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Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
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Dieses Kapitel
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01.01.2021 2.222
 
Ich löse die Waffel vorsichtig aus dem Waffeleisen und lege sie in den Ofen zu den anderen. Ich kippe schnell den Teig hinein und schließe die Abdeckung. Ich stelle schnell die Kanne mit dem Kaffee auf den Tisch und schiebe noch eine Gabel zurecht.

Auf dem Weg in die Küche zünde ich mit einer Handbewegung die Kerzen an und lehne mich dann entspannt an die Arbeitsplatte. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich noch dreißig Minuten habe, bis die Anderen kommen. Ich werfe einen Blick auf den Weihnachtsbaum unter dem etliche Geschenke liegen, wie jedes Jahr.

Es ist der 25. Dezember. Seit 5 Jahren kommen alle an diesem Morgen zu Clarke und mir, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Raven und Anya kommen aus Polis her. Sie leben immer noch in dem Apartment in dem Hauptsitz von Trikru Enterprise. Roan und Bellamy kommen extra mit ihren beiden Zwillingen Octavia und Echo den langen Weg aus dem Hauptsitz des Az-Zirkels. Die beiden haben vor zwei Jahren die Kleinen adoptiert. Gaia wohnt nur ein paar Häuser weiter und kommt ebenfalls dazu. Sie und Clarke sind fast schon wie beste Freundinnen und sie ist eine wesentliche angenehmere Gesellschaft als Titus. Der bleibt wie immer im Hauptsitzt von Trikru Enterprise. Unser Verhältnis hat sich seit Jahren nicht verbessert. Ich halte in auf Abstand und er kommt damit klar. Es scheint seine Ehre verletzt zu haben, dass er den Raum der Heda versiegeln musste und zusammen mit Gaia arbeiten muss, um das Wissen zu sichern. Er mischt sich nicht mehr in unsere Regierungsgeschäfte ein, sondern kümmert sich nur noch um die Angelegenheiten der Firma.

Dann kommt noch Abby mit ihrem Mann Marcus. Der Heiler und Clarkes Mutter haben sich nach Jakes Tod häufiger getroffen und sie verliebten sich ineinander. Dass sich Clarke erst daran gewöhnen musste, ist hier natürlich nicht notwendig zu erwähnen. Die letzten Gäste auf der Liste sind meine Tante und Michael. Ich hatte in den Jahren als Heda keinen Kontakt zu ihm. Ich bin mir nicht einmal sicher, wieso nicht. Wir haben uns einfach aus den Augen verloren. Er ist mittlerweile sehr erfolgreicher Architekt und war so lieb uns dieses Haus zu designen. Unser Verhältnis hat sich in den letzten Jahren auch wieder verbessert und so treffen wir uns wieder häufiger und feiern als Familie zusammen. Die meisten haben sich schon in einem kleinen Bed&Breakfast in der Nähe eingemietet, weshalb sie wohl pünktlich kommen sollten.

Ich hole die nächsten Waffeln aus dem Eisen und kippe wieder Teig hinein. Ich schaue aus dem Fenster auf die verschneite Straße. Clarke und ich sind noch vor der Geburt von unserer Tochter hier raus gezogen. Es ist ein kleiner Ausleger der Hauptstadt Polis. Hier ist es ruhiger und viel natürlicher. Von Wald und Natur umgeben zu sein, macht uns die Arbeit mit den Zirkeln und Firmen viel angenehmer. Wir haben hier beide ein Büro im Haus, damit wir vieles machen können, ohne in die Hauptstadt zu fahren. Ich werde immer noch von den schrecklichen Erinnerungen an meine Taten heimgesucht und versuche hier draußen etwas Ruhe zu bekommen. Clarke hat damals den Vorschlag gemacht, die Stadt so gut es möglich ist hinter uns zu lassen.

Ein freudiges Kinderquietschen reist mich aus meinen Gedanken.

„Mom!“ Madi kommt tapsig die Treppe herunter und ich hebe sie direkt hoch. Ich drücke ihr einen Kuss auf die Wange und knuddele sie fest.

„Guten Morgen, meine Kleine.“

„Der Weihnachtsmann war da“, sagt sie aufgeregt und zeigt auf den Weihnachtsbaum.

„Ja, aber wir müssen erst auf die Anderen warten.“ Ich setzte sie ab und gehe zum Waffeleisen. Ich belade es mit der letzten Ladung Teig. „Ist die Mama schon wach?“, frage ich und Madi nickt.

„Sie ist im Badezimmer.“

„Magst du das auf den Tisch stellen?“ Ich reiche ihr eine Schüssel mit Beeren, die sie vorsichtig nimmt und dann zum großen Esstisch bringt. Ich schaue ihr lächelnd hinterher und seufzte gemütlich. Ich beobachte sie, wie sie sich etwas streckt und die Schüssel ganz vorsichtig hinstellt. Dabei wackeln ihre dunkelbraunen Locken etwas und ich stelle wieder fest, wie glücklich ich bin, dass Madi ihre Haare von mir geerbt hat. Ich muss an ihre Geburt und die intensive Zeit danach denken. Clarke und ich sind richtig zusammen gewachsen. Die Verbindung zwischen uns ist über die Jahre immer stärker geworden. Weil wir so mächtig sind, bestreitet auch niemand unseren Machtanspruch und wir können die Zirkel über den Rat etwas besser steuern. Schon vor ein paar Jahren wurde deutlich, dass Madi ebenfalls sehr mächtig ist und wahrscheinlich in unsere Fußstapfen treten wird. Ich muss leise lachen als ich daran denke, dass Prudence irgendwann meinte, dass wir uns jetzt eine Monarchie aufgebaut haben. Prinzessin Madi… Ich muss wieder lachen und beobachte meine Tochter dabei, wie sie sich die Geschenke unter dem Baum anguckt und nach ihrem Namen sucht.    

„Woran denkst du?“ Ich grinse Clarke an, die in einem kuscheligen Weihnachtspulli die Treppe heruntergekommen ist. Ich gehe zu ihr und küsse sie innig. Sie umarmt mich fest. Ich lege meine Hand auf ihren leicht gewölbten Bauch und muss in den Kuss lächeln.

„Guten Morgen“; flüstere ich und gehe dann auf die Knie. Ich drücke meine Lippen auf ihren Bauch. „Dir auch guten Morgen.“ Dann stelle ich mich schnell wieder hin und küsse sie noch einmal. „Ich muss schon den ganzen Morgen daran denken, wie perfekt die letzten Jahre gelaufen sind.“ Ich nehme sie in den Arm und atme ihren Geruch ein. Auch nach der langen Zeit hat er immer noch dieselbe Wirkung auf mich.
„Es war die beste Entscheidung hier raus zu ziehen. Ich bin so glücklich.“ Sie drückt ihre Lippen auf meinen Hals.

„Ich auch.“

Da klingelt es an der Türe und ich kann gar nicht so schnell reagieren, wie Madi hin rennt. Sie öffnet die Türe und sofort höre ich mehr Kindergeschrei.

„Ich glaube das sind Roan und Bellamy“, lache ich und lasse Clarke los.

Wir begrüßen uns alle mit herzlichen Umarmungen und setzten uns zunächst auf das große gemütliche Sofa. Die beiden erzählen etwas von ihren letzten Wochen, während ich versuche die drei Kinder davon abzuhalten die Geschenke aufzumachen. Irgendwann ziehe ich Madi auf meinen Schoss und umarme sie fest. Sie muss lachen und knufft mich in die Seite. Bellamy schnappt sich Octavia und Roan umfasst Echo. Die Kinder sind in liebevollen Umarmungen gebannt. Dann sehe ich, wie sich eins der Päckchen wie von alleine in unsere Richtung bewegt.

„Madi“, sage ich langsam und lege meinen Kopf auf ihrer Schulter ab. „Nur, weil du das Geschenk in deine Richtung schiebst, darfst du es noch nicht öffnen.“

„Aber es will geöffnet werden“, antwortet sie und alle Erwachsenen lachen. Es klingelt wieder und dieses Mal stehen außer Gaia alle vor der Türe. Sie sind alle gemeinsam vom B&B zu uns gelaufen. Herzliche Umarmungen werden wieder ausgetauscht und einige Geschenk noch unter den Baum gelegt. Es herrscht eine herzlich aufgeregte Stimmung. Ich grinse zu Clarke, als Abby sie nach der Umarmung irritiert an den Schulter festhält und an ihr herunter guckt.

Ich räuspere mich etwas und bekomme so die Aufmerksamkeit. „Geschenke?“, frage ich und schaffe es, dass Abby Clarke loslässt. Das Verhältnis zwischen den beiden ist in den letzten Jahren viel besser geworden und kann schon als liebevoll bezeichnet werden. Clarke kommt zu mir und kuschelt sich auf dem Sofa unter meinem Arm.

„Ich kann es kaum abwarten“; flüstert sie und strahlt mich über beide Ohren an. Ich verliere mich kurz in dem wunderschönen Blau und seufze.

„Das ist der Vorteil, wenn man sich nicht so oft sieht“; raune ich zurück und küsse sie.

Wir beobachten die Kinder dabei, wie sie die Geschenke förmlich auseinander reißen und freudig aufschreien. Natürlich haben sie alle das bekommen, was sie sich gewünscht haben. Madi strahlt übers ganze Gesicht, als sie ihre neu Playmobil Burg auspackt.

„Bauen wir das gleich zusammen?“, fragt sie und strahlt Clarke und mich an. Clarke nickt zuerst und Madi jubelt. Sie hat darüber hinaus noch eine Action Figur von Wonder Woman bekommen, welche direkt ausgepackt wird. Während die Kinder mit ihren neuen Spielsachen spielen, öffnen wir Erwachsene unsere Geschenke. Es sind nur Kleinigkeiten, aber der Gedanke zählt. Gaia kommt auch irgendwann dazu und setzt sich auf Ravens Schoss. Sie ist auch ein vollwertiges Mitglied unserer Familie geworden. Was genau zwischen ihr und Raven und Anya seit Jahren läuft, kann ich nicht genau sagen, aber es ist auch egal. Ich beobachte mit einem Lächeln, wie Anya in Gedanken ihre Hand auf Gaias Oberschenkel legt. Meine Schwester ist immer ganz anders, wenn Raven und Gaia dabei sind.

Mein Magen kribbelt plötzlich ganz doll und ich werde richtig hibbelig. Nicht einmal Clarkes Hand auf meinem Oberschenkel kann die Nervosität lösen. Als alle ihre Geschenke haben und wieder etwas Ruhe einkehrt, löse ich den Tarnzauber um ein Geschenk, dass noch unter dem Baum liegt und werde verwundert angeguckt.

„Oh ist das für mich?“, fragte Raven und grinst breit.

„Madi, Süße?“, rufe ich und die Kleine sieht mich aus strahlenden Augen an. Ich muss wieder mit einem sanften Lächeln feststellen, dass sie ein grünes und ein blaues Augen hat. Nicht so wie bei Roan. Madis Blau ist genau dasselbe wie Clarkes wunderschönes Blau. „Da ist doch noch ein Geschenk für dich.“

Jetzt spüre ich, dass Clarke auch nervöser wird. Madi steht etwas überrascht auf und zieht das Geschenk unter dem Baum hervor. Es ist ein kleines Päckchen. Sie sieht mich mit zusammen gezogenen Augenbrauen an.

„Das war vorhin aber noch nicht da“; sagt sie und ich zucke nur mit den Schultern.

„Da steht aber dein Name drauf“, antwortet Clarke und setzt sich auf.

Madi packt das Paket auseinander und schaut etwas verwirrt in die Box. Da drin liegen ein paar kleine Söckchen, ein Plüschbär und ein Buch in dem es darum geht ein Geschwisterchen zu bekommen. Sie nimmt das Buch als erstes raus und schaut es sich an. Ich platze fast vor Anspannung. Sie kann schon einige Wörter ohne Hilfe lesen. Aber bevor sie versteht, was das Geschenk bedeutet, kreischt Abby leicht und schlägt sich die Hände vor den Mund. Auch Gaia begreift schnell und strahlt uns beide an. Sie haut Anya, die auch sofort breit grinst.  

„Die Socken sind mir viel zu klein“; sagt Madi und sieht uns an.

„Die sind auch nicht für dich“, sagt Clarke und da fällt bei den anderen der Groschen. „Du bekommst in ein paar Monaten ein kleines Geschwisterchen“, erklärt sie und Madis Augen werden riesig. Sie springt auf und fällt uns um den Hals. Sie liegt zwischen Clarke und mir und umfasst uns beide mit ihren kleinen Armen. Ich sehe, dass sich der Rest der Familie begeistert ansieht.

„Oh wie toll“, sagt sie und kuschelt sich enger an mich. Clarke nimmt ihre Hand und legt sie sich auf den Bauch. „Oh“, sagt Madi nur und macht noch größere Augen. Ich habe Tränen der Freude in den Augen, als ich sehe, wie sehr sich Madi freut. Ich beuge mich über sie und gebe Clarke einen Kuss.

„Ich liebe dich“, bringe ich hervor und Clarke strahlt mich ebenfalls an.

„Ich liebe dich auch“; lacht sie und gibt dann Madi einen Kuss. „Und dich lieben wir beide auch!“ Madi umarmt Clarke einmal ganz fest.

„Ich wusste es“, sagt Abby und kommt zu uns. „Ich dachte es mir doch, dass du nicht zugenommen hast.“ Wir stehen auf und Abby umarmt uns beide. „Ich freue mich so für euch!“

Wir bekommen noch weitere Glückwünsche und werden herzlich umarmt. Anya und Raven melden sich direkt, um auf Madi aufzupassen, wenn wir zu viel Stress haben. Die beiden vergöttern die Kleine. Gaia und die beiden passen öfter Mal auf Madi auf, was sich auch darin begründet, dass Gaia Madi unterrichtet. Als letztes werde ich von Roan in eine enge Umarmung gezogen.

„Freut mich, dass es geklappt hat“, sagt er schließlich und lässt mich los.

„Er wusste es?“, fragt Michael und sieht uns überrascht an.

„Er ist der biologische Vater, also ja“, sage ich und sehe viele Gesichter entgleiten. „Dieses Mal mussten wir auf eine künstliche Befruchtung zurückgreifen. Roans und Clarkes Gene zusammen werden wohl einen ähnlichen Effekt haben wie meine mit Clarkes.“ Wir haben lange darüber nachgedacht, was für einen Spender wir nehmen sollen. Roan zu nehmen ergab einfach Sinn. „Wir haben einen Test gemacht. Es ist alles gut.“

„Na dann.“ Michael steht auf. „Lasst uns frühstücken und auf euer Glück anstoßen.“

Ich grinse Micheal an und antworte mit einem Lächeln im Gesicht: „Ich denke, das ist eine ganz hervorragende Idee.“


- Ende




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Ich muss mich (vielleicht) für dieses etwas zu kitschige Ende entschuldigen. Vielleicht kommt noch etwas „Episches“ irgendwann als alternatives Ende hinterher. Ich muss gestehen, dass ich bis zum Ende zwischen Happy-End und dramatischem Ende geschwankt habe. Wenn Interesse besteht, kann ich gerne noch einmal die andere Variante zu Papier bringen.

Vielen Dank an dieser Stelle an all die fleißigen Leser*innen (über 5000 Aufrufe und 38 Mal als Favorit und 13 Empfehlungen, ich bin sprachlos!) und mein besonderer Dank geht an die fleißigen Review-Schreiber*innen. Vielen Dank für eure vielen aufbauenden Kommentare! Es hat mich wirklich motiviert schnell weiter zu schreiben.

Am Montag geht es direkt mit einer nächsten Geschichte weiter, die weniger dramatisch, mystisch und mehr familiär und ruhig wird. Ich hoffe, dass einige von euch vielleicht auch da mal rein schauen. Und in diesem Sinne: Mögen wir uns wiedersehen.
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