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Why'd you lie to me?

von Saphira29
OneshotLiebesgeschichte / P12 / FemSlash
Jane Rizzoli Maura Isles
20.10.2020
20.10.2020
1
1.900
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„Vielen Dank, dass ich bei dir duschen darf“, lächelte ich Maura an. „Irgendwie hab ich mit meiner Wohnung kein Glück. Ständig ist was Neues und der Wasserrohrbruch heute, gibt mir den Rest.“

„Schon in Ordnung, Jane. Wenn du möchtest, kannst du heute auch gern hier schlafen“, meinte sie und lächelte etwas unsicher.

Ich nickte, ging zum Kleiderschrank, in dem ich einige meiner Sachen aufbewahrte und holte mir komplett frische Klamotten, bevor ich ins Badezimmer unter die Dusche ging. Seit Wochen verhielt sie sich eigenartig und auch wenn sie vielleicht der Meinung war, dass es niemandem auffiel, so waren ihre Blicke doch ziemlich eindeutig. Selbst Korsak und Frost sprachen mit mir über ihr Verhalten und bestätigten so, ohne es zu ahnen, meinen Verdacht. Ich nahm mir etwa fünfzehn Minuten Zeit um zu überlegen, wie ich sie aus der Reserve locken konnte, allerdings fiel mir nur eine Möglichkeit ein und für die würde sie mich vermutlich innerlich töten.

Als ich soweit fertig war, hörte ich, wie mein Handy klingelte, ging aus dem Badezimmer in die Küche, auf dessen Kochinsel mein Telefon lag. Ich nahm ab, sprach mit Korsak und beobachtete Maura die ganze Zeit im Augenwinkel. Von der Gesichtsfarbe her, machte sie einer Tomate beinahe schon Konkurrenz. Ich legte auf und tat so, als wäre mir das nicht aufgefallen, als ich sie ansah.

„Du solltest vielleicht lieber hinschauen, was du tust. Ich möchte dich nicht ins Krankenhaus bringen müssen, weil du dir beim Lauch schneiden einen Finger abgeschnitten hast“, grinste ich.

„Äh... Wie bitte?“, schüttelte sie ihren Kopf um sich aus ihren Gedanken zu reißen. „Oh... Wer war das denn?“, wechselte sie das Thema.

„Zuerst will ich wissen, was dich so abgelenkt hat?“

„Ich hab nur nachgedacht.“

„Müssen ja ziemlich schmutzige Gedanken gewesen sein, bei dem grinsen und der Gesichtsfarbe die du hattest.“

„Ich hab nur... ähm... Mir kam nur Jack wieder in den Sinn“, log sie.

„Schade. Ich dachte schon, du hättest den Gesichtsausdruck weil ich es, wegen Korsak, nur in die Unterwäsche geschafft habe.“ Sie sah mich erschrocken an und wurde schlagartig blass. „Wie geht es Jack eigentlich? Ihr habt doch noch Kontakt, oder? Immerhin habt ihr euch zwar vor einem Monat getrennt, seid aber Freunde geblieben, wenn ich mich nicht irre“, wechselte ich diesmal vorerst das Thema um ihr ein wenig entgegen zu kommen.

„Ihm geht’s gut. Er verbringt viel Zeit mit seiner Tochter und hat auch beruflich alle Hände voll zu tun.“

„Das ist schön für ihn. Seht ihr euch irgendwann wieder?“

Ich kannte die Antwort darauf, aber noch musste ich mein kleines Spielchen weiter spielen. Ich ging zurück ins Badezimmer und zog mir auch die anderen Sachen an.

„Vorerst nicht. Und ich weiß auch nicht, ob das so eine gute Idee wäre“, rief sie mir zu.

„Warum? Du hattest seit einem Monat keinen Mann mehr im Haus. Versteh mich jetzt nicht falsch, aber das kenne ich nicht von dir.“

Ich war in der Zwischenzeit wieder zu Maura in die Küche gegangen, stützte mich mit den Ellenbogen auf der Kochinsel ab und wartete auf ihre Antwort.

„Ich brauche einfach etwas Zeit um mit der Trennung fertig zu werden, das ist alles.“

Zweite Lüge. Ich musste ihren Ausschlag nicht sehen, um das zu wissen. Ich kannte sie lange genug um auch die kleinste Veränderung in ihren Augen erkennen zu können.

