Wanderung zum Brocken

von Ka-Sa
GeschichteAbenteuer, Humor / P12
17.10.2020
17.10.2020
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Nach einer Idee von Savonarola, Überarbeitung und Neuverfasst von Karin Jessica Krause

Betreff : Harz, Deutschland
Im Jahre 2020

Es war ein heißer Sommertag an jenem Sonntag gewesen, wobei sicherlich noch der ein oder andere Wetterfrosch bei diesen heißen Temperaturen von guten dreißig Grad noch ins Schwitzen gekommen wäre ! Wie jedes Jahr um diese Jahreszeit, versammelten sich im Harz wieder einmal viele Wanderer, um auf den Brocken zu wandern. Die einen starteten von von der Stadt Schierke, welche besonders für ihr berühmtes Getränk ,,Den Schierker Feuerstein“ bekannt war, andere vom trostlosen Gelände dessen kleiner Bereich ,,Oderbrück“ genannt wurde und für die ganz hartgesottenen Wanderer, die lieber gänzlich die Herausforderung suchten, kamen die Wege von der ,,bunten“ Stadt Wernigerode und das Torfhaus infrage, von wo man auf diesem plattgewalzten Plateau, das Gefühl hatte, das große Ziel, den Brocken schon bestiegen zu können so nah und doch so fern war und es einfach nur eine einzige Berg und Talfahrt für die eigenen Füße war, die womöglich schon auf halber Strecke anfingen würden zu qualmen !

Aber wie dem auch sei, die meisten Parkplätze waren frei und kostenlos. Bis auf den in Schierke wobei man sogleich 5€ für ein Tagesticket löhnen musste, während das Plateau vom Torfhaus für dasselbe Ticket gleich 7€ verlangte.
So erging es auch unseren Hauptcharakteren und zudem noch frisch verliebten Paar, Tim und Jessica. Ein Pärchen wie aus dem Bilderbuch, das extra von der Nordsee hier auf den Weg nach Schierke war, um den sagenumwobenen Brocken zu besteigen. Für beide war es die erste Wanderung überhaupt gewesen und während die 25 jährige Jessica, die bislang nur die nördliche Seenplatte und somit nur Flachland kannte, zuvor noch fleißig dagegen protestieren wollte, kam sie erst gar nicht mehr dazu, denn ihr 35 jähriger Tim war felsenfest davon überzeugt, einmal im Leben nicht nur Berge auf Fotos seiner Eltern anzustarren, sondern sie auch mal live zu sehen !

Leider war der Weg von dem hohen Norden bis hinunter nach Bayern zu den Gletschern viel zu weit, weswegen Tim sich vor dem Urlaub auf diversen Karten schlau gemacht hat und somit seine Wahl, ausgerechnet auf den bescheidenen Harz fiel. Ja er kam sogar auf eine ganz verrückte Idee, wofür ihn Jessica am liebsten den berühmten Vogel gezeigt hätte und glaubt mir, es wäre kein Harzer Roller gewesen ! Noch während Tim konzentriert am Steuer saß und bereits die letzten teils sonnigen, teils schattigen Kurven bis zu ihrem ersten Haltepunkt nach Schierke fuhr, seufzte Jessica beinahe in einer Tour vor sich hin und dachte darüber nach wie Tim sie zu dieser verrückten Wandertour, vor ein paar Wochen, überhaupt überreden konnte, wobei es nicht ausblieb, das seine Worte ihr noch im Gedächtnis nachhallten.
,,Wie wäre es damit, das wir auf dem Brocken Schach spielen ?“
Damals hatten seine blau/grünen Augen in ihrer Stube vor Schalk geglänzt, während Jessica nur ihren Kopf schief gelegt und ihre glasklaren blauen Augen verengt hatte, ehe sie ihm eine gepfefferte Antwort entgegen schmetterte.
,,Du bist doch bescheuert !“

