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Süßes, sonst gibt’s Saures

von Applepie
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHumor, Übernatürlich / P16 / Gen
Dean Winchester Sam Winchester
21.10.2020
21.10.2020
3
4.875
16
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21.10.2020 1.484
 
Dean lenkte den Impala auf den Parkplatz vor der Praxis von Dr. Fenrich, wobei er das ›Nur für Kunden‹-Schild geflissentlich übersah.
Obwohl es noch nicht einmal dämmerte, rannten in dieser ruhigen Straße bereits einige Kinder in Kostümen und mit Eimerchen zum Süßigkeitensammeln umher.
Belustigt sah Sam einer Hexe mit einem Staubwedel als Besen-Ersatz und einem Teufel, der sich dauernd in seinem viel zu langen Cape verhedderte, nach. Wenn die wüssten.
»Tja, was wäre Halloween ohne Kinder?«, sagte er.
»Billiger«, erwiderte Dean trocken.
Gemeinsam betraten die Brüder das Backsteinhaus, in dem Dr. Fenrichs Zahnarztpraxis untergebracht war. Und wie in jeder Praxis schlug ihnen der typische Geruch nach Desinfektionsmittel, Latexhandschuhen und Zitrusreiniger entgegen.
Sam erinnerte sich nicht daran, wann er zuletzt beim Zahnarzt gewesen war. Ihr Vater hatte ihnen andere Dinge eingeimpft als das Wahrnehmen eines halbjährlichen Kontrollbesuchs zum Erhalt ihrer Dentalgesundheit.
Hinter dem weißen Tresen, auf dem eine orangefarbene Schale in Kürbisoptik mit in Plastikfolie eingewickelten Bonbons stand, arbeitete eine junge Blondine und hackte gerade auf die Tastatur ihres Computers ein.
Dean wackelte mit den Augenbrauen und ging auf den Tresen zu.
Die junge Frau hob nur flüchtig den Blick, bevor sich ihre Augen wieder an den Monitor hefteten. »Entschuldigen Sie bitte, mein PC spinnt mal wieder und hat gerade zwanzig verschiedene Patientenakten gelöscht.«
Sie klickte verzweifelt mit der Maus, aber offenbar führte das nicht zum gewünschten Ergebnis, sodass sie leise vor sich hin zu fluchen begann.
»Kein Problem … « Deans Blick fiel auf das Namensschild an der Brusttasche ihres weißen Kittels, » … Mandy.«
Er holte seinen Ausweis aus der Innenseite seines Jacketts. »Ich bin Agent Thomas und das da hinten ist Agent Forrester. Wir sind vom FBI und möchten Dr. Fenrich gern ein paar Fragen stellen.«
Die Zahnarzt-Assistentin hob nun doch den Kopf und riss die blauen Augen weit auf, als sie in Deans charmant lächelndes Gesicht sah. Von jetzt auf gleich waren die verlorenen Daten ihrer Patienten vergessen.
»Wegen den Angriffen in der Stadt?«, fragte sie schließlich, nachdem sie Dean einen Moment zu lange angestarrt hatte. Dieser nickte.
»Sie haben Glück«, sagte Mandy. »Eine Patientin hat gerade ihren Termin abgesagt. Dr. Fenrich ist noch in Behandlungszimmer 1. Einfach geradeaus und dann rechts. Sie können es nicht verfehlen.« Sie deutete mit einem strahlend weißen Lächeln - wohl ein Bonus, der jeder Zahnarzt-Assistentin zuteilwurde - in die Richtung, in der die Behandlungsräume lagen.
»Besten Dank«, gurrte Dean.
Sam verdrehte die Augen, als sein Bruder sich umdrehte und grinsend den Daumen hochreckte.
»Kannst du auch mal an was anderes als ans Flirten denken?«, murrte Sam leise, als sie den schmalen Gang entlangliefen.
Das schelmische Grinsen auf Deans Gesicht wurde noch eine Spur breiter. »Hey Sammy, wenn du gerade in der Brunft bist, überlasse ich gerne dir die heiße Zahnarzthelferin.«
Sam antwortete mit einem Schnauben. »Sag Bescheid, wenn dein Blut wieder im oberen Hirn angekommen ist, Dean.«

