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Berlin, Berlin

von uninona
GeschichteDrama / P16
17.10.2020
22.11.2020
8
25.238
3
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
22.11.2020 5.949
 
Und endlich geht es weiter....ich hoffe es gibt keine "Rios" und ich danke allen Lesern und meinen Reviwerinen Schoko und Bad Bunny...
Heute erfährt ihr was mit Charly geschah....Gute Uni

Es dauerte noch fast eine Stunde, bis dieser Rhecht mit einer jungen Frau im Schlepptau erschien. Er hörte sich alles an und berichtete, dass es bis jetzt offenbar bei dem Fall Rita Schulz keine neuen Erkenntnisse gab. Sein Kollege tat das ganze  als Rivalität unter Schaustellern ab, die das den Braunhemden in die Schuhe schieben wollten. Vielleicht, um sich vor Unannehmlichkeiten zu schützen. Er hatte behauptet, das ganze wirke eher wie eine fehlgeschlagene Schutzgelderpressung, ließ die Mitglieder der Berolina und anderer Verbrecherringe  verhören , sowie jeden Schausteller, deren man habhaft werden konnte. Nach Männern in SA Uniform fandete niemand - außer Rhecht, der dafür schon gemaßregelt worden war. Eigentlich hatte Rhecht das nicht ausplaudern dürfen. Aber irgendwie musste er den Leuten ja erklären, warum er sie gebeten hatts, ihn auf dieser, seiner privaten Nummer anzurufen, wenn es Neues in diesem Fall gab.Er hatte genau diese Vorgehensweise erwartet. Die junge Dame stellte er als seine Frau Christina vor, Kriminalanwärterin. Sie sah alle strahend an, zückte mit dem Stenoblock, packte ihn erst einmal zur Seite und ließ sich noch einmal die Dokumente der Anwesenden zeigen, die Rhecht schon vor einem viertel Jahr gesehen hatte. Bis auf die Victorias.


Victor hatte Herzrasen und hoffte, das sah man ihm nicht an. Zumindest schaffte er es, dieser Ehefreu seinen Pass auf den Namen Victoria auszuhändigen. Die notierte alles akribisch und der Kommissar strahlte sie an. " Sie sind also diese Zwillingsschwester des Brüsselers... Victor?...Bernstein... " " Amerikaner! " verbesserte Victoria sie mit phänomenalem Augenaufschlag. Und auf die Frage, wo den besagter Bruder sei, erklärte sie, der wäre arbeiten. Als Nachtportier. In einem vornehmenn Hotel. Leider wüsste sie im Moment nicht, wie das heiße. "Ich habe ein schrecklich schlechtes Gedächtnis und er ist auch ein bisschen böse mit mir, weil ich doch mit dem jungen Herrn Stark,
zusammen bin..." erklärte sie verlegen. Mit Rhechts Reaktion hatte allerdings weder Victoria noch die anderen Anwesenden gerechnet . " Warum gefällt ihm das nicht?Kann es sein, dass er hinter der Entführung steckt?" fragte er. Aber Victoria war empört, schilderte, wie Charly den Nazi erkannt hatte und ihr nahe gelegt hatte zu fliehen und die Polizei zu verständigen. Das habe sie getan. Der Auftritt war oskarreif...und trotzdem die absolute Wahrheit. Bis auf die Aussage zum Aufenthalt ihres Bruders und seiner Meinung zu ihrer Beziehung zu Charly.
. Rhecht bestand allerdings darauf, zu erfahren, warum dem so war. "Er bekommt Ärger mit unseren Eltern. Die würden mich enterben oder schlimmeres, wenn sie wüssten, ich arbeite als Schauspielerin! Darum arbeitet Victor ja auch im Hotel...damit unsere Eltern uns nicht finden. Er könnte jeder Zeit in Vaters Bank anfangen. Aber wir sind Zwillinge , das bedeutet, wir sind enger miteinander verbunden, als andere Geschwister und so ist er mit mir geflohen. Ich sollte den Sohn eines Geschaftspartners ehelichen, Victor eine Tochter aus der Hochfinanz. Dazu hatten wir keine Lust und als wir erbten, sind wir geflohen...." erzählte Victoria anmutig und hoffte, die beiden glaubten ihr. Christina betrachtete sie schon sehr kritisch. .

Leider konnte auch der hilfsbereite Komissar  nichts machen, da niemand wusste, wo die paramilitärisch Gruppe zu finden war. Sonst hätte er umgehend gehandelt, den die SA war seit neustem verboten. Um so erfreuter hörte er , Victoria hatte den Mann gesehen, der Charly bewusstlos geschlagen hatte. Hätte der den nicht erkannt, wäre gar nichts geschehen, wurde Rhecht  mitgeteilt.  Aber Charly war wie zur Salzsäure erstarrt gewesen und hatte geflüstert, das sei der Typ, der ihn angegriffen habe und Frl. Schulz...dann war er verstummt... Das hat der Nazi sicher gehört und sich zum Handeln entschlossen. "Charly sei Kommunist, hat der Mann behauptet...und so haben sie ihn mitgenommen..." endete sie. Die  Ehefrau fragte, ob sie das Braunhemd beschreiben könne - Sie würde versuchen , ihn nach Victorias Beschreibung zu zeichnen. Das geschah und sie sahen, wie das verhasste, gefürchtete Gesicht auf dem Stenoblock entstand. Leise fragte Victoria, ob Rhecht dies seinen Kollegen zeigen würde. Der zuckte mit den Schultern und erklärte, man würde sehen.
Dann verabschiedeten die zwei sich und versprachen, die Augen aufzuhalten. Sie wollten auch in der Verbrecherkartei nachsehen. Sie konnten sich gut vorstellen, dass es auch unter  diesen Braunhemden, die jetzt überall auftauchten und und den Leuten sagen wollten, wie sie sich zu verhalten hätten, vor allem überall eine kommunistische oder jüdische Verschwörung witterten, sicher letztlich auch neben Arbeitslosen und Arbeitern auch Kleinkriminelle in ihren Reihen hatten sowie Polizisten.
Beide warnten davor, sich allein auf die Suche zu machen und so ebenfalls in Gefahr zu geraten. Vor allem
Victoria sah er streng an. "Nicht nur sich selbst gefährden sie. Was, wenn sie den Leuten zu nahe kommen und die ihn umbringen? Oder ...und Sie auch noch in ihre Gewalt bringen? Sie sind ein außergewöhnlich hübsches Mädchen...ich könnte mir vorstellen, dazu fällt diesen für ihre Skrupellosigkeit bekannten Herrn auch etwas ein." Victor konnte sich genau das auch vorstellen -  vor allem aber die Überraschung , die sie dann erlebten. Eine sowohl Victoria, als auch Charly absolut tödliche Überraschung.

Als die beiden Polizisten gegangen waren, stöhnte Lourent erleichtert auf. "Worauf warten wir eigentlich? Und warum wolltest du, dass wir diese Clowns informieren? Hat ja unglaublich viel gebracht..." Er sah von einem zum anderen . "Wer begleitet mich?" fragte er herausfordernd. Alle bis auf Erika erhoben sich.
" Ich....könnt ihr noch einen ganz kleinen Augenblick warten... " sagt Victoria hektisch. "Würde mich gern umziehen gehen. Victor ist bestimmt hilfreicher...!" Der Franzose, der sich schon die ganze Zeit wie glühenden Kohlen sitzend fühlte, machte eine unwillige Bewegung und sagte, er solle sich beeilen. "Je länger er in ihrer Hand ist, des so gefährdet ist sein Leben..."

Victor rannte hinauf in seine kleine Wohnung und zog sich mit zitternden Händen um. Allerdings konnte er sich nicht vorstellen , dass es jetzt noch auf jede Minute ankam. Die SA Gruppe war sicher mit ihrem Opfer schon über alle Berge. Als er wieder in de Küche erschien, legte Peter gerade den Hörer auf die Gabel. "Die Kreisgruppe ist informiert und sucht ebenfalls nach den Nazis..." Das klang nach Ärger. Victor sah schon, wie Horden der Kommunisten und diese entsetzlichen Braunhemden aufeinander trafen und mehr als ein Toter auf dem Pflaster Berlins Strassen zurück blieb. Ohne auch nur eine Spur seines Liebsten gefunden zu haben. ..
Sie brachen auf und als sie in der Kneipe eintrafen, in deren Hinterzimmer sich die Genossen regelmäßig trafen, erwartete man sie. Man wollte zuerst bei den einschlägigen Lokalen nachsehen, so wie es die SA Leute bei  Ihnen getan hatten
als Rio in ihre Hände fiel. Vielleicht konnte man ja einem unvorsichtigen Exemplar dort hin folgen, wo sie den jungen Schauspieler gefangen hielten. Natürlich ließ sich nicht einer dieser Verbrecher  sehen...


Sie hatten ihn unter den Achseln gepackt und zerrten ihn mit sich. Dabei taten sie so, als sei er ein betrunkener Bekannter, auf den sie gutmütig einredeten, den sie freundschaftlich mit Fäusten einknufften. Charlys Herz raste wie verrückt. Er wusste, er würde die Begegnung mit dieser Meute nicht überleben. Weil sie wussten, dass er zu den Kommunisten gehörte. Er wäre nicht der erste, den sie erschlugen.Doch das hatten sie bis jetzt nicht nicht sicher wissen können. Nur die Nähe des bekannten Versammlungsortes deutete vielleicht darauf hin. Eigentlich war er nur ein Junge, der mit seinem Mädchen spazieren gegangen war.. . Damit wäre er durchgekommen. Doch dann konnte er sich plötzlich nicht mehr bewegen, denn vor ihm stand der Nazi, der  durch seine Träume geisterte und ihn beim Überfall auf das Theater mit einem Knüppel bewusstlos geschlagen hatte. Als der junge blonde Hühne plötzlich vor ihm aufgetaucht war, wirkte es  als habe man einen Vorhang zur Seite gezogen. Die Amnesie, die dafür gesorgt hatte, dass er sich  an den Überfall nicht erinnerte und er nur an Hand der Erzählungen ahnte, warum ein verdammter Nazi Nacht für Nacht durch seine Träume geisterte, war Geschichte und er wusste, dass er dem Mann gegenüber stand , der Rita Schulz erschlagen hatte...und um ein Haar auch ihn selbst. Es war, als habe der liebe Gott ihn wie Lots Weib zur Salzsäule erstarren lassen. Natürlich war der Mörder aufmerksam geworden und hatte spontan reagiert. Mit den Worten, da sei ja einer der Kommunisten, hatte er ihm den Arm auf den Rücken gedreht, dass Charly vor Schmerzen auf die Knie gehen musste. Er war so froh, dass Victoria entkommen war. Nicht auszudenken, wenn er diesen Bestien in die Hände gefallen wäre. Sie hätten ihn auf der Stelle zu Tode gefoltert. Dunkel wurde ihm bewusst, die hätten noch einen weiteren Grund gehabt, ihm selbst und Victor  in aller Seelenruhe ganz langsam den Garaus zu machen. Sollte er ihnen jemals in die Arme laufen, wäre das sein sicherer Tod. Er hoffte, das würde nie der Fall sein und Victo(ria )war in Sicherheit.