Doch Tim ließ sich davon nicht beeindrucken und kommentierte weiter.
,,Ach komm schon. Wir werden zwar wie die bunten Hunde auffallen, aber es wird Spaß machen !“
Am Ende wusste Jessica nicht wie oft sie dagegen argumentiert hatte und gegen diese Idee rebelliert hatte, aber schlussendlich hatte sie sich von ihren Tim überreden lassen, sich ein Hotel in Wernigerode gebucht und nun waren sie auf dem besten Weg zu diesem Höllentrip. Einige Minuten später trafen sie schließlich in Schierke ein. (Ein Ort indem sich früher am liebsten Fuchs und Elster gute Nacht sagen konnten. ) Tim fuhr das Auto auf den Parkplatz und stellte den Wagen in der linken Reihe ab. Schlussendlich stieg das Paar aus und während Tim zum Automaten sprintete, um die Gebühren zu bezahlen, schaute Jessica zum gegenüberliegenden Bahnhof und stellte mit Erstaunen fest, das dort tatsächlich eine noch in schwarz gehaltene Dampflok stand.
Wie gebannt starrte sie auf dieses Gefährt, selbst als Tim wieder am Auto war, den Parkschein hinter die Windschutzscheibe klemmte und den Kofferraum öffnete, um ihre Rucksäcke raus zu holen. Erst da bemerkte er, das seine sonst so gesprächige Jessica stumm wie ein Fisch neben ihn war und sie eindringlich musterte.
,,Was ist denn ?“
,,Ich wusste gar nicht, das so eine alte Bahn überhaupt noch fährt.“
Unbeeindruckt warf Tim einen kurzen Blick rüber auf diese eiserne Lady, ehe er seine Jessica genervt ansah.
,,Hättest du dich vorher informiert, dann wüsstest du das sie hier eine Legende und nicht mehr wegzudenken ist .“
Wie mechanisch drehte Jessica nun ihren Kopf zu Tim und schaute ihn leicht besorgt an.
,,Aber passt das überhaupt noch in Zeiten des Klimawandels ? Ich meine sie verpestet hier doch die ganze Umwelt !“
Unbekümmert hob Tim seine rechte Hand und winkte ab.
,,Die gehört zum Harz, genauso wie die Hexenverbrennung.“
Keine Sekunde hob daraufhin Jessica ihre ihre Augenbrauen an und sah ihn skeptisch an.
,,Du meinst also, ich wäre eine Hexe ?“
In Windeseile erschien auf Tims Gesicht ein schiefes Lächeln, wobei er zusätzlich noch seine flachen Hände vor seinem Körper anwinkelte und vorsichtig mit seiner Aussage zurück ruderte.
,,Das habe ich nicht gemeint.“
Doch Jessicas Blick entging nichts und nahm sogar noch leicht an Schärfe zu.
,,Aber das hast du gesagt !“

Langsam und so unauffällig wie möglich ließ der 35 Jährige seine Hände an seine Taille sinken und seufzte schwer auf, bevor sein Blick unbewusst auf ihre Schuhe fiel und er große Stielaugen bekam.
,,Sag jetzt nicht du willst mit diesen Turnschuhen wandern gehen ?!“
In binnen Bruchteilen von Sekunden war der Ärger aus Jessicas Gesicht verschwunden, wobei auch ihr Blick kurz zu ihren Schuhen glitt, ehe sie unvermittelt wieder zu ihren Freund sah und unbeeindruckt und locker mit den Schultern zuckte.
,,Wieso denn nicht ? Die sind doch ganz praktisch.“

