Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
Alle Kapitel
41 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
01.01.2021 6.604
 
Das Erste, was ich spüre, als ich aus der tauben Dunkelheit wieder aufwache ist Schmerz. Kein körperlicher Schmerz. Mein Herz fühlt sich an als wäre es gebrochen, ein tiefes Gefühl der Traurigkeit durchflutet mich und eine unerträgliche Schuld erdrückt mich förmlich. Ich öffne mit einem tiefen lauten Atemzug meine Augen und sinke dann wieder in meine Unterlage. Ich spüre, wie Tränen mein Gesicht herunter laufen. Ich weiß aber nicht wieso. Ich bin überfordert.

Als ich mich umsehe, stelle ich fest, dass ich in meinem Schlafzimmer liege. Doch als ich die Tränen aus meinen Gesicht wischen will, kann ich meine Arme nicht bewegen. Ein Blick auf meine Handgelenke verrät mir, dass ich gefesselt bin.

„Was zur…“ Ich sehe mich weiter um. Mein Zimmer sieht soweit normal aus. Bei dem Versuch die Fesseln zu lösen, stelle ich fest, dass sie mich nicht nur körperlich einschränken, sondern auch meine magischen Fähigkeiten. Ich bin maßlos verwirrt und weine einfach weiter ohne zu wissen, wieso.

„Hallo?“, rufe ich irgendwann, als meine Tränen versiegt sind und ich meiner Stimme wieder traue. „Ist hier jemand?“ Ich rüttele an den Fesseln. Nichts. „Hallo?“ Ich atme schwer und versuche die Schuldgefühle zu verdrängen.

Was ist mit mir passiert? Wieso kann ich mich an nichts erinnern?  

Ich versuche mich zu konzentrieren, aber mein Kopf macht einfach dicht. Bevor ich wieder vor Verzweiflung in Tränen ausbrechen kann, öffnet sich meine Schlafzimmertüre.

„Lexa?“

„Raven! Was ist hier los?“ Ich rüttele wieder an meinen Fesseln. „Was machst du hier? Ich dachte du bist im Urlaub.“ Ihre Augen weiten sich. „Mach mich los.“

„Äh.“ Sie schaut in den Flur und tritt dann langsam ein. „Lexa?“

„Raven?“ Ich rüttele wieder an meinen Fesseln. „Warum bin ich gefesselt?“

Sie atmet einmal tief durch. „Was ist das Letzte an das du dich erinnerst?“

„Ich weiß es nicht. Ich versuche es die ganze Zeit, aber mein Kopf macht total dicht.“

„Mhh.“

Schweigen.

„Raven!“ Ich rüttele weiter an den Fesseln. „Was habe ich getan, an das ich mich offensichtlich nicht erinnern kann?“

Sie verzieht etwas ihr Gesicht. „Die Frage ist wohl eher was du nicht getan hast.“ Sie kommt näher zu mir. „Aber bei uns ist alles Cool?“

Ich schüttele verwirrt meinen Kopf. „Ja? Solange du mich nicht immer noch ein bisschen hasst, weil Costia tot ist.“

„Oh wow.“ Raven setzt sich auf den Stuhl neben mich, der mir bis jetzt nicht aufgefallen war. „Du hast echt viel vergessen.“

Ich starre sie funkelnd an. „Offensichtlich.“ Schweigen. „Raven. Kriege ich bitte ein paar Antworten! Ich will wissen, wieso ich hier gefesselt in meinem Schlafzimmer liege und du dich so merkwürdig verhältst. Wo ist Clarke?“ Ihre Augenbrauen schießen sofort nach oben und sie rutscht unbequem auf ihrem Stuhl hin und her. Mir wird ganz schlecht. „Raven… bitte sag mir, dass ich Clarke nichts getan habe.“

Tränen schießen mir wieder in die Augen und das Gefühl in mir ergibt mehr und mehr Sinn. Es muss ja einen Grund geben, wieso ich gefesselt werden musste.

„Das ist gar nicht so einfach zu beantworten.“

Ich fange an zu weinen und ein heftiges Schluchzen erschüttert mich. „Geht es ihr gut?“ Meine Stimme ist ein einziges Flehen.

„Ja. Sie ist quicklebendig.“ Erleichterung lässt mich aufatmen. „Aber das ist mehr ihr als dein Verdienst.“

Ich werde mehr als ungeduldig. „Kannst du mir bitte endlich sagen, was ich getan habe? Ich akzeptiere jede Strafe nur bitte!“

Raven holt tief Luft. „Ich denke, dass Clarke dir das vielleicht besser…“

„Raven. Ich drehe durch!“

Sie muss sarkastisch auflachen. „Okay, okay. Ich gebe dir einen groben Handlungsrahmen, den Clarke dann ausfüllen kann. Sie… ist gerade nicht hier. Ich habe Lexa-Dienst.“

„Oh Gott. Was habe ich getan?“, hauche ich und versinke in meinem Kissen.

„Gucken wir erst einmal, bis wohin deine Erinnerungen reichen, okay?“ Ich nicke. „Du hast Roan im Zweikampf besiegt.“ Ich nicke. „Die Koalition hat nach gefühlt ewiglangen Verhandlungen einen Vertrag geschlossen.“ Ich nicke wieder. „Miss Withehead hat dich angegriffen und wollte dich umbringen.“ Ich stocke. Ich starre durch den Raum. Ganz langsam tröpfeln Bilder in meine Gedanken.

„Sie…hat mir ein Messer in den Bauch gerammt.“ Ich habe das Bedürfnis meinen Bauch zu berühren, werde aber wieder von den Fesseln aufgehalten. Ich stöhne frustriert auf. „Sie hat mich umgebracht.“ Ich starre Raven an. „Ich war tot.“

„Danach irgendetwas?“

Ich überlege eine ganze Weile. Raven sitzt geduldig schweigend daneben, „Nein. Es endet mit…“ Ich muss ganz stark nachdenken. „Titus und Clarke tragen mich in mein Büro und ich versuche den Fluch zu lösen…“ Mein Kopf fängt an zu pochen. „Dann ist es dunkel.“ Ich schüttele meinen Kopf, als ob ich damit Erinnerungen freischütteln könnte.

