Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Seminar am Mondsee

von AJ1305
GeschichteDrama / P16 Slash
Paul Richter Stephan Sindera
22.10.2020
12.01.2021
20
25.202
7
Alle Kapitel
60 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
22.10.2020 989
 
Tom betätigte den „Drucken“ Button und blickte zufrieden zu dem Gerät, welcher gerade seinen geschriebenen Abschlussbericht ausdruckte. Er war wirklich sehr glücklich. Er hatte sich anfänglich echt schwergetan, die Tat zu schildern und zu erklären, so dass es auch ein Außenstehender verstehen konnte.

Es war nichts von Bedeutung. Zumindest nicht für Außenstehende. Es ging um einen Pfandleihbetrug. Der Beschuldigte hatte sich ein Pfanddarlehen genommen und seinen PKW als Pfand hinterlassen. Allerdings nur auf dem Papier, er hatte trotzdem noch das Nutzungsrecht für den PKW. Allerdings hatte der Beschuldigte weder Zinsen, Mahnspesen noch das Darlehen zurückbezahlt. Er war samt PKW abgetaucht. Alles eigentlich leicht verständlich. Aber dies alles in einen Bericht mit diesem verdammten Beamtendeutsch zu schreiben, nicht immer so einfach. Aber Tom fand, dass es ihm gut gelungen war und die Leser dieses Berichtes eventuell das Gefühl hätten, dass er ein intelligenter Mensch war.

Zufrieden stand er auf, nahm die ausgedruckten Blätter aus dem Drucker und heftete diese an die bereits ausgedruckte Vernehmung. Er blickte nochmal darauf und machte sich gerade daran, den Bericht zu unterschreiben, als er Geräusche aus dem Gang hörte.

Es war nichts besonders, unter der Woche, vor allem um dies Zeit war viel los auf der Wache. Doch irgendwas an der Tonlage der Stimmen, animierte ihn, nach draußen zu treten.

Paul und Michael kamen gerade herein. Beide sahen nicht sehr gut aus, eher mitgenommen würde Tom schätzen. Klaus wartete bereits auf die beiden und redete auf diese ein. Michael erwiderte etwas, während Paul eher teilnahmslos wirkte. Neugierig trat Tom näher, woraufhin Klaus jedoch verstummte. Michael strich sich gedankenverloren über den Kopf, während Klaus die beiden Kollegen musterte. Paul hatte seinen Kopf gesenkt.

„Alles in Ordnung?“ fragte Tom überflüssiger Weise und sah in die Runde. Er spürte, dass irgendwas überhaupt nicht stimmte. Michael schüttelte den Kopf leicht und blickte zu Paul, doch dieser starrte weiterhin auf den Boden.
„Nein… wir waren soeben bei einem Suizid. Ein junges Mädchen. Aber so ist es nun mal.“ erzählte Michael kurz und Tom nickte. Das waren die schlimmen Einsätze. Er musste nichts sagen, sie alle kannten dies. Er legte Paul kurz die Hand auf die Schulter, woraufhin dieser seinen Kopf hob. In seinem Blick war so viel Schmerz und Leid, dass Tom kurz das Gefühl hatte, dass der Suizid nicht alles gewesen war. Aber Paul hatte seinen Kopf so schnell wieder gesenkt, dass Tom gar nicht weiter darüber nachdenken konnte.

Die beiden verschwanden schließlich bei Klaus im Büro. Tom wusste zwar nicht, wieso diese nach einem Suizid zu diesem mussten, aber vielleicht war es nicht schlecht. Nachdenklich sah er ihnen nach. Es machte sich ein seltsames Gefühl in ihm breit. Er hatte das Gefühl, dass er nicht alles wusste, dass ihm etwas Wichtiges verheimlicht wurde. Er lehnte sich an die Theke und starrte gedankenverloren den Gang entlang. Bis ihm jemand leicht anrempelte. Überrascht sah er auf und blickte in die blauen Augen seines Kollegen Sindera.
„Tom… du stehst im Weg. Alles okay?“ meinte dieser halb belustigt, halb genervt. Tom sah ihn grinsend an und machte sich noch breiter.
„Ach komm schon Steph, du wirst dich von mir wohl nicht aufhalten lassen? Vielleicht wollte ich, dass du dich so eng an mir vorbeidrückst.“ scherzte Tom und Stephan grinste ihn ebenfalls an.
„Oh endlich werden meine Hoffnungen erfüllt.“ Gab dieser grinsend zurück und ließ sich auf den Stuhl hinter der Theke fallen.
„Jetzt mal ernst, was ist los?“ fragte er besorgt nach und sah Tom an. Sie waren eine große Familie. Sie hatten nur sich, sie mussten sich vertrauen. Es gab sonst niemand, niemand der sie verstand. Die Kollegen welche eine Frau zu Hause hatten, welche die Arbeitszeiten akzeptierten, welche ihre Eigenarten akzeptierten und sie trotzdem liebten, hatten Glück. Aber die meisten von ihnen waren alleine. Es war schwer, mit einem Polizisten liiert zu sein. Sie waren alle irgendwie kaputt und verstanden sich nur untereinander. Hatten ihren eigenen schwarzen Humor, welcher aber bei anderen unangebracht war. Waren verletzlich und kaputt. Blöde Aussagen und Scherze vertrugen sie nur untereinander. Kein Wunder, dass sie alle allein waren.
Tom seufzte leise und stützte seinen Kopf in seinen Händen ab.
„Michael und Paul hatten einen Suizid, ein junges Mädchen.“ meinte Tom kurz angebunden und auch Stephan seufzte. So etwas war immer schwer.
„Wie geht es ihnen?“ fragte er überflüssiger Weise nach und Tom zuckte mit der Schulter und trommelte leicht mit den Fingern auf der Theke herum.
„Weiß nicht. Michael schien gefestigt. Paul hat mich nicht mal angesehen.“ Fasste er kurz seinen ersten Eindruck zusammen. Sie mussten zusammenhalten. Es war wichtig, dass sie redeten untereinander. Manche, darunter auch Paul, redeten nicht gerne. Diesen mussten sie immer zwingen, aber er brauchte es. Sie hielten zusammen, sie waren eine Einheit.

Tom und Stephan quatschten noch ein wenig, bis sich die Türe zu Klaus Büro wieder öffnete und Michael und Paul wieder herauskamen. Die beiden sahen sich kurz um und Paul verschwand anschließend ziemlich schnell, während Michael zu den beiden Kollegen kam.

„Na Michael, geht’s?“ fragte Stephan einfühlsam und dieser nickte nur.
„Ja, gehört ja dazu.“ Meinte er nur, während Stephan aufstand und seinem Kollegen den Sitzplatz anbot, welcher dieser gerne Anspruch nahm.
„Was ist mit Paul?“ fragte Tom schließlich leise, während er einen Schritt auf die Seite trat, um Stephan neben sich Platz zu machen. Michael zuckte mit den Schultern.

„Er kommt schon klar.“ Meinte Michael leise, war sich aber nicht so sicher. Aber schließlich kamen sie immer alle irgendwie klar. So war nun mal ihr Job. Dieses Mal war es anders gewesen, aber das war nicht seine Geschichte. Das war die von Paul und er würde an Teufel daran tun, diese weiter zu erzählen.
„Heute Abend ein Feierabendbier?“ fragte Stephan besorgt nach und Michael nickte nur. Ja die leicht angetrunkenen Gespräche brauchte er heute. Das war die beste Therapie.

„Ich frag Paul noch“ meinte Stephan und lief die Treppe hinauf in die Umkleide. Er hatte so ein Gefühl, dass er seinen Kollegen dort antreffen konnte.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast