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Last Heda

von Kassalla
GeschichteDrama, Mystery / P18 / FemSlash
Clarke Griffin Finn Collins Jake Griffin Lexa Raven Reyes Titus
19.10.2020
01.01.2021
40
163.282
25
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19.10.2020 2.920
 
„Und du glaubst, das ist eine gute Idee?“
Ich schlüpfe in meinen schwarzen Mantel und schaue zu Michael. „Nein.“ Ich richte meinen Kragen und ziehe die Ärmel gerade. „Ich habe aber keine Wahl. Ich muss hier raus! Ich muss lernen und insbesondere meinen Abschluss machen. Es steht mir ja nicht auf der Nase geschrieben.“
Er seufzt. „Wenn du unbedingt sterben willst…“
Ich schaue ihn resigniert an. „Ich werde nicht im Top darum laufen. Ich werde mir irgendeine Inselbegabung aussuchen und in den anderen Fächern nur durchschnittlich sein. Außerdem habe ich aufgrund des Familienrechtes der Forsyth ein Einzelzimmer mit Bad.“ Ich hebe meine große Reisetasche an und hänge mir meine kleinere Ledertasche um.
„Ja aber deswegen solltest du auch nicht nur durchschnittlich sein. Das kauft dir niemand ab.“ Er schüttelt seinen Kopf. Seine braunen Locken fallen ihm in die Stirn und er wischt sie genervt nach hinten.
„Ich bin doch nur euer Mündel. Das hatten wir doch jetzt schon so oft! Ich gehe. Und ich werde da nicht noch einmal darüber reden. Soll ich noch deutlicher werden?“ Ich funkele ihn an und er senkt geschlagen seinen Blick. Meine Stimme ist kalt und distanziert. Natürlich weiß ich, welches Risiko er und meine Tante eingegangen sind, als sie mich „adoptierten“. Aber sie hatten meinen Eltern einen Blutschwur geschworen. Meine Großtante Ellen war die Tante meiner Mutter. Sie hatte meiner Mutter schwören müssen, mich zu beschützen, wenn meinen Eltern etwas passieren sollte. Leider starben sie nicht mal ein Jahr nach dem Versprechen und ich kam hier her. Besser gesagt, wurde ich hier vor der Außenwelt versteckt, damit die Ältesten – die Anführer unseres Zirkels – nicht erfuhren, dass ich doch noch am Leben bin.
„Ellen wird nicht begeistert sein, wenn sie wiederkommt.“
„Sie muss damit wohl leben, dass ich älter bin und so langsam weiß, wie mächtig ich bin und vor allem, dass ich machen kann, was ich will. Ich kenne das Risiko und werde vorsichtig sein. Keine Sorge.“ Ich gehe zu ihm und ziehe ihn in eine Umarmung. Michael ist schon immer, wie ein Bruder für mich gewesen. Doch auch er ist von dem Blutschwur betroffen. Tante Ellen und die ganze Familie müssten ihr Leben geben, falls ich ihn Gefahr kam. Bin ich zu egoistisch? Ich schüttele meinen Kopf und lasse Michael los.
„Melde dich.“ Er schaut grimmig, aber ich kann sehen, dass er sich ein Lächeln verkneifen muss. Auf dem Gelände der Schule und vor allem in den Klassenräumen waren Handys strengstens untersagt. Niemand wollte ein Video im Internet finden auf dem eine Schülerin schwebt oder ein Hexer etwas in Brand setzt. Doch ich habe meine Mittel und Wege, um das Handy zu verstecken. Mein Vater war ein Direktnachfahre der größten Hexe aller Zeiten. Die Kräfte konnten direkt weitervererbt werden, da sich mein Vater in eine Nachfahrin einer anderen Groß-Hexe verliebt hatte. Groß-Hexer und Hexen wurden gezeichnet durch Male und Zeichnungen auf ihren Körpern. Je mächtiger, desto dunkler und vielfältiger werden diese Zeichen. Viele Nachfahren der Groß-Hexen haben weiße oder braune Male an einer Stelle am Körper. Ein Ring am Oberarm, das Schulterblatt oder eine Glyphe im Nacken. Mein gesamter linker Oberarm und mein Rücken sind gezeichnet mit pechschwarzen Zeichen und Malen. Es sind wunderschöne Schnörkel und Glyphen. Uralte Zeichen. Ich hatte einmal versucht alle Glyphen und Schnörkel auf meinem Körper zu deuten und zu entziffern, aber einige scheinen älter zu sein als die Übersetzungen. Jedoch sind sie