„Puh, okay.“ Raven fährt sich mit den Händen über die Oberschenkel. „Wie ehrlich soll ich sein?“

„Komplett. Bitte.“ Ich bewege meine Hände leicht, weil das ständige Rütteln gemacht hat, dass meine Finger taub werden.

„Der Angriff von Miss Withehead war vor drei Monaten.“ Ich erstarre komplett und bin mir nicht einmal sicher, ob mein Herz wirklich weiter schlägt. „Du bist seit etwas mehr als zwei Monaten hier.“ Und dann erzählt Raven mit ruhiger und überraschenderweise rationaler Stimme. Auch, wie sie die Sachen erzählt ist vergleichsweise rational. Mir laufen wieder die Tränen übers Gesicht und der Schmerz in mir kommt mit geballter Kraft zurück.

„Mhm“, mache ich immer wieder und schüttele meinen Kopf. „Nein.“ Ich schluchze auf, stoppe Raven aber nicht, als sie stumpf weiter erzählt. Die Schuldgefühle überfluten mich und ich halte den Schmerz kaum aus. „Nein.“ Ich kneife meine Augen zusammen. „Das…Nein!“ Ich versuche mich wieder loszureißen. Raven stoppt, als sie davon erzählt, dass ich eine Gruppe Hexen und Hexer abschlachten wollte, weil sie sich nicht der Koalition verpflichteten wollten. Ich kämpfe gegen die Fesseln und gegen das unerträgliche Gefühl in mir drin. „Das kann nicht sein…Wie…“

Ich schreie einmal laut, weil es zu sehr weh tut. Mein gesamter Oberkörper ist angespannt.

„Lexa, ruhig. Tief einatmen.“

„Nein. Ich…“ Ich schüttele heftig meinen Kopf und knalle dann bewusst heftig gegen das Kopfteil des Bettes.

„Sie leben alle noch. Du hast niemanden mehr getötet.“

„Ich habe aber Menschen getötet“, schluchze ich und lasse den Kopf hängen. „Was habe ich Clarke noch angetan?“ Meine Stimme ist kraftlos und von Traurigkeit getränkt. Ich fühle mich gebrochen. „Warum bin ich jetzt hier? Warum lebe ich noch?“

„Du glaubst doch nicht, dass wir dich einfach so abmurksen, nur weil du einen schlechten Tag hast?!“ Sie legt ihre Hand auf meinen Oberschenkel und ich zucke zurück.

„Ihr hättet mich umbringen sollen“, kommt es leise aus mir heraus. Die Tränen tropfen auf mein Oberteil. Ich habe die Decke mittlerweile weggetreten und meine Handgelenke sind wund.

„Lexa, stopp. Nein. Sag das nicht. Das warst nicht du.“ Raven setzt sich auf das Bett. „Du standst unter dem Einfluss von Alexa. Als Clarke sie beschworen hat, ist ein Teil von ihr nicht mehr zurück in den transzendentalen Raum gegangen, sondern in deinem Kopf geblieben. Du hattest somit nicht einmal wirklich eine Wahl.“

„Man hat immer eine Wahl“, hauche ich kraftlos. „Ich war einfach zu schwach, um…“

„Nein, Lexa. Clarke wird das bestätigen. Ein Teil von dir hat immer wieder gekämpft, aber Alexas Dunkelheit hat dich innerlich aufgefressen.“ Raven legt ihre Hände um mein Gesicht und zwingt mich sie anzusehen.

„Habe ich Clarke verletzt?“, frage ich langsam.

Raven schürzt die Lippen. „Ja. Aber nicht so wie du denkst.“ Sie wischt die Tränen von meinen Wangen. „Du wolltest sie angreifen, aber dein Schutzzauber hat das auf dich gespiegelt. Sie versteht nicht ganz wieso, weil du den wohl eigentlich gelöst hast.“

Ich blinzele langsam, dann muss ich lachen. Es klingt hysterisch. „Ich habe den Schutzzauber nie gelöst.“ Ich schüttele weiter lachend meinen Kopf. „Ich habe das Armband verschwinden lassen, aber den Schutzzauber beibehalten.“ Ich sehe Raven an. „Also wollte ich ihr wirklich weh tun…“ Mein Lachen erstickt unter Tränen.

„Lexa…“ Raven streichelt meine Wangen weiter. Hätte ich gekonnt, wäre ich vor dieser liebevollen und fürsorglichen Berührung am liebsten zurück gewichen, aber ich bin gefangen. Sie streichelt meinen Rücken und es tut fast schon weh. „Ich rufe Clarke an. Sie sollte wissen, dass du wach bist.“

Ich hebe meinen Blick und schüttele meinen Kopf. „Bitte nicht“; flehe ich sie an. „Mach mich einfach los und lass mich gehen.“ Wir sehen uns intensiv an. Sie muss die Verzweiflung und die Schuldgefühle sehen. Ich habe das Gefühl innerlich zu zerbrechen.      

„Auch, wenn ich könnte, würde ich das nicht tun. Das warst nicht du, Lexa! Du kannst dich doch nicht einmal daran erinnern und Titus konnte sogar bestätigen, dass du mit jemandem geredet hast, der eigentlich nicht da war. Du hattest nicht mehr die Kontrolle über deine eigenen Handlungen. Hier ist niemand sauer auf dich!“

Ich weine wieder. „Was ist, wenn das wieder passiert?“ Ich sehe Raven an. „Ich kann offensichtlich nicht dagegen kämpfen und…“ Meine Stimme bricht weg. Ich habe Angst die Menschen, die ich liebe zu verletzten. Angst, dass Alexa wieder in meinen Kopf kommt. Mein ganzer Körper zittert.

„Das wird nicht passieren.“ Raven holt tief Luft. „Aber das muss dir Clarke erklären, weil ich das – ehrlich gesagt – nicht so ganz verstanden habe.“ Sie lässt mich los und holt ihr Handy raus. „Ich rufe Clarke jetzt an, bis dahin…“ Sie zeigt auf mich. „Versuch etwas runter zu kommen. Niemand ist sauer auf dich! Wir haben alle Verständnis.“
Ihre Worte tun weh. Ich schaue ihr aus tränennassen Augen hinterher, als sie den Raum verlässt, um draußen mit Clarke zu telefonieren.