Gedankenverloren schüttelte Tim nur noch mit dem Kopf, bevor er seine Liebste wieder ernst ansah.
,,Nein sind sie nicht. Du brauchst echte Wanderschuhe, so wie ich !“
Wobei er sie leicht mit einem triumphierenden Grinsen ansah und zusätzlich noch mit der linken Hand auf seinen Rucksack klopfte. In diesem Moment begann Jessica zu schmollen, verschränkte gekonnt ihre Arme und drehte sich leicht hochnäsig von ihm weg.
,,Ich denke ja gar nicht daran !“
Diesmal seufzte Tim genervt von Jessicas sture Art auf, ehe er sich nüchtern seinem eigenen Rucksack widmete, das Band aufzog und seine Snikers gegen ordentliche schwarze Wanderschuhe tauschte. Er wollte gerade seinen Rucksack wieder zuschnüren, als sein Blick auf Jessicas beigen Rucksack fiel, welcher deutlich kleiner als seiner war.
,,Jessica, was ist da drin ?“
Leicht interessiert wandte sie sich wieder ihren Freund zu, der mit dem rechten Daumen auf ihr Gepäckstück zeigte.
,,Nur meine Thermoskanne mit Kaffee.“
Perplex begann Tim sie anzublinzeln.
,,Sonst nichts ? Sag jetzt nicht, das du keine Regenkleidung oder was zu Essen mitgenommen hast ?!“
Unvermittelt gab Jessica ihre verschränkte Haltung auf und zuckte unverständlich mit den Schultern.
,,Warum sollte ich ? Sieht es etwa bei dem strahlend blauen Himmel nach Regen aus ? Und was das Essen betrifft, ich brauche nichts, bis nach oben schaffe ich es auch so !“

Ohne Wiederworte übergab Tim ihr den Rucksack, schnallte sich seinen über die Schultern, setzte sich seinen schwarzen Hut auf, den er neben seinem Gepäckstück schon heute früh vor dem Hotel in Wernigerode zurecht gelegt hatte, warf den Kofferraum zu und schloss ab. Sein letzter Blick galt im Übrigen der Bahn, die schon längst mit einem letzten Pfiff abgefahren war und im stillen dachte er sich. *Ja nicht nur in Wirklichkeit ist der Zug schon längst abgefahren, sondern auch bei Jessica*
Kurz darauf spazierten sie los, überquerten die asphaltierte Straße und bogen in den zunächst ebenen Waldweg mit der Beschilderung zum Brocken ein. Es dauerte nicht lange bis Tim seinen Unmut über ihre Unvernünftigkeit laut kund tat.
,,Wenn du umkippst stehe ich ziemlich blöd da.“  Woraufhin Jessica teils hochnäsig und teils trotzig ihren Kopf beim Gehen hob.
,,Ich kippe nicht um, wie kommst du denn darauf ?“
In diesem Moment schaute er Jessica leicht besorgt an.
,,Ich mache mir eben Sorgen um dich.“
Erneut traf ihn Jessicas scharfer Blick, diesmal von der Seite.
,,Ach auf einmal ? Das ist ja was ganz neues !“
,,Aber ich liebe dich eben, da darf man sich doch Sorgen machen oder nicht ?“

Auf diese Frage schwieg sie und legte sogar noch einen gehörigen Zahn an Geschwindigkeit zu.
Wobei sie in Gedanken nur eins hinzufügte. *Natürlich durfte er das ! *
Kaum hatte Tim wieder zu seiner Jessica aufgeholt, als er auch schon wieder stehen blieb und sich den Rucksack vom Rücken streifte.
,,Was ist los ? Bist du schon müde ?“
Auf ihre belustige Frage, schaute Tim sie herausfordernd an und holte eine Tube aus dem Rucksack.
,,Nein noch lange nicht, aber ich muss mich eincremen oder ich habe einen fetten Sonnenbrand. Im Übrigen würde ich dir das auch empfehlen.“, entgegnete der 35 Jährige ihr, nachdem er noch einmal einen kurzen Blick auf ihren Oberkörper schweifen gelassen hatte, das von einem dunkelgrünen Top geziert war.

Die 25 jährige runzelte im ersten Moment die Stirn und sah ihn dabei zu wie er sich eincremte.
Als er ihr schlussendlich auch die Sonnencreme hinhielt. Jessica seufzte genervt auf. Sie hasste Creme über alles, aber ein weiterer Blick nach vorne auf den vorgezeichneten Pfad, sagten ihr das diese schattigen Zeiten durch die noch halbwegs grünen Tannen nun gänzlich vorbei waren und die heiße Sonne nun das Regime zierten. Wiederstrebens riss sie Tim die Creme aus der Hand und rieb sich mit der Flüssigkeit ein, ehe sie ihm wortlos die Creme erneut überreichte. Tonlos steckte er sie wieder ein und Jessica konnte einen Blick in das Innere seines Gepäcks werfen, indem doch tatsächlich zwei Liter Trinkwasser in Plastikflaschen abgefüllt waren.

,,Wie weit willst du denn wandern Tim ? Etwa bis zum Mars ?“, stichelte sie, woraufhin Tim nur kühl mit den Schultern zuckte, nachdem er den Rucksack wieder zugebunden und über die Schultern geworfen hatte.
,,Ich muss viel Trinken, sonst falle ich um.“, antwortete Tim, wobei sie im ersten Augenblick abwartend mit den Schultern zuckte und mit ihm stumm weiter wanderte, wobei ihnen einige Wanderer sogar entgegen kamen. Doch so kühl wie Jessicas Reaktion auch gewesen war, im Innern machte auch sie sich Sorgen um Tim und je länger sie gingen, desto größer wurde sie und kaum hatten sie beschlossen am Teufelsloch eine Pause einzulegen, platzte ihre Sorge wie ein Wasserfall aus ihr heraus, während sie in der Zwischenzeit ihre Thermoskanne mit Kaffee, die sie zuvor aus ihrem beigen Rucksack zog, verkrampft festhielt, während Tim schweigsam auf der Bank saß.

,,Wieso hast du mir nichts davon gesagt ?“, fragte sie stehend neben ihn auf der Bank.
Verblüfft über ihre besorgten Töne, begann er sie mit großen Augen anzusehen.
,,Was meinst du ?“
,,Na die Sache mit dem Umfallen, das höre ich zum ersten Mal !“
Leicht betrübt schaute er zu Boden und zuckte schließlich unwirsch mit den Schultern.
,,Mein Vater hat die gleichen Probleme.“, wobei er seinen Blick wieder hob und ihr ernüchternd eine Frage stellte.
,,Weißt du eigentlich das Kaffee beim Wandern ungesund ist. Es trocknet dich noch mehr aus.“
Nachdenklich schaute Jessica auf ihre silberfarbene Thermoskanne, ehe sie mit der linken Hand ab winkte.
,,Ach, das sind nur Märchen. Oben gibt es doch eine Gaststätte.“

,,Und was machst du, wenn du jetzt Durst bekommst ?“
Keine Sekunde später, erschien auf Jessicas Gesicht ein breites Grinsen.
,,Kein Problem, hier gibt es ja genug Bäche, die genügen mir.“
Angewidert begann Tim nun das Gespräch weiterzuführen.
,,Du kannst doch nicht einfach aus den Bächen trinken ! Das Wasser ist ungenießbar !“
Leicht protestierend stellte Jessica ihre Flasche ab und sah Tim argwöhnisch an.
,,Wer sagt denn das ? Etwa der liebe Gott ?!“
,,Nein, aber die Leute vom Wasserwerk.“

,,Ach die haben doch alle keine Ahnung. Ich weiß was gut für mich ist !“
In diesem Augenblick musste Tim seinen Unmut durch Jessicas Leichtsinn Luft machen und stand schließlich abrupt auf.
,,Aber das sind geprüfte Leute, die so was studiert haben ! Man sollte auf sie hören !“
Doch die 25 Jährige schüttelte mit dem Kopf.
,,Das zweifle ich an. Wo ist schlussendlich der Beweis dass das Wasser nicht gut ist ?“
Tim schloss noch einmal kurz seine Augen, runzelte mit der Stirn und gab ihr eine sachliche Antwort, ehe er seine Augen wieder öffnete.

