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Der Ritt in die Berge

von Onlyknow3
GeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Emery Bothwell OC (Own Character) Old Shatterhand Winnetou
18.10.2020
19.11.2020
6
9.576
4
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
22.10.2020 1.192
 
Einige von euch werden eine Gleichheit mit meiner Kurzgeschichte sehen. Das darf euch nicht vom lesen abhalten, da es die Urfassung von der Kurzgeschichte ist. Es war der ausdrücklichen bitte von Monama,
diese auch zu veröffentlichen. Deshalb bin ich echt auf eure Reaktion  gespannt, wie sie euch  gefälllt.

LG
Onlyknow3




Winnetou
Seit Tagen sitze ich nun schon vor dem Grab. Noch immer kann ich es nicht fassen, dass Scharlihs Ahnung sich erfüllt hat. Auch Hatatitla kann sich nicht von seinem Herrn lösen, er leidet und nimmt kaum Nahrung auf. So vergeht Sonne um Sonne. Wie lange mein Vater noch Verständnis für meine Trauer haben wird - ich weiß es nicht. Intschu tschuna wusste allerdings auch nicht, das Scharlih und ich uns nähergekommen waren.
Doch ich muss noch etwas erledigen, bevor ich mich ganz zurückziehe.
Ich hatte Scharlih, so wie er es sich gewünscht hatte, an einem schönen Platz weit weg vom Pueblo und weit weg von anderen Menschen, am Ufer des Pecos begraben. Hier konnte ich allein mit ihm sein, hier hatte ich meine Berge und Scharlih für mich allein. Hier konnte ich meinen Erinnerungen nachhängen.
Und dem, was mir Scharlih auf dem Ritt erzählt hatte, was mir im Kopf herumging.
Scharlih war auf Umwegen wieder im Westen gelandet, durch einen seiner Aufträge, die er manchmal für ein Detektivbüro erledigte. Er hatte beschlossen, hinauf in den Yellowstone Park zu reiten.
Dort oben lebte sein Halbbruder mit seiner Familie, und Scharlih hatte Zeit, denn ein Treffen mit mir war nicht ausgemacht.
Auf seinem Ritt begleiteten ihn ein paar Jäger, die sich zwar an Scharlih orientierten, sich aber sonst für sich hielten. Sie wussten nicht, dass er als Old Shatterhand bekannt war, und das war Scharlih auch ganz recht. Kurz vor dem Lake Mountain trennten sich dann ihre Wege, da Scharlih zu den Schoschonen weiter reiten wollte.
Avat Niha war voller Freude, Scharlih wiederzusehen. Abends beim Essen erfuhr Scharlih dann, dass ich erst am Vortag zu den Meinen an den Pecos aufgebrochen war. Das jedenfalls war mein Plan gewesen, doch es war ganz anders gekommen. Auf dem Weg aus den Bergen heraus trafen wir vier Weiße, die uns von der Gefangennahme eines Bärenjägers mit Namen Bachmann erzählten. So kehrten meine Krieger und ich um und ließen uns an den Ort führen, wo der Überfall stattgefunden hatte.
Scharlih hatte Avat Nihas Angebot, mir einen Boten nachzuschicken, abgelehnt, da er erst seine Verwandten hier oben besuchen wollte und erst später zu den Mescaleros an den Pecos zu reiten gedachte.
Scharlih war zwei Tage bei den Schoschonen geblieben, um sich von dem Ritt etwas zu erholen und brach am dritten Tag mit den ersten Sonnenstrahlen auf. Es war jetzt Ende September, und bis er bei seinem Bruder ankommen würde, wäre es Ende Oktober oder gar Anfang November. Scharlih rechnete sogar damit, dass schon der erste Schnee hier oben lag, weshalb es sogar März werden konnte, ehe er den Ritt zu uns an den Pecos würde antreten können.


So genoss Scharlih den Ritt, die schöne Aussicht von der Höhe hinunter in die Täler, die dichten Wälder. Er hatte es nicht eilig, Scharlih konnte ja nicht ahnen, was geschehen war, und dass er dringend gebraucht wurde. Auch wusste Scharlih nicht, dass er mich hier treffen würde.
So nutzte Scharlih die Zeit, und so entstanden auch einige Bilder, die er mit seinem Schreibstift gezeichnet hatte. Diese Bilder hatte ich mir in den letzten Tagen immer wieder angesehen. Sie zeigten Wasserfälle oder kleinere Quellen oder eben Täler, die er von dort oben gezeichnet hatte.
Dennoch war Scharlih nicht so lange wie gedacht unterwegs zu Mark gewesen, der nicht wie er May hieß, sondern Bachmann. Marks Mutter war verwitwet gewesen und hatte sich allein und das Kind nicht versorgen können. Scharlihs Vater hatte sich ihrer angenommen, so sagte es die Familienchronik.
Plötzlich wurde Scharlihs Aufmerksamkeit auf den Weg vor ihm gelenkt, denn dort sah er von Weitem einige Indianer. Schnell verließ Scharlih den Weg und ließ im Wald zunächst sein Pferd zurück. Dann näherte er sich der Stelle, an der die Indianer lagerten, und nahm nur seine beiden Waffen mit, den Bärentöter und den Stutzen, den er im Anschlag hielt.
Das war der Augenblick, als Scharlih uns begegnete. Dieses unverhoffte Wiedersehen, Scharlih staunte genauso darüber wie ich. Wie freute sich mein Herz, ihn hier so unerwartet zu treffen!
Wir lagen uns in den Armen, wie immer seit wir uns einig geworden waren, und er hauchte mir einen Kuss auf mein Haar, das er so sehr mochte. Ich hatte den Pfiff auch gehört, unser Erkennungszeichen, das wir verabredet hatten, wenn wir uns irgendwo trafen, dennoch zweifelte ich noch daran, ihn tatsächlich gehört zu haben. Erst als Scharlih wirklich unter den Bäumen hervor und auf unser Feuer zu trat, konnte ich glauben, dass er es war.
„Wie kommt unser Weißer Häuptling hier in dieses abgelegene Tal?“, hatte ihn Til Lata aus seiner Überraschung heraus gefragt.
„Was machen meine roten Brüder so weit von den Jagdgründen der Apachen?“, hatte die Gegenfrage gelautet.
„Old Shatterhand wird am Feuer alles erfahren. Schnelles Wiesel wird sein Pferd holen.“
„Ist der Häuptling auch hier?“
Nur ein Nicken. So viel dazu, das er mich überraschen wollte. Überrascht hatte er mich jedoch trotz allem, denn ich hatte nicht gewusst, dass Scharlih zurück und wieder hier war.
So trat Scharlih mit Til Lata in den Wald an unser Feuer, wo ich mit einigen anderen Häuptlingen aus dieser Gegend saß. Mein Blick lag voller Liebe auf ihm, das war vielleicht mehr, als er gedacht hatte.
„Meine roten Brüder werden mir die Störung verzeihen. Tascha Tunga, Roter Büffel und Grauer Bär! Old Shatterhand grüßt seine roten Brüder und freut sich, sie hier so unerwartet zu treffen.“
Scharlih zog mich danach in eine herzliche Umarmung; das Wiedersehen hatte uns doch beide sehr überrascht. Doch nur kurz hielt er mich in den Armen, um mein Ansehen nicht zu zerstören. Niemand sollte die Gefühle, die wir füreinander hegten, sehen.

Was für eine Freude ich spürte, als Scharlih sich nun in unserem Kreis niederließ, denn das sagte mir, dass er erst einmal bei uns bleiben würde. Ich nahm meine Pfeife, brannte sie an und reichte sie zum Willkommen für ihn noch einmal herum. Erst danach wurde weiter gesprochen.
„Was führt meinen Blutsbruder in diese abgelegene Gegend? Hat er etwas Wichtiges zu tun, oder ist er Herr seiner Zeit?“
„Im Augenblick bin ich eher auf dem Weg, um einen Besuch bei Verwandten zu machen, die seit einiger Zeit hier leben. Sonst liegt nichts an, danach wollte ich an den Pecos kommen, um euch dort zu besuchen.“
„Dann hat Old Shatterhand noch nichts davon gehört? Die Ogellallah haben den Bärenjäger Bachmann gefangen, mit seiner ganzen Familie. Winnetou war auf dem Heimweg zum Pecos, als ihn die Nachricht erreichte. Aber was hat mein Bruder, er ist ja ganz blass?“
„Winnetou, seit wann sind sie in Gefangenschaft?“
„Winnetou erfuhr es vor einer Woche!“
„Weiß Winnetou, wohin man sie verschleppt hat?“
„Hinauf zur Opferstätte, wir waren gerade dabei zu beratschlagen, wie wir sie am besten befreien!“
„Lass uns erst mal dahin reiten, und dann entscheiden wir. Es sind noch drei Tage bis zum Hancock Berg, doch das müsste zu schaffen sein!“
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