Sie hatten ihn in ein Auto gestopft  und dann waren vier Leute mit ihm zu einem leeren Fabrikgebäude gefahren . Sie zerrten ihn aus dem Wagen und Trepp auf Trepp ab in einen leeren Raum. Bevor Sie ihn alleine ließen schlug ihm "sein" Braunhemd mit der geballten Faust in den Magen, dass Charly erneut in die Knie ging und sich schlagartig erbrach. Der Mann trat noch einmal mit dem schweren Stiefeln zu. Dann schloss sich die schwere Eisentür und er war allein. So richtig genießen konnte er das nicht. Seine Lunge und sein Zwerchfall streikten. Er lag nach wie vor auf dem Boden, gekrümmt und atemlos. So musste er um jeden Atemzug kämpfen und sein Körper war so sehr damit beschäftigt, dass er nicht einmal mehr Angst hatte. Gerade signalisierte ihm sein Leib, obwohl das wahrscheinlich Quatsch war, es ging ums Überleben. Aber er konnte seinen Kopf nicht dazu bringen, sich mit diese  intellektuelle Wissen zu beruhigen. So setzte dann doch prompt, kaum entspannte sich sein Zwerchfell und er bekam etwas besser Luft, das Herzrasen wieder ein, so laut , dass er wohl nicht einmal gehört hätte, wenn sich Schritte genäherten. Aber vorläufig ließ man ihn offenbar in Ruhe. Irgendwann kroch er in eine Ecke des Raumes, der vielleicht, wie er jetzt sah, zwanzig Quadratmeter groß war. In denen er derzeit allein war. Aber als er sich genauer umsah - was nur dank des kleinen Fensters in vielleicht drei Meter Höhe möglich war - stellte er fest: er war nicht der erste "Gast" in diesem Raum. Es gab Flecken, dunkel, braun, die an Schokolade...oder ...logischer ... an Blut erinnerten. Die er aus seiner Ecke beobachtete und die nicht nur zu wachsen schienen, sondern Geschichten erzählten. Von Menschen, die er in seinen Gedanken schemenhaft sah und die den Schlägern hilflos ausgeliefert gewesen waren.

Mit der Zeit, es wurde dunkel, wieder hell, das Licht wanderte  - doch die Hoffnung, man hatte ihn hier vergessen ließ er nicht zu - verzweifelte er. Auch, weil er dann zwar nicht geschlagen wurde, aber die Aussicht auf verhungern und verdursten auch  nicht besonders erstrebenswert empfand. Aber   noch war er nicht einmal einem Tag in diesem Loch und so ließ sich das nicht vermuten. Vielleicht bekamen die SA Gruppe ja von ihren Vorgesetzten Ärger, weil sie nur einen lausigen Kommunisten aufgegriffen hatten, eine Zeugin entkommen ließen. Aber irgendwann würde jemand kommen und sich "um ihn kümmern" und das wäre sicher nicht seine Entlassung. Sein Magen hatte sich mit der Zeit etwas beruhigt, aber die Tritte hatten wohl nachhaltig innere Schäden verursacht. Zumindest hatte er starke Schmerzen. Vor allem in der Rückengegend....Hunger hatte er nicht, aber Durst. Der würde auch nicht gestillt, wenn seinen Gefangenenwärtern wieder einfiel, da war doch noch was...oder wer... in ihrer Gewalt.

Er musste doch eingeschlafen sein, obwohl er sich bemüht hatte, das zu verhindern. Der Riegel an der Tür wurde geöffnet, das ließ ihn hochschrecken und sich an der Wand hochstemmen. Es fiel ihm schwer, doch es war für ihn eine Frage der Würde, seine Peiniger aufrecht zu empfangen, solange ihm das noch irgendwie möglich war....
Er hob die mit Handschellen gefesselten Hände vor die Augen, denn das Licht blendete ihn.  So sah er die Gesichter der Männer zuerst nicht. Doch die Stimme, die nun sprach, war ihm bestens bekannt. Schlagartig riß er die Augen auf .Aber die bestätigten nur seine akustische Wahrnehmung. Die meisten Männer, die ihn gefangen genommen hatten, drängten hinter einem Mann, vielleicht um die Fünfzig, in der Uniform eines hohen Offiziers. Soweit konnte Charly das beurteilen, vielleicht auch nur an der Art und Weise, wie die anderen SA Männer dem Mann begegneten. "Sturmbannführer, wir haben diesen Schauspieler aufgegriffen. Ganz sicher ein Kommunist....Rottenführer Meyer hat ihn gleich wieder erkannt! Er ist einer der roten Schweine, denen wir damals in diesem Theater klar gemacht haben, was wir von ihrem Programm halten...seine Begleiterin ist uns leider entkommen...."

