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Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
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Dieses Kapitel
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07.12.2020 6.022
 
Ich gehe die Pläne, die mir Titus für unser nächstes Projekt vorgelegt hat an meinem Schreibtisch durch, als die Tür aufgeht.

„Hey Geburtstagskind!“ Ich werde umarmt, schiebe sie aber hart weg, um mich auf die Projektpläne zu konzentrieren.

„Ich muss arbeiten.“ Titus und ich haben mit dem Rat besprochen, dass wir den Az-Zirkel nun direkt konfrontieren. Nach dem Kampf mit dem Salem-Zirkel sind noch mehr zu den Az übergelaufen, weil es ihnen nicht gepasst hat, Pflichten mir und der Koalition gegenüber zu haben.

„Brauchst du keine Geburtstags-Pause?“ Costia grinst mich lasziv an und nimmt meine Hand von den Plänen. Sie legt sie sich selbst auf die Brust und drückt zu. So direkt ist sie normalerweise nicht, was mich irritiert, aber ich mache mit.

Seit einem Jahr sehen wir uns jetzt regelmäßig, um Sex zu haben. Entweder tauche ich spontan bei ihr auf oder sie kommt vorbei. Es ist eine wesentlich praktischere Art und Weise, als mich nachts raus zu schleichen und fremde Frauen abzuschleppen. Insbesondere, weil ich seit dem Sieg über den Salem-Zirkel noch weniger Zeit habe. Außerdem muss ich mich so nicht immer auf einen neuen Körper und andere Bedürfnisse einstellen.

Ich verstärke den Druck meiner Hand und presse sie mit meinem Körper gegen den Schreibtisch. Ich muss zwar wirklich dringend arbeiten und mich in einige Pläne und Paper reinarbeiten, aber wir haben uns jetzt seit einigen Wochen nicht gesehen. Ein kleiner Teil von mir freut sich sie zu sehen, aber dieser Teil wird überlagert von Pflichtbewusstsein und Selbstbeherrschung.

Ich lasse meine andere Hand unter ihren Rock gleiten und stelle befriedigt fest, dass sie keine Unterwäsche trägt. Ich schließe schnell den Abstand und presse meine Hand gegen ihr Geschlecht. Sie stöhnt auf. „Fuck Lexa… so…war das nicht…“ Ich bewege mich schneller und beobachte dabei, wie sich ihr Gesichtsausdruck verändert.

„Doch war es. Mach die Augen auf“, knurre ich und sie sieht mich keuchend an. Ich fahre mit meinen Fingern an ihrem Kitzler entlang, massiere sie, bis ich spüre, dass sie feucht wird. Ich beobachte sie aus harten Augen, während ich sie weiter fingere. Ich habe mich nach dem Kampf mit Prudence noch mehr darin verloren die Kontrolle haben zu müssen. Dass sich das Ganze auch auf mein Sexleben auswirkt, hätte ich jetzt Costia zuschieben können die etwas den Grundstein gelegt hat, aber einem Teil von mir gefällt es, die Kontrolle über ihre Lust zu haben. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Schritt jemals ohne sie in meinem Sexleben gemacht hätte, aber so hat es sich jetzt entwickelt und ich beschwere mich nicht. Und sie auch nicht. Im Gegenteil. Diese Abmachung zwischen uns hat auch für sie gewisse Vorteile. Ich habe ihr einen Job in meiner Firma verschafft, der es ihr ermöglicht ihr Studium abzuschließen und nicht die meiste Zeit arbeiten zu müssen. Dafür sehen sie und Raven sich auch wieder häufiger.

Ich lasse zwei Finger schnell in sie gleiten, um dann mit meinem Daumen gegen ihren Kitzler zu drücken. Ich pumpe schneller in sie und sie stöhnt immer lauter. Ich erinnere mich daran, dass mein Büro extra schallisoliert wurde und ich einige Zauber ergänzt habe, damit draußen niemand Gespräche abhören kann. Oder Sexgeräusche... Ich spüre, wie meine Hand immer nasser wird. Ihre Augen fallen wieder zu und ich höre auf.

„Was wollte ich?“ Sie sieht mich herausfordernd an, dann spüre ich ihre Hand an meinem Hosenbund. Bevor ich reagieren kann, schlüpft auch sie hinein. Das überrumpelt mich so sehr, dass sie es schafft mich zu berühren und ein heißer Stich in meinen Unterleib fährt. „Fuck“, fluche ich. Ich ziehe meine Hand aus ihrem Schritt, packe ihr Handgelenk und drehe sie um. Ich presse sie heftig mit der Vorderseite gegen meinen Schreibtisch. Bevor sie etwas sagen kann, halte ich ihr den Mund zu und fahre wieder mit einer Hand zwischen ihre Beine.

„Das hast du davon“, knurre ich sie an und beiße in ihren Nacken. Mittlerweile weiß ich, dass sie genau auf solche Machtspielchen steht und einem Teil von mir gefällt es sehr so mit ihr umzugehen. Sie ist mir körperlich nicht wirklich unterlegen, aber lässt es einfach mit sich machen. Ich dringe wieder in sie ein und spüre das Stöhnen an meiner Hand. Dieses Mal habe ich direkt einen dritten Finger dazu genommen. Sie ist noch etwas eng um meine Finger, aber um so mehr ich mich bewege, desto mehr weitet sie sich. Ihre Atemzüge gehen stoßweise, ich spreize meine Finger etwas, damit sie mehr Luft bekommt. Ich stoße feste und unnachgiebig in sie. Dann ziehen sich ihre Wände zusammen, aber ich weiß, dass ihr das nicht reicht. Ich lasse ihren Mund los, greife stattdessen in ihre Bluse und kralle mich förmlich in ihren Busen. Sie stöhnt lauter. Ich drücke ihren Nippel mit meinem Daumen und Zeigefinger fest zusammen und reibe sie aneinander. Ich presse meine Finger stark zusammen. Ich spüre, wie sie sich weiter zusammen zieht und ihr Stöhnen etwas tiefer wird. Ganz kurz bevor sie sich zusammen krampft und einen befriedigenden Orgasmus erlebt, höre ich auf. Ich lasse ihre Brust und ihr Geschlecht los und stelle mich einen Meter weiter weg hin. Sie dreht sich verdattert um.