Ich verdiene kein Verständnis…Ich war zu schwach, um mich gegen Alexa zu wehren…Wie konnte sie so einfach die Kontrolle über mich übernehmen?...Was habe ich Clarke noch angetan?...Mich zu fesseln war die einzige richtige Entscheidung…Sie hätten mich in den tiefsten Kerker werfen sollen…Wie konnte ich so leicht die Kontrolle verlieren?...Wieso erinnere ich mich nicht?...Was ist alles in den Tagen passiert, die weder Raven noch Clarke mich sehen konnten?...Was habe ich mit Titus gemacht?... Mein Kopf fängt an schmerzhaft zu pochen, weil mir die Anstrengung zu viel ist. Wieso ist Alexa jetzt weg?...

Ich höre Ravens Stimme durch die geschlossene Türe. Sie telefoniert recht lange, wahrscheinlich weil sie Clarke direkt ins Bild setzt, an was ich mich erinnern kann. Ich balle meine Hände zu Fäusten und versuche die Fesseln zu lösen, aber nichts. Weder mit Muskel- noch Zauberkraft kann ich die Fesseln auch nur einen Millimeter lösen. Ich falle erschöpft in das Kissen zurück, nachdem ich über Minuten versucht habe mich zu befreien. Die Vorstellung gleich Clarke zu sehen erfüllt mich mit so viel Scham und Schuld, dass ich mich wahrscheinlich übergeben würde, wenn etwas in meinem Magen wäre. Ich versuche zwanghaft weitere Erinnerungen in meinem Kopf zu finden, aber nichts. Es endet mit Schmerzen in meinem Bauch und dem Versuch den Fluch von Miss Withehead zu lösen. Miss Withehead… Ich mochte sie zwar nie, aber, dass ich sie wohl umgebracht habe, tut fast unerträglich weh. So wollte ich nie sein.

Raven kommt wieder in mein Zimmer und läuft schnell zu mir. „Scheiße Lexa, jetzt hör mal auf dich selbst zu bestrafen.“

Ich hebe schwach meinen Blick, als sie mit Taschentüchern die Wunden an meinen Handgelenken abtupft. Ich habe so stark an den Fesseln gerissen, dass sie sich in meine Haut gegraben haben. Das Blut fließt seit Minuten warm über meinen Arm, aber es ist mir egal. Ich verdiene weit aus Schlimmeres… Ich starre nach vorne, während Raven meine Handgelenke abtupft.

„Ich meins ernst Lexa. Willst du etwa, dass Clarke hier hinkommt und dich so sieht?“

Ich weiche ihrem Blick aus. Ich will, dass mich Clarke gar nicht sieht… Ich beiße mir auf die Unterlippe, bis ich Blut schmecke.

„Sie kommt sofort hoch. Ob du es mir glaubst oder nicht, sie freut sich unfassbar, dass du wach bist und offensichtlich Ante-Mortem-Lexa bist.“

„Was?“ Ich sehe sie verwirrt an. „Ante-Mortem?“

„Jap.“ Sie tupft das restliche Blut von meinen Armen. „Erst nach dem Angriff von Miss Withehead und deinem Fast-Tot bist du so abgedreht. Das warst einfach nicht du.“ Sie wirft mit einem Seufzen die Taschentücher in einen Mülleimer. „Das ist übrigens auch der Grund, wieso du gefesselt bist. Wir waren uns alle nicht sicher, ob Clarkes Zauber geklappt hat und du als Ante-Mortem-Lexa aufwachst. Es gab einige Bedenken, dass du aufwachst und immer noch Blutdurst hast. Ich kann verstehen, dass du gerade von Schuldgefühlen aufgefressen wirst, aber versuch einfach dich darauf zu konzentrieren, dass du nicht zurechnungsfähig warst.“

Zurechnungsfähig… „Gibt es einen Prozess gegen mich?“, frage ich langsam, als mir einfällt, dass ich Heda einer Koalition aus Hexen und Hexern bin, die das alles mitbekommen haben.

„Nein.“ Raven holt tief Luft. „Jede Tötung war nach euren bescheuerten alten Gesetzten und Traditionen gerechtfertigt. Es gibt nur Debatten, wie du von Kein-Blutvergießen zu Blut-verlang-nach-Blut gewechselt bist. Die Koalition teilt sich etwas zwischen Zustimmung und Ablehnung, aber eigentlich sind die meisten einfach verwirrt.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Aber Clarke hat das soweit geklärt, dass es für dich keine Konsequenzen geben wird. Sie hat den Kurs wieder auf Harmonie gesetzt.“

„Clarke?“, frage ich langsam.

Ravens Augenbrauen schießen hoch. Sie weicht meinem Blick aus. „Ach ja… Es gibt da noch ein Detail, was ich ausgelassen habe. Nachdem Clarke Alexa beschworen hat, wurde sie von ihr als Haiplana identifiziert.“ Ich habe das Gefühl, dass ich das weiß, aber es ist nur ein flüchtiges Gefühl. „Haiplana ist sowas wie Heda 2.0 nur mit weniger Blut- und Rachedurst.“

Ich komme nicht ganz mit. „Was?“

„Lass dir das weiter von Clarke erklären. Das, was für dich jetzt alleinig wichtig ist, ist, dass niemand deinen Tod, Absetzung oder sonst etwas von dir will. Wir sind alle auf deiner Seite.“ Sie legt wieder eine Hand auf meinen Oberschenkel. „Wir sind eine Familie, Lexa.“ Tränen der Rührung schießen mir in die Augen. „Wir bekommen das wieder hin. Wir bekommen dich wieder hin.“ Sie beugt sich vor und gibt mir einen Kuss auf die Wange. „Wir unterstützen dich bei deiner Regeneration.“

Ich schüttele leicht meinen Kopf. Doch bevor Raven etwas antworten kann, klopft es leicht an der Türe. Bevor sie sich öffnet weiß ich schon, dass es Clarke ist, weil mein Nacken kribbelt und ein warmes Gefühl kurz durch meinen Körper schießt. Ich keuche auf und mein Blick fliegt zur Türe. Dann trifft trauriges Grün auf ruhiges Blau.

Ein unerträglicher Schmerz schießt durch meinen Kopf und plötzlich brechen Bilder und Erinnerungen durch. Ich kneife meine Augen zusammen, mein ganzer Körper spannt sich an und ich schreie auf. Es ist viel zu schmerzhaft.


