jedoch schnell an Daichi vorbei und schaute in seinen kleinen Korb hinein. Er ging immer mit diesem Korb einkaufen. Und ich stöberte hindurch, um etwas brauchbares zum kochen zu finden. Und ich wurde ziemlich schnell fündig.

„Du hast alles für Soba Nudeln eingekauft. Damit hast du mir die Entscheidung wohl abgenommen, aber ich gehe damit konform“, sofort nahm ich alle nötigen Zutaten aus dem Korb hinaus und reihte sie nach und nach auf der Arbeitsplatte auf. Gleichzeitig drückte ich Daichi die Schürze in die Hand und ließ ihm damit keine Möglichkeit zu flüchten. Er würde mit mir kochen und er würde sich ordentlich mit mir unterhalten.

Ich griff nach dem Gemüse, wusch es schön ab und begann es dann auf einem Brett zu schnibbeln, während Daichi sich um das Wasser und die Nudeln kümmerte und schlussendlich auch um den Wok. Und während er so dabei war, wollte ich das Gespräch in die Hand nehmen.

„Lass uns sachlich miteinander reden. Der Auftritt gegenüber Oikawa war nicht so nett – das Programm hast du auch schon bei Kuroo abgezogen. Es wäre also nett, wenn wir uns vielleicht mal aussprechen, ohne aufeinander loszugehen. Ich kann ja mal direkt anfangen – wo warst du? Du hast ziemlich lange auf dich warten lassen.“

Daichi blieb ruhig und ich konnte hören, wie er auf den Zähnen knirschte: „Hat ja nicht wirklich geschadet, wie ich gesehen habe.“

Dieser Kerl. Wie konnte man so starrköpfig sein. Es war fast nicht auszuhalten, aber zu meinem verwundern kam auf meine Frage doch noch eine Antwort: „Wir waren beim Training. Wir sind doch noch alle gekommen. Außer du.“

Mit dem scharfen Messer schnitt ich den Lauch in kleine Scheiben und bei Daichi begann bereits das Wasser zu blubbern. Ich schluckte etwas. Dass sie alle doch in die Halle gehen würden, wusste ich schlichtweg nicht. Ukai hatte abgesagt, wie sollte ich es besser wissen. Letzten Endes hätte mir Ja auch jemand Bescheid sagen können. Und zu aller letzt war ich nicht einmal verpflichtet, es war nicht mein Club.

„Deine Frage, du bist dran“, murmelte ich, während ich Daichi die kleinen Stücke des Lauchs gab, um diese bereits in den wok zu feuern. Er nahm sie mir ab, tat sie in die große Pfanne und nahm dann das Gespräch ab.

„Und du kommst jetzt mit den Kapitänen der Konkurrenz nach Hause? Erst dieser Kerl von der Nekoma, jetzt Tōru Oikawa. Was ist denn mit Nishinoya passiert? Das geht mir alles zu schnell.“

Ich konnte ihn verstehen. Von außen musste das alles komisch aussehen. Dabei war Kuroo doch lediglich ein Freund und Noya war ja nicht einmal wirklich mit mir zusammen, aber Daichi konnte es nicht besser wissen, deshalb war ich ihm nicht böse, dass er so überfordert damit war. Es tat mir sogar ziemlich leid.

„Dass es mit Yuu nicht gut läuft, stand schon länger fest, hättest du mir mehr zugehört. Ich möchte nicht genauer ins Detail gehen, denn es sollte eure Beziehung zueinander nicht beeinflussen“, murmelte ich und reichte Daichi nun die Pilze weiter, „Oikawa hat mir mit Yuu geholfen. Er hat mich gefragt, ob wir uns treffen und weil ich deine Entscheidung mehr oder weniger akzeptiere, habe ich ihn mit nach Hause genommen, um die Hausarrestregel nicht zu verletzen.“

Ich hoffte, dass Daichi sah, wie viel Mühe ich mir gab. Und Daichi schwieg, nach zudenken, was mich direkt etwas erleichterte. Er rührte im wok umher und ich wartete seelenruhig darauf, dass er mir antworten würde, während ich das letzte der drei Gemüse schnitt.

„Was sagen die Wunden, von Kageyama“, Daichi schaute mich von der Seite an. Er wechselte nur das Thema, wenn er langsam mitbekam, wie ich recht hatte. Es würde weiterhin schwer für ihn sein, das alles zu akzeptieren und er würde seinen Hausarrest jetzt nicht mehr zurück ziehen, aber früher oder später würde er akzeptieren und ich hoffte, dass es früher passierte.

„Alles gut, soweit“, murmelte ich, wollte aber noch einmal zurück lenken, weil ich so eine gute Schwester war, „zwei Sachen noch.“

Ich gab Daichi das Brett mit dem letzten Gemüse und nahm ihm dann die Arbeit mit den Nudeln ab: „Ich würde mich morgen gerne nochmal mit Tōru treffen. Weil ich aber nicht einfach gehen will, hätte ich gerne deine Erlaubnis. Wegen dem Hausarrest.“

Daichis Blick zufolge war er nicht sonderlich begeistert, aber er nickte dennoch. Vermutlich sein schlechtes Gewissen. Es zog ein kleines freudiges Grinsen über meine Lippen: „Und zweitens; vielleicht gehst du ja mal mit Michimiya aus. Nach dem Frühlingstunier oder so. Sie würde sich freuen, wenn du sie auf einen Kaffee einlädst.“

Daichi wurde direkt ganz rot im Gesicht und ließ direkt den Holzlöffel in sein Soba Gebräu fallen: „W-warum redest du denn ständig von Michimiya?! Da ist doch gar nichts los!“

„Du solltest mal zum Augenarzt gehen, Bruderherz!“, lachte ich laut auf und konnte mich an den roten Ohren meines Bruders gar nicht sattsehen. Er hatte ja keinerlei Ahnung. Aber sie würde ihm guttun. Vielleicht noch nicht jetzt in diesem ganzen Stress. Aber er sollte sie nicht gehen lassen. Manchmal brauchte er ein Mädchen, da war ich mir sicher. Und wenn er das erstmal begreifen würde, konnte er vielleicht auch mich ein wenig mehr verstehen. Auch, wenn ich mich manchmal selbst nicht ganz verstand.
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