It does not do to dwell on dreams and forget to live

GeschichteDrama, Romanze / P16
Lily Potter OC (Own Character) Remus "Moony" Lupin
17.10.2020
19.10.2020
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17.10.2020 1.592
 
Chapter 1 - Don’t Wake Me Up When September Ends

Die schmalen Schultern der jungen Hexe waren gestrafft, der Blick scheinbar nicht zu deuten, während sie an dem Bahnsteig am Gleis 9 ¾ entlang stolzierte. Die gleißende Septembersonne fand ihren Weg durch die Fenster des gerundeten Dachs und tauchte nicht nur den Bahnsteig, sondern auch die leuchtend rote Lok des Hogwarts Express in warmes, strahlendes Licht. Jedes Jahr war der Anblick des Zuges und des von Schülern und Eltern gefluteten Gleises fast schon ein wenig atemberaubend, immer wieder besonders. Wenn sich dicht an dicht Dutzende junge Hexen und Zauberer dort entlang drängten und sie Freunden in die Arme fielen, die sie schon seit Wochen nicht mehr gesehen hatten. Wenn sich Eltern gut gelaunt begrüßten und ehemaligen Mitschülern zu winkten oder die Hand reichten, während sie stolz auf den Anblick ihrer eigenen Sprösslinge schauten. Woanders liefen schon jetzt die ersten Tränen, weil man sich von seinem nun elfjährigen Nachwuchs das allererste Mal verabschieden musste und wo nicht-magischen Eltern die Unsicherheit ins Gesicht geschrieben stand, weil sie kaum (be)greifen konnten was gerade passierte und wohin sie ihre Kinder nun schicken würden. Sie würden fort sein in einer Welt, welche jene Menschen - Muggle - niemals in ihrem Leben vollkommen begreifen würden. Ja, und wer wusste schon ob ihre Kinder es jemals gänzlich begreifen konnten was mit ihnen los war und weshalb sie eben anders waren, als ihre alten Freunde.

Charlotte war nicht anders, niemals gewesen. Viel eher war sie das vollkommene Gegenteil. Aufgewachsen in einer Welt voller Magie war schon seit dem Tag ihrer Geburt der Anspruch an sie, dass auch sie einmal eine Hexe werden würde und das reine Blut in ihren Adern der Familie nur zu mehr Stolz und Ansehen verhalf. Wer würde schon wissen was passiert wäre, wenn sie ihre Eltern - und insbesondere ihren Vater - enttäuscht hätte? Stattdessen war sie stets darum bemüht das genaue Gegenteil zu tun. Charlotte mochte augenscheinlich nicht nur wie die perfekte Ravenclaw, sondern auch die perfekte, reinblütige Tochter wirken. Sie war strebsam, lernte viel und oft. Viele Stunden verbrachte sie über Büchern, war seit ihrem vorletzten Schuljahr nicht nur im Slug-Club, sondern gehörte längst auch zu den Vertrauensschülerinnen und -schülern. Charlotte war so unendlich bemüht darum gut, ja gar stets erfolgreich in dem zu sein was sie tat - jedoch nicht grundlos.

Während sie jetzt gerade in fast schon federleichten Schritten über den Bahnsteig schritt und der Blick aus den eisblauen Augen über manch ein mehr oder weniger bekanntes Gesicht wanderte, da spürte sie das Gewicht der Hand ihres Vaters auf ihrer Schulter. Groß und mächtig, offensichtlich andeutend was er von ihr erwartete, ohne auch nur eine gesprochene Silbe dafür zu brauchen. Charlotte wusste auch, dass einige Blicke auf ihnen lagen, auch wenn sie sich dafür nicht umsehen musste. Richard MacDougal war in ihrer Gesellschaft kein unbekannter Mann, ganz im Gegenteil. Der hochgewachsene, schlanke Mann an dessen Schläfen das Haar allmählich ergraute, war nicht nur durch seinen reinblütigen Namen bekannt, sondern auch durch die Tatsache, dass er als rechte Hand des Zaubereiministers galt. Seit mehreren Jahren arbeitete der MacDougal nun schon im Ministerium und durch harte Arbeit hat seine Karriere einen durchaus steilen Verlauf angenommen. Auch wenn er seine eigentliche, politische Meinung nicht unbedingt so Preis gab, wollte er sich doch selbst nicht im Weg stehen. Während er jedoch erfolgreich war, erwartete er selbiges seit jeher von seinen Kindern und er zögerte nicht wenn es darum ging Charlotte und ihre beiden Brüder in allen Belangen unter Druck zu setzen. Erst im vergangenen Jahr hatte sein ältester Sohn geheiratet, der zweitgeborene sollte im nächsten Jahr folgen und in diesem Sommer hatte er entschieden seine Tochter zu verloben, so dass sie nun in ihrem letzten Schuljahr gar nicht erst auf die Idee kommen würde mit irgendjemand anderem anzubandeln.

Blicke ruhten auf ihnen, als sie an einer der Türen ankamen und Charlotte sich ihrem Vater zuwandte um sich von ihm zu verabschieden. Weniger die Blicke anderer Familien, sondern viel eher jene Blicke ihrer Freunde. Freunde, von denen ihre Eltern nichts ahnten und auch ihre Brüder in der Vergangenheit niemals wirklich etwas mitbekommen haben.
“Wir sehen uns an Weihnachten”, sprach die blonde, schlanke Hexe, während sie sich mit den Fingerspitzen eine Haarsträhne hinter ihr Ohr zurück schob die sich aus der blausilbernen Spange an ihrem Hinterkopf gelöst hatte. “Ich schreibe dir und Mutter.” Die Worte der Siebzehnjährigen waren ruhig, während sie mit beiden Händen die kleine Tasche vor sich festhielt und ein zaghaftes Lächeln ihre Lippen umspielte.
“Wir erwarten dich, wie jedes Jahr. Ich denke Adrian wird dich abholen kommen”, erklärte Richard knapp und mit einer tiefen Stimme die keinerlei Widerspruch duldete. “Denk daran, Charlotte, es ist dein letztes Schuljahr und ich erwarte, dass du dich noch mehr bemühst, als du es in der Vergangenheit getan hast. Verstehst du das?” Ernst war der Blick aus den kalten, grauen Augen die das Mädchen musterten. “Ich möchte nicht, dass du deine schulischen Leistungen jetzt abfallen lässt, nur weil dir eine Ehe in Aussicht steht. Vergiss niemals deinen und meinen Ruf.” Eben jenes war dem MacDougal so wichtig wie das angemessene Verhalten seiner Tochter. Gute Noten, keine Skandale mit Andersblütigen - er duldete so etwas nicht. “Kester wird ein Auge auf dich haben.” Richard trat einen Schritt zurück und Charlotte schluckte ein letztes Mal schwer, senkte den Blick leicht, für andere kaum merklich.
“Ja, Vater.”

Es war keine letzte, liebevolle Verabschiedung gewesen wie man sie sonst zur Genüge am Bahngleis entdecken konnte. Herzliche Umarmungen und liebevolle, aufbauende Worte fanden keinerlei Platz in der Beziehung zwischen Vater und Tochter. Stattdessen nickte Charlotte dem Mann noch einmal zu um ihm zu zeigen, dass sie seine deutlichen Worte verstanden hat und wandte sich schließlich ab. Die schlanken Finger der linken Hand umfassten den Griff am Zug und die Ravenclaw betrat für ein letztes Schuljahr den Hogwarts Express. Als sie nur einen kurzen, letzten Blick zurückwarf, da stellte sie fest, dass ihr Vater schon längst verschwunden war. Vermutlich nicht nur im Getümmel, sondern schon lange vom Gleis fort war und mit seinem Verschwinden löste sich wenigstens ein Teil der Last die auf ihren Schultern lag. Auf einmal wirkte ihre Haltung zumindest ein wenig entspannter und für den Augenblick umspielte ein zartes Schmunzeln ihre Mundwinkel. All die Jahre hatte sich die Fahrt zurück in das Schloss immer wieder wie ein Stück Freiheit angefühlt. Natürlich wusste sie, dass sie niemals gänzlich unbeobachtet sein würde, aber spätestens nachdem ihr zweitältester Bruder vor drei Jahren seinen Abschluss an der Schule für Hexerei und Zauberei absolviert hatte, fühlte sich jeder Schritt den Charlotte machte deutlich freier an. Gleichzeitig war in ihr längst die Sorge entflammt wie es jetzt werden würde wenn Kester ganz genau wusste, dass sie in nicht allzu langer Zeit “Seins” sein würde. Seine Ehefrau und damit, Charlotte wusste ganz genau, dass viele Reinblüter so dachten, sein Eigentum. Zumindest bisher war der Goyle höflich und zuvorkommend gewesen, sie hatten einen großen Teil der vergangenen Ferien miteinander verbracht. Gleichzeitig war sie es jedoch die durch und durch skeptisch war und dem blonden Slytherin nur schwer über den Weg traute. Spüre sie doch seine Blicke und konnte doch nicht ahnen was in seinem Kopf vorging.

