Zwischen Buchseiten und Lets Plays

von Lady0409
KurzgeschichteAllgemein / P12
Paluten
17.10.2020
24.10.2020
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Zwischen Buchseiten und Lets Plays

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Bei einer Autogrammstunde ihres Lieblings-YouTubers Paluten lernt Sophie ihn endlich persönlich kennen. Einige Tage vergehen und plötzlich verändert sich ihr Leben...


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Kapitel 1:
Nachmittags, halb 3 in Sachsen


»Signierstunde mit dem berühmten YouTuber Paluten – am 13. Januar 2021 um 16 Uhr live in ihrer Thalia Buchfiliale im ElbePark Dresden«
Heute war der 13. Januar und ich hatte mein Fellknäul, die erst dreizehn Wochen alte Mercedes, einen Rhodesian Ridgeback-Labrador-Mischling, an der Leine.

In ziemlich großen Lettern  stand die Ankündigung auf einem Aufsteller direkt vor meiner Nase und ich atmete tief durch.
Es war noch eine Stunde bis zur Signierstunde von Palles viertem Buch, das  überraschend vor fünf Tagen erschienen war und das ich heute zu meinem 30. Geburtstag endlich von meiner Mutter geschenkt bekommen hatte.
»Damit kannst du ja zu dieser Signierstunde heute Nachmittag im Einkaufszentrum gehen; vielleicht trällert dir dieser Paluten ein Geburtstagslied vor.«, hatte mir meine Mutter mit einem Augenzwinkern gesagt, als ich das Buch und einen Plüschpaluten aus der großen Geschenktüte auspackte. »Und dann kannst du heute Abend mit deinem Paluten ins Bett gehen.«
„Danke… Ich habe… Ich habe gar nicht mehr daran gedacht, dass ich mir doch eigentlich so einen kleinen Kuschelpaluten zulegen wollte. Jedes Mal vergesse ich das. Weil doch kurz vor Weihnachten alle ausverkauft waren.“ Meine Freude war riesig gewesen, als ich erkannt hatte, dass ich jetzt wirklich mit meinem kleinen Kürbisfreund kuscheln konnte.

Und jetzt stand ich kurz davor, endlich meinen Lieblingsyoutuber zu treffen. Den YouTuber, den ich bereits seit mehr als fünf Jahren regelmäßig schaute und mich jedes Mal freute, wenn endlich wieder ein neues Video in meiner Abobox angezeigt wurde.

Klar, ich war mit meinen seit heute 30 Jahren nicht mehr in dem Alter, in dem manch andere Hardcorefans von Youtubern waren; zumeist Teenager waren da weitaus näher an den YouTubern dran.
Ich freute mich lieber, wenn Paluten mal wieder ein neues Video hochlud oder auf seinem Twitchkanal online ging. Das war nach einem harten Arbeitstag für mich das perfekte Abendprogramm, um abzuschalten.

Heute aber hatte ich mir wegen meinem Geburtstag extra freigenommen und ich konnte das erste Mal den Tage mit meinem Hund richtig genießen.
Ja, ich weiß. Zu Weihnachten sollte man eigentlich keine Tiere verschenken und ich habe es auch nicht geahnt, aber als meine Mutter mit diesem kleinen Knäuel im Arm vor mir stand und mich überraschte, war ich sofort hin und weg.
Mein größter Traum war endlich in Erfüllung gegangen; ich durfte einen Hund mein Eigen nennen. Und dann auch noch meine Lieblingshunderasse.
Nun gut, meine Hündin war keine reinrassige Rhodesian Hündin; die Mutter war eine Labradorhündin in schwarz. Sie sah rundum aus, wie ein Labrador; hatte allerdings diese typischen, in die entgegengesetzte Richtung gerichteten Haare auf dem Rücken, die sie von ihrem Vater, einem reinrassigen Ridgeback, geerbt hatte.

„Gegen Hunde wird Palette sicherlich nichts haben, wenn wir dort zusammen auftauchen. Oder… Oder, was meinst du, Mercy?“, sprach ich mit meiner Hündin, die mich interessiert ansah und kurz bellte.
„Ja, ich weiß, Mercy. Du hast ja Recht, Prinzessin. Ich sollte vielleicht wirklich nicht so oft von ihm reden. … Aber vielleicht gratuliert er mir zum Geburtstag…“, seufzte ich und sah meinen Hund an, während Mercedes neben mir hertrottete und dabei häufig in die Leine biss oder mit meinem Schnürsenkel spielte , wenn wir für ein paar Augenblicke stehen blieben.
„Mercy, komm. Wir haben noch eine andere Aufgabe. … Dein Futter wird alle, wir müssen auch noch einen neuen Ball für dich kaufen, nachdem du deinen Alten hinter die Schrankwand gespielt hast.", lächelte ich und gemeinsam betraten das kleine Fellknäuel an der Leine und ich den Zooladen, wo wir direkt an der Kasse einen anderen Hund sahen.

„Mercedes… Mercy, nein. Du gehst jetzt nicht zu dem anderen Hund. Wir müssen noch einkaufen. … Morgen gehen wir wieder zur Welpenspielstunde; da kannst du dich wieder austoben und auspowern. … Ja, meine Große. Ich weiß, du brauchst das. … Komm weiter.“, bat ich meinen Hund und zog etwas an der Leine, woraufhin Mercy mit einem freudigen Schwanzwedeln zu mir aufsah und kurz bellte.

Ich hatte es mir wirklich schwieriger vorgestellt, mit Mercy durch das Einkaufscenter zu spazieren. Aber trotz ihres noch jungen Alters von wenigen Wochen hatte ich meinen Hund unter Kontrolle.
Vielleicht dachte ich das auch nur und Mercy war auf die Leckerchen in meiner Jackentasche, die sie mit ihrem feinen Näschen natürlich schon lange gerochen hatte, scharf.
Da kam dann natürlich der Labrador in der Kleinen hoch und ich lächelte, während wir durch die Zoohandlung liefen und Mercys Nase nur oben in der Luft hing.

„Mercy, mein Kleines. Wir gehen jetzt zusammen… zu den Leckerchen. Es gibt aber erst später deine Überraschung. Okay.“, versprach ich meinem verspielten Rhodesian Ridgeback-Mischling, die mir artig folgte.
Mit einem liebevollen Blick auf meiner drei Monate alten Hündin Mercedes, die ich meistens nur Mercy nannte, lief ich in der Zoohandlung geradewegs zu den Hundesachen und suchte mir einen Ball aus, den Mercy sicherlich nicht mehr hinter den Schrank kullern könnte.

„Schau mal, Mercy. Hier haben wir einen tollen Ball, hm? Da können wir sogar Leckerchen reinfüllen und dann bist du abgelenkt, wenn wir im Bus sitzen. Du kannst an deinem Ball schlecken und dir ist alles egal, meine Kleine.“
Der  Ball allerdings war meiner Kleinen komplett egal, als ich merkte, wie sich die hellbraune Leine meiner Hündin wieder etwas mehr spannte und Mercy in Lauerstellung ging.

In den Zooladen kam ein großer Berner Sennenhund; wohl schon ausgewachsen. Mercys Rute ging nach oben und sie wedelte freudig zur Begrüßung, während der Sennenhund direkt an ihr vorbei stolzierte und meiner Hündin nur einen verächtlichen Blick zuwarf.

Trotz alledem blieb Mercy während des Einkaufs verdächtig ruhig und entspannt, während ich Leckerchen, einen neuen Ball und eine Schleppleine in den Einkaufskorb packte.
Für das erste Mal mit der Kleinen im Shoppingirrsinn war es wunderbar gelaufen. Das würde heute Abend eine Extraportion Futter geben, wenn wir wieder zu Hause ankamen.

„Mercy. Komm, wir sind fertig. Ich habe sogar zwei große Dosen von deinem Lieblingsfutter mitgenommen. Das dürfte zumindest heute reichen. … Mercy. Wir wollen jetzt gehen.“, rief ich meine Hündin, doch alles in dem Zooladen war neu und unbekannt für die Kleine, sodass sie auch noch nach hinten in den Kleintierbereich zog.

„Mercy! NEIN… Komm, wir gehen nach Hause.“, rief ich meinen Hund und Mercy horchte kurz auf ihren Namen, sah zu mir und zog dann weiter in Richtung Kleintiere. „Mercy, nein… Wir gehen jetzt. … Komm, wir müssen los. Wir haben noch etwas vor.“

„Ah, Sophie… Was machst du denn hier? Wer ist das denn?“ Ein alter Schulkamerad, der für seinen Kater etwas neues Futter eingekauft hatte, am mir entgegen und staunte nicht schlecht, als er meinen Hund an der Leine erblickte.
„Das ist Mercedes; Rhodesian Ridgeback-Labrador-Mischling, dreizehn Wochen alt und seit Weihnachten letztes Jahr mein kleiner Begleiter. … Es war eine Überraschung von meiner Mutter. Eigentlich sollte ich wohl erst zu meinem Geburtstag einen Hund bekommen. Aber dann hat die Züchterin gemeint, dass Mercedes schon früher abgeholt werden soll. Und deswegen ist sie schon zu Weihnachten bei mir eingezogen. Und was soll ich sagen, es ist ein wunderbarer Hund. Ich bin so froh, die Kleine zu haben.“, erzählte ich stolz, als wäre ich Mercys Mutter, von meiner Hündin. „Mercy hat sogar schon einen eigenen Instaaccount. Und mehr Follower, als ich.“

„Aber du hast doch nicht nur deine Mercy neu, wie ich sehe.“ Sein Blick ging zu meinem Bauch und ich streichelte darüber. „Wann ist es denn soweit?“
„Im April… Aber ich bin mit dem Vater nicht mehr zusammen; er hat sich von mir getrennt, als es hieß, dass wir Eltern werden. Aber mit 30 Jahren wird es ja auch langsam Zeit.“, seufzte ich und nahm die Leine von Mercy etwas näher an mich.

„Und was machst du heute noch so? Hast du denn noch Zeit für einen Kaffee? Ich lade dich ein; ist schließlich dein Ehrentag. … Alles Gute zum Geburtstag.“ „Danke dir. … Aber ich würde dann wohl eher einen Kakao nehmen, oder?“ Noch einmal deutete ich auf meinen Bauch, bevor ich die Einladung abwies. „Aber ich wollte eigentlich auch noch zu der Signierstunde von Paluten. Wenn du aber noch ein bisschen Zeit mitbringst, dann könnte ich mir vorstellen, noch einen Kaffee mit dir zu trinken.“, lächelte ich freundlich und ging mit meinem ehemaligen Schulfreund in Richtung des Buchhandels, wo bereits eine ganze Menge an Fans in Reih und Glied standen und auf den Youtuber warteten.
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