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To the top (of your heart)

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
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23.11.2020 2.327
 
Als ich dazu kam, standen die Jungs in ihrem Motivationskreis. Sie warteten auf mich, dass ich meine Hand ebenso dazu legen würde. Ich enttäuschte sie nicht, legte meine Pfote als letzte oben auf den Haufen drauf und gemeinsam stießen wir an: „Karasuno, fight!“ Aber er fühlte sich anders an. Es lag irgendwie schwerer und ich wusste nicht, wie ich hinter dem Chaos her wischen sollte. Heute Morgen war noch alles irgendwie auszuhalten und nun schien alles erneut eine 180 Grad Wendung genommen zu haben. Dennoch, ich versuchte mein Lächeln so unbeschwert wie möglich wirken zu lassen.

Die Jungs erklommen das Spielfeld und während wir uns alle gegenseitig Motivation zugesprochen hatte, konnte man von Oikawa nur ein zähnefletschendes „Enttäuscht mich nicht!“ hören. Oikawa musste ein strenger Kapitän sein. Egal, wie nett er auch zu mir gewesen war, er hatte sein Ziel vor Augen und er würde gerne noch mehr erreichen wollen. Er schien seinen Traum etwas klarer vor Augen zu haben, als mein Bruder.

Es ging los. Angepfiffen und die Aoba Johsai durfte mit Tōru Oikawa direkt den Ball zum Anfang schlagen. Alle Augen waren auf ihn gerichtet und er warf an, drei große Schritte getan, stieß Oikawa sich mit seinen kräftigen Beinen ab und schlug mit flacher Hand im Sprung Aufschlag direkt gegen den harten Ball. Die harmlose Kugel wurde zu einem Geschoss, welches direkt in das Feld der Karasuno bretterte. Ich konnte fast hören, wie der Boden in sich splittern wollte. Was um alles in der Welt, war das denn für ein Mörderaufschlag?

Der Schock stand den Jungs ins Gesicht geschrieben. Aber auch uns Leuten auf der Bank. Seit unserem Trainingsspiel gegen die Seijoh hatte sich ja eine Menge getan – eine Menge, die uns jetzt im Weg stand. Oikawa hingegen konnte nur eins seiner breitesten Lächeln ziehen und seine Arme siegessicher in seine Hüfte stützen. Es würde schwerer werden, als gedacht. Sofort wünschte ich, mehr über Oikawa zu wissen, als nur sein Lieblingsessen.

Das Spiel ging weiter und es war alles andere als langweilig. Es dauerte seine Zeit, bis Noya dem Ball vernünftig in die Luft bekam. Bis dahin hatte die Seijoh schon einiges an Punkten angesammelt. Aber es wurde besser, es musste besser werden. Denn ansonsten konnten wir uns das alles hier wirklich abschminken. Und das hatte die Mannschaft nicht verdient.

Meine Augen klebten fest am Ball, wie er ständig hin und her über das Netz in der Mitte flog. Kommt schon, Jungs. Ihr müsst euch endlich was einfallen -, aber was war das? Tsukishima, vorne am blocken, schob den Ball zärtlich und ohne großen Schwung über das Netz entgegen aller Erwartungen und holte damit unseren nächsten Punkt. Diese Taktik hatte er sich von Kenma abgeschaut. Ich grinste breit, denn auch, wenn die Karasuno im Trainingscamp nur gegen die Nekoma verloren hatte, so konnte zumindest Tsukki etwas mitnehmen und das freute mich. Danke dir, Katerchen – du hast uns so eben geholfen.

Dennoch besonders die Spannung zwischen Kageyama und Oikawa war deutlich zu vernehmen. Die Blicke, die sie gemeinsam austauschten, sie ließen einen erzittern. Und ich konnte mich kaum daran erinnern, seitdem ich Kageyama kannte, ihn je so nervös und unruhig gesehen zu haben. Aber dadurch, dass ich den Blick durchgängig auf die beiden lenkte, da sie auch die beiden Personen mit dem meisten Ballkontakt waren, bemerkte ich schnell, wie Tōru ständig die Ohren spitzte, wenn Hinata nach dem Ball rief. Als die Karasuno dann zeitnah die erste Auszeit nahm, erhob ich mich sofort, wie die Jungs zurück zum Spielfeldrand kamen.

Sie griffen nach ihren Flaschen und ich drängelte mich durch die kleine Menge direkt zu Kageyama. Er exte seine 500 Milliliter Trinkflasche bald komplett, bis ich ihn von der Seite ansprach: „Er hat durch eure Zeichen gesehen. Denkt euch was neues aus oder vertauscht sie. Aber Oikawa weiß nun, wie du und Hinata sich verständigen.“

Tobios Blick ging direkt zur gegnerischen Schule hinüber. Vielleicht wollte er sich selbst ein Bild machen, ob meine Annahme stimmte. Keine Ahnung, ob ihm meine Ansage nicht reichte, dennoch nickte er mir zu und die Auszeit fand ein Ende. Ich hoffte, die beiden würden weiterhin gut durch die Angriffe und Blockaden kommen.

Es ließ mich jedoch beruhigt zurück, wie ich mitbekam, dass die zwei wirklich auf mich vertrauten und ich auch im Recht lag. Die Spieltechniken änderten sich – jedoch nicht nur bei unseren Jungs, sondern auch bei der Seijoh selbst. Das Level der Herausforderung schien sich fast noch zu steigern, anstatt langsam abzufallen, so wie ich es mir erhofft hatte. Aber nicht nur das wurde schlimmer, sondern auch der Druck zwischen Tobio und Tōru stieg weiter. Und dazu kam auch noch, dass der Abstand zwischen unseren Punkten immer größer wurde. Leider zum Vorteil für die Seijoh.

Ukai knirschte mit den Zähnen und rüttelte sich im ersten Satz deshalb gleich noch die zweite Auszeit aus dem Ärmel. Er rief die Jungs in einen Halbkreis um sich herum und versuchte mit ihnen eine Veränderung vorzurufen. Ich hingegen starrte durchgehend hinüber zur Aoba Johsai und versuchte herauszufinden, wieso Oikawa als einziger einsam und verlassen am Ende der Bank saß, seine Augen geschlossen hielt und die Nase zum Himmel gestreckt. Seine Kollegen schienen rege Gespräche zu führen, doch er – er saß da und tat einfach gar nichts. Der Kerl war ja echt unberechenbar. Eine wahre Gefahr für uns. Ich wollte es mir nicht eingestehen, aber das hier war doppelt so schwer, wie alles andere, wogegen die Jungs bisher angetreten waren.

Es ging weiter, genauso spannend, wie vorher. Und noch schlimmer, Oikawa kam wieder mit seinem Aufschlag um die Ecke. Erst einer, dann noch einer und noch einer. Mein Bein wippte nervös auf und ab, denn es war deprimierend, dass niemand diesen Ball aufhalten konnte. Aber gerade als ich aufgeben wollte zu glauben, gab Tanaka mir die Hoffnung zurück, indem er den Lauf von Tōru beendete. Und doch – die Seijoh führte und wir konnte keine Auszeit mehr nehmen. Ich wusste nicht genau, welch Wunder kommen wollte, damit wir uns den ersten Satz noch unter den Nagel reißen konnten. Auch ein Tanaka würde das alleine nicht schaffen.

Noch im gleichen Wechsel kam es zu einem kleinen, vermutlich auch persönlichen Duell, zwischen Kageyama und Oikawa. Ein Kräftemessen, wer den Ball im gegnerischen Feld versenken würde. Mit der Kraft in ihren Fingern gesammelt, drückten sie gegeneinander an, doch landete nicht nur der pralle Ball schlussendlich in unserem Viereck, so fiel auch Tobio gegen Oikawa zu Boden.

Sofort verschlug es mich aus meinem Sitz in eine gerade Position. Was um alles in der Welt, war da los auf dem Feld? Das war nicht länger ein Spiel des Vorentscheids. Das hier war ein Kleinkrieg. Zwischen unseren Schulen. Zwischen Tobio und Oikawa. Aber noch bevor ich den Zuspieler der Seijoh weiterhin mit meinen Blicken einrahmen und er mir erwidern konnte, ertönte schon das Gebimmel eines Auswechselns.

Die neun der Karasuno wurde mit der zwei getauscht. Da war er endlich. Vielleicht würde er einen neuen Wind auf das Feld bringen. Kageyama drückte sich vom Boden auf, erntete noch einen strengen Blick von Seiten Hinatas, bevor er durch Sugawara als Zuspieler für unser Team gewechselt wurde. Und mit diesem Wechsel, änderte sich nicht nur die Stimmung auf dem Spielfeld, sondern auch hier auf der Bank. Während Suga jedoch eine ruhige beschützende Aura über das Feld legte, schien die Bank unter der zermürbenden Last Kageyamas beinahe zu zerbrechen. Es war angsteinflössend.

Diese Angst wurde mir nur etwas genommen, wie ich sah, dass auch Shoyo und Koshi eine gute Einheit miteinander bildeten. Der Rest der Mannschaft sprang ebenso gut darauf an. Es war also entgegen meiner Annahme, dass ein Spieleraustausch nun eventuell noch einiges durcheinander bringen würde. Es klappte genauso gut, wie mit Kageyama auch. Dennoch, es reichte nicht mehr für den ersten Satz. Wir verloren gegen die Aoba Johsai und nun lag der Druck noch größer, gleich den zweiten Satz einfahren zu müssen. Denn sonst, waren die gestrigen Freuden alle umsonst gewesen. Und vor allem, wusste ich nicht, wie der Rest darauf reagieren würde.

Eine kurze Pause, aber vollgestopft mit diversen Gedanken. Während ich mir durchgängig den Kopf darüber zerbrach, ob es meine Schuld war und ich Sugawara, Daichi oder auch Noya mit unseren privaten Problemen ablenkte, hörte ich Koshi und Kageyama neben mir miteinander einige Tipps austauschen. Das war schön, freute mich innerliche sogar und trotzdem konnte ich nicht stillsitzen und damit aufhören, mir die Schuld für ihre mehr oder weniger passable Leistung in die Schuhe zu schieben. Mein Schnaufen war laut und deutlich zu vernehmen und dennoch war ich froh, dass mich niemand darauf ansprach.

Der zweite Satz wurde angepfiffen und das Spiel startete direkt mit einer ausgeglichenen Balance. Es wurde Ebenbürtiger. Das Level glich sich allmählich an und ich konnte etwas ausatmen. Es lag nun auch nicht mehr an den Tricks der Zuspieler. Unser Team nahm fast jeden Ball an, auch einen Aufschlag von Oikawa selbst und das war gut so. So gut, dass Ukai einen erneuten Auswechsel veranlasste. Suga ging zurück auf die Bank, während Tobio endlich wieder der Befriedigung seines Drangs nachgehen konnte – das Team zum Sieg führen und Oikawa besiegen.

So gut wir uns schlugen, das Kopf an Kopf – Rennen ließ nicht nach. Die Punkte bildeten keine große Lücke zueinander, egal, wie doll ein Oikawa seinen Aufschlag schlug oder wie genau ein Tobio sein Zuspiel zu Shōyō spielte. Und dennoch riss es mich aus meiner Trance, als wir es tatsächlich schafften uns im zweiten Satz noch gegen die Seijoh zu behaupten. Jetzt stand alles offen! Jetzt wurde es wirklich erst ein richtiger Wettkampf und das Feuer brannte in jeden ihrer Augen. Sie alle waren süchtig nach dem Sieg! So auch ich selbst.

Und doch wollte ich mir ab dem Anpfiff des dritten Satzes in die Hose machen. Denn auch, wenn es jetzt hieß, dass der bessere gewinnt, so war es schlussendlich dennoch eine 50/50 Chance. Und das jagte mir Angst ein. Besonders nachdem die ersten Bälle geschlagen wurden. Die Punkte glichen sich an, das Kopf an Kopf – Rennen war wieder da. Sie alle legten sich ins Zeug. Das Spiel wurde schneller lauter, kräftiger. Auch, wenn die Kraft und Konzentration aller langsam nachließ, das Tempo wurde dennoch rasant angezogen, sodass es selbst für Trainer Ukai schwer war, machmal den Ball im Auge zu behalten.

Aber es war der dritte Satz. Das letzte Spiel, bis zur Entscheidung und das ließ auch einen Oikawa nicht ruhig bleiben. Seine Adern ragten über Hand und Arme weit heraus. Auch an seinen Schläfen waren manchmal pulsierende Blutlaufbahnen zu sehen. Mir war nicht genau bewusst, ob Ukai deswegen das tat, was er in diesem Moment tat. Ich ging definitiv damit konform, dass das jetzt wohl für viele eine Überraschung und gute Komponente zur Verwirrung war. Aber auch hier stellte sich mir die Frage: würde das ganze funktionieren?

Yamaguchi wurde eingewechselt. Zum Aufschlag. Und während bei der Seijoh die Unwissenheit stieg, darüber was jetzt kommen würde, war es auf unserer Seite die Nervosität. Ich drückte meine Daumen, ganz ganz fest. Er würde es schaffen, er musste es schaffen. Der kleine Junge warf den Ball an, lief seine drei vier Schritte und sprang in die Höhe, direkt die Hand gegen den fliegenden Ball schlagend. Alle Augen auf die Kugel gerichtet, die in Richtung des gegnerischen Feldes flog und … und an dem Netz in der Mitte abprallte, um auf unserer Seite zu landen. Verdammt noch eins. So sehr es mich grämte, es war okay. Denn Fehler passierten.

Die Karasuno ließ sich jedoch nicht beunruhigen, nahm das Spiel wieder auf und steigerte sich noch einmal. Es glich einem Wettrennen. Leider Gottes, war die Aoba Johsai als erstes am Satzball angekommen. Aufgeschlagen, gespielt und …. Gerettet! Wir hielten dagegen, glichen es aus, holten uns sogar selbst den Matchball. Aber es war ein hin und her. Hinatas Sprungkraft ließ nach, er kam nicht mehr so hoch, seine Beine zitterten, der Schweiß lief ihm den Körper hinab. Genauso wie mir, Ukai, Takeda und auch Shimizu.

Und egal, wie gut wir den Ball versenkten, die Seijoh kam uns hinterher und machte den Ausgleich. Es war zum kotzen gewesen. Wir spielten uns kaputt bis zu den 31 zu 31 Punkten. Das Keuchen war laut und die Körper zitterten vor Erschöpfung und ich hatte das Gefühl, dass es bald vorbei wäre.

Aufschlag, Spiel und ein aufputschen nach dem anderen. Wir legten uns ins Zeug und die Gegner folgte. Aber wir hielten es gut. Der Ball war in der Luft, niemand ließ ihn fallen. Ich war so stolz, dass meine Jungs den Prallen Ball nicht hängen ließen – aber … aber was war das? Wieso fiel er jetzt? Warum fiel der Ball?! Los, jemand muss doch danach springen! Kommt schon Leute, ihr müsst doch…!

Da landete er. Mit einem Knall, der sich in meinem Kopf anhörte und dort widerhallte, wie eine Atomexplosion. Es war aus. Der Traum – zerplatzt in einer Millisekunde. Da lag der Ball, in unserer Hälfte. Er rollte und rollte, aus unserem Viereck heraus und trotzdem war er dort gelandet. Im hinteren Eck und hatte damit den Sieg der Seijoh besiegelt. Sie würden gegen Ushijima Wakatoshi spielen und nicht wir. Wir würden nach Hause fahren. Jetzt und heute.

Nicht nur ich war am Boden zerstört. Hinata und Kageyama traf es am meisten. Danach teilten wir uns die Schmerzen einheitlich auf. Und ich wollte weinen, während die Jungs sich aufstellten, ihren würdigen Gegnern die Hand reichten und sich für das tolle Spiel bedankten. Ich wollte zusammensacken, wie die Jungs ihren Fans dankten und zu dem schwarzen Banner aufblickten, welches Shimizu und ich extra zusammegeflickt hatten für diesen doch eigentlich ruhmreichen Tag. Aber nein, ich wollte schreien, denn ich glaubte, es war meine Schuld. Wenn ich nicht gewesen wäre, wenn der Plan nicht gewesen wäre, dann hätte Noya vielleicht mehr Bälle angenommen. Oder Daichi hätte besser aufgepasst. Und Suga hätte in seiner Zeit auf dem Feld noch mehr aus Shōyō rausgeholt. Doch nein, ich musste ihnen Gedanken bereiten. Ich war der Grund, wieso sie auch heute wieder die Krähen waren, die nicht bereit dazu waren, ordentlich zu fliegen.
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