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Nicht gesucht und doch gefunden – Wenn aus Abneigung Liebe entsteht

von BAB
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
19.10.2020
05.04.2021
13
31.925
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19.10.2020 1.816
 
Kleine Anmerkung um eventueller Verwirrung vorzubeugen: Die Geschichte wurde von mir hier schonmal veröffentlicht, allerdings bin ich dabei sie zu überarbeiten und nach und nach wieder hochzuladen. Der Anfang wurde verändert, ansonsten könnte dem ein oder anderen einiges bekannt vorkommen. In welchem Rhythmus Kapitel hochgeladen werden kann ich nicht sagen.

Ansonsten wünsche ich erstmal viel Spaß.

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Bichlheim. Eine kleine Gemeinde irgendwo in Bayern. Unendliche Landschaften, Wälder, Seen, Flüsse und Felder, so weit das Auge reichte. Inmitten dieser idyllischen Lage versteckte sich ein Fünf-Sterne-Hotel. Der Fürstenhof. Hier war immer etwas los - so auch an diesem Tag.

Der Westflügel war festlich geschmückt und ließ erahnen, welche Gäste schon sehr bald hier feiern sollten. Es waren wie so häufig Hochzeitsgäste. Auf einem Tisch an einem langen Ende einer Tafelrunde standen Buchstaben die die Worte „Mrs. & Mr.“ bildeten. Hinter diesem Tisch befanden sich Luftballons die Ringe darstellten, die wiederum ineinander griffen. Alles war in Weiß gehalten, von den Tischdecken bis zu den Sitzpolstern. Für genügend Abwechslung und Kontraste sorgte die Farbe Blau. Weiße und blaue Gardinen zierten abwechselnd die Fenster und versperrten die Sicht auf die Gartenterrasse.  Der Fürstenhof hatte schon viele Hochzeiten gesehen und diese hier würde garantiert nicht die Letzte sein. Jedoch fand das Wichtigste an einer Hochzeit, die Trauung, nicht hier statt. Um sich davon zu überzeugen, dass nach der Trauung alles glatt lief, sah Desirée Lechner noch einmal im Westflügel nach dem Rechten. Für Davids und Tinas Hochzeitsfeier hatte sie den kompletten Westflügel gebucht, inklusive der Gartenterrasse mit Bar, und für Hotelgäste sperren lassen. Als PR-Managerin mit guten Kontakten zur Chefetage war es ihr ein leichtes gewesen, das hier für David und Tina zu organisieren. Im Inneren sah alles nach ihrer Zufriedenheit aus, es fehlte also nur noch, draußen auf der Gartenterrasse nach dem Rechten zu sehen. Hier wurde sie fündig. Es wäre zu schön gewesen, wenn alles sofort nach ihren Vorstellungen umgesetzt werden würde. „Katharina!“, rief Desirée in Richtung der Kellnerin die dabei war Gläser der Bar zu polieren. „Ja bitte, Frau Lechner?“, sah die Kellnerin Desirée etwas eingeschüchtert an. Desirée hob etwas irritiert eine  Augenbraue an. War ihr Ton so furchteinflößend? Dann klopfte sie sich selbst in Gedanken auf die Schulter, denn ihr Ruf eilte ihr mal wieder voraus, das konnte schlecht oder gut sein. Gerade hatte sie keine Zeit um das weiter zu bewerten, eins musste sie trotzdem vorher klarstellen. „Ich heiße für Sie ab sofort wieder Frau Bramigk, ist das klar?“ Katharina nickte eifrig, dann fuhr Desirée fort: „Also… Warum stehen hier immer noch die Stühle und Tische, die ja wirklich schön sein mögen aus diesem geflochtenen Polyrattan, obwohl hier die Tanzfläche sein soll?“ Zur Verdeutlichung zeigte Desirée einmal um sich herum auf die Tische und Stühle, da sie sich mittig von diesen positioniert hatte. „Ich.. ich… weiß nicht…“, stotterte die Kellnerin. „Dann wissen Sie bestimmt auch nicht, warum die Tischdecken an den Stehtischen, die anscheinend durch eine glückliche Fügung hierhergekommen sind, immer noch wie nasse Säcke an diesen herunterhängen anstatt mit Gummis an deren Tischbein festgebunden zu sein? Habe ich Recht oder habe ich Recht?“ Katharina sagte gar nichts mehr, ließ die Schultern hängen und sah Desirée immer noch ein wenig eingeschüchtert an. „Holen Sie sich Hilfe und bringen Sie das in Ordnung! Alles muss man selber machen!“ Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Ordnung waren nicht zu unterschätzende Dinge und sie trug gerade die Verantwortung dafür, dass die Hochzeit ihres Bruders nach der Trauung erfolgreich weiterging. „Verlass dich auf andere und du bist verlassen…“, murmelte Desirée auf dem Weg zurück in den gemieteten Eingangsbereich des Westflügels. Eine Stunde hatte sie noch um in die Kapelle zu ihrem Bruder und Tina zu kommen und das möglichst pünktlich. Sie durfte sich hier nicht allzu lange aufhalten, denn sie war noch dazu Davids Trauzeugin. Im Eingangsbereich, dort, wo der Billardtisch seinen festen Platz hatte, entdeckte sie noch zwei Stehtische auf denen Tischdecken lagen, die nicht am Tischbein festgebunden waren. Das war ihr beim ersten Kontrollblick gar nicht aufgefallen. Genervt ging Desirée zurück und rief oben von den Treppen aus nach Katharina, die sich einen Kollegen geschnappt hatte und endlich dabei war die vorgesehene Tanzfläche zu räumen. „Katharina! Wenn Sie draußen fertig sind, können Sie hier drinnen gleich weitermachen. Zwei Stehtische brauchen dieselbe Behandlung wie die hier draußen!“ Um auch diese Aussage zu verdeutlichen, zeigte Desirée hinter sich. Schließlich wusste man ja nie, ob man es mit Idioten zu tun hatte oder  Riesenidioten, die nicht in der Lage waren zwei Tische zu finden. Noch einen letzten prüfenden Blick widmete sie dem weißen etwas größeren Raum, bei dem ausnahmsweise alles so war, wie sie es sich vorgestellt hatte. Von draußen aus gesehen befanden sich an der linken Wand zwei  lange Tische für das Buffet, auf der rechten Seite die lange Tafelrunde. Klein, aber gemütlich und einladend. Wenigstens hier war alles zu ihrer Zufriedenheit. Jetzt musste sie sich einem anderen, größeren Problem widmen – ihrer Mutter.