„Du hattest Recht, Clarke“, keuche ich. Sie sieht mich überrascht an und legt dann ihre Hände um mein Gesicht. Ich spüre, wie sich die Wärme gegen die aufkommende Kälte leicht ausbreitet. Ich spüre, wie mir Tränen die Wange herunter laufen. „Das mit uns ist und zwar nie ein Fehler.“ Meine Stimme krächzt. Sie schluchzt auf und dann spüre ich ihre Lippen auf meinen. Ich atme tief ein und versuche den Kuss zu erwidern. Ich bin zu schwach. Sie löst sich von mir. Ich spüre ihre Verzweiflung und will irgendetwas tun, damit sie damit besser klarkommt. Dass ich sterbe ist mir überraschenderweise relativ egal. Clarke so zu sehen schmerz mehr als die Wunde in meinem Bauch. Da fällt mir auf, dass sie weg ist. Ich sehe mich leicht um.

„Clarke“, rufe ich und klingt schwächer als ich will.

Sie taucht wieder in meinem Sichtfeld auf und streichelt meine Wange. „Ich bin hier.“


Ich keuche und schüttele heftig meinen Kopf. Aber die Erinnerungen brechen weiter durch meinen Kopf. Ich fühle alles.


„Welche Rolle nimmst du ein? Familienangehörige oder Ratsmitglied?“, frage ich und merke, wie meine Stimme durch die Luft schneidet.

„Lex…“ Ihre Stimme ist ganz sanft. Sie kommt mir wieder näher und umfasst mein Gesicht. Mein Kiefer ist immer noch angespannt und meine Augen kalt und unnachgiebig. Ihre Finger berühren meine Wangen ganz sanft. Ein leichtes innerliches Zittern lässt mich ihre Hände packen und sie runter ziehen.



Ich sehe den Schmerz wieder in ihren Augen und fühle die Kälte, die ich damals empfunden habe. Spüre, wie sehr ich die Kontrolle an Alexa gegeben habe.


Ich sehe Tränen in ihren Augen hochsteigen und sie schüttelt wieder ihren Kopf.

„Das bist nicht du“, flüstert sie mit zitternder Stimme und dreht sich um. „Die Verhandlung wird vertagt“, ruft sie laut und verlässt dann mit schnellen überraschend selbstbewussten Schritten den Raum.



Bilder der Verhandlung schießen mir weiter durch den Kopf. Ich spüre fast schon Pikes Blut über meine Hand laufen, als ich ihm quälend langsam die Klinge über den Hals ziehe. Mein Oberkörper brennt.


Ich drücke sie mit aller Kraft zurück und wir fallen auf den Boden. Ich hocke über ihr und umfasse ihren Hals. Als ich zudrücken will, spüre ich plötzlich einen zunehmenden Schmerz in meinem Hals. Ich muss blinzeln und drücke wieder zu, aber Clarke sieht mich nur aus erschrockenen Augen an.



„Lexa!“ Ich spüre, wie Hände um mein Gesicht gelegt werden. „Hey. Alles ist gut.“ Ich werde in Arme gezogen und spüre, dass ich nicht mehr gefesselt bin. Es wird warm. „Ich bin hier.“ Ich weine schmerzvolle Tränen der Verzweiflung. Ich spüre, wie Clarke meinen Rücken streichelt und mich in ihren Armen festhält. Meine Arme hängen kraftlos neben meinen Körper. Ich spüre fast das Blut an meinen Händen und schüttele immer wieder den Kopf. Ich fühle, wie wütend ich in den Erinnerungen war. Ich war die ganze Zeit so wütend und angespannt. Clarkes Lippen liegen sanft auf meiner Stirn, während ich krampfhaft weiter weine. Ich kann mich nicht zusammen reißen. Auch, wenn ich ihre Umarmung nicht verdiene, habe ich nicht die Kraft mich wegzudrücken. Es ist als ob mein Körper sich nicht gegen ihre liebevollen Berührungen währen könnte. „Es ist okay“, flüstert sie und ich schluchze auf. Ich schüttele meinen Kopf und sehe immer wieder die toten Menschen vor mir. Sie drückt mich leicht hoch und sieht mich an.

„Ich…“, fange ich an, doch meine Stimme bricht weg. Sie umfasst mein Gesicht. Sie wischt die Tränen weg und blau trifft auf grün. Ruhe breitet sich sofort in mir aus und das warme Gefühl strömt von meinem Nacken durch meinen Körper. Die Tränen versiegen und mein Herz hört auf ungebremst durch meine Brust zu donnern. „Es tut mir so leid“; hauche ich.

„Ich weiß.“ Sie streichelt weiter mein Gesicht. „Aber jetzt bist du wieder du.“ Ihre Berührungen lassen einen Schauer nach dem nächsten durch meinen Körper fahren. „Und du wirst du selbst bleiben.“ Mein Blick wird zweifelnd.

„Was ist in dem Keller passiert?“, frage ich langsam, obwohl ich es gar nicht wissen will. „Ich erinnere mich nur noch an unerträgliche Schmerzen und, dass du einen mächtigen Zauber gesprochen hast.“

Sie nickt und atmet tief durch. „Das ist eine etwas längere Geschichte“, flüstert sie sanft und da bildet sich das erste Mal ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen. „Rutsch mal etwas rüber.“ Sie lässt mich los. Wie in Trance rutsche ich etwas zur Seite und sie legt sich neben mich. „Komm her.“

Ich verdiene es nicht so von ihr behandelt zu werden…

Doch mein Körper hört nicht auf meine Gedanken. Wie fremdgesteuert lege ich mich in ihre Arme und bette meinen Kopf auf ihrer Brust. Ich schließe meine Augen und atme tief ein. Dann erzählt Clarke mit ruhiger angenehmer Stimme, was ihr passiert ist. Sie erzählt mir, was es bedeutet Haiplana zu sein und welche Rolle ihre Vorfahren gespielt haben. Sie erzählt mir von Gaia und ihrer Einführung. Davon, dass sie jetzt auch mehr Glyphen hat, die aber weiß sind. Offensichtlich hat die Färbung der Glyphen nichts mit Macht zu tun, sondern mit der Abstammung. Je dunkler die Glyphen sind desto mehr Macht ist von Alexa in der Hexe oder dem Hexer. Sind die Glyphen hell oder sogar weiß, ist es die Macht der Haiplana.