Mit deutlich besserer Laune, als noch vor wenigen Minuten am Bahnsteig, hatte sich Charlotte schließlich auf den Weg in das Abteil der Vertrauensschüler und den Schulsprechern. In gleichmäßigem Rhythmus wippte ihr blondes Haar bei jedem Schritt den sie machte und fest hielt sie mit einer Hand ihre Tasche umfasst, als sie schließlich die Abteiltür zur Seite schob und damit öffnete. Ein paar Köpfe drehten sich zu ihr herum, aber nur auf den Gesichtern von drei anderen Schülern bildete sich ein breites Grinsen, welches Charlotte deutlich unauffälliger spiegelte. Es war wie jedes Jahr nach den Ferien - sie war noch ein wenig komisch, ein wenig zu sehr in der Rolle der perfekten Tochter gefangen und es dauerte immer ein wenig das abzuschütteln. Lange hielt sie die Aufmerksamkeit nicht auf sich und so trat sie schließlich auf den Tisch zu, an welchem ein Teil ihrer Freunde saß. Bevor sie allerdings wirklich zum stehen kam fiel ihr die rothaarige Hexe freudestrahlend um den Hals.
“Verstärkung, endlich!”, kicherte sie und automatisch entspannte sich Charlottes Haltung sichtlich. Endlich durfte sie wieder bei den Menschen sein die sie so nahmen wie sie war. Endlich brauchte sie sich nicht mehr verstellen, anders verhalten und eine perfekte Maske tragen. Wenn es nach ihr ging, dann durfte die Zeit so wie sie jetzt war stehenbleiben. Sie war hier glücklich.

Lily Evans und Remus Lupin - zwei ihrer wohl besten Freunde, ihrer engsten Vertrauten. Ihr Vater würde durchdrehen, wenn er mitbekommen würde, dass sie sich nicht an elitäre Reinblüter hielt. Jahrelang hatte die Hexe ganz bewusst noch viel mehr geheim gehalten mit wem sie ihre freie Zeit verbrachte, hatte sie doch zu viel Angst, dass ihre Brüder Wind davon bekamen und am Ende nur das Feuer in ihrem Vater anheizen würden vor welchem sich Charlotte geradezu fürchtete. Sie selbst hatte zwar niemals die Gewalt ihres Vaters zu spüren bekommen, allerdings waren ihre Brüder vor Jahren nicht so umsichtig wie sie gewesen, sondern hatten das Risiko gewagt und das Echo ertragen. Charlotte war sich am Ende ziemlich sicher, dass er mit ihr nicht weniger hart umgehen würde, wenn er heraus bekam, dass sie ihre wenige freie Zeit ausgerechnet an Mugglegeborene und Gryffindors im Allgemeinen verschwendete. Denn auch wenn Richard MacDougal die rechte Hand des Zaubereiministers war, so vertrat er insgeheim doch ganz andere Ansichten, als es der Minister tat. Düstere Geheimnisse, die kaum die hohen Steinmauern des Familienanwesens verließen.
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