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Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
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Dieses Kapitel
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21.12.2020 3.907
 
Clarke und ich bleiben noch eine Nacht in Roans Anwesen und ich nutze das zweite Abendessen wieder, um mich mit Roan auszutauschen. Ich stelle fest, dass ich ihn mag und froh um den neuen friedlichen Verbündeten bin. Ich fahre in einem Leihwagen mit Clarke an meiner Seite entspannt zurück. Ich habe mich gegen einen Flug und für das Elektroauto entschieden. Es dauert zwar viel länger, aber so zögere ich den Moment aus an dem ich mich von Clarke trennen muss. Ich schaue leicht grimmig aus dem Fenster, während ich darüber nachdenke.

„Lex?“, fragt sie leise und krault meinen Oberschenkel. „Worüber denkst du nach?“

Ich muss mich verlegen räuspern. „Wo ich dich gleich absetzten muss.“ Ich schaue kurz zu ihr rüber.

„Ich wohne in einem Hotel in der Nähe von Trikru Enterprise. Ich kann meine Sachen aber auch einfach da raus holen und zu dir bringen, wenn dir das lieber ist.“ Sie muss leise lachen, als sich ein breites Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitet. „Dachte ich es mir doch.“ Sie beugt sich rüber und gibt mir einen Kuss auf die Wange.

„Ich schätze aber, dass ich heute Abend etwas arbeiten muss. Morgen reisen die ersten Gesandten an und ich sollte mich mit ihren Biographien auseinandersetzten.“ Ich tippe leicht auf dem Lenkrad herum. „Ich bin gespannt, wer wieder in den Rat geschickt wird. Ich weiß, dass Prudence vom Salem-Zirkel auf jeden Fall kommt und wahrscheinlich auch Mikka vom Drein-Zirkel.“

„Du änderst also wirklich die Anrede?“

Ich nicke. „Älteste ergibt in unserem Zeitalter überhaupt gar keinen Sinn. Viele sind so alt wie ich oder nur etwas älter und ich will dich auch nicht als Älteste ansprechen“, grinse ich zu ihr herüber. „Ich werde versuchen ein Wort der alten Sprache auszuwählen, damit es noch offizieller klingt.“

„Ich bin aber älter als du“, lacht sie und lehnt sich entspannt zurück. „Gefällt mir aber.“ Die Wärme, die von ihrer Hand ausgeht pulsiert angenehm durch meinen Körper. „Was hast du eigentlich vorhin noch mit Roan besprochen?“

Meine Miene verdunkelt sich etwas. „Ich habe ihm die Verantwortung für das Verfahren gegen die Mörder von Costia übereignet. Weil sie keine Hexe war, ist es keine Sache der Koalition und müsste an das normale Justizsystem übergeben werden. Ich habe aber überhaupt keine Lust da drauf mich mit der Polizei auseinander zu setzten. Da die Mörder aus seinem Zirkel stammen, soll er sich darum kümmern.“ Ich hole einmal tief Luft. „Ich möchte damit ein Zeichen setzten. Den anderen soll klar sein, dass der Az-Zirkel – trotz der Verbrechen – aufgrund von Roans Abstammung und ihrer Größe eine besondere Stellung in der Koalition inne hat. Ich werde versuchen die Rechnungen alle auf null zu setzten, mir einen Überblick über alle Blutsfehden verschaffen und irgendwie zu lösen ohne, dass sich alle abschlachten.“ Ich fahre mir angesträngt durchs Gesicht. „Drein und Az unter einen Hut zu bringen wird noch interessant.“

Sie nimmt meine Hand und drückt ihren Mund auf meine Haut. „Du bekommst das hin. Wir bekommen das hin.“ Ich muss sie anlächeln. „Ich schätze ich werde dann wohl meine Stelle als Vize-Rektorin aufgeben müssen.“

Ich zucke leicht mit den Schultern. „Wenn du das willst. Die Arbeit als Gesandte erfordert nur zu bestimmten Zeitpunkten Arbeitsaufwand.“
Als ich zu ihr rüber schaue, sehe ich, dass sie leicht grinsend eine Augenbrauen anhebt. „Was?“, lache ich und schaue wieder auf die Straße.

„Ich lebe sonst in der Schule, die hunderte Kilometer weiter weg ist. Willst du eine Fernbeziehung?“

„Mh.“ Ich beiße mir auf die Unterlippe. Die Vorstellung, dass Clarke so weit weg ist, bereitet mir Bauchschmerzen. Stell dich doch nicht so an… „Ich will aber nicht, dass du dein Leben für mich aufgibst und die Arbeit, die du liebst. Ich kann doch als Heda nicht verantworten, dass der Schule meines Zirkels eine begabte Kunstlehrerin abhanden kommt.“ Sie muss lachen. „Ich meine es aber ernst, Clarke.“ Ich sehe sie an. „In den nächsten Tagen fände ich es schön, wenn du bei mir bleibst, aber danach gucken wir, was wir machen.“ Ich verschränke meine Finger mit ihren und bette meine Hand auf ihrem Oberschenkel. Ich atme tief durch. „Schon verrückt“, murmele ich mehr zu mir selbst, als ich daran denke, wie abhängig ich von Clarkes Nähe bin und wie stark mein Körper und insbesondere mein Geist auf sie reagiert.

„Mh?“

Ich sehe kurz zu Clarke. „Ach nichts.“ Ich schäme mich etwas für diese Gedanken. Ich bin schließlich eine erwachsene Frau, da sollte ich mich doch nicht so an einen Menschen klammern.

„Lüge“, grinst sie.

Ich schüttele schmunzelnd meinen Kopf. „Ich habe darüber nachgedacht, wie verrückt das ist, dass ich den Gedanken kaum ertrage von dir getrennt zu sein.“ Die Röte schießt mir augenblicklich ins Gesicht und ich räuspere mich verlegen. Ich höre Clarkes rundes Lachen.

„Du bist süß, wenn du verlegen wirst.“ Sie küsst meine Hand. „Es geht mir aber genauso. Keine Ahnung, was das ist, aber ich will mehr als alles andere bei dir sein.“ Mein Blick fliegt überrascht zu ihr und ein Strahlen breitet sich auf meinem Gesicht aus. Wir sehen uns einen Moment intensiv an. „Lexa?“

„Mh?“

„Die Straße.“

„Oh.“ Ich konzentriere mich wieder darauf uns heile nach Polis zu bringen. Wir unterhalten uns angenehm auf dem Rest der Fahrt, halten hier und da für kurze Pausen an und kommen schließlich spät in Polis an. Ich fahre einen kleinen Schlenker bei Clarkes Hotel, stelle fest, dass mir dieses Hotel theoretisch gehört und zahle direkt Clarkes Rechnung. Ich stehe unten in der Empfangshalle und warte, als ich meinen Namen höre.

„Prudence“, sage ich überrascht und wir umfassen unsere Unterarme. „Gut, dass du für die Sitzung gekommen bist.“

„Danke, Heda.“ Sie neigt ihren Kopf leicht und lässt meine Hand dann los. Sie steht wieder in meinem persönlichen Bereich, aber an dieses Spiel habe ich mich bereits gewöhnt. „Ist morgen schon die Sitzung?“ Sie verzieht fragend ihr Gesicht.

„Übermorgen. Morgen müssen noch die letzten Gesandten ankommen, Vorbereitungen getroffen werden und dann treten wir in die Verhandlungen ein. Wer ist noch aus dem Salem-Zirkel geschickt worden?“

„Sabrina Spellman.“ Prudence Augenbraue hebt sich süffisant. „Eine talentierte und sehr junge Hexe. Dem Ruf nach frischem Wind sind wir gerne gefolgt.“

„Sehr gut.“ Ich merke, dass ich nicht so distanziert wie üblich vor ihr stehe. Wie auch, wenn meine Gedanken die ganze Zeit mit Clarke beschäftigt sind.

„Gibt es schon etwas, dass wir wissen müssen?“ Prudence legt ihren Kopf schief und schenkt mir wieder ein einladendes Lächeln. Ich reagiere wie immer nicht darauf.

„Die Friedens- und Handelsabkommen werden neu ausgehandelt. Ihr solltet euch eine Position überlegen und eventuell ob ihr nicht doch bei Trikru Enterprise einsteigen wollt. Az Industry wird nämlich in einen Energie-Kern investieren.“ Ich versuche seit Jahren den Salem-Zirkel davon zu überzeugen in meine Geschäfte einzusteigen.

Prudence schüttelt leicht grinsend den Kopf und fährt dann mit einem Finger an meinem Oberarm entlang. Ich funkele sie an und sehe sie kalt an. „Nur, weil jetzt alle Zirkel in die Koalition treten, müssen wir nicht alle dir das Geld vor die Füße werfen“, haucht sie mit einem verführerischen Unterton. Sie flirtet jedes Mal heftig mit mir, wenn wir alleine reden. Ich weiß nicht, ob sie auf die Abfuhr steht oder was sie damit bezwecken will, aber es amüsiert mich. Sie sieht mir selbstbewusst in die Augen. „Noch einmal Glückwünsche im Namen des gesamten Zirkels. Wir freuen uns sehr, dass weiterhin eine Frau die mächtigste Position innehat.“ Sie lässt ihren Blick an meinem Gesicht runter zu meinem Ausschnitt gleiten.

Ich mache einen Schritt zurück, weil mir das zu weit geht. „Roan hatte keine Chance. Du hast ja selbst schon meine Macht gespürt.“

„Lexa“, höre ich neben mir und wende meinen Blick von Prudence ab. „Ich habe alles.“ Clarke sieht von Prudence zu mir und ich meine einen harten Ausdruck zu erkennen.

„Gut.“ Ich widerstehe dem Drang Clarkes Hand zu nehmen. „Prudence Night, das ist…“

„Clarke Griffin.“ Prudence nimmt Clarkes Hand und schenkt auch ihr ein verführerisches Lächeln. „Wir haben uns bei der letzten Sitzung schon getroffen.“

„Sie wird Gesandte des Trikru-Zirkels sein.“ Meine Stimme klingt autoritär und stark. Prudence checkt Clarke einmal von oben bis unten ab, was ich mit einem innerlichen amüsierten Schmunzeln zur Kenntnis nehme. Mir ist durchaus bewusst, dass Clarke überaus attraktiv ist und eine umwerfende Ausstrahlung hat. Ich reiße meinen Blick los.

„Dann sehen wir uns wohl jetzt öfters.“ Prudence sieht plötzlich irritiert zu mir und dann wieder zu Clarke. „Ich dachte die Sitzung ist erst übermorgen?“ Ihr Blick dringt fast penetrant in meine Augen. Ich halte dem Blick hart und kühl stand.  

„Ist sie auch.“ Ich fixiere Prudence. „Die genaue Uhrzeit wird noch rumgeschickt.“ Ich kommentiere Prudence neugierigen Blick nicht weiter. „Clarke, wir sollten jetzt los.“ Ich wende mich zu meiner Freundin und beuge mich etwas runter, um eine von Clarkes Taschen anzuheben. Prudence starrt etwas verwirrt uns beide an. „Wir sehen uns in der Sitzung.“

„Auf Wiedersehen, Prudence“, verabschiedet sich Clarke mit einem kühlen Unterton, der mir direkt auffällt. Ich lasse Clarke vorgehen und mir wird sofort klar, dass das mehr als auffällig ist, weil ich sonst niemanden vorlasse. Ich spanne kurz meinen Kiefer an, entspanne mich aber schnell, als Clarke mich kurz ansieht. Wir laufen schweigend in die Tiefgarage und ich öffne mit der Fernbedienung den Kofferraum. Ich lege die Tasche hinein und halte Clarke dann sanft am Handgelenk fest, als sich der Kofferraum wieder schließt.

„Alles okay?“, frage ich sanft und ziehe sie zu mir.

Clarke spannt kurz ihren Kiefer an. „Ja, lass uns fahren.“ Ich halte sie liebevoll am Arm fest und ziehe sie noch näher an mich. Ich drücke meine Lippen auf ihre Stirn und spüre, dass sie sich an mich lehnt.

„Was ist los?“

Sie lässt mich los und sieht mich dann an. „Dir ist schon aufgefallen, dass Prudence mit dir flirtet?“ Sie klingt bissig.

„Bist du etwa eifersüchtig?“, grinse ich und lege meine Arme auf ihre Hüften.

„Ja. Und es stört mich.“

„So ist Prudence immer. Sie flirtet mit allen. Aber wie dir sicher aufgefallen ist, gehe ich nicht darauf ein und es ist mir egal.“

„Ja ich weiß“, brummt sie. Sie lehnt ihren Kopf an meine Schulter. „Ich weiß, dass das zwischen uns für dich etwas Besonderes ist.“

„Gut.“ Ich lege meine Hände um ihre Wangen. „Viele Menschen versuchen meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Viele flirten auch mit mir in der Hoffnung, dass sie diejenigen sind, die durch meine Mauer kommen. Ich bin zu allen distanziert und kalt, was offensichtlich viele anspornt. Du glaubst nicht wie viele Einladungen zum Essen und sonst etwas ich in den letzten Jahren bekommen habe.“ Ich streichele sanft ihr Gesicht und lächele sie an. „Ich bin mit dir zusammen. Auch wenn wir das im Moment nicht öffentlich machen, gehöre ich dir.“

Ihre Augen strahlen mich an. „Lex…“, haucht sie und lehnt sich enger an mich. „Ich weiß das ja. Nach den letzten Tagen zweifele ich auch überhaupt nicht an deinen Gefühlen für mich oder an deiner Treue. Ich weiß auch nicht, was das gerade war.“ Sie schüttelt leicht ihren Kopf. „Vielleicht muss ich mich daran gewöhnen, dass du doch nicht nur mir gehörst und mit unfassbar vielen Menschen zu tun hast. Du bist immer noch Heda. Du bist vor allem Heda, wenn wir in Polis sind und in den nächsten Tagen die größte Ratssitzung der Geschichte stattfinden wird. Es tut mir leid.“

„Entschuldige dich bitte nicht. Es ist alles in Ordnung.“ Ich kann dem Drang nicht mehr widerstehen und ziehe sie in einen Kuss. Als ich meine Lippen auf ihre lege, atmen wir beide kurz tief ein. Ich lege meine Stirn an ihre und halte meine Augen noch einen Moment geschlossen. „Irgendwann werden alle erfahren, dass du zu mir gehörst.“ Ich öffne meine Augen und flammendes Blau trifft auf Grün.  

„Lass uns fahren. Ich will zu mindestens noch für ein paar Stunde meine Freundin nur für mich haben“, flüstert Clarke gegen meinen Mund und küsst mich dann heiß. Ich taumele etwas überrascht zurück, erwidere aber sofort ihre Bewegungen. Ich lasse mich von ihr gegen das Auto drücken und stöhne leise auf. Sie leckt mir mit der Zunge einmal über die Unterlippe, löst sich aber, als ich die Berührung erwidern will, mit einem leicht herausfordernden Blick. Ich schiebe sie mit einem Grinsen etwas weg und wir steigen schnell ein.

Ich wollte mich eigentlich am Abend noch einlesen, aber nachdem wir in meiner Wohnung angekommen sind, steht mir der Sinn absolut nicht nach Arbeit und Verantwortung. Wir gehen zusammen sehr lange sehr heiß duschen bevor ich mich am Ende doch dafür entscheide ein Bad einzulassen. Wir verbringen einen ruhigen und intimen Abend zusammen. Es ist wundervoll Clarke schweigend in meinen Armen zu halten und sie sanft zu berühren. Ich höre irgendwann auf zu zählen, wie oft wir Sex haben, weil es eigentlich nicht möglich ist das quantitativ zu belegen, da wir nie aufhören uns zu berühren. Ich ignoriere Anrufe und das Klingeln an meiner Tür. Clarke hat Recht. Wir haben – wer weiß wie lange – nur noch ein paar Stunden Zweisamkeit, die ich auch dringend brauche, um den Stress und die Anforderungen in den nächsten Tagen auszuhalten.

Clarke schläft wieder vor mir ein und kuschelt sich brummend an mich. Ich beobachte sie im Licht der einen Kerze eine Weile und versuche mir jedes Detail ihres Gesichts zu merken. Wie in Trance fahre ich sanft die Konturen nach, was sie schnurren lässt. Ich atme ihren Geruch ein und schließe dann meine Augen. Ich lösche das Licht mit einer leichten Handbewegung und falle wieder in einen traumlosen Schlaf.



