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17 ain't so sweet

von Houslock
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / FemSlash
Jane Rizzoli Maura Isles
20.10.2020
05.05.2021
22
53.377
16
Alle Kapitel
95 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
05.05.2021 3.446
 
Hallo :)
Nach einer ganzen Weile hab ich mich dann auch mal wieder an ein neues Kapitel gewagt. Ob es mir jetzt gefällt, sei dahin gestellt. Immerhin ist es erstmal vom Tisch. Ich hab meine Auszeit aber auch wirklich sinnvoll genutzt! Ich hab viele schöne Stories hier gelesen, mich in einer neuen Serie verrannt (Criminal Minds hust hust), mir der ich aber ganz konsequent in der zweiten Staffel wieder aufgehört habe.
Jedenfalls ist das Kapitel der Grund, dass ich dann morgen fünf Minuten vor Deadline ein Selbstportrait kritzeln und meiner Kunstlehrerin schicken muss. Was soll man auch früher anfangen, wo man doch 2 Wochen Zeit hat?

Hier also meine Prokrastination. Wünsche frohes Lesen...der Titel sagt alles.
LG Vani


♠️


Die frischen Laken fühlten sich surreal glatt unter ihren schwitzigen Händen an, als sie den Stoff unter die Mattratze klemmte und sich anschließend daraufsetzte, worauf das Mädchen, welches das andere Ende des ausgezogenen Bettkastens übernommen hatte, es ihr gleichtat. Da saß die Brünette nun mit hängenden Schultern, spielte an ihren eigenen Fingern und blickte nur vereinzelt heimlich zu der Honigblonden hinüber, deren Gesicht im Gegenzug ein breites Lächeln zierte, als ihre haselnussgrünen Augen jede von Jane Rizzolis Bewegungen verfolgte.

„So“, machte Jane, wollte ihr doch kein vollständiger Satz über die Lippen kommen, als sie sich vollends ihrer gleichalten Nachhilfelehrerin zuwandte und versuchsweise mit den Mundwinkeln zuckte.

„So?“, fragte Maura nach, schnaubte dabei belustigt. „Ist das alles, was wir einander zu sagen haben?“

Ob ihr denn nicht auffällt, dass mir mein Herz bis zum Hals schlägt und ich alle Fassung bewahren muss, nicht augenblicklich zu Boden zu gehen?, hörte der Lockenkopf sich selbst sagen. „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“, gestand die Größere dann schlussendlich.

„Vielleicht mit dem, was vorhin unten passiert ist? Sollten wir darüber nicht reden?“, schlug die Blonde vor und grinste noch breiter bei der Erinnerung.

Sie spürte, wie ihr wieder die Röte in die Wangen schoss, wenn sie an Janes Lippen dachte, die Zunge, die zaghaft und unerfahren um ihre eigene tanzte. Unterbrochen wurde ihr wunderschöner Moment von Angelas Stimme, die Jane aufforderte das Bett herzurichten, da Maura doch sicher bei ihnen schlafen würde. Beschämt hatten diese schokobraunen Augen in ihrem Gesicht nach Reue gesucht doch stattdessen war nur Platz für ein Lächeln von einem bis zum anderen Ohr gewesen, dass Maura regelrecht strahlte. Und als sie Janes Hand nahm, da passte sie so perfekt in die ihre, als wären sie füreinander bestimmt gewesen. War ihr das denn nie aufgefallen? Schon bei ihrem ersten Treffen hatte Maura sie bei der Hand ergriffen, da noch, um sie ins Bad zu ziehen und ihre mehr als oberflächlichen Schürfwunden zu untersuchen. Doch als sie vorhin die Treppe zu Janes Zimmer hochgestiegen waren, da glaubte Maura, dass es nie anders hätte sein können. So natürlich fühlte es sich an.

Der Lockenkopf schwieg eine Weile, ehe er begann: „Wir haben uns geküsst.“

„Das haben wir“, bestätigte Maura.

Jane vergrub plötzlich peinlich berührt das Gesicht in den Händen. „Verdammt, Maura, was tun wir nur?“

„Warum müssen wir uns denn Gedanken um das machen, was als nächstes passiert? Können wir das Jetzt nicht einfach genießen?“

„Ich weiß ja nicht einmal was das überhaupt ist.“ Ihre Stimme drang gedämpft aus ihrem verdeckten Mund.

„Ich kann es dir auch nicht sagen. Aber es fühlt sich doch gut an, oder?“

„Ja.“ Nur ist es richtig? Jane kam nicht zu weiteren Überlegungen. Maura hatte ihr die Hand vom Gesicht weggezogen und in die ihre genommen, führte sie zu ihren Lippen. Der Kuss war schön und sanft und die Blonde tanzte fast über ihren Handrücken, als sie weiterging und dann die Fingerknöchel mit einer leichten Nässe zierte.

„Das fühlt sich auch gut an?“, fragte Maura, ließ Janes Hand in ihren Schoß gleiten und legte ihren Kopf auf die Schulter der Brünetten.

„Das tut es. Und das auch.“ Jane hatte sie nun an der Wange erfasst und strich zärtlich über die Haut, bevor sie ihre Lippen auf die des anderen Mädchens legte. Sie hörte Maura in den Kuss seufzen und lachte belustigt auf, trennte sich dabei von ihr und versuchte sich wieder zu konzentrieren. „Okay, ja das ist gut.“

„Nur gut?“, stichelte die andere.

„Mehr als gut.“ Wieder fing sie ihren Mund ein, küsste sie nun mit mehr Gefühl, hektischer und glaubte schon, ein Stöhnen zu hören, das Maura entwichen war.

Und als sie sich voneinander lösten, um einen nötigen Atemzug zu tätigen, da lehnte Maura ihre Stirn an Janes, die Augen geschlossen. Dass Jane allerdings lächelte, spürte sie auch so, denn ihr ging es nicht anders.

Das Klopfen am Türrahmen ließ sie dann schließlich auseinanderfahren und der Junge, der es wagte, ihre Zweisamkeit zu stören, wurde aus zwei Augenpaaren bis auf die Knochen taxiert.

„Ähm ... hey, ich weiß ja nicht, ob es auch als Mathe gilt, wenn du Mauras Sommersprossen zählst, aber-“

„Verdammt, Tommy, spuck‘s aus oder verzieh dich wieder!“, kam Janes Antwort an ihren jüngeren Bruder derbe, dass Maura ihr zur Beruhigung eine Hand auf den Rücken legte.

„Kein Grund gleich Grinch zu werden. Wo wir gerade dabei sind. Pops hat unten ‘ne Art Heimkino eingerichtet, wo jetzt Weihnachtsfilme laufen und ich soll fragen, ob ihr denn auch dazu kommen wollt.“

Zögerlich wandte Jane den Kopf zu Maura um – dem Mädchen, für das sie noch keine passende Bezeichnung gefunden hatte. War sie jetzt ihre Freundin? Führten sie eine Beziehung? Oder war alles, was sich heute Abend zugetragen hatte, nicht mehr als durch Weihnachten induziert und würde letzten Endes nichts bedeutet haben, wenn sie einander im neuen Jahr bei der Nachhilfe wieder professionell und nüchtern unter die Augen traten.

Doch Maura lächelte nur, hielt ihre verbundenen Hände noch immer in ihrem Schoß. „Das ist eine ganz wunderbare Idee, Tommy. Wir kommen sofort.“ Dass Maura den Jungen beim Namen nannte, ließ ihn gleich wie ein Honigkuchenpferd grinsen und beflügelt wieder die Treppe runter hüpfen.

„Bitte?! Ich dachte, du guckst dir keine Weihnachtsfilme an.“

„Stimmt schon. Jedenfalls nicht alleine. Aber mit dir wäre das doch etwas anderes, stimmts?“

Jane nickte darauf verstehend und machte ihrem Bruder mit der aufgesetzten Miene so deutlich Konkurrenz, dass man nicht leugnen konnte, dass es sich bei ihnen um Geschwister handelte, selbst wenn man es wollte.

„Na dann komm.“ Maura drückte Janes Hand zaghaft und zog sie auf die Beine, führte sie zur Treppe und vorbei an Frankies offener Tür, der die traute Geste seiner Schwester und deren Nachhilfelehrerin mit einer fragenden Augenbraue quittierte.

Die Mädchen gingen die Stufen runter, noch immer Hand in Hand und erst als sie die Schritte hinter sich hörten, fuhren sie auseinander. Und Jane vermisste Mauras Kontakt sofort schmerzlich, dass sich ihre Finger im Verlust der Berührung nach ihr ausstreckten, jedoch nur ihren Arm streiften, als die Blonde sich schon in Bewegung setzte.

Im Wohnzimmer war die halbe Familie schon versammelt, das Oberhaupt noch laut fluchend am Tüfteln mit dem Projektor.  Doch nur wenige Augenblicke später kamen die Logos diverser Filmgiganten auf der freigeräumten Wand zum Vorschein.

„Na bitte, wer sagt’s denn?“, lobte der Vater sich selbst und betrachtete sein Werk, bevor er sich genießerisch setzte. Maura und Jane, die einen Blick austauschten, gesellten sich dann zu Tommy auf die Couch, der sich der Länge nach ausgestreckt hatte und so eigentlich die ganze Sitzfläche mit seinem pubertierenden Körper in Beschlag nahm.

„Tommy, zieh die Beine ein und lass die beiden sitzen. Und Frankie, Schatz, du musst doch nicht auf dem Boden liegen wie ein Hund!“

„Aber der Teppich ist bequem, Ma!“, protestierte der Fünfzehnjährige darauf, wodurch die Diskussion sich gipfelte.

„Können wir denn mal ruhig sein und zumindest noch die restliche Hälfte der Geschichte von den Whos hören?“, schaltete Jane sich dann schließlich ein, die es sich mit Maura am Fußende der Couch größtenteils gemütlich gemacht hatte.

„Wieso? Du kannst doch bei dem Streifen eh schon mitquatschen!“, entgegnete Tommy, der dem Disput zwischen Mutter und Bruder eingehend gelauscht hatte.

„Ich vielleicht. Aber Maura nicht!“, gab der Lockenkopf heftig zurück und erinnerte alle wieder an die Anwesenheit des Gastes der sie an diesem Heiligabend beehrte und vor welchem sie seither nicht als Musterfamilie aufgefallen waren. Die Reue zog sich durch alle Gesichter und von da an war nur noch der Grinch zu hören, wie er seinen ikonenreichen Tagesplan aufzählte und dabei für alles und doch nichts Zeit zu haben schien.

„Das macht nichts, Jane. Vielleicht erzählst du mir später einfach den Anfang“, flüsterte Maura ihrer Freundin ins Ohr, bekam jedoch nicht die darauffolgende Gänsehaut mit.

„Sicher.“ Wieder fanden ihre Hände ihren Weg zueinander, die Finger verschränkten sich und blieben in engem Kontakt. Ungeachtet von der Familie, die nur Augen für das Schauspiel an der Wand hatte, konnte Maura ihren Kopf ganz sachte auf Janes Schulter legen. Und es stimmte, was die Blonde ihr zuvor gestanden hatte: nirgends würde sie lieber sein, denn sie hatte in diesem Moment wirklich alles, was sie jemals wollte. Sie saß mit freundlichen Menschen zusammen, die sie gern in ihr Haus eingeladen hatten und schaute mit ihnen Weihnachtsfilme, die sie alleine nicht geschaut hätte. Und mit allen möglichen Macken, wie Jane die Familie Rizzoli geschildert hatte, war in ihrer Mitte zu sitzen für das Mädchen doch der Himmel auf Erden.


Ein sanfter Ruck an ihrem Arm ließ sie die Augen öffnen und wieder zu sich kommen. Janes warmes Schokobraun musterte sie so liebevoll als hätte sie sie eine ganze Weile lang beobachtet.

„Lass uns lieber hoch gehen, bevor du hier auch noch die Nacht verbringst, Maura“, flüsterte Jane in den im Dunkeln liegenden Raum, als gerade der Abspann eines Maura nicht bekannten Films lief. Hatte sie etwa so viel verpasst? War Janes Schulter so einladend gewesen, dass sie glatt eingeschlafen war? Die Quittung bekam sie nun durch ihre schmerzenden Nackenmuskeln.

Das Mädchen nickte schlaftrunken, rieb sich die Augen und huschte dann hinter Janes Gestalt hinterher, die sie nur schemenhaft ausmachen konnte. Den Rest der eingenickten Familie ließen sie zurück.

Die Konturen der Möbel konnte Maura nur schlecht ausmachen und nicht wenig später, hörte Jane ein dezentes Poltern wie auch einen unterdrückten Schmerzensschrei der blonden Schönheit.

„Geht’s dir gut?“, fragte Jane, als Maura zu ihr in den Flur gehumpelt kam.

„Nicht weiter schlimm, ich hab mir nur das Schienbein angestoßen. Das wird ein Hämatom auf meinem-“ Doch der Lockenkopf ließ sie mit einem schnellen Kuss verstummen.

„Hab verstanden. Ich mach gleich, dass es aufhört.“ Sie flitzte schon die Treppen rauf und hörte die andere hinter sich, drehte sich immer wieder um, nur der Sicherheit halber, Maura würde sich nicht noch weiter verletzten.

„Oh, hast du vor, es zu kühlen? Ein bisschen Eis kann tatsächlich die Ausbreitung eines größeren Blutergusses verringern.“ Aber ihre Frage blieb unbeantwortet.

Nun war es Jane, die sie am Arm gegriffen hatte und unwirsch ins Bad zog und sie auf den Toilettendeckel setzte, sich hinkniete und Maura angrinste, ehe sie den verletzten Unterschenkel ausstreckte und sanft die rote Stelle küsste. Ihre Lippen tanzten zärtlich auf der verletzten zarten Haut. Als sie wieder hochblickte, sah Maura sie mit zusammengekniffenen Augenbrauen an.

„Jetzt geb doch zu, dass es weniger wehtut“, sagte Jane und sah sie entgeistert an. Hatte die Aktion gerade denn etwa gar nichts bewirkt?

„Ich muss dich enttäuschen, nein.“

„Sag mal, hat deine Mutter nie auf deine Blessuren gepustet, wenn du dich auf dem Spielplatz verletzt hast und weinend zu ihr gerannt bist?“

„Soweit ist es bei mir nie gekommen.“

„Aber was ein Spielplatz ist, weißt du schon, oder? Ich kann doch keinen Cyborg geküsst haben!“

„Nein, ich kann aber gut einen imitieren.“ Bevor Jane dazu kam, weiteres zu erwidern, begann Maura schon die Arme mechanisch zu bewegen und ihren Oberkörper vor und zurück zu schaukeln.

„Oh Hilfe, mir wird schlecht“, meinte Jane sarkastisch und Maura stoppte sofort ihren kleinen Robotertanz und stand auf, um für Jane die Kloschüssel frei zu machen, sollte sie sich wirklich übergeben müssen. „Nein, nein, setz dich wieder. Das war nur Ironie.“ Sie seufzte. „Also sollten die Roboter jemals die Weltherrschaft an sich reißen, wärst du die Erste, die sie enttarnen würden und mit geschossenen Laserstrahlen enthaupten.“ Bei dem Gesagten knuffte Maura ihr gegen die Schulter.

„Du bist nicht komisch, Jane Rizzoli.“

„Aua, das hat jetzt aber weh getan! Bekomm ich wenigstens einen Kuss, Maur?“ Die Blonde kam dem schneller nach, als sie reagieren konnte. Schon war ihr Gesicht gepackt und feuchte Lippen pflanzten sich für einen kurzen Schmatzer auf die ihren.

„Ist es jetzt besser?“

Jane nickte übertrieben. „Sehr!“ Beide Mädchen lachten darauf wegen der Albernheit. „Na komm, lass uns uns fertig fürs Bett machen.“

Sie schwiegen nebeneinander beim Zähne putzten, Maura nun in einem Shirt von Jane, das ihr so knapp unter dem Po endete, dass die kurze Hose, die sie zusätzlich trug, alle Träumereien zerstörte.

Und als sie später in dem ausgezogenen Bett lagen, hielt diese Stille an. Beiden Mädchen ging durch den Kopf, was das alles zu bedeuten hatte, was sich bis heute zwischen ihnen ereignet hatte. Im gedimmten Licht konnte Maura nur schwach die Konturen von Janes scharfen Kieferlinien ausmachen, als sie sie erblickte, wie sie eigens in tiefen Gedanken versunken war.

Würden wir das schaffen?, dachte Maura. Würden wir es fertigbringen, alles einfach auf uns zukommen zu lassen? Ohne auch nur darüber zu reden oder nächste Schritte zu planen?

So sehr sie es sich an diesem Abend versucht hatte, einzureden, ganz über die Abrupte Trennung von Daniel war sie noch nicht hinweg. Jedenfalls nicht so, dass sie sich schon jetzt in die nächste Beziehung stürzen konnte. Und wäre das überhaupt etwas, was Jane auch wollte?

Plötzlich vernahm sie von ihrer Linken nur noch tiefe, ruhige Atemzüge. Jane musste während ihrer Grübelei eingeschlafen sein.

Oder kümmert es dich etwa so wenig, dass du seelenruhig schlafen kannst? Oh Jane, wenn es nur so einfach wäre, dass wir beide uns um nichts Gedanken machen müssten und unser Glück einfach genießen könnten. Wenn nur. Was gäbe ich dafür?


Es war noch immer Dunkel, als die Honigblonde wieder die Augen aufschlug. Es dauerte einen Moment, ehe sie sich wiederfand, doch als sie an ihrer Seite Jane erblickte, die in Embryonalstellung zu ihr rübergerutscht war und nun so dicht an ihrer Seite schlief, dass sie selbst beinahe aus dem Bett fiel, kamen die Erinnerungen schnell zu ihr. Sie schluckte, doch ihre Kehle fühlte sich an wie ausgedörrt und wie sie es sah, hatte Jane keine Flasche Wasser im Zimmer, mit der sie ihr Unwohlsein schnell beheben könnte. Sie wandte sich wieder dem Lockenkopf zu, lächelte bei dem friedlichen Anblick dieser und strich ihr sanft eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht, streichelte ihr die Wange, worauf Jane sich leicht regte.

„Ich bin gleich zurück“, informierte Maura sie und bekam zur Antwort nur ein Gemurmel.

Das Paket war kalt, als sie die Beine über die Bettkante schwang, dabei überraschenderweise wirklich keine Schmerzen mehr an der Stelle empfand, die sie sich zuvor gestoßen hatte. Janes Lippen mussten wirklich heilend sein.

Sie senkte die knarrende Klinke so leise wie möglich und war überrascht von dem Lichteinfall, der sie darauf begrüßte. Schnell eilte sie heraus, huschte die Stufen herunter und versuchte so gut wie möglich unbemerkt zu bleiben. Die gedämpften Stimmen drangen erst zu ihr, als sie den Treppenabsatz erreichte und dann auf leisen Sohlen in die Küche schlich, wo sie sich eines der Gläser nahm, und den Hahn aufdrehte, um es mit Wasser zu füllen. So schnell wie sie gekommen war, wollte Maura auch wieder verschwinden, doch die plötzliche Klarheit in den Stimmen ließ sie in der Tür innehalten, noch bevor sie mehr als einen Schluck nehmen konnte.

„Können wir später darüber reden, Angie? Wenn wir geschlafen haben?“ Maura fragte sich, was Janes Eltern um diese Uhrzeit noch im Wohnzimmer zu suchen hatten, wo es jetzt doch schon nach drei war.

„Frank, die Zahlen werden auch dann nicht von jetzt auf gleich wieder grün werden. Wir sind im Minus! Und wenn wir uns nicht schnell was einfallen lassen, wie wir an allen Ecken und Kanten sparen, wird die Bank drohen, uns das Haus wegzunehmen. Wir leben schon von der zweiten Hypothek!“

„Kannst du mal aufhören, dir die schlimmsten Horrorszenarien zu spinnen?“

„Frank! Ich meine es ernst! Wir haben ein echtes Problem! Und länger können wir den Kindern nicht vorgaukeln, dass alles in Ordnung ist. Allein dieses opulente Weihnachten war ein Fehler.“

„Und was schlägst du vor?“, fragte Angelas Ehemann nach, der nun auch begann, sich um die Sache Gedanken zu machen.

Maura fühlte sich so falsch, sie zu belauschen, doch es machte ihr das Herz so schwer, dass sie sich nicht von der Stelle rührte. Vor allem, weil sie schon anfing, sich Gedanken zu machen, wie sie denn helfen könnte. An Mitteln fehlte es ihrer eigenen Familie immerhin nicht.

„Kürzer zu treten. Alles einzustellen, was Unkosten veranstaltet, wie zum Beispiel...“ Sie ließ den Satz in der Luft hängen.

„Die Rechnungen für Janes Nachhilfe sind ganz schön hoch. Wenn wir da vielleicht anfangen und Jane da rausnehmen, könnten wir weitersehen?“, schlug er vor und Maura wollte Nein schreien, wollte sie beknien, sich um gar keine Umstände dafür zu entscheiden. Ihre Kehle war wie zugebunden.

„Aber Jane hat sich so sehr verbessert, seit sie Nachhilfe nimmt! Und sie mag Maura.“

„Und nur, weil die beiden gut klarkommen, und die Kleine was auf dem Kasten hat, sollen wir der weiter Schubkarren um Geld in den Rachen schieben? Wenn Janie sich schon jetzt wieder gefangen hat und ordentliche Noten schreibt, dann sollte sie es auch alleine schaffen. Und wenn nicht? Ganz ehrlich, Angela. Ihren Traum Detective zu werden kann sie sich dann auch sonst wo hinschieben. Da kann sie gleich mit ins Unternehmen steigen, ändern wir eben den Namen, lockt dann vielleicht mehr Kunden an.“

Und plötzlich bei all dem, was Maura gehört hatte, rutschte ihr das Glas aus den schweißnassen Fingern und zerschellte brutal auf den Fließen, dass das Wasser nur so nach allen Seiten spritze.

„Maura?“, fragte Angela überrascht nach, hatte sie wohl kaum geahnt, dass noch eines der Kinder wach sein könnte. Schnell kam sie in die Küche und sah Maura halb nass und zitternd in der Tür stehen, die Augen schwer von unvergossenen Tränen.

„Es ... es tut mir so l-leid“, stotterte die Blonde und fuhr sich über den Mund, unfähig, sich anderweitig zu rühren. Angela zog sie vorsichtig aus der Pfütze und den Glassplittern raus, wo das Mädchen doch barfuß war.

„Halb so wild, Liebes. Geh nur wieder ins Bett, ich mach das weg. Schlaf gut, Süße“, sagte Angela ihr, als sie Maura den Rücken streichelte und sie dann aus dem Weg schob.

Wie benommen, ging die Blonde an dem Mann im Wohnzimmer vorbei, der es mied, sie anzuschauen und anschließend die Stufen. Jede Bewegung war wie mechanisch. Der Tränenschleier nahm ihr alle Sicht und so griff sie blind nach Janes Türklinke und trat ein. Mit bebender Unterlippe lehnte sie sich gegen die Tür und spähte zu Jane hinüber, der Rücken nun zu ihr gewandt und die schwarze Lockenmähne ergoss sich auf den Kissen. Sie wollte hier für immer stehen bleiben, wollte diesen Anblick der nichts ahnenden Jane in sich aufnehmen. Doch sie konnte nicht. Maura selbst war nicht stark genug, sich weiter selbst zu stützen.

Sie kroch zurück unter die Decke. Anstatt jedoch auf ihrer Mattratze zu bleiben, rutschte sie so dicht an Jane heran, wie nur möglich und umschlang ihren Körper fest, während sie begann ihr in den Nacken zu schluchzen. Sie wollte sie nicht verlieren, das durfte nicht geschehen! Alle Dämme brachen und ihr bebender Körper, vom Weinen geschüttelt, weckte Jane jäh.

„Maur? Was hast du? Was ist denn passiert?“, fragte Jane, die mit der Situation überhaupt nicht klarkam. Was um Himmels Willen hatte Maura so aus der Fassung gebracht, dass sie ihren Körper vollends einnahm, als sich beide aufsetzten. Doch ohne zu fragen, hielt Jane sie nur, strich ihr durch die Haare, über den Arm und küsste sanft die Tränen. Und mit jedem Kuss verdichtete sich der Fluss.


Es war noch früh am Morgen, als es plötzlich an der Haustür klingelte. Die Familie hatte sich gerade beim Frühstück eingefunden und alle Rizzoli Kinder waren verdutzt über das Verhalten, das ihre Eltern Maura entgegenbrachten wie auch umgekehrt.

So war es eine willkommene Flucht, als Angela, noch im Morgenmantel, zur Tür ging und diese öffnete. Überraschung machte sich bei ihr breit, als ihr Blick auf ein adrett gekleidetes Paar fiel, das sich nicht ganz sicher war, ob es denn in dieser Gegend richtig war.

„Guten Morgen. Wir wollen unsere Tochter Maura abholen.“

Und der Blick, den die beiden Mädchen sich am Tisch darauf zuwarfen, sprach Bände. Wie auch ihre Hände, die einander gefunden hatten und unter dem Tisch eng umschlangen. Angst auseinandergerissen und endgültig getrennt zu werden. Denn Jane wusste noch nicht, was Maura gestern schon das Herz in zwei geschlagen hatte.
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