„Wenn du meinst.“

„Was wollte Sergeant Korsak eigentlich?“

„Oh, Mist. Das hätte ich fast vergessen. Nimm deine Sachen, wir müssen los. Da wurde wohl eine Leiche gefunden.“

„Warum ruft man mich nicht auch an?“

„Du warst wohl irgendwie nicht erreichbar.“

„Das kann nicht sein.“ Sie wischte sich die Hände an einem Küchentuch ab, ging um die Kochinsel herum und holte ihr Handy aus der Tasche. „Seltsam. Ich weiß genau, dass ich es nicht ausgeschaltet habe.“

„Siehst du? Und jetzt lass uns gehen.“

Ich zog sie sanft am Arm nach draußen, schnappte mir Autoschlüssel, Dienstmarke und Waffe und saß kurz darauf mit ihr im Wagen. Ein paar Minuten lang herrschte Stille zwischen uns und erst, als ihr auffiel, dass ich nicht gesagt hatte, wo sich die Leiche befand, hatte Maura ihre Stimme wiedergefunden.

„Wo müssen wir eigentlich hin?“

„Oh, ähm... Nach... Sag mal, warum hast du dich nochmal von Jack getrennt?“, wechselte ich das Thema erneut.

„Weil ich nicht zwischen Ally und ihrem Vater stehen wollte. Er hätte sich das nie verziehen, wenn er ihre besten Jahre verpasst. Warum fragst du? Du kennst doch die Antwort darauf.“

„Und was ist der wahre Grund, weswegen du noch allein bist? Sei ehrlich. Du hattest doch schon zu Beginn eurer Beziehung kein wirkliches Interesse an ihm. Dass seine Exfrau mit der gemeinsamen Tochter so weit weggezogen ist, dass Jack ihnen folgt, um Zeit mit Ally zu verbringen, kam dir also bestimmt gelegen.“

„Wie meinst du das? Was unterstellst du mir da?“

„Maura, du hast zwar immer von ihm geschwärmt und auch viel Zeit mit ihm verbracht, aber deine Augen haben etwas anderes erzählt. Mir hat da dieses Leuchten gefehlt.“

„Welches Leuchten?“

„Willst du mich verarschen? Du weißt genau, was ich meine.“

„Wo sagtest du, ist der Tatort?“

„Dazu habe ich nichts gesagt, weil es keinen gibt.“

„Was? Aber du hast doch gesagt...“ Per Zentralverriegelung sorgte ich dafür, dass Maura nicht aus dem Auto kommen würde, sollte es für sie unangenehm werden und die nächste rote Ampel ihre Rettung sein. „Jane, was wird das?“

„Warum?“

„Was 'Warum'?“

„Warum hast du dich von Jack getrennt?“

„Leidest du an Amnesie oder warum fragst du mich das erneut?“

„Ich will eine Antwort in Form einer Wahrheit.“

„Das ist die Wahrheit. Du weißt, dass ich nicht lügen kann.“

„Und doch tust du es. Glaubst du wirklich, dass dieses Tuch um deinen Hals dir bei deiner Lüge helfen würde?“

„Ich habe nicht gelogen.“

„Okay, dann anders.“

Ich bog bei der nächsten Gelegenheit auf die Autobahn ab und fuhr schneller, sobald ich die Möglichkeit dazu hatte.

„Jane, was wird das?“

„Wenn du mir nicht die Wahrheit sagen willst, obwohl ich dich freundlich danach frage, dann klären wir das eben auf die harte Tour. Also... Was ist der wahre Grund?“

„Das habe ich dir bereits gesagt.“

„Das ist schon das vierte Mal heute Abend, dass du mich belügst. So langsam verliere ich die Geduld, Maura.“

Mein Tonfall hatte schon beinahe etwas aggressives an sich, wirkte jedoch bewusst nicht einschüchternd auf sie.

„Jane, lass mich raus.“

„Mitten auf der Autobahn? Das halte ich für keine gute Idee. Eine Chance hast du noch.“

„Es gibt nichts, was ich dir sonst dazu sagen könnte.“

„Okay, du hast es so gewollt“

Ich beschleunigte erneut und holte alles aus meinem Fahrzeug raus, was ich konnte.

„Jane, bist du verrückt? Du wirst uns noch umbringen!“

„Dann hätte Pike seinen Spaß. Du weißt, dass er auf dich steht.“

„Was soll das?“

„Ich werde erst langsamer, wenn du mir endlich die Wahrheit sagst. Auf dem Weg zu dir habe ich mein Auto vollgetankt, ich würde es mir an deiner Stelle also gut überlegen, ob es nicht doch besser wäre, die Wahrheit zu sagen“, grinste ich und fuhr weiterhin wie eine Verrückte an den ganzen Autos vorbei.

„Ich halte es für keine gute Idee, dir hier davon zu erzählen.“

„Wenn ich langsamer werde, lügst du mich wieder an. Es gibt nichts, was du mir nicht sagen kannst. Also, ich höre.“

„Eine Sache gibt es da schon und ich habe nicht vor, uns beide deswegen ins Grab zu befördern.“

„Meinst du die Tatsache, dass du schon seit Monaten in jemanden verliebt bist und denkst, dass die Person kein Interesse an dir hat?“

„Woher...?“

„Warum glaubst du, dass ich dich verstoßen würde, wenn du mir sagst, dass du in mich verliebt bist?“

Sie sah mich geschockt an und war schlagartig ruhig. Ich wurde langsamer, fuhr die nächste Abfahrt runter und parkte auf einem nahegelegenen Parkplatz. Danach drehte ich mich auf dem Sitz zu ihr um und sah sie mit hochgezogener Augenbraue an.

„Ich...“

„Such nicht nach der nächsten Ausrede, Maura. Selbst Korsak und Frost ist es aufgefallen. Sogar Suzie hat gemeint, dass du in ihr nicht den Eindruck erwecken würdest, dass du mit Jack wirklich glücklich bist.“

„Und wie kommst du darauf, dass ich in dich...?“

Ich wartete, doch schien sie ihren Satz nicht beenden zu wollen.

„Schon allein, weil du es nicht einmal aussprechen kannst. Abgesehen davon, dass du dieses gewisse Leuchten, von dem ich dir vorhin erzählt habe, nur bei mir bekommst. Und die Tatsache, dass du mir schon vor Jack etwas aus dem Weg gegangen bist, verstärkt meinen Verdacht.“

„Vielleicht bildest du dir auch einfach nur etwas ein“, flüsterte sie schon fast.

„Soll ich noch mal auf die Autobahn fahren, Maura?“

„NEIN!“

„Ich hätte es auch verstanden, wenn du es ein wenig leiser gesagt hättest“, hielt ich mir kurz die Ohren wegen der plötzlichen Lautstärke.

„Bring mich bitte nach Hause. Ich bin müde.“

„Du lügst schon wieder. Weißt du was, wenn es dir so schwer fällt, machen wir es eben anders.“

Noch bevor sie wirklich reagieren konnte, zog ich ihr Gesicht zu mir und küsste sie einfach. Erst war sie geschockt, doch dann legte sie ihre Hand auf meine Wange und ließ sich darauf ein. Als ein leises Stöhnen ihren Mund verließ wusste ich, das mein Bauchgefühl mich nicht im Stich gelassen hatte und lächelte gegen ihre Lippen.

„Warum hast du...?“, fing sie verwirrt an, wurde von mir jedoch zum Schweigen gebracht.

„Ich bin Detective, Maura. Ich weiß, wann man mich belügt und noch viel mehr kann ich die Körpersprache der Menschen deuten, mit denen ich sehr oft meine Zeit verbringe. Und deine Körpersprache hat schon lange danach geschrien, dass du nicht die Wahrheit sagst. Abgesehen davon, habe ich dich immer für ein Genie gehalten, aber wenn ich in Unterwäsche vor dir rumlaufe und du knallrot anläufst, von dem Grinsen ganz zu schweigen, checkst du nicht, dass es mehr als offensichtlich ist, was dir durch den Kopf ging“, lachte ich sie beinahe aus.

„Du hast das geplant?“

„Um ehrlich zu sein, ja. Es gibt keinen Wasserrohrbruch und Korsak sollte zu einer gewissen Zeit anrufen, damit ich einen Grund hatte, dich zu ärgern.“

„Und mein Handy? Warum war es aus?“

„Als ob du etwas mitbekommen würdest, wenn du mit dem Rücken zu mir am Herd stehst“, grinste ich und gab ihr so die Antwort, die sie hören wollte.

„Und was wird jetzt aus uns? Ich will nicht, dass du mir deswegen aus dem Weg gehst.“

„Okay, du bist wirklich ein dummes Genie“, lachte ich erneut.

„Was meinst du?“

Noch bevor ich etwas sagte, küsste ich sie erneut und legte dabei so viel Gefühl wie möglich hinein.

„Hast du es noch immer nicht verstanden?“

„Oh... Also bist du...?“

„Es scheint dir heute schwer zu fallen, vollständige Sätze auszusprechen, wie mir scheint“, ärgerte ich sie, als sie ihren Satz erneut vorzeitig beendet hatte. „Ja, ich liebe dich und ja, ich war sogar eifersüchtig auf Jack, weil er hatte, was ich wollte. War das jetzt deutlich genug oder soll ich erst meinen Benzintank leeren und dir ein brennendes Herz auf den Asphalt liefern?“

„Das mit dem Herz klingt ziemlich verlockend, aber dann würden wir eine ganze Weile hier festsitzen. Abgesehen von der Straftat, die du damit begehen würdest.“

Ich schüttelte nur lachend den Kopf, ließ den Motor wieder an und fuhr diesmal anständig zu ihrem Haus zurück. Auch wenn es anstrengend war, sie endlich dazu zubringen, offen mit mir zu reden, hatte es sich am Ende doch gelohnt.
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