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Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
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Dieses Kapitel
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14.12.2020 6.614
 
Ich stehe nach dem Kampf langer unter der Dusche und wasche Schweiß, Dreck und Blut ab. Die Wunde an meinem Arm und die an meiner Hand brennen stark und bluten immer noch leicht. Ich schließe mit einem zittrigen Atemzug meine Augen und lasse meinen Kopf gegen die kalten Fließen fallen. Es ist vorbei…Der Krieg…Alles Blutvergießen… Ich schließe meine Augen. Die Erleichterung lebend hier zu stehen und alle Zirkel vereint zu haben lässt mich erzittern. Ich habe alles erreicht, was bis jetzt noch keine Heda vor mir erreichen konnte… Ich atme zitternd ein. Wenn die Verträge geschlossen sind, gibt es nur noch eine Gemeinschaft von Hexen und Hexern… Ich öffne meine Augen. Durch die Erleichterung schleicht sich ein dunkles rachsüchtiges Gefühl. Meine Eltern… Ich lege den Kopf in den Nacken und lasse das heiße Wasser über mein Gesicht laufen. Die Verhandlungen… Ich muss mir etwas überlegen, wie ich mit der Situation umgehe. Nia ist tot. Das Pulsieren in mir wird wieder stärker. Als Nias Leiche auf den Stuhl gesackt ist, durchströmte mich ein heftiges Euphorie Gefühl. Sie ist für den Tod meiner Mutter verantwortlich gewesen und hat jetzt bekommen, was sie verdient… Ich atme tief ein und genieße die Macht in mir. Ich lasse mich davon durchströmen.

Du weißt, was du tun sollst, hallt plötzlich durch meinen Kopf. Jus drein jus daun. Ich sehe Alexa vor mir. Russel und Pike haben dir deine Mutter genommen. Ohne dieses Recht werden sie damit einfach davon kommen… Ein Gefühl der Bestätigung durchflutet mich. Pike kannst du vielleicht noch wegen des Mordes an Jake Griffin heranziehen, aber den Zauber hat nicht er ausgeführt. Er würde frei kommen. Er würde weiter leben, während deine Mutter tot ist.

Ich schüttele schnell meinen Kopf, öffne meine Augen und steige aus der Dusche. Ich stehe nackt, tropfend und schwer atmend vor dem Spiegel. Meine Augen sind pechschwarz und meine Glyphen glühen in dunklen Rot- und Grüntönen.

Sie gehen mittlerweile handgroß über meine Brust und bis runter zum Handgelenk. Die Glyphen von meinem Rücken haben sich leicht um meine Hüften erweitert. Ich sehe das Grinsen in meinem Gesicht und fühle mich plötzlich ganz fremd in meinem eigenen Körper.

„Nein“, keuche ich und stütze mich auf dem Waschbecken auf. „Ich habe Nia getötet, weil im Gonplei jemand sterben muss. Ich habe Nia nicht aus eigenen Interessen getötet. Nia ist tot, weil sie eine Gefahr für die Koalition war.“

Und, weil sie deine Eltern ermordet hat. Alexas Worte bohren sich wie eine Nadel in mein Gehirn.

„Nein!“, rufe ich laut und schlage auf den Marmor unter mir. „Hör auf!“ Ich packe mir an den Kopf. Meine Augen sind verkrampft geschlossen

Ihr Blut wurde für deine Rache vergossen. Du wirst deine Rache bekommen und es wird Gerechtigkeit herrschen, wenn Pikes und Russells Blut die Erde tränken. Alexa steht umgeben von schwarzem Nebel in meiner Gedankenwelt. Ihr Blut muss als Ausgleich für das Blut deiner Eltern vergossen werden. Das willst du auch! Ich habe deine tiefsten Bedürfnisse gesehen.

„Sei still“, knurre ich. „Nowe! (niemals)“, brülle ich und verbanne Alexa damit aus meiner Gedankenwelt. Es wird wieder still. Ich stehe schwer atmend im Badezimmer.

Wie konnte sie so leicht in meine Gedanken kommen?...Das passiert doch nur wenn ich sie bewusst beschwöre und dann aus dem Raum trete…

Ich starre die fremde Person im Spiegel an. Pechschwarze Augen starren zurück und ich bin mir kurz nicht sicher, ob ich wirklich mich dort sehe oder ein Abbild Alexas. Ich wische mit einer Hand über den Spiegel und drehe mich um. Ich laufe aus dem Badezimmer und stehe mit schwerem Atem mitten in dem Schlafzimmer. Ich spüre immer noch die dunkle Macht förmlich durch meine Adern pulsieren. Das ist falsch…

Ich versuche mich zu konzentrieren, aber dieses Mal ist es so viel schwerer dagegen zu kämpfen, weil es sich so gut anfühlt. Ich darf nicht so werden! Da greife ich nach einem Strohhalm. Ich schließe die Augen und lasse die einfache Beschwörung wirken. Jasmin umgibt mich und ich atme tief ein. Ich konzentriere mich auf den Geruch und kämpfe Stück für Stück die Dunkelheit in mir herunter. Ich bleibe einige Minuten ruhig atmend dort stehen. Als ich meine Augen wieder öffne, kribbeln meine Glyphen nicht mehr und das Pochen in meinem Kopf hat aufgehört. Ich atme tief durch, dann ziehe ich mich langsam an, um den Festlichkeiten unten im Schluss beizuwohnen.  

Unten schüttele ich viele Hände, führe kleine Gespräch und bekomme Getränke in die Hand gedrückt, sobald meine leer sind. Ich versuche ruhig und gefasst zu wirken. Ich versuche mit den meisten Ältesten zu sprechen, da sie bereits jetzt mit ihren Bedenken und Wünschen auf mich zu kommen. Den gesamten Abend über werde ich von Roan begleitet, der mich einigen wichtigen Vertreterinnen des Az-Zirkels vorstellt. Nachdem die Fronten zwischen uns geklärt sind, ist er ein ruhiger und weniger arroganter Mann. Seine Anwesenheit ist nicht unangenehm und ich merke durch die Gespräche, dass wir ähnliche Werte teilen.

Die Gespräche werden irgendwann anstrengend, also ziehe ich mich auf den Burghof zurück und beobachte die Sterne über mir. Das Anwesen liegt in einem riesigen Wald und so können sich die Sterne in der Dunkelheit zeigen. Ich atme tief die frische Luft ein. Während der Gespräche musste ich immer wieder das Pochen in mir verdrängen. Auch jetzt fällt es mir schwer nicht an Russell und Pike zu denken. Ich schüttele meinen Kopf. Mit meinen Händen fahre ich den schwarzen seidenen Stoff auf meinen Oberschenkeln nach. Ich trage ein bodenlanges Kleid mit einem weiten Schlitz an meinem Bein, dünnen Trägern und einem freien Rücken, damit jeder meine Glyphen sehen kann. Ich habe die Blicke heute bemerkt, aber sie sind mir egal. Während ich in die Dunkelheit schaue, taucht wieder Nias toter Körper vor meinem inneren Auge auf und das befriedigte Gefühl durchflutet mich augenblicklich. Ich stehe auf und hole tief Luft. Nein!

Ich richte den Verband an meiner Hand und beschließe wieder rein zu gehen. So ganz ohne Ablenkung ist es noch schwieriger dieses neue Gefühl zu verdrängen. Als ich herein gehe, stelle ich überrascht fest, dass kaum noch Menschen hier sind. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich ein paar Stunden draußen gesessen habe. Na toll…

Ich laufe die Treppen zu meinem Zimmer hoch. Als ich schon die Klinke in der Hand habe und daran denke jetzt eine Nacht alleine in einem dunklen Zimmer mit meinen Gedanken zu verbringen, fällt mir etwas ein. Ein Hoffnungsschimmer. Ich schmeiße meine Schuhe schnell in mein Zimmer, damit ich leise durch die steinernden Flure laufen kann und mache mich auf den Weg. Ich löse noch das Haargummi, damit meine Haare in leichten Wellen über meine Schulter fallen können. Die Spannung auf meinem Kopf war zu viel.



Ich klopfe leicht an die schwere Holztüre und warte. Ich habe Licht gesehen, also hoffe ich, dass mir die Türe geöffnet wird. Ich höre leise Schritte und die Klinke. Ein sanfter Lichtstrahl kommt aus dem Raum und Clarke steht überrascht im Türrahmen.
Ich nicke einmal ganz leicht. Ich sehe, dass sie ein wunderschönes Kleid aus unterschiedlichen Stoffen und Blautönen trägt. Sie trägt ihre Haare offen. Sie lehnt sich in den Türrahmen und ein kleines Grinsen schleicht sich auf ihr Gesicht. „Kommt jetzt ein: ‚Ich habs dir ja gesagt‘`?“

Ich schüttele meinen Kopf. „Nein. Ein Dankeschön.“ Ihre Augen weiten sich etwas und das Grinsen verschwindet für einen überraschten Ausdruck, dann macht sie einen Schritt zur Seite.

„Komm rein.“ Ich lächele erleichtert und trete an ihr vorbei. Nachdem sie die Türe geschlossen hat, greift sie nach meiner verletzten Hand. Sie sieht mir erst in die Augen, dann wieder auf meine Hand. Ihre Bewegungen sind langsam und ruhig. Ihre Nähe und ihr Geruch verdrängen fast augenblicklich die düsteren Gedanken. „Setzt dich. Lass mich den Verband wechseln, der ist schon durchgeblutet.“

Ohne ein Wort der Gegenwehr setzte ich mich auf das kleine Sofa in ihrem Zimmer und beobachte sie, während sie einen Erst-Hilfe-Kasten aus ihrem Koffer holt. Warum wundert es mich nicht, dass sie einen dabei hat?

Sie setzt sich neben mich und löst sanft den Verband. Ich beobachte sie, während sie mit Jod die Wunde säubert und dann eine Flüssigkeit hineintropft. Ich atme erleichtert ein. Das Brennen wird weniger.

„Was passiert als Nächstes?“ Sie sieht mich fragend an.

„Wir fahren zurück, die gesandten Älteste aller Zirkel treffen sich und es wird ein neuer Koalitions-Vertrag aufgesetzt, der einen hoffentlich ewigen Frieden sichern wird.“

„Einfach so?“, grinst sie und ich erwidere das Lächeln.

„Einfach so.“

Sie öffnet einen frischen Verband und wickelt damit langsam meine Hand ein.

„Danke, dass du gekommen bist und mich unterstützt hast“, sage ich ruhig in die entspannte Stille.

„Es hat sich falsch angefühlt nicht zu kommen.“ Wir sehen uns einen Moment an, dann wickelt sie meine Hand weiter ein. Die Stille um uns herum ist angenehm. Ich spüre, dass ich mich entspanne. Ihre sanften Berührungen an meiner verletzten Hand lassen eine angenehme Gänsehaut auf meinem Körper entstehen. Ich beobachte ihren konzentrierten Blick mit einem sanften Lächeln. Der Raum wird nur durch ein paar Kerzen erleuchtet, die ein wunderschönes Licht auf ihr Gesicht zaubern. „Deine Ältesten haben dich verraten…“ Ich hole tief Luft. „Russell und Pike haben deine Eltern umgebracht und waren die ganze Zeit in deiner Nähe.“ Sie sieht mich mit besorgtem Blick an. „Wie gehst du damit um?“ Ich bin überrascht, dass sie genau weiß, was mich beschäftigt.

Wir sehen uns an. „Nicht gut“, entgegne ich und sie nickt ganz leicht. Ich breche den Blickkontakt. Obwohl sie das Thema angesprochen hat, ist es in mir immer noch ruhig. Clarke ist fertig mit dem Verband und lässt meine Hand langsam los. Meine Hand bleibt auf ihrem Oberschenkel liegen. Ich sehe wieder zu ihr. „Ich höre Alexas Stimme in meinem Kopf“, beginne ich langsam. Sie rutscht näher zu mir und beobachtet mich. „Ich kann mit den vergangenen Heda sprechen, wenn ich in einen Raum eintrete an dem ihre Geister gebannt sind. Doch nach Nias Tod höre ich Alexa auch so, als wäre ich da.“ Ich male leicht mit dem Kiefer. Clarke nimmt meine Hand wieder in ihre. Ich sehe sie an und mein Blick wird fast flehend. Ich kann erkennen, dass Clarke weiß, dass das nichts Gutes ist und für mich mehr als beunruhigend. „Nur jetzt nicht“, flüstere ich. Ihre Lippen öffnen sich überrascht. Mein Brustkorb hebt und senkt sich schneller. Mein Blick gleitet über ihr Gesicht. „Ich weiß nicht, ob ich ohne deine Unterstützung gewonnen hätte“, hauche ich. Es fällt mir in ihrer Nähe so leicht zu meinen Unsicherheiten und Schwächen zu stehen.  

„Hättest du“, entgegnet sie genauso ruhig und leise, aber voller Überzeugung. Sie streichelt sanft meine Finger. In mir weiß ich, dass ich ohne den Hoffnungsschimmer und ihr Vertrauen zu stark an mir gezweifelt hätte. Mein Körper fängt an zu kribbeln und ein wohlig warmes Gefühl breitet sich in mir aus. Wir sehen uns immer noch an. Blau und Grün verbinden sich in einem sanften fast liebevollen Blick. Sie lächelt weich. Mein Körper neigt sich ganz leicht in ihre Richtung, ich kann nichts dagegen machen. Da bricht sie den Blick, lässt meine Finger langsam los und räuspert sich. Sie steht langsam auf und legt ihre Hände zusammen. Ich folge ihren Bewegungen. „Gute Nacht, Heda.“ Sie sieht mich zurückhaltender an. Ich stehe langsam auf und halte den Blickkontakt.

„Gute Nacht, Älteste“, entgegne ich. Meine Augen müssen warm und liebevoll sein, denn ich lasse meine innersten Gefühle nach außen. Sie soll wissen, was sie in mir auslöst. Das, was ich empfinde ist keine Illusion oder das verzweifelte Festhalten an einer Hoffnung, nur um irgendetwas anderes in meinem Leben zu haben. Es ist auch keine fantastische Vorstellung von einer romantischen Liebesgeschichte, die entstanden ist, als wir Teenager waren. Das, was ich für sie empfinde, ist so viel mehr. Sie ist mein Ruhepunkt, mein Ausgleich und mein Zuhause.

Sie nickt leicht und lächelt kurz. Ich atme kurz ein, dann laufe ich an ihr vorbei zur Tür. Es widerstrebt mir ihre Nähe zu verlassen, aber ihre Zeichen sind eindeutig. Sie will diese Nähe nicht. Ich laufe zur Tür und öffne sie. Bevor ich gehe, sehe ich mich noch einmal um und unsere Blicke treffen sich. Ich konnte gerade noch Wehmut in ihren Augen erkennen. Ich nicke ihr ernst zu und mache einen Schritt aus der Tür. Aber bevor ich sie hinter mir schließen kann, verharre ich.

Es ist Frieden zwischen den Zirkeln…Ich habe diesen Frieden geschaffen und ich werde ihn halten. Es gibt keinen Grund zu gehen, aber mehr als hundert zu bleiben...Sie verhindert die Dunkelheit in meinen Gedanken…

In Sekunden überlege ich und wäge ab, aber ich habe mich schon längst entschieden. Ich mache einen Schritt zurück, schließe die Türe wieder und hebe meinen Blick. Aber Clarke steht nicht mehr neben dem Sofa, sondern direkt vor mir.

„Clarke“, fange ich an, um ihr von meinen Gefühlen zu erzählen und sie endlich an meinen Gedanken teilhaben zu lassen, doch sie legt ihre Hände um mein Gesicht und zieht mich zu sich. Ich presse meinen Mund mit einem rauen erleichterten Stöhnen auf ihren und meine Augen fallen zu. Ich lasse meine Finger von ihrer Taille auf ihren Rücken wandern und ziehe ihren Körper eng an meinen. Ich keuche wieder erleichtert auf. Euphorie, Erleichterung und Vertrautheit überschwemmen mich und nehmen jeden Zentimeter meiner Gedanken ein. Es ist ein sanfter liebevoller Kuss, der mich erzittern lässt. Ich lege meinen Mund wieder auf ihren und presse mich enger an sie. Sie streichelt so fürsorglich mein Gesicht, dass sich ein Lächeln auf meine Lippen schleicht. Unsere Lippen bewegen sich weich aneinander. Ich atme wieder erleichtert ein. Das Gewicht der Koalition und die Sorgen fallen von mir ab. Ich genieße ihren Geruch und ihre Berührungen, wie ich noch nie etwas genossen habe. Mit einem kleinen leichten Kuss unterbreche ich das, um Luft zu holen. Grün trifft auf flammendes Blau. Sie strahlt mich an.

„Keine Übersprunghandlung, keine Vorstellung“, flüstert sie und ich schüttele meinen Kopf. Wir sehen uns an und streicheln uns gegenseitig ganz vorsichtig, als ob die Person gegenüber jeden Moment verschwinden wird.

„Ich brauche dich, Clarke“, hauche ich. Ihr Mund öffnet sich überrascht. „Ich kann die nächsten Schritte nicht ohne dich angehen.“ Mein Blick gleitet liebevoll über ihr Gesicht. Sie ist so schön…

Ich beuge mich wieder vorsichtig zu ihr und küsse sie. Sie atmet aus und presst ihren Mund gegen meinen. Sie lässt ihre Hände von meinem Gesicht gleiten und umfasst meinen Nacken. Ihr Griff wird fester, als ich sanft mit meiner Zunge über ihre Unterlippe gleite. Ihr Brustkorb hebt und senkt sich schneller gegen meinen. Ich intensivere den Kuss, drehe meinen Kopf leicht und unsere Zungen berühren sich. Wir küssen uns immer leidenschaftlicher und Hände erkunden den Körper der anderen begierig.

Meine Hände umfassen ihre Taille und schieben sie leicht nach hinten. Sie unterbricht den Kuss und nimmt meine heile Hand. Sie zieht mich sanft hinter sich zum Bett. Sie bleibt davor stehen und sieht mich aus verlangenden und liebevollen Augen an. Ich lasse meinen Blick an ihr herab gleiten und mache einen Schritt nach vorne. Wie in Trance ziehe ich ihr das Kleid aus und küsse sie zwischenzeitig immer wieder. Das Kleid besteht aus mehreren Stofflagen, weshalb sich meine Anspannung und Vorfreude noch weiter steigert. Ich muss mehr von ihr und ihrem Körper spüren. Ich merke, wie sehr ich ihre Nähe brauche und das so nah wie es möglich ist.

Als das letzte Stück Stoff zu Boden fällt, sie ihren BH hinterher wirft und nur noch in Unterwäsche vor mir steht, fehlen mir sämtliche Worte, um die Schönheit zu beschreiben. Ich streife mir erst einen Träger des Kleides von der Schulter und dann den nächsten. Ihr Blick folgt dem herabfallenden Stoff und ich sehe, dass sie ihre Unterlippe mit der Zunge befeuchten muss. Meine Augen fallen zu, als sie ihre Hände an meine Hüfte legt und meine Glyphen sanft berührt. Meine Haut vibriert förmlich. Ich höre meinen schnellen Atem und konzentriere mich auf ihre Berührungen. Ich höre, dass sie um mich herum geht und spüre dann ihre Lippen auf meiner Schulter.

„Ich habe noch nie etwas Schöneres und Beeindruckenderes gesehen“, flüstert sie so leise, dass es die Stille um uns herum nicht durchbricht. Sie berührt jede einzelne Glyphe ehrfürchtig. Ich stöhne leise, als ich ein Pulsieren der Macht spüre, aber es ist keine Dunkelheit, die mich durchflutet. Die Gefühle für Clarke und das, was sie mit ihren Berührungen auslöst, scheinen einen anderen Teil meiner Macht zu triggern. Ich halte ihre Berührungen nicht mehr aus.

Ich drehe mich um und lasse meinen Mund auf ihren krachen. Ich küsse sie leidenschaftlich und setzte mich schnell auf das Bett. Ich ziehe sie zu mir herunter und werde von ihrem Körper auf die Matratze gedrückt. Sie drängt sich fester an mich und wir krabbeln beide weiter hoch auf ihr Bett. Ich ziehe sie begierig an mich und stöhne, als Haut auf Haut trifft. Meine Hände pressen sich auf ihren Rücken. Mir wird schwindelig, während sie ihre Lippen von meinen zu meinem Hals wandern lässt. Ich spüre ihr Saugen, ihre Zähne und ihre Zunge. Mein Atem geht schneller. Ihre Hand umfasst sanft meine Brust und drückt einmal zu. Das Kribbeln in meinem Unterleib erstreckt sich bis zu meinem Zwerchfell und mein Körper verlang nach mehr. Ich stehe förmlich in Flammen. Ich will mehr von Clarke spüren. Als ich meine Hand zwischen uns gleiten lasse, stelle ich überrascht fest, dass ich ohne an Stoff vorbei zu kommen meine Hand direkt in Clarkes Schoss gleiten lassen kann.

Meine Berührungen werden bereits erwartet. Sie keucht an meinem Hals auf, presst ihre Lippen auf meine und spreizt ihre Beine über mir leicht. Ich massiere ganz vorsichtig, fast schon ehrfürchtig ihren Kitzler. Ihr Atem geht schneller und stoßweise, während wir uns immer wieder küssen. Mit meiner anderen Hand halte ich sie über mir fest, massiere und streichele ihren perfekten Körper. Ich presse mich gegen sie und drehe uns um. Ich hocke mich auf sie und schaue aus dunklen verlangenden Augen auf sie herunter. Meine Hände umschließen ihre Brüste, was ihr ein tiefes Stöhnen entlockt. Mit meiner Zunge lecke ich über ihren Nippel, sauge leicht daran und massiere ehrfürchtig ihre andere Brust. Sie windet sich unter mir und stöhnt weiter. Ihre Hände umfassen meinen Körper. Ich lege mich zwischen ihre Beine und presse mein Schambein gegen ihre Mitte. Sie keucht und küsst mich innig. Unsere Zungen berühren sich. Unsere Atem vermischen sich. Ich presse mich immer wieder rhythmisch gegen sie. Der Kontakt mit ihrer Haut lässt heiße Schauer durch meinen Körper fahren.

„Ahh Lex“; haucht sie und umarmt mich fest. „Hör nicht auf.“ Ich werde schneller und versuche etwas fester gegen sie zu drücken. „Oh ja“, stöhnt sie und krallt sich in meinen Rücken. Mein Atem geht nur noch stoßweise und das Kribbeln in meinem Schoss wird immer intensiver. Die Glyphen auf meiner Haut beginnen heftiger zu Glühen. Ich löse unseren Kuss und schaue auf sie herunter. Ihre Glyphe am Arm wirkt dunkler und scheint ebenfalls zu glühen. Ich sehe, dass die Glyphen auf meinem Arm wieder leicht grün glimmen. Clarkes Stöhnen reißt mich aus meinen Gedanken wieder in das Hier und Jetzt. Ich halte sie mit einem Arm enger an mich gedrückt. Ihr Atem geht auch nur noch stoßweise, dann spüre ich ihre Fingernägel auf meinem Rücken und ihr Zucken unter mir. Ihre Muskeln spannen sich an, während sie laut stöhnt. Sie hält sich an mir fest, während ich in meinen Bewegungen immer langsamer werde, bis ich mich schließlich an ihren Hals kuschele und sie sanft umarmte. Ich küsse liebevoll ihren Hals, ihre Wange und dann ihre Lippen. Sie nimmt mein Gesicht in ihre Hände und strahlt mich aus müden Augen an. Sie küsst mich und ich kann ihre Zuneigung förmlich schmecken. „Du kannst dir nicht vorstellen, wie glücklich ich bin, dass du gewonnen hast“, murmelt sie und zieht mich in eine enge Umarmung. „Ich hätte es nicht ertragen, dich sterben zu sehen.“ Ihre Augen schimmern leicht.

„Hoffentlich wirst du das auch nie“, flüstere ich und küsse sie liebevoll. Sie intensiviert den Kuss, während sie meinen Nacken krault. Sie drückt mich sanft hoch.

„Leg dich hin.“ Ihre Stimme ist sanft. Ich rutsche von ihr herunter und sie schiebt sich direkt auf mich. Ich fühlte mich berauscht von dem Gefühl ihrer Haut auf meiner. Ich schließe meine Augen während sie die Glyphen auf meinem Arm küsst und mit ihren Lippen und Fingern über meinen Körper geistert. Meine Hände folgen ihren Bewegungen und berühren weiterhin ihre Haut. Ich genieße die Ruhe und Sanftheit in diesem Moment. Clarke lässt sich Zeit und erkundet jeden Zentimeter. Obwohl ich spüre, wie erregt ich bin, genieße ich die Vertrautheit ihrer Berührungen. Ich bekomme kaum mit, wie sie mit ihren Küssen immer tiefer wandert. Ein lautes Stöhnen entkommt mir und ich werfe meinen Kopf zurück. Ich spüre ihre Zunge erst leicht, dann intensiver auf mir. Ich bäume mich leicht auf. Meine Hand sanft in ihren Haaren spreize ich meine Beine, um ihr mehr Zugang zu gewähren. Es geht mir nicht um Kontrolle, eher im Gegenteil. Ich ertrage es nicht, sie nicht weiter hin zu berühren.

Gefühlt sind ihre Hände überall. Langsam spüre ich, wie ich mich immer weiter anspanne und mein Atem schneller geht. Ich stöhne heißer und sehe an mir herunter. Clarke beobachtet mich mit strahlend blauen Augen. Sie wird langsamer und ich kann den Genuss in ihrem Blick sehen. Ich beiße mir auf die Unterlippe, um mein Stöhnen etwas zu dämpfen. Sie gleitet mit einer Hand erst über meine Brust und dann unter ihr Kinn. Sie massiert meinen Eingang und ich nicke kurz, dann dringt sie mit zwei Fingern unfassbar langsam in mich ein. Sie massiert mich beim Eindringen direkt sanft. Das gibt mir und der Anspannung den Rest, obwohl ich diesen Moment so lange wie möglich herauszögern wollte. Ich stöhne laut auf, mein Körper spannt sich an und mein Orgasmus rollt wie eine Welle der Gefühle über mich hinweg. Ich lasse mich in das Hochgefühl fallen. Clarkes Kopf wird kurz zwischen meinen Beinen eingeklemmt, da entspanne ich mich wieder und sie rutscht zu mir noch. Sie legt sich auf meinen zuckenden Körper und küsst mich. Ich umschlinge sie mit meinen Armen und kämpfe etwas mit den Tränen.

Der Orgasmus hat die Anspannungen in mir gelöst und so viele Emotionen brechen durch meine jahrelang aufgebauten Mauern, dass ich damit nicht umgehen kann. Ihre Nähe scheint jeden Druck, jede Erwartung und die Dunkelheit zu verdrängen. Der intensive Körperkontakt dringt so tief in meine Gedankenwelt, dass alles, was ich mir an Kontrolle aufgebaut habe, wie ein Kartenhaus in sich zusammen fällt.

„Ist okay, Lex“, flüstert Clarke und streichelt mein Gesicht. Ich kneife kurz meine Augen zusammen, aber da fließen schon die ersten Tränen, als hätte ich nur darauf gewartet das Okay von ihr zu bekommen. Ich muss lachend schluchzen und klammere mich fester an Clarke. Ich glaube ich habe seit Jahren nicht mehr richtig geweint. Sie wischt die Tränen liebevoll weg und küsst mich. „Es ist alles in Ordnung.“ Sie dreht sich von mir runter und zieht mich in ihre Arme. Ich drücke mich enger an sie. Ihre Nähe beruhigt mich, während ich mit tiefen Atemzügen ihren Geruch einatme. Sie streichelt meine Schulter und küsst mich immer wieder. Ich weine still, während sie mich festhält und mir das Gefühl gibt, dass es in Ordnung ist. Ich fühle mich nicht schwach oder als hätte ich die Kontrolle verloren. Ich fühle mich befreit und angekommen.

Wir schlafen in dieser Nacht noch öfter miteinander, doch nicht nur aus Lust, sondern aus dem Bedürfnis heraus die andere so nah wie möglich zu spüren. Clarkes Nähe ist wie eine Droge für mich. Sie lässt die Dunkelheit in mir verblassen und ersetzt sie mit einem Gefühl von Vertrautheit und Wärme. Irgendwann liege ich wieder in Clarkes Armen und lausche ihrem Herzschlag. Ich atme ihren Geruch ein und schließe meine Augen. Mein Körper fühlt sich ruhig und entspannt an. Es ist ganz still in meinem Kopf und das erste Mal seit Jahren kann ich tiefe freie Atemzüge nehmen. Ich umarme Clarke etwas fester und ernte dafür ein gemütliches Brummen. Sie deckt uns etwas fester zu und schlingt dann ihre Arme um mich.

„Schlaf gut, Lex“, flüstert sie in die Dunkelheit. Sie küsst mich sanft auf die Stirn und ich kuschele mich enger an sie. Ich kämpfe etwas gegen die Müdigkeit, um diesen Moment so lange festzuhalten und zu genießen, wie ich kann. Doch ihre Nähe, ihr Geruch und die ruhige Dunkelheit umhüllen mich und so schlafe ich tief ein.



Das Erste, was ich wieder mitbekomme, ist warme weiche Haut an meinem Gesicht und ein angenehmer Geruch. Ich bemerke, dass ich von hinten gegen Clarke gekuschelt unter der Decke liege und sie in meinen Armen halte. Ein intensives Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus und ich drücke meine Lippen gegen ihr Schulterblatt. Sie seufzt und dreht sich langsam in meinem Arm um. Wir sehen uns noch leicht verschlafen an.

„Guten Morgen.“ Ich lege meine Lippen sanft auf ihre und sie erwidert meinen Kuss ebenso zart.

„Ich habe so gut geschlafen“, murmelt sie und kuschelt sich in meine Halsbeuge.

„Ich auch.“ Ich streiche sanft ihre Schulter. „Ich habe seit Jahren das erste Mal nichts geträumt.“ Sie sieht mich aus noch müden Augen fragend an. „Seit Titus mich zur Heda gemacht hat und ich den Zugang zu den Erinnerungen der vergangenen Heda geöffnet habe, hatte ich jede Nacht Träume von ihren Erlebnissen. Und wenn ich an dem Tag noch in den Raum der Heda gegangen bin, war die Verbindung noch so stark, dass sie zu mir sprechen.“ Ich schnaube kurz. „Meistens kritisieren sie mich und sind wütend.“

„Du hast heute Nacht gar nichts falsch gemacht.“ Sie küsst mich und ich muss grinsen. „Du hast so viele richtige Entscheidungen in den letzten Jahren getroffen, die für Frieden sorgen werden.“ Sie kuschelt sich an mich. „Die sollen mal schön die Klappe halten.“ Ich muss leise lachen. Ich schließe wieder meine Augen und atme entspannt ein. Es ist immer noch ruhig in meinem Kopf. Ich bin mir zwar meiner Pflichten bewusst und weiß, dass jetzt viel für die Koalition ansteht, aber das kann auch noch etwas warten. Wir stehen nicht mehr kurz vor Beginn eines Krieges, wo jede Sekunde zählt und Menschenleben kostet. Wir stehen vor einem alles umfassenden Frieden. Und vielleicht ist sogar etwas Frieden für mich möglich… Ich streichele sanft Clarkes Rücken und sie seufzt wohlig. Ihre Finger berühren liebevoll meine Seite und sie beginnt meinen Hals zu küssen.

„Mhh“, mache ich und öffne meine Augen. Ich sehe mit einem verträumten Lächeln auf Clarke herunter, die irgendwann auch den Blick hebt und mich breit anlächelt. Ihr Gesicht strahlt vor Freude. Mit einer Hand berühre ich zart ihr Gesicht und ziehe sie dann in einen intensiven Kuss. Die Küsse werden schnell hitziger und ich drücke mich auf Clarke. Ich lasse meine Hände über ihren Körper gleiten. Sie stöhnt leise auf. Ich berühre sie ehrfürchtig, küsse sie und verwöhne sie, bis sie unter mir lauter stöhnt und ihren Orgasmus erlebt. Ich komme grinsend wieder zu ihr hoch und bewege meinen Mund gegen ihren. Sie lässt ihre Hand zwischen uns gleiten. Kurz bevor sie mir in den Schritt greifen kann, hämmert es laut und dröhnend an der Tür. Sie lässt ihre Hand mit einem genervten Seufzer neben sich fallen und sieht mich an. Ich verdrehe kurz die Augen und rutsche auf ihre Seite.

„Ich will nicht“; brumme ich in ihre Halsbeuge und schließe kurz meine Augen. Noch fünf Minuten… Ich atme tief ein, als es wieder an der Tür donnert und ich eine vertraute Stimme wütend höre.

„Clarke!“ Heftiges Klopfen an der Tür. „Ich weiß, dass du da bist.“ Ein festerer Schlag. „Mach auf! Es gibt ein Problem!“

„Titus kann echt eine Nervensäge sein“, sagt Clarke und schiebt die Decke weg.

„Du hast ja keine Ahnung.“ Ich stehe mit einem lauten Seufzen auf. Clarke geht ins Bad und wirft mir einen Bademantel zu. Sie schlüpft selbst in ihren eigenen Morgen-Kimono und setzt sich dann wieder aufs Bett. Währenddessen knallt es weiter an der Tür und Titus brüllt: „Clarke, mach die Tür auf! Ich muss mit dir reden!“ Bevor ich zur Tür gehe, beuge ich mich noch einmal zu Clarke und küsse sie. Ich lege meine Stirn an ihre, atme ihren Geruch ein und gehe dann zur Tür. Ich straffe meine Schultern und öffne sie. Clarke und ich sind uns einig, dass Titus nach mir sucht und nichts von Clarke will.

„Was Titus?“, frage ich und kann beobachten, wie ihm sämtliche Gesichtszüge entgleiten. Neben ihm stehen Roan und Anya. Sie fängt sofort an zu grinsen und unterdrückt einen Lachanfall. Roan hebt fast schon anerkennend eine Augenbraue und nickt leicht.

„Da ist sie ja“, sagt er und geht etwas auf die Zehenspitzen, um hinter mich zu gucken. Er hebt kurz grüßend eine Hand. Ich beobachte ihn mit hochgezogener Augenbraue und er stellt sich wieder hin. „Das ist eine wesentliche bessere Art einen Sieg zu feiern.“ Er hebt einen Mundwinkel. Ich kann mir ein breites Grinsen gerade eben so verkneifen. Wo er Recht hat… Es fühlt sich fast so an, als würde wir uns jeden Moment ein High-Five dafür geben.

„Heda.“ Titus funkelt mich an. „Wir müssen uns beeilen, um wieder zu Trikru Enterprise zu kommen, damit die Ältesten…“

„Das geht auch noch morgen“, sage ich ruhig und lehne mich an den Türrahmen an. Anya schüttelt ganz leicht den Kopf und beißt sich auf die Unterlippe, um nicht zu grinsen. Roan nickt wieder. „Wir erwarten keine Anschläge von Az“ Ich nicke Roan zu. „und es gibt immer noch Friedensverträge, die alles ordnen, bis ein neuer Koalitions-Vertrag aufgesetzt wurde. Pike, Russell und Ontari sind immer noch in Gefangenschaft und die Sicherheitsmaßnahmen, damit das so bleibt, wurden vor unserer Abreise erhöht.“ Ich verschränke meine Arme. „Wenn es dir so unter den Nägeln brennt, kannst du gerne schon zurück und einen neuen Vertrag aufsetzten mit allen Koalitions-Partnern. Du kannst auch gerne schon einmal mit den Zirkeln klären, wer von ihnen als Gesandte im Rat sitzen werden. Ich werde die Struktur ändern, sodass es immer zwei feste Gesandte pro Zirkel sind. Ich will nicht, dass ständig neue Leute zu uns kommen und der oder die Ältesten vertreten. Ich will zwei Personen, die sich für einige Jahre zu verpflichten ihren Zirkel zu vertreten. Der enge Rat bleibt bestehen, wo nur jeweils eine Hexe oder ein Hexer der Zirkel vertreten bleibt.“ Ich drehe mich kurz um und sehe kurz Clarke an. „Unser Zirkel wird wieder in Trikru-Zirkel umbenannt, um meine Vorfahren und Alexa zu ehren und die besondere Stellung dieses Zirkels hervorzuheben. Az-Zirkel wird sowohl durch zwei Vertreter im großen Rat als auch durch Roan als einer meiner Berater vertreten.“ Titus starrt mich fassungslos an. „Ist das so in deinem Interesse Roan?“

„Ja, Heda. Es ist mir eine Ehre an deiner Seite stehen zu dürfen.“ Er nickt mir einmal respektvoll zu.

Ich drehe mich wieder kurz zu Clarke und überlege. „Einen festem Ratsplatz für Trikru vergebe ich an Clarke.“ Ich schaue hart zu Titus. „Kläre bitte alles, damit sie direkt in den Rat aufgenommen werden kann, wenn wir zurück kommen. Ob sie in den engen Rat treten will, entscheidet sie noch. Ich werde mir noch überlegen, wer den zweiten Ratsplatz bekommt.“ Ich weiß, dass ich ihm das eigentlich schon einmal gesagt habe, aber ich bin mir sicher, dass er das verdrängt hat. Ich sage es ihm lieber noch fünf Mal bevor er auf die Idee kommt das zu „Vergessen“.

„Heda…“; fängt er an und schüttelt leicht den Kopf. „Das könnt ihr nicht machen. Sie ist viel zu jung und...“

„Apropo. Sorge bitte dafür, dass die Gesandten der anderen Zirkel nicht zu alt sind und nicht nur männlich. Ich möchte, dass der neue feste Rat aus jüngeren Hexen und Hexern bestehen, die nicht den alten Zeiten hinterher weinen, sondern sich auf eine neue gemeinsame Zukunft freuen.“ Seine Augen werden riesig.

„Als dein Berater halte ich das für eine hervorragende Idee“, grinst Roan Titus an und auch Anya sieht amüsiert aus.

„Alles Weitere klären wir, wenn ich zurück bin.“ Ich stoße mich vom Türrahmen ab. „Ich werde darüber nicht diskutieren Titus“, sage ich schnell, als er wieder Luft holt. „Du reist schon einmal zurück, bereitest alles vor und mor…“ Ich überlege. „In drei Tagen rufen wir die Gesandten zusammen, um die Verträge zu schließen und den Koalitions-Vertrag soweit es möglich ist, für alle zufriedenstellend abzuschließen.“

„Drei Tage?“, fragt Titus aufgebracht. Seine Gesichtsmuskulatur zuckt unkontrolliert.

„Die Zirkel brauchen bestimmt etwas Zeit, um sich zu sammeln und zwei Hexen und Hexer auszuwählen. Das ist viel effizienter, wenn direkt der feste Rat steht, wenn wir in die Verhandlungen eintreten.“

„Das ergibt tatsächlich Sinn“; wirft Anya ein und legt eine Hand auf Titus Schulter.

„Und wenn das geklärt ist, ich schätze wir brauchen zwei Tage für die Verhandlungen, beginnt der Prozess gegen Pike, Russell und Ontari. Bis dahin bleiben sie Gefangene der Koalition.“      

„Klingt perfekt.“ Anya schaut von mir zu Titus.

„Du kannst gerne hier bleiben“, sagt Roan und muss auch schief grinsen. „Mein Haus ist dein Haus, Heda.“

„Danke, Roan.“ Ich drehe mich zu Clarke, die mich mit einem anerkennenden und amüsierten Gesichtsausdruck mustert. „Ich glaube das werde ich sogar annehmen.“ Ich schaue wieder zu den Dreien.

„Anya, setzt doch bitte Raven ins Bild, damit sie und die Energie-Abteilung schon einmal darüber nachdenken können, wie wir mehr Kerne für die anderen Partner erschaffen und verteilen können. Sie…“ Ich stocke, als mir wieder einfällt, was vor nur wenigen Tagen noch passiert ist. „Kommst du kurz rein?“, frage ich sie und sehe Roan und Titus an. „Ich denke, wir sind hier fertig. Roan, wir können uns ja später noch einmal unterhalten.“

Er verbeugt sich leicht. „Ja gerne, Heda. Ich werde einen meiner Diener raufschicken, damit du bei ihm etwas zu Essen bestellen kannst. Ich schätze, den Rest des Tages verbringst du hier.“ Er grinst breit.

Ich kann es mir nicht verkneifen und hebe einen Mundwinkel. „Sehr wahrscheinlich, ja.“ Wo kommt das Vertrauen zwischen uns auf einmal her?! Gestern wollten wir uns noch gegenseitig umbringen…

„Dann bis später.“ Er nickt Titus noch einmal zu und geht dann den Flur runter.

„Heda, bitte“; fängt Titus an. Ich hole genervt Luft.

„Wie schaffst du es eigentlich die ganze Zeit so aufgebracht zu sein? Es ist doch jetzt alles soweit geklärt, dass wir in drei Tagen perfekt einsteigen können. Du weißt, was du zu tun hast.“ Ich lasse Anya an mir vorbei und halte die Türe dann fest. „Ich schreibe dir, wann genau ich zurück komme. Bis dahin übergebe ich dir die volle Verantwortung für die Planung.“

Er knirscht mit den Zähnen. „Ja, Heda“, knurrt er. Ich schließe die Türe und lehne mich kurz mit einem tiefen Atemzug an das Holz. Ich höre, dass Clarke aufsteht und öffne meine Augen. Als ich sie ansehe, legt sich ein sanftes Lächeln auf mein Gesicht und ich entspanne mich wieder etwas. Sie begrüßt kurz Anya und kommt dann zu mir.

„Ich werde also offiziell Ratsmitglied?“, fragt sie und grinst breit.

„Ich will dich an meiner Seite.“ Ich sehe sie ruhig an. „Ich will, dass du Entscheidungsgewalt hast. Das letztens war nur provisorisch und bei der Neugestaltung des Rates will ich, dass du einen festen Platz bekommst. Ich musste das Titus noch mal sagen, weil er sich so dagegen sträubt. Aber wenn jetzt der Rat neu gebildet wird, ist das die perfekte Gelegenheit.“ Ich sehe sie aufmerksam an.

„Okay“, lächelt sie und kommt zu mir. Wir ignorieren beide in diesem Moment Anya, die sich ans Fenster gestellt hat und demonstrativ nach draußen guckt. Ich ziehe Clarke für einen Kuss an mich heran.

„Ich habe das ernst gemeint, dass ich dich brauche“, flüstere ich gegen ihren Mund und sie lächelt noch breiter. „Ich brauche dich an meiner Seite.“ Ich spüre wie wahr und ehrlich diese Worte sind. Sie küsst mich und ich atme tief ein.

„Titus wird das nicht gefallen.“

„Titus ist immer noch mein Berater und Lehrer. Er wird sich damit abfinden müssen, dass du zu mir…“ Ich stocke. Wir haben da überhaupt noch gar nicht drüber geredet…

„Ja?“ Sie legt den Kopf leicht schief.

„Zu mir gehörst?“, frage ich sie und sehe, wie ihre Augen strahlen.

„Ja“, haucht sie und küsst mich wieder.

„Boa Leute, jetzt ist es aber mal gut“; höre ich Anya und lasse Clarke lachend los. Anya deutet auf uns. „Wann ist das passiert?“

„Gestern Abend“, grinse ich und gehe zum Sofa. Ich setzte mich zusammen mit Clarke auf die weichen Polster und Anya nimmt auf einem Sessel Platz.

„Und du bist dir damit sicher?“, fragt sie und sieht Clarke an.

„Ja.“ Anya und ich sehen uns etwas länger an, dann nickt sie.

„Gut. Was wolltest du noch?“

„Wie geht es Raven?“

Sie bricht den Blickkontakt.

„Nicht gut.“ Sie seufzt. „Sie ist stinksauer. Sie hat das Gefühl, dass der Tod von Costia einfach übergangen wird, weil sie keine Hexe war. Du hast das gar nicht vor den Rat gebracht bei der Verhandlung mit Nia und…“ Sie schüttelt den Kopf. „Sie kommt nicht damit klar, was ihr angetan wurde, nur weil sie mit dir zusammen war.“ Ich spanne kurz meinen Kiefer an und spüre Clarkes Blick. Sie wusste zwar, dass Costia eine Freundin war und getötet wurde, aber nicht, dass wir etwas mehr als nur befreundet waren.

„Anya, wir…“

„Du kannst Titus erzählen, was du willst, aber ich weiß, was – tut mir leid, dass das jetzt sein muss Clarke – Costia dir bedeutet hat! Du hast nicht einfach nur mit ihr geschlafen. Du hattest Gefühle für sie.“ Ich schlucke.

„Ich habe auch Gefühle für dich und Raven.“

„Du…“ Anya fährt sich frustriert durchs Gesicht.

„Ich habe Costia nie geliebt, Anya. Ich habe Costias Tod durchaus noch im Kopf. Die verantwortliche Person ist gestern gestorben und hat somit für ihre Verbrechen bezahlt.“ Ein plötzliches Pochen in meinem Hinterkopf lässt mich die Augen für eine Sekunde schließen. Es breitet sich schnell aus und wieder habe ich Nias toten Körper vor meinem inneren Auge. Nein! „Wenn es Raven…“ Ich muss schlucken, weil ich gleichzeitig gegen das aufkommende Euphorie-Gefühl ankämpfen muss. „Wenn Raven das möchte, werde ich das noch einmal vor den Rat bringen und alle daran beteiligten Hexen und Hexer anklagen.“ Clarke nimmt meine Hand und verschränkt ihre Finger mit meinen. Langsam verblast das Pochen in meinem Hinterkopf und die Wärme, die von ihrer Hand ausgeht, breitet sich stattdessen aus. Ich atme erleichtert. Ich weiß, dass Anya nichts von dem Gefühlsumschwung mitbekommen hat, dafür sind meine körperlichen Reaktionen auf Gefühle zu kontrolliert.

„Das solltest du tun.“ Anya verschränkt ihre Arme.

„Du kannst auch zurückfahren. Du solltest für Raven da sein.“ Wir sehen uns an. „Sie braucht dich dringender als ich.“

Sie nickt. „Offensichtlich.“ Ein kleines Lächeln taucht hinter ihrer angesäuerten Maske auf. Sie steht auf. „Dann euch noch einen schönen Urlaub hier bei Roan in seinem riesigen Anwesen!“ Sie kommt zu uns. Ich stehe auf und lasse mich in eine Umarmung ziehen. „Gut, dass du nicht gestorben bist“; flüstert sie und ich erwidere ihre Umarmung überraschend fest. „Bis dann Clarke.“ Sie umarmt auch sie und geht dann schließlich. Kaum ist Anya aus der Tür, drehe ich mich zu Clarke. Ihr Kimono fällt in dem Moment zu Boden, als sich unsere Blicke treffen. Sie weiß, dass ich jetzt nicht reden will…

„Wo waren wir?“, fragt sie und grinst mich wissend an. Ich ziehe mir den Bademantel aus und gehe zu ihr.



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Weil ich nicht weiß, ob ich Freitag dazu komme weitere Kapitel hochzuladen dachte ich mir, kriegt ihr jetzt einfach mal alles, was bis jetzt überarbeitet ist. Ich hoffe euch gefällt, was ihr gelesen habt und noch einmal vielen Dank für die ganzen Favoriten und Zugriffe! Ich wünsche euch eine frohe Vor-Weihnachtszeit und vllt bis Freitag - Kassalla :)
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