„Was?“, fragt sie tonlos und aufgebracht. „Du… hörst einfach auf?!“ Sie atmet keuchend.

„Ich habe gesagt, ich arbeite.“ Ich lasse sie nicht sehen, wie sehr ihre Entrüstung mir gefällt. Ein kleines diabolisches Grinsen legt sich auf mein Gesicht. Eigentlich wollte ich sie nicht unbefriedigt aus meinem Büro lassen.

„Ich.. aber.. komm schon.“

Ich lecke mir über die Lippen. „Dreh dich um“, befehle ich. Sie atmet fast schon erleichtert ein und tut was ich sage. „Heb deinen Rock an und lege dich auf den Schreibtisch.“

„Deine Unterlag…“

„Hinlegen!“ Sie tut es. Es ist warm und feucht zwischen meinen Beinen. Ich knie mich hinter sie und beginne sie zu lecken. Sie stöhnt. Ich stöhne. Ich presse meine Lippen enger an sie, drehe meinen Kopf und lasse dann zwei Finger in sie gleiten. Ich kralle meine Fingernägel in ihren Po, bis ich rote Kratzer sehen kann. Dann braucht es nicht viel, bis sie einen Orgasmus auf den Finanzierungsplänen der Übernahme von Az Industrys und der neuen Schulreform hat.

Ich lasse mich nach hinten auf meinen Stuhl fallen, öffne meine Hose und sie fällt zu meinen Knöcheln. Costia dreht sich schwer atmend um, sieht mich und kniet sich direkt hin. Ich lege meine Hand auf ihren Kopf, als sie anfängt mich zu lecken. Ich presse sie enger an mich und ziehe ruckartig an ihren Haaren. Sie wird langsamer, als mein Stöhnen schneller wird. Ich packe fester zu. Sie wird noch langsamer. „Costia“, knurre ich fast wütend zwischen zusammen gebissenen Zähnen. „Leck mich!“

Ich bin unfassbar erregt. Sie schaut süffisant hoch, dann beißt sie kurz zu und leckt weiter. Ich unterdrücke einen Schmerzlaut und stöhne stattdessen. Das mächtige Pulsieren in meinem Hinterkopf ist wieder da und ich spüre etwas von der Macht durch mich hindurch fluten. Mit meiner anderen Hand kralle ich mich in Costias Schulter fest, bis ich auch da meine Kratzer sehe. Ich lasse meinen Oberkörper nach hinten fallen und schließe meine Augen. Das Kribbeln wird intensiver und ich wölbe ihr rhythmisch mein Becken entgegen. Ich spüre, wie ich mich zusammenziehe.

„Lexa?!“

Ich öffne meine Augen und starre über meinen Schreibtisch hinweg. Ich lasse Costia los, die sich auf den Boden setzt.

„Raven.“ Ich atme tief durch. Wir starren uns beide halb überrascht und halb professionell in die Augen. Es ist für einen kurzen Moment still.

„Du hast ein Meeting.“

Ich schaue sie ungläubig an. „Wann?“

„Jetzt. In 5 Minuten.“ Sie grinst und streckt sich etwas. Ich weiß, dass sie von da aus mich maximal bis zu meinem Bauch sehen kann. Ihr Interesse gilt aber nicht mir. „Hey Cos.“ Diese hebt kurz ihre Hand, bleibt aber knallrot unter meinem Schreibtisch sitzen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich Costia und ich seit einem Jahr regelmäßig sehen. Zu mindestens vor Raven und Anya.

„Ich komme gleich.“ Schon kurz nachdem ich es ausgesprochen habe, bereue ich es.

„Oh darauf wette ich.“ Sie grinst breit. „Ich warte dann mal draußen.“

„Raven?“ Kurz bevor sie die Tür schließt, schaut sie mich noch mal an. „Was für ein Meeting?“ Costia schaut mich ungläubig an und schüttelt lachend den Kopf. Hier sitze ich ohne Hose aufs höchste erregt, während sie unter meinem Tisch hockt und unterhalte mich als wäre nichts…

„Schulreform. Alle Schulleiterinnen und Schulleiter sind mit samt Vertretung hier.“

„Scheiße, das ist jetzt?“ Ich greife über Costia nach meinem Kalender. Sie dreht lachend ihren Kopf weg. Während ich meinen Kalender durchgehe, bindet sie sich die Haare zusammen. Ich ärgere mich etwas darüber, dass ich die Uhrzeit nicht richtig gelesen habe. Ich habe die höchsten Ansprüche an mich und meine Arbeit. Ich bin aber gerade zu erregt, um das hier einfach zu beenden und doch noch einen Blick in die Unterlagen zu werfen. „Ich beeile mich.“ Raven grinst noch einmal und geht.

„Soll ich gehen?“, fragt Costia und richtet ihre Kleidung. Ohne ein Wort greife ich ihn ihren Nacken und ziehe sie zu mir.



„Du siehst aber frisch und motiviert aus“, begrüßt mich Anya vor dem Konferenzraum. „So richtig entspannt.“ Ich bedenke Raven mit einem eiskalten Blick. „Freut mich, dass du eine gute Mittagspause hattest.“ Anya legt einen Arm um meine Schulter den ich gleich abschüttele. Obwohl ich mittlerweile zu allen gleichermaßen distanziert bin, können es sich Raven und Anya immer noch nicht verkneifen mich zu reizen. „Konntest du dir noch einen Überblick verschaffen?“

„So gut wie. Ich weiß ja, was Indra durchgezogen hat. Andere Struktur der Fächer, anderes Lehrsystem und eine Schulleitung, die immer aus mindestens zwei Leuten besteht. Und dieses Jahr soll ich mir das Ganze dann in den Schulen direkt einmal angucken. Ist das wirklich notwendig?“

Titus taucht hinter Anya auf. „Ja. Du musst überall präsent sein und vor allem in den Schulen der Zirkel, damit die junge Generation hinter dir steht.“ Ich nicke. Dieses ewige Hin- und Herreisen ist wohl das bis jetzt anstrengendste an meinem Heda-Dasein.

„Gut. Hast du etwas zu meinem Vater herausgefunden?“ Titus war die letzten Wochen und Monate zusammen mit Jake Griffin unterwegs. Sie konnten in den letzten Jahren einige Spuren verfolgen, Aussagen aufnehmen und Beweise sammeln. Sie sind alle hier in einem Büroraum zusammen getragen worden und bilden ein buntes Netz aus Bildern und Texten. Es wurden Älteste des Az- und Salem-Zirkels mit in die Liste der Verdächtigen aufgenommen.

Titus nickt. „Es ist ein Meeting morgen mit Jake vereinbart. Steht in deinem Kalender.“ Jake, Titus und ich sind zu der Übereinkunft gekommen, dass es zwar wichtig ist die Mörder zu finden, aber die oberste Priorität immer die Koalition hat. „Du darfst den Überblick nicht verlieren. Du bist in letzter Zeit so unkonzentriert. Fühlst du dich überlastet?“ Raven tippt Anya an und grinst.

„Nein.“ Ich spüre ein wütendes Pulsieren.

„Was ist los?“ Titus dreht uns beide so, dass ich Anya und Raven nicht mehr sehen kann. „Du wirkst unfokussiert und müde.“

„Wollen wir das Gespräch wirklich jetzt führen, wenn alle warten?“ Meine Stimme ist kalt und distanziert.

„Ja.“

Ich starre ihn an. „Nein, Titus.“

Er kommt mir näher und wir duellieren uns für einen Moment mit den Augen. „Ich weiß von Costia.“ Seine Stimme ist leise.

„Und?“ Gott, bitte nicht.

„Und?“ Er schaut mich wütend an. „Du hast einen Eid geleistet. Du hast Verpflichtungen. Eine Beziehung…“

„Das ist keine Beziehung.“ Ich sehe ihn bedeutend an. „Wir schlafen miteinander, weil das etwas ist, was Menschen nun mal regelmäßig brauchen.“ Sie ist meine Freundin und wir haben Sex… Er muss aus allem immer eine große Sache machen…

„Keine Gefühle, Lexa. Hodnes…“

„Ich weiß Titus. Um Sex zu haben brauche ich keine Gefühle. Ich fasse es nicht, dass wir wirklich dieses Gespräch führen. Ich bin nicht in Costia verliebt. Sie ist nicht in mich verliebt.“ Ich drücke ihn etwas weg. „Sehe ich für dich etwa emotional mitgenommen aus? Wirkt es auf dich als hätte ich die Kontrolle verloren?“ Meine Stimme ist ruhig und kühl. Er senkt seinen Kopf. Er spüre, dass ich die Luft um uns herum zum Vibrieren bringe. „Die meisten haben Respekt vor mir, einige haben Angst vor mir und was viel wichtiger ist, niemand kann mich einschätzen. Du weißt, wie ich mit allen umgehe. Ich bin mehr als dazu in der Lage dieses Imperium und diese Koalition zu führen! Bestreite nie wieder meine Kompetenzen!“ Er bliebt mit gesenktem Haupt schweigend stehen. Als ich wieder die dunkle Macht spüre, die meine Wut anheizt, beruhige ich die Luft um uns herum, versuche es zu verdrängen und nicke Anya und Raven zu. „Los geht’s.“

Mir werden die großen Flügeltüren geöffnet und ich laufe mit selbstbewussten schnellen Schritten an allen vorbei zu meinem Platz am Ende des Tisches. Das Pochen ist immer noch da und ich verspüre den Drang Titus endlich richtig in seine Schranken zu weisen. Ich versuche das Gefühl tiefer in mir zu vergraben. Während ich an allen vorbei laufe, sehe niemanden an. Ich habe mir in den letzten Jahren zwar einen harten und unerbittlichen Ruf aufgebaut, werde aber für fair und gerecht gehalten. Ich setze mich hin. Ich trage wieder meinen Mantel und ein rotes Tuch, wie bei jedem offiziellen Anlass. Anya steht mit ernstem Gesicht rechts neben mir und Titus links. Raven sitzt in einem anderen Raum vor Überwachungskameras und verfolgt alles, was in dem Konferenzraum passiert. Ich lasse meinen Blick durch die Reihen schweifen, um zu sehen, wo meine Tante sitzt. Seit ich den Raum betreten habe, kribbelt es irgendwie in meinem Nacken. Ich kann es nicht zuordnen.
Ich entdecke Ellen, aber bevor ich ihr zunicken kann, rutscht mein Blick einen Platz weiter und mein Herz setzt einen Moment aus. Alles wird still. Das Pochen in meinem Kopf verblasst unbemerkt und ich atme ruhig aus. Ich kann meinen Blick nicht abwenden, bis Anya mich anstupst und ich zu ihr rüber schaue. Es fühlt sich an, als hätte sie mich zurück ins Hier und Jetzt gerissen. Sie beugt sich herunter, als ich ihr zunicke.

„Was macht sie hier?“, frage ich ganz leise und sie folgt meinem Blick von vorhin.

„Sie ist Ellens Stellvertreterin und Teilschulleiterin.“ Ich starre sie ausdruckslos an. Innerlich wütend ein emotionaler Sturm, den ich weder deuten noch begreifen kann.

„Wieso weiß ich das nicht? Wieso…“

Da meldet sich Raven in meinem Ohr. Ich trage einen Kopfhörer, damit sie mich mit Informationen und Namen während den Meetings versorgen kann. Ich habe mit zu vielen Menschen zu tun, um mir all ihre Gesichter zu merken. „Alle Namen und Positionen standen in dem Paper, was ich dir vorbereitet habe. Wer ist sie denn? Reden wir von der Blonden neben deiner Tante?“ Ich werfe einen kurzen kalten Blick zu einer der Kameras. Sie hat zwar von Clarke gehört – damals in der Schule – aber wie sie aussieht weiß sie zum Glück nicht.

Es ist mittlerweile totenstill geworden und die Stimmung wird angespannter. Ich habe hier recht schweigend für einige Minuten gesessen. Titus funkelt mich auffordernd an. Ich weiß, dass für die anderen keine Emotion in meinem Gesicht zu sehen ist. Ich wende mich allen zu, ignoriere meinen donnernden Herzschlag und ergreife das Wort. Die Tische sind alle mit Mikrofonen und kleinen Lautsprechern ausgestattet, damit man aus jeder Position alle gut verstehen kann und ich nicht schreien muss. Der Raum ist hell und offen. Es herrscht eine angenehme und ruhige Atmosphäre, da sowohl Bilder an den Wänden hängen als auch Pflanzen in den Ecken stehen. Das alte dunkle Design des Ältestenrates habe ich schnell gegen etwas freundlicheres ausgetauscht, dass nicht den Eindruck vermittelt, es gehe jeden Moment eine Falltür unter einem auf.

Es ist für alle etwas Besonderes, dass ich die Leitung einer Sitzung übernehme. Ich habe Älteste zu den einzelnen Bereichen zugeteilt, die sich in meinem Namen darum kümmern und mich dann in Kenntnis setzten. Doch Titus ist es wichtig, dass ich hin und wieder Präsenz zeige, damit alle sehen, dass ich nicht nur ein mächtiges Aushängeschild mit einem roten Tuch bin, sondern eine kompetente und gewissenhafte Anführerin.

„Her.. Herzlich Willkommen.“ Ich muss mich kurz räuspern. „Danke, dass sie alle die teilweise sehr weiten Wege auf sich genommen haben. Ich weiß das zu schätzen. Älteste Indra kann leider heute nicht hier sein, aber ich bin informiert und bereit mir ihre Anmerkungen und Wünsche anzuhören.“ Ich lege meine Hände entspannt auf den Tisch. Mein Gesichtsausdruck ist unergründlich. „Ich habe einige Tops für heute vor mir liegen. Ich gehe alles strukturiert durch und hoffe, dass wir zügig mit allem durchkommen.“ Ich schaue auf den Zettel vor mir.

„Die Reformen sollten das Schulsystem verbessern und die Qualität sichern. Hat das soweit funktioniert?“

„Du wirkst echt besser vorbereitet als du bist“, grinst Raven in meinem Ohr. Mehrere Personen melden sich. Ich nehme sie alle nacheinander dran, bis ich zu Clarke komme.

„Clarke Griffin“, sage ich und klinge selbstbewusst, fühle mich aber wie ein Haufen Dreck. Ihren Namen auszusprechen verursacht fast schon körperliche Schmerzen. Mein Magen krampft durchgängig, seit ich sie gesehen habe und meine Gedanken rasen. Es fällt mir schwer mich auf etwas anderes zu konzentrieren, als auf sie. Ich kann mich seit Minuten gerade so davon abhalten zu ihr rüber zu schauen oder gar aufzustehen. Jetzt reiß dich zusammen! Das ist Jahre her. Benimm dich nicht wie eine 19-Jährige. Du bist mächtig und älter! Du bist Heda.

„Wir haben soweit als eine der wenigen Schulen alle Reformen umsetzten können. Ellen und ich konnten dafür sorgen, dass sich der Leistungsschnitt in diesem Jahrgang deutlich verbessert hat. Wir haben das Unterrichtssystem angepasst und neue Fächer eingebaut. Außerdem konnte Ältester Titus bei seinem letzten Besuch feststellen, dass sich unser Duellierclub weiterhin verbessert hat und auf einem hohen Niveau fair kämpft.“ Er war dort und hat es mir nicht erzählt? Ich verkneife es mir zu ihm rüber zu sehen.

„Es gibt mittlerweile Duelle landesweit gegen andere Schulen aus anderen Zirkeln. Ellens Schule stellt immer die besten Duellanten auf. Sie sind dieses Jahr unschlagbar gewesen“, höre ich Raven.

„Ich habe von den außerordentlichen Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler in den Duellen gehört. Beachtlich, dass es so schnell ging.“

Ich kann ihr nicht in die Augen sehen, weil ich weiß, dass meine Selbstbeherrschung zusammen brechen würde. Ich schaue stattdessen auf meinen Zettel auf dem nichts weiter als die dringenden Fragen von Indra stehen. Ich weiß, dass nur ein Blick von ihr reicht, um mich aus meiner kalten Distanz zu drängen, die ich fast verzweifelt gerade aufrecht erhalten muss. „Sie haben auch ihr Kollegium erweitert, habe ich das richtig in Erinnerung?“ Ich hebe meinen Blick, schaue aber etwas an ihr vorbei. Sie nickt. „Waren die Reformen für alle Schulen so einfach umzusetzen?“, richte ich schnell eine Frage wieder an alle. Jemand meldet und beschwert sich. Ich kann nur mit halbem Ohr zuhören. Ich gebe schnell die von Raven vorformulierte Antwort und widme mich dem nächsten Punkt.

Ich arbeite mich durch die Liste und merke, dass ich mich wirklich hätte vorbereiten sollen. Raven ist zum Glück eine große Hilfe und so wirkt es, als wüsste ich über alles Bescheid. „Ich habe jetzt eine Aufgabe für sie. Jeder von ihnen hat einen Zettel vor sich liegen.“ Papiergeknister. „Ich würde sie alle bitten eine Sache aufzuschreiben, die sich noch verbessern kann. Wir werden das an den Schulrat weitergeben und weiterhin versuchen die Qualität für unsere zukünftige Generation zu verbessern. Sie können die Zettel auf ihrem Platz liegen lassen, ein Mitarbeiter wird sie einsammeln.“ Ich nicke allen einmal zu. „Ich bedanke mich noch einmal für ihre Mühen und die Arbeit die sie alle in das Projekt gesteckt haben. Ich freue mich darüber, dass sich jetzt Kooperationen unter den einzelnen Zirkeln ergeben haben und wir auch Austauschhexen und -hexer hin und her schicken. Eine gute Kommunikation und ein stabiles Netzwerk sind wichtig, damit diese Koalition standhalten kann.“ Einige applaudieren. Ich nicke ihnen dankend zu.

„Was eine herzerwärmende Rede“, höre ich Raven, dann klinkt sie sich aus.

Ich stehe auf, bedeute einem Mitarbeiter, der am Rand stand, dass er gleich die Zettel einsammeln soll und will gehen. Aber mein Blick bleibt zufällig bei Clarke hängen und unsere Augen treffen sich. Grün trifft auf Blau. Ich halte für eine gefühlte Ewigkeit inne. Wir sehen uns an und ich spüre, wie mein Gesicht etwas weicher wird und mein Herzschlag sich das erste Mal seit drei Stunden wieder beruhigt. Es wird warm in meinem Bauch und es riecht nach Jasmin. Ich spüre, dass ich unbedingt zu ihr gehen und mit ihr reden möchte. Ich werde wie durch eine unsichtbare Macht zu ihr gezogen.

„Heda?“, höre ich Titus harte Stimme neben mir, als meine Beine den ersten Schritt in Clarkes Richtung tun. Ich breche den Blickkontakt angestrengt ab und gehe mit donnernden schnellen Schritten an Titus vorbei nach draußen. Er und Anya folgen mir, bis ich in meinem Büro bin.

„Was war das?“, faucht mich Titus an. Nicht jetzt!

„Halte dich da raus!“, fahre ich vergleichsweise laut zurück. Meine Haut brennt und alle Glyphen auf meinem Rücken kribbeln so stark, dass es sich anfühlt als ob sie sich gleich durch meine Kleidung brennen. Titus Nachfrage hat mich aus der Fassung gebracht, weil ich bis vor einer Minute den inneren Gefühlsausbruch noch halbwegs ignorieren beziehungsweise verdrängen konnte. Ich gehe zum Fenster und schaue schwer atmende hinaus und ringe mit mir. Das letzte Mal hat sie weinend und flehend vor mir gestanden und jetzt… Tief durchatmen. Es ist alles okay. Ich muss nur…

„Heda, ihr müsst euch zusammenreißen!“ Titus steht hinter mir.

„Titus“, sage ich warnend und fahre herum. Seine Lehren und Anschuldigen machen es aber auch überhaupt nicht leichter, NICHT emotionaler zu werden… Kann er sich nicht einmal raushalten?!

„Ich wusste, dass es ein Fehler sein würde, euch die Sitzung…“ Weiter kommt er nicht. Ich lasse eine mächtige Druckwelle gegen ihn prallen, die ihn nach hinten taumeln lässt. „Heda!“

„Du wusstest, dass sie da sein würde?“ Ich brauche nur eine Minute Ruhe…Tief durch atmen.

„Natürlich. Ich dachte ihr wüsstet das auch.“ Er atmet tief ein. „Ich dachte, ihr hättet das hinter euch gelassen und…“

„Ich habe das hinter mir gelassen.“ Meine Stimme ist kalt und distanziert. Ich weiß nicht genau, was ich fühle. „Ich brauche frische Luft.“ Ich dränge mich an ihm vorbei. „Folg mir nicht.“

Ich laufe zum Treppenhaus und stürme die Stufen nach oben. Ich breche förmlich durch die schwere Eisentür und stehe auf dem Dach. Dort angekommen entlade ich das Gefühlschaos mit einer heftigen Welle. Die Wolken verdichten sich, es beginnt zu regnen und Donner grollt über die Dächer der Stadt. Ich lege den Kopf in den Nacken und atme tief durch. „Fuck“, fluche ich und schließe die Augen. Ich fahre mir durchs Gesicht. Nie hätte ich gedacht, sie widersehen zu müssen und das auch noch so unvorbereitet, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich atme tief ein und aus. Die Kälte macht meinen Kopf wieder klarer und ich kann mich sortieren. Langsam gehe ich wieder zurück zum Treppenhaus. Bevor ich herunter gehe, trockne ich meine Kleidung und meine Haare. Wenn Titus nicht gewesen wäre, wäre das bestimmt nicht so eskaliert… Ich habe es satt mir immer wieder anhören zu müssen, ich hätte mich nicht unter Kontrolle. Er hätte nur eine Minute warten müssen, bevor er mich drauf anspricht… Erst das mit Costia und jetzt wieder seine Lehren über Clarke… Es ist Jahre her, ich habe mich unter Kontrolle! Dass er das immer wieder ansprechen muss…

Das Pochen in meinem Hinterkopf kommt fast augenblicklich wieder, doch dieses Mal verdränge ich es nicht. Ich spüre die Wut auf Titus, die durch meinen Körper rauscht.

Es reicht mir.

Als ich mein Büro betrete, erstarre ich. Als wäre nichts gewesen, verblasst das Pochen und wird von einem warmen gemütlichen Gefühl ersetzt. Ich schlucke. „Tante“, begrüße ich schnell Ellen. Die umarmt mich ganz fest. Ich erwidere nur leicht ihre Berührungen.

„Alexandria! Ich habe dich so vermisst. Wir haben uns ja jetzt eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. Erzähl, wie geht es dir?“

„Gut. Willst du etwas trinken?“ Ich gehe an ihr vorbei zu meiner Vitrine und hole drei Gläser heraus.

„Ja gerne. Clarke willst du auch was?“, höre ich hinter mir, drehe mich aber nicht um, obwohl alles in mir danach schreit Clarke anzusehen, mit ihr zu reden und ihr näher zu sein.

„Wenn es keine Umstände macht.“ Ihre Stimme löst eine Gänsehaut aus. Ich habe ihre Stimme so vermisst…Das ist doch nicht normal… Wir haben uns Jahre nicht gesehen und waren nicht lange zusammen…

Ich befülle die Gläser, widerstehe dem Drang meins direkt zu leeren und drehe mich um. „Hier.“

Ich reiche meiner Tante beide Gläser, damit ich Clarke bloß nicht berühre. Mit meinem Glas in der Hand setzte ich mich auf einen Sessel, der gegenüber eines sehr bequemen Sofas steht. „Wie läuft es in der Schule?“, frage ich Ellen und ignoriere weiterhin Clarke. Benimm dich nicht so kindisch! Du bist eine erwachsene Frau. Du bist eine Anführerin. Du bist Heda…Es ist Jahre her und wahrscheinlich ist sie sowieso vergeben… Sie hat mich ja vergessen…Jetzt tu doch nicht so, als ob du unsterblich in sie verliebt wärest…Aber mit ihr reden, will ich trotzdem…

Ich lasse kurz einen Nackenwirbel knacken, um mich dann auf meine Tante zu konzentrieren. Es fällt mir schwer ein halbwegs distanziertes und kontrolliertes Gesicht zu machen.  

„Sehr gut. Seit Clarke meine rechte Hand ist, läuft alles viel entspannter! Sie ist ein echtes Organisations-Talent.“

Jetzt muss ich sie ansehen. „Ach wirklich?“ Ich kann mir ein kurzes Schmunzeln nicht verkneifen, als ich an ihr unordentliches Zimmer denken muss.

Sie sieht mich an. Eine warme Welle durchflutet mich. „Ja. Ellen hat mich nach meinem Abschluss an der Universität direkt berufen, damit jemand unterstützen kann, die noch nicht lange aus der Schule raus ist und weiß, was die jungen Hexen und Hexer wollen. Es ist wirklich eine spannende Arbeit. Wir konnten die Bibliothek erweitern beziehungsweise den Zugang dazu und jede Lehrkraft hat eine Unterstützung. Es kam sogar noch ein Unterrichtsfach dazu. Kunst. Damit sich die jungen Hexen und Hexer auch auf sich selbst besinnen können und nicht immer den ganzen Tag Texte lesen und Zauber lernen. Es ist…“ Sie stockt. „Bitte entschuldigt, Heda.“ Ich zucke zusammen, weil diese Anrede aus ihrem Mund für mich komplett falsch klingt. „Ich rede viel, wenn ich nervös bin“, platzt es aus ihr heraus. Oder wenn dich etwas begeistert…

„Mache ich dich nervös?“, frage ich und lasse sie nicht aus den Augen. Ich habe immer noch ein leichtes Schmunzeln im Gesicht, welches ich nicht unterdrücken kann.

„Etwas…“ Sie weicht meinem Blick aus.

„Etwas?“ Ellen sieht sie skeptisch von der Seite an. „Sie hat auf der Fahrt erzählt, dass sie dir etwas sagen will.“ Sie sieht mich etwas grinsend an.

Ich kippe den Rum, der noch in meinem Glas ist, herunter und versuche einen souveränen Eindruck zu machen. Ellen weiß nicht, was Clarke mir bedeutet hat. Immer noch bedeutet?

„Ellen!“  Clarke wird prompt rot.

„Meine Tante kann schon sehr anstrengend werden, wenn sie einen mag. Da ergeben sich schon die ein oder anderen peinlichen Situationen“, versuche ich die Stimmung zu lockern. Ich erinnere mich an viele peinliche Momente, wenn ich irgendein Mädel während meiner normalen Schulzeit mit nach Hause gebracht habe. Ich kämpfe die ganze Zeit damit, normal wie früher mit Clarke zu reden und in meiner Rolle als Heda zu bleiben. „Was wolltest du mir denn sagen?“ Ich höre wie ruhig und fast sanft meine Stimme klingt. Sie spielt nervös an ihrem Glas.

„Ich wollte mich bedanken.“ Ich sehe sie skeptisch an. „Du hast mich damals in der Schule vor Finn Collins beschützt. Ich weiß nicht ob du dich daran erinnerst.“ Jetzt lässt sie mich nicht aus den Augen.

Du hast ja keine Ahnung… „Natürlich erinnere ich mich.“ Das Bild des blutenden und leidenden Jungen taucht in meinem Kopf auf. „Sowas vergisst man nicht so leicht.“ Wir sehen uns wieder in die Augen und der Moment friert ein. Ohne mein bewusstes Zutun hebt sich ein Mundwinkel sanft und ich merke kaum, wie ich sie wärmer ansehe. Ich bin mir nicht sicher, was genau ich mit meinem letzten Satz angesprochen habe. „Er hat bekommen was er verdient. Jetzt würde ich das natürlich anders lösen, aber damals…“ Ich breche den Blickkontakt, als mich ein wohliger Schauer durchfährt. „war ich noch anders.“  

„Natürlich. Aber ich bin dir sehr dankbar. Ich hatte seit dem Kampf damals ja keine Gelegenheit mehr mich bei dir richtig zu bedanken.“ Ein Stich durchbohrt mein Herz. Doch… und es war schön… Scheiße, was ist los mit mir?  „Du warst dann direkt Titus Schülerin und ich.. na ja.. es ist etwas herausfordernd einen Ältesten-Schützling einfach so anzusprechen ohne sie zu kennen und dann bist du auch noch Heda…“ Sie beißt sich auf die Lippe. „Es tut mir leid, wenn ich respektlos…“

„Alles gut. Mach dir bitte nicht so einen Kopf. Ich habe es gerne getan und würde es jederzeit wieder tun“, platzt es fast aus mir heraus. Ich spüre Ellens neugierigen Blick. Sie hat schon mehrfach mitbekommen, dass ich so mit niemandem umgehen würde und strenger darauf achte, richtig angesprochen zu werden. Clarke fährt sich nervös durch die Haare, da fällt mein Blick auf das Armband. Es ist mein Armband. Der Zauber hält also noch. Ohne, dass mir meine Sorge bewusst war, fällt mir ein riesiger Stein vom Herzen.

„Ich werde einmal Titus suchen, ich muss ihn da noch etwas fragen“, sagt Ellen plötzlich und steht auf. „Ihr werdet schon eure Themen finden. Wir sehen uns heute Abend bei dir.“ Und da ist sie auch schon draußen.

Ich schaue ihr sprachlos hinterher. Der Raum fühlt sich plötzlich beengend an. Ich sehe rüber zu Clarke, die auch auf ihrem Sitz etwas hin und her rutscht. Es wird für einige Minuten still. Ich kann nicht sagen, ob es eine angenehme Stille ist, weil es mir unter den Nägeln brennt, mehr über sie zu erfahren. Ich interessiert mich, was für eine Person sie jetzt ist. Welche Interessen sie hat und – der Gedanke tut fast schon weh – ob sie mit jemandem zusammen ist.

„Unterrichtest du Kreativität oder Kunst? Ich weiß gerade nicht mehr genau, wie ihr das Fach genannt habt“, frage ich und sie sieht mich überrascht an.

„Ja, wir haben noch niemand anderen dafür gefunden und es war meine Idee.“

„Kann niemand so gut zeichnen wie du?“ Bevor ich überlegen kann, rutschen mir die Worte aus dem Mund. Du Idiot!

Sie zuckt irritiert zurück. „Ähm.. ja so in etwas. Aber…“

„Kräuterkunde“, beantworte ich ihre nicht gestellte Frage schnell. Ich stehe auf und gieße mir noch etwas ein, damit ich mit irgendetwas beschäftigt bin. „Da hast du immer in den Pausen gezeichnet oder wenn du fertig warst.“ Ich spüre ihren Blick brennend auf meinem Nacken.    

„Ja stimmt… ich dachte nicht, dass du dir so etwas gemerkt hast…“ Wieviel hat Titus in ihrer Erinnerung gelöscht? „Ich wusste nicht, dass dir das aufgefallen ist.“ Sie wird plötzlich rot und sieht mich neugierig an. „Wir haben ja nie wirklich miteinander geredet.“

Ist das dein Scheiß-Ernst Titus? Alles?! Wirklich!? Sogar die normalen Gespräche?! Ich habe ihm doch extra… FUCK „Du erinnerst dich ja offensichtlich auch noch an mich“, will ich kontern, aber es ist ein schwacher Konter, denn sie wird noch röter und antwortet: „Na ja.. du bist Heda.“ Sie sieht mir in die Augen. Ich setzte mich wieder. „Du bist schwer zu vergessen.“

Ich nicke, weiß nicht, was ich darauf erwidern soll. Dich kann ich auch nicht vergessen… „Hat…“ Ich atme einmal tief ein. Sie beobachtet mich die ganze Zeit. Ich glaube, so viel Emotionalität hat seit einer Ewigkeit niemand bei mir gesehen. Ich erschrecke etwas davor, dass es mir so leicht bei ihr fällt und so komplett richtig anfühlt. „Hat dir Collins noch mal wehgetan?“ Ich nippe an meinem Drink, damit sie nicht sieht, dass meine Hände zittern.

Sie schüttelt den Kopf. „Er war nach dem Kampf nicht mehr derselbe. Er hat sich verändert.“ Sie weicht meinem Blick aus.

„Was meinst du?“ Ich stelle fest, wie schwierig es ist auf ein Level an Vertrautheit zu kommen, wenn sich nur eine Person erinnern kann. „Entschuldige, die Frage ist wahrscheinlich zu persönlich.“ Wann habe ich mich das letzte Mal bei jemandem entschuldigt?!

„Nein, ist okay. Er war vor dem Kampf grausam, aber danach hat sich seine ganze Persönlichkeit verändert und nur noch das Gute ist zurückgeblieben. Er hat sich ehrlich bei allen entschuldigt und hat sogar seine kreative Seite entdeckt. Er ist mittlerweile Künstler.“ Sie spielt mit einem Ring an ihrem Finger, der mir jetzt erst auffällt. Ich habe das Gefühl mich übergeben zu müssen.

„So gut also?“, frage ich und deute auf den Ring. Meine Stimme ist härter geworden. Es könnte ein Verlobungsring sein. Mein Herz donnert wieder durch meine Brust und mir wird schlecht. Verlobt mit Finn Collins… Clarke Collins… Mein Magen krampft sich schmerzhaft zusammen.

„Oh Gott nein!“ Sie schüttelt den Kopf. „Das ist nur irgendein Ring!“ Sie schüttelt wieder energischer den Kopf. „Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber Finn und ich waren in einer Beziehung. Vor dem Kampf haben wir uns getrennt, was wahrscheinlich der Grund für seine Taten war. Aber wir sind nicht wieder zusammen gekommen.“

Ich atme erleichtert durch und fange mir dafür einen irritierten Blick ein. „Freut mich, dass er sich gebessert hat.“ Ihr Blick ist durchdringend. Ich verliere mich für einen Moment wieder in ihren wunderschönen blauen Augen.

„Heda?“ Ich wende mich ab. Titus steht in der Tür. „Wir haben noch etwas zu besprechen.“

„Oh Gott, entschuldige.“ Clarke springt auf. „Da lässt mich Ellen einfach hier sitzen und ich nehme dich so in Beschlag. Du hast natürlich hundert bessere Sachen zu tun, als mit mir zu reden. Tut mir wirklich leid.“ Sie kippt ihren Drink runter – ich sehe da hat sie Übung. „Es war mir wirklich eine Ehre und danke für das Gespräch.“ Sie streckt die Hand aus. Ich stehe fließend auf und umfasse ihre Hand. Sie ist warm und weich. Ich schaue ihr dabei in die Augen und spüre dieses vertraue Gefühl. Ein wohliger Schauer durchfährt mich und wie von selbst wird mein Blick wieder weich. Verdammt… Ich erwidere den Druck ihrer Hand. Die Wärme ist so angenehm… Ich spüre, dass ich es vermisst habe. Clarke zu berühren ist nach all den Jahren immer noch etwas ganz anderes als bei anderen Personen. Mein Körper reagiert und der Händedruck reicht mir nicht. Alles in mir will sie in meine Arme schließen.

„Gerne. Eine gute Heimreise“, entgegne ich im professionellen Tonfall, fahre dabei aber sanft fast fremdgesteuert mit meinem Daumen über ihren Handrücke. „Es hat mich gefreut.“

Sie sieht mir noch eine Sekunde zu lange in die Augen, dann löst sie unsere Hände ganz langsam und geht aus dem Büro. Sie wirft mir noch einen kurzen Blick zu, den ich nicht deuten kann, dann ist sie verschwunden. Ich gehe zu meinem Schreibtisch und setzte mich. Titus schweigt. Zum Glück…

„Ich habe mir die Pläne angeschaut.“ Ich beschließe ihn nicht darauf anzusprechen, dass er offensichtlich jeden Kontakt zwischen mir und Clarke aus ihrer Erinnerung gelöscht hat. Ich genieße für einige Sekunden das ruhige, warme Gefühl in mir.

„Warum sind die so zerknickt? Ich hatte extra angewiesen, dass sie in einer Rolle geliefert werden, damit so etwas…“

Ich muss schmunzeln. „Ich war es. War ein Versehen. Auf jeden Fall…“

Wir besprechen die Übernahme von Az Industry noch einige Stunden. Ich versuche mir nicht anmerken zu lassen, dass mich die Begegnung mit Clarke emotional mitgenommen hat. Ich denke immer wieder darüber nach, wie es möglich sein kann, dass ihre Anwesenheit so vertraut ist und sich kaum etwas an meinen Gefühlen für sie geändert hat. Die paar Minuten mit ihr alleine haben eine Ruhe in mir ausgelöst, die ich seit Jahren nicht empfunden habe.

Der Plan steht am Ende. Wir wollen mit Trikru Enterprise die meisten Anteile von Az Industry aufkaufen, damit sie sich gezwungen sehen, mit mir zu reden. Wir werden ein Angebot machen, dass sie nicht ausschlagen können. Sobald wir mit ihnen an einem Tisch sitzen, sollten wir über die Situation der Zirkel reden. Az Industry wird nämlich von einigen Ältesten des Zirkels geführt. Älteste Nia hat in gewisser Weise eine Alleinherrschaft im Az-Zirkel etabliert. Sie davon zu überzeugen sich auf einen Kampf einzulassen und die Macht abzutreten, wird eine Herausforderung, die lebensgefährlich wird.
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