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Sturmgeboren

von Eruanna
GeschichteDrama, Familie / P18 / Gen
OC (Own Character) Scatha Smaug
19.10.2020
02.08.2021
27
65.507
4
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31.10.2020 2.522
 
Dürre Heide, Winter 1321 Drittes Zeitalter:
Der Sternenhimmel war durch den treibenden Schnee nicht mehr zu erkennen und sämtliche Geräusche wirkten seltsam gedämpft. Obgleich die Witterung in den Bergen jederzeit umschlug, fiel der Temperaturunterschied zwischen den Brutstätten der Feuerdrachen und dem Hort ihres Vaters überraschend groß aus. Ohne das wärmere Wintergefieder, der weiche Flaum, der ihren Bauch schützte und die vielen Schuppenschichten in ihrem Panzer, wäre sie vermutlich längst in der zugigen Höhle erfroren. Obwohl sie nicht wirklich fror, rollte sich Kendra wie ein Kätzchen zusammen und versuchte den disharmonischen Lärm aus der großen Haupthöhle zu ignorieren. Wie sehr sie die Stille ihrer Höhle, dem ewigen Gekeife und Gezanke in den Höhlen der Feuerspucker, vorzog, war ihr vom ersten Abend an klar geworden. Wenn diese Drachen nicht gerade schliefen, kämpften und stritten sie. Gerade prügelten sich ihre sogenannten Spielkameraden um das Essen – auch wenn für alle genug da war und sie sich im Zweifelsfall jederzeit selbst etwas erjagen könnten. Verblüffend, das so hochintelligente und tückische Wesen einander wegen trivialen Kleinigkeiten an die Kehlen gingen. Bisher war zwar noch kein Jungtier in Einzelteile zerlegt und von seinen Geschwistern verspeist worden, dennoch hatte Kendra sehr schnell gelernt, sich nicht zwischen einen Feuerdrachen und seine Nahrung zu bringen. Angesichts ihres winzigen Körperbaus – sie war mittlerweile so groß wie ein sechswöchiger Fuchswelpe – hatten die anderen jungen Drachen sie instinktiv zur Beute und Spielzeug degradiert. Glücklicherweise konnte sie den Mangel an Körpergröße mit Intelligenz, strategischen Winkelzügen und einem umfassenden Wissen über Drachengift ausgleichen. Einer der älteren männlichen Schlüpflinge hatte in der zweiten Nacht versucht, ihre Schwanzspitze abzubeissen und ihre Flügel auszureissen. Es war ihm nicht gelungen und sie hatte sofort damit begonnen, alle Drachen in ihrer Umgebung zu beobachten, Schwachstellen auszuloten und an ihrer Selbstverteidigung zu feilen.

Ihre Vergeltungsmassnahmen waren so effektiv, dass kaum einer der jüngeren Drachen sich in ihre Nähe traute. Sie verstand nicht ganz, warum hier die harmloseste Tätigkeit in einen hässlichen Kampf verwandelt werden musste und insbesondere die Männchen einen brutalen Konkurrenzkampf bestritten. Es würde noch mehr als fünfzig Winter dauern, bis ihre sogenannten Spielgefährten nicht mehr als Schlüpflinge galten und wahrscheinlich noch mal so viel Zeit, bis sie das erste Mal geschlechtsreif waren. Selbst wenn alle Brüder eines Drachengeleges gleichzeitig in Stimmung kämen, gab es keinen Grund, seinem Leidensgenossen den Kopf oder den Schwanz abzureissen. Es waren die Drachenweibchen, die über die Eignung des potenziellen Vaters ihrer Brut entschieden und diese würden die jeweiligen Drachenhorte kritisch nacheinander begutachten um dann ihr Urteil zu fällen.
Kendra gab einen abfälligen Laut des Abscheus von sich, als ein halbabgenagtes Wargbein unweit von ihr landete und das lautstarke Gezanke schmerzhafte Tonlagen erreichte. Die ganze Bruthöhle stank nach verwesendem Fleisch und man konnte kaum einen Schritt vorwärts kommen ohne auf einen Knochen zu treten. Normalerweise kümmerte sich die Mutter der Bälger hinter ihr um die Abfälle der Mahlzeit, aber seit dem Wintereinbruch hatte sich das Drachenweibchen Ciarraí nicht mehr in ihrer Bruthöhle blicken lassen. Kaum verwunderlich, schliesslich beherrschten die meisten ihrer Schlüpflinge schon einige Jagdtechniken und konnten sich selbst gut versorgen.

Das zwischen den Geschwistern bestehende Ungleichgewicht und die daraus resultierende Rivalität bot eine tückische Basis für Kämpfe jeder Art. Besonders zwischen den Brüdern Sindre und Smaug kam es täglich zu lebensbedrohlichen Auseinandersetzungen. Als Kleinster von vier Brüdern desselben Geleges war der goldene Feuerdrache zur Zielscheibe der geschwisterlichen Gewalt geworden und bisher waren seine Versuche sich zu behaupten jämmerlich an seinem blendenden Zorn gescheitert. Seine andauernde Misshandlung durch die eigenen Brüder trieb ihn nur noch mehr in den lähmenden Griff seiner Rachegelüste. Ein wütendes Brüllen war die einzige Warnung, die das goldene Geschoss ankündigte. Smaug hatte also erneut den Kampf verloren und war effektiv von der Mahlzeit ausgeschlossen worden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er seine Gliedmaßen entknotet und zum Drachenhort zurückkehren konnte. Im Gegensatz zu ihr konnte er bereits fliegen – weshalb diese Art des Rausschmisses weniger gefährlich für ihn war. Schon erstaunlich, das er nicht bereit war, aus seinen eigenen Fehlern und den Verhalten seiner Peiniger zu lernen. Erst heute Morgen war Smaug von seinem älteren Bruder Sindre kopfvoran gegen die Felswand gedonnert worden, weil er angeblich zu laut atmete. Zum Glück waren Drachenschädel nicht so leicht zu brechen. Müde bettete Kendra ihren Kopf auf eine Vorderkralle und wartete geduldig ab. Seine goldenen Schuppen hoben sich leuchtend im dunklen Schneetreiben ab und dann war noch sein empörtes Gebrabbel über die unsanfte Behandlung. Etwas ungeschickt, landete er auf dem kleinen Vorsprung. Winzige Rauchfahnen entkamen seinen Nasenlöchern. Er kochte vor Wut. Fehlte nicht mehr viel und er würde mit Feuerbällen um sich werfen. Lernunwilliger Idiot. Dachte er wirklich, dass er nach seinem Rausschmiss einen Kampf mit einer ganzen Gruppe streitlustiger Drachenmännchen für sich entscheiden könnte? Wenn er in dieser Stimmung zum Kampfgelage zurückkehrte, würden seine Brüder ihn die ganze Nacht quälen und ihr jede Chance auf Schlaf vermiesen. Entnervt ließ sie ihren Schwanz vorschnellen, wickelte ihn um den Hals des goldenen Drachens und riss ihn erfolgreich zu Boden. Von der unerwarteten Attacke überrascht setzte Smaugs Gegenwehr mit einiger Verspätung ein. Gleichgültig registrierte sie seine fruchtlosen Bemühungen und fing den wütenden Blick aus bernsteinfarbenen Augen ein.

Gefangen in seinem Zorn kam es ihm wahrscheinlich nicht in den Sinn, dass sie ihn sofort freigeben würde, wenn er sich beruhigte und seine Situation ernsthaft analysierte. Sie war nicht verpflichtet, ihm die notwendige Lektion zu erteilen und an seinem mangelhaften Selbsterhaltungstrieb zu arbeiten. Ihm das Wissen zu geben, mit dem er sich ein für alle Mal von der Misshandlung durch seine Brüder befreien könnte, würde ihr letztendlich wenig bringen. Er musste ohne ihre Hilfe in der Lage sein, nutzlose Gefühle zu verdrängen und mit seinem angeborenen raubtierhaften Verstand selbst eine Lösung zu entwickeln.
Aus diesem Grund beschränkte sie sich darauf ihn stoisch von seinem selbstmörderischen Vorhaben abzuhalten und darauf zu warten, das er keine Energie für den Widerstand aufbringen konnte. Es war erbärmlich und gegen jede Vernunft, dass sie aus Zuneigung in einen brüderlichen Kampf eingriff. Seine gegenwärtige körperliche Unterlegenheit würde nicht ewig fortbestehen und sein Stolz würde das aufkeimende Gefühl von Dankbarkeit erbarmungslos ersticken.  Abgesehen von ihrer Sorge um ihren Schlaf gab es kaum eine Begründung für ihr Handeln, die selbst erwachsene Drachen als sinnvoll anerkennen würden.

