Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

To the top (of your heart)

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
30.11.2020
32
67.781
16
Alle Kapitel
43 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
21.11.2020 1.530
 
Heute war es soweit. Die zweiten wiederkehrenden Rivalen standen uns gegenüber und ich hoffte, die Jungs würden es genauso gut packen, wie gestern gegen die Date Tech. Sie hatten es verdient – einen Sieg. Aber jeder, der Augen im Kopf hatte, der sah auch, dass die Seijoh ebenso nach den Sternen greifen wollte. Wir verfolgten beide das gleiche Ziel – das wurde mir immer und immer mehr klar, wie ich da auf der Bank saß und den Jungs beim aufwärmen zuschaute. In etwa 10 Minuten war hier Anpfiff und mir schwitzten bereits jetzt die Hände, wie im Hochsommer. Zum Glück hatten die Jungs ihre Aufregung heute mehr im Griff, besonders Hinata. Bei der Aoba Johsai konnte man davon jedoch gar nichts sehen. Oikawa ließ sich seelenruhig von seiner weiblichen Anhängerschaft bejubeln. Der Kerl hatte ein Leben. Es musste einfach sein.

„Ko“, riss es mich plötzlich aus meinen Gedanken und ich schaute perplex um mich herum – es war Noya gewesen und deshalb rutschte mir sofort das Herz in die Hose. Er hatte in den letzten Tagen immer wieder versucht mich zu erreichen. Er schickte mir immer wieder Mails und ich hatte auf keine einzige geantwortet. Auch, wenn er mich persönlich ansprechen wollte, versteckte ich mich meist hinter meinem Bruder, aber nun hatte er es geschafft. Im Moment meiner gespaltenen Aufmerksamkeit sprach er mich an.

„Kommst du bitte einmal mit raus auf den Flur? Ich würde mich gerne mit dir unterhalten“, Noya stand stramm vor mir und seine Stimme zitterte kein bisschen. Im Gegensatz zu meiner, als ich ihm auf seine Frage eine Antwort schenkte.

„K-können wir das, ehm, eventuell auf später verlegen?“, ich konnte keinen Blickkontakt mit ihm halten, auch, wenn das wirklich äußerst unhöflich war. Aber es war unmöglich – Yuu schaute mir direkt in die Seele, während ich glaubte, ihn durchgängig nur anzulügen. Mein Herz lag schwer in meiner Brust und es drückte auf meinen körperlichen und seelischen Zustand.

Ich wollte mich bereits von Nishinoya wegbewegen, da griff er jedoch fest nach meinem Handgelenk. Ich erschrak etwas, denn ich wusste nicht, wie darauf zu reagieren war. Es überfiel mich, rollte über mich, wie eine Lawine.

„Nein. Ich versuche schon viel zu lange dieses Gespräch mit dir zu führen. Immer läufst du weg und versteckst dicht, aber das reicht mir jetzt“, ich konnte mich kaum gegen diese harsche Stimme wehren. Genauso wenig, wie dagegen, dass Yuu mich hinter sich her schleifte, direkt auf den Gang hinaus. Es war kaum noch jemand in den Fluren unterwegs. Die Fans und Gäste saßen auf ihren Plätzen, die Mannschaften waren in der Halle. Und Noya prangerte mich direkt an die nächstgelegene Wand, was mir den Angstschweiß mehr auf die Stirn trieb, als zuvor.

„Ich bin auf deine Erklärung gespannt. Wieso du mich einfach so im Regen stehen lässt. Es ist okay, wenn du meine Gefühle nicht erwidern kannst, aber eine Antwort habe ich doch zumindest verdient! Wir müssen darüber reden, Kazuko!“, grummelte er mir ins Gesicht und ich biss mir angespannt auf die Zunge. Ja! Das war mir bewusst, Noya! Dennoch … ich kann dir das alles nicht sagen. Ich kann dir nicht sagen, dass ich dich liebe oder dass ich dich nicht liebe. Denn mit beidem würde ich dich und mich verletzen. Und das will ich uns nicht antuen.

„Bitte, Noya, lass mich gehen. Ich bin noch nicht bereit, darüber zu reden. Gib‘ mir bitte noch etwas mehr Zeit“, flüsterte ich leise, aber konnte Yuu immer noch nicht länger als 0,3 Sekunden ansehen. Mein Herz schlug mir aus der Brust und es schnürte mir die Atemwege zu.

„Nein!“, ich hatte Nishinoya nie so sauer erlebt, außer bei diesem blöden Streit – es war mir damals schon unheimlich, „willst du alles einfach so wegwerfen, weil du nicht reden willst? Was ist mit dem Plan?“

Meine zittrigen Hände wollten am liebsten in die Wand hinter mir greifen, aber sie ließ mich nicht. Der Plan, er war wohl von Anfang an zum scheitern verurteilt gewesen. Egal, wie sehr ich ursprünglich glaubte, es sei eine gute Idee. Ich hatte mit Sugas Gefühlen gespielt und schlussendlich auch mit Nishinoyas. Und dass ich alle Erinnerungen, die Noya an die letzten Wochen hegte, nun zerstören musste, riss mir das Herz in kleinen Einzelteilen aus dem Körper heraus.

„Der Plan existiert nicht mehr. Hier ist jetzt Schluss. Die Beziehung ist beendet, Noya. Es tut mir unendlich leid“, seufzte ich leise zu ihm hinab und verkniff mir die Tränen. Es tat mir doppelt leid, ihm das jetzt zu sagen – vor diesem wichtigen Spiel. Aber es gab keinen anderen Zeitpunkt. Nishinoya zwang mich gerade so dazu. Und deswegen war es hier und jetzt besser, den Schlussstrich dieser dummen Idee zu ziehen.

„Was? Der Plan lief klasse! Warum machst du das jetzt?“, Yuu ließ von mir ab und ich konnte etwas aufatmen. Mir wurde die Luft zum atmen nicht mehr allzu viel geklaut, dennoch hatte ich Angst, mich überhaupt zu bewegen.

„Du sagtest, du akzeptierst meine Gefühle. Dann tu das doch auch“, kam es aus meinem Mund gepurzelt und ich kratzte langsam vor Nervosität meine Nagelhaut auf. Das alles war mir so unangenehm, denn dieses Chaos wäre nicht, wenn ich nicht so ein egoistisches Stück wäre.

Noya trat den nächsten besten Wischeimer zur Seite. Es war ein Wunder, dass kein Wasser mehr darin war und ein zweites Wunder, dass es niemand gesehen hatte. Dennoch, der Eimer flog quer über den Flur und ich konnte nicht anders, als direkt noch mehr in der Wand zu versinken.

„Alles okay hier?“, kam es plötzlich um die Ecke herum und sowohl Noya und ich blickten in das Gesicht eines Oikawas, der an einem Trinkpäckchen zog. Erdbeere. Aber weder Yuu, noch Ich konnten antworten. Ich war zu steif gefroren und Nishinoya konnte seine Gedanken wohl nicht ordentlich ordnen.

„Vielleicht sollten wir uns alle mal wieder aufs Spielfeld begeben“, ich konnte sehen, wie Noya auf Oikawas Satz hin seine Hand zu Fäusten ballte. Yuu war oft impulsiv, aber er ließ es diesmal Nicht an sich heran und drängelte sich einfach an Tōru vorbei. Streifte ihn noch angespannt mit der Schulter und flüchtete zuerst. Erst, als Noya durch die Tür in die Halle verschwunden war, atmete ich tief aus und wischte mir einmal nervös über die Augenpartie.

Oikawa sah ich aus dem Augenwinkel schon fast an mir vorbei ziehen. Langsam war es peinlich, dass genau dieser Kerl, den ich bei unserem ersten Treffen so abblitzen ließ, mich immer und immer wieder rettete in letzter Zeit: „Danke … nochmal.“

Ich hörte, wie Oikawa auf seinem Strohhalm herum kaute und nahm nochmal das Wort in den Mund: „Du hättest deine Fans nicht für mich verlassen müssen. Ich bin keine Jungfrau in Nöten.“

Oikawa grinste schief: „Du bist eine Jungfrau, du warst in Nöten. Außerdem brauchte ich eine Erfrischung.“

Auch mir trieb es ein kleines schmunzeln aufs Gesicht. Ich war mir jedoch nicht sicher, ob Oikawa es überhaupt sehen konnte, so, wie mir die Haare ins Gesicht fielen: „Nein, das Trinkpäckchen war bereits vorhin in deiner Hosentasche. Also genieß dein perfektes Leben auf dem Thron, König des Spielfeldes.“

Er drehte sich mehr zu mir, um das Gespräch offener zu gestalten. Er war so groß, makellos und die Mädchen liebten ihn, es war fast schlimm, dass solche Leute existierten: „Du hast eine gute Auffassungsgabe.“

Er stockte, ging mehr zu Tür hin und wollte gerade hindurch treten, bevor: „Ein perfektes Leben führe auch ich nicht. Kannst du ein Geheimnis bewahren? Ich habe mal versucht einen Mittelschüler zu schlagen, weil er besser war als ich. Das ist kein perfektes Leben, so etwas gibt es nicht.“

Oikawa zog davon. Seine Schritte wurden in der Ferne leiser und leiser und ich wollte zusammensacken. Auf den Boden und weinen, weil das alles nicht hierher gehörte. Und dennoch konnte ich nichts davon beeinflussen und nun stand ich hier und musste mich zusammenreißen, obwohl ich mich so sehr verletzt fühlte.

„Was machst du denn noch hier?!“, Daichis Stimme zwang mich erneut noch stärker zu sein, aber ich war an meiner mentalen Grenze für heute angelangt.

Schnell streifte ich an ihm vorbei direkt in die Halle hinein: „Sei doch froh, Noya wird nicht dein Schwager. Es ist vorbei.“

„Wie bitte?!“, Daichi holte auf, gesellte sich neben mich und machte fast größere energischere Schritte als ich, „ich habe mir so viel Mühe gegeben, das zu akzeptieren und nun das? Was hast du gemacht?“

Ich wollte stehen bleiben, denn ich hatte das Gefühl unser Gespräch von gestern war bei meinem Bruder durch ein Ohr rein und durch das andere wieder heraus: „Nicht dein Ernst jetzt, oder? Du glaubst eher daran, ich hätte was verbrochen, als Noya? Ich glaub’s nicht. Du bist echt unglaublich.“

„Vier Wochen.“

Meine Augen weiteten sich ins Unermessliche: „Verschwinde bloß!“

Es war alles Enttäuschung. Der ganze Tag. Dass mum und dad nie da waren. Dass Daichi und ich schon erwachsen sein mussten. Dass ich keine Fehler machen durfte. Dass alles so kompliziert war, jetzt schon, obwohl ich noch nicht mal das 18. Lebensjahr erreicht hatte. Und doch, ich band mir meine dunklen Haare in einen kleinen Zopf hoch. Denn auch, wenn die Krone fiel, man konnte auch ohne sie weitergehen. Egal, wie schwer es war. Das wäre mit Sicherheit auch nicht das letzte mal.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast