Ich kann dich nicht verlieren

OneshotAllgemein / P12
Biggi Schwerin Thomas Wächter
18.10.2020
18.10.2020
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Herzrasen. Atemnot. Angst. Diese drei Worte beschrieben Thomas in diesem Moment nahezu perfekt. Biggi war dort unten. Mit einem kleinen Mädchen, einer fast leeren Sauerstoffflasche und jeder Menge Gärgas. "... Wir machens nicht mehr lange!!" Er hörte ihre verzweifelte Stimme, die Panik in ihr. Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen und ein Zittern durchlief ihn." Biggi!! Du darfst jetzt nicht aufgeben hörst du?? Biggi!! ANTWORTE MIR!!!" Er wollte nicht schreien doch es war der einzige Weg, den tobenden Sturm in ihm zu beruhigen. "Rettet das Mädchen... Ich will das so!" Ihre letzten Worte hatten sich tief in sein Gedächtnis gebrannt und quälten ihn. Sie durfte nicht sterben! Er war derjenige mit der unheilbaren Krankheit, seine Tage waren gezählt aber doch nicht ihre!!! Sie war voller Lebensfreude, die jeden ansteckte. Sie war der Sonnenschein der ganzen Basis, ein Herz von Mensch und so unglaublich stark... Sie konnte nicht aufgeben! Das war nicht ihre Art, wieso kämpfte sie nicht? Hilflosigkeit übermannte ihn, wie eine Welle aus eiskaltem Wasser. Sie riss ihn mit sich und verwandelte sein Umfeld in ein graues Etwas, das er nicht mehr wahr nahm. In seinem Kopf hatte nur noch ein Gedanke Platz - Sie mussten Biggi retten, oder sein Leben würde jegliche Farbe für immer verlieren. "Mein Gott das kann nicht sein!!! Wir.... Da muss irgendwie Luft rein!!!", schrie er und sah Mark verzweifelt in die Augen. Thomas war nicht der Typ Mensch, der um Hilfe bettelte, doch in diesem Moment hatte ihn jegliche Kraft verlassen. "OK... Komm!!", hörte er Mark sagen. Die beiden rannten zum Medicopter und schwangen sich auf ihre Sitze. Wieviele Stunden hatte Thomas schon an diesem Steuer verbracht? Ihm kam es vor wie ein ganzes Leben. Er suchte einen Fixpunkt mit den Augen und fand diesen auch schnell. Biggis Medi-Bär. Wenn sie jetzt starb, würde er nie wieder in dieses Cockpit steigen können. Verdammt, er konnte und wollte sie nicht verlieren... Als sie endlich in der Luft und der verdammte Deckel am Windenhaken waren, presste er die Lippen zu einem harten Strich zusammen. Er wusste, dass die Zeit knapp wurde. Ein Rucken ging durch die Maschine, was der erfahrene Pilot aber sofort ausglich. "Ich glaube es hat sich bewegt!!", hörte er Mark sagen. Nickend wiederholte Thomas das Manöver und feuerte seine Maschine an. "Los Baby... Komm... Noch einmal, komm komm komm komm!!!!" Wieder ruckte sein Fluggerät, doch er spürte, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis der Weg zu Biggi frei war. Als er ein letztes Mal an der Winde zog, jubelte Mark laut und Thomas wusste, dass sie es geschafft hatten. "Biggi wir kommen!!", rief er triumphierend und wollte zur Landung ansetzen, als er Mark plötzlich schreien hörte "WEG WEG WEG!!!!!" Sofort ließ er die Maschine zur Seite kippen, im nächsten Moment wurden sie durch eine gewaltige Druckwelle durchgerüttelt. Sein Herz stoppte. Das Gas hatte sich entzündet, eine gewaltige Explosion ließ ganze Teile der Fabrik hoch gehen. "Nein.... Nein nicht so kurz vor dem Ziel!!", dachte er und starrte schockiert nach unten. Das konnten das Mädchen und Biggi niemals überlebt haben... Die Stichflamme, die aus dem Tank geschossen war, wollte kaum aufhören, verebbte jedoch nach einiger Zeit. Er sah wie Peter sich bereit machte nach unten zu steigen und schickte in diesem Moment ein Gebet an alle Götter die er kannte. "Bitte lasst sie überlebt haben.... Für sie ist noch kein Platz da oben, wir brauchen sie hier!", dachte er und suchte einen Landeplatz abseits des Feuers. Als sie wieder Boden unter den Kufen hatten, fuhr er die Turbinen herunter, sprang aus dem Helikopter und rannte zurück zu der Stelle, an der die Feuerwehr Peter abgeseilt hatte. Tausend Gedanken gingen ihm durch den Kopf... Was, wenn Biggi das ganze wirklich nicht überlebt hatte... Wieviel wäre von ihr noch übrig? Konnte er den Anblick einer, ihrer, Leiche vertragen? Würde er jemals mit dem Gedanken leben können, sie nie wieder zu sehen? Wieder zog sich sein Herz zusammen. Sie durfte ihn nicht verlassen... Er war der mit dem Krebs, nicht sie. Er war der, der den Löffel abgeben würde. Nicht sie. Nervös kletterte er auf den Metalltank und starrte in das dunkle Loch. Irgendwo dort unten war sie. Biggi. Sein Sonnenschein, sein Farbkasten des Lebens. Seine beste Freundin, Vertraute, Rettungsanker. Sie war dort unten. "Biggi verdammt.... Ich will nicht an deinem Grab stehen...komm zurück zu uns...", dachte er verzweifelt und fuhr sich durch die Haare. Ein Rumpeln ertönte, er hörte wie Peter etwas sagte.  Plötzlich erschien ein blonder Haarschopf im Rohrende. Sophie. Sie lebte. Das bedeutete....dass Biggi auch noch leben musste!! Das warme Gefühl der Hoffnung machte sich in ihm breit. Peter hatte es geschafft. Er hatte Biggi gerettet! Doch jetzt wurde er noch nervöser. Wieso dauerte das so lange? Hatte die Explosion sie doch erwischt? War sie doch.... Nein. Sie war nicht tot. Oder doch? Chaos begann sich in seinem Körper auszubreiten. Immer wirrer wurden seine Gedanken und gerade als er voller Verzweiflung ihren Namen schreien wollte, erschienen ihre kurzen rot braunen Haare im Tageslicht. Sofort packte er mit an, ihr Körper war schwach, dennoch- sie lebte! "Thomas!" Er hörte die Erleichterung in ihrer Stimme. So schnell er konnte zog er sie in eine Umarmung und sagte das, was ihm durch den Kopf ging:  "Mann mann mann du raubst einem aber auch den letzten Nerv!" In dieser Situation war es vielleicht nicht der beste Spruch, dennoch- Es entsprach der Wahrheit. Als er sie leise lachen hörte, begann alles um ihn herum wieder farbig zu werden. Ohne Zweifel, diese Frau sorgte dafür, dass sein Leben das war, was es war. Und er würde alles daran setzen, diese Frau zu beschützen. Und sei es auch mit seinem Leben....
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