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To the top (of your heart)

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Kozume Kenma Nishinoya Yuu Oikawa Tooru Sawamura Daichi Sugawara Koushi Ushijima Wakatoshi
23.10.2020
24.12.2020
67
150.338
42
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
11.11.2020 2.335
 
Es war fast mutig von Suga noch zu bleiben. Ich hatte auch kaum damit gerechnet. Trotzdem kam er mit uns dreien durch die Tür und ich legte angespannt Jacke und Schuhe ab. Genauso tat es auch Noya und ich schickte den Jungen bereits zur Treppe vor, bevor ich mich noch einmal an Daichi wandte: „Noya bleibt nicht zum Essen. Ich komme später runter – wir gehen jetzt was lernen. Bis nachher.“

Ich zog eine kurze Beuge, denn eigentlich war es unhöflich gegenüber Koshi. Dennoch drehte ich mich danach von beiden weg und erklomm zusammen mit Yuu die Treppe hoch in Richtung mein Zimmer.

„Mach‘ keinen Quatsch!“, hörte ich es noch hoch rufen und am liebsten wollte ich sowas zurück schreien, wie ‚geht dich nichts an!‘. Aber die Situation war schon angespannt, also musste man sie nicht noch mehr ins negative ausweiten.

Mit einem Lächeln im Gesicht öffnete ich Noya meine Zimmertür und bat ihn in mein bescheidenes Reich hinein: „Setz dich hin, wo du magst.“

Meine Tasche fand Platz auf meinem Schreibtischstuhl und ich nahm mir die nötigsten Dinge heraus – Block, Stift und Buch. Dann nahm ich mir das Recht heraus, mich auf mein Bett zu pflanzen und mich dick und breit dort hinzulegen. Noya setzte sich auf den Boden und lehnte sich an meinen Bettkasten. Es stand englisch auf dem Plan. In den nächsten zwei Wochen standen diverse Tests an und auch eine größere Klausur. Ich war in Englisch besser, als er, weshalb es heute vor allem Noya etwas bringen sollte.

Wir quälten uns durch diverse Vokabeln, welche dem Thema der Arbeit nahe lagen und ich half Nishinoya auch bei diversen Zeitformen. Ich lernte sogar selbst noch ein wenig was dazu, also war es schlussendlich auch hilfreich für mich gewesen. Nach etwa einer Stunde tauschten wir jedoch die Plätze und nun saß ich auf dem Boden und Noya lag auf meinem Bett. Es würde diese Nacht wohl nach ihm riechen.

„Magst du dir das hier mal ansehen? Gehört zur Aufgabe A3“, Noya reichte mir einen A4 Zettel, mit ungefähr 15 Zeilen an Text. Ich nahm ihm das Blatt ab, legte meinen Kopf in meinen Nacken und somit auch auf die Matratze meines Bettes und hielt das Blatt direkt über mein Gesicht, während ich stillschweigend las.

„Das sieht schon ziemlich gut aus. Pass nur auf, dass du die Zeitformen nicht durcheinander bringst. In diesem Satz hier solltest Du das Simple Past benutzen“, ich schaute Noya über Kopf an und grinste breit, während ich ihm gleichzeitig den Zettel wieder zurück reichte. Er lass sich den Satz direkt durch und nickte – seinen Fehler schien er also verstanden zu haben, was mich erleichtert zurück ließ. Ich konnte ihm also wirklich etwas beibringen.

Ich beobachtete Noya die ganze Zeit dabei, wie er seinen Fehler ausbesserte, das fiel mir selbst aber gar nicht so auf. Erst, als er näher zu mir rückte und sich in meinem Blickfeld bewegte, kam ich aus meinen Gedanken zurück.

„Kazuko“, sprach er leise und schaute mir direkt in die Augen. Noya war sonst immer sehr laut und ihn nun flüstern zu hören, das war mal was ganz anderes.

Ich legte meinen Kopf etwas mehr schief, denn anscheinend wollte er mir etwas sagen, aber anstatt Worte in den Mund zu nehmen, drückte er sich nur sachte von meiner Matratze auf und kam mehr auf mich zugekrabbelt. Wir unterbrachen nicht eine Sekunde unseren Blickkontakt. Und was auch immer er vorhatte, ich ließ es geschehen.

