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To the top (of your heart)

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
34
Alle Kapitel
155 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
19.11.2020 2.970
 
[Short Info: Wie ihr vielleicht bemerkt habt, kommen jetzt nicht mehr täglich Updates. Ich werde alle zwei Tage immer ein Kapitel hochladen! Ist es sehr kurz, dann auch zwei! Ich möchte mir gerne etwas mehr Zeit für die Story nehmen und konzentriere mich auch nur voll auf diese Arbeit aktuell! Danke auch für eure tollen Reviews! Bis demnächst!]

Als ich zurück bei meinen Jungs war, fiel mir zu aller erst Shimizu ins Blickfeld. Sie stand oben bei den Tribünenplätzen und knotete das Banner an dem Geländer fest. Ich fühlte mich sofort schlecht, denn am liebsten hätte ich ihr die Arbeit abgenommen. Dieses bezaubernde Mädchen tat so viel für uns alle – sie war ein wahrer Engel.

Meine Gedanken an Kiyoko wurden jedoch schnell unterbrochen von einer übertönenden Aura. Die Aura der Nervosität. Sie suchte alle heim. Asahi, Yamaguchi, aber vor allem Hinata. Ich sah ihn an der Außenwand der Halle hocken, sein Kopf tief hinter seinen angewinkelten Beinen versteckt. Hätte ich es nicht besser gewusst, war fast eine dunkle Wolke böser Gedanke um ihn herum geschwirrt.

Noch auf dem Weg zu dem kleinen Kerl mit den knallig orangenen Haaren, griff ich in meine Tasche direkt nach einem meiner Bonbons. Langsam gingen sie aus, ich müsste mal neue besorgen. Schnell noch mein bestes Lächeln auf die Lippen gesetzt, kniete ich mich vor dem zusammengekauerten Jungen hinab: „Geht’s dir gut, kleiner Mann?“

Nur zierlich schaute Hinata über seine beiden Knie hinweg. Ich konnte lediglich seine Augenpartie erkennen, als ich jedoch mein Bonbon in seine Richtung streckte, griff er direkt danach und öffnete sich mir ein wenig. Ich lächelte breiter.

„Ich – ich“, murmelte das kleine Bürschchen und sprang mit einem Mal auf, „ICH HAB FAMPENLIEBER!“

Ich versuchte mir so gut es ginge, einen Ausbruch an Lacher zu verkneifen. Fampenlieber, der kleine war ja beinahe komplett durch. Ich hoffte, mein Bonbon und meine Anwesenheit konnten daran noch etwas rütteln.

„Wieso machst du dir solche Gedanken? Du hast Talent, kleiner. Du springst am höchsten von allen hier! Lass‘ dir dein Können nicht durch deine Angst nehmen, okay?“, ich glaubte fest daran, dass Hinata nur mein Lob an seinen Sprung hörte und seine Augen deshalb so stark glänzten. Aber das war okay. Es war mir egal, was er hörte, solange es ihn in seine beste Form brachte – dann konnte ich selbst auch stolz auf mich sein.

Er formte seine flache Hand zu einer Faust und ich spürte direkt, die Aura, sie war sofort weniger von Nervosität behaftet: „J-ja! Ich bin der beste! Ich kann das!“

Ja, so war’s gut. Und gerade richtig, als Trainer Ukai uns zu seiner vorspielerischen Motivationsrede rief. Jetzt würde es gleich losgehen. Das erste Spiel gegen die Tokonami Oberschule. Noch während Ukai den Jungs erzählte, dass sie ihr bestes geben sollten und versuchen sollten, die Auffassungsgabe von Puddingkopf anzunehmen – warte, redete er etwa von Kenma? Ich war kurz verwirrt, zog eine Augenbraue hoch, konzentrierte mich dann jedoch erneut auf den Gegner. Ich hatte nicht von ihnen gelesen, noch je von ihnen gehört. Waren sie relevant? Konnten sie was? Ich würde mich wohl überraschen lassen müssen.

Die Jungs stellten sich auf, nahmen folglich ihre Positionen auf dem Spielfeld ein und Ukai, Takeda, Shimizu und ich – wir ließen uns auf den Bänken am Spielfeldrand nieder. Gespannt jede einzelne Bewegung der Jungs verfolgend. Und Tokonami eröffnete mit dem Aufschlag das Spiel.

Schon der erste Punkt ging direkt an uns. Noya und Tanaka freuten sich so sehr, dass unser Team schon beim ersten gespielten Ball eine Verwarnung erhielt – das konnte auch echt nur uns passieren. Ab dann jedoch benahmen die Jungs sich und widmeten sich ganz dem Spiel, während ich nur Noya im Blick hatte. Er machte sich gut, ließ sich nicht ablenken. Nichts von unserem ungeklärten Kram schien ihn zu belasten und ich wusste nicht, ob das gut oder schlecht war. Auf der einen Seite wollte ich Noya nicht zur Last fallen, auf der anderen Seite sollten wir alles ungeklärte vielleicht mal bereden. Ich schluckte.

Unsere Mannschaft lag schnell in Führung, vergrößerte den Abstand zur Tokonami immens und holte sich auch direkt den ersten Satz. Mir war sofort bewusst, dass diese Mannschaft unsere Jungs kaum forderte. Sie waren nicht so sehr verschwitzt, keuchten kaum in der Pause bis zum zweiten Satz. Das war gut, so würden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch den zweiten Satz holen und das erste Spiel wäre schneller vorbei, als ich Gyoza sagen könnte.

Der zweite Satz war jedoch deutlich spannender. Die Tokonami legte sich noch einmal richtig ins Zeug und es war deutlich ersichtlich, wie der Abstand zwischen den Punkten geschrumpft war. Die Jungs kamen jedoch mit der wachsenden Stärke des Gegners auch mehr in Fahrt. Deshalb half es für die Tokonami alles nichts – sie verloren auch den zweiten Satz an die Karasuno und es wirkte wie ein Traum, dass wir es so schnell durch die erste Runde geschafft hatten!

Es wurde sich zusammen gefreut. Wir umarmten uns in einer riesigen Kugel und der größte Vorteil des schnellen Sieges war eine längere Mittagspause. In welcher wir uns direkt alle zersplitterten. Daichi war schnell nicht mehr aufzufinden. Shōyō und Kageyama dehnten sich gemeinsam und hielten sich durchgängig vor dem Gebäude auf dem Rasen warm und ich versuchte einfach irgendwie unterzutauchen, um dem Rest aus dem Weg zu gehen. Das war vermutlich nicht so gut, denn es fiel sicherlich auf, dass Noya und ich Abstand gewannen. Ein neuer Plan musste her, fix – FIX!

Es trieb mich unterbewusst zum nächsten Snack Automaten. Ja, Schokolade könnte ich jetzt wohl gut gebrauchen. Als ich jedoch gerade schneller werden wollte, um nach einem Twix oder Mars zu suchen, kam mir eine große Statur schon zuvor. Da war sie schon wieder, diese weiß türkise Trainingsjacke und der Inhaber dazu.

„Oh? Möchtest du zuerst?“, Oikawa grinste zu mir hinunter, ich nickte jedoch ab und ließ ihm den Vorgang – aus Nettigkeit. Trotzdem ließ ich mir die Chance nicht entgehen, ihn von oben bis unten komplett zu Mustern. Seine dünnen aber dennoch starken Finger drückten die Tasten des Automaten tief – vermutlich wollte er eines dieser Milchbrötchen. Er hatte einen schlanken Körperbau, seine Beine waren kräftig und er hatte eine gute Größe fürs Volleyball spielen. Aber, was war das? Zwei verschieden farbige Knieschützer? Mich packte die Neugier.

„Warum?“, ich erntete einen verwirrten Blick von Seiten Oikawas, als ich jedoch mit dem Zeigefinger auf seine Schützer deutete, atmete er mit einem Grinsen auf den Lippen auf.
„Ah, das schwarze ist ein ganz normaler Schützer. Der weiße hingegen schützt meine Verletzung mehr“, ich nickte ihm zu, hielt meinen Blick jedoch weiterhin auf seinen Schützern. Es war schon unhöflich genug einfach so drauf los zu fragen. Dass er mir wirklich antwortete, das war beinahe eine Überraschung.

Erst nach einigen Sekunden schaute ich wieder auf und blickte direkt in Oikawas Hände. Kein Milchbrot, wie ich es erwartet hatte: „Du lässt dir ein Milchbrot entgehen? Ist ja krass.“

Wir verfielen beide in ein Gelächter – der eine lauter, als der andere. Aber es war schön. Auch, wenn ich mir mit der Konkurrenz die Zeit vertrieb. Es tat gut, mal andere Gesichter zu sehen, auch wenn es ein Tōru Oikawa war.

„Du musst wohl ein Fan sein“, Oikawa zwinkerte, woraufhin ich nur kurz mit den Augen rollte – spielerisch, „führen sie hier nicht. Was darfs denn wohl für dich sein?“

Vorsichtig schob ich Den Kapitän der Seijo etwas beiseite und schaute mich etwas um: „Vermutlich einen Twix. Ich brauche Serotonin – bitter nötig.“

Ich suchte also nach der Nummer, aber bevor ich überhaupt die 37 eingeben konnte, hatte Oikawa bereits gedrückt und vor meiner Nase einfach das Münzgeld durch den Schlitz gesteckt. Perplex schaute ich auf und hörte nur im Hintergrund, wie der Riegel sachte in den Container unter ihm knallte. Was … was sollte das denn nun?

„Ich, eh“, stammelte ich nur und griff sachte nach der Süßigkeit. Mein Blick jedoch nie von dem Spieler der Aoba Johsai weichend. Er grinste breit und wippte mit seinen Haaren hin und her. Es schaute ganz lustig aus.

„Da sagt man danke“, kam es schelmisch zurück und ich schüttelte meinen Kopf schnell von unnützen Gedanken frei, bevor ich mich stramm hinstellte und eine kurze Verbeugung zog. Er war älter als ich – etwa im Alter, wie mein Bruder.

„Danke!“, brabbelte ich vor mich her und sah, wie der Kerl mit einem winken von dannen zog. Was war denn das nun wieder? Ich war etwas verwirrt, aber definitiv freute ich mich. Der Riegel schmeckte gut und dass Oikawa so offen war, das ließ es in meinem Körper etwas kribbeln.

Aber es wurde Zeit. Die beiden Stunden vergingen schneller, als man es gut heißen wollte und das zweite Spiel stand auf dem Plan. Das Spiel gegen Date Tech. Und ich machte mir die größten Gedanken. Hoffentlich würde Azumane das gut schaukeln. Und hoffentlich würde das Team ihn dabei unterstützen. Außerdem hoffte ich, dass Kageyama und Shōyō nicht an der großen Mauer abprallen würden.

Ich trudelte als letztes ein, Ukai hielt bereits seine zweite Motivationsrede und ich setzte mich zu Shimizu und Takeda auf die Bank. Und dann solltest es auch langsam losgehen. Mein Bein wippte angespannt auf und ab und egal, wie sehr ich versuchte dies aufzuhalten, es schlug einfach fehl. Es war eine Farce.

Das Spiel wurde angepfiffen. Und beide Mannschaften tasteten sich aneinander heran. Man konnte es merken – denn sowohl Date, als auch unser Team, schöpften noch nicht ihr volles Potenzial aus. Aber dieser große weißhaarige, der mir vorhin bereits untergekommen war, er würde es Faustig hinter den Ohren haben. Das sagte mir sein Blick und dazu war er noch unglaublich groß.

Aber es baute sich auf. Irgendwann sogar ziemlich rasant. Und das schlimme war, dass man kaum einen Vergleich zur Tokonami ziehen konnte. Die Date reagierte deutlich schneller, als erwartet, was unser Team direkt überraschte. Und genau deswegen war es ganz anders, als beim ersten Spiel. Der Punktbesten stand sich Kopf an Kopf gegenüber. Maximal ein oder zwei Punkte Unterschied und sie gaben sich die Führung immer wieder ab.

Die stahlharte Wand der Date Tech, die auch für Shōyō und Kageyama manchmal unüberwindbar war, sie stand uns oft im Weg. Ich schwitzte selbst fast wie ein Wasserfall, weil auch Asahi viel dagegen abprallte. Er durfte nur den Mut nicht verlieren – besonders er nicht. Aber es war das Gegenteil. Er riss sich mit jedem mal mehr zusammen, hielt immer an der Hoffnung fest und das war es wohl, was der Karasuno den ersten Satz einbrachte. Mir rutschte das Herz in die Hose, aber der erste Grundstein war gelegt.

Eine kurze Pause schneite herein und die Jungs schnauften ganz schön. Gleichzeitig waren ihre Trikots fast komplett vollgesogen mit Schweiß und ich teilte die ersten der Flaschen aus. Zuerst an Daichi, dann an Shōyō und zu guter letzt an Kageyama.

„Und? Läufts oder gibt’s Schwierigkeiten?“, ich wusste ja, dass Shōyō und Kags mehrere Probleme hatten, aber ich wollte mehr wissen und gerne helfen. Wenn das denn irgendwie möglich war.

„Kniffelig“, mehr kam nicht zurück. Kageyamas Blick war konzentriert auf die andere Mannschaft gerichtet. Und ich schaffte es nicht, ihn für eine Sekunde auf mich zu lenken. Deshalb unterließ ich es. Tobio sollte sich konzentrieren. Damit er seinen Fluss nicht verlieren würde.

Der zweite Satz folgte. Und sie setzten an dem Punkt an, wo sie aufgehört hatten. Die Konzentration aller beider Parteien stieg mit jedem Ballwechsel deutlich an. Und Date Tech steigerte sich nochmal zwei Stufen höher – die Abwehr würde größer. Und die Mannschaft schaffte es somit die Angriffe mehr und mehr abzublocken – noch mehr, als im ersten Satz.

Und deshalb passierte es, dass der Matchball für uns früher kam, als ursprünglich gedacht. Die Ballwechsel waren viel zu schnell, man konnten den Verlauf fast kaum nachvollziehen und dann, war der Satzball da. Und dann auch noch mit der stärksten Abwehr, die die Date Tech zu bieten hatte. Meine Hände mit Angstschweiß überzogen, zitterten, wie Sau. Aber auch Ukai rieb sich angespannt die Hände.

Der Ballwechsel startete, aber so doll, wie Asahi und Shōyō und Kageyama, es brachte alles nichts. Die Mauer wehrte den Angriff ab und zwar so doll, dass der Ball wie ein Komet auf den Erdboden krachen wollte. Aber da … da war ein Licht am Himmel! Noya streckte seinen Fuß gen Ball und … und er hatte ihn! Er beförderte den harten Ball direkt nach oben.

„Und los!“, brüllte ich auf, denn ich konnte mich nicht mehr halten. Und meine Jungs stimmten mit ein! Ihre Nervosität war wie weggeblasen und alle auf dem Feld holten noch einmal das letzte heraus. Der Ballwechsel ging weiter, gefühlt noch schneller als vorher, und irgendwann konnte man nur noch hören, wie der Ball auf dem Boden ankam.

Wir … wir hatten gewonnen! Ich sprang im Kreis, wie das Team auf dem Spielfeld und fiel Shimizu in die Arme. Wir grinsten uns an, denn dass wir tatsächlich so weit kommen würden, auch wenn es erst durch die zweite Runde war, es war fantastisch.

Die Teams schüttelten sich die Hand, bedankten sich gegenseitig für das gute Spiel und folglich dankten sie noch ihren Fans. Ich konnte genau sehen, wie Daichi Michimiya einen Faustgruss entgegen streckte. Die beiden würde zusammen passen. Aber Daichi würde nie bemerken, dass dieses Mädchen ihn vergötterte. Und wenn es nötig wäre, dann wäre ich seine Wingwoman. Damit er mal wusste, wie sich richtiger Support anfühlte.

Dann wurde das Feld auch schon von uns geräumt. Denn die nächsten durften jetzt hier gleich spielen. Aber anstatt direkt zu gehen, wollten die Jungs liebend gerne noch der Konkurrenz zusehen. Deshalb landeten wir nun auf der Tribünen für ein paar Minuten und das Augenmerk lag hauptsächlich auf der Seijoh.

Oikawa war gerade mit dem Aufschlag dran und Kageyama wusste viel über ihn. Er erzählte, wie er mit Oikawa trainiert hatte und wie die beiden eine Schule besuchten. Das wusste ich gar nicht. Aber es war interessant zu wissen. Deshalb waren die beiden wohl auch nicht allzu gut aufeinander zu sprechen.

Auch mein Augenmerk lag auf Tōru Oikawa. Ich war konzentriert, so lange, bis er direkt zu mir hinauf schaute. Ich fühlte mich ertappt, wurde sogar etwas rot und das sogar noch mehr, wie Oikawa mir zuzwinkerte. Und das hatte wohl so ziemlich jeder gesehen und vor allem mein Bruder – deshalb wollte ich am liebsten einfach im Boden versinken. Noch peinlicher konnte es langsam echt nicht mehr werden, ich wäre am liebsten durchgängig unsichtbar, anstatt mir nach und nach die nächste Blöße geben zu müssen.

Gut, dass die Jungs es nicht allzu lange zappeln ließen und es schnell wieder nach Hause ging. Dieses Mal konnte ich ohne zu fragen neben Daichi sitzen, auch, wenn ich durchgängig darauf hoffen musste, dass er mich weder auf Tōru Oikawa, noch auf Yuu ansprechen würde. Er tat es nicht, deshalb war ich gleich doppelt dankbar. Auch, wenn die schlechte Stimmung zwischen uns beiden ja eigentlich noch überhaupt nicht geklärt war. Aber ich wollte nicht den ersten Schritt machen … ich wollte nicht und ich konnte nicht, denn was sollte ich ihm auch sagen? Dass alles mit Nishinoya eine Lüge war?

Angekommen an der Karasuno, gab es das Abschlussmeeting. Die Stimmung war allgemein sehr gut. Das freute mich, zumindest bis die Jungs die Nachrichten über den Vorentscheid im Fernsehen sahen. Denn neben der Shiratorizawa und einem Tōru Oikawa, der uns indirekt noch eine Ansage an den Kopf knallte, gab es nichts wirklich aufbauendes über die Karasuno. Die Stimmung schwang also gleich um und zwar so, dass die Jungs sich das Ziel setzten, diesen Oikawa zu zermalmen.

Und wegen dieser unbefriedigten Nachrichten wusste ich auch nicht, wieso Daichi so ruhig war, als wir zu zweit auf dem Weg nach Hause waren. Ich dachte nach, musste ich nun wirklich meine Sünden gestehen? Es fühlte sich an, als wäre ich an einem Scheideweg angekommen. Ein Scheideweg mit fünf verschiedenen Abzweigungen und alle, die ich davon nehmen konnte, waren das schlimmste. Ich versuchte mich mit meinen 16 Jahren dennoch irgendwie zusammenreißen.

„Zwei Wochen also? Hab‘ ich das etwa echt verdient?“, ich schaute Daichi von untern heraus an, aber er verzog nicht einmal die Mine, noch widmete er mich eines Blickes – deswegen setzte ich nochmal an, anders, „ich weiß ja, dass ich nicht ganz einfach war. Das tut mir auch echt leid. Aber … ich wünsche mir nur, dass du mir zuhörst und mich als deine Schwester nicht vergisst. Du nimmst die Rolle von Mum und Dad ein – das ist eine riesige Aufgabe. Aber wir sollten uns unterstützen und nicht anschreien. Ich liebe dich, Daichi. Du bist der beste Bruder, den man haben kann und darüber bin ich froh-.“

Ich hatte die letzte Silbe noch nicht einmal ganz beendet, da stoppte Daichi und machte auf der Ferse kehrt, um mich direkt in seine starken zitternden Arme zu ziehen. Sofort überkam mich Überwältigung, aber ich kam ihm entgegen – schlang auch meine Arme um ihn und drückte meinen großen Bruder fest an mich. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Es tut mir leid. Ich war nicht fair. Du bist eine so tolle kleine Schwester – du bist fleißig, machst so viel für das Team, obwohl du es nicht müsstest und ich bewundere dich dafür, dass du mit Mutters und Vaters Abwesenheit so gut klarkommest“, murmelte mein Bruder mir ins Ohr und ich versuchte leicht in der innigen Umarmung zu nicken.

„Sind meine Hausarrest-Wochen jetzt aufgehoben?“, schmunzelte ich noch breit zurück und es brach ein Lachen zwischen uns beiden aus. Mitten auf irgendeiner Straße auf dem Weg nach Hause.

„Klar doch, Schwesterherz“, kam es zurück genuschelt und ich war froh. Das war ein Problem weniger auf der Liste. Denn nun war da immer noch Yuu, dessen Gefühle für mich plötzlich echt waren. Außerdem Plan Sugawara, der aktuell überhaupt nicht funktionierte und Suga selbst, mit dem die Beziehung aktuell das reinste Desaster war. In diesem Moment, im hier und jetzt, war ich aber einfach nur glücklich, dass mein Bruder und ich gemeinsam die Waffen niedergelegt hatten.
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