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Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
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Dieses Kapitel
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11.12.2020 3.254
 
Ich lege meine beiden Hände auf Jake Griffins Brust. Ich schließe meine Augen, versuche mit einem Zauber zu ergründen, wie schwer seine Verletzungen sind. Ich dringe in seinen Geist ein. Vor mir ist eine bedrückende Dunkelheit. Der Boden seiner Gedanken ist schlammig, die Luft brennt in meinen Lungen. Ich versuche etwas zu greifen, dass den Fluch ausgelöst hat. Versuche den Anfang zu finden, doch alles, was ich spüre, ist schwarzes Gift. Ich konzentriere mich stärker, bringe mehr Macht auf und fühle meine Zeichen brennen. Es ist unglaublich anstrengend durch Jake Griffins Körper zu fahren, um den Ort zu finden durch den der Fluch in ihn eingedrungen ist. Ich habe den Gift-Zauber damals durch Finns Mund geschickt. Bei Jake kann ich den Ort nicht finden. Ich spanne meinen Kiefer an.

„Ban au (verbannen, verlassen)“, sage ich laut und deutlich in der Hoffnung, dass ich irgendetwas zu fassen bekomme. Die Wände um mich herum fangen an zu beben und es tropft schwarzes Gift auf den Boden. Ich spüre, wie sich Jake unter meinen Händen windet und höre sein schmerzvolles Stöhnen. „Chil au (Beruhigen)!“ Er wird wieder ruhiger, ich kann ihn aber nicht vollständig beruhigen, zu groß ist die Macht des Fluches. Das müssen mehrere gewesen sein…

Ich drücke stärker gegen seine Brust. „Ban we (entfernen)!“ Meine Stimme hallt laut und kraftvoll wider. Ich kann immer noch nicht den Anfang finden und versuche deswegen alles auf einmal aus Jake zu entfernen. Sein ganzer Körper ist voll mit schwarzem Gift.

Ich muss wissen, was passiert ist, bevor er… Ich spanne meinen Kiefer an. Chich op (zu jemandem sprechen) Ich dringe tiefer in Jakes Gedanken, versuche an dem Gift vorbei zu seiner Persönli11chkeit und den letzten Gedanken zu kommen.

Lexa?, höre ich plötzlich und wirbele in dem Gedankenkonstrukt herum.

„Jake.“

Was machst du hier?

„Dir helfen. Was ist passiert? Wer war das?“

Ich weiß nicht… Es ist so dunkel…

„Sieh mich an Jake. Was ist passiert?“

Ich…

„Deimeika (Sonne).“ Der Raum um uns herum wird hell erleuchtet, er sieht sich überrascht um. Es kostet mich viel Kraft die Dunkelheit in ihn zu verdrängen, auch wenn es nur an einem so kleinen Ort ist. „Was ist passiert?“

Da waren Hexen… Ich kann mich nicht an ihre Gesichter erinnern… Ich… Er sieht sich wieder um. Wo sind wir?

„In deinem Kopf. In deinen Gedanken.“

Bin ich tot?

„Noch nicht.“ Ich schlucke. Eine lähmende Müdigkeit legt sich langsam auf mich.  „Wer war das? Erinnere dich an Moment.“ Ich spüre seine Konzentration, aber er ist schwach.

Az…

„Der Az-Zirkel?“

Er nickt. Aber noch etwas.. jemand anderes… Ich kenne ihn… Er schüttelt den Kopf. Unser Zirkel… Seine Augen gehen suchend durch den Raum. Ich… ich glaube es war auch Pike… Er schluckt und geht auf die Knie. Ja… es waren Pike und Nia…

„Wann? Was haben sie getan?“ Ich gehe auf ihn zu. Desto näher ich ihm komme, um so anstrengender wird es die unterschiedlichen Zauber aufrecht zu erhalten.