Wie sich herausstellte war Dr. Fenrich ein weißhaariger Mann, der jeden seiner Patienten mit einem herzlichen Händedruck und einem - natürlich strahlend weißen - Lächeln begegnete. Er schien keinerlei Ähnlichkeit mit einem dieser klischeehaft einsilbigen Zahnärzten und deren perfider Freude am Bohren zu haben - und er schien nicht den blassesten Schimmer zu haben, worüber Sam und Dean mit ihm sprechen wollten.
»Ja, Harold Cunningham war einer meiner Patienten, aber ich habe ihn schon seit Wochen nicht mehr gesehen.«
Dean schob die Augenbrauen zusammen. »Mr. Cunningham hatte also keinen kürzlichen Termin bei Ihnen wegen seiner Zahnschmerzen?«
»Nicht dass ich wüsste«, entgegnete der Zahnarzt entschuldigend.
Die Winchesters tauschten einen kurzen Blick.
»Was ist mit den anderen Mordopfern?«, fragte Sam. »Haben Sie jemanden von denen behandelt?« Er las die zwei anderen Namen, Garrison und Tenorman, von seinem Block ab.
Dr. Fenrichs Gesicht nahm einen konzentrierten Ausdruck an, während er sich auf seinem Drehstuhl umwandte und sich dem Computer im Behandlungszimmer widmete.
»Ich behandle fast ganz Mosby müssen Sie wissen. In unserer Gegend gibt es nicht allzu viele praktizierende Kollegen. Die ganzen Frischlinge verschlägt es eher in die größeren Städte Montanas.«
Er scrollte durch eine Namensliste, murmelte etwas Unverständliches vor sich hin und öffnete eine der digitalen Akten. »Mr. Garrsisons Akte kann ich gerade nicht finden, doch Mrs. Tenorman war vor zwei Wochen wegen starker Schmerzen bei mir. Viele ihrer Zähne waren kariös, doch sie verweigerte strikt die Behandlung, weil sie trotz Betäubungsspritze starke Schmerzen spürte.«
Dann hatte also auch das zweite Mordopfer unter Zahnschmerzen gelitten, dachte Sam. Ein leiser Verdacht meldete sich bei den Worten des Zahnarztes in seinem Kopf. Er würde Bobby anrufen müssen, um seine vage Hypothese bestätigen zu lassen.

Während Dr. Fenrich Sam und Dean zur Praxistür begleitete und ihnen versicherte, er würde sich umgehend bei ihnen melden, sobald er die Akte von Mr. Garrison aufgetrieben hatte, warf Dean einen Blick auf die Zahnarzthelferin, die noch immer hinter dem Empfangstresen saß. Lässig schlenderte er näher.
»Normalerweise sind Wartezimmer doch bis zum Anschlag gefüllt«, lächelte Dean und deutete mit einem Kopfnicken auf die vielen leeren Sitze.
Mandy kicherte. »An Halloween denken die Leute weniger gern an ihre Zahnvorsorge. Kommen Sie doch in ein paar Tagen wieder, dann staut sich die Warteschlange sicher bis auf den Parkplatz.«
»Solange werden wir wohl nicht in der Stadt bleiben«, erwiderte Dean augenzwinkernd und sein Blick fiel auf die Süßigkeitenschale, die vor ihm auf dem Tresen stand.
»Nehmen Sie sich welche«, ermunterte ihn Mandy, die sein gieriges Starren bemerkt hatte. »Die sind zwar eigentlich für die Kinder, aber«, sie senkte verschwörerisch die Stimme, »alle unsere Patienten genehmigen sich gerne eine kleine Nascherei, wenn der Besuch auf dem Behandlungsstuhl durch ist.«
Das ließ sich Dean nicht zweimal sagen, griff sich gleich eine Handvoll gelber Bonbons, wickelte eins aus und warf es sich in den Mund.
»Wirklich lecker«, kommentierte er anerkennend.
»Ja, den meisten Leuten schmecken die. Mrs. Tenorman hat sich beim letzten Mal gleich ein halbes Dutzend mitgenommen«, erinnerte sie sich schmunzelnd.
Dean verschluckte sich fast, als er den Namen des zweiten Mordopfers hörte. Mandy bemerkte es jedoch nicht und redete unbekümmert weiter. »Die Bonbons werden übrigens von einer netten Frau aus der Stadt selbstgemacht. Unglaublich, dass sie uns diese Leckereien schenkt, damit wir zumindest den Kindern den Besuch beim Zahnarzt ein bisschen versüßen können. Mrs. Adams ist wirklich ein Schatz.«
Jetzt verschluckte Dean sich wirklich.  

»Sag mir nicht, du hast welche von ihren Bonbons gegessen, Dean!« Sam schaute seinen Bruder bestürzt von der Seite an. Dieser musste nicht einmal Sams Annahme bejahen. Ein Blick auf dessen eingezogenen Kopf, die zerknitterten Bonbonpapiere, die noch immer im Fußraum des Wagens lagen, und das ziemlich schief geratene, peinlich berührte Grinsen seines Bruders reichte aus, um Sams Verdacht zu bestätigen.
»Verdammt, Alter!«, fluchte er daraufhin. »Deine Gefräßigkeit wird dich noch irgendwann ins Grab bringen. Spürst du schon was?«
Jetzt wo Sam darauf anspielte, bemerkte Dean tatsächlich ein leichtes Bauchgrummeln und auch die Innenseiten seines Mundes fühlten sich mit einem Mal ungewohnt pelzig an. Seine Hände krampften sich fester um das Lenkrad des Impalas, den er in einem rasanten Tempo durch die Stadt jagte.
»Ja, Bobby, ich bin noch dran«, sagte Sam, der das Handy wieder ans Ohr gehoben hatte. »Es passt einfach. Mrs. Adams war Mr. Cunninghams Putzfrau und wer weiß bei wie vielen Einwohnern sie noch ausgeholfen hat. Sie konnte also recht reibungslos in die Wohnung gelangen. Und zumindest von Mrs. Tenorman wissen wir, dass die ihre selbstgemachten Bonbons gegessen hat.«
Während Sam Bobby am anderen Ende der Leitung zuhörte, begann Dean sich mit der Zunge über die Backenzähne zu fahren, wobei sich sein Gesicht zu einer Grimasse verzerrte.
»Okay, danke, Bobby«, sagte Sam schließlich und legte auf.
»Fallen mir jetzt die Zähne aus?«, fragte Dean sofort panisch und in Gedanken gruselte er sich bereits vor seinem zahnlosen Angesicht im Spiegel. Wie sollte er jemals wieder Frauen aufreißen ohne sein betörendes Zahnpastalächeln?
»Nicht sofort. Aber je mehr du von diesen Bonbons isst, umso schlimmer wird es vermutlich und irgendwann wäre der Prozess nicht mehr aufzuhalten.«
Dean verzog angewidert den Mund und drückte das Gaspedal durch.
»Bobby meinte, dass sogenannte Dentoren äußerst selten mord-technisch aktiv werden. Sie können wie Formwandler die Gestalt eines Menschen annehmen, um sich zu tarnen. Normalerweise töten sie nicht, denn sie können sich von purem Zucker und Süßwaren ernähren. Allerdings steht wohl auch Aas auf ihrem Speiseplan, denn am liebsten essen sie … «, Sam machte eine kurze Pause, »kariöse Zähne. Und die am liebsten ganz frisch.«
»So ein Miststück!«, wetterte Dean. »Wahrscheinlich hat sie auch dem armen Cunningham ihr Zuckerzeug eingeflößt. Und weil sie ihre verfluchten Bonbons verschenkt, sorgt sie auf diese Weise für ständigen Nachschub.«
Sein Bruder nickte. »Auf jeden Fall hat unser Dentor einen Sinn für Ironie. Mögliche Opfer beim Zahnarzt zu ködern kann man ja beinahe als Anklage an unser Gesundheitssystem betrachten.«
Dean war die parodistische Auslegung der Taten ihres Monsters mehr als egal. »Und wie kann man diese Mistviecher vernichten?«
Ein kleines Lächeln umspielte plötzlich Sams Mundwinkel.
»Mit einer recht einfachen Waffe. Dentoren leben von Zucker, also vernichtet man sie praktischerweise mit - «
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