„Du wirst nicht auf diese Hochzeit gehen, Mutter!“
„Ich war schon nicht dabei als David und Tina es offiziell beim Standesamt machten.“
„Tja, traurig, aber wahr. Und auf diese Hochzeit wirst du auch nicht gehen!“, Desirée verschränkte entschlossen die Arme vor ihrer Brust und tat für einen Moment so, als würde sie Mitleid mit ihrer Mutter haben.
„Und was willst du dagegen tun, wenn ich es doch tue, Desirée!?“
„Das wirst du dann schon sehen. Versau David nicht den schönsten Tag in seinem Leben!“
„Wie kann es sein schönster Tag werden, wenn die Mutter schon wieder fehlt!“
„Er will dich nicht dabei haben. Kapiert? Er hat den Namen Hofer abgelegt, hat Tinas Nachnamen angenommen. Klingelt es immer noch nicht bei dir?“
Mutter und Tochter führten nicht zum ersten Mal ein Streitgespräch. Beatrice Hofer hatte noch nie viel Wert darauf gelegt, Wünsche ihrer Kinder zu akzeptieren. In Beatrices Hotelzimmer standen sich die Beiden gegenüber. Desirée war es ein Anliegen, es ihrer Mutter noch einmal zu verdeutlichen: Wenn ihr etwas an ihrem Sohn lag, dann musste sie akzeptieren, dass David sie nicht dabei haben wollte und genau das ihn an seinem Hochzeitstag glücklich machen würde.
„Schön, wenn es deinen Bruder und dieses Zimmermädchen glücklich macht, bleibe ich eben hier.“
Desirée zog skeptisch eine Augenbraue hoch. So leicht ließ sich ihre Mutter umstimmen? Das konnte nicht sein! Sie wusste schon jetzt, dass sie Augen und Ohren offen halten und mithelfen musste, um ihrem Bruder diesen Wunsch zu erfüllen. Beatrice wohnte im Fürstenhof und die Feier sollte hier stattfinden. Es wäre leicht für Beatrice, den Wunsch ihres Sohnes zu ignorieren, alleine schon aufgrund der Tatsache, dass alles so nah war. Wären Tina und David mal eher mit der Sprache herausgerückt, hätte sie bestimmt weiter weg einen viel abgelegeneren Ort gefunden um die Hochzeitsfeier auszurichten, ärgerte sich Desirée im Stillen.
Eine Sache musste Desirée noch richtigstellen. „Falls du es noch nicht mitbekommen haben solltest, Tina ist inzwischen Köchin hier am Fürstenhof.“
„Wie auch immer, dein Bruder soll sich ruhig ins Unglück stürzen.“
„Warum willst du eigentlich so dringend auf diese Hochzeit, wenn du Tina als zukünftige Schwiegertochter so runtermachst?“
„Wenn mein einziger Sohn heiratet, ist es meine Pflicht an seinem, Achtung ich zitiere: `schönsten Tag in seinem Leben`, Zitat Ende, dabei zu sein. Du bekommst es ja nicht hin, zu heiraten…“
„Ach nein? Wie kann es dann sein, dass Adrian sich von mir scheiden lässt um dieses Strickschaf zu ehelichen? Bestimmt, weil wir nicht verheiratet waren. Verstehst du? Ohne Ehe keine Scheidung und so?“
Beatrice tat gerade mal wieder das, was Desirée eigentlich schon gewohnt sein musste. Sie durfte sich von ihrer Mutter anhören, was sie im Leben alles nicht erreicht hatte, was sie nicht zu Ende gebracht hatte, was sie nicht getan hatte in ihrem Leben, um ihre Mutter zufrieden zu stellen. Manchmal ignorierte Beatrice Dinge, die sehr wohl schon erreicht wurden. Beatrice war jedoch noch nicht fertig, wie Desirée frustriert feststellen musste. Nie war sie gut genug für ihre Mutter.
„Lass mich ausreden“, sagte Beatrice und räusperte sich einmal bedeutungsschwer. „Hättest du es auf die Reihe bekommen von Adrian schwanger zu werden, dann wäre er jetzt noch an dich gebunden…“, erklärte Beatrice mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen. „Wenigstens das bekommt das Zimmermädchen - oh entschuldige - die Köchin hin. Tom ist doch von David, oder nicht?“
Na, vielen Dank auch! Jetzt benutzte ihre Mutter ihre zukünftige Schwägerin auch noch um ihr süffisant ihr Unvermögen unter die Nase zu reiben. Und die Tatsache, dass sie sehr wohl von Adrian schwanger war, ließ ihre Mutter wieder gekonnt außer Acht. Mit einer Fehlgeburt hatte sie im Leben nicht gerechnet. Genauer darüber nachdenken wollte Desirée jetzt nicht. Ja, sie war schwanger von Adrian, jedoch hatte ihre Mutter dazu beigetragen, dass sie den Zeitpunkt nicht einmal selbst bestimmen konnte. Kontrolle, Macht, Bestimmen, das war alles, was Beatrice wollte… und nicht zu vergessen Geld. Was alles zu einem erfolgreichen Leben dazu gehörte, das bestimmte sie. Anerkennung musste man sich schließlich verdienen. Desirée  musste hier weg – und zwar schnell! Außerdem vermutete sie so langsam, dass Beatrice die Hochzeit verhindern wollte, weil sie glaubte, David würde Tina nur aus Pflichtgefühl heiraten. Nicht umsonst  hatte Beatrice gerade Tom erwähnt, oder doch nicht? Desirée hatte jedoch keine Zeit mehr um darüber nachzudenken und teilweise war ihre Mutter für sie selbst ein Rätsel.
Außerdem war Desirée zwar schon fertig angezogen, die Kapelle aber – mit dem Auto - eine gute halbe Stunde vom Fürstenhof entfernt und die Trauung  nur noch eine Dreiviertelstunde weit weg.
„Bist du jetzt fertig?“, fragte Desirée.
„Na hör mal, du bist doch zu mir gekommen. Die Frage lautet wohl eher, ob du jetzt fertig bist.“
„Also schön, du bleibst hier und lässt dich auf dieser Hochzeit nicht blicken. Kapiert?“
„Was glaubt ihr eigentlich, was ich dort machen werde? Bomben legen?“
„Vielleicht?“
„Mach dich nicht lächerlich!“
„Es gab hier schon mal eine Hochzeit, die im wahrsten Sinne des Wortes gesprengt wurde. Die von Eva und Robert Saalfeld.“
Beatrices Augen weiteten sich neugierig, dann runzelte sie die Stirn und plötzlich zuckten ihre Mundwinkel gefährlich nach oben. Desirée hätte sich in diesem Moment am liebsten selbst geohrfeigt. Genau so etwas sollte sie ihrer Mutter nicht erzählen.
„Wer ist denn auf die Idee gekommen meine tolle Schwester mitsamt ihrem Hotel  in die Luft zu jagen? Könnte von mir sein. Woher weißt du das eigentlich?“, fragte Beatrice interessiert nach und füllte sich etwas Wasser in ihr Glas.
„Wenn man hier länger als PR-Managerin arbeitet, dann erfährt man so einiges.“ Apropos Schwester, rief sich Desirée in Erinnerung. Charlotte Saalfeld war auch auf der Hochzeit eingeladen, genauso wie ihr Freund Nils Heinemann. Die Beiden unterbrachen ihren gemeinsamen Aufenthalt in Afrika kurz für ihren Neffen beziehungsweise Freund. Nein, es wäre keine gute Idee, wenn Beatrice dort auftauchen würde. Ihre Mutter schwenkte nachdenklich das Wasser in ihrem Glas, ließ es tanzen, als Desirée noch ein letztes Mal darum bat, der Hochzeit fern zu bleiben und nicht auf dumme Gedanken zu kommen.
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