Sie wollten etwas… Er überlegt. Da war noch ein Mädchen.. eine junge Frau… Ich sehe den Schmerz in seinen Augen. Ontari… ich kenne sie durch Clarke. Sie war mit ihr in einer Stufe. Er sieht mich geschockt an. Sie wollten etwas… Ich weiß nicht was Lexa. Plötzlich sickern dicke schwarze Tränen aus seinen Augen. Er weint. Ich weiß nicht was sie… Er schluchzt. Clarke! Er sieht zu mir hoch. Sie wollten meine Tochter!
Er steht wie unter Strom gesetzt auf. Seine kalten Hände packen mich. Beschütze meine Tochter. Sie wollten sie! Ich weiß nicht, wieso… Ich… ich habe ihnen nicht verraten, wo sie ist…Eine Nachricht… Sie wollten eine Nachricht…

„Wo warst du?“ Nein, das darf nicht sein!

Es war so dunkel… Ich war in dem Waldstück, um der Spur des Mörders zu folgen… Titus war bei mir… Er stockt immer wieder und die Tränen dringen weiter aus seinen traurigen Augen. Wir haben geredet… Er ist gegangen und dann… Dieser Schmerz… Er sieht mich flehend an. Es tut so sehr weh, Lexa!

„Ich weiß. Ich versuche alles…“

Du kannst nichts mehr tun… Er sinkt wieder auf die Knie. Ich kann nicht mehr… Du musst mir versprechen, dass meiner Tochter nicht dasselbe passiert, wie mir. Ich habe gekämpft, um sie zu schützen, aber… Sein Kopf sinkt auf seine Brust. Ich bin so müde.

„Jake!“ Ich komme ihm näher, spüre die Dunkelheit, die von ihm ausgeht. Verzweifelt versuche ich alle Zauber aufrecht zu erhalten, um dieses Gift aus ihm herauszubekommen.

Es war eine dunkle Magie, die mich getroffen hat… Da kannst du nichts ausrichten… Es ist zu spät… Ich werde von der Dunkelheit aufgefressen, sie ist schon überall…  Er schaut mich wieder an. Sein Anblick ist grauenhaft. Mittlerweile sind seine Augen blutunterlaufen und die schwarzen Tränen stehen zum Kontrast zu seiner weißen fahlen Haut. Der immer ruhige und starke Mann ist nicht mehr da. Es ist vorbei, Lexa. Finde die Mörder deiner Eltern und von mir... Ich knie mich neben ihn. Mein ganzer Körper schmerzt. Beschütze meine Tochter! Versprich es mir!

„Ich schwöre es!“ Meine Stimme zittert vor Anstrengung. Ich keuche.

Du musst ihr etwas von mir sagen… Ich neige meinen Kopf und höre seine Worte. Er packt mich danach am Kragen. Hilf mir bitte… die Dunkelheit will mich in dieser Hölle festhalten, ich kann ihr nicht alleine entfliehen.  Tränen rollen über meine Wange, ohne dass ich etwas tun könnte. Zu stark ist die Verbindung mit ihm, die ich für dieses Gespräch erschaffen habe. Es sind seine Tränen nicht meine. Bitte…  

„Yo gonplei ste odon (Dein Kampf ist vorbei)“, bringe ich mit zitternder Stimme hervor. Traditionelle Worte am Totenbett eines Hexers. Traditionelle Worte, die den Übergang und den Tod erleichtern sollen. „Mebi oso na hit choda op nodotaim (Mögen wir uns wiedersehen)“

Er schließt seine Augen und ich gleite aus seinen Gedanken. Meine Hände rutschten von seinem blutverschmierten Körper und ich breche sofort neben dem Bett zusammen. Die letzten Worte, um ihn gehen zu lassen und seine Totenruhe zu wahren, haben meine letzte Kraft gekostet. Ich keuche schwer und spüre, dass ich zittere.

„Heda!“ Sofort stehen zwei Personen neben mir und versuchen mir aufzuhelfen. Ich ignoriere mein flackerndes Sichtfeld, umfasse den Tisch und ziehe mich von alleine hoch. Ich bin erschöpft, fast ganz am Ende, aber ich darf es niemanden sehen lassen. Ich drehe mich um, als ich festen Stand habe.

„Ruft Titus her, sofort“, befehle ich stark. „Raus“, füge ich genauso hart hinzu. Mein Blick ist auf Clarkes Gesicht gefangen. Dieser Schmerz und diese Trauer… „Alle raus!“, widerhole ich lauter und energischer. Meine Stimme halt von den Wänden wieder. Alle – außer Clarke – verlassen den Raum. Sie steht stumm da. „Es tut mir so leid“, bringe ich zitternd hervor. Sie kommt langsam zu mir. Ich stelle mich ihr in den Weg. „Du solltest das nicht sehen…“

„Lass mich durch“, faucht sie mich an.

„Clarke…“

„Lass mich durch!“, fleht sie unter einem schmerzerfüllten Schluchzen. Sie schiebt mich aus dem Weg. „Dad…“, keucht sie und umfasst sein Gesicht. „Bitte nicht…“ Sie weint. Ich stehe bedrückt hinter ihr.

„Es tut mir…“

„Du hast ihn gehen lassen“, brüllt sie mich an und fährt herum. „Du hast gesagt, du wirst alles tun! Du wolltest ihn retten! Du bist die mächtigste Frau auf diesem gottverdammten Planeten! Wieso hast du ihn nicht gerettet? Wieso hast du ihn sterben lassen? Du hast es versprochen!“, brüllt sie weiter. Ich stehe hilflos vor ihr.

„Clarke“, fange ich an.

„Vergiss es! Du bist eine scheiß Heuchlerin! Du willst Heda sein? Du kannst nicht einmal einen Fluch lösen! Du kennst den Fluch! Du hättest das verhindern können!“

„Nein, konnte ich nicht. Ich habe alles versucht!“

„Hast du nicht!“, schreit sie mich schrill an. „Du hast gar nichts getan! Du hast dir nur die Informationen geholt, die du für deinen lächerlichen Kampf gebraucht hats! Ich habe alles gehört. Du wolltest ihm nie helfen!“

„Clarke nein, so ist es nicht! Ich…“

„Spar es dir! Du bist ein kaltes egoistisches Miststück! Deine Zauber haben nichts gebracht, du hättest…“ Sie wirbelt aufgebraucht herum. „Keine Ahnung! Aber du hättest etwas tun können. DU BIST HEDA!“ Sie kommt wütend auf mich zu und schlägt mich. „Du bist doch so mächtig! Wieso hast du nichts getan? Wieso hast du das nicht aufgehalten?“ Sie schlägt immer wieder auf mich ein. „Du hast es versprochen.“ Mein Herz bricht. Ich fange ihre donnernden Hände in der Luft auf und ziehe sie in meine Arme. Ich halte sie mit aller Kraft fest, während sie mich weiter anschreit und versucht zu schlagen. „Du hast es versprochen!“, schluchzt sie irgendwann und erschlafft in meinen Armen. Ich halte sie aufrecht. „Du… du bist Heda“, haucht sie.

„Es war zu spät“, flüstere ich und presse ihren kraftlosen Körper an mich. Ich will sie halten, will sie beschützten. Aber vor dem Schmerz, den sie fühlt, kann ich sie nicht schützen. Ich weiß, welcher Schmerz es ist und auch, dass er niemals ganz vergehen wird. Ab jetzt wird sich alles ändern. Für sie. Für mich.

Wir stehen lange dort. Sie weint an meiner Brust und ich versuche ihr Halt zu geben. Sie klammert sich an mich, während sie von ihrer Trauer umfasst wird. Ich streichele ihren Rücken und schließe meine Augen. Ich spreche keinen Zauber, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es nichts gibt, was diesen Schmerz erträglich machen kann. Es wird ruhig zwischen uns und ich habe das Gefühl, dass sich Clarke immer mehr in mich hinein drückt und genauso den Körperkontakt braucht, wie ich. Sie vergräbt weinend ihren Kopf in meinen Hals, während ihre Hände nach Halt suchend sich in meine Jacke krallen.

Ein Klopfen lässt mich meinen Kopf anheben. Ich blicke zur Tür, lasse Clarke aber nicht los. Sie hält sich immer noch an mir fest. Ich bin mir nicht sicher, ob sie das gehört hat. Es klopf wieder. Ich sehe zu ihr herunter. Mit der Rückseite meines Zeigefingers streiche ich ihr sanft die Tränen von der Wange. Ich sehe sie ruhig an. Ich werde sie nicht fragen. Sie lässt mich langsam los und nickt.

„Ja?“, beantworte ich das Klopfen. Titus tritt mit einer blonden Frau an seiner Seite ein. Ich habe sie noch nie gesehen.

„Mom?“ Clarke sieht sie an und sofort sehe ich, wie weitere Tränen über ihr Gesicht strömen. Ihre Mutter sieht genauso aufgelöst aus. „Mom!“ Clarke stürzt auf ihre Mutter zu und beide sinken weinend auf dem Boden zusammen. Die Arme eng umeinander geschlossen in dem verzweifelten Versuch sich gegenseitig Kraft zu geben. Mit feuchten Augen wende ich mich ab und ziehe Titus mit mir. Wir stellen uns in die andere Seite des Raumes, so weit weg wie möglich.

„Was ist hier passiert?“

Ich lege meine Hand an seine Stirn, will ihm zeigen, was Jake mir gesagt hat, aber ich habe meine Kraft noch nicht wiedererlangt. Zitternd lasse ich meine Hand sinken. Titus sieht mich besorgt an und lässt eine Mauer des Schweigens um uns herum entstehen, damit ich ihm alles erzählen kann. „Nia, Pike und Ontari haben Jake nach eurem Treffen angegriffen. Es war ein mächtiger Giftzauber, Fisbona schätze ich. Sie haben ihn verflucht und den Zauber nicht gelöst. Ich war zu spät hier. Ich…“ Meine Stimme beginnt zu zittern. „Ich konnte nichts mehr für ihn tun.“

„Pike?“, fragt Titus tonlos.

„Ja.“ Ich sehe ihn hart an. „Jetzt ist er dran.“

„Wir müssen bedacht vorgehen“, rät mir Titus. „Wir können nicht einfach Anklage erheben ohne Beweise.“

„Die Beweise sind in meinem Kopf. Ich kann sie projizieren und jedem zugänglich machen.“

„Wie schlimm war es?“, fragt Titus und legt seine Hand an meine Stirn. „Ihr glüht Heda!“

„Es war kompliziert. Der Fluch hatte ihn fast vollständig in seinem Bann. Ich konnte nur mit größter Mühe einen kleinen Raum schaffen, um mit ihm zu reden, aber den Fluch aufhalten konnte ich nicht.“ Meine Schultern hängen kraftlos. Ich kann mich nicht mehr aufrecht halten, reiße mich aber wie immer zusammen. Ich straffe wieder stärker meine Schultern. „Sie müssen den Fluch zusammen gewirkt haben. Ich konnte keinen Anfang finden… keinen Ansatz, um den Fluch zu lösen.“

„Und deswegen ist dieser Fluch so gefährlich! Wird er zu lange gehalten, ist es fast unmöglich ihn zu lösen. Allein der Versuch hätte euch töten können.“  

„Ich bin mächtig genug, um dagegen ankämpfen zu können. Wir müssen den Rat zusammenrufen. Den Rat der Zirkel.“ Er nickt. „Ich will dieses Mal zwei Vertreter aus jedem Zirkel dabei haben. Es muss schnell geschehen. Der Az-Zirkel hat irgendetwas vor, nicht ohne Grund arbeitet Nia mit Pike zusammen.“ Ich spanne meinen Kiefer an. „Und wir müssen Ontari finden! Sie war mit Clarke und mir in einer Stufe. Sie…“ Ich breche den Blickkontakt mit Titus. „Sie haben Jake angegriffen, um an Clarke heranzukommen.“

Titus holt schockiert Luft. „Aber…“

„Ich weiß, dass es niemand wissen sollte. Aber wieso sollten sie sonst Jake foltern, um Informationen über Clarke zu bekommen? Ich glaube es ist unwahrscheinlich, aber vielleicht hat Ontari in der Schulzeit etwas mitbekommen. Ich weiß nicht wann, lange waren wir ja nicht zusammen…“ Ich beiße mir auf die Lippe. „Es muss eine Erklärung geben, warum Jake für Clarke sterben musste.“

„Wir kommen dahinter und bete dafür, dass sie nicht wissen, was Clarke dir bedeutet!“ Er funkelt mich aufgebracht hat.

„Ich habe Jake versprochen, dass ich Clarke beschützten werde. Er hatte Todesangst um sie.“ Ich beobachte Titus Reaktion genau.

„Wir müssen abwarten, vielleicht geht es ja auch um etwas anderes.“ Er sieht genau so zweifelnd aus, wie er klingt. „Ich werde Hexer aus dem Kreis hier hinschicken, damit sie Jake im Auge behalten können.“ Der Kreis sind ausgewählte Hexen und Hexer, die mir ihre volle Treue und Loyalität geschworen haben. Sie haben mit ihrem Blut geschworen mich nicht zu verraten oder zu hintergehen. Brechen sie diesen, werden sie sterben. Sie haben diesen Schwur alle freiwillig geleistet.

„Ruf bitte Anya, Ellen und Raven auch her. Wir müssen diese Einrichtung absperren. Niemand darf hier einfach raus und rein spazieren.“ Titus nickt. „Das Stockwerk muss geräumt werden.“ Ich fahre mir seufzend durchs Gesicht.

„Ich werde alles erledigen, Heda.“ Er sieht mich plötzlich traurig an. „Es ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt aber… Alles Gute zum Geburtstag.“ Ich starre ihn blinzelnd an. Er drückt mir eine kleine Holzkiste in die Hand. Sein Timing ist mal wieder unbeschreiblich…

„Ist das dein Ernst?“, frage ich etwas zu scharf.

„Es sind mehrere Fläschchen eines Stärkungstrankes, damit ihr anstrengende Tage besser verkraftet. Ich habe sie nach unserem Meeting gebraut. Ihr braucht sie dringender, als ich dachte. Eine Viole reicht aus.“

Ich öffne das Kästchen und nehme eine Flasche heraus. Ich entkorke sie und kippe die Flüssigkeit herunter. Erst ist mir kalt, dann wird mir plötzlich warm. Mein Kopf hört auf zu schmerzen. Mein Herzschlag normalisiert sich wieder und meine Muskeln hören auf zu brennen. „Wow“, rutscht es mir heraus. Titus sieht ich missbilligend an. „Ich hatte mich die ganze Zeit unter Kontrolle. Hier hat niemand meine Schwäche gesehen. Ich bin nur einmal direkt nachdem Jake gestorben ist zusammen gebrochen, aber das ist bei der Art von Zauber auch in Ordnung.“ Wieso rechtfertige ich mich eigentlich vor ihm?!

„Das stimmt.“

Ich fühle mich zu mindestens etwas besser. Ich lasse meine Schultern leicht kreisen. „Kümmere dich um alles. Ich bleibe hier.“ Er dreht sich um. „Bei Clarke und ihrer Mutter.“

„Heda, ich glaube nicht…“

„Ich traue niemandem hier! Bis unsere Leute hier sind, muss ich wissen, dass sie in Sicherheit ist. Wir können niemandem trauen!“

„Ihr habt Recht.“ Er lässt mich stehen und geht. Ich laufe zu Clarke und ihrer Mutter. Die stehen mittlerweile neben Jake.

„Es tut mir aufrichtig leid, Mrs. Griffin“, sage ich professionell und distanziert. Clarke schaut mich kopfschüttelnd an und verdreht die Augen.

„Clarke hat mir erzählt, was passiert ist.“ Ich werde aus braunen Augen angesehen. „Du hast wohl versucht ihn zu retten…“

„Ja, habe ich. Der Fluch war zu stark und zu weit fortgeschritten, ich konnte nichts mehr tun.“ Meine Stimme zittert wieder leicht. „Wir werden alles tun, um seinen Tod aufzuklären und mit der Situation umzugehen.“

Clarke schnaubt. „Mit der Situation umgehen…“ Sie deutet auf ihren toten Vater. „Wie sollen wir damit umgehen?!“

„Clarke bitte, reiß dich zusammen“, geht ihre Mutter dazwischen.

„Nein! Ich reiße mich nicht mehr zusammen. Die ganze Zeit wird davon geredet, dass sich alle zusammen reißen müssen und alles unter Kontrolle haben! Das hilft hier aber niemandem!“ Sie schluchzt. „Mein Vater ist tot!“ Sie kommt einen Schritt auf mich zu. Sie schubst mich wieder an den Schultern. Das Objekt ihrer Trauer und Wut zu sein ist für mich mehr als in Ordnung, weil ich weiß, dass es einfach ist auf einen lebenden Menschen wütend zu sein als sich mit dem Tod eines Geliebten zu beschäftigen. „Was läuft hier für ein politischer Zirkus ab? Wieso ist Titus plötzlich hier? Was habt ihr da besprochen, was niemand wissen darf?“

„Das darf ich dir nicht sagen“, antworte ich kühl.

„Er ist mein Vater! Ich habe das Recht zu erfahren, was hier vor sich geht! Wer hat das getan?“ Sie fixiert mich. „Ich sehe, dass das kein Unfall war! Wieso musste mein Vater sterben? Wo hast du ihn da hereingezogen?“ Sie will mich an meinem Mantel packen, ich halte ihre Hände fest.

„Clarke… dein Vater ist…“ Ich räuspere mich. „war Ältester. Er war politisch aktiv. Was genau passiert ist, weiß ich nicht und kann ich dir auch nicht sagen.“

„Du hast mit ihm geredet!“, schreit sie und reißt sich los. „Ich habe deine Antworten gehört! Du hast noch mit ihm gesprochen… du hast ihn noch gesehen.“ Ihre Stimme wird wieder leiser und sie schluchzt auf. Sie hält sich eine Hand vor den Mund, dreht sich weg und schüttelt den Kopf. „Das ist doch alles eine politische Scheiße hier! Er ist seit Monaten kaum zu Hause gewesen, hat nicht mehr mit mir geredet und jetzt ist er tot! Und du bist zufällig hier und rein zufällig war ich gerade bei dir, als es rausgekommen ist!“ Sie zeigt auf mich. „Was hast du getan?“

„Ich habe nichts getan“, entgegne ich. Clarke so emotional aufgewühlt und verzweifelt zu sehen, lässt mich innerlich kämpfen. „Ich habe mit ihm geredet. Ja. Aber ich kann dir nicht sagen, was er mir erzählt hat.“ Ich schüttele meinen Kopf.
„Du denkst nur an dich selbst!“ Sie zeigt wütend auf mich. „Du stehst hier, tust so als hättest du versucht ihn zu retten, aber eigentlich verfolgst du nur deine eigenen Ziele und bist zu feige, um wirklich für etwas zu kämpfen, dass dir wichtig ist! Du bist ein Feigling Lexa. Du versteckst dich hinter dieser professionellen Fassade und gibst vor, für das Allgemeinwohl zu handeln, aber tief in dir drin bist du egoistisch und das Wohl der Menschen um dich herum ist dir egal! Du bist getrieben von deiner Macht, die dir offensichtlich wichtiger ist, als alles andere!“

„Es tut mir leid. Du weißt nicht, wie sehr und ich hoffe, dass du lernst mit dem Schmerz umzugehen.“ Sie schnaubt auf. Ich drehe mich um und gehe aus dem Raum. Vor der Tür beiße ich mir auf die Lippen und schaue an die Decke, um die aufkommenden Tränen herunter zu kämpfen. Ich atme tief durch, lasse meinen Kopf fallen und krame mein Handy raus.

„Lexa? Wo bist du?“

„Hat Titus euch schon erreicht?“

„Nein? Was ist passiert?“ Ich höre, dass mich Anya auf Lautsprecher stellt.

„Es gab einen Angriff. Ihr müsst sofort in die Banker Street kommen. In das Heilzentrum.“

„Was…“

„Keine Fragen. Kommt einfach her.“

Ich lege auf und fahre mir durch die Haare. Ich schaue auf die Uhr. Ich bin jetzt seit fast 18 Stunden auf den Beinen. Wann kann dieser Tag endlich vorbei sein?!
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