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To the top (of your heart)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
38
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
13.11.2020 1.882
 
Ich schrieb Kenma, dass ich jemandem zum reden brauchte und dass wir uns am üblichen Platz treffen würden. Eine Umarmung des kleinen Katers würde alles wieder hinbiegen. Da es jedoch bereits spät war und ich genau wusste, dass Kenma über seine Veranda abhauen musste, machte ich einen Umweg zur Tankstelle, um zwei Trinkpäckchen Bananen Milch zu ersteigern. Davon hatten wir beide etwas und Kenma käme nicht vollkommen umsonst. Denn manchmal, da glaubte ich, dass ich nicht gerade die beste Freundin war, die man haben konnte.

Mit den Händen in den Jackentaschen kam ich am Spielplatz an. Ich war nicht die erste von uns beiden, die hier angekommen war. Dennoch saß jemand anderes auf der Schaukel und schwang bereits etwas nach vorne und hinten. Er stoppte jedoch, als ich vor ihm anhielt: „Wo ist Kenma?“

„Liegt mit einer Grippe im Bett. Er hat mich geschickt, damit er dich nicht ansteckt“, ich seufzte vor Kuroo aus, nahm es jedoch an und ließ mich neben ihm auf die zweite der schaukeln nieder. Eine kurze Zeit war es still zwischen uns, denn ehrlich gesagt war mir nicht sicher, ob ich Kuroo mit meinen Problemen vollquasseln sollte. Wir kannten uns nicht lange, auch nicht allzu gut. Wieso würde ihn das sowieso interessieren?

„Was ist nun dieser Notfall?“, Kuroo schaute mich von der Seite an, bevor ich jedoch darauf eingehen wollte, reichte ich ihm eines der kleinen viereckigen Milchpäckchen entgegen. Er zog verwundert eine Augenbraue hoch, nahm es dennoch entgegen.

„Ich weiß nicht, ob du auch Bananen Milch magst. Es ist Kenmas Lieblingsgetränkt. Aber du kannst es gerne haben“, er musterte die gelbe Verpackung, bevor er den Strohhalm befreite und in die passende Öffnung steckte. Als wolle er anstoßen, hielt er mir das Päckchen entgegen. Ich grinste, tat das gleiche, wie Kuroo und wir stießen mit der leckersten Bananen Milch an.

Er nahm einen kräftigen Zug, bevor er das Wort noch einmal in den Mund nahm: „Also, was ist passiert, Fremde?“

Ich konnte nicht anders, als zu grinsen bei diesem komischen Spitznamen, deshalb wechselte ich direkt das Thema: „Nenn‘ mich bloß nicht so. Du kennst doch meinen Namen. Ko ist auch noch gut. Ansonsten denk‘ dir was aus. Aber so fremd sind wir uns nun auch wieder nicht.“

Auch Kuroo musste kurz Lächeln, aber er wollte mich nicht entkommen lassen. Es war wohl auch dumm das von mir zu denken – dass er einfach aufgeben würde. Nachdem er und ich einen erneuten Zug der Milch genommen hatten, grinste er breit: „Fein. Wenn du mir dein Problem verrätst, dann überlege ich mir einen Spitznamen, Fremde.“

Ich schüttelte den Kopf, aber es war amüsant. Und weil Kuroo anstatt Kenma den weiten Weg auf sich genommen hatte, so spät in der Nacht, wollte ich ihn nicht umsonst kommen lassen: „Dieser kleine Libero vom Trainingscamp – Nishinoya. Den ihr im Einkaufszentrum getroffen habt. Er hat Gefühle für mich entwickelt. Obwohl er nur Teil des Plans war und nun habe ich keinen Schimmer, was ich tun soll. Zum weiteren Übel habe ich mich ganz schön mit Daichi in den Haaren. Vermutlich, weil er wirklich felsenfest glaubt, dass Noya und ich ein paar sind.“

Kuroo hörte mir gebannt zu, während er an seiner Milch schlürfte und sie nach drei Zügen schon beendet hatte. Ich war überrascht, er hatten nen guten Zug drauf. Meine Packung war noch ungefähr halb voll gewesen. Aber ich holte auf, während Kuroo das Gespräch in die Hand nahm: „Ich hatte mir sowas in der Art schon gedacht. Er hat versucht, es nicht raushängen zu lassen, aber im Einkaufszentrum hat man’s schon meilenweit gerochen. Und? Empfindest du etwas für ihn?“

Ich nahm den letzten Schluck und spielte dann angespannt an meiner Verpackung herum: „Nein. Er ist ein toller Freund aber mehr als das auch nicht … und dass ich seine Gefühle nicht erwidern kann, das tut mir so leid. Weil ich genau weiß, wie sich das anfühlt.“

„Wer kennt dieses Gefühl nicht?“, Kuroo schaute kurz in die Ferne und ich beobachtete ihn eine Zeit lang. Seine dunklen Haare fielen ihm in einer Art seitlicher Pony ins Gesicht und verdeckten sein linkes Auge etwas. Er war bereits ein Drittklässler, wie Koshi auch. Aber Kuroo schaute viel älter aus – irgendwie reifer. Er war ein ganz anderer Typ Junge, als Daichi, Suga oder Noya.

„Und dein Bruder? Was ist mit ihm? Er scheint ein Kerl zu sein, der Ärger anzieht“, ich erinnerte mich an die Kuroo und Daichi im Trainingscamp. Sie gerieten direkt aneinander und duellierten sich mit ihren Blicken – es brachte mich kurz zum grinsen. Schnell jedoch verfiel ich wieder in eine ernstere Mine.

„Er ist aktuell ziemlich egoistisch und ich weiß nicht, warum. Ich soll ständig, alles machen, was er sagt. Ich bin doch nicht seine Dienerin! Aber vor allem … hört er nicht zu und hat gar nicht gesehen, dass mich etwas belastet, dabei ist er mein Bruder“, seufzte ich leise und ließ meinen Kopf hängen. Erst, als Kuroo von der Schaukel aufstand, sich hinter mich stellte und damit anfing, mich anzuschupsen. Immer und immer mehr, solange bis ich glaubte den Himmel berühren zu können.

Ich lachte, laut. Und es war mir egal, ob ich die Nachbarn stören würde, denn dass Kuroo versuchte mich abzulenken, mit den absurdesten Sachen, das machte mich glücklich. Und es war das, was ich in diesem Moment am meisten gebraucht hatte - Ablenkung.

„Halt dich fest“, trug Kuroo mir plötzlich auf und er hielt mich langsam an. Stellte aber sicher, dass ich mich nicht verletzten würde, was ich als sehr zuvorkommend erachtete.

„Danke dir. Für die Hilfe“, ich stieg von der Schaukel hinab und zog meine Jacke etwas zurecht und wuschelte mir folglich kurz durch meine zerzausten schulterlangen Haare, „wünschst du Kenma von mir eine gute Besserung und gibst du ihm bitte das hier?“

Unangekündigt fiel ich Kuroo in die Arme und drückte mich fest an seinen Oberkörper. Nachdem er darauf eingegangen war, beugte er sich etwas zu mir hinab, damit es leichter war, ihn zu umarmen. Mein Kopf fand Platz auf seiner Schulter und eigentlich, da wollte ich das gar nicht, aber ich vergrub meine Nase kurz in Kuroos weichem Hals. Bis ich meinen Kopf etwas anhob und ihm vorsichtig ans Ohr atmete: „Lass‘ mich nicht wieder hängen und schreibe mir, wenn du zuhause bist, du Blödeimer.“

Kaum hatte ich zu Ende gesprochen, wurde Kuroos Griff um meine Hüfte auf einmal fester und er pflückte mich, wie ein Gänseblümchen vom Erdboden: „Warum bin ich denn der Blödeimer!“

Ich lachte auf und strampelte etwas mit den Beinen: „Na, weil du nicht mein Katerchen sein kannst! Den Platz belegt Kenma schon.“

Kuroo und ich hielten Blickkontakt, den wir keine Sekunde lang unterbrachen. Es war ganz komisch, irgendwie, aber dennoch fühlte ich mich wohl. Beschützt, geachtet und vor allem geheilt. Es war schön – angenehm. Dennoch setzte Kuroo mich nach einiger Zeit am, legte dafür aber seine große Pranke auf meinem kleinen Kopf nieder: „Komm‘ Gut nach Hause, Kleine. Ruf‘ mich an, wenn du dich unwohl-“

Dass Kuroo stoppte, das ließ mich kurz verwirrt zurück, als ich mich jedoch in die Richtung drehte, in welche auch der große Kerl schaute, verstand ich direkt wieso. Koshi stand etwa fünf Meter von uns entfernt und ich fragte mich direkt, ob er und mein Bruder nach mir gesucht hatten. Der nächste Aufstand wartete bereits aufs mich.

„Ich muss, glaube ich los. Wir sehen uns, Kuroo. Danke nochmals“, murmelte ich zu ihm hinauf und am liebsten wollte ich ihm ebenso durch seine wilde Frisur wuscheln, aber Kuroo war viel zu groß für mich gewesen. Deswegen unterließ ich es, wandte mich von ihm ab, sah jedoch noch einmal zurück. Kuroo stratzte davon, seine Hände in seinen Hosentaschen versunken und ich konnte nicht widerstehen, zu Lächeln. Danke dir, Kuroo. Du hast meinen Abend besser gemacht.

Und dennoch stieß ich auf Sugawara. Seine Hände ebenso tief in den Taschen seiner Hose vergraben. Er stand da, am Eingang des Spielplatzes und schaute mich heran, während ich unter seinen Blicken hindurch die Sandgrube verließ und auf die Zwischenstrasse abbog. Koshi kam mir hinterher und holte schnell auf, denn seine Schritte fielen deutlich größer aus, als meine.

Wir schwiegen eine Zeit lang, aber als ich feststellte, wie ich vor Sugawara nicht weglaufen konnte, stoppte ich im Tempo und fiel etwas zurück. Und so kam es, dass wir nebeneinander hergingen  und für einige Zeit lang schwiegen. Aber mich beschlich nach und nach das Gefühl, dass es nicht lange so zwischen uns bleiben würde. Ich sollte im Recht liegen.

„Ich-“, aber noch bevor er überhaupt einen kompletten Satz oder zwei Worte bilden konnte, ging ich schon dazwischen, denn ich konnte mir schon in etwa vorstellen, was er mir gegenüber sagen würde. Deshalb drängte ich mich vor.

„Wenn du mir jetzt erklären willst, wie doof du das findest, dass Noya und ich ein Paar sind, dann kannst du das direkt unterlassen. Und ich werde mich auch nicht bei Daichi entschuldigen – er hat keine meiner Entscheidungen akzeptiert“, maulte ich auf, aber es kam erst keine Reaktion von Seiten Koshis. Es dauerte kurz – vermutlich ging er sicher, dass ich auch wirklich fertig wäre.

„Eigentlich wollte ich sagen, dass Daichi wirklich nicht sonderlich erwachsen reagiert hat und mir das leid tut“, ich fühlte mich sofort schlecht, denn ich hatte nicht mit dieser Antwort gerechnet. Deshalb sollte ich mich wohl entschuldigen – oder?

Erneute Stille. Ich traute mich nicht Koshi anzuschauen, denn ich hatte eventuell etwas überreagiert. Dennoch, auf der anderen Seite wollte ich mich nicht schlecht fühlen. Daichi hatte meine Bitten nicht einmal angenommen und auch nicht eine Sekunde auf meine Gefühlslage geachtet.

„Du musst dich dafür nicht entschuldigen. Wenn dann, sollten mein Bruder und ich uns bei dir entschuldigen – du stehst oft zwischen den Fronten in letzter Zeit“, murmelte ich leise vor mich her, bis ich merkte, dass sich wieder eine stille auftun wollte – deshalb lenkte ich schnell dagegen, „aber ich wollte dir noch etwas anderes sagen.“

Mein Blick ging zu unserer Haustür. Wir waren bereits an unserem Gartentor angekommen und Daichi stand laut schnaufend in der Tür. Mir war wohl bewusst, dass es gleich scheppern würde – das war mehr als glasklar gewesen. Dennoch nahm ich mir die Zeit, denn das hier war wichtig. Denn ich wusste nicht, ob Suga mir nochmal die Chance zu so einem ruhigen Gespräch geben würde.

„Es ist einfach. Wenn du es zulassen würdest, dann wäre es einfach und wenn du es bis jetzt noch nicht wusstest“, ich wusste nicht, ob er mich ihn umarmen lassen würde, deswegen beließ ich es dabei und öffnete bereits das Gartentor, „ich habe dich angelogen.“

Ich brach den Augenkontakt zu Sugawara ab und trat angespannt durch das Gartentor. Es fühlte sich an, als würde ich meine letzte Meile gehen, bevor ich schlussendlich im Todestrakt ankommen würde. Aber was sollte ich tun? Daichi war mein Bruder, ich liebte ihn und ich würde ihn immer lieben, aber ich musste zugeben, aktuell befanden wir uns in einem Streit, der noch nie schlimmer gewesen war.

Angespannt zog ich an ihm vorbei, aber er prangerte mich mit seinen Blicken an: „Wir unterhalten uns in der Küche.“

Ich nickte es ab. Suga ging nach Hause, während ich mir eine Abreibung abholen durfte. Ich war mir nicht sicher, ob ich den heutigen Abend überleben würde. Und wenn, dann hatte ich Angst vor dem morgigen Tag, denn dann musste ich Nishinoya wieder gegenüber treten.
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