Am nächsten Morgen wache ich vor Clarke auf und schleiche mich aus dem Schlafzimmer. Ich laufe runter in die Küche und fange an Frühstück zu machen, als Raven aus ihrem Schlafzimmer kommt und wie angewurzelt stehen bleibt. Die Küche ist offen und grenzt sowohl an das Ess- als auch das Wohnzimmer an. Ich kann von hier sowohl die Treppe nach oben sehen, als auch Anyas und Ravens Schlafzimmertüre. Wir sehen uns einen Moment an und sie schüttelt leicht den Kopf. Ich hebe abwartend meine Augenbraue. Ich rechne mit allem.

„Wer bist du und, was hast du mit Lexa gemacht?“, fragt sie langsam und kommt in die Küche.

„Hey Raven.“ Ich lege den Schneebesen in die Schüssel und gehe zu ihr. Ich nehme sie in den Arm und merke, dass sie zusammen zuckt. Mit ruhiger Stimme fange ich an: „Costias Tod tut mir unfassbar leid. Die Verantwortlichen werden von Roan verfolgt und bestraft. Ich habe ihren Tod nicht vergessen und werde das auch nie. Es wird aber Gerechtigkeit geben.“ Ich lasse sie los. Sie starrt mich mit offenem Mund an.

„Was ist mit dir passiert?“, fragt sie sichtlich verwirrt.

„Hast du mit Anya gesprochen?“, frage ich sie langsam zurück.

„Ja, aber…“ Sie deutet mit dem Daumen hinter sich. „Sie hat nur erzählt, dass du den Kampf gewonnen hast, die Koalition jetzt verhandelt wird und du später zurück kommst, weil du noch etwas erledigen musst.“

„Ach okay.“ Ich muss kurz grinsen.

„Wow. Lexa. Du grinst. Was ist passiert? Hat dir Roan eine Gehirnwäsche verpasst? So habe ich dich seit Jahren nicht gesehen. Ich habe dich seit Jahren auch nicht so kochen sehen.“ Sie nimmt sich eine Weintraube und setzt sich auf einen Stuhl. Wie aufs Stichwort kommt Clarke die Treppe herunter und mein Blick gleitet leicht an ihr herunter. Sie trägt eines meiner schwarzen T-Shirts mit V-Ausschnitt und darunter offensichtlich nur einen Slip. Mir wird bei ihrem Anblick ganz warm.

„Oh hey“, sagt sie überrascht. Ich habe vergessen ihr zu sagen, dass wohl noch jemand hier sein wird. „Guten Morgen, Raven.“

Ravens Augen kleben auf Clarke. „Jaaa…“ Sie kann ihren Blick nicht abwenden. Kann ich nachvollziehen… „Clarke Griffin.“ Ihre Augen wandern wieder zu mir und dann zurück. „Ist es das, was ich glaube, das es ist?“

„Kommt darauf an, was du glaubst.“ Ich lehne mich an die Arbeitsplatte.

„Klär mich bitte auf. Ich bin maßlos verwirrt.“ Sie nimmt sich noch eine Weintraube. „Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, warst du ein komplettes gefühlloses Arsch.“

„Ich weiß.“ Ich hole tief Luft. „Es tut mir leid, dass ich dich nach Costias Tod so behandelt habe.“ Ihre Augen weiten sich.  

„Wow. Jetzt…“ Sie schüttelt ihren Kopf und steht wieder auf. „Was ist hier los? Ich meine es ernst. Was ist mit dir passiert?“
Ich schaue Clarke kurz an. „Kurzfassung oder Langfassung?“, frage ich Raven ruhig.

„Komprimierte Langfassung.“

Ich hole einmal tief Luft. „Erinnerst du dich an das Mädel aus der Schulzeit von der ich dir erzählt habe?“ Ich sehe es in Ravens Kopf rattern.  

„Die ruhige lesende Künstlerin?“

Ich zeige mit meiner Hand auf Clarke. „Das ist sie.“

Ravens Mund klappt auf. „Nein!“ Sie zeigt auf Clarke, dann auf mich. „Du meinst… Nein… Warte.“ Sie fährt sich durch die Haare. „Du willst mir erzählen, dass du seit fast zehn Jahren in diese Frau verliebt bist?“

„Ja.“ Ich bemerke Clarkes Seitenblick. „Sie ist die Tochter von Jake Griffin. Sie ist die Vize-Rektorin. Sie ist jetzt Gesandte des Trikru-Zirkels. Aber was über allem steht ist, dass sie meine Freundin ist. Wir sind zusammen.“

Raven starrt mich entgeistert an und holt dann Luft, als wollte sie explodieren. Sie presst ihre Lippen zusammen und geht auf und ab. „Okay“, sagt sie dann gefasst. „Costia ist also komplett umsonst gestorben?“ Ihre Stimme schneidet sich durch die Luft. „Sie war dein Fick-Toy und du hattest nicht mal Gefühle für sie.“ Sie schüttelt wütend ihren Kopf. Wieso denken alle, dass ich in Costia verliebt war! Ich hatte das mit ihr geklärt und das war für uns beide in Ordnung… „Okay. Ja. Ich sehe es schon in deinem Blick. Du hattest keine Gefühle für sie.“ Sie beißt sich auf die Unterlippe. „Scheiße. Fuck!“ Sie dreht sich einmal. „Okay. Gut. Karten auf den Tisch. Costia war in dich verliebt und hatte die ganze Zeit die Hoffnung, dass du ihre Gefühle erwidern würdest. Alles, was du getan hast, hat auch irgendwie dafür gesprochen, dass das für dich mehr sein könnte.“

„Wie das denn?“, frage ich schockiert und spüre, wie ich nervös werde. Costia hatte Gefühle für mich…

„Keine Ahnung. Costia hat das nur erzählt.“ Sie sieht mich traurig an. „Sie ist jetzt tot, also ist es ja auch egal. Was ist das jetzt mit dir und Clarke?“ Sie schaut zu Clarke. „Wieso geht eine Beziehung auf einmal? Und viel interessanter, wieso bist du so absolut nicht distanziert?“

Ich beiße mir auf die Unterlippe und schlucke. Das wird so lächerlich klingen… Clarke kommt zu mir und lehnt sich so neben mich an die Arbeitsplatte, dass wir uns berühren. Sofort wird mein Innerstes wieder ruhiger. Ich habe die Unruhe und leicht aufkommende Wut gar nicht bemerkt. „Weil ich nicht anders kann“, sage ich ganz langsam und hole tief Luft. „Clarke…“ Ich sehe sie an und mein Blick wird automatisch weicher. „Ich kann nichts dagegen machen und habe auch nicht die Kraft dagegen anzukämpfen.“

Raven schüttelt leicht ihren Kopf. „Pass auf, dass dir nicht die Augen aus dem Kopf schießen.“ Sie ist immer noch sauer auf mich… Sie fährt sich durchs Gesicht. „Sorry, Lexa, aber ich brauche etwas Abstand. Das ist für mich alles etwas viel. Du bist eine komplett andere Person! Du…“ Sie seufzt resigniert. „Ich muss mit Costias Tod irgendwie umgehen und ich weiß nicht, wie ohne dir die Schuld dafür zu geben.“ Ihre Worte treffen hart den Teil in mir, der das auch glaubt. „Wenn die Ratssitzungen durch sind und deine Koalition steht, brauche ich etwas Abstand von dem Ganzen hier.“

„Von mir“, sage ich und stelle fest, dass meine Stimme leicht zittert.

„Ja.“ Sie holt tief Luft. „Deine Entschuldigung bedeutet mir etwas, Lexa, aber sie macht es auch nicht besser. Ich brauche etwas weniger Magie und Blutfehden in meinem Leben.“

„Okay.“ Ich nicke langsam. „Wen hast du eingearbeitet?“, frage ich langsam, weil ich weiß, dass Raven immer gut vorbereitet ist. Ich sehe das leichte Schmunzeln in ihrem Blick.

„Du kennst mich wohl immer noch.“ Sie schnalzt mit der Zunge. „Luna.“

„Ist sie so gut eingearbeitet, dass sie dich schon in der Sitzung vertreten kann?“

„Niemand ist so gut eingearbeitet, dass ich vertreten werden kann.“ Ich muss erleichtert einatmen. Wenn sie so mit mir redet, besteht noch Hoffnung… „Ich lass dich nicht im Stich, Lexa. Ich brauche nur mal Urlaub.“

„Das ist natürlich in Ordnung.“

Sie zeigt zwischen Clarke und mir hin und her. „Ich hoffe, dass das besser endet.“

„Ich auch“, entgegne ich. Ich sehe, dass Raven über irgendetwas intensiv nachdenkt und dann kurz die Augen verdreht.

„Wenn du mir Frühstück machst, könnte ich vielleicht schneller damit umgehen“, sagt sie und ich muss leicht lächeln.

„Ist eh für uns alle gedacht“, entgegne ich.

„Gut, dann gehe ich zu Anya. Hol uns, wenn das Essen fertig ist.“ Wir sehen uns einen Moment an. „Wehe es schmeckt nicht unglaublich gut, Commander.“ Ich muss leise auflachen.

„Danke, Raven.“

„Reden wir einfach nicht mehr drüber.“

Sie geht zurück in ihr Schlafzimmer und sofort liegen Clarkes Hände um meinen Hals und ich werde umarmt. Ich schließe meine Augen und hole tief Luft. Meine Hände rutschen unbeabsichtigt von ihrer Taille tiefer und da fällt mir wieder ein, dass sie keine Hose trägt. Ich muss scharf einatmen, was für die Situation absolut unangemessen ist.

„Danke“; murmele ich in ihren Hals.

„Wofür?“

„Ohne dich hätte ich mich wahrscheinlich nie bei Raven entschuldigt. In deiner Nähe kann ich weniger rational sein ohne, dass ich mich schwach fühle.“ Sie krault meinen Nacken sanft.

„Gut.“ Sie lässt mich leicht los, aber nur, um mich zu küssen. Ich lehne mich stärker in den Kuss.

Wir machen zusammen Frühstück und ich hole Raven und Anya dazu. Ich verbeuge mich leicht, als ich verkünde, dass das Frühstück fertig ist. Raven schenkt mir ein schiefes Grinsen und ich weiß, dass sie mir irgendwann verzeihen wird. Wir frühstücken alle zusammen, bis ich höre, dass der Fahrstuhl in unserem Appartement angekommen ist.

„Bitte nicht“, murmele ich, aber da wird schon die Türe geöffnet und Titus tritt ein. Clarkes Hand landet augenblicklich auf meinem Oberschenkel.

„Heda.“ Er beugt leicht seinen Kopf. „Es gibt wichtige Dinge zu besprechen und zu planen.“

Ich nicke. „Wir kommen gleich ins Büro. Gib uns 15 Minuten.“ Drei irritierte Augenpaare schießen zu mir. Ich trinke meinen Kaffee aus, ignoriere die Blicke und stehe auf. „Clarke, kommst du?“ Ich reiche ihr meine Hand. „15 Minuten Titus. Du kannst in meinem Büro warten.“
Wir gehen gemeinsam in mein Schlafzimmer und ziehen uns an. Ich entscheide mich heute für eine Bluejeans und ein einfaches schwarzes Top. Clarke schlüpft in eine schwarze Hose und ein langärmliges Shirt von mir mit Knöpfen im Ausschnitt. Ich muss leicht grinsen, als ich sehe, dass ihr mein Shirt etwas zu eng ist und die Knöpfe etwas leiden.

„Willst du mich wirklich dabei habe, wenn…“, fängt sie an, als wir fast fertig sind.

„Ja“, unterbreche ich sie und schlüpfe in meine Schuhe. „Du bist eine Gesandte und meine persönliche Beraterin – inoffiziell. Wenn du heute nichts Besseres zu hast, hätte ich dich gerne an meiner Seite.“

Sie kommt zu mir und küsst mich kurz. „Ich habe die nächsten Tage nichts Besseres zu tun.“

„Perfekt.“ Ich lasse meinen Blick über ihr Gesicht gleiten, dann gehen wir gemeinsam runter in mein Büro.



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Die beiden letzten Kapitel waren jetzt eher ruhig und "kuschelig" (vielleicht im Moment etwas passender)... Ich verspreche nach den Feiertagen geht es wieder etwas aufregender und aktiver zu, aber ich wollte euch einfach nicht auf dem Trockenen sitzen lassen. Euch allen schöne Weihnachten und danke fürs Lesen :)
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