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Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
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31.12.2020 3.923
 
Clarkes Perspektive:

„Ich habs!“ Ich reiße das Buch aus der hintersten Ecke in der verbotenen Abteilung und muss husten. Eine große Staubwolke wirbelt auf. Ich laufe zum nächsten Tisch und knalle das Buch darauf. Ich öffne es und wirke einen Zauber um die richtige Seite zu finden. Ich bin noch während Lexa das Urteil vollstreckte abgehauen. Nachdem ich mir ansehen musste, wie meine Freundin mit befriedigendem Gesichtsausdruck zwei Männern die Kehle aufgeschnitten hatte, reichte es mir. Titus konnte mir nicht wirklich weiterhelfen und ich habe die Hoffnung irgendeinen Hinweis zu finden, wieso Lexa sich plötzlich so verhält und, warum Alexa mich so angesehen und Haiplana genannt hat. Ich habe gemerkt, dass ich eine Wirkung auf Lexa habe und den Teil von ihr immer noch erreichen kann, der noch rational und menschlich ist. Dort im Flur habe ich kurz gesehen, dass sie es nicht will. Im Flur stand für wenige Minuten die echte Lexa vor mir. Ich würde alles tun, damit  ich sie wieder bekomme.

Irgendetwas muss es bedeuten, dass Lexa mich auch Haiplana genannt hat und jedes Mal wütend geworden ist, wenn ich alleine mit ihr reden wollte…Was auch immer das bedeutet, werde ich hoffentlich jetzt heraus finden…Das war nicht Lexa…Das kann sie nicht gewesen sein…Alexas Einfluss muss immer stärker werden…

„Steht da was?“ Raven schaut mir über die Schulter. Nachdem ich Raven nach der Hinrichtung abgefangen habe und ihr von meinem Plan erzählte, beschloss sie augenblicklich mich zu unterstützen. Sie hat entschieden, dass sie mir eine große Hilfe wäre und so sind wir gemeinsam zurück zur Schule gereist, um hier das eine Buch zu finden von dem Titus wusste, dass sich eventuell etwas Nützliches darin befinden würde. Sie hat auf dem Weg alle Datenbanken der Welt nach Informationen zu Haiplana durchsucht, aber nichts gefunden. Sie will genauso wenig, wie wir alle, dass Lexa zu dem grausamen Monster wird gegen das sie immer angekämpft hat. Sie ist zwar immer noch wütend auf Lexa, würde aber niemals einfach nur danebenstehen, während ihre beste Freundin immer mehr der Dunkelheit verfällt. Sie ist selbst der festen Überzeugung, dass die Frau, die sie da bedroht hat, nicht Lexa gewesen sein kann.

„Ja. Da.“ Ich zeige auf einen Absatz. Die Schrift ist in alter Sprache verfasst. Es sind so alte Vokabeln darin, dass ich Schwierigkeiten habe es zu übersetzten. „Hier wird von einem Tempel geredet.“ Ich überfliege den Absatz. „Dort wurde eine Haiplana ausgebildet. Ich kann das nicht genau lesen, die Schrift ist fast verblasst.“

Raven schiebt mich schnaufend aus dem Weg. Sie scannt die Seite mit ihrem Tablet, tippt ein paar Mal darauf herum und drückt es mir dann in die Hand. Die Schrift wurde durch mehrere Effekte wieder sichtbar gemacht. Ich lese weiter.

„Okay. Hier steht auch nicht, was Haiplana zu sein genau bedeutet, aber es gibt wohl eine Art Organisation oder Sekte, die sie angebetet haben und…“ Ich stocke und schüttele meinen Kopf. „Nein nicht angebetet. Sie ausgebildet haben.“ Ich murmele vor mich hin, während ich weiter lesen. „Haiplana ist wohl eine mächtige Hexe, die unter Heda steht, aber dennoch ihre Macht anzweifeln könnte. Es gibt wohl nur alle paar hundert oder tausend Jahre eine Haiplana. Hier.“ Ich deute auf einen Abschnitt. „Hier wird von einem Kampf zwischen Heda und Haiplana geschrieben. Sie soll so etwas wie eine Erzfeindin der Heda sein.“ Ich schüttele meinen Kopf. „Das ist so kryptisch geschrieben. Das klärt weniger Fragen, als es aufwirft.“

Ich lege das Tablet frustriert auf den Tisch. Raven schnappt es sich und tippt wieder darauf herum. Ich gehe zum Fenster und schaue hinaus. Ich atme tief durch und versuche die Unruhe in mir zu kontrollieren. Ich habe wieder Lexas schwarze Augen im Kopf. Diesen Hass, als sie Pike die Klinge über den Hals zieht und dieses leichte Lächeln auf ihren Lippen. Ich schließe meine Augen und atme tief ein.

Sie hat so befriedigt ausgesehen…Nein. Das war nicht Lexa. Das war die Dunkelheit. Lexa würde das nicht tun. Sie ist nicht so! Alexa muss irgendetwas…Nein… Da fällt es mir wieder ein und ich öffne meine Augen. Nias Tod hat das ausgelöst. An dem Abend kam sie zu mir und hat mir von der Dunkelheit erzählt…Ich muss diese Dunkelheit mit der Beschwörung Alexas noch verschlimmert haben…

„Clarke!“ Ich schaue zu Raven. „Hast du deinen Reisepass dabei?“

„Was?“

„Ich weiß, wo dieser Tempel ist.“ Sie dreht das Tablett in meine Richtung. „Wir müssen dafür zwar auf einen anderen Kontinent, aber militärische Satelliten haben mir verraten, dass es diese Tempelanlage noch gibt. Sie sieht intakt aus und es gibt eine Straße die dort hinführt.“

„Woher…“

„Hier.“ Sie zeigt mir das Buch. „Hinter der Schrift ist als Wasserzeichen der Tempel. Das sieht man hier zwar nicht, aber mit etwa Know-How konnte ich das auf der Seite sichtbar machen. Dieser Tempel wurde von einigen Touristen fotografiert und so konnte ich herausfinden, wo der ist.“

„Meinst du wir sollten da wirklich hinfahren?“

„Hast du eine bessere Idee? Weil ich nicht mehr weiter weiß und hier nicht noch mehr alte, staubige Bücher durchgehen werde, wenn wir die Möglichkeit haben mit einem atmenden Wesen zu reden.“

„Woher…“

„Wärmebild-Kamera. Frag nicht. Das willst du besser nicht wissen. In diesem Tempel ist auf jeden Fall etwas Lebendiges, was uns vielleicht helfen kann. Wenn wir wissen, wie mächtig du bist oder sein kannst, dann können wir vielleicht Lexa davon abhalten einen Krieg anzuzetteln oder was weiß ich.“ Ich sehe kurz Verzweiflung in Ravens sonst funkelnden Augen. „Haiplana zu sein ist offensichtlich etwas Besonderes. Hast du vielleicht schon einmal darüber nachgedacht, dass es einen Grund gibt, warum Titus darüber nichts weiß und es keine richtigen Aufzeichnungen gibt? Die Hedas waren doch immer die obersten Hexen und Hexer. Was ist, wenn Haiplana eine Gefahr für diesen Machtanspruch darstellt? Das würde doch total in die Schiene der Erzfeinde reinfallen, falls du das richtig übersetzt hast.“ Ich schlucke. „Die Hedas in Lexas Kopf scheinen ihr noch nicht so viel verraten zu haben. Wer weiß, was passiert, wenn ihr Einfluss noch größer wird. Sie hat dir jetzt schon gedroht und dir fast einen Schock-Zauber an den Kopf geworfen.“

„Raven, Lexa würde nicht…“ Ich muss selber stocken, weil sich Zweifel ausbreiten.

„Was? Jemanden verletzten?“ Sie schnaubt. „Ja. Die Ante-Mortem-Lexa hätte das wohl nicht getan, aber die Post-Mortem-Lexa hat drei Menschen umgebracht und die Vierte nur nicht, weil es eine verstaubte Tradition gibt, die dir die Rechte für die Verurteilung zusichern. Was glaubst du, wäre mit Ontari passiert, wenn Lexa nicht der Meinung gewesen wäre dich zu verletzten und dich in eine beschissene Situation zu bringen? Sie wäre jetzt Wurmfutter und würde nicht für 15 Jahre im Gefängnis sitzen. Lexa dreht gerade durch und ich weiß nicht, wie lange es noch dauert, bis ihre Sicherungen komplett raus fliegen und sie einen Sturm auf die Menschheit loslässt.“ Sie tippt wieder auf dem Tablet rum. „Ich werde alles dafür tun, dass wir einen Weg finden, wie wir Ante-Mortem-Lexa wieder bekommen. Und wenn ich dafür in eine Wüste fahren muss.“    



Raven bucht uns direkt einen Flug, sagt Anya Bescheid und dann sitzen wir schneller als ich es erwarte in einem Jeap und fahren mit – für mich – viel zu hoher Geschwindigkeit eine viel zu löchrige Straße entlang.

Raven weiß hoffentlich, was sie tut…

Wir fahren einige Stunden durch einen dichten Urwald und müssen häufig langsam durch etwas tiefere Abgründe oder um einen gefallenen Baum fahren. Die Straße wird offensichtlich nicht allzu oft benutzt. Ich werde unruhig. Wir kommen irgendwann an dem Tempel an. Er steht genau da, wo Raven ihn entdeckt hat. Es ist ein mittelgroßes Sandsteingebäude. Die Wände sind von außen mit skurrilen Skulpturen und Symbolen verziert. Über dem Eingang ist ein Unendlichkeitszeichen eingeritzt. Raven und ich tauschen kurz entschlossene Blicke, dann schiebe ich die schwere Holztüre auseinander. Uns kommt ein warmer und würziger Geruch entgegen, der von der hohen Luftfeuchtigkeit noch drückender gemacht wird. Überall wabern Nebelschwaden herum, die wohl von Räucherstäbchen stammen. Es ist ein großer Raum, der mit Säulen unterteilt ist. Es gibt viele dunkle und uneinsichtige Ecken, die bei mir ein beklemmendes Gefühl auslösen. Ich baue einen Schutzzauber um uns beide auf, weil ich dem Ganzen nicht traue. Raven sieht sich mit einer hochgezogenen Augenbraue um.

„Was ein Drogen-Palast.“

„Halte dich zurück. Das ist ein heiliger Ort und wir wissen nicht, was uns erwartet.“ Ich kann die uralte Macht an diesem Ort spüren und sie lässt meine Glyphe leicht kribbeln. Eine leichte Gänsehaut breitet sich auf meinem Rücken aus und es prickelt in meinem Nacken.

Wir sind auf jeden Fall richtig, so eine Macht habe ich noch nie an einem Ort gespürt. Hier müssen uralte mächtige Zauber wirken…

„Antworten erwarten uns. Ansonsten sind wir hier umsonst hingewandert.“ Sie dreht sich einmal im Kreis. „Hallo?“, ruft sie laut. „Jemand zu Hause?“

„Raven!“, fahre ich sie an und laufe ihr schnell hinterher. „Hier können sonst was für Schutzzauber sein.“

Wir laufen tiefer in den Tempel und sehen uns um. Überall stehen alte Skulpturen und das Symbol der Unendlichkeit ist an mehreren Stellen in den Sandstein eingeritzt. Wir kommen schnell am Ende des großen Tempelraumes an. Wir stehen vor einer alten, leicht modrig aussehenden Tür.  Raven umfasst ohne zu zögern die Türklinke, fährt aber mit einem Schmerzlaut zurück und schaut auf ihre Hand herunter. Sie ist verbrannt.

„Scheiße.“ Sie hüpft kurz auf der Stelle, dann schüttelt sie ihre Hand aus. „Clarke?“

„Ja.“ Ich gehe zu ihr und lege meine Hand auf ihre. Ich heile die Verbrennung mit einem Kopfschütteln. „Du solltest eine Hexe vorgehen lassen in einem Tempel, der von und für Hexen gebaut wurde. Normale Menschen sind häufig nicht wirklich geduldet.“

„Damit kommst du jetzt?“

Ich zucke mit den Schultern und lege meine Hand vorsichtig auf die Klinke. Ich kann sie ohne Probleme öffnen. Mitten im Raum steht eine Frau mit einer Kapuze über dem Gesicht. Ich bleibe irritiert stehen.

Hat sie auf uns gewartet? Sie muss uns gehört haben…

„Hallo“, sagt Raven und tritt schnell neben mich. „Bist du hier die Tempel-Führerin? Priesterin oder Ober-Hexe? Irgendeine wichtige Person, die uns vielleicht bei einem kleinen Problem helfen kann?“

„Raven“, fahre ich sie wieder an. „Etwas mehr Respekt.“ Ich gehe auf die Person zu. „Entschuldige unser Eindringen. Wir haben in einer alten Überlieferung von diesem Ort gelesen und brauchen…“

„Haiplana“, sagt die Person und wirft die Kapuze von ihrem Gesicht. Darunter kommt eine wunderschöne schwarze Frau mit kurzen blonden Haaren zum Vorschein. Sie senkt den Kopf. „Ich habe dich bereits erwartet, Clarke.“

Ravens Augen weiten sich und sie starrt erst mich und dann die Frau an. „Ooookay.“

„Raven“, zische ich. „Noch ein Wort und ich schmeiße dich raus.“

„Ist ja gut.“ Sie hebt die Hände und macht einen Schritt zurück.

„Ich bin Gaia. Nachfahrin der ersten Ouspika und Lehrerin, Beschützerin und Vertraute der Haiplana.“ Meine Augen werden riesig. „Endlich hast du deinen Weg zu mir gefunden.“

„Endlich?“; kommt es von Raven neben mir. „Du wusstest von ihrer Existenz und bist einfach hier im Nirgendwo in deinem Tempel geblieben? Meinst du nicht es wäre eine gute Idee gewesen zu Clarke zu kommen, sie aufzuklären und nicht so lange zu warten, bis…“

„Wer bist du?“, fragt Gaia und kommt uns näher. Sie wirkt immer noch ruhig.

„Raven Reyes. Ingenieurin und Genie“, antwortet Raven selbstbewusst und streckt die Hand aus. Ich verdrehe die Augen.

„Können wir bitte wieder zurück kommen zu Ouspika, Haiplana und der Tatsache, dass ich keine Ahnung habe, was das bedeutet?“, unterbreche ich die beiden. „Wir haben von diesem Ort in einer alten Überlieferung gelesen. Die einzige Überlieferung in der Haiplana überhaupt erwähnt wurde.“ Ich hole tief Luft. „Titus Flamekeeper wusste nichts weiter über Haiplana, außer dass sie oder ich, wie auch immer, mächtig ist und der Macht der Heda untersteht.“

Gaia schüttelt den Kopf. „Das stimmt nicht.“

Sie schweigt. Ich hebe auffordernd meine Augenbrauen. Ich fühle mich gestresst. Zu wissen, dass Lexa vielleicht gerade Menschen umbringt, um ihren neu aufkommenden Rachedurst zu stillen, lässt nicht zu, dass ich hier ein ruhiges Gespräch führen kann. „Bitte, wir haben es etwas eilig.“

„Heda ist der Dunkelheit verfallen.“ Gaia sieht mich durchdringend an. „Und du willst wissen, ob du ihre Macht anzweifeln kannst.“ Ich schlucke.

„Nicht ganz“, sage ich langsam. „Wir wollen wissen, ob es einen Weg gibt Heda zu… besiegen oder aufzuhalten ohne, dass…“ Ich schlucke und hole kurz tief Luft. „Ohne, dass sie sterben muss und weitere Hexen und Hexer mit sich zieht. Titus Flamekeeper hatte keine weiteren Informationen dazu, was es für mich heißt Haiplana zu sein. Wir wollen einfach nur wissen, ob es eine Möglichkeit gibt Lexa wieder aus der Dunkelheit herauszuholen.“

„Wie hast du es erfahren?“ Ich erzähle ihr von der Beschwörung Alexas. Sie nickt ruhig und sieht überlegend aus. „Du hast den Zugang nicht durch Heda Lexa gehabt, sondern durch dich selbst. Haiplana zu sein bedeutet über eine ebenso große Macht zu verfügen, wie Heda. Du bist ihr nicht unterstellt, sondern gleichgestellt.“

„Das ändert ungefähr alles“; sagt Raven langsam und sieht wieder viel ernster aus. „Wir können sie aufhalten. Du kannst sie aufhalten.“ Sie kommt zu mir und hält mich an den Schultern fest. Ich bin etwas schockiert. „Du kannst den Rat auf deine Seite zwingen und Lexa…“

„Was?“ Ich sehe sie verzweifelt an. „Besiegen? Du weißt, was in der aktuellen Situation der einzige Weg ist, um sie aufzuhalten.“

„Ihr beide liegt falsch“, sagt Gaia und sieht uns aufmerksam an. „Haiplana zu sein bedeutet viel mehr als nur über eine ebenso große Macht zu verfügen wie Heda.“

„Okay, Yoda.“ Ich funkele Raven leicht wütend an. „Wir sind wirklich sehr weit gereist, um hier zu sein. Es war nicht leicht und wir brauchen wirklich schnell Antworten. Wir haben keine Ahnung davon, was Haiplana bedeutet und deine kryptischen Antworten bringen uns nicht weiter. Wir brauchen die volle, lange und idealerweise komprimierte Wahrheit. Wir haben eine Heda im Nacken, die nicht mehr wirklich sie selbst ist und wissen nicht mehr weiter.“

„Die Geschichte zu Haiplana wurde von Alexa und ihren Nachkommen ausgelöscht. Ich bin die Einzige, die noch über das Wissen verfügt. Es wurde…“

„Über Generationen durch das Blut weitergegeben. Ja. Wohl wie beim Flammenwahrer. Können wir bitte zu dem Teil springen, der uns etwas bringt?“

„Raven“, fahre ich herum. „Das ist immer noch ein heiliger Ort, kannst du dich bitte für eine Minute zusammen reißen. Ich weiß auch, dass wir unter Zeitdruck stehen, aber kannst du dir überhaupt vorstellen, wie es mir gerade geht?“ Ich zeige zu Gaia. „Sie ist offensichtlich mein sympathischerer Titus und ich bin mächtiger, als ich denke. Das überfordert mich und, dass Lexa irgendwo gerade vielleicht durchdreht und ein Blutbad veranstaltet macht die Situation definitiv nicht leichter.“

„Heda Lexa kom Trikru veranstaltet gerade kein Blutbad“, kommt es von Gaia und Raven und ich starren sie verdattert an. „Ich bin ein Medium. Ich kann Teile der Zukunft sehen, insbesondere wenn die das Schicksal von Haiplana betreffen.“

„Und da hättest du uns nicht entgegen fahren können?“, fragt Raven und das lässt ein leichtes Lächeln auf Gaias Gesicht entstehen.

„Sie musste hier hin kommen.“

Ich gehe zu Gaia und bleibe kurz vor ihr stehen. „Ich würde jetzt auch viel lieber alles darüber erfahren, was es für mich bedeutet Haiplana zu sein, am liebsten die ganze Geschichte, aber ich kann das gerade nicht. Bitte. Ich brauche Antworten, damit ich meiner…“ Ich schlucke wieder Tränen herunter. „Damit ich Lexa vielleicht helfen kann.“ Ich spüre, wie ich ungeduldig werde. Wir sind nicht umsonst soweit gereist. Ich sehe sie auffordernd an.  

Sie nickt ruhig und führt uns etwas weiter in den Raum. „Kommt mit.“ Dort steht ein Tisch beladen mit Schriftrollen und Büchern. Der weitere Raum steht voll mit ordentlich sortierten Bücherregalen. Es brennt mir in den Fingerkuppen jedes einzelne Buch zu lesen, aber nicht jetzt. Jetzt hängt das Leben meiner Freundin und das von allen, die ihr missfallen von mir ab.

„Clarke ist Haiplana und somit der Gegensatz zu der dunklen Macht der Heda. Es wird gesagt, dass die Macht der Heda immer dunkel und zerstörerisch wird, weil der menschliche Geist zu schwach ist um damit umzugehen. Deswegen wurden viele Heda verrückt oder blutrünstig. Sie verfielen der dunklen Macht und dem Drang nach Blutvergießen und Rache. Je stärker Alexas Macht in einer Hexe oder einem Hexer zu Tage tritt, desto dunkler und verführerischer wird das Bedürfnis diese Macht zu nutzen. Lexas Gene sind fast perfekt und somit ist ihre Macht fast so groß, wie Alexas. Dass sie dem nicht schon viel eher nachgegeben hat, ist verwunderlich. Ich habe ihre Entwicklung beobachtet. Die Haiplana dagegen stammt von einer anderen mächtigen Hexe der Anfänge ab. Diese Hexe war die Schwester Alexas. Ihnen beiden wurde die Macht für Leben und Tod verliehen. Die erste Haiplana war Becca. Sie war gütig und hat keinen Wert darauf gelegt ihr Erbe weiter zu geben. Sie wollte ein friedliches Leben. Seit Jahrhunderten kam deswegen ihre Macht nicht mehr zum Vorschein, doch nun hat sich ihre Macht wieder in einer Hexe manifestiert. Deswegen konntest du Alexa beschwören und deswegen wird Lexa in deiner Gegenwart wieder ruhiger. Heiplana ist die Einzige, die an Heda ran kommt und die Dunkelheit ausgleichen kann. Sobald Haiplana auftaucht, entsteht häufig eine Konkurrenz zwischen ihr und Heda. Die meisten Heda, die auf eine Haiplana getroffen sind – es waren nicht sehr viele – haben sie vernichtet, bevor eine Verbindung entstehen konnte. Sobald eine Heda der Dunkelheit verfallen ist, wird Haiplana zu einer Bedrohung, weil sie die Macht der Heda einschränkt, aber nur die dunkle Macht. Soweit es aus den Überlieferungen hervor geht, werden die Heda von Alexas Angst vor der Macht ihrer Schwester beeinflusst. Es ist schon seit Anbeginn die Aufgabe meiner Familie Haiplana zu dienen, sie zu beschützen und aufzuklären.“

Ich muss mich setzten. Raven lehnt mit verschränkten Armen an einem Bücherregal und sieht grimmig aus. Mir ist schlecht. „Meine Macht ist also auch keine Anomalie?“

„Nein“; sagt Gaia ruhig.

„Das heißt…“ Mir schießen Tränen in die Augen. Ich weiß nicht ob aus Erleichterung, Trauer oder Freude. „Ich bin die Einzige, die Lexa aus ihrem Blutdurst rausholen kann, weil wir eine magische Verbindung haben?“

„Wenn es noch möglich sein sollte, ja. Du hast einen Zugang zu ihr, den keine Logik erklären kann. Es ist eine uralte Magie, die euch miteinander verbindet. Es ist aber ebenso eine gefährliche Verbindung für dich.“ Gaia kommt zu mir und kniet sich vor mir auf den Boden. „Wenn du dein Erbe als Haiplana antrittst, werden die Erinnerungen der vergangenen Haiplana, so wie bei Heda Lexa eröffnet, und du hast einen Zugriff auf ihre Erfahrungen.“ Sie legt ihre Hände auf meine Knie. „Du wirst, so wie Lexa, eine stärkere Macht spüren, nur wird sie dich nicht in den Wahnsinn treiben.“

Ich lege mein Gesicht kurz in meine Hände. „Wieso ist es gefährlich für mich?“, frage ich langsam. Ich versuche das alles zu begreifen.

„Ich kann nicht sehen, wie stark eure Verbindung ist. Es ist möglich, dass sich ein Gefühl ähnlich von Eifersucht und Angst in Heda Lexa manifestiert und sie deine Macht für sich gewinnen will. Es ist wahrscheinlich, dass Alexa sie manipuliert. Ich weiß, dass es Alexa möglich ist so stark in den Kopf der Heda zu gelangen, dass sie mit ihr redet. Der Wahnsinn wurde in der Vergangenheit häufig dadurch ausgelöst, dass Alexa den Hedas Rachegelüste einredete. Wenn Lexa ihr zuhört, weiß ich nicht, ob sie dich nicht vernichten wird.“

Ich schlucke. Das würde sie mir niemals antun… „Das würde sie nicht tun“; sage ich laut und sehe Gaia an.

„Warum bist du dir sicher?“, fragt sie und beobachtet mich wieder aufmerksam.

Ich spüre das Gefühl der Bestätigung in mir und nicke langsam. „Ich fühle es.“ Der Anflug eines Lächelns umspielt Gaias Lippen.

„Dann – so scheint es – habt ihr bereits eine starke Verbindung. Wir müssen dennoch hoffen, dass Alexa diese Verbindung nicht für sich nutzt. Sie ist manipulativ und rachsüchtig. Nur, weil du ihr noch dahingehend vertraust, heißt das nicht, dass dieses Vertrauen angebracht ist. Je mächtiger Alexas Einfluss wird, desto gefährlicher wird es für dich.“

Ich nicke und atme tief durch. „Was hat das Zeichen der Unendlichkeit hier überall zu bedeuten? Ist das ein Symbol der Haiplana?“

Sie schüttelt den Kopf. „Es ist das Zeichen von Heda und Haiplana. Es zeigt ihre andauernde, nie endende Verbindung. Alexas Nachfahren haben dieses Zeichen aus den Schriften verband und nur meine Familie ist mit dem Wissen darüber zurück geblieben.“

„Wenn diese Verbindung so stark ist, wieso ist sie so oft gefährlich?“

„Es gibt immer zwei Möglichkeiten. Liebe oder Tod. Ein gemeinsames Leben oder die gegenseitige Vernichtung. Das ist meist davon abhängig wie sehr die Gedanken und Gefühle der Heda durch Alexas Macht beeinflusst werden.“

„Da hoffen wir doch alle auf ersteres“, höre ich Raven und funkele sie an. „Was? Für mich würde Variante eins auch mehr Sinn ergeben. Du hast selbst gesagt, dass sie nach Nias Tod zu dir gekommen ist, weil sie die Gedanken bekämpfen wollte. Ein Teil von ihr will diese Dunkelheit nicht und scheint zu spüren, dass du der Ausweg bist. Du hast selbst auf der Fahrt gesagt, dass sie im Moment vor deiner Nähe förmlich flieht. Was ist wenn Alexa sie dazu bringt und ihr einredet, dass deine Nähe schlecht für sie ist?!“

„Der Tod Nias?“, fragt Gaia und erhebt sich.

„Lexa hat in einem Gonplei eine Hexe getötet, um die Koalition zu stärken und Frieden zu bringen.“

„Die Dunkelheit wird durch Blutvergießen verstärkt. War das die erste Person, die sie getötet hat?“

Raven zuckt mit den Schultern. „Ich denke schon, aber nicht die Letzte.“

Gaia nickt und sieht mich durchdringend an. „Dann hat Raven Recht. Heda Lexa scheint lange gegen die Dunkelheit und den Drang Blut zu vergießen angekämpft zu haben. Es besteht die Hoffnung, dass du die dunkle Macht in ihr bändigen kannst. Wenn sie wirklich vor dir flieht, kann es sein, dass Alexa sie dazu zwingt, weil deine Nähe sie sonst wieder aus der Dunkelheit ziehen könnte.“

„Und wie?“, frage ich verzweifelt. „Ich habe mit ihr geredet, sie angeschrien, sie geküsst und… Ich weiß nicht weiter, deswegen sind wir hier. Es wirkt, als sei die alte Lexa gänzlich verschwunden. Ich sehe da keinen Funken mehr in ihren Augen, keine Empathie. Sie ist eine eiskalte Maschine und ich komme nicht mehr an sie heran.“
Gaia überlegt und geht dann zu einem Bücherregal. Sie holt ein altes Buch hervor und ließt etwas nach. Raven beobachtet sie dabei interessiert. Es vergehen einige Minuten, die wir schweigen und ich immer unruhiger werde. Gaia seufzt.

„Bist du bereit ein Opfer zu bringen?“, fragt sie ruhig.

„Was für ein Opfer?“

Gaia sieht von Raven zu mir. „Ich werde dich offiziell vor allen vergangenen Haiplana ernennen. Du musst einen Tag hier bleiben, damit ich die Erinnerungen in deinem Kopf verbinden kann. Dann hast du die Macht zurück zu kehren und dich der Dunkelheit zu stellen.“ Wir sehen uns wieder durchdringend an. „Ich werde dich auf deinem Weg ab diesem Tag begleiten, um dich zu beschützen und zu lehren.“ Sie tippt auf das Buch. „Es gibt einen Zauber, der dabei helfen könnte die Dunkelheit aus ihr zu vertreiben. Das sollte jedoch deine letzte Möglichkeit sein. Du solltest versuchen sie zu aller Erst mit Vernunft wieder aus der Dunkelheit und weg von Alexas Einfluss zu führen.“

Ich nicke langsam. „Und von was für einem Opfer hast du gesprochen?“

Sie schließt kurz ihre Augen. „Vielleicht eure Leben.“


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Heute gibt es drei Kapitel für all diejenigen, die vielleicht alleine gerade zu Hause sitzen und etwas Ablenkung brauchen.
Euch allen einen guten Rutsch und Frohes Neues :)

Ps: Morgen kommt natürlich trotzdem noch was (letzten 3 finalen Kapitel) ;)
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