Ich ließ es geschehen, wie Noyas Hand meinen Hals hinauf fuhr, direkt über meine Wange und seine Finger leicht mein Ohr streiften. Und ich ließ es auch geschehen, wie er mit seinem Kopf näher an meinen kam und mich über Kopf hinweg küsste. Seine Küsse waren verlangend und ich wusste kaum mit ihnen umzugehen – vor allem wusste ich jedoch nicht, wieso. Dennoch erwiderte ich, wollte nicht zurück ziehen, denn Noya hatte es nicht verdient.

Vorsichtig ließ ich meine Hand in seinen Nacken gleiten, um ihn zu halten. Und Noya wollte nicht aufhören. Seine Küsse wurden gieriger, aber trotzdem blieben sie sanft und zärtlich. Ich wusste nicht, wohin mit mir. Und als er schlussendlich kurz in meine Unterlippe biss und mir somit das rot ins Gesicht und fast ein Stöhnen aus meinem Mund trieb, stoppte ich ihn mit einem kurzen Griff in den Nacken.

„H-hey, du musst das jetzt nicht machen. Uns beobachtet doch niemand“, murmelte ich leise und versuchte mir ein Lächeln auf die Lippen zu zwingen. Noya gewann etwas Abstand und wir setzten uns beide ordentlich auf, um ein anständiges Gespräch zu führen.

„Sorry, ich wollte nicht aufdringlich sein oder so“, Yuu lief selbst etwas rot an und griff sich an seine Stirn. Ich konnte nicht anders, als meine zu runzeln, denn ich verstand nicht. Warum machte er jetzt so dicht? War etwas passiert, wovon er mir nicht erzählen wollte?

Ich setzte mich gerader hin: „Ist etwas passiert? Du wirkst die letzten Tage so, als würde dich etwas beschäftigen. Hat Kiyoko etwas zu dir gesagt?“

Als ich ihren Namen sagte, wurde Noya nicht so hellhörig, wie sonst immer. Alleine das war schon merkwürdig, weshalb ich direkt eine Augenbraue etwas in die Höhe zog. Er sprach dennoch weiter und ließ mich nicht im dunklen stehen: „Es hat dir doch gefallen, oder?“

Er trieb mir die Röte noch mehr ins Gesicht und mir wurde ganz heiß und schlussendlich verschlug es mir sogar etwas die Sprache. Ich war verwirrt, denn meine Frage ging doch in eine komplett andere Richtung. Wieso nun das?

„D-Du bist ein guter Küsser, j-ja. Aber wir machen das doch nur für den Plan“, brabbelte ich verwirrt zurück und schüttelte meinen Kopf von allen anderen Gedanken frei, denn das hier brauchte nun meine komplette Aufmerksamkeit.

Als Nishinoya jedoch nicht antwortete, da dämmerte es mir. Den meisten wäre es wohl nicht aufgefallen und auch mir war es viel zu spät klar geworden: „Noya, vergiss‘ den Plan jetzt nicht. Du bist in Kiyoko verliebt. Du wünscht dir, das mit ihr zu machen. Ich bin nur der Platzhalter.“

Er seufzte auf: „Genau so ist es nicht. Egal, ob ich dich ansehe oder versuche mir mit geschlossenen Augen Kiyoko herbei zu wünschen – ich komme doch nur immer wieder bei dir an.“

Es war so schwer nachzuvollziehen, das Noya mir das beichtete. Deswegen schien er wohl auch die ganze Zeit so angespannt – weil er nicht wusste, wie er sich um mich herum verhalten sollte. Weil alles ab einem bestimmten Punkt wahr gewesen war. Ich wusste nur nicht ab welchem Punkt, aber das war auch egal. Der Plan war damit fast hinfällig, wenn Noya dieses Verhalten nicht sofort ablegen würde.

Angespannt erhob ich mich und versteckte mich durchgehend unter meinem braunen Pony, der mir tief ins Gesicht fiel: „Es ist mir wohl bewusst, dass Plan Sugawara stagniert, a-aber …“
Das war alles zu viel für mich gewesen. Nishinoya und ich hatten seit Anbeginn eine platonische Freundschaft am Laufen und ich wollte nie über diesen Status hinweg. Auch nicht mit einer Fake Beziehung und dass es jetzt so nach hinten losging, das hatte ich nicht ein einziges Mal auf dem Schirm gehabt.

„Entschuldige, wenn es nicht so läuft, wie du es dir vorstellst. Aber du wirst genauso gut wissen, wie ich, dass Gefühle etwas sind, was unbeeinflussbar ist.“

Auch Noya erhob sich von meinem Bett und wollte auf mich zukommen, aber mit einem gekonnten Schritt nach hinten, direkt gegen meine Tür, wollte ich Abstand halten. Das wäre wohl etwas, was wir jetzt auf Dauer auch gut gebrauchen könnten – ich musste mir für die Mission einen neuen Plan einfallen lassen.

„Du solltest jetzt erstmal nach Hause gehen, Noya“, murmelte ich leise und hoffte, er würde einfach annehmen. Für einige Sekunden war es still um uns und gerne hätte ich gewusst, was Nishinoya dachte. Auf der anderen Seite war es unglaublich schwer, sich nur eine weitere Silbe davon anzuhören. Deswegen war ich froh, wie ich hörte, dass Noya nach seinen Sachen griff und an mir vorbei zog, direkt durch die Tür und in den Flur abbog.

Ich ließ es mir dennoch nicht nehmen, ihn zu begleiten. Dass wir uns jedoch unter den Blicken von Suga und Daichi verabschieden musste, machte es nur noch weiter unnötig schwer. Ich schlang meine zittrigen Arme um Noyas Körper und er tat das gleiche bei mir. Es trieb mir fast die Tränen in die Augen, denn ich wusste genau, wie Nishinoya sich nun fühlen musste, wenn er keinen Quatsch erzählte. So, wie ich, als Koshi mir eine Abfuhr erteilt hatte. Grauenhaft.

„Es tut mir leid“, flüsterte ich leise in sein Ohr und küsste sanft seine Wange, bevor ich lauter aussprach, „wir sehen uns morgen.“

Nishinoya konnte nur nicken, woraufhin ich mit einem angespannten Gesichtsausdruck die Haustür für ihn öffnete und ihm noch lange hinterher schaute. Er drehte sich nicht ein Mal um und es tat mir in der Seele weh, ihm so zu sehen. Noya hatte das nicht verdient. Und doch, ich konnte seine Gefühle nicht erwidern und deshalb war es leider Gottes besser so.

„Kaaaazukooooo!“, ich erschrak, als Daichi so laut nach mir rief. Mit aufgerissen Augen blickte ich direkt zu ihm in die Küche, während ich die geöffnete Tür noch in meinen Händen hielt. Erst, als ich mich wieder einkriegte, schloss ich die Haustür und schleppte mich mit hängendem Kopf an den Küchentisch.

Daichi hatte sich heute gar keine Mühe gegeben mit dem kochen. Einen Salat angemixt und eine Hühnersuppe aus der Tüte aufgekocht. Alles wäre besser gewesen, als das und ich war mir sicher, dass dieses Mahl nicht ausreichen würde, um meine Trauer mit fressen zu ersticken. Dennoch füllte ich mir drei Kellen in meine Schüssel, immer unter Beobachtung der beiden Jungs und nickte dann kurz mit meinem Kopf: „Danke fürs Essen.“

Ich begann schon damit mir einen Löffel nach dem anderen in den Mund zu schieben und verbrannte mich direkt an der ersten Portion. Es machte mich jedoch deutlich aggressiver, dass die beiden Kerle mir gegenüber nichts besseres zu tun hatten, als mir durchgehend in die Seele zu schauen, weshalb ich irgendwann die Zähne fletschte: „Kann ich euch helfen? Man starrt eine Frau nicht an, wenn sie isst.“

Zu Ende gesprochen, wandte ich mich wieder meiner Suppe zu, aber Daichis massives Augenrollen entging mir dennoch nicht: „Oh, die Werte Dame bringt wieder ihre schlechte Laune mit.“

Mein Geduldsfaden war kurz. Besonders heute. Besonders jetzt. Aber ich wollte keinen Aufstand schieben. Koshi hatte in den letzten Wochen schon genug Streit gehabt. Mit mir, mit anderen und vor allem stand er bei Daichi und mir immer zwischen den Fronten. Deshalb nickte ich Daichis gesagtes erst einmal ab, damit keine weiteren Spannungen provoziert werden würden. In diesem Moment aber bereute ich das erste mal, Plan Sugawara überhaupt in die Tat umgesetzt zu haben.

Ich aß zu Ende, wollte nicht unbedingt eine zweite Portion, sondern am liebsten einfach aufstehen, ins Bett und Kenma die Ohren vollheulen. Deshalb stellte ich mein Geschirr kompakt zusammen, atmete tief ein und schaute zu beiden Jungs auf: „Darf ich aufstehen? Ich fühl‘ mich nicht so gut und würde gerne ins Bett gehen.“

Daichi knabberte auf seinem Salat herum, schaute mich für einige Sekunden ohne etwas zu sagen an, und als er sein Essen herunter schluckte und seine Stäbchen niederlegte, ging mir das schon in die falsche Richtung: „Du bleibst jetzt sitzen. Das ist unhöflich gegenüber dem Besuch.“

Da war er wieder. Der nervende Bruder, der schon wieder diesen Zwang aufsetzte, dass ich mir DIE Blöße vor Sugawara gab. Warum machte er das in letzter Zeit so häufig? Und vor allem immer bei Suga? Es war zum kotzen. Besonders, weil ich mich grundlegend schlecht fühlte, wenn ich in Sugawaras Augen schaute, denn sie prangerten mich nicht nur an, sondern schienen auch todtraurig zu sein.

„Schieb‘ bitte nicht wieder diesen Aufstand. Ich möchte wirklich ins Bett, Daichi“, spätestens jetzt sollte er wissen, dass es mir wichtig war. Ich sprach ihn nur mit Namen an, wenn es wirklich wichtig war und wenn ich einfach etwas Zeit für mich brauchte. Sei es, weil ich eine schlechte Note geschrieben hatte oder mein Kopf unaufhörlich weh tat.

„Hast du mir nicht zugehört? Die fünf Minuten wirst du wohl auch noch haben.“

Meine Augen weiteten sich und ich starrte Daichi direkt in die Seele. Sugawara neben ihm versteckte sich schon unter seinen grauen Haarsträhnen, welche ihm tief ins Gesicht hingen. Vermutlich wusste er meinen Gesichtsausdruck bereits zu deuten, denn war war soweit. Meine Hutschnur war mit einem lauten Knall gerissen.

Mit einem genauso lauten Knall, wie ich von meinem Stuhl aufsprang und meine flachen Hände auf den Tisch drückte: „Ich glaube, du hast mir nicht zugehört! Keine Ahnung, was du mit deinem Affentheater bewirken willst, aber du kannst mir mal den Buckel runterrutschen, Daichi Sawamura!“

Daichi reagierte, genauso wich ich. Er drückte ruckartig seinen Stuhl zurück und bäumte sich mir gegenüber auf. Ich konnte froh sein, dass der Tisch zwischen uns stand und vor allem, dass Koshi da war, um Daichi etwas auf Abstand zu halten: „Du bist wirklich unausstehlich geworden! Darüber kannst du dir mal genauer den Kopf zerbrechen, wenn du deinen zweiwöchigen Hausarrest absitzt!“

„Okay, jetzt reichst mir“, murmelte ich in mich hinein, rückte meinem Stuhl zurück an den Tisch und begab mich in den Flur, wo ich in meine Schuhe schlüpfte und meine Jacke vom Harken der Garderobe nahm. Übergestülpt und durchgeschlüpft, riss ich die Haustür auf und fiel die Treppen in den Garten hinab.

„Kazuko! Du bleibst jetzt hier!“, Daichi hing mir an den Fersen, ließ aber am Gartentor von mir ab, wo ich meinen Mittelfinger in die Höhe hob.

„Du bist nicht Dad!“, war das letzte, was ich ihm entgegen rief, bevor ich meine Beine etwas in die Hand nahm und in die nächsten Seitenstraßen bog, damit mein Blödarsch von Bruder mir nicht folgen konnte. Das war doch wohl jetzt die Höhe. Ich glaubte, seine Verantwortung war ihm langsam zu Kopf gestiegen. Da führte er sich doch tatsächlich auf, wie unser Vater – das Verhalten sollte er schnell ablegen. Denn so würde er nur noch mehr Uneinigkeiten auf den Plan zaubern.
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