einzigartig und könnten sehr leicht von jedem Hexer und jeder Hexe erkannt werden, die sich nur ansatzweise mit den Tätowierungen auseinandergesetzt haben oder auch nur eine Gute Nacht Geschichte von den Groß-Hexen gehört hat. Umso älter ich werde, desto mehr werden diese Zeichen wachsen. Die Zeichen auf meiner Haut sind wie eine Zielscheibe. Meine Eltern wurden vor 9 Jahren ermordet, weil mein Vater zu mächtig geworden ist und sich die Ältesten bedroht gefühlt hatten. Um genauer zu sagen ein bestimmter Ältester. Ich würde niemals sein Gesicht vergessen, als er meine Eltern und mich gefoltert und dann getötet hatte. Ich überlebte seinen Angriff, jedoch nur weil mich mein Vater mit einem Schutzzauber belegt hatte. Ein mächtiger Zauber, der seine Macht mit meiner Macht gekoppelt hatte. Ein komplizierter Zauber, der viel Kraft und Konzentration erforderte. Bei Tante Ellen hatte ich Zeit mich mit vielen Zaubern auseinander zusetzten. Ich verschlang jedes Buch, jede Schrift, umso viel wie möglich zu erfahren und zu lernen. Ich lernte schnell und es viel mir einfach komplizierte Zauber zu verstehen und auszuführen. Aber die Bibliothek meiner Tante hat Grenzen und ich muss mehr lernen, als sie mir beibringen kann.
Ich lehne meinen Kopf an die Scheibe des Zuges und genieße die rhythmische Bewegung. Ich versuche die fast pechschwarzen Augen des Mörders zu vergessen und ziehe die Kapuze weiter über mein Gesicht. Ich beobachte wie Bäume, Häuser und Flüsse an mir vorbeiziehen und ignoriere die beiden anderen in meinem Abteil. Sie wollten ein Gespräch beginnen. Ich ignorierte sie, in dem ich entweder nach draußen oder in mein Buch starrte. Ich hatte mir vor Betreten des Zuges vorgenommen die merkwürdige Außenseiterin zu sein. Als Einzelgängerin wird es einfacher sein, mein Geheimnis zu bewahren und die Ältesten nicht auf mich aufmerksam zu machen. Ich belausche das Gespräch. Es geht um ihre aufgeregten Gefühle endlich Zauber zu erlernen und ihre Inselbegabung zu entdecken. Jeder Hexer und jede Hexe besitzt eine Inselbegabung. Die Begabungen richten sich an die gelehrten Fächer der Schule. Beschwörung, Illusion, Kampf und Kräuterkunde. Ich hatte mich bereits für letzteres entschieden. Ich konnte mich aufgrund meines Blutes entscheiden, in welchem Fach ich wohl am besten sein werde und eine vermeintliche Inselbegabung ausbilden muss. Ich beherrsche eigentlich alle Bereiche. Ob ich wirklich eine Inselbegabung habe, werde ich nie testen können, da die gelehrten Zauber nicht einmal in Ansätzen an meine wahre Macht herankommen. Ich hatte mir den Schulstoff von Micheal angeschaut und bereits angeeignet. Ich habe keine Lust auf den Unterricht oder die ganzen anderen Mitschüler und Mitschülerinnen. Insbesondere die Elite. Hexen und Hexer, die ebenfalls Groß-Hexen als ihre Vorfahren zählen, einen ehrwürdigen Nachnamen besitzen und zum Teil ebenfalls Glyphen tragen. Sie ruhen sich auf ihren kleinen Zeichen und Namen aus und halten sich für etwas Besseres. Michael erzählte mir, dass sie regelmäßig andere herumschubsten, besonders die jüngeren Hexen und Hexer. Ich spannte meinen Kiefer an und hole tief Luft. Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann ist es Ungerechtigkeit und das Ausnutzen der eigenen Macht. Ich weiß, dass ich mich zusammenreißen muss, damit ich mich bloß in nichts einmische. Ich dürfte mich in alles einmischen, dürfte sofort über den Ältesten stehen und meinen wahren Platz einnehmen. Aber bevor ich nicht meine ganze Macht erforscht, mehr Zauber gelernt und den Mörder vor den Ältestenrat gebracht habe, werde ich nichts davon tun können. Die Gründe, um an die Schule zu gehen sind einfach. Zugang zu der größten Bibliothek, die es in vielen Zirkeln gibt und die Möglichkeit mehr über den Mörder meiner Eltern herauszufinden. Tante Ellen weiß nicht, dass ich mich an den Tag erinnere. Sie weiß nicht, dass ich das Gesicht noch genau vor mir sehe und weiß, welcher der Ältesten für den vertuschten Mord verantwortlich ist. Der Mord wurde als Unfall getarnt. Wohl ein Tarnzauber oder eine gute Illusion. Abgesehen von meiner persönlichen Rache erhoffe ich mir natürlich noch mehr lernen zu können und meine Fähigkeiten weiter zu perfektionieren. Außerdem kenne ich mich noch nicht gut in Kräuterkunde und Tränken aus. Etwas, dass Tante Ellen nie beherrschte. Ihre Inselbegabung ist die Beschwörung. Einer der mächtigsten Fähigkeiten. Auch sie trägt ein Zeichen an ihrem Unterarm. Eine hellgraue Glyphe, die kaum größer ist als ein Apfel. Sie hat eine Glyphe und einen bedeutenden Nachnamen. Forsyth. Diesen Namen trage auch ich jetzt. Damit habe ich natürlich Anspruch auf einen Elitenplatz. Diesen werde ich aber ganz bestimmt nicht auskosten. Den einzigen Vorzug den ich mir nehmen werde, wird ein Einzelzimmer sein. Jedoch nur, damit ich nicht mit drei anderen Hexen in einem Zimmer bin und sie einen perfekten Blick auf meine Tattoos werfen können. Die Räume sind alle, ob Einzel- oder Gruppenzimmer sehr modern eingerichtet. Die Schule wird durch Spenden der Eliten-Familien und Schulgeld finanziert. Sie liegt außerhalb jeglicher Zivilisation in den Bergen. Umringt von hohen alten Wäldern und schwerem Gestein. Die Lage wurde bewusst gewählt, da bei lernenden Hexen und Hexern auch mal ein Zauber schief gehen kann. Ein nah gelegener Wasserfall durchdringt stetig die Stille des Waldes. Von fast jedem Fenster der Schule kann man den Wald und die Berge sehen. Es ist ein wunderschöner Ausblick.
Ich lege meine Tasche auf mein Bett und atme tief durch. Ich schaue mich um. Es ist recht einfach eingerichtet. Ein leeres Bücherregal, ein großes Bett mit einem Nachttisch und ein Schreibtisch samt Stuhl sind in dunklem Holz gehalten. Auf dem Boden liegt ein dunkelroter Teppich mit dem Siegel der Schule darauf. Ich gehe die Wände murmelnd ab und belege sie mit einem Zauber, der verhindert, dass Geräusche von außen gehört oder ich in irgendeiner anderen Art und Weise belauscht oder ausspioniert werden kann. Etwas ähnliches tue ich mit den Fenstern. Von außen wird man mich nun entweder am Schreibtisch schreibend, im Bett schlafend oder lesend an unterschiedlichen Stellen im Raum sehen. Natürlich so abwechselnd und unsystematisch, dass niemand diese Illusion durchschauen wird. Ich packe meine Tasche aus. Lege Kleidung in den Wandschrank, Bücher in das Regal und meine Schreibunterlagen auf den Schreibtisch. Ich achte darauf, dass alles seinen festen Platz bekommt. Ich bleibe mitten im Raum stehen, schließe meine Augen und atme tief durch. Ich spüre meinen Puls, meinen Atem und konzentriere mich darauf. Ich versuche mich zu entspannen. So bleibe ich eine Weile stehen, bis ich mir ein schwarzes Hemd mit dem Siegel der Schule auf der Brust anziehe und in die schwarze etwas feinere Hose schlüpfe. Ich bürste mir meine Haare durch, lasse sie über meine rechte Schulter fallen und beschließe zum Abendessen hinunter zu gehen. Ich hatte bereits den ganzen Tag mit niemandem gesprochen und dies hatte sich wohl bereits herumgesprochen, denn in dem Moment als ich den Speisesaal betrete, merke ich neugierige Blicke auf mir. Ich steige mit meinen 19 Jahren in die höheren Klassen ein. Meine Tante hatte den Umstand der späten Einschulung mit einer Krankheit erklärt. Ich setze mich auf einen leeren Platz relativ außerhalb und nehme mir etwas aus den großen Schüssel, die vor mir stehen. Ich beginne schweigend zu essen und ignoriere die Blicke. Irgendwann wird es still und ich hebe meinen Blick zum ersten Mal an diesem Abend. Die Schulleiterin Miss Withehead steht an ihrem Pult und hebt eine Hand.
„Guten Abend meine Hexen und Hexer. Herzlich willkommen zum ersten Mal oder herzlich willkommen zurück. Die Neuankömmlinge haben bereits die Schulregel zugeschickt bekommen und ich gehe davon aus, dass sie sich alle daran halten werden. Ich lese nun die Liste der Neuankömmlinge vor, damit wir wissen, dass wirklich alle den Weg hier hin gefunden und nicht im Walt verloren gegangen sind.“ Leises Gelächter dringt vom anderen Ende des Raumes. Dort ist der Tisch der Eliten, ganz offensichtlich. Ich verdrehe die Augen innerlich. „Sie lachen. Das wäre nicht das erste Mal.“ Sie räuspert sich. „Ich werde nun die Namen vorlesen und würde die betreffenden Schülerinnen und Schüler bitten mit einem lauten, klaren Ja ihre Anwesenheit zu verkünden.“ Sie beginnt und ich lasse mein Gesicht zu einer undurchdringlichen Maske werden. Natürlich hatte Michael das nicht erzählt. Somit konnte nicht unbemerkt bleiben, dass ich nun hier bin. Ich atme tief durch und nehme einen Schluck aus meinem Glas. Miss Withehead geht die Namen in Ruhe durch. Viele hohe Kinder Ja-Rufe hallen durch den Essenssaal. „Und zu meiner persönlichen Freude begrüße ich Alexandria Forsyth an unserer Schule und in der mittleren Oberstufe.“ Na klasse… Ich hebe kurz meine Hand, sage: „Hier.“ Und sie nickt mir zu. Ich kenne Miss Withehead. Tante Ellen ist mit ihr befreundet und sie war einige Male zu Besuch da. Köpfe drehten sich zu mir und einige am Tisch der Elite stehen auf, um einen besseren Blick auf mich zu bekommen. Natürlich wundern sie sich, wieso ich nicht an ihrem Tisch sitze. Ich erwidere ihre Blicke kurz kalt und distanziert, um mich wieder Miss Withehead zuzuwenden. „Ich wünsche Ihnen allen viel Erfolg in diesem Schuljahr.“ Alle klatschen. Ich beende mein Abendessen und will gerade wieder gehen, als jemand neben mir zum stehen kommt.
„Ja?“, frage ich kalt und stehe auf, als er sich kurz räuspert.
„Miss Withehead möchte mit dir reden.“ Der Junge ist wohl so alt wie ich. Er trägt ein Abzeichen an seiner Brust, welches ihn als Schulsprecher ausweißt. „Ich bin Finn.“ Er streckt die Hand aus. Ich nicke nur und gehe an ihm vorbei.
„Guten Abend Miss Withehead“, sage ich ruhig und Miss Withehead hebt den Blick.
„Oh Alexandria, es freut mich so dich zu sehen.“ Sie steht auf und wir treffen uns auf der linken Seite der Tafel. Am Ende des Saales ist ein langer Tisch aufgestellt, an dem die Lehrenden sitzen und alle Hexen und Hexer genau im Blick haben. „Wie geht es Ellen? Ist sie schon von ihrer Reise zurück?“
„Nein, noch nicht. Ich musste aufbrechen, bevor sie zurück gekommen ist. Beste Grüße von Michael.“ Ich lächele höflich und unterdrücke ein Zusammenzucken, als sie mir ihre Hand auf die Schulter legt. Ich mag sie nicht.
„Vielen Dank! Die Grüße darfst du gerne erwidern.“ Ich nicke und will wieder gehen. „Warum hast du dich denn dort hinten hingesetzt? Am Elitentisch ist ein Platz für dich reserviert und ich denke, dass du dort angenehme Gesellschaft in deinem Stand finden wirst.“
„Ich bin zufrieden, wenn ich in Ruhe essen kann.“
„Ach Alexandria. Immer noch die Einzelgängerin was?“ Sie lächelt mich freundlich an. „Dass du den Namen von Ellen annehmen durftest, sollte dir eine unglaubliche Ehre sein. Nicht alle Groß-Familien lassen ihre Mündel die Ehre zukommen, ihre Namen zu tragen.“
„Diese Ehre ist mir bewusst, jedoch denke ich, dass ich an meinem heutigen Platz besser aufgehoben sein werde.“ Ich sehe sie kalt an und versuche meine Körperhaltung nicht zu arrogant oder dominant wirken zu lassen. Das ist wohl noch das Erbe meines Vaters, denke ich innerlich schmunzelnd. Ich kann mich noch genau an seine Körperhaltung erinnern, wenn er diskutierte oder mit anderen sprach, die Unrecht hatten.
„Wie du meinst. Wir können ja später noch einmal darüber reden. Vielleicht lebst du dich ja noch ein und findest ein paar Freunde. Vielleicht auch einen ganz besonderen Freund?!“ Sie zwinkert mir zu. Ich spanne meinen Kiefer leicht an.
„Vielen Dank für das herzliche Willkommen. Ich werde jetzt wieder gehen. Ich wünsche dir noch einen schönen Abend“, sage ich und beende damit das Gespräch. Ich gehe aus dem Saal. Alle starren mich an. Natürlich. Das Gespräch mit Miss Withehead muss vertraut gewirkt haben und, da jeder nun weiß, dass ich eine Forsyth bin, wird es wohl noch schwieriger in Ruhe gelassen zu werden. Beim Rausgehen renne ich in ein Mädchen, dass etwas kleiner ist als ich. Ich entschuldige mich schnell, hebe das Heft auf, welches ihr herunter gefallen ist und gebe es ihr.
„Danke. Tut mir leid. Ich habe dich nicht gesehen“, entgegnet sie und schaut mich aus hell blauen Augen an.
„Schon gut.“ Ich will an ihr vorbei, aber sie hält mich sanft am Arm fest.
„Du bist neu hier oder?“ Ich nicke. „Ich bin Clarke.“  Ich blinzele. Etwas zu fasziniert von ihrer Augenfarbe und ihrer Schönheit. Ihre Stimme ist genauso sanft, wie ihr Blick. „Habe ich dir etwa aus Versehen einen Stummzauber aufgebrummt? Ich habe damit vorhin etwas experimentiert.“
Ich schüttele meinen Kopf. „Ich bin Lexa. Ich muss gehen.“ Ich lasse sie stehen und laufe mit zügigen Schritten zu meinem Zimmer.
Ich nehme mir ein Buch aus dem Schrank und setzte mich auf die breite gepolterte Fensterbank. Ich schlage es auf, kann jedoch die Augen nicht vergessen. Natürlich bin ich unter Menschen gekommen und habe Leute kennen gelernt. Ich bin auf eine normale Schule gegangen und habe dort auch Bekanntschaften gemacht und sogar Freunde und „besondere“ Bekanntschaften, die jedoch keine Ahnung von Hexen oder Hexer haben. Doch solche Augen habe ich noch nie gesehen. Ich spiele nachdenklich an einer Buchseite. Ich atme tief durch, schließe meine Augen und konzentriere mich. Ich hebe eine Hand und lasse eine kleine Lichtkugel erscheinen. Ohne ein Wort wird sie größer und ich lasse sie durch den Raum schweben. Eine Konzentrationsübung, die mich immer beruhigt und mir dabei hilft meine Gedanken zu sortieren. Sie wird blau. Ich lasse die Kugel zähneknirschend langsam verblassen und widme mich wieder meinem Buch. Ich konzentriere mich auf den komplizierten Zauber und reibe die Finger meiner rechten Hand nachdenklich aneinander. Ich verbinde Daumen und Zeigefinger und fokussiere einen Punkt im Raum. Ich beginne die Worte zu sprechen und eine Krähe erscheint noch durchsichtig auf dem Boden. Ich konzentriere mich und atme langsam auf. Die Krähe gewinnt an Substanz, bis sie ihre Flügel einmal ausbreitet und zu mir auf die Fensterbank fliegt.
„Na du?“ Ich streichele ihr über den Kopf. Die Beschwörung ist gelungen. Diese Krähe wird nun meine Augen und Ohren sein können. Ich öffne das Fenster. „Du weißt, was du tun musst.“ Ich hatte ihr das Bild des Mörders eingepflanzt. Sie wollte nun nach ihm suchen. Sie fliegt aus dem Fenster und ich schaue ihr eine Weile hinter her, bis sie nicht mehr sichtbar ist. Ich mache noch einige Übungen. Beschwöre einige Figuren, erschaffe Illusionen und trainiere einige Verteidigungszauber. Irgendwann liege ich auf meinem Bett und starre die Decke an. Ich lasse eine Briese in dem Zimmer aufziehen. Ein leichter Jasminduft breitet sich aus und ich schließe entspannt meine Augen.
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