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Hope is all you need

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Angela Rizzoli Jane Rizzoli Maura Isles
18.10.2020
18.10.2020
4
4.165
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18.10.2020 676
 
„Hast du von dem Mafioso gehört, den sie vor ein paar Monaten geschnappt haben?“, wollte Cailin beim Abendessen wissen und tippte auf ihrem Handy herum.
Hope, die ihr eben ein paar Kartoffeln auf den Teller geladen hatte, sah sie mahnend an. „Legst du wenigstens zum Essen mal dein Handy weg?“, mahnte sie und stellte den Teller vor ihr ab. „Nein, hab ich nicht“, beantwortete sie zerstreut die Frage und schöpfte sich selbst, „wie kommst du denn jetzt gerade darauf?“
Ihre Tochter runzelte die Stirn. Sie legte das Handy beiseite und stocherte in den Kartoffeln herum. „Echt nicht? Es war in allen Zeitungen. Wir hatten es heute davon im Unterricht. Das war nur kurz nachdem wir hierher gezogen sind. Den Kerl haben sie wohl schon lange gesucht. Ein Paddy Doyle… Hat wohl die ganzen Docks kontrolliert. Der König der Unterwelt.“
Klirrend fiel Hope die Schöpfkelle aus der Hand. Natürlich hatte sie davon gehört, dass er nach Jahrzehnten der Verfolgungsjagden mit der Polizei endlich geschnappt worden war. Aber nur am Rande. Sie hatte es weit von sich geschoben, wollte nicht an die Vergangenheit erinnert werden. Außerdem waren sie damals mit dem Umzug und mit zahllosen Krankenhausaufhalten seitens Cailin beschäftigt gewesen. Da war keine Zeit für Grübeln über die Vergangenheit gewesen. Doch als Cailin nun davon anfing, kam alles wieder hoch.
„Mom?“, Hope sah auf und bemerkte, wie Cailin sie besorgt musterte, „alles in Ordnung? Du bist ja ganz blass.“
„Ja“, sie zwang sich zu einem Lächeln, „ja, natürlich, mein Schatz. Entschuldige bitte. Ich hab nur… hab nur in meiner Kindheit schon viel von dem Kerl gehört. Er hat hier ziemlich die Straßen kontrolliert. Daher macht einem der Name noch immer Angst. Das ist alles.“
„Hm“, ihre Tochter sah nicht allzu überzeugt aus, beließ es aber dabei, weshalb Hope innerlich erleichtert aufatmete.
„Wie seid ihr denn darauf gekommen?“, fragte sie betont munter und setzte sich ebenfalls, um zu essen zu beginnen.
„Ach, es geht um Prozesse“, erklärte Cailin, „wir hatten es in Politik davon. Und weil der Fall hier große Wellen schlägt, wurde er als Beispiel genommen. Der Kerl war nicht nur der König der Unterwelt, er war wohl auch der unbekannte Vater der Chefpathologin.“
„Ach“, Hope zuckte fast unmerklich zusammen. Er hatte noch eine Tochter bekommen? War er wohl stolz auf sie? Hatte er sie aufwachsen sehen?
„Ja“, Cailin grinste und schob sich einen Bissen in den Mund, „gab wohl ziemlich Klatsch und Tratsch deswegen. Außerdem soll die beste Freundin der Pathologin, die Detective der Mordkommission ist, ihn bei einer verdeckten Ermittlung oder so angeschossen haben. So konnte er verhaftet werden.“
„Das gab bestimmt Ärger“, murmelte Hope.
„Ja, aber hallo!“, Cailin ließ die Gabel sinken, „die hatten wohl ziemlich Zoff deswegen. Hätte ich auch, wenn meine beste Freundin meinen Vater anschießen würde.“
„Naja, aber er war auch ein gesuchter Verbrecher“, gab ihre Mutter zu bedenken, „da hat sie es bestimmt verstanden, dass ihre Freundin so gehandelt hat. Isst du bitte noch was? Du hast doch bestimmt noch Hunger.“
„Ja, ja“, brummelte Cailin, doch sie aß brav weiter.
Hope hingegen brachte kaum einen Bissen hinunter. Zu sehr lag ihr die Erwähnung von Patrick Doyle im Magen. Ob er wohl manchmal noch an sie dachte?
Als Cailin schlief, saß sie mit einem Glas Rotwein auf der Couch und grübelte. Kurz entschlossen holte sie das Tablet und klappte es auf. Sie hatte eben seinen Namen mit dem Zusatz „Verhaftung“ in das Suchfeld eingegeben, als sie den Kopf schüttelte und das Gerät hastig wieder zuklappte. „Nein“, sagte sie laut zu sich selbst, „nein, ich habe damit abgeschlossen. Ich sollte es besser ruhen lassen.“ Energisch legte sie das Tablet außer Reichweite und nahm noch einen Schluck Wein. Dann beschloss sie, vor dem Schlafengehen noch einen Film zu sehen. Während sie die DVD-Sammlung nach einem geeigneten Film durchging, war sie fast stolz auf sich. Sie konnte die Vergangenheit ruhen lassen. Es hatte alles nichts mehr mit ihr zu tun. Sie konnte sich voll und ganz auf die Gegenwart und Zukunft und auf Cailin konzentrieren. Wie sehr sollte sie sich doch täuschen…
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