Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Hope is all you need

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Angela Rizzoli Jane Rizzoli Maura Isles
18.10.2020
18.10.2020
4
4.165
4
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
18.10.2020 1.262
 
Zwei Tage später erhielt sie einen merkwürdigen Anruf aus dem Büro der Chefpathologin des Staates Massachusetts. Ob sie mit ihrem Know-How bei einem komplizierten Fall helfen könne. Natürlich sagte sie sofort zu und machte sich um die Mittagszeit auf den Weg. Bevor sie sich jedoch anmeldete, beschloss sie, ins Polizeicafé zu gehen, aus dem es verführerisch nach Kaffee duftete. Sie hatte noch kaum etwas zu sich genommen und ein Kaffee konnte nie schaden.
An der Theke stand eine Frau, etwa Mitte 30. Sie hatte schulterlanges goldbraunes Haar und war modisch gekleidet. Eben bestellte sie sehr aufwendig einen Kaffee, sehr zur Belustigung einer Frau mit wilder schwarzer Mähne neben ihr sowie der Dame hinter dem Tresen, die mit ihrem Shirt wohl für Ian MacGregor warb. Das halbe Café sah nach einer Wahlwerbeveranstaltung aus.
Hope lauschte der Bestellung schmunzelnd, während sie nähertrat. Die Blonde schien genau zu wissen, wie man einen Kaffee richtig trank. „…und einen Löffel“, schloss sie.
„Kein Rührstäbchen“, meinte die Bedienung schmunzelnd.
Bevor die junge Frau noch etwas erwidern konnte, schaltete sich Hope ein. „Die hinterlassen einen Nachgeschmack“, erklärte sie. Die Frau drehte sich zu ihr um. Sie war dezent geschminkt und hatte ein hübsches, rundes Gesicht mit breiten Wangenknochen und elegant geschwungenen Wimpern. Ihre grünbraunen Augen fixierten sie, starrten sie an. Es lag ein Ausdruck auf ihrem Gesicht, den Hope nicht ganz deuten konnte. Sie fuhr fort: „Die meisten Kaffeerührstäbchen bestehen aus 100% Birkenholz ohne Zusatzstoffe oder Lasur, doch sind die Birkensäfte als bitter bekannt. Daher rührt der leicht unangenehme Nachgeschmack.“
Ihr Gegenüber wirkte nun völlig fassungslos und musterte sie von unten bis oben. Oder irrte sie sich? War sie nur verärgert, dass sie sich in das Gespräch eingemischt hatte? Doch Hope kam nicht dazu, sich weiter Gedanken darüber zu machen, denn nun schaltete sich die dunkelhaarige Frau daneben ein, die sie ebenfalls erstaunt geguckt hatte bei ihren Ausführungen. In ihrem scharf geschnittenen Gesicht blitzten lebhafte dunkle Augen auf, während sie auf sie zutrat und ihr die Hand reichte. „Sie müssen Dr. Hope Martin sein“, erklärte sie, „hallo, ich bin Detective Jane Rizzoli.“
„Ach“, Hope nahm erfreut ihre Hand und schüttelte sie.
„Und ich bin Angela“, die Dame hinter dem Tresen eilte heran und begrüßte sie ebenfalls erstaunlich freudig, „ich bin Janes Mum.“ Warum sie das da so betonte, verstand Hope zwar nicht ganz, aber es erklärte die Vertrautheit der Szene. Als Mutter eines Detectives genoss Angela Rizzoli bestimmt großen Respekt im Präsidium.
„Und das“, stellte Detective Rizzoli nun beinahe mit Stolz in der Stimme vor und legte der Blonden die Hand auf die Schulter, „ist Dr. Maura Isles.“ Diese sah den Detective mit einem seltsamen Blick an und trat dann mit schwer zu deutender Mimik auf sie zu.
Hope glaubte fast, etwas Unsicherheit aufflackern zu sehen, doch sicher täuschte sie sich. „Sehr erfreut“, erklärte sie und lächelte der Chefpathologin zu, während sie ihre Hand schüttelte, „ich fühle mich geehrt, dass Sie meinen Rat suchen.“ Und genau so meinte sie es auch. Als sie in die Augen der Jüngeren sah, fühlte sie eine seltsame Verbindung, so, als würde sie die Kollegin schon ewig kennen. Innerlich schüttelte sie über sich selbst den Kopf. Sie war der Frau doch noch nie zuvor begegnet!
Diese begann nun, ohne Punkt und Komma zu reden. „Ich habe es mit verschiedenen Lösungen versucht: Thetomonoxyn, Glucose,…“, sie redete noch weiter, doch Hope fielen plötzlich die hektischen, roten Flecken auf, die am Hals der Ärztin erschienen.
„Dr. Isles“, unterbrach sie fragend, „ist alles in Ordnung?“
„Warum?“, entgegnete diese, „weil ich viel zu schnell spreche und zu viel? Und weil ich Unsinn rede?“
„Sie zeigen Symptome von Orthikaria“, erklärte Hope.
„Oh, dein armer Hals!“, rief Angela aus und auch der Detective guckte erschrocken. Dr. Isles sah panisch an sich herunter und versuchte, die Flecken mit ihren Händen zu bedecken. „Oh nein!“, jammerte sie, „oh nein!“
„Maura!“, rief Detective Rizzoli.
„Das kommt bestimmt von den… von den Paranüssen“, warf Angela ein.
„Ja“, Detective Rizzoli nahm die Ärztin bei den Armen und sah ihr eindringlich in die Augen, „Dr. Isles! Wie oft müssen wir es Ihnen noch sagen: Finger weg von den Paranüssen!“
Hope beobachtete amüsiert, aber auch irritiert die Szene. Sie hatte das Gefühl, ein Schauspiel zu beobachten, das sie nicht ganz begriff.
„Äh, hätten Sie gern einen Latte Macchiato von zertifiziert biologischen Kaffeebohnen?“, fragte Mrs. Rizzoli hastig.
„Nein…danke sehr“, antwortete Hope nun endgültig überfordert, bevor sie sich Dr. Isles zuwandte, „sehen wir uns doch lieber gleich ihr Opfer an.“
„Und auf mich wartet oben noch sehr viel Arbeit. Ich verschwinde“, erklärte der Detektive mit großen Gesten und eilte davon. Hopes Kollegin sah ihr überfordert und auch irgendwie panisch nach. Jane Rizzoli machte ermutigende Gesten in ihre Richtung.
Hope hätte die Pathologin gar nicht so fahrig eingeschätzt. Irgendetwas schien sie aus der Fassung gebracht zu haben. Doch sie beschloss, das unerwähnt zu lassen. Es ging sie schließlich nichts an. Außerdem machte es die Pathologin auch irgendwie sympathisch. Sie mochte sie immer mehr.
Sie trat auf sie zu und berührte sie am Arm. „Haben Sie zufällig ein Epilab?“, fragte sie. Schließlich mussten sie langsam mal mit der Arbeit beginnen.
Die Pathologin nickte nur stumm und deutete fahrig in Richtung Fahrstuhl. Sie verabschiedeten sich von Angela und machten sich auf den Weg.


Hope verließ einige Stunden später zufrieden das Boston PD. Gemeinsam mit Dr. Isles war es ihr gelungen, die Tote zu identifizieren. Die Kollegin war ihr immer sympathischer geworden, der Eindruck vom Anfang hatte sich nur noch mehr bestätigt, je mehr sie zusammengearbeitet hatten. Die anfängliche Fahrigkeit der Jüngeren war beherrschter, aber freundlicher Professionalität gewichen, als sie in ihrem Reich angekommen waren.
Sie hatten gut miteinander arbeiten können und Hope hatte viel von sich selbst in ihr wiederentdeckt. Sie hatte sich ihr seltsam verbunden gefühlt und sie hatten sich auch privat ein wenig ausgetauscht. Nur am Ende hatte sie seltsam emotional reagiert, als sie es geschafft gehabt hatten, aber Detective Rizzoli und sie hatten das so erklärt, dass die Pathologin auf jeden Durchbruch so reagierte. Damit hatte sie sich zufrieden gegeben. Manchmal, bei besonders heftigen Fällen, bröckelte auch bei der professionellsten Person einmal die Mauer der Professionalität. Das konnte sie, auch durch ihre eigenen Erfahrungen, nur zu gut nachvollziehen.
Nun war sie fast enttäuscht, dass die gemeinsame Arbeit schon vorbei war. Aber sicher ergab sich bald wieder eine Gelegenheit, sich zu unterhalten. Schließlich hatten sie sich privat verabreden wollen.
Und tatsächlich kreuzten sich ihre Wege innerhalb der nächsten Wochen privat noch recht häufig. Sie trafen sich im BD, Maura lud sie und Cailin zu sich zum Essen ein und sie unterhielten sich über ihre Tochter im Polizeicafé.
Hope hatte das Gefühl, endlich eine gute Freundin hier in Boston gefunden zu haben. Auch für Cailin gab es Hoffnung. Ein anonymer Spender hatte sich gefunden. Hope war überglücklich gewesen. Endlich schien es mit ihrem Leben wieder bergauf zu gehen.
Bis zu dem Abend, als die Wahrheit herausgekommen war. Es war kurz nach dem gemeinsamen Essen gewesen. Cailin war abends mit ihrem Wagen spurlos verschwunden gewesen. Also hatte sie in ihrer Sorge ihr Handy getrackt und war mit der Polizei zu dem Ort gefahren, an dem sich ihre Tochter aufhielt. Das war in Mauras Haus gewesen. Und was sie dort erfahren hatte, hatte sie in Schock versetzt. Denn Cailin hatte wütend vor der Älteren gestanden und Maura hatte ihr die schockierende Geschichte erzählt: Sie war Paddy Doyles Tochter. Sie war ihre Tochter. Ihr totgeglaubtes Baby.
Sie war völlig überfordert gewesen. Hatte es nicht glauben wollen. Hatte sie der Lüge bezichtigt und die sichtlich fassungslose Cailin davongezerrt, während Maura weinend zurückgeblieben war.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast