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Nights in White Satin

GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 Slash
19.10.2020
24.11.2020
3
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19.10.2020 2.257
 
Sigrit letzter Ton verhallte und es dauerte nicht lange, bis tosender Applaus ausbrach. Die Situation war geradezu unwirklich. Lars wusste, dass sie jetzt disqualifiziert werden würden aber wenn er ehrlich zu sich selbst war, kümmerte es ihn nicht mehr. Plötzlich war es überhaupt nicht mehr wichtig. Alles, was wichtig war, war Sigrit. Und Ihr Lied. Das Lied ihres Herzens. Gewinnen war nicht alles und niemand gewann allein. Sie hatten ohnehin kaum eine Chance auf den Sieg gehabt, die Konkurrenz war groß und er bezweifelte, dass sie es mit “Double Trouble” geschafft hätten. Wenn er ehrlich war, war die Teilnahme am Eurovision Song Contest ein paar Nummern zu groß für ein kleines Pop Duo aus Island. Alles war jetzt ganz klar und mit Sigrit an seiner Seite war es auf einmal sehr einfach, seine lächerlichen Träume zu begraben. Auf der anderen Seite konnten sie natürlich wieder teilnehmen, vielleicht im nächsten Jahr, wenn sich die Chance noch mal ergeben würde.

Er hätte sich all die Jahre weniger auf seine Karriere konzentrieren sollen und mehr auf Sigrit. Sie verbeugte sich vor dem Publikum und er stand vom Keyboard auf, um langsam zu ihr zu gehen.

Sie strahlte ihn an und leuchtete fast von innen heraus.

“Ich sehe dich”, sagte er grinsend.

“Da bist du ja”, antwortete sie während das Glitzerzeug von der Decke auf sie herunter rieselte. In diesem Augenblick sah sie umwerfend aus.

“Hier bin ich”, er grinste immer noch und ging langsam auf sie zu, während seine Beine zitterten.

“Hey Mann, ich check Dich aus”, sie zuckte mit den Achseln.

“Ich check Dich auch aus”,  er hob seine Hand und zeigte auf sie.

Und dann stand er plötzlich direkt vor ihr. Sigrits Herz machte einen Satz. All ihre Träume waren plötzlich war geworden. Sie bedankte sich im Geiste bei den Elfen.

Im nächsten Moment zog Lars sie einfach in seine Arme, schloss seine Augen und küsste sie zärtlich. In diesem Augenblick zog es ihr den Boden unter den Füssen weg.

Das Publikum applaudierte wieder, aber Lars und Sigrit blendeten alles um sie herum aus. Der Moment war so besonders, dass nichts und niemand stören durfte.

Dann ging alles ganz schnell, sie mussten die Bühne für den nächsten Künstler verlassen und fanden sich im Wartebereich wieder, wo eine kleines Sofa auf die Isländer wartete.

Lars hielt ihre Hand fest, er hatte sie seitdem sie die Bühne verlassen hatten nicht mehr losgelassen. Sigrit war sprachlos. Sie wusste noch immer nicht, was sie sagen sollte und das viele Adrenalin in ihrem Blut sorgte dafür, dass ihr schwindelig war.

Kurze Zeit später ließ Sigrit ihren Blick über die anderen ESC Teilnehmer gleiten und traf auf den von Alexander, der sein Glas in ihre Richtung hob. Er lächelte und es machte den Eindruck, dass er sich für sie freuen würde. Sigrit nahm sich eines der Gläser auf dem Tisch und prostete ihm mit einem strahlenden Lächeln zu.

Alexander Lemtov saß alleine auf der kleinen Couch und beobachtete Sigrit und Lars verstohlen. Natürlich freute er sich für sie. Er glaubte an Happy Ends und aber auf der anderen Seite.. Was hätte er ihr alles bieten können...und am Ende hatte sie sich für den Idioten entschieden. Zugegeben, alles hätte er ihr nicht geben können, und W-Lan in jedem Zimmer war eben auch nicht alles. Wahrscheinlich war Lars dann doch die bessere Wahl für sie.

Wahrscheinlich…

Er schaute sich um auf der Suche nach Kevin aber er konnte ihn nirgendwo entdecken. Sein Partner hatte den Backstage Bereich scheinbar verlassen, während er seinen Auftritt hatte und Alexander hatte keine Ahnung, warum. Es war traurig und deprimiert. Er liebte Kevin, aufrichtig und mit ganzem Herzen so sehr, aber er liebte auch seine Karriere und wenn in Russland bekannt wurde, dass er schwul war dann war seine Karriere vorbei. Zumindest in Russland. Und Russland war seiner Heimat. Er war nicht mal sicher, ob er jemals zurück konnte, wenn er sich geoutet hatte. Kevin verstand das nicht. Er konnte nicht verstehen, wie wichtig der Erfolg für Alexander war und dass er nicht ohne Erfolg und seine Karriere leben konnte, er fühlte sich von Alexander verraten. Er seufzte. Sie kamen so gut miteinander aus, verstanden einander ohne viele Worte, der Sex war fantastisch, aber sie stritten ständig wenn es um dieses Thema ging. Kevin wollte dass Alexander sich ganz zu ihm bekannte. Ohne Kompromisse und Heimlichkeiten .Kurz vor der Show hatten sie wieder eine dieser Diskussionen und jetzt war Kevin einfach verschwunden. Er stand während Alexanders Auftritt hinter der Bühne und war plötzlich mit einer dramatischen Geste einfach gegangen, während Alexander gesungen hatte. Alexander seufzte und tat sich  selbst leid. Er hoffte, dass Kevin bald zurückkam.

Er beobachtete Sigrit und Lars verstohlen und gab vor, woanders hin zu schauen. Beide sahen glücklich aus und gingen so vertraut miteinander um. Plötzlich merkte er Eifersucht in sich aufkeimen. Warum konnte Kevin jetzt nicht hier sein und mit ihm auf dem Sofa sitzen und ihn im Arm halten? Stattdessen saß er hier, ganz alleine.

Natürlich wusste er warum Kevin nicht da war und die Erkenntnis machte ihn noch trauriger. Er atmete tief durch und leerte sein Glas. Je mehr Alkohol, je besser. Er schaute sich nach Gesellschaft um, aber es schien, dass jeder mit sich selbst beschäftigt war. Sogar Sigrit, um die er sich so sehr gekümmert hatte als Lars verschwunden war, hatte augenblicklich nur Augen für Lars. Und er, Alexander Lemtov, der große Sänger aus Russland war plötzlich ganz allein. Wie traurig war das denn?

Sigrit und Lars saßen sehr dicht beieinander und die Schmetterlinge in ihrem Bauch waren außer Kontrolle. Sie konnte immer noch nicht fassen, dass er zurückgekommen war. Lars hatte den Arm um sie gelegt und sie kuschelte sich an ihn, soweit das mit seiner seltsamen Fischerkleidung und ihrem Abendkleid möglich war.

“Ich bin so froh, dass Du zurückgekommen bist”, flüsterte sie.

“Sigrit, es tut mir so leid. Ich habe mich wie ein Idiot benommen”, entschuldigte Lars sich.

“Ja, das hast Du”, antwortete sie trocken.

Er seufzte. Was sollte er sagen? Natürlich wusste sie das auch.

“Sigrit”, begann er, “Es tut mir leid, dass ich einfach abgehauen bin, aber ich konnte die Situation nicht mehr ertragen. Ich habe mich so lächerlich gemacht”, erklärte er. “Und ich schwöre Dir, ich hab nicht mal mitbekommen, dass wir es ins Finale geschafft haben. Ich hab es erst auf dem Boot rausgefunden”, fuhr er fort.

“Auf dem Boot?”, wiederholte Sigrit skeptisch.

“Auf dem Boot!” ,antwortete Lars und nickte.

“Lars was hast Du auf einem Boot gemacht?”, fragte sie schließlich.

“Fischen” , lautete Lars Antwort.

Sie schaute ihn skeptisch von der Seite an.

“Fischen?”, wiederholte sie.

Lars war zuvor niemals auf dem Fischerboot seines Vaters gewesen.

“Als ich zurück in Husavik war, habe ich beschlossen, die Musik aufzugeben und ein Fischer wie mein Vater zu werden. Also sind wir zusammen auf See gefahren. In seinem Boot”, erklärte Lars geduldig, während Sigrit ihm zuhörte.

“Aber dann hat mir jemand auf dem Boot gesagt, dass wir es ins Finale geschafft haben und weil wir nicht so einfach zurück an Land fahren konnten, bin ich eben geschwommen”, berichtete er als wäre es das normalste der Welt.

Sigrit starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen an.

“Du bist geschwommen?”, fragte sie und überlegte, wie kalt das Wasser gewesen sein muss und was ihm alles hätte passieren können.

“Ja, natürlich”, Lars nickte. “Was hätte ich denn machen sollen? Ich wollte ja so schnell wie möglich zurück zum Flughafen”, sagte er dann. “Du weißt doch, der Flug dauert drei Stunden”.

Sigrit fehlten die Worte. Sie hörte ihm einfach nur noch zu. Er war komplett verrückt! Sie grinste. Jetzt machten die seltsamen Klamotten und der latente Geruch nach Fisch, den sie die ganze Zeit zu ignorieren versuchte hatte, auch Sinn.

“Auf dem Weg zum Flughafen habe ich Viktor Karlosson getroffen”, fuhr Lars fort.

“Ich habe ihn gefragt, ob er mich mitnehmen könne und war einverstanden und wollte mich zum Flughafen fahren. Auf dem Weg dorthin haben wir bei den Elfen angehalten, weil ich mich bedanken wollte”, er machte eine Pause.

“Oh Lars, Du glaubst jetzt doch an die Elfen?”, fragte Sigrit, zutiefst berührt.

“Ja, natürlich”, antwortete er und fuhr ohne Pause fort:” Sie haben ihn umgebracht”, berichtete er als wäre es das normalste auf der Welt.

“Was?” Sigrit hielt sich schockiert eine Hand vor den Mund.

Lars schloss kurz die Augen und zuckte mit den Schultern. “Er hat versucht ,mich umzubringen”, berichtete er während Sigrit ihm schockiert zuhörte. “Er hat mir erzählt, dass er die Bombe auf dem Boot versteckt hat und all die anderen umgebracht hat. Wegen des Geldes”.

Sigrit schüttelte empört den Kopf. Es war schwer  zu glauben, dass Lars die Wahrheit sagte, aber es machte leider alles einen Sinn.

“Und jetzt bin ich hier”, sagte Lars. “Natürlich werden wir disqualifiziert, aber das ist mir nicht mehr wichtig”. Er schaute sie fröhlich an.

“Aber warum?”, fragte sie und suchte eine Antwort in seinem Blick. Sie war in Gedanken noch immer mit Karlosson beschäftigt.

“Weil es da etwas gibt, das mir wichtiger ist, als zu gewinnen”, flüsterte er.

“Und das bist Du” fuhr er fort. “Sigrit, ich liebe Dich. Und es tut mir leid, dass ich das nicht früher begriffen habe”, er schaute sie an und lächelte schüchtern.

Sigrit grinste breit über das ganze Gesicht. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch setzten erneut zu einem Start an und sie war überwältigt von seinen Worten.

“Was ist mit Simon und Garfunkel?”, fragte sie neugierig.

Lars zuckte mit den Augen und grinste.

“Die sind mir egal”, sagte er und beugte sich vor, um sie erneut zu küssen.

Sigrit war überrascht von all dem, was so plötzlich passiert war und von der Veränderung die Lars offensichtlich durchgemacht hatte. Er zog sie in seine Arme und küsste sie wieder. Dieses mal sehr viel leidenschaftlicher, was ihr eine Gänsehaut verursachte. Sie antwortete auf seinen Kuss, schloss ihre Augen und versuchte im Hinterkopf zu behalten, dass sie auf einer öffentlichen Veranstaltung waren und nicht in ihrem Hotelzimmer.

Als sie ihre Augen wieder öffnete, schnappte sie nach Luft.

“Du brauchst dringend etwas anderes zum Anziehen”, stellte sie fest. “Du riechst penetrant nach Fisch und Salzwasser”

Lars hob den Arm, roch daran und zog eine Grimasse. Er hatte es vorher in all der Aufregung nicht bemerkt aber sie hatte recht. Er roch nach totem Fisch.

“Ich habe keine anderen Klamotten mit”, gab er zu. “Ich bin ja direkt hierher gekommen”, fuhr er fort. Es war ihm ein bisschen peinlich.

Sigrit dachte angestrengt nach. “Lass mich überlegen, wer helfen kann”.

Alexander beobachtete Sigrit und Lars noch immer. Inzwischen fielen sie fast auf der Couch übereinander her. Er war sich ziemlich sicher über das, was später passieren würde, wenn sie wieder zurück im Hotel waren. Er hätte aber auch nicht damit gerechnet, dass Lars zurückkam. Für einen Augenblick wurde er wieder emotional und seufzte. Er vermisste Kevin so sehr.

“Trink noch etwas”, forderte er sich selbst auf und griff zum nächstbesten Glas.

Plötzlich stand Sigrit neben ihm mit dem schönsten Lächeln im Gesicht, dass sie ihm jemals geschenkt hatte.

“Sie ist eine Schönheit”, dachte er.

“Sigrit”, er erfreut lächelte zurück und zeigte auf den Platz neben sich. “Was führt dich her? ”,fragte er neugierig und fuhr ehrlich fort:” Ich freu mich so für dich und Lars”.

“Danke” antwortete Sigrit.

Sie schaute sich suchend um.

“Wo ist eigentlich Kevin?”, fragte sie schließlich. Sie war bei Alexanders Auftritt auch hinter der Bühne und hatte Kevins theatralischen Abgang mitbekommen.

“Es tut mir leid,” sagte sie schließlich zu Alexander, als er nicht antwortete und sie sein trauriges Gesicht sah.  

“Ich möchte nicht über Kevin reden”, sagte er in einem monotonen Tonfall und rollte mit den Augen.  Sigrit sagte das mehr als tausend Worte.

“Er wird sicherlich zurückkommen”, ermutigte sie ihn.

Er zuckte hilflos mit den Schultern. “Vielleicht”

Sie dachte einen Moment angestrengt nach und wandte sich dann wieder an ihn. “Alexander ich brauche deine Hilfe”, sagte sie, nahm endlich neben ihm Platz und spielte nervös mit dem Saum ihres Kleides.

Er schaute ihr tief in die Augen, und grinste, dankbar für die Abwechslung

“Wie kann ich Dir helfen?”, fragte er und grinste.

Sie deutete auf Lars.

“Es ist Lars. Er stinkt nach totem Fisch und braucht ein paar frische Klamotten. Kannst Du mir bitte dabei helfen, etwas zu organisieren?” fragte sie schließlich und Alexander prustete los. Er hatte sich schon den ganzen Abend gefragt, warum Lars diesen komischen Anzug trug. Von einem Bühnenoutfit konnte man hier sicher nicht sprechen

“Natürlich kann ich das”,  antwortete er- “Aber dafür musst Du mir erklären, warum er so seltsam angezogen ist und nach Fisch stinkt”, gab er schließlich zurück und seine Augen leuchteten.

Sigrit erzählte ihm die ganze Geschichte und Alexander amüsierte sich königlich.

Natürlich war Lars manchmal ein Idiot aber was er für die Liebe seines Lebens getan hatte, war herausragend. Alexander dachte darüber nach, ob er das auch für Kevin tun würde.

Er tätigte einen Anruf und genau 15 Minuten später hatte Lars eine Reisetasche mit frischer Kleidung. Er schaffte es sogar, in der Umkleidekabine zu duschen. Jetzt trug er enge schwarze Jeans, ein schwarzes T-Shirt und eine braune Lederjacke. Nicht ganz so cool wie seine eigene, aber nah dran. Er fühlte sich um einiges besser und sah auch so aus. Und er stank nicht mehr nach Fisch, was wohl das wichtigste war. Er setzte sich wieder neben Sigrit und verfolgte, was auf dem Screen passierte. Es dauerte nicht mehr lange, dann waren alle Beiträge durch und das Rating begann. Er legte einen Arm um sie und begann zu warten.
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