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Dämonen sind nicht die Monster

von Reesa
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
19.10.2020
16.05.2021
9
8.872
3
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4 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.11.2020 1.065
 
Ich spüre eine angenehme Wärme in meinem Körper. Ich liege auf etwas weichem und kuscheligem. Und ich fühle mich einfach gut. Ist das der Himmel? Bin ich ertrunken und im Himmel gelandet? Das kann doch gar nicht sein. Selbstmörder kommen dort nicht hin. Also lebe ich noch? Ich muss nur die Augen öffne, dann weiß ich mehr. Okay, in der Hölle gibt es mit Sicherheit kein mit Stoffvorhängen besetztes Pfostenbett. Auch wenn die Rottöne dazu passen würden. Der ganze Raum ist in rot und braun gehalten. Die Wände sind mit Holz verkleidet, ebenso die hohe Decke. Aber außer dem Bett, befindet sich nicht viel in diesem Zimmer. Nur noch ein kleiner Nachttisch auf dem sich ein Glas Wasser befindet. Zögerlich greife ich danach. Ich setze das kalte Gefäß an meine Lippen. Erst jetzt wo ich trinke, merke ich wie durstig ich eigentlich bin. Langsam wird mein Kopf wieder klarer und ich versuche mich daran zu erinnern was passiert ist. Ich hatte in der Klinik Ärger mit einem der Pfleger, weil ich mich geweigert habe die Beruhigungsmittel zu nehmen. Also bin ich davongelaufen. Einfach immer weiter. Ich wollte einfach nur noch weg, bis ich auf der Brücke stand. Da wusste ich dann, wie ich von all dem wegkomme. Wie ich zu der Ruhe komme, nach der ich mich so sehne. Doch stattessen bin ich jetzt hier. Wo auch immer dieses hier ist. Wenigstens bin ich nicht zurück in der Klinik. Noch einen weiteren Tag diese trostlose graue Wand anzustarren, während Pfleger einen mit Pillen zu dröhnen, hätte ich nicht ertragen. Egal was alle sagen, in so einer Klinik wird man nicht gesund. Man wird ruhiggestellt, nichts weiter. Stellt sich also nur noch die Frage, ob dieser Ort hier besser ist. Wobei kein Ort besser ist, keiner den ich mir vorstellen kann. Das Geräusch der Tür reißt mich aus meinen immer trüber werdenden Gedanken.

Ein Mann kommt rein. Definitiv älter als ich und definitiv ist dieses blond gefärbt. Keiner hat so eine Naturhaarfarbe. Davon abgesehen sieht er ganz gut aus und er hat irgendwas in der Hand. Ein Teller, so wie es riecht mit Suppe. Sofort macht sich mein Magen bemerkbar. Ohne etwas zu sagen kommt er weiter auf mich zu. Und so viel Hunger ich auch habe, rücke ich instinktiv von ihm weg. Irgendwas an seinem Verhalten beunruhigte mich. Ich erreich die Wand des Bettes, als mein Kopf dagegen knallt. Weiter zurück kann ich also nicht. Aber auch das scheint ihm egal zu sein. Er hält mir nur den dampfenden Teller unter die Nase. Hühnersuppe, ein Löffel schwimmt zwischen Nudeln und Fleisch herum. „Iss.“ Seine blauen Augen blicken mich erwartungsvoll an und er hält den Teller noch dichter an mich ran. Außer dieser Aufforderung scheint er nichts weiter sagen zu wollen. Er sitzt auf der Bettkante und sieht mich an. Bzw. er starrt mich an, das ist gruselig. Und beunruhigend. Das macht mir Angst. Vielleicht ist er ein Irrer, der mir wer weiß was antut. Ich mag sterben wollen, aber doch nicht so. Ich wollte immer ertrinken. Einfach in das kalte Wasser springen und davon verschluckt werden. Nicht gewalttätig ermordet. Gefühlt sitzen wir bestimmt schon 10 Minuten so. Er scheint nicht gehen zu wollen, also mach ich vielleicht einfach was er von mir möchte. Zögerlich greife ich nach dem Besteck und schiebe mir den Löffel in den Mund. Das scheint ihn zu beruhigen. Seine ganze Körperhaltung entspannt sich und er rückt endlich von mir ab. „Gut.“ Er steht auf und lässt mich mit meinem Essen und den Fragen allein.

Den leeren Teller stelle ich zum Glas auf den Nachtschrank. Ok, vielleicht will er mich nicht töten, was immer noch die Frage aufwirft, was er von mir möchte. Ich schlage die Bettdecke zurück und stehe langsam auf. Was sind das für Klamotten? Ich trage eine schwarze Jeans und dazu ein ebenso schwarzes Shirt mit V-Ausschnitt. Das ist zwar definitiv besser als meine Krankenhauskleidung, aber es sind nicht meine Sachen. Und irgendwie unbequem so im Bett. Außerdem sind sie mir etwas zu eng, fast schon anzüglich. Ich gehe langsam auf die Tür zu, aus der dieser Kerl rausgegangen ist. Aber da ist noch eine Tür. Ebenfalls aus dunklem Holz mit goldener Klinke. Jetzt habe ich die Wahl, ich kann rausgehen und diesem, eventuell Irren, in die Arme laufen oder schauen was hinter der anderen Türe ist. Ich bin immer noch am Leben. Und in nächster Zeit werde ich diesen Umstand auch nicht ändern, da kann ich mich ruhig was umsehen. Also gehe ich durch Türe Nummer zwei. Einfach alles ist aus Marmor. Die Bodenfließen, die Wandfliesen, das Waschbecken. Nur Toilette und Wanne sind aus weißem Porzellan. Die Badewanne ist riesig und steht mitten im Raum auf vier Füßen. An der hohen Decke hängen riesige Lampen, die den ganzen Raum erleuchteten. Mit einem lauten Knall schlägt die Tür hinter mir zu. Ich war unbewusst in die Mitte des Raumes gegangen und hatte nicht mitbekommen, wie der Mann hinter mir aufgetaucht war. „Es, es, es tut mir leid. Ich wollte nicht einfach aufstehen. Oder hier reingehen. Wirklich nicht.“ Ohne es zu wollen beginne ich zu zittern. Mein Atem wird flach und ich bekomme langsam wirklich Angst. „Schon okay.“ „Wirklich, es tut mir ehrlich leid. Ich mache es auch nicht wieder. Bitte, bitte tu mir nicht weh.“ Verständnislos blickt er mich an, langsam wandern seine Augen über meinen Körper und scheinen jeden Makel und jede Unreinheit offenzulegen. Zu meiner Angst kommt jetzt noch das Gefühl von Unbehagen und Entblößtheit dazu. Er sagt nichts. Wie schon zuvor sagt er einfach nichts. Nur diese durchdringenden, blauen Augen die alles in sich aufzunehmen scheinen. „Wenn Sie mir sagen, wo ich bin, dann gehe ich und störe Sie nicht weiter. Versprochen. Ich verrate auch niemanden etwas.“ Nicht dass ich wüsste was ich irgendwem sagen könnte. „Nein.“ Ok. Das war eine klare Aussage, auch wenn sie mir nicht wirklich weiterhalf. Erneut kam er auf mich zu. Und erneut weich ich vor ihm zurück bis ich an der Wand ankomme. Da ich augenscheinlich nirgendwo hinkann, bleibe ich einfach weiter zitternd stehen uns sehe zu wie er mir immer näher kommt und seine Hand hebt, bis sie auf meiner Stirn landet. Eine Weile lässt er sie einfach dort liegen. Dann murmelt er ein „Gut“ und nimmt sie wieder runter.

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So ihr lieben hier das zweite Kapitel wie versprochen.  Das nächste kommt dann am 28.11.2020
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