Sie lässt zunächst den Teil mit dem Zauber aus und erzählt mir davon, dass sie die Gesandten der Koalition darüber aufgeklärt hat, dass es ab sofort eine Doppel-Spitze geben wird. Gaia half ihr dabei die Gesandten zu überzeugen und das Wissen über Haiplana zu verbreiten. Ich höre ihr schweigend zu und ihre Stimme entspannt mich langsam. Die Schuldgefühle werden zwar nicht weniger, aber sie sind erträglicher. Sie erzählt mir davon, dass die vergangen Heda wohl alle irgendwann durchdrehten, weil Alexa sich manifestierte. Sie streichelt immer wieder sanft meine Schulter oder krault meinen Kopf. Ich drücke mich immer enger an sie und irgendwann schaffe ich es, meinen Arm um sie zu legen und sie ebenfalls zu berühren. Die ganzen Grausamkeiten und Massenmorde der vergangenen Heda begründeten sich darauf, dass Alexas Macht zu groß geworden war und es keinen Ausgleich gab. Dann schweigt Clarke. Ich kann mich überwinden den Kopf zu heben und sie anzusehen.

„Und jetzt?“, frage ich langsam. Sie lächelt mich herzlich an.

„Jetzt komme ich zu dem Zauber.“ Sie drückt mich etwas hoch und setzt sich hin. Sie nimmt meine Hände in ihre. „Der Zauber war gefährlich und es gab nur eine 50-50-Chance, dass das wirklich funktioniert.“ Sie holt tief Luft. „Ich hätte uns beide also fast umgebracht.“ Ich muss schlucken und senke den Blick. Aber sofort liegt ihre Hand an meiner Wange und hebt mein Kinn sanft. „Aber es hat offensichtlich geklappt. Dieser Zauber ist uralt und wurde von Becca damals erschaffen, sie konnte ihn nur nicht anwenden. Wir haben beide seit unserer ersten Begegnung eine Verbindung, die wir nie erklären konnten. Diese Verbindung habe ich genutzt.“ Sie holt tief Luft. „Ich habe die Macht der Haiplana und der Heda untrennbar verbunden und dabei deine Verbindung mit den vergangenen Heda gekappt.“ Mein Mund klappt leicht überrascht auf. „Wir…“ Sie holt tief Luft. „Wir sind jetzt enger verbunden. Meine Macht gleicht deine dunkle Macht aus. Dadurch, dass diese Verbindung steht, kannst du nur nicht mehr auf das Wissen der Heda zurück greifen, weil es durch meine Macht abgepuffert wird. Titus wurde von Gaia ebenfalls gezwungen den transzendentalen Raum der Heda aufzulösen, damit Alexas Macht nicht noch irgendwo weiter besteht und vielleicht irgendwann doch durchbricht.“

„Sie sind weg?“, hauche ich und greife mir unbewusst an den Nacken. Dort spüre ich eine Erhebung. Ich zucke irritiert zusammen. Clarke nimmt meine Hand in ihre.

„Ja.“ Sie schluckt. „Es gab keine andere Möglichkeit diese Verbindung sonst so stabil zu halten. Du hast die Dunkelheit zwar immer noch in dir, aber wir kämpfen jetzt zusammen dagegen.“ Sie greift sanft in meinen Nacken und streichelt die empfindliche Haut. „Wir haben jetzt die gleiche Glyphe im Nacken. Ein Unendlichkeits-Symbol.“

„Wieso?“, frage ich verwirrt. Ich werde wohl noch etwas brauchen, um die Informationen verarbeiten zu können.

„Diese Glyphe wurde durch den Zauber erschaffen. Sie verdeutlicht unsere Verbindung und wie stark unsere Mächte jetzt zusammen arbeiten. Wir sind beide mächtiger als vorher.“ Sie schweigt und beobachtet mich. Ich weiß nicht, wie es mir geht. Ich schüttele leicht meinen Kopf.

„Das Wissen der vergangenen Heda ist einfach weg?“, frage ich langsam.

„Nein. Das Wissen wurde von Titus gespeichert, aber nicht ihre Macht. Er wurde von Gaia gezwungen alles aufzuschreiben und in einen anderen transzendentalen Raum zu übertragen. Du kannst auf das Wissen zugreifen, aber nicht mehr auf ihre Erinnerungen, Gefühle und – was viel wichtiger ist – ihre Macht. Sie können nicht mehr zu dir sprechen oder dich manipulieren. Du wirst keine Träume mehr haben oder Flashbacks.“

„Und wir…“ Ich zucke leicht mit den Schultern. Sie wartet geduldig und streichelt weiter meine Hand. „Wie kannst du mir verzeihen? Ich habe dich verletzt. Ich habe dich angegriffen!“

„Das warst nicht du. Du hast die ganze Zeit mit Alexa kommuniziert und sie hat deinen Geist beeinflusst. Ich kann dir verzeihen, weil das nicht deine Entscheidungen waren.“ Sie legt ihre Hand um meine Wange und zwingt mich sie anzusehen. „Ich liebe dich, Lexa.“ Ich atme keuchend ein, weil ich damit nicht gerechnet habe.

„Clarke…“ Ich nehme ihre Hände von meinem Gesicht. „Ich…“

„Du wirst nie wieder die Kontrolle verlieren können.“ Sie rutscht näher zu mir. „Dafür sorge ich oder die Macht der Haiplana, wie auch immer du das sehen willst. Es ist unmöglich, dass du wieder zu dieser Person wirst.“

„Und…“ Ich denke nach. „Was ist mit kommenden Heda?“

Sie lächelt. „Die Verbindung mit den vergangenen Heda und somit mit Alexa ist getrennt. Außerdem…“ Sie holt tief Luft. „habe ich ein Gesetz erlassen. Die Verbindung zweier Menschen darf nicht mehr mit dem Ziel erfolgen einen perfekten Nachfahren der Heda zu erschaffen. Jede Hexe und jeder Hexer muss sich testen lassen.“ Sie nimmt meine Hand wieder. „Es wird – hoffentlich – niemals wieder jemanden wie dich geben.“ Ich atme erleichtert ein. „Da gibt es aber noch eine Sache, die ich dir erzählen muss.“ Sie holt wieder tief Luft und mir fällt das leicht freudige Glitzern in ihren Augen auf. „Gaia hat keine Ahnung, wie das passiert ist und es folgt keiner Logik.“

„Was ist noch passiert?“, frage ich langsam und erwidere den Druck ihrer Hand. „Warte kurz.“ Ich setzte mich etwas auf. „Bevor du mir diese offensichtlich gute Information erzählst…“ Ich atme tief durch. „Wir sind noch zusammen?“, frage ich langsam.

