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Surrender | Ashton Irwin Fanfiktion

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Ashton Irwin OC (Own Character)
20.10.2020
03.02.2021
3
6.696
 
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20.12.2020 2.468
 
Als ich das erste Mal wach wurde - die Sonne war noch weit weg von Aufgehen - musste ich dringend ein Badezimmer aufsuchen. Ashton lag halb im Bett, halb auf dem Boden und hatte mir anscheinend komplett die Decke überlassen gehabt. Er schien nicht zu schnarchen, zumindest im Moment nicht, und nur etwas tiefer und lauter zu atmen als wenn er wach wäre.
Die Suche nach dem Badezimmer war erfolgreich gewesen und das einzig blöde daran war, dass die Stelle im Bett, wo ich lag, wieder kalt geworden war, und es war nicht so, dass hier irgendwo eine Heizung lief. Nein, sogar das Fenster stand auf kipp, während kleine Schneeflocken davor tanzten und sich einen Weg nach unten bahnten.
Ich wusste noch, dass ich zitternd irgendetwas gemurmelt hatte und mich dann unter das Laken gekuschelt hatte, bis mir warm genug war, dass ich entspannt wieder einschlafen konnte.
Doch nun war ich wieder wach, nur leicht beleuchtet war das Zimmer. Nun schien die Sonne etwas den Himmel zu erhellen. Und mir war warm. Könnte an der fortgeschrittenen Uhrzeit liegen, oder daran, dass ich inmitten von Armen und Beinen eingeschlossen war. Hinter mir hörte ich ihn entspannt atmen und kurz darauf schlossen sich seine Arme um meine Taille noch enger und zogen mich an seine Brust. Dabei bemerkte ich, dass seine linke Hand ein Stück unter mein Shirt gerutscht war und direkt unterhalb meines Hüftknochens lag. Sein warmer Atem fegte über meinen Nacken, die roten Locken waren entweder in meinem Gesicht oder unter meinem Ohr, und wenn ich etwas tiefer einatmete, konnte ich seine Lippen an der nackten Stelle über dem Shirtsaum spüren. Unsere Beine waren miteinander verheddert, sodass ich mich nicht einmal befreien konnte, ohne ihn direkt rigeros zu wecken.
Es war eigentlich sehr angenehm. Sein Körper strahlte eine Hitze aus, die mich überall wärmte und ich fühlte mich… geborgen? Es hörte sich so bescheuert an.
Aber nun war ich wach und es wurde bereits hell, wie sollte ich da noch einmal einschlafen können? Außerdem fragte sich Jasper bestimmt schon, wo ich war. Und ich konnte mich nachher darüber wundern, wie er es geschafft hatte, heile nach Hause zu kommen. Wenn er überhaupt zuhause war, das natürlich vorausgesetzt.
Ich musste kurz seufzen und rieb mir mit einer Hand über das Gesicht. Wie kam ich auch immer in solch aussichtslose Lagen? Da musste ich selbst schmunzeln und fühlte mich daran erinnert, als ich mich einmal für ein ganzes Wochenende ausgesperrt hatte. Jasper war mit seinen Teamkollegen wegen eines Spiels weggefahren, Natalie besuchte ihre Familie in New York und ich ließ meinen Schlüssel prompt auf der Anrichte im Flur liegen. Der Schlüsseldienst war mir zu teuer und eigentlich kannte ich niemand anderen. Klar, so ein paar Kommilitonen aus den Kursen, aber bei denen konnte ich doch nicht einfach aufkreuzen und nach einem Schlafplatz fragen. Die hätten auch gedacht, ich wäre bescheuert. Also ging nur eines, und das war im Pyjama mit dem Bus zu meinen Eltern fahren. Noch nie haben die beiden so herzhaft gelacht, wie in der Nacht, als ich zitternd und nur mit Handy in der Hand vor deren Türe stand und gefragt hatte, ob ich übernachten dürfte für das Wochenende. Ich war verdammte zwei Stunden Bus gefahren. Gott sei Dank hatte ich noch ein paar Geldscheine hinter dem Handycase gehabt, sonst wäre ich echt aufgeschmissen gewesen. Noch peinlicher wurde es aber, als ich Natalie und Jasper am Montagmorgen erklären musste, wieso ich im Pyjama angereist kam und wo ich das Wochenende über war. Auch sie mussten losprusten und kriegten sich so lange nicht ein, dass sie erst ruhig wurden, als ich fertig geduscht und mit gepackter Tasche an der Tür wieder stand und die Augen verdrehte.
»Was machst du da?«
Kurz zuckte ich zusammen. Erst jetzt realisierte ich, dass ich meinen Fingern über seinen linken Arm gefahren war und die nun mit einer Gänsehaut überzogene Haut sich kurz anspannte, ehe er den Arm - weiterhin unter dem Shirt - um meine Taille legte und er es sich näher an meinem Rücken bequem machte.
»Nichts. Ich kann mich nur nicht bewegen.«
»Oh.«
Beinahe augenblicklich lockerte Ashton seinen Griff, fast schon hastig, und sobald ich mich umgedreht hatte, sah ich, wie er mit einer Hand über sein Gesicht wischte. War er jetzt erst richtig wach geworden und gemerkt, wie wir genau gelegen hatten?
Ich vernachlässigte den Gedanken und lehnte mich wieder wie letzte Nacht an seine Brust. Wie automatisch schien sein Arm sich um meinen Oberkörper zu legen.
»Besser?«, fragte er und sah leicht lächelnd auf mich hinunter.
»Viel besser.« Ein Seufzen konnte ich mir nicht verkneifen.
»Möchtest du… Frühstück oder sowas? Kaffee?«
Sachte fuhr seine Hand über meinen Rücken, während er mich ansah.
»Kaffee klingt schon sehr gut. Aber gleich.«, erwiderte ich nur und bettete meinen Kopf auf seiner Brust.
Auch Ashton seufzte und lehnte seinen Kopf zurück ins Kissen, bis er dann plötzlich zusammenfuhr.
»Oh. Ich setz schon mal Kaffee auf.«
Seine Stimme klang belegt, und ehe ich mich versah, war er aus dem Bett gesprungen und ging wie es schien betont vorsichtig zur Tür.
Ich hatte noch nie so den Tag schon am Morgen mit einem Mann begonnen, doch ich wusste, was eine Morgenlatte war.
Ich rollte mich im Bett herum und wurde von seinem Geruch überschwemmt. Typisches Männerdeo und… Zimt?
Nach einer Weile schälte ich mich auch aus den Laken und machte mich auf die Suche nach der Küche. Dort empfing mich der köstliche Duft von Kaffee, welchen Ashton gerade in zwei Tassen goss. Die Küche war standard weiß, mit links den Schränken und Schubladen, einem kleinen Kühlschrank und einem abgedeckten Herd. Rechts davon ein kleiner Tisch, an dem sechs Personen Platz nehmen konnten. Viel weiteres gab es nicht zu sehen, bis auf eine Uhr und einen Kalender an den Wänden.
»Ich hab leider nichts zu essen hier, aber das hier ist auch wichtiger.«
Ich hatte mich auf einen Küchenstuhl gesetzt und nahm dankbar eine Tasse und flößte mir den Wachmacher ein. Ashton stand immer noch neben mir und sah gerade auf einen Kalender an der Wand mit gerunzelter Stirn. Anscheinend hatte er sich vorhin eine dunkelgraue Jogginghose angezogen, die tief auf seinen Hüften saß, und von meinem Standpunkt aus, konnte ich die V ähnlichen Linien unterhalb seines Bauches sehen.
»Genug gesehen, oder kann ich mich anziehen gehen?«
Mein Blick schnellte hoch in sein Gesicht, wo mir ein freches Grinsen entgegen sprang und eilig wandte ich den Blick ab. Ich spürte wie mein Gesicht heiß wurde. Sah bestimmt super aus, rote Locken und rotes Gesicht. Auch wenn sich sein Anblick echt sehen ließ.
Gerade als ich auf die Uhr sah, erschrak ich.
»Was? Es ist schon zehn Uhr?!«
»Ja, wieso?«
Oh scheisse.  
»Ich muss los.«
Mit einem Zug leerte ich die Tasse und stellte sie auf die Küchenzeile.
»Was machen?«
Ashton bewegte sich keinen Zentimeter, als ich an ihm vorbei gehen wollte. Er schien sich eher noch größer zu machen.
»Dies und das.«, Presste ich nur hervor. Meine Samstagsbeschäftigungen waren nicht gerade das, was man dem erzählte, den man gerade erst kennen gelernt hatte.
Er schien einen Moment zu überlegen. Dann griff er zu einer Schublade, holte einen Post-It und einen Kugelschreiber und schrieb etwas. Den gelben Zettel gab er dann mir, er klebte an meinem Zeigefinger.
»Komm heute Abend zu der Adresse. Lass uns was unternehmen.«
Verwirrt sah ich ihn an. Sah den Zettel an. Sah dann wieder Ashton an.
»Ich… kann heute Abend nicht.«
»Morgen?«
Okay, das ginge. Ich nickte und er nahm mir den Zettel wieder ab, strich die Adresse durch und schrieb etwas anderes darunter. Und dann klebte er mir den Post-it an die Stirn.
»Du findest dich echt lustig, huh?«
Seine Augen sah ich nicht, aber ich könnte wetten, dass sie genauso verschmitzt aussahen wie sein breites Lächeln, welches ich gerade so unter dem gelben Balken sah.
»Kannst du mich wenigstens nach Hause bringen, du Witzbold?«
Er nickte und während wir gemeinsam wieder zum Schlafzimmer gingen, fühlte es sich eigenartig an. Etwas unangenehm, obwohl doch gar nichts passiert war.
Ashton wandte sich direk ab und zog ein Shirt aus der Kommode. Das gab mir die Gelegenheit mich unbeobachtet anzuziehen. Nur die Strumpfhose zickte etwas, also musste ich die Beine einzeln aufrollen, mich auf den Boden setzen und sie über die Beine ziehen. Es war fast, als würde ich seinen Blick auf mir spüren, aber ich traute mich nicht, hochzuschauen.
Nachdem ich auch meine Schuhe und meinen Mantel wieder angezogen hatte, gab ich Ashton sein Shirt wieder, welches er stillschweigend auf sein Bett legte.
»Geh schon mal, ich muss eben mein Handy suchen.«, Murmelte er nur und schien sich bereits im Raum umzugucken[ er stopft das Shirt in ihre Handtasche, welche noch im Zimmer lag].
Ich nickte stumm und ging in das Wohnzimmer. Im Hellen sah es wirklich etwas karg aus und ich konnte von hier erkennen, dass er eine Spielekonsole an dem Fernseher angeschlossen hatte. Ich ging etwas näher und sah dann die Spielesammlung im Regal darüber und überflog die Titel. Er schien allerlei zu spielen, von brutalen Sachen bis hin zu sowas wie Mario. Einige Sportspiele waren auch dabei, aber Sport war noch nie mein Ding gewesen. Ich tat es nur Jasper zuliebe, wenn er mich zu seinen Spielen zerrte oder mir stundenlang ein Spiel analysierte, wobei ich sowieso vermutete, dass er einfach laut mit sich redete, und ich nur genervt in meinem Buch lesen konnte.
»Deine Handtasche möchtest du nicht mitnehmen?«
Ashton kam aus dem Schlafzimmer und hielt sowohl sein Handy als auch meine Tasche triumphierend in die Höhe.
»Oh, fast vergessen.«
Entschuldigend lächelte ich ihn an und nahm ihm die Tasche ab. Darin befand sich eigentlich nichts, nur mein Portmonee und Smartphone, aber die Röcke hatten keine Taschen und so musste man stets eine Handtasche mitschleppen. Ich könnte mir auch selber Taschen dran nähen, aber der Aufwand war mir zu viel.

Einige Minuten später saßen wir bereits in seinem Auto, und sobald er den Motor anschmiss, brüllte uns Green Day in die Ohren. Hektisch drehte er erst an der Anlage herum, bis er dann genervt einfach auf Radio schaltete.
Sein Auto war aufgeräumt, nur in der Mittelkonsole schienen sich Kaugummis und ein paar Münzen zu befinden. Nachdem ich ihm meine Straße genannt hatte, legte er den Gang ein und fuhr los.
Ich ließ mich in den weichen Sitz sinken. Ich konnte selber nicht ganz glauben, dass ich hier saß. Oder dass ich überhaupt gestern mitgegangen war. Ich hatte wirklich gedacht, dass er direkt einschlafen würde. Zumindest ging es mir so, wenn ich mal etwas getrunken hatte. Meine Gedanken wanderten weiter, wie wir gekuschelt hatten. So intim und innig hatte ich noch nie Zeit mit jemandem verbracht, und dabei war nichts geschehen, nur zwei Menschen, die einander eng umschlungen in einem Bett gelegen hatten.
Ich achtete nicht auf die Straßen bei der Fahrt, sondern bekam nur irgendwann mit, dass Ashton anhielt. Wir standen tatsächlich schon vor dem Haus. Als ich einen Blick an der Fassade hinauf wagte, sah ich, dass noch kein Licht brannte. Vielleicht war tatsächlich noch niemand wach. Natalie sollte schon seit einigen Stunden im Flieger sitzen und in ein neues Leben starten und mich mit Jasper Voldemort zum Fraß zurück gelassen haben.
Der Motor erstarb und das Klimpern von Ashtons Schlüsselbund ließ mich meine Aufmerksamkeit wieder auf ihn richten. Er hielt seine Schlüssel in der Hand und fuhr die Zacken mit dem Daumen entlang. Schweigend. Man konnte nicht sagen, dass es unangenehm war, aber irgendwie… aufgeladen.
Als ich mir nach einiger Zeit sicher war, dass er nichts mehr sagen würde, drehte ich mich nach hinten zur Rückbank um meine Handtasche zu erwischen.
»Ich werd’ dann mal…«
Ein Seufzen versuchte ich zu unterdrücken, doch selbst ich hörte, dass meine Stimme sich danach anhörte.
Ich erwischte die Tasche und wandte mich gerade wieder um, um Ashton ein letztes Mal anzusehen. Doch dazu kam ich gar nicht. Er klappte die Armstütze hoch und schnellte hervor. Beinahe grob nahm er mein Gesicht in seine Hände und zog mich näher an ihn. Sein samtigen Lippen pressten sich auf meine und für einen Augenblick schien mir das Herz stehen zu bleiben. Er schmeckte nach Kaffee, nach Versprechungen und Zimt. Putze er sich damit die Zähne oder was?
Es dauerte einen Moment, bis ich den Kuss erwiderte und seine Unterarme ergriff. Sanft strich er mir eine Locke hinter das Ohr und öffnete gleichzeitig vorsichtig meinen Mund. Sein Geschmack intensivierte sich noch einmal, als sich unsere Zungen trafen und er noch ein Stückchen näher kam.
Und mit einem mal waren seine Lippen verschwunden. Seine Hände rutschten von meinen Wangen, nahmen dafür aber meine Finger zwischen seine eigenen. Als ich meine Augen wieder öffnete, schwebte sein Kopf immer noch direkt vor mir und sein fester Blick stockte mir den Atem.
»Morgen Abend.«, Sagte Ashton nur und ohne ein Wort nickte ich nur.

Wackelig war ich ausgestiegen und sah noch dem Auto hinterher, bevor ich ich meinen Schlüssel hervorholte und hineinging. Der Gang die Treppen hinauf erschien mir länger als sonst und oben angekommen öffnete ich die Tür, um von einem böse dreinblickenden schwarzen Kater angestarrt zu werden.
Voldemort.
»Guck nicht so doof.«
Ich entledigte mich meiner Jacke und Schuhe, ging in die Küche und füllte seine Näpfe auf. Ein tiefes Maunzen ertönte von ihm nur und er fing erst dann an zu essen, als er mir noch einen letzten eisigen Blick zugeworfen hatte. Ich hasste diese Katze.
Nebenbei toastete ich mir ein paar abgepackte Pancakes und begann mein Handy zu checken. Viel zu viele verpasste Nachrichten von Jasper. Zum Glück kannte ich mittlerweile seine Alkohol-Wortwahl und konnte sie alle entziffern.

Katie, wo bisn du? Wir wollten doch noch was zsm trinken.

Kaaaaatiiiiieee

Haaaalllooo? Gehst du mal an dein Handy?

KATIE

K

A

T

I

E

!!

Ein roter Freund wartet auf dich ;))

Als letztes ein Bild, wie er - mit kaum gerade schauenden Augen - mit einem der Mädels, die ich in der Küche getroffen hatte, in die Kamera lächelte und rote Jello-O Shots hochhielten. Anhand des Fotos konnte man schon sehen, wie sehr sich das Mädchen an ihn drückte und ein besonders bezauberndes Lächeln aufgesetzt hatte. Die Arme sollte sich lieber nicht auf ihn einlassen. So sehr ich ihn auch liebte, doch ich konnte immer noch nicht einschätzen, wie er mit einem vernünftigen Mädchen umgehen würde. Im letzten Jahr war er eher sprunghaft unterwegs gewesen, und als ich mal bei seiner Familie zu Thanksgiving war, erzählte mir seine Schwester, dass er verlassen worden ist vor einigen Jahren und er so etwas nicht wieder verkraften könnte. Ich hatte nicht weiter nachgefragt.
Trotzdem musste ich lächeln beim Anblick des Fotos. Im Hintergrund sah man die Verwüstung der Party und ich war froh, vor all dem gegangen zu sein.
Ich sah wieder auf die Uhr. Ein bisschen Zeit hatte ich noch.
Erst mal Kaffee, dann sehen wir weiter.
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