>Du falsche Schlange! Lass mich sofort frei! Ich muss diesen Bastarden eine Lektion erteilen!< Wie um seine wütenden Worte zu bekräftigen, versuchte er ihren Schwanz mit seinen Zähnen zu durchbohren. Vielleicht war es Teil der angeborenen ignoranten Arroganz, das Smaug seine Schwäche und Unterlegenheit selbst dann nicht eingestehen konnte, wenn sie offensichtlich war. Seine Brüder würden ihm mit Vergnügen jede Schuppe einzelne ausreissen und seine Flügel zerfetzen, ehe sie ihn als Ebenbürtigen respektierten. Mit reiner brachialen Gewalt konnte er diesem Schicksal nicht entkommen oder sich unter anderen Artgenossen Respekt verschaffen. Seufzend knallte sie ihren Schwanz samt zappelnden Smaug mehrmals gegen die felsige Höhlenwand. Von der schieren Wucht benommen, erlahmte sein Widerstand. Ungerührt rollte sie ihren Schwanz enger um seinen Hals und zog ihn zu sich heran. Röchelnd und keuchend wedelten seine Krallen durch die Luft. Was für ein jämmerliches Bild. >Falsche Schlange? Und ich hatte schon Hoffnungen, du wärst einfallsreicher als deine Brüder. Im Augenblick bist du nicht in der Lage, diese kaltblütigen Bastarde einzuschüchtern, geschweige denn, ihnen eine Lektion zu erteilen.<

Ausdruckslos gab sie ihn frei und beobachtete wachsam, wie er sich benommen aufrappelte und gierig nach Luft schnappte. Verglichen mit den Quälereien seiner Brüder hatte sie ihn geradezu liebevoll verhätschelt. Misstrauisch geduckt fixierte Smaug sie, was ihr ein spöttisches Lachen abrang. Ihn zu töten wäre viel zu leicht um ihren schwellenden Groll zu besänftigen. Abgesehen davon könnte er ihr in Zukunft noch nützlich sein. Vorausgesetzt, er überlebte seine Kindheit und musste nicht den Preis für seine eigene Dummheit bezahlen. Gleichmütig zuckte sie mit dem Kopf in Richtung Lärm. >Wenn du wirklich die Gebote des Drachenkodex aus purem Trotz brechen willst, denn nichts anderes lässt dein selbstmörderisches Vorhaben als Schlussfolgerung zu, bitte. Ich werde deine Brüder sicher nicht davon abbringen, deinen traurigen Hintern gnädig aus der Welt der Lebenden zu befördern. Schliesslich bist du für sie nichts anderes als ein verzweifeltes Spielzeug, das seine Fähigkeiten im Todeskampf vergisst und dadurch zu einer leichten Beute wird. Wenn du wirklich Interesse daran hättest, deine gegenwärtige Position zu ändern, solltest du mit der Beherrschung deiner Gefühle und dem Aufbau eines starken inneren Widerstands beginnen. Im Augenblick bietest du zu viel Angriffsfläche und lässt dich von deinen Gefühlen steuern.< Ihre mehrfarbigen Augen begannen unheilvoll zu glitzern. Sie wählte ihre nächsten Worte mit demselben eisigen Kalkül, mit dem sie ihre kleine Vergeltung durchgeführt hatte. >Als Drache gehörst du zu den intelligentesten Raubtieren dieser Welt, doch statt deinen Verstand und deine anderen Gaben zu deinem Vorteil einzusetzen, ziehst du Schwäche, Selbstmitleid und ohnmächtigem Zorn, einem Verhalten vor, das dir auch in Zukunft das Leben retten könnte. Deine Mutter würde dir keine Tränen nachweinen, sollte deine Schwäche und gewählte Dummheit dich töten. Leb ruhig so weiter wie bisher. In diesem Fall wäre dein Verlust eine Erleichterung und nicht ein bedauernswerter Zwischenfall.<
Die scheidende Direktheit brachte Smaugs selbstgerechte Haltung ins Wanken. Zitternd drängte er den aufsteigenden Zorn zurück und versuchte Kendras schonungslose Aussage zu verarbeiten. Unsicher musterten seine bernsteinfarbenen Augen die leicht abgewandt Gestalt. Sie hatte keinen Grund gehabt, ihn aufzuhalten und ihn mit der Wahrheit zu konfrontieren. Nicht nur war sie die flugunfähige Aussenseiterin der Gruppe, sie gehörte auch einer anderen Drachenart an. Feuerdrachen waren durchaus Konkurrenten für Kaltdrachen, da beide Drachenarten ihre Beute aus dem Flug heraus orteten und erlegten. Unter diesen Umständen wäre es für Kendra lohnenswerter, sämtliche zukünftige Konkurrenz bereits jetzt zu eliminieren. Ihm zu helfen, bedeutete nichts anderes als einem Feind mit unverdienter Gnade und unerwünschter Nachsicht zu begegnen. Dann war da noch die Tatsache, das sie jünger und kleiner als er selbst war. Sobald er seine Brüder ihrer gegenwärtigen Lieblingsbeschäftigung beraubte, könnten diese rachsüchtigen Bastarde sich gegen sie verschwören und ihr das Leben zur Hölle machen. Bereute sie wohlmöglich schon ihren Entschluss? Verzagt suchte er nach den richtigen Worten.

>Wenn nicht mit brutaler Gewalt, welche Möglichkeiten stehen mir denn zur Selbstverteidigung zur Verfügung? Meine Brüder sind allesamt viel größer, stärker und mächtiger als ich. I-ich bin keine echte Herausforderung für sie.<

Kendra legte ihren Kopf schief und betrachtete den betreten Hitzkopf. Seine Angst und Hilflosigkeit waren zumindest teilweise begründet. Eine direkte Attacke würde Smaugs heikle Situation keineswegs verbessern. Da der kleine Goldene jederzeit einen brüderlichen Angriff befürchten musste und selten in Ruhe gelassen wurde, hatte er bisher keine Gelegenheit gehabt, seine Peiniger zu studieren und damit sinnvolle Informationen für einen Gegenschlag zu sammeln. Obendrein hatte er wahrscheinlich ein geringes Selbstbewusstsein und kannte keine andere Behandlung als die durch seine Brüder. Sein unkontrollierbarer Zorn, machte es seinen Peinigern einfacher ihn zu manipulieren oder in eine noch schlechtere Verteidigungsposition zu drängen. Sie würde ihm den Befreiungskampf nicht abnehmen oder ihm mit falschen Versprechungen aufbauen.

>Es stimmt, das zwischen euch ein ungerechtes Ungleichgewicht herrscht und das du mit roher Gewalt im Augenblick wenig ausrichten kannst. Mag sein, dass du ihnen in vielen Aspekten unterlegen bist, aber das bedeutet keineswegs, das du weiterhin ein Meister im Nichtstun und Leichtsinnigkeit bleiben musst. Ich bin kleiner als du und deine Brüder haben versucht mir genauso zuzusetzen wie dir. Als Winzling kann ich mich nicht auf die Einschüchterung des Feindes durch reine Körpergrösse und körperlicher Gewalt verlassen.< Sie selbst hatte die ersten drei Tage ihres Aufenthalts genutzt, um die jeweiligen Schwächen sämtlicher Drachen in ihrer Umgebung auszumachen und zu testen. Aus diesem Grund ließen Smaugs Brüder sie auch weitestgehend in Ruhe. Als Winzling, musste sie sich auf ihren Verstand, ihr Wissen und die Vorteile eines leichteren Körpers verlassen um zu überleben. Insbesondere Sindre hatte sehr schnell gelernt was an dem Märchen, dass Drachenweibchen rachsüchtiger und bösartiger, als ihr männlicher Gegenpart waren, der Wahrheit entsprach. Belustigung stieg gemeinsam mit der netten Erinnerung an diese besondere Vergeltung in ihr auf und wärmte sie von innen. Ach ja, nichts konnte ihre gegenwärtige Stimmung besser aufhellen als eine gelungene Vergiftung. >Nur aus reiner Neugierde: Hat dir Sindre eigentlich verraten, wer für sein schuppenloses Hinterteil verantwortlich ist?<
Smaug horchte unwillkürlich auf und erinnerte sich dunkel an die gebrüllten Schmerzensschreie des älteren Drachens. Jedes Mal, wenn Sindre Kendra erblickte, drehte er seinen Hintern zur Wand und vermied einen direkten Blickkontakt. Ursprünglich hatte er sich dieses seltsame Verhalten als eine neue Angewohnheit des Widerlings erklärt. Ihre viel zu beiläufig gestellte Frage ließ einen anderen, amüsanten und zugleich beunruhigenden Schluss zu. Mit wachsendem Respekt erwiderte er ihren belustigten Blick.

>Was genau hast du getan, Kenna? Nachwachsende Schuppen jucken fürchterlich. Weiß meine Mutter von der Sache?< Er wollte sich nicht vorstellen, was seine Mutter mit ihr anstellen würde, sollte sie von Sindres mutwilligen Demütigung erfahren. Kendra schien weniger von dem Drachenweibchen eingeschüchtert zu sein und schmetterte seine Besorgnis ab. Schlimmer noch, sie besass die Nerven zu schmatzen und ihm frech zuzuzwinkern. Kleines, unverschämtes Biest! Kannte sie denn gar keine Furcht?!              
 >Oh, ausgerechnet Ciarraí hätte nichts getan um Sindres Schuppen vor diesem kleinen Unfall zu retten. Man sollte nie einem Weibchen das Essen stehlen, wenn man nicht böse überrascht werden will. Meine Magensäure ist aggressiv genug um mit den meisten Vergiftungen umzugehen. Er war dumm genug vergiftetes Fleisch zu fressen ohne sich vorher zu versichern, ob es tatsächlich unberührt war. Sein Fehler und nein, er muss dir nicht leidtun. Schließlich hat er genau das bekommen, was er verdient. Und jetzt entschuldige mich bitte. Ich sollte meinen Schlafplatz sichern, eher einer dieser geistig verwirrten Hohlköpfe mich zum Mord anstiftet.<

Widerwillig von dieser unerwarteten Demonstration beeindruckt, sah Smaug der sich entfernenden kleinen Drachengestalt hinterher. Wer hätte gedacht, dass sie bereits jetzt zu solchen Gemeinheiten fähig war und sich erfolgreich gegen scheinbar Überlegene durchsetzen konnte? Es war ein Fehler gewesen ihre anfängliche Zurückhaltung als Schwäche auszulegen. Seit ihrer Ankunft, war er mehrmals Zeuge davon geworden, dass sie nicht nur ihre Zähne und Krallen bereits tödlich für die Jagd einsetzte. Ihr stachelbesetzter und keulenförmiger Schwanz, war bereits jetzt stark genug, um eine Bergziege zu erwürgen oder einen dummen Berglöwen, der sich anschleichen wollte, geradezu beiläufig zu erschlagen. Sobald sie das Fliegen perfekt beherrschte, würde sie sich zwangsläufig zu einer beängstigenden Jägerin entwickeln. Ihm wurde schwindelig, als er über das fast noch unangetastete Potenzial in ihr nachdachte. Wenn sie mit ihren knapp zwanzig Jahren bereits zu derartig komplexen Vergiftungen fähig war, sollte er vielleicht versuchen, sie auf seine Seite zu ziehen. Gut möglich, dass sie der Schlüssel zu seinem Sieg über seine arroganten Brüder war. Mit ihrer Hilfe könnte er sich mehr Respekt verschaffen und damit sein Überleben sicherstellen.

Sie von seinem Wert als Verbündete zu überzeugen wäre die perfekte Herausforderung. Tief atmete er ihren unverwechselbaren Geruch ein und grinste hinterlistig. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mussten ihm um jeden Preis jederzeit zur Verfügung stehen. Und wer weiß, vielleicht konnte er ihr im Gegenzug die unvernünftige Flugangst nehmen? Äußerst reizvoll. Eine Kendra, die in seiner Schuld stand und sich ihm anvertraute. Als ausgewachsenes Drachenweibchen  wäre sie  ein todbringender Gegner und eine wertvolle Verbündete.
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