Der Offizier antwortete nicht. Sein Blick war genauso erstaunt und ungläubig, wie Charlys.Der kannte den Mann und sein Kopf raste nun, ob er das für sich nutzen konnte. Sein Mundwerk war allerdings mal wieder schneller, als sein Gehirn. In dem tausend Alarmlichter aufleuchteten und so signalisierten, wenn er überleben wollte, solltet er besser stumm bleiben...
Gleichzeitig lachte ihn seine Realitätseinschätzung wild aus. Als ob es jemals die Option des Überlebens gegeben hätte. "Herr von Schwarz!" sagte sein Mund, wohl wissend , das war nicht der tatsächliche Name dieses Herren sondern ein Pseudonym, mit dem er sich Ihm und Victo(ria) vorgestellt hatte - und sie nach einigen spendierten Getränken mit in ein Hotel genommen hatte, um mit ihnen beiden seine sadistischen Fantasie auszuleben. Erfreut war er gewesen, als erVictoria Besonderheit begriff. Er hatte sie beide zu sehr geschundenen zurück gelassen, als das sie zwei auch nur  den geringsten Spaß an ihrem Abenteuer gehabt hatten. Nur mit Mühe und mit Hilfe einer Kraftdroschke hatten sie es heim verschafft, beim zu kommen, drei Tage die schlimmsten Wunden gepflegt und sich geschworen, sich nie wieder auf so etwas einzulassen.

Er hatte nichts mehr zu verlieren und konnte nur einen Tod sterben. Also sprach er weiter.
"Lugner vom Roten Hahn kann bestimmt bezeugen, dass du deinen Spaß mit mir  hattest...und ich nicht der einz..." Die Faust traf die Nase, obwohl sie wohl den Mund treffen sollte. Dann erneut den Magen - dieses mal  zielsicher. Wieder klappte Charly keuchend zusammen , erbrach sich ...allerdings  nur Reste von Flüssigkeit....und konnte natürlich nicht weiter reden. "Wo hin ist deine Schlampe verschwunden?" Natürlich war es das, was "von Schwarz" am meisten Interessierte. Charly hoffte mit aller Imbrunst, der Rottenführer Meyer hatte Victor an dem Abend damals nicht im Theater gesehen. Auch so war seine gesamte Familie in Gefahr.

Gerade als er sich das nur all zu bildlich vergegenwärtigte, während er sich keuchend am Boden wandt, packte der Sturmbannführer ihn an den Haaren und zog ihn so weit hoch, dass er ihm ins Ohr raunen konnte, wenn ihm sein Leben lieb sei, sollte er besser das Maul halten. Er ließ den Kopf wieder fallen und brüllte laut beinahe die selben  Worte, die er eben geflüstert hatte. "Hab ich dich gefragt? Du sprichst gefälligst nur, wenn ich es dir erlaube. Hab ich es dir erlaubt? " Kurz fühlte Charly sich trotz seines angeschlagenen Zustand - auch -, in die Situation in dem  Hotelzimmer des Grauens zurück versetzt. Genau so hatte "Herr von Schwarz" ihn und Victor behandelt, mit ihm gesprochen. Nur war das, was gerade geschah nicht erotisch anregend, sondern lebensbedrohlich. Sollte er sich aufgeben? Und dann? Sie würden ihn nicht schneller töten, wenn er kampflos aufgab... Nur wenn er darauf beharrte, es so gut er konnte heraus brüllte, was er nicht sagen sollte, war ihm mit viel Glück ein schnellerer Tod sicher. Hoffte er und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

Natürlich wurde sein Kopf umgehen auf den Betonfußboden des Raumes gedonnert. Ein mal, zwei mal, drei mal... "Stumbannführer, so bekommen wir den Aufenthaltsort von dieser zweiten Person, diesem Mädchens nie heraus! Wer weiß, wer mit der alles ....wem sie so...begegnet...Sie wissen schon was ich meine...." Der Blick des Offiziers, der Charly erneut an den Haaren hoch gezogen hatte, zeigte, das war eine Vorstellung, die ihm so gar nicht behagte. Bevor sie aus diesem schwule Stück Scheiße nicht den Aufenthaltsort des Hermaphoditen heraus geprügelt hatten, konnte der Sturmbannführer das Bündel Mensch nicht umbringen...Dann, wenn er diesen Ort hatte, musste er selbst los ziehen und dieses ...Ding...ausschalten! Das sollte allerdings schnell passieren!  Das verriet er jedoch seinen Männern nicht. Wieder ließ er den Kopf hart auf den Boden fallen. "Ausziehen! Dann peinlichst befragen! Und durchsuchen...Wer weiß, was der so insgeheim mit sich herum schleppt!" Er drehte sich um, ging aber nicht, sondern lehnte sich gegen den Türrahmen. Auch wenn dieses delikate Geschöpfe - eines von zweien, mit denen er in der letzten Zeit sehr viel Freude gehabt hatte - sozusagen schon tod war, konnte er es doch genießen, zuzusehen oder auch ein bisschen selbst Hand  anlegen ... Welch nette Idee.

Jetzt erfuhr Charly auch,  wozu die beiden Ringe  an der rückseitigen Wand angebracht worden waren. Mit einer zweiten Handschelle wurden seine beiden Handgelenke daran gefesselt, so dass er nun nackt vor seinem Peinigern stand und der Offizier durchsuchte ihn tatsächlich persönlich anal...so schmerzhaft wie es nur möglich war. Er ließ von ihm ab, sagte dann etwas von Nielpferdpeitsche. Ein eilfertiger SA Anwärter verließ im Laufschritt den Raum, kam kurze Zeit mit genau so einem Ding zuruck, reichte es dem Sturmbannführer und trat zurück. Wäre Charly zu klaren Gedanken fähig gewesen, hätte er gewusst, er war nicht der erste Gefangene, dem hier so eine Behandlung zuteil wurde. Wahrscheinlich wäre es ihm egal gewesen. Auch wenn man schnellere Tode sterben konnte und diese Männer alles versuchen würden, ihn zu zwingen, Victorias Aufenthaltsort preis zu geben.