„Ja“, haucht sie und nickt. „Ja, natürlich! Also vorausgesetzt, du willst noch.“ Ich sehe Zweifel in ihren Augen.

Ich nicke langsam. „Ich will. Ich…“ Ich muss schlucken. „Ich muss nur irgendwie damit umgehen, dass ich Blut an meinen Händen habe und dich…“

„Lexa…“ Sie sieht mich mit einem schiefen Lächeln an. „Es ist ja nicht so, dass du Unschuldige umgebracht hast. Die Menschen, die du getötet hast, waren Mörder. Sie haben ein Verbrechen begangen. Es ist zwar nicht der richtige Weg, aber das macht dich nicht zu einem schlechten Menschen. Du bist immer noch du und ohne Alexas Einfluss noch viel mehr du selbst.“ Sie umfasst wieder mein Gesicht. „Ich habe den Kampf so lange in deinen Augen gesehen. Du hast nicht einfach so nachgegeben. Alexa war einfach stärker.“ Sie sieht mir liebevoll in die Augen und ich spüre, wie ich ihren Blick warm erwidere. Es geht mir besser und ich lasse zu, dass mein Körper von ihrer Wärme durchströmt wird.

„Okay“, sage ich langsam und nicke. Es wird fast augenblicklich leichter in meiner Brust und ich kann etwas freier atmen. „Ich liebe dich auch, Clarke“, flüstere ich und das erste Mal seit ich aufgewacht bin, schleicht sich ein sanftes Lächeln auf mein Gesicht.

„Darf ich dich küssen?“, fragt sie und klingt fast schon ungeduldig. Kaum setzte ich zu einem Nicken an, spüre ich ihren Mund auf meinem. Mein Körper wird überschwemmt von einem Euphorie-Gefühl, dass die Schuld und die Scham einfach davon schiebt. Ich erwidere ihren Kuss mit einem erleichterten Seufzten und lasse mich in das Gefühl fallen. Sie klettert auf meine Schoss ohne den Kuss zu unterbrechen. Es ist nichts sexuelles oder verlangendes in dem Kuss oder den Berührungen. Wir wissen beide, dass es einzig und allein um die Nähe geht. Ich ziehe ihren Körper so fest ich kann an meinen und presse mich gegen sie.

„Du hast mir so gefehlt“; haucht sie zwischen zwei Küssen und umschlingt meinen Nacken. Meine Arme halten sie und streicheln ihren Rücken. Ich spüre, wie mir wieder Tränen die Wange herunter laufen, doch dieses Mal nicht aus Trauer, Wut oder Schuld. Mein Körper kann nicht anders mit der Erleichterung umgehen. Es ist zwar nicht einfach so in Ordnung, dass ich diese Menschen umgebracht habe, aber es ist erträglich und Clarkes Worte und Berührungen helfen dabei damit zu Recht zu kommen. Wir lösen uns irgendwann, weil wir beide Sauerstoff brauchen. Sie sieht mich an und ihre Augen strahlen fast.

„Ich liebe dich so sehr“, flüstere ich und streichele ihre Wange. „Danke“, hauche ich. „Danke, dass du das getan hast.“ Ich presse meine Lippen wieder auf ihre.

„Ich kann dich nicht verlieren.“ Sie legt ihre Stirn an meine. „Ich hätte alles getan, um dich wieder zu bekommen.“ Ich lächele sie leicht traurig an.

Da fällt mir etwas ein und ich muss leise lachen. „Heißt das jetzt eigentlich, dass wir für immer verbunden sind?“ Sie nickt und wird leicht rot. „Also noch krasser als jede Hochzeit?“

Sie lacht leise. „Jap. Aber so wie ich das verstanden habe, haben wir nicht so wirklich eine andere Möglichkeit. Haiplana und Heda gehören entweder zusammen oder zerstören sich gegenseitig.“

Ich muss auch leise lachen. „Gut, dass es Ersteres ist.“ Ich küsse sie wieder und bette dann meine Stirn seufzend an ihre. „War es das, was du mir noch sagen wolltest?“, frage ich nach einer Weile, die ich einfach ihre Wärme und den Geruch genossen habe. Sie lehnt sich zurück und schüttelt den Kopf. Sie wird wieder rot. „Ich habe es aber richtig interpretiert, dass es nichts Schlimmes ist?“

Sie zuckt mit den Schultern. „Das kommt jetzt drauf an. Für mich ist es nicht schlimm, aber ich weiß nicht, wie du dazu stehst.“ Ich lasse neugierig meinen Blick über ihr Gesicht wandern in der Hoffnung etwas zu erkennen, aber sie hat eine fast undurchdringliche Maske. Ich sehe nur, dass sie nervös wird. „Der Zauber hatte eine kleine Nebenwirkung – so zu sagen. Unsere Verbindung ging nämlich über die Verbindung unserer Macht hinaus. Gaia kann nicht erklären, wieso das auch bei uns passiert ist, aber…“ Sie beißt sich auf die Unterlippe und meine Finger beginnen nervös zu kribbeln.

„Clarke.“ Ich lege meine Hände um ihre Taille, als sie schweigt. „Du machst mich ganz kirre. Was ist denn noch passiert?“

„Du bist schwanger“, sagt sie langsam und beobachtet mich ganz genau. Mein Mund öffnet sich und ich fange geschockt unterschiedliche Wörter und Sätze an. Ich muss mehrfach blinzeln und vergesse wie man atmet.  

„Was?“, frage ich fast tonlos und muss wieder blinzeln. „Aber…“ Ich lasse ihre Taille los und zeige auf sie. „Du…Das…“ Ich schüttele leicht meinen Kopf. „Wie soll das denn bitte gehen?“

„Ich weiß es nicht. Gaia versucht seit Monaten herauszufinden, was da passiert ist. Es gibt zwei Möglichkeiten. Die eine ist, dass bei meinem Zauber wirklich irgendetwas passiert ist und ich dich geschwängert habe. Frag mich nicht. Ich hatte auch Biologie-Unterricht und das ergibt überhaupt gar keinen Sinn. Es gibt aber noch die Möglichkeit, dass du eventuell Sex mit einem Kerl hattest, als du nicht du selbst warst…“

„Oh sag sowas nicht.“ Ich verziehe mein Gesicht.

„Das würde aber von der Wochenzahl nicht wirklich hinkommen“, beruhigt sie mich. „Aber, dass die Möglichkeit eventuell besteht, musste ich dir sagen.“ Ich nicke.

„Schwanger“, murmele ich und hole tief Luft. Ich lege eine Hand auf meinen Bauch.

„Es gab wohl schon einmal diese Verbindung zwischen Heda und Haiplana und da wurde auch ein Kind bei der Verbindung gezeugt. Aber das waren ein Mann und eine Frau. Das Kind wurde damals von anderen Hexen und Hexer getötet, weil sie fürchteten, dass seine Macht zu groß sein würde.“ Clarke zuckt leicht mit den Schultern. „Gaia versucht herauszufinden, ob die damals Sex hatten oder ob das wirklich der Zauber ist. Ich habe auch schon versucht mit den Haiplana zu sprechen, aber die sind vergleichsweise schweigsam.“

Ich schaue sie blinzelnd an. „Also…“ Ich muss tief Luft holen und bemerkte, dass ich unbewusst meinen Bauch gestreichelt habe. „Wir…“ Ich hole wieder Luft, weil mir leicht schwindelig ist. „Schwanger. Ich…“ Ich presse die Luft aus meinen Lungen.

„Ist das okay für dich?“, fragt Clarke langsam.

„Ich glaube Ja.“ Ein leichtes Lächeln bildet sich wieder auf meinem Gesicht. „Ich habe nie darüber nachgedacht irgendwann eine Familie zu gründen.“ Ich lege meine Hände wieder auf ihren Rücken. „Ich kann das auch noch nicht wirklich begreifen, weil jegliche Logik sagt, dass das nicht geht.“

Sie lacht leise. „Ich weiß.“ Sie legt ihre Hände wieder um meinen Nacken. Ich muss plötzlich richtig lachen und schüttele amüsiert meinen Kopf. „Was?“, fragt Clarke und muss auch grinsen.

„Da bin ich zwei Monate ohnmächtig, wache auf und bin schwanger und quasi verheiratet“, lache ich und Clarke muss ebenfalls lachen. Sie küsst mich und drückt ihren Körper an meinen. Ich atme entspannt ein und ziehe sie dann in meine Arme.

„Clarke?“

„Mh?“

„Willst du mich heiraten?“, frage ich langsam und sie löst sich überrascht von mir. Wir sehen uns an. „Also formell mit Standesamt, Urkunde und Ring? So wie ich das sehe, werden wir uns nie trennen können. Ich liebe dich. Wenn wir schon durch einen Zauber verbunden sind, können wir das auch rechtlich machen und so kannst du auch offiziell den kleinen Krümel adoptieren, wenn er oder sie da ist.“

„Ja“, sagt sie und grinst mich an. „Ja, Lexa. Natürlich will ich dich auch rechtlich formell heiraten“, grinst sie und küsst mich wieder. Wir sitzen eine ganze Weile einfach da küssen und streicheln uns. Ich genieße die Ruhe in mir.

Ich bin zu Hause…Etwas Frieden für mich…

„Wie geht es jetzt weiter?“, frage ich irgendwann, als wir schon wer weiß wie lange einfach nebeneinander gelegen haben. Clarkes Kopf liegt auf meiner Schulter, während sie sanft meinen Bauch streichelt. Sie hebt ihren Blick.

„Was genau?“

„Wie das mit uns weiter geht, ist ja klar“, grinse ich. „Ich meine die Koalition. Mein Heda-Dasein und so weiter.“

Sie nickt. „Wir führen jetzt gemeinsam die Zirkel. Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Ich konnte die anderen wieder davon überzeugen, dass wir Abstand von Jus drein jus daun nehmen. Ich habe ihnen gesagt, dass du die letzten Monate krank warst.“ Sie fährt mit der Hand unter mein Oberteil und streichelt sanft meine Haut. Ein wohliger Schauer durchfährt mich wieder. „Im Moment läuft eigentlich alles ruhig. Alle halten sich brav an die Verträge und kooperieren untereinander. Ich musste ein paar Diskussionen zwischen Az und anderen Zirkeln lösen, aber da ist Roan eine wirklich große Hilfe.“ Sie legt ihr Kinn auf meiner Brust ab und sieht mich an. „Er war übrigens ein paar Mal hier. Er ist der Einzige aus dem Rat, der die ganze Geschichte kennt.“ Ich nicke. Ich vertraue Roan und denke, dass es eine gute Idee ist, dass er darüber Bescheid weiß. „Ich glaube, dass es dir ganz gut tut, wenn wir das zu zweit koordinieren müssen. Ich habe in den letzten Wochen gemerkt, wieviel Verantwortung du tragen musstest.“ Mein Blick wird etwas traurig. „Ich habe übrigens die Inhalte der Schulen etwas angepasst. Gaia arbeitet mit anderen Hexen daran die Geschichte der Haiplana zu verbreiten und festzuhalten. Alexas Nachfahren haben ganz schön Arbeit geleitestet. Es ist fast alles verschwunden.“

„Die Welt sollte wissen, dass es nicht nur Heda gibt und gab.“ Ich ziehe sie enger an mich. „Danke, Clarke.“

„Selbstverständlich“, entgegnet sie und küsst mich wieder. Sie streckt sich etwas in meinen Armen und sieht dann auf die Uhr. „Was hältst du davon runter zu gehen? Die anderen sind wahrscheinlich da und warten darauf, dass du ihnen Hallo sagst.“

Da fällt mir etwas ein und ich bin irritiert. „Wieso habe ich keinen Hunger?“

Ihre Augenbrauen schießen hoch. „Ach ja. Ich habe dich mit einem Zauber belegt. Wenn ich den gleich löse, solltest du wohl duschen gehen und wirklich etwas essen.“ Ich lache leise.

„Alles klar, Chef.“ Sie steht auf und murmelt einige Zauberformeln, dann wird mir kurz schwindelig und ich bekomme unfassbaren Hunger. „Ah, ich verstehe“, grinse ich leicht und stehe auch auf. „Kommst du mit duschen?“, frage ich und hebe eine Augenbraue an.

Sie kommt zu mir und küsst mich. „Jetzt nicht. Ich werde schon einmal runter gehen und die anderen beruhigen.“ Ich küsse sie wieder.



Als ich frisch geduscht in Jogginghose und Top bekleidet die Treppe herunter komme, kann ich viele unterschiedliche Stimmen hören. Kaum habe ich die letzte Stufe verlassen, werde ich von vielen Augenpaaren angeguckt. Es wird still.

„Hey, Leute“, sage ich etwas unsicher. Zwar haben mir Raven und Clarke zugesichert, dass niemand sauer ist, aber jetzt alle zu sehen macht mich nervös.

„Alexandria.“ Ellen kommt mit Tränen in den Augen zu mir und schließt mich weinend in die Arme. „Gott, ich bin so froh“, keucht sie und hält mich ganz fest. „Ich hatte solche Angst um dich!“ Ich erwidere die Umarmung und schließe meine Augen. Ich spüre die Verzweiflung und die Erleichterung. Als ich meine Augen öffne, sehe ich, dass auch Anya zu uns gekommen ist.

„Mach sowas bloß nie wieder“; sagt sie und umarmt mich ebenfalls. Ich kann Tränen in ihren Augen erkennen. Ellen lässt mich leicht los und ich werde von beiden fest in die Arme geschlossen. Ich genieße das erste Mal seit Jahren die Umarmung meiner Tante und meiner Schwester richtig. Tränen der Rührung laufen meine Wangen herunter.

„Danke“; keuche ich und schluchze leicht auf. Ellen und Anya nicken nur, während sie mich weiter festhalten. Ich werde langsam losgelassen und Ellen wischt erst mir die Tränen von den Wangen und dann sich selbst.

„Hallo Lexa.“ Ich hebe meinen Blick. „Ich bin Gaia.“ Sie reicht mir ihre Hand und ich erwidere den selbstbewussten Händedruck.

„Freut mich ein Gesicht zu Clarkes Geschichten zu haben.“ Ich schlucke die letzten Tränen herunter. „Ich danke dir, dass du Clarke unterstützt hast.“

„Selbstverständlich. Ich werde auch dich unterstützen, wenn du das möchtest.“ Ich nicke langsam.

Da kommt Raven direkt zu mir und nimmt mich ohne etwas zu sagen in den Arm. Ich spüre, dass sie sich in mein T-Shirt krallt und erwidere die Umarmung. Wir reden nicht darüber, dass sie sich an mich klammert. Wir reden auch nicht darüber, dass ich spüre, wie ihr Tränen die Wangen herunter laufen. Ich atme tief ein. Die Vergebung der Menschen, die ich liebe, ist mehr als ich zu hoffen gewagt habe. Sie lässt mich los und wischt sich die Tränen weg. Da entdecke ich Roan an mein Sofa angelehnt und muss leise lachen. Er steht neben Bellamy, der mich auch angrinst.

„Hey Lexa. Lange nicht mehr gesehen“; sagt dieser und hebt seine Hand.

„Hey.“ Ich gehe zu den beiden. „Ich habe gehört du und Clarke habt die Koalition gut im Griff gehabt?“

„Ja, natürlich, Heda.“ Roan neigt seinen Kopf leicht. „Ich bin froh, dass du wieder du selbst bist.“

„Danke, ich auch.“ Ich hole tief Luft. „Was machst du hier?“

„In den letzten Wochen hat es sich irgendwie ergeben, dass wir von Clarke zum Essen eingeladen wurden.“ Er schaut zu Bellamy und legt ihm sanft eine Hand auf den Rücken. „Sie hat mich direkt angerufen. Sie meinte, dass du dich wahrscheinlich freust mich zu sehen.“

„Da hat sie Recht.“ Ich erwidere das freundliche Lächeln.

„Essen ist fertig“; ruft Clarke vom Esszimmer aus und ich drehe mich um. Sie strahlt mich an und kommt dann zu mir. Sie legt ihre Hände auf meinen Bauch und küsst mich.

„Hätte ich dir sagen sollen, dass die Familie Zuwachs bekommen hat?“, fragt sie an meinen Lippen.

„Die Familie?“, lache ich. Sie nickt.

„Bellamy war immer wie ein Bruder für mich und als Verlobter von Roan, gehören halt beide dazu. Außerdem meintest du selbst, dass du quasi mit Roan verwandt bist.“

„Verlobter?“, frage ich überrascht und schüttele meinen Kopf. „Da ist man einmal ohnmächtig“, grinse ich und bin erleichtert, dass ich darüber einen Scherz machen kann. Sie streichelt sanft meinen Bauch und ich muss breiter grinsen. Es rührt mich, wie sehr sich Clarke offensichtlich darüber freut, dass ich schwanger bin.  

„Komm jetzt etwas essen. Du und der Krümel da drin braucht dringend etwas Energie.“ Sie streichelt wieder meinen Bauch und zieht mich dann zu den anderen.
Die nächsten Wochen sind nicht leicht für mich. Ich brauch noch eine ganze Weile, um zu regenerieren. Clarke lässt nicht zu, dass ich direkt voll in die Koalitionsgeschäfte einsteige und ich bin froh darum. Sie und Roan kümmern sich gut um die Zirkel und ich werde wieder Stück für Stück selbstbewusster und traue meinen Kräften und meinem Verstand. Ich muss einige Diskussionen mit Gesandte führen, was in den paar Wochen mit mir passiert ist, aber dabei unterstützt mich Clarke immer wieder aufs Neue. Viele Nächte muss sie mich beruhigen, weil ich schweißgebadet und panisch aufwache. Ich habe viele Albträume von meinen Taten und Alexa. Es wird nur langsam besser, aber ganz verschwinden die Träume nie.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast