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To the top (of your heart)

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
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Dieses Kapitel
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15.11.2020 1.871
 
Gestern war ein unglaublich schrecklicher Tag. Ich musste mir die Blöße vor Nishinoya, Daichi und Suga geben und immer, wenn sie mich anschauten, wurde mir übel. Genau deshalb war die Angst heute noch schlimmer, als die vor dem gestrigen Tag. Aber ich machte mir Gedanken. Den ganzen gestrigen Tag, die ganze Nacht über und auch, während des Unterrichtes. Deshalb verschlug es mich in der Mittagspause direkt zu Daichis Flur. Er sollte jetzt Mathematik haben und ich wusste genau, dass er sein Essen immer in dem Klassenraum aß, wo er als Nächstes Unterricht haben würde. Deswegen nahm ich meine Beine in die Hand, damit ich ihn nicht allzu lange stören würde.

Ich erklomm die Stufen in den zweiten Stock und musterte bereits die ersten Schüler, welche mir entgegen kamen. Einige Jungs musterte mich von oben bis unten, was mir etwas unangenehm war, aber ich versuchte dies zu ignorieren. Bis mir mein Bruder ins Blickfeld fiel – und er war nicht alleine.

Neben ihm stand dieses Mädchen. Ich hatte sie schon öfter um meinen Bruder herum schwirren sehen. Sie war ebenso eine Drittklässlerin und ihr Name war glaube ich Yui Michimiya. Eine aufgeweckte Person, aber den Blick, den sie Daichi entgegen brachte – den kannte ich. So sah ich Koshi an und Tanaka Kiyoko. Sie war verliebt. In meinem Bruder.

Und so, wie ich ihn einschätzte, konnte er das nicht unbedingt meilenweit gegen den Wind riechen – wenn doch, wäre ich wohl ziemlich überrascht. Aber er war nicht ganz dumm, nein. Dennoch nahm er sich das Recht heraus, mich anzupampen, weil ich nach einer Beziehung rief. Dass er sich selbst nun ebenso vergnügte, wissentlich oder nicht, empfand ich als ungerecht.

Ich drehte mich um, trat wieder den Rückweg an. Warum wollte ich mich überhaupt entschuldigen? Wenn, dann sollte Daichi sich wohl bei mir entschuldigen! So ein Idiot! Ich fühlte mich nie so missverstanden, wie in diesem Augenblick von meinem Bruder. Es war unfair und ich war froh, dass ich meinen Frust nicht mit in den nächsten Unterricht nehmen musste. Denn glücklicherweise hatte ich nun eine Stunde lang frei – unsere Biologielehrerin bekam heute ihr Kind – und somit konnte ich mich bereits angenervt zur Sporthalle begeben.

Hingegen meiner Annahmen traf ich dort jedoch schon auf eine Anwesende – Kiyoko. Sie saß vor der Halle und versuchte mit Nadel und Faden einen großen Batzen Stoff zu flicken. Ich grüßte sie schon von weiter weg mit einem winken und setzte mich ihr gegenüber auf den Steinboden vor der Sporthalle.

„Was machst du hier?“, wollte ich neugierig wissen und legte fragend meinen Kopf schief. Shimizu lächelte mir zärtlich entgegen.

„Das gleiche könnte ich dich auch fragen. Hast du keinen Unterricht?“
Ich schüttelte überzeugt den Kopf: „Biologie fällt aus. Deshalb dachte ich … ich sollte schon mal herkommen.“

Kiyoko nickte, dass sie verstanden hatte und ließ mich nun auch nicht hängen: „Ich mache ein Banner fertig, für die Jungs. Nächste Woche ist die erste Runde des Vorentscheids. Und ich wollte, dass sie sich über etwas freuen.“

Dass Kiyoko sich so viele Gedanken machte, das freute mich irgendwie. Und genau deshalb entschied ich mich dazu ihr zu helfen. Und so saßen wir da, auf der kleinen Stufe vor der Turnhalle und flickten gemeinsam das große tiefschwarze Tuch in voller Erwartung, dass es den Junge gefallen würde und sie sich damit als Unterstützung noch mehr ins Zeug legen würden.

Wir beide hatten eine Menge zu tun, weshalb wir es gerade so schafften, das Banner fertigzustellen, kurz bevor die Jungs durch den Eingang der Sporthalle schneiten. Es noch schnell versteckt, um es schlussendlich nach dem Training zu präsentieren und dann ging es erst einmal an die Arbeit. Es war jedoch schwer, kaum aufzusehen. Yuu konnte ich nicht in die Augen schauen, genauso wenig wie Sugawara und vor allem Daichi nicht. Mit ihnen war die Situation nun seit mehr oder weniger einer Weile angespannt und es fiel mir schon schwer genug mit ihnen den Raum und die gleiche Atemluft teilen zu müssen. Es trieb mir den Angstschweiß auf die Stirn. Deshalb war ich froh, dass Trainer Ukai mir eine ganze Hand voll Zeitschriften am Anfang der beiden Trainingsstunden überreicht hatte, die ich nach Belieben durchstöbern konnte, um weitere Schwachstellen der Gegner zu finden. Außerdem eigneten sich die farbenfrohen Magazine perfekt, um mein Gesicht dahinter zu verstecken.

Ich vergaß die Zeit, während ich da saß und mir Bilder von Ushijima, Oikawa und Co anschaute. Deshalb tippte mich irgendwann eine Zarte Hand an und ich schaute direkt auf, in ein leicht rötlich leuchtendes Gesicht von Shimizu: „M-magst du mir helfen? Mit der … Überraschung.“

Sofort sprang ich darauf an, grinste ihr zu und nickte einverstanden, bevor ich mich von dem kühlen Hallenboden aufdrückte und gemeinsam mit der Managerin der Karasuno die kleine Treppe zu den Hochbauten der Turnhalle erklomm. Herr Takeda wusste von dem Spaß und trommelte zeitgleich die Jungs in einem Halbkreis zusammen und gespannt schauten sie zu uns hinauf. Mir schwitzten die Finger und ich konnte kaum die Fäden richtig greifen, um das Banner festzuschnüren, denn ich wusste, Nishinoya, Koshi und Daichi – sie alle – musterte mich bis aufs Mark.

Noch einmal tauschte ich mit Shimizu die Blicke aus, bevor sie mir das Go gab, die Plane hinunter zu lassen. Ein weißer Schriftzug erstreckte sich über den tiefschwarzen Untergrund und sofort veränderte sich jede Mine des Teams, in einen Schock. Selbst der von Tsukki. Ich schmunzelte breit, während ich darauf wartete, dass Shimizu noch etwas zu ihrer Idee sagte: „Ich habe es beim aufräumen gefunden und gemeinsam mit Kazuko geflickt. Wir dachten, ihr würdet euch sicherlich sehr freuen.“

Ich versuchte mir ein Lächeln aufzuzwingen, denn ich musste ja in die Gesichter der Jungs schauen. Dann sollte ich mir wenigstens Mühe geben, ihnen etwas vorzulügen – besonders, wenn es schon die letzten Wochen nicht so funktioniert hat. Doch Kiyoko war noch nicht fertig, sie stammelte noch etwa vor sich hin, was mir endlich ein ehrliches kleines Grinsen auf die Lippen setzte: „G-gebt euer bestes!“

Ihre Nervosität trieb sie schnell von der imaginären Bühne, was die Jungs in einem langen schweigen zurück ließ. Aber ehe ich mich versah, schauten sie zu mir und ich konnte nicht anders, als tief zu schlucken. Dennoch, mein Blick hing lange an meinem Bruder, der mir im Moment so ziemlich gestohlen bleiben konnte. Aber auch ich konnte mir ein angespanntes „Ja, gebt euer bestes.“ nicht verkneifen. Und damit war auch mein Auftritt auf der Bühne beendet.

Warum auch immer hatte Daichi heute wieder seine Spendierhosen an und gab dem Team erneut einen Nikuman aus. Es war ein lauter Trubel um Ukais Geschäft, wie Daichi das Essen austeilte, danach jedoch löste sich die Gruppe allmählich auf und was übrig blieb, war mal wieder das Dreigespann zwischen Suga, Daichi und mir. Ich wartete ehrlich gesagt nur darauf, dass mich einer der beiden blöd von der Seite anquatschte und sowas fragte, wie „heute gar nicht mit Noya unterwegs?“. Das war echt das letzte, was ich nun gebrauchen konnte, aber es kam nichts. Eine Zeit lang kam generell überhaupt nichts. Es war einfach still und wir drei knabberten an unserem Nikuman rum. Dann kam mir jedoch eine Idee und ich wollte den Spieß endlich mal umdrehen.

„Also, Bruderherz, du und Michimiya, ja?“, ich grinste meinen Bruder von der Seite an und zwinkerte ihm zu. Er war so auf den Zeiger gefallen, jetzt war meine Zeit zu scheinen. Vielleicht würde er dann nachvollziehen, wie es sich anfühlte, durchlöchert zu werden mit fragen, wie ein Schweizer Käse.

Erschrocken und mit leicht roten Wangen schaute er zu mir hinab und schluckte angespannt: „B-bitte? Keine Ahnung, was du dir da wieder einbildest, aber ganz sicher ist da nichts.“
Ich wusste nicht, ob ich mich direkt darüber echauffieren sollte, dass er mich indirekt verpeilt nannte, aber ich behielt den Druck dennoch erstmal in mir und knirschte grinsend mit den Zähnen: „Sicher? Als ich euch heute in der Pause gesehen habe, wirktet ihr auf mich sehr intim miteinander.“

Ich gab zu, ich reagierte über. Die beiden hatten sich ja nicht einmal umarmt oder waren sich näher gekommen, als eineinhalb Meter. Dennoch wollte ich ihn vor Koshi etwas aufziehen. Daichi hatte es verdient, denn wenn ich durch dieses Theater durch sollte, konnte er gleich mit mir durch die Hölle gehen.

„Hör‘ jetzt endlich auf, dich wie ein kleines Kind zu benehmen. Außerdem geht doch das überhaupt nichts an“, da war es, der Satz, auf den ich gehofft hatte. Genau deshalb zog ich die Bremse, blieb sofort stehen und sowohl Koshi, als auch Daichi drehten sich zu mir um. Der eine verwirrter dreinschauend, als der andere. Ich ballte meine Hände zu Fäusten.

„Ja, es ist unfair, wenn sich Außenstehende in deine Privatangelegenheit einmischen, nicht?“, murmelte ich leise vor mich hin und ich sah Daichi schon die Augen verdrehen. Typisch – wenn es ihn nicht betraf, dann war es egal, zumindest wenn es um seine Schwester ging. Nein, ich hatte kein eigenes Leben. Das war vermutlich nicht einmal Daichi selbst geschuldet. Mum und Dad liessen uns ja immer alleine – kein Wunder, dass mein Bruder mich so exzessiv schützen sollte. Aber ab einem bestimmten Punkt im Leben, ging es zu weit. Und dieser Punkt war vor einigen Tagen endlich erreicht gewesen.

„Bei dir ist das etwas anderes, du-“, nein, diesen Quatsch wollte ich mir nicht anhören. Schnell ging ich dagegen an und wurde etwas lauter, um Daichis tiefe Stimme zu übertönen. Sugawara stand erneut zwischen den Fronten und es würde mich nicht wundern, wenn er bald nicht mehr mit uns nach Hause gehen würde.

„Ich bin was? Zu jung? Ich bin nur ein Jahr jünger als du. Ich bin ein Mädchen? Und? Selbst dann geht es doch nichts an. Vor ein paar Wochen hast du mich noch angefleht, doch nicht hängen zu lassen! Jetzt würde ich das mit Leichtigkeit tun, wenn du nicht mein Bruder wärst. Aber hör‘ mir mal gut zu, ich sag‘ dir mal was“, ich kam auf die beiden zu, wandte meinen Blick jedoch durchgängig nur auf Daichi, „wenn du und Michimiya zusammen kommt, dann freue ich mich für dich. Ich werde euch unterstützen, wo ich kann. Und genau das hättest du auch zu mir sagen sollen – so machen das nämlich sich liebende Geschwister.“

Ich zog zwischen den beiden hindurch und rempelte Daichi sogar noch mit meiner Schulter an. Ich hoffte, er würde nachdenken. Denn ich würde ihn unterstützen, egal, wie. Ich würde ihnen ihre Zeit zu zweit geben. Ich würde das Wohnzimmer aufräumen, wenn Michimiya überraschend vorbei kommt, damit Daichi nicht dumm dastehen würde. Ich würde für die beiden kochen, ohne etwas für mich selbst zu machen. Aber all das hätte Daichi in diesem Moment nicht getan. Und das, obwohl er mich und Yuu gut kannte.

Und wenn man vom Teufel sprach, flatterte schon die nächste Mail in meinen Postkarten. Yuu wollte reden. Über das Gespräch und vermutlich über die Küsse. Aber ich wollte nicht. Deshalb blockte ich jedes seiner Hallos ab. Ich ging ihm auf dem Weg, schaute ihn nicht an und die ersten würden das bereits gemerkt haben.

Die Fake Beziehung ging den Bach runter, die Beziehung mit meinem Bruder ging ebenso gegen die Hunde und meine Mission würde scheitern, wenn ich keine Lösung fand. Jetzt gerade wirkte alles irgendwie aussichtslos und ich fand keinen Weg, der etwas Licht und weniger Chaos versprach.
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