Die Schläge machten den jungen Schauspieler seltsam wach, fast euphorisch. Er hörte sich vor Schmerz geschrien. Da er sich sicher war, sowieso zu sterben, sprach er nun, nachdem der braune Offizier ihm zehn Schläge  verabreicht hatte und stoppte, um ihm zumindest theoretisch die Möglichkeit einer Antwort zu gewähren - nämlich ihm Victo(arias )Aufenthaltsort zu verraten. Das tat er nicht, obwohl ihm die Haut in Fetzten vom Oberkörper hing. Es fiel ihm schwer, überhaupt zu sprechen. "Eurer Offizier..." keuchte er "Ist ein 175ziger und hat mich in dem Hotel Lugner, dem Roten Hahn vergewaltigt!" Der nächste Hieb sollte wohl über sein Gesicht gehen, wurde  allerdings nicht mit ganzer Kraft und unsicher geführt.  Offenbar zitterte dem Sturmbannführer  die Hand...der mit Knoten versetzte Lederriemen, der "Schlag" riß Charlys Kopfhaut kurz über der dem Haaranastz auf und Blut lief ihm in die Augen und übers Gesicht. Natürlich versuchte der  SA Offizier  mit  den harschen Worten, klarzustellen, dieser offenbar schwule Kommunist mache einen letzten Versuch, ihn zu diskreditieren und so die Rotte  zu beeinflussen. "Du perverses Schwein!" brüllte er und Schwang erneut die Peitsche. "Dir wird niemand solch einen Schwachsinn glauben, Puppenjunge! " Jetzt war da von Seiten des Sturmbannführers kein Genuss mehr an seinem Tun , sondern nur noch blinde Wut.
Seine Männer standen zuerst verwirrt hinter ihrem Vorgesetzten. Was sollten Sie glauben? Eigentlich log dieser schmale junge Mann doch sicher, wenn er das Maul aufmachte! Er sagte das doch nur, um den Sturmbannführer zu diskreditieren! Oder? War er verrückt geworden? Und warum lachte ihr Offizier nicht über die aus der Luft begriffenen Vorwürfe...eines dem Tode geweihten Kommunisten? Der Offizier flippte allerdings dermaßen aus, dass seine Leute ins Grübeln kamen. Der gefesselte Junge mit der fragilen Gestalt, dem weichen Gesicht, den riesigen Augen hatte alles zu verlieren. Sich in sein Schicksal ergeben, hätte ihm  einiges erspart. Wäre da nicht sein aggressiver Angriff...nicht auf die versammelte SA, nicht einmal auf den Mann, der ihn fast im Theater und auch bei der Gefangennahme tot geschlagen hatte. Zielgerichtet behauptete der geschundene Junge, von  dem Sturmbannführer an einschlägigen Orten angesprochen  und später vergewaltigt worden zu. sein. Das der Sturmbannführer ein 175ziger sei....Was wenn er, wenn er die Wahrheit sagte? Wie sollte man sich da verhalten? Dieses Balg kurz und schmerzlos erschlagen und verscharren, wie schon etliche Kommunisten zuvor?
Oder vielleicht gar dafür zu sorgen, dass dieses Bündel Elend am Leben blieb, bis wirklich fest stand, ob ihr Vorgesetzter schwul war. Dann....Rottenführer Meyer ging davon aus, hatten sie erst einmal heraus bekommen, was der Gefangene wirklich wusste,... musste dieser Junge verschwinden. Doch stimmte, was er behauptete, musste auch dieser Offizier ....verschwinden. Was wenn es heraus kam? Es  würde ein unglaublich schlechtes Licht auf ihre Truppe, ja die ganze Organisation werfen... Aber man konnte keinen Offizier der eigenen Truppen einfach verschwinden lassen. Darum musste man dieses blutende Subjekt erst einmal ....oder ganz und gar...am Leben lassen. Als Zeugen gegen Sturmbannführer, als Beweis dessen perversen Neigungen....

Er tauschte einen Blick mit seinem Nebenmann. Sie hatten zwei große Probleme. Den homosexuellen Offizier, der offenbar in einschlägigen Lokalen verkehrte und dort Männer abgeschleppt hatte. Den wollten sie los werden ! Nein sie mussten es! Aber wenn sie diesen Jungen  töteten, war da noch das entkommene Mädchen...und außerdem die tote Schauspielerin im Theater und der junge SAAnwärter, der sie erschlagen hatte, öffentlich, in einem Theater. Nur weil er erkannt worden war, stand man gerade hier in diesem dreckigen Keller. Meyer wünschte, sie hätten diesen Deppen  - Kommunisten hin, Kommunisten her - einfach stehen lassen und wären ihrer Weges gegangen. Sie wären fort gewesen , ehe der Schauspieler wieder bewegungsfähig gewesen wäre. Jetzt war er mehr als besorgt und überlegte, wie er es schaffte, dass Sturmbannführer Rudolf das arme Würstchen in Handschellen nicht in den nächsten Minuten umbrachte....was natürlich aus persönlichen Gründen verständlich war. Natürlich wollte er keinen Zeugen für seine widernatürliche Veranlagung haben. Wäre er schön blöd. Aber wenn der Rottenführer Rudolf damit nicht durchkommen lassen wollte ,musste er jetzt handeln! Er hoffte nur, jeder im.Raum hatte die Anschuldigungen gegen den Sturmbannführer, 175ziger zu sein,  mit bekommen.

Meyers Gedanken wurden unterbrochen. Konnte ihr Opfer Gedanken lesen? Das war ein wenig zu Atem gekommen. Jetzt riß  es die großen Augen, sah mit intensiven blauen Blick auf die Braunhemden. "Euer Offizier hat mich und andere aggressiv angemacht. Ihr werdet viele junge Männer finden, mit denen er verkehrt  hat....die er hart gefickt hat...Er ist ein Heuchler! Der euch allen etwas vormacht! Er sucht sich Männer und tut denen Gewalt an! Der fickt sie! Und zwar sozusagen vor den Augen der Öffentlichkeit!Nur mit viel Glück ist dabei keiner gestorben...in einem Hotelzimmer..! Kann aber jeder Zeit passieren! Wollt ihr das zulassen?" Wieder gingen  Peitschenhiebe auf ihn nieder. Zwischen seinen Schmerzensschreien stieß Charly seine Anschuldigungen hervor, was die Wut des Sturmbannführers weiter anstachelte.
Plötzlich geschah etwas ungewöhnliches. Die Peitschenhiebe hörten auf. Charly versuchte die Augen wieder zu öffnen, die vom Blut verklebt waren. "Schluss jetzt!" donnerte Rottenführer Meyer, nickte seinen Männern zu und entriss dem Sturmbannführer die Peitsche und legte dem Mann ebenfalls Handschellen an. Rudolf alias von Schwarz  protestierte vehement, drohte mit Konsequenzen von oben. "Die werd sehr erfreut sein, wenn sie erfahren du bist den 175ziger! Ich sehe es richtig vor mir...Du müsstest da wohl halb Berlin umbringen, wenn du verhindern willst, dass es sich rum spricht! Glaub mir, wir brauchen das Balg nicht, um zu beweisen was
du bist, perverse Sau! "

Sturmbannführer Rudolf  protestierte aufs Schärfste, Charly hörte ihn in der Ferne herumbrüllen. Der Rottenführer Meyer lauschte hinter diesen Schreien her, dann holte er einen Handschellenschlüssel hervor, löste die Fesseln des jungen Schauspielers, der ,als sein zweites  Handgelenk frei war, hart zu Boden krachte. Das war wohl ein Sturz zu viel gewesen. Denn nun wurde alles dunkel.


Es war kalt unter ihm, hart und alles schmerzte. Er hätte nicht sagen können, welches Körperteil am meisten weh tat. Zwänge man ihm, hätte er sich wohl für den Kopf entschieden. Der dröhnte so sehr, dass Denken fast unmöglich war. Dennoch wurde ihm bewusst, er war nicht mehr in dem Keller, in dem man ihn gefangen gehalten hatte. Sollten sie ihn frei gelassen haben? Warum? Er konnte doch gegen den Mörder Ritas  aussagen und theoretisch auch gegen von Schwarz. Bei letzterem würde er sich hüten. Es reichte ihm, von sich selbst abgelenkt zu haben. Immerhin hatte er erreicht, dass sie von ihm abließen.....Was er durch seine Bewusstlosigkeit bis jetzt nicht so recht hatte genießen können. Haha...genießen...Die Ohnmacht hatte ihm allerdings die Schmerzen erspart, die ihn nun  mit aller Macht schüttelten. Er versuchte , die Augen zu öffnen. Die waren allerdings verklebt...von Blut, erinnerte er sich. Das inzwischen wohl getrocknet war. Er musste hier also hier länger liegen. Auch weil seine Klamotten durchnässt waren. Wo war er und wie war er hier her gekommen?
Mühsam versuchte er  trotzdem, die Lider zu öffnen. Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte es es. Zumindest einen schmalen Spalt. Charly bedauerte es sofort! Als ob  dadurch , dass er nichts sah und seine Umgebung nur an Hand von Geräuschen, Gerüchen und Körperempfindungen wahr genommen hatte, die Realität ausgelöscht wären.
Sein schmerzbrüllender Kopf nahm ihm allerdings jede Illusion und drängte ihm die Erkenntnis auf, er war unglaublich am Arsch. Er steckte in größeren Schwierigkeiten als  selbst in seiner Gefangenschaft im SA Keller.
Kurz hatte er die Augen wieder geschlossen gehabt, schaffte es diesmal sie ein wenig weiter aufzubekommen.
Auch wenn er aus seiner Lage nur einen geringen Ausschnitt seiner Umgebung sehen konnte, reichte dieser, ihm Angstschauer über die Haut zu jagen.
Er sah direkt in die Toten Augen des Mannes, den er bis vor kurzem als Herr von Schwarz gekannt hatte und - wann? - als Sturmbannführer Rudolf im Folterkeller der SA wiedergetroffen hatte. In dessen Bloßstellung er seine einzige Chance gesehen hatte....entweder schnell und ohne größere weiteren Folterungen getötet zu werden....oder aus diesem Keller an einem Stück zu entkommen. Letztere hatte er, das war ihm unmittelbar klar geworden, nur scheinbar erreicht. Nicht nur  Rudolf / von Schwarz lag tot neben ihm, auch der junge SA Mann, der Rita Schulz erschlug und ihn beinahe auch. Dem er es verdankte, in dem Folterkeller der Sturm Abteilung gelandet zu sein.
Beide Männer waren mit einem präzisen Kopfschuss geradezu hingerichtet worden. Die Tatsache lag offenbar praktischer Weise direkt neben ihm. So weit, so gut. Er trauerte ihrem Tod nicht nach, nein eigentlich hielt er ihn für ziemlich gerecht. Das Problem lag darin, dass er wahrscheinlich mit den Ermordeten hier ausharren musste, bis ihn irgendwer fand.  Wahrscheinlich hatte er nicht einmal die Chance zu erfrieren und er hätte seine Stimme verwettet, man würde seine Fingerabdrücke auf der Waffe finden, die neben ihm lag. Seine Peiniger hatten ihm die Beine gebrochen.... Mit einer Dachlatte, breit und schwer. Die natürlich die Fingerabdrücke entweder des Sturmbannführers oder des Mörders der armen Rita tragen würde. Obwohl zumindest Schwarz/Rudolf es nicht gewesen sein konnte...oder nur nach Zwang von Seiten seiner ehemaligen Kammeraden, die ihm noch Handschellen angelegt hatten, bevor Charly erneut bewusstlos wurde. Innerlich brüllte er alle Flüche,  die er kannte. Er lag auf einer öden Fläche, die entweder eine wilde oder gar offiziell genutzte Müllkippe war. Unrat lag überall und er war froh, dass es nicht Hochsommer war. Er tippte allerdings auf eine wilde Unratabladefläche. Auf der er nur durch ganz großen Zufall gefunden werden würde. Auch wenn keine Minustemperaturen herschten, konnte man auf Dauer doch an Unterkühlung verrecken, wenn man einige Nächte hier ausharren musste. Genauso wahrscheinlich war es allerdings, ähnlich schnell zu verhungern, eher zu verdursten. Dann - spätesten, wenn er sicher tot war, würde dieser Rottenführer Meyer dafür sorgen, dass die drei Leichen gefunden wurden. Ein Mörder und ein Perverser - Charly selbst hatte gesagt, die Taten von von Schwarz waren , wenn man die richtigen Fragen stellte, leicht zu beweisen, so dass jeder wissen würde, was für Subjekte von einem armen, hoffnungsvollen Jungschauspieler getötet worden war, als er an die Waffe des Sturmbannführes gelangt war Oder auch nicht...wahrscheinlich hatte Meyer geplant, es so hinzustellen, als habe es einen Kampf gegeben, an dessen Ende alle drei Beteiligten und Leben kamen. Wie auch immer er es geschafft haben sollte mit zwei gebrochenen Schinenbeinen an die Waffe des Offiziers zu kommen. Aber wen würden solche Kleinigkeiten interessieren? Er würde tot sein und sie könnten alles über ihn behaupten, was ihnen in den Kopf kam, weil er inzwischen in seiner aussichtslosen Lage entweder einfach verreckt wäre oder er, als ihm das klar wurde, seinem Leiden ein Ende setzte. Nicht umsonst lag die Walter pp in seiner Reichweite. Kurz dachte er tatsächlich nach, ob das für ihn eine Option wäre. Einfach aufzugeben war bei dieser Lage verführerisch. Aber die entsetztengeschüttelten Gesichter seiner Familee, vor allem seiner Mutter, aber auch Victo(ria) und Lourent ließen ihn diesen Ausweg umgehend verwerfen. Aber er wusste, er würde umgehend handeln müssen, ehe er doch vor Verzweiflung, Hunger und Durst seinen Vorsatz umstieß.

Das bedeutete, er musste von hier entkommen und zwar ohne sich selbst dann Hilfe organisieren zu können, wenn er diesen menschenfeindlichen, verlassen Ort wie auch immer verlassen hatte. Sonst würde man ihn unweigerlich mit den beiden toten SA Männern in Verbindung bringen. Es bedeutete, man durfte ihn nicht sehen - verletzt und abgerissen wie er war. Eine unlösbare Aufgabe. Seine Verzweiflung übermannte ihn erneut. Das Herz raste, die Luft wurde knapp, die anderen Schmerzen wurden quasi nebensächlich und kurz dachte er, seine Peiniger und Mörder ihrer Kameraden wurden ihr Ziel schneller erreicht, wie sie je hoffen konnte.
Nein! Das kam nicht in Frage!
Je länger er wartete, des so prikärer würde seine Lage. Seine Unterkühlung würde fortschreiten, seine Bewegungsfähigkeit nachlassen, seiner Energie und Moral untergraben.
Mit dem Zipfel seines zerrissenen Hemdschoßes ergriff er die Walter und wischte sie mit dem anderen Schoß ab, bis er sicher war, das Ding war frei von seinen Fingerabdrücken war. Dann ließ er die Waffe wieder fallen. Danach sah er sich gründlich um.

In der Nähe lag die Dachlatte, welche man wohl benutzt hatte, um sie mit voller Kraft gegen seine Schienenbeine zu schlagen. Er konnte nur vermuten, dass war im Liegen geschehen. Oder man hatte ihn aufrecht festgehalten. Das Resultat war sicher das gleiche. Das rechte Bein schmerzte mehr und war definitiv offen gebrochen. Sicher stammte daher das Blut an der Dachlatte. Das andere Bein war zwar geschwollen und voller Blutergüsse. Aber insgesamt schien der Bruch weniger dramatisch zu sein als bei dem Rechten. Wenn er Glück hatte , wurde es ihm tragen. Auch die Schmerzen waren weniger, so hatte er das Gefühl. Er musste es versuchen. Da es nichts als die Tatwaffe in der Nähe gab, worauf er sich stützen konnte, zog er die heran. Er musste es versuchen! Das linke Bein musste ihn einfach tragen! Sonst war er des Todes. Verdursten, Verhungern, Unterkühlung, Entzündung mit Sepis oder das Schafot...das blieb eigentlich egal. Allerdings hätte es ihn schon sehr gestört, wenn man ihn hinrichtete ohne schuldig zu sein.

Mit beiden Händen klammerte er sich den die breite, stabile Latte. Natürlich hätte er die ganze Zeit schreien können. Es kostete ihm viel, es nicht zu tun. Auch das linke Bein sorgte dafür, dass er spätestens, als er sich hochzog, fast erneut das Bewusstsein verlor. Blitze zuckten vor seinem Augen, kurz wurde alles schwarz. Aber es gelang ihm, auf dem Bein zu bleiben. Auf diesem  Bein stehen zu bleiben, war eine Herausforderung. Eine größere noch, dann die Latte nach vorn zu setzen, das Bein nachzuziehen. Da das hundertprozentig gebrochene Bein jedes mal auch den Boden berührte, lernte Charly, die bisherigen Schmerzen waren bis jetzt nur ein Vorgeblänkel. Und er durfte nicht schreien. Dachlatte und linker Fuß standen wieder beieinander. Das half  ein wenig. Als er sich ein bisschen erholt hatte, tat er den ersten "Schritt" Aber er kam vorwärts und es wurde langsam dunkler.  Irgendwann  - es kam ihm vor, als habe es Jahre gedauert - erreichte er das Ende der wilden Mülldeponie. Dass es eine solche war, da wurde er jede Minuten sicherer. Denn das Unratgebiet ging langsam in einen Park oder Wald über. Es müsste ein Grundstück am Rande der Stadt geben. Vielleicht Lichtenberg oder eines der kleinen Dörfer, die in Recordtempo von der Großstadt gefressen wurden.  Allerdings tippte er eher auf den Grunewald. Dort gab es so etwas. Er hatte es selbst gesehen, als er im.Sommer mit Victoria dort "spazieren" gegangen war. Sein privater zweigeschlechtlicher Engel hatte ihn dort, gar nicht weit weg von der wilden Müllhalde zu aufregenden Sachen verführt. Dort hatten sie gehofft, ganz ungestört zu  bleiben. Erfolgreich. Sicher kamen jetzt noch weniger Menschen hier her.
Jetzt war er zu dem Teil des Waldes gekommen, auf dem es Wege gab,   so breit wie eine Strasse. Er hatte das Gefühl, es würde beinahe wieder hell. Er war so erschöpft, dass er glaubte, so kurz vor dem Ziel aufgeben zu müssen.  Noch dazu, weil er sich von diesen Wegen fern halten musste und jetzt bewohnten Gegenden immer näher kam. Dann begann er plötzlich doch an Gott zu glauben. Inzwischen führte wirklich eine Schotterstrasse durch das Gelände. Und an der Stelle, wo der Waldweg auf die Straße traf....stand eine Telefonzelle! Vielleicht die Verbindung zwischen den Wohnhäusern an beiden Enden der Strasse . Noch mochte jedermann schlafen. Mit letzter Kraft wählte Charly erst die Nummer seiner Mutter, dann der Komödie Dell Arte. Keiner nahm ab.

Die Verzweiflung konnte wohl kaum noch größer werden. Wen sollte er jetzt um Hilfe bitten? Die Genossen kamen nicht infrage. Außerdem hatten die wenigsten Telefon. Überhaupt nur einer. Er kannte wenige Telefonbesitzer. Selbst ihres gab es erst seit dem Überfall aufs Theater. So hatte sein phänomenales Gedächtnis nur noch eine weitere weitere Nummer im Kopf. Ausgerechnet die von dem Polizisten, der damals die Untersuchungen geführt hatte. Leider hatte er nun keine Wahl mehr. Entweder er rief da an und unterverwarf sich dessen Genade oder er verreckte hier, wurde von einem Anwohner gefunden und hatte dann automatisch noch schlechtere Karten. Noch einmal versuchte er es daheim. Dann fiel ihm etwas ein, das ihm die hoffnungslose Situation noch mehr verdeutlichte. Seine Mutter hatte sich regelmäßig über das Klingeln aufgeregt und schließlich jeden Abend, wenn sie zu Bett ging, den Hörer abgenommen. Sie wollte von so einem neumodischen Ding nachts nicht gestört werden. Ihrer Meinung nach waren nächtliche Anrufe der Beginn des Untergangs der Menschheit. Also blieb ihm wohl wirklich nur diese letzte Nummer, die er sich damals gemerkt hatte. Die Chance war fifthys - fifthy. Er wählte und es klingelte ewig. Seine Kräfte schienen ihn nun doch endgültig zu verlassen.
Gerade wollte er aufgeben, da nahm jemand ab. Wenn es der Kommissar war, der jetzt auf der anderen Seite war, würde er sicher als Mörder gehandelt und irgendwann hingerichtet. Inzwischen war es ihm ziemlich egal...

"Christina  Rhecht..." hörte er die angenehme Stimme der jungen Kommisarin, die  ihren Mann ein mal zu weiteren Befragungeh wegen Rita
begleitet hatte. Genau das hatte Charly gehofft.
" Frau Rhecht, hier ist Charly Stark und ich benötige ihre Hilfe...! " Knapp konnte er noch schildern, warum dem so war und wo er sich befand.
Dann brach er zusammen. Zum Glück war es immer noch so früh, dass niemand Interesse daran hatte, die Telefonzelle aufzusuchen. Er kam wieder zu sich und robbte in die Büsche, die Dachlatte hinter sich her ziehend. Die Kraft sich noch einmal aufzurichten hatte er nicht mehr. Im Dickicht verlor er dann das Bewusstsein erneut.
 
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