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Lecilia - Zerbrochen oder Zusammen

von Jeylee
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
21.10.2020
28.11.2020
3
14.031
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21.10.2020 4.363
 
Hallo liebe Leser,

da bin ich wieder, mit einer Fortsetzung von Lecilia -Was Besonderes. Man muss diese (Kurz-)Geschichte aber nicht gelesen haben, um diese hier zu verstehen.
Ich hoffe sie gefällt euch und über Rückmeldungen würde ich mich freuen.

Jeylee




„Ich kann es kaum erwarten dass dieses Ding nächste Woche endlich wieder abkommt.“ Kritisch schaute Cäcilia auf ihren eigegipsten Arm. Fünf Wochen war es her, dass ihr ein Mitschüler eine gefälschte Nachricht von ihrer Freundin Leni vorgespielt hatte, in der zu hören war wie Leni sie als eklig bezeichnet hatte. Cäcilia fand erst später heraus dass das alles nicht wahr war. Zuvor war sie blindlings weggerannt und ziellos umher gelaufen. Dabei war sie auch gestürzt und hatte sich den Arm gebrochen. Seitdem musste sie mit dem Gips rumlaufen und war auch schon in die ein oder andere unangenehme Situation geraten.

Glücklicherweise war Leni aber immer für sie da und half ihr so gut sie konnte. Sie war ihr seit dem Unfall sogar kaum von der Seite gewichen, da sie in einem Zimmer auf dem Internat wohnten, war das aber auch nicht weiter schwierig gewesen.

Auch jetzt waren sie wieder zusammen. Sie saßen aneinander gelehnt auf einem der Sofas im Gemeinschaftsraum.

„Das kann ich mir vorstellen, du hattest den Gips jetzt auch lange genug.“ Nachdenklich spielte Leni mit Cäcilias Haaren. „Wobei ich zugeben muss, dass ich ihn irgendwie vermissen werde.“

„Wie darf ich das denn bitte verstehen?“ Gespielt beleidigt sah Cäcilia sie an. Leni lachte. „Naja, weißt du, wenn du immer um Hilfe gefragt hast, obwohl offensichtlich war dass du das nicht wolltest, das war schon süß.“

„Cäcilia schmollte. „Ich bin nicht süß.“

„Doch, bist du, auch wenn du es nicht einsehen willst. Wie Pawel.“ Wiedersprach Leni.

„Wie auch immer…es ist trotzdem gut das er abkommt. Du warst auch nicht immer da. Einmal musste mir schließlich fast Till helfen. Till! Und dazu auch noch im Waschraum, Gott, war das peinlich!“

„Ich erinnere mich, Till war danach noch roter als du.“ Lachte Leni.

„Ich weiß, zum Glück kam dabei wenigstens Nele. Auch wenn es mir bei dir lieber gewesen wäre.“

„Schon möglich, sei froh dass es zumindest nur Till war und nicht Theo oder so.“ meinte Leni und Cäcilia verzog das Gesicht.

„Stimmt…Theo.“ Theo war der Mitschüler gewesen der ihr vor ihrem Unfall die Aufnahme gezeigt hatte. Er war nicht von der Schule geflogen und nach manchen Aussagen bereute er sein Verhalten und hatte sich geändert, aber Cäcilia, und Leni auch, wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben.

„Naja…ich werde es trotzdem vermissen die zu helfen…vor allem beim Duschen.“ Sagte Leni und Cäcilia grinste sie an.  „Das könne wir auch gern fortführen, dass du mir bei allem hilfst.“

„Träum weiter. Das was du alleine kannst, darfst du auch schön selber machen…bei gewissen Dingen können wir aber Ausnahmen machen.“

„Das lässt sich einrichten.“ Grinsend beugte sich Cäcilia herunter und gab ihr einen Kuss, der langsam begann. Aber dann immer intensiver und schneller wurde. Mittlerweile war Cäcilia an dem Punkt angekommen, dass es ihr überhaupt nicht ausmachte ihre Gefühle für Leni so offen vor allen anderen zu zeigen. Leni und ihre Freunde, die Menschen die ihr wichtig waren wussten es und freuten sich für sie und das war die Hauptsache.

„Oh, oh, Knutschalarm!“ hörten sie plötzlich eine Stimme. Als sie sich voneinander löten und aufsahen, sahen sie das Lenis kleine Schwester Finja vor ihnen stand und sie angrinste. Leni gefiel das gar nicht und warf ein Kissen nach ihr, diese fing es aber einfach auf. „Man Finja, merkst du nicht das du nervst?“

„Und merkst du nicht dass ihr im Gemeinschaftsraum seid, mit Betonung auf Gemeinschaft.“ Konterte Finja lachend.

„Du weißt dass sie Recht hat.“ Cäcilia strich Leni beruhigend über den Arm, konnte aber sehen wie sie die Augen verdrehte. „Was willst du?“

„Flora schickt mich.“ Erklärte Finja. „Mama hat vorher angerufen. Sie hat gesagt wir treffen uns am Freitag direkt beim Italiener, sie kommen vorher also nicht erst her.“

„Okay, alles klar.“ Leni nickte langsam. „Sonst noch was?“

„Nein. Ihr könnt also weiter knutschen.“ Grinste Finja und verschwand wieder. Cäcilia und Leni sahen ihr nach. „Ich hab sie ja echt lieb, aber manchmal ist sie echt unmöglich.“

„So sind kleine Schwester nun mal.“ Meinte Cäcilia. „Freust du dich auf das Essen mit euren Eltern?“

„Oh ja.“ Strahlte Leni. „Es ist schon viel zu lange her. Als wir noch im Zirkus waren, waren wir schließlich ständig zusammen und jetzt sehen wir uns fast nie. Auch wenn ich es hier liebe, manchmal vermiss ich das.“

Cäcilia lächelte, es freute sie Leni so glücklich zu sehen. „Das verstehe ich.“

„Wie sieht es eigentlich mit deinen Eltern aus?“ Interessiert sah Leni sie an. „Du erzählst fast nie von ihnen.“

„Unsere Beziehung ist etwas…schwierig…“ Sie wurden von dem Klingeln von Cäcilias Handy unterbrochen. „Wenn man vom Teufel spricht…Hallo Mama.“

„Cäcilia, mein Schatz! Wie geht es dir und deinem Arm?“

„Ganz gut soweit und der Gips kommt ja auch nächste Woche schon wieder ab. Hast du deshalb angerufen oder was gibt’s?“

„Nun, Elisabeth ist wieder im Land und…“

„Warte, Lisa ist wieder da?“ Überrascht zog Cäcilia die Augenbauen hoch. Leni sah sie fragend an, aber sie machte nur eine Handbewegung die zeigen sollte, dass sie es ihr später erklären würde.

„Cäcilia, du weißt das du sie so nicht nennen sollst. Ihr Name ist Elisabeth.“

„Jaja, ist ja gut, tut mir leid.“ Cäcilia verdrehte die Augen. „Sie ist also wieder da und weiter?“

„Nun, wie ich gerade versucht habe zu erklären, dachten dein Vater und ich es wäre nett wenn wir alle miteinander ausgehen würden. Dein Vater hat nächste Woche beruflich in Erfurt zu tun und das wäre ein günstiger Zeitpunkt. Würde sich das mit deinen schulischen Aktivitäten und deinem Arzttermin vereinbaren lassen?“

„Ja, äh…ich denke schon….“ Leicht gequält gab sie ihrer Mutter die Zustimmung, obwohl ein Treffen das letzte war worauf sie Lust hatte.

„Wunderbar. Du darfst auch gerne eine Begleitung mitbringen.“

„Was?“

„Das heißt ‚Wie bitte‘ mein Schatz. Und eine Begleitung, du darfst gerne einen netten, jungen Mann mitbringen. Wie hieß noch gleich der, von dem du beim letzten Mal gesprochen hast? Vincent?“

„Er heißt Viktor, aber nein, da läuft nichts zwischen uns.“ Sie merkte wie Leni sie immer verwirrter ansah, konnte darauf aber im Moment nicht eingehen.

„Wie schade, dann gibt es also niemanden zur Zeit?“

„Doch, den gibt es.“ Ohne groß nachzudenken hatte Cäcilia die Worte ausgesprochen. Als sie bemerkt hatte was sie eben gesagt hatte, wurden ihre Augen groß. „Äh, ich meinte…“„Wundervoll! Dann bring ihn doch gleich mit.“

„Lieber nicht?“

„Warum denn nicht?“

„Ist das nicht ein Familientreffen? Ich hab Lisa -, Elisabeth schon lange nicht mehr gesehen und sie hat bestimmt viel zu erzählen.“

„Mhm, da hast du natürlich Recht. Nun, dann kannst du uns ja schon mal von deinem Verehrer erzählen und wir lernen ihn wann anders kennen.“

„Ge-nau.“

„Gut, ich werde dir die genauen Daten noch zukommen lassen, ich möchte dich auch gar nicht weiter vom Lernen abhalten. Bis bald Cäcilia.“

„Ist gut, bis dann.“ Seufzend steckte sie ihr Handy wieder ein. „Nenn mich bloß nie bei meinem Spitznamen vor meinen Eltern, die würden dir den Kopf abreißen.“

„Äh, Cäcilia?“ Schmunzelnd sah Leni sie an und Cäcilia realisierte, dass ihre Freundin keine Ahnung hatte wovon sie sprach.

„Sorry, meine Eltern hassen Spitznamen. Sie meinen immer das ein Name aus einem bestimmten Grund gegeben wurde und man darf ihn nicht verschandeln. Mich korrigieren sie auch immer wenn ich Lisa zu Elisabeth sage, auch wenn sie das gar nicht stört, aber das hast du ja gehört.“

„Wer ist Elisabeth?“

„Meine große Schwester.“ Antwortete Cäcilia und Leni sah sie überrascht an. „Du hast eine Schwester?“

Cäcilia nickte. „Naja, Halbschwester, aber ich kenn sie nicht wirklich, deswegen weiß davon auch fast niemand. Als ich geboren wurde war sie schon 13 und dann war sie eine ganze Zeit lang in Afrika bei der Entwicklungshilfe oder so, ich hab sie nur ein paar Mal gesehen bisher, aber wir verstehen uns ganz gut.“

„Verstehe. Was wollte denn deine Mutter? Du sahst nicht gerade begeistert aus.“ Fragte Leni neugierig.

„Das bin ich auch nicht.“ Stimmte Cäcilia zu. „Elisabeth ist wohl wieder da und mein Vater nächste Woche irgendwann in Erfurt und dann wollen sie sich mit mir treffen.“

„Aber das ist doch schön…oder nicht?“

„Du kennst meine Eltern nicht.“

„Okay…und was war das mit Viktor?“

„Ach, ich hab ihr irgendwann mal gesagt dass ich ihn vielleicht mag, aber das ist schon Ewigkeiten her, es war schließlich vor deiner Zeit.“ Cäcilia grinste sie an und Leni lächelte. „Naja, sie meinte ich könne ihn ja mitbringen, damit sie meinen „Verehrer“ endlich mal kennen lernen, aber ich hab ja gesagt das ich nichts mit Viktor hab, weil ich ja mit dir…oh nein.“

„Cäcilia?“ Besorgt sah Leni sie an, als Cäcilia dem Anschein nach immer panischer wurde.

„Ich hab meinen Eltern, also meiner Mutter gesagt, dass es jemanden gibt und sie will dich kennen lernen, aber ja nicht wirklich dich, dich! Meine Mutter ist sofort von einem Jungen ausgegangen , sie wissen ja gar nicht das ich mit einem Mädchen zusammen bin…sie werden mich hassen…und verstoßen!“

„Hey, langsam Lia.“ Sagte Leni ruhig. „Sag ihnen doch einfach das du dich getrennt hast, wenn du es ihnen noch nicht sagen willst.“

„Das würden sie mir nie abkaufen.“ Schüttelte Cäcilia den Kopf. „Außerdem, ich will ihnen ja auch von uns erzählen. Ich will ihnen sagen wie glücklich ich mit dir bin…ich hab einfach…Angst.“

Mitfühlend sah Leni sie an. „Sie werden dir schon nicht den Kopf abreißen, vielleicht verstehen sie es auch, das weißt du doch noch gar nicht.“

„Ich hab dir doch vorher gesagt, dass ich nicht so oft von meinen Eltern spreche, weil unsere Beziehung schwierig ist, weißt du noch?“ fing Cäcilia an und Leni nickte. „Naja, schwierig ist dabei noch untertrieben. Elisabeth ist ja nur meine Halbschwester. Kurz nachdem sie nach Afrika ist, hat unsere Mutter ihren Vater für meinen Vater verlassen und sie sind quasi durchgebrannt. Das war damals ein Riesenskandal weil ihre Eltern auch adlig sind. Jedenfalls haben sie ihren ganzen Ruf und Status und alles verloren und als ich dann auch noch kam, naja es war nicht gerade eine leichte Zeit. Meine Eltern, allen voran mein Vater haben seitdem natürlich alles versucht um wieder aufzusteigen und Gefühle und so was wurden einfach abgeschafft. Es wird als schwach angesehen irgendwelche Freundschaften oder andere Beziehungen einzugehen. Außer es ging um potenzielle Schwiegersöhne. Das überhaupt ein Kind zustande kam, war für sie schon schlimm genug, aber das ich dann auch noch ein Mädchen war, setzte dem ganzen die Krone auf. Meine Mutter fand das nicht so schlimme, sie hatte ja auch schon Elisabeth, aber sie befolgt alles was mein Vater tut und wiederspricht ihm auch nie.

Elisabeth meinte mal, dass sie sie gar nicht wiedererkennen würde und das sie früher ganz anders war. Deshalb kommt sie auch so selten zu Besuch. Ich bin als Kind also oft auf mich allein gestellt gewesen und musste alleine klarkommen, weil meinen Eltern die Arbeit wichtiger war. Es musste immer alles perfekt sin, eine Zwei in der Schule war sie eine Sechs, das Stipendium fürs Einstein war, glaube ich, das erste mal das ich sie vielleicht stolz gemacht habe.

Trotzdem hab ich ihr Verhalten teilweise aufgenommen, Beziehungen nur einzugehen wenn was dabei für mich rausspringt, das manipulative Lügen, niemanden zu nahe an sich ehranlassen usw. Du bist die Erste die ich an mich rangelassen hab und die mich auch anders kennengelernt hat..“ Leni lächelte Cäcilia an bei dieser Aussage. Cäcilia seufzte. „Zumindest sind sie von ihrem Erscheinen in der Öffentlichkeit seit dem Skandal damals, nahezu besessen, damit so was ja nicht wieder passiert. Alles was nicht „normal“ ist, ist verboten und sie haben nicht nur einmal davon gesprochen wie sie so was finden.“ Beendete sie ihre Erklärung.

Leni verstand jetzt warum Cäcilia ihre Beziehung nie öffentlich machen wollte und sah sie besorgt an. „Aber wenn es so schlimm ist, warum willst du ihnen dann überhaupt davon erzählen? Wäre es nicht besser es in dem Fall für dich zu behalten?“

„Schon möglich, aber es ist nun mal ein Teil von mir und ich will es auch nicht ewig verstecken. Außerdem würden sie sonst wieder anfangen mich auf irgendwelche Dates mit irgendwelchen Jungs zu schicken.“

„Das können wir natürlich nicht zulassen, du gehörst schließlich zu mir.“ Grinste Leni und brachte Cäcilia zum Schmunzeln. „Wie steht denn Elisabeth zu dem ganzen?“

Cäcilia zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, dafür kenn ich sie zu wenig. Ich glaube sie hat aber nie groß was dazu gesagt, weder was positives, noch was negatives. Es ist ja auch meine Entscheidung dass ich es ihnen erzählen will, ich hab einfach Angst, verstehst du?“

Leni nahm sie wieder in den Arm. „Es tut mir Leid das du es immer so schwer hattest. Wer weiß, vielleicht überraschen sie dich ja, du bist schließlich ihre Tochter…aber warte mal, ich hab eine Idee.“

Neugierig sah Cäcilia sie an. „Meine Eltern wissen schon, dass ich auf Frauen stehe und haben damit kein Problem oder so. Flora, Finja und ich treffen uns ja am Freitag mit ihnen, komm doch einfach mit. Wir können es ihnen erzählen und wenn es dir zu viel wird oder so, sorgen meine Schwestern für Ablenkung.“ Schlug Leni vor. Cäcilia sah sie unsicher an. „Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?“

Leni nickte. „Wie gesagt, sie wissen es ja schon, also werden sie auch keine Probleme damit haben und dass du mitkommst wird sie auch nicht stören, ich lass mir da was einfallen, aber keine Sorge, ich sag es ihnen nicht am Handy oder so.“ Als sie sah, dass Cäcilia noch immer zögerte, wurde sie selbst auch unsicher. „Also, wir müssen das natürlich auch nicht machen wenn du nicht willst, ich dachte nur…“

„Okay.“ Unterbrach sie Cäcilia auf einmal.

„Okay?“

„Ja, du hast Recht. Wenn wir es erst mal deinen Eltern sagen, fällt es mir bei meinen vielleicht leichter. Nimm es mir bloß nicht übel, wenn ich vor Aufregung keinen Ton herausbekomme.“

„Einverstanden.“ Lachte Leni. „Du wirst sehen, das wird schon.“







Am Freitag waren Flora, Finja, Leni und Cäcilia schließlich auch dem Weg um sich mit den Eltern der Schwestern zu treffen. Während diese sich aufgeregt darüber unterhielten, immerhin hatten sie ihre Eltern schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen, lief Cäcilia stumm und nachdenklich neben ihnen her, Hand in Hand mit Leni. Vor lauter Aufregung war ihre Hand eiskalt und sie verwunderte es etwas das Leni dazu gar nichts sagte, aber ein anderes Thema beschäftigte sie viel mehr: Das bevorstehende Treffen mit Lenis Eltern.

Obwohl Leni ihr versichert hatte, das ihre Eltern schon zum Teil Bescheid wussten und keim Problem damit hatten dass ihre Tochter auf Frauen stand, kam sie nicht umhin sich Sorgen zu machen, zugegeben, ja sie hatte Angst vor der Reaktion. Und selbst wenn sie kein Problem mit der Tatsache an sich hatten, vielleicht hatten sie ja ein Problem mit Cäcilia selbst. Sie wusste ja nicht was sie schon alles über sie gehört hatten. Sie liebte Leni und ihr war auch klar wie gut sich Leni mit ihren Eltern verstand, also wollte sie natürlich auch, dass diese sie mochten.

Sie wusste aber auch was für eine Zicke sie sein konnte. Wie sie damals mit Pawel umgegangen war, war einfach unmöglich und es war eigentlich ein Wunder dass er überhaupt noch mit ihr redete. Natürlich würde sie Leni nie so behandeln, aber ihre Eltern wussten das nicht und vielleicht waren deshalb dann mit ihrer Beziehung nicht einverstanden, völlig egal ob sie mit dem Geschlecht klarkamen oder nicht.

Cäcilia war so tief in Gedanken versunken, das sie gar nicht merkte wie Leni das Thema auf ihren Plan wechselte.

„Also, nur nochmal zur Sicherheit, wenn wir Mama und Papa von uns erzählt haben und es…“

„…es deiner Liebsten zu viel wird, fangen wir an abzulenken, schon klar.“ Beendete Flora den Satz und verdrehte die Augen.

„Ja, ich erzähl von meinen Fortschritten in der Schule und Flora davon wie wir den Wald gerettet haben.“ Ergänzte Finja. Leni wollte erneut etwas sagen, wurde aber von Flora davon abgehalten: „Leni, es ist gut jetzt, du hast das jetzt oft genug erzählt, ich hab davon sogar schon geträumt. Wir wissen schon was zu tun ist. Komm mal wieder runter, es wird schon alles gut gehen.“

„Was hast du ihnen eigentlich erzählt warum Cäcilia mitkommt?“ fragte Finja neugierig.

„Ich hab was davon gesagt dass sie sich mit Sibel verkracht hat und nicht allein mit ihr auf dem Zimmer bleiben wollte.“ Erklärte Leni. „Außerdem wollten sie sowieso unsere Freunde kennenlernen, von daher, Cäcilia ist schließlich meine Freundin.“

„Ich glaube nicht, dass sie diese Art von Freundin gemeint haben.“ Lachte Finja.

„Das wissen sie doch nicht…zumindest noch nicht.“

„Apropos Freundin.“ Meinte Flora und deutete auf Cäcilia. Leni war natürlich nicht entgangen das Cäcilia nicht viel sagte, als sie sich aber genauer anschaute, fiel ihr erst auf wie unglaublich blass sie im Gesicht war. Sie deutete Flora und Finja an, dass sie schon mal vorgehen sollten, während sie stehen blieb. Cäcilia sah sie verwirrt an. „Was ist los?“

„Das wollte ich dich gerade fragen. Ist alles in Ordnung?“ antwortete Leni.

„Ja, klar. Ich bin nur ein wenig…nervös.“

„Du hast Angst.“ Stellte Leni fest und Cäcilia schaute zu Boden, während sie ein leises „Ja“ murmelte. Leni seufzte, legte ihre Hand an Cäcilias Kinn und brachte sie sanft, aber bestimmt dazu sie wiederanzusehen. „Hey, es ist in Ordnung. Du musst dich nicht für deine Gefühle schämen, das ist völlig normal…Hör mal, du musst nicht mitkommen, wenn du nicht willst. Ich kann es ihnen auch alleine sagen, oder auch gar nicht wenn du möchtest.“

„Nein.“ Sagte Cäcilia fest. „Ich will es ja und sie glauben ja auch das ich mitkomme.“

„Wenn du dir sicher bist.“ Meinte Leni und umarmte Cäcilia fest. Soll ich dir was verraten? Ich bin auch nervös.“

„Warum das denn?“ fragte Cäcilia überrascht.

„Naja, du bist mir eben wichtig und ich will das es dir gut geht…Komm, sie warten sicher schon auf uns.“ Sagte Leni und lief mit Cäcilia weiter zum Eingang des Restaurants. Zu gerne hätte sie Cäcilias Hand genommen, sie wusste immerhin wie sehr ihre Freundin dies beruhigte. In diesem Moment wäre das aber vermutlich aber eher kontraproduktiv  gewesen.

Als sie das Restaurant betraten konnte Leni ihre Eltern gleich sehen. Flora und Finja waren bereits bei ihnen angekommen. Sie atmete noch einmal tief durch während sie Leni zum entsprechenden Tisch folgte,

„Mama! Papa! Es ist so schön euch endlich wieder zusehen!“ reif Leni und umarmte erst ihre Mutter und anschließend ihren Vater.

„Wir freuen uns auch mein Schatz.“

Cäcilia hielt sich bei der Begrüßung erst mal zurück. Als sie den Umgang von Leni mit ihren Eltern beobachtete, wurde es ihr schwer ums Herz. Sie wusste das die Beziehung zwischen ihr und ihren eigenen Eltern nicht gerade normal war. Je mehr sie ihre Freunde und Mitschüler oder andere Kinder mit ihren Eltern sah, desto mehr fiel ihr auf was sie in ihrer Kindheit verpasst hatte und auch wenn sie damit eigentlich ganz gut klar kam, so machte es sie doch irgendwie traurig. Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als Lenis Mutter auf einmal vor ihr stand.

„Und du bist bestimmt die Mitbewohnerin unserer Tochter, Lia? Mein Name ist Frieda.“ Sagte sie und schüttelte ihr die Hand.

„Ich heißte eigentlich Cäcilia, Lia ist nur der Spitzname bei dem mich Leni immer nennt, Frau Freytag.“ Antwortete sie. Sie bereute ihre Worte sofort als Lenis Mutter zu ihrer Tochter blickte und erwartete irgendeine Form der Bestrafung oder Rügung, so wie ihre eigene Mutter es getan hätte, aber nichts passierte.

„Nenn mich Frieda, Liebes. Und es freut mich sehr dich kennenzulernen, Cäcilia. Leni hat schon viel von dir erzählt.“ Cäcilia konnte sehen wie Leni leicht rot wurde und ihre Schwestern sich das Lachen verkniffen.

„Freut mich auch.“ Schluckte sie leicht und begrüßte auch Lenis Vater Franz, bevor sie sich alle hinsetzten. Sie saß direkt neben Leni und gegenüber waren ihre Eltern, während Flora und Finja an den jeweiligen Stirnkanten saßen. Nachdem ihre Bestellungen von einem Kellner aufgenommen waren, schaute Frieda fragend in die Runde. „Und Kinder, was gibt es Neues?“

Sofort fing Finja an von der Schule zu erzählen und wie sehr sie sich verbessert hatte seit ihr Lehrer erkannt hatte, dass sie LRS hatte.

Cäcilia merkte wie Leni sie fragend ansah und sie nickte leicht. Auch wenn sie nichts lieber täte, als das Thema bis zum Schluss zu vermeiden, war es vermutlich das beste es gleich hinter sich zu bringen. Sie merkte wie Finja langsam zum Ende kam und ihr Herzschlag wurde zunehmend schneller, ihre Hände waren ganz schwitzig und sie hatte das Gefühl als wäre ihr schlecht.

„Bei mir gibt es auch was Neues.“ Fing Leni an als Finja fertig mit erzählen war. „Ich bin wieder mit jemandem zusammen.“

Cäcilia starrte auf den Tisch vor ihr, auch wenn sie es wollen würde, sie konnte nicht Aufsehen. Sie spürte wie Leni unter dem Tisch nach ihrer Hand suchte und sie leicht drückte, ihr Blick aber war fokussiert auf ihre Eltern.

„Das ist ja wundervoll mein Schatz! Wer ist es denn? Kennen wir sie denn?“ meinte Frieda und Cäcilia meinte Freude in ihrer Stimme erkennen zu können?

„Ja, äh, es ist…also, es ist Cäcilia…“ Cäcilia hob langsam den Kopf, aber anstatt der erwarteten angewiderten oder enttäuschten Blicke schaute sie nur in lächelnde Gesichter.

„“Oh, wie schön, das freut mich für euch.“ Meinte Frieda. Als daraufhin niemand etwas sagte und Cäcilia sie nur weiterhin sprachlos anstarrte, runzelte sie besorgt die Stirn. „Ist alles okay?“

„Nun ja, sie ist etwas überrascht das ihr darauf so positiv reagiert.“ Erklärte Leni.

„Warum das denn?“ wollte Franz wissen.

„Meine Eltern sind da etwas schwieriger.“ Sagte Cäcilia leise.

„Nun, ich kenne weder deine Eltern, noch dich besonders gut, aber ich bin mir sicher das du ein wundervoller Mensch bist, sonst hätte sich Leni bestimmt nicht in dich verliebt und deine Eltern werden es sicherlich auch verstehen und dich lieben. Aber ganz egal was auch passiert, ihr könnt euch sicher sein, dass wir immer hinter euch stehen.“

„Danke.“ Murmelte Cäcilia und wurde leicht rot und auch Leni strahlte ihre Mutter an, bevor sie sich an ihren Vater wandte: „Papa?“

„Ich stimme deiner Mutter da voll und ganz zu. Ich hatte schon gedacht ihr wollt uns erzählen das ihr schon wieder aufs Dach gestiegen seid.“

„Franz!“

„Was denn? Ein Auftritt dieser Art reicht völlig, beim nächsten Mal müsst ihr euch schon was anderes überlegen. Wiederholungen sind schlecht fürs Geschäft.“ Verteidigte sich Franz, Cäcilia versuchte unterdessen zu überlegen wann Leni oder ihre Schwestern mal aufs Dach gestiegen waren. „Nun aber zu den wichtigen Dingen: Wann kommt endlich das Essen?“

Während Finja und Flora anfingen zu lachen und ihre Mutter nur den Kopf schüttelte, beruhigte sich Cäcilia langsam wieder und auch Leni schien dies zu bemerken.

„Ich geh mal eben auf die Toilette.“ Verkündete sie, stand auf und sah zu Cäcilia. „Kommst du mit?“

Cäcilia nickte und stand ebenfalls auf. Sie sah noch wie Lenis Mutter ihrer Tochter einen wissenden Blick zuwarf, bevor sie Leni hinterherging. Als Cäcilia die Tür des Waschraums hinter sich schloss und bemerkte das Leni sich an die gegenüberliegende Wand gelehnt hatte, runzelte sie verwirrt sie Stirn. „Ich dachte du musst auf Toilette?“

Leni lachte. „Du kannst manchmal ganz schön BEGRIFFSTUTZIG sein, weißt du das eigentlich? Ich muss natürlich nicht auf die Toilette. Ich wollte mit dir reden, aber nicht vor allen anderen.“

„Oh, okay.“

„Wie geht es dir? Jetzt wo du weißt dass sie dich nicht hassen?“ fragte Leni schmunzelnd.

Cäcilia überlegte einen Moment bevor sie antwortete: „Erleichtert, ehrlich gesagt, aber…“

„Aber?“

„Ich mein, ich freu mich natürlich das deine Eltern nichts gegen uns haben und alles, aber ich hab trotzdem Angst vor meiner Familie, vor allem jetzt wo ich weiß wie es sein könnte.“ Seufzte Cäcilia.

„Ach Lia, komm mal her.“ Leni ging auf sie zu und schloss ihre Arme um ihre Freundin. „Ich versteh dich und ich weiß das ich nichts tun kann um dir deine Angst zu nehmen, aber vielleicht wird ja doch alles gut. Ich mein, bei meinen Eltern und bei den anderen aus der Schule hast du auch gedacht das sie schlecht reagieren und es ist gut ausgegangen. Vielleicht ist es bei deiner Familie ja auch so.“

„Da irrst du dich, du kannst etwas tun.“ Murmelte Cäcilia.

„Was?“

„Du kannst etwas tun um mir mit meiner Angst zu helfen. Du kannst für mich da sein, das hilft.“

„Natürlich bin ich für dich da, immer. Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch.“

Beide schreckten hoch als es auf einmal an der Tür klopfte und eine dumpfe Stimme ertönte: „Kann ich reinkommen oder muss ich Angst haben meine Unschuld zu verlieren und euch bei was bestimmten zu stören?“

Leni stöhnte genervt auf. „Oh, halt die Klappe Finja!“

Diese öffnete die Tür und grinste die Beiden an. Leni funkelte ihre kleine Schwester an. „Du kannst ganz schön nerven, weißt du das eigentlich?“

„Natürlich, das sagst du mir ja ständig.“ Lachte Finja und Leni verdrehte die Augen. „Das Essen ist da und Mama sagt wir können erst anfangen wenn ihr wieder da seid und Papa wollte das ich schau ob ihr fertig seid mit Knutschen.“

„Das hat Papa ganz bestimmt nicht gesagt.“ Widersprach Leni.

„Mag sein, aber gedacht haben es alle, ich bin nur der Bote.“ Meinte Finja.

„Ist ja gut, wir kommen gleich.“ Sagte Leni.

„Aber nicht trödeln, oder knutschen.“ Lachte Finja und ging wieder zurück.

„Irgendwann erwürg ich sie noch.“ Meinte Leni und Cäcilia grinste. „Das wirst du nicht. Wir sollten aber wirklich zurückgehen.“ Lächelnd streckte sie Leni die Hand hin. Leni strahlte. „Du bist unglaublich.“ Sagte sie und konnte nicht widerstehen Cäcilia einen zärtlichen Kuss zu geben,

„Finja hat doch gesagt wir sollen nicht knutschen.“ Murmelte Cäcilia in den Kuss hinein.

„Als ob ich mir von meiner kleinen Schwester befehlen lassen würde was ich mit meiner Freundin mache, soweit kommts noch.“ Antwortete Leni frech.

„Na komm, bevor sie uns wieder stört.“ Lachte Cäcilia und löste sich von Leni. Diese griff nach ihrer Hand und glücklich liefen sie Hand in Hand zurück zu Lenis Familie.
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