,,Das kannst du alles im Netz nachlesen.“
,,Ich glaube dort gar nichts ! Im Internet wird nur gelogen und geschwindelt !“
Tim seufzte genervt auf. Er wusste nur zu gut, wenn sich seine Jessica etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann war es Gesetz ! Allerdings nicht immer, weshalb ihn bei diesem Gedanken ein leichtes Lächeln über den Lippen kam. Das war auch einer der Gründe wieso er damals zu ihr, gegen den Rat seiner Eltern, an die Nordsee gezogen war. Es war ihre Sturheit !
Schließlich ergriff Tim erneut das Wort.
,,Wir sollten weitergehen, wenn wir gegen 12 oben sein wollen.“

,,Du und dein toller Zeitplan, wir haben doch Zeit.“, wobei Jessica noch einmal einen Schluck aus ihrer Kanne trank und Tim dazu ermutigte auch mal einen Schluck Wasser zu trinken, damit er nicht wie Fallobst am Wegesrand liegen würde.
Auf ihre grobe Besorgnis, seufzte er schwer auf, aber er wusste, das sie Recht hatte. Schnell holte er seine Wasserflasche hervor, trank seine ersten 0,5l auf Ex und steckte sie wieder ein, wobei er sogleich den Faden wieder aufrollte.
,,Ich will aber nicht im Dunkeln wieder zurück gehen. Also los Jetzt !“
Leicht genervt seufzte nun auch Jessica auf und steckte ebenfalls ihre Flasche wieder ein, bevor sie nun ebenfalls ihren Rucksack aufsetzte und sie weiter wanderten. Bis ihn Jessica nach einer Weile mit einer Aussage völlig überrumpelte.

,,Ich habe eine Taschenlampe dabei. Du etwa nicht ?“
In Windeseile drehte sich Tim zu ihr um und musterte sie ungläubig.
,,Du hast nichts zu essen dabei, aber eine Taschenlampe ?! Das passt doch so gar nicht zusammen !“
Erneut begann Jessica zu grinsen und mit dem rechten Augen zu zwinkern.
,,Das ist weibliche Logik. Zu Essen bekomme ich oben, aber eine Taschenlampe kriege ich dort nicht. Zudem spiele ich, wie du weißt, selten Schach und daher konnte ich mir halt vorstellen, das es halt länger dauert.“
Kurz darauf begann der Weg steiler zu werden und Tim nahm erneut das Gesprächsthema wieder auf.
,,Ich habe es dir doch beigebracht, deshalb sollten wir eigentlich schnell zum Ende kommen.“
Auf seine versöhnlichen Worte, begann Jessica ihm eine harte Antwort zu geben.

,,Ich will aber eine Revanche und nicht als Verliererin vom Platz gehen !“
Völlig desorientiert und mit großen Augen, als hätte er gerade einen Geist gesehen, schaute er seine Freundin an.
,,Moment mal, du warst am Anfang gegen die Partie und jetzt willst du auch noch ne Revanche ? Was ist los mit dir ?“
,,Nichts, aber wenn dann möchte ich es schon korrekt haben. Außerdem hast du doch gesagt, man soll nicht aufgeben !“
Erneut begann der Weg zum Brocken steiler zu werden, wobei sie nun beinahe über fast jeden Stock und Stein stolperten und dadurch mehrfach zur Pause gezwungen waren und Tim immer wieder dabei seine erste Wasserflasche zückte, die mittlerweile nur noch 0,3 l unterhalb der Wasserkante, beinhaltete.

,,Was für ein Mist.“, brachte Jessica bei der nächsten kleinen Pause nur noch keuchend hervor, die sich die Schweißperlen von der Stirn mit ihrem halb durchgeschwitzten Top abwischte. Wobei sie sichtlich froh war, das ihnen nicht so viele Wanderer begegneten, um ihren kurzzeitig halb nackten Körper zu sehen.
,,Was meinst du ?“, fragte Tim nun sichtlich schwer atmend, der sich mit dem Zipfel seines T-Shirts den Schweiß auf der Stirn abwischte.
,,Ich meine welcher Idiot geht schon bei 30 Grad wandern ? Das ist doch verrückt !“
,,Jessica, das ist doch normal. Andere Leute tun das auch.“, versuchte er sich zu verteidigen und die 25 Jährige ließ sich mit dieser Aussage erst mal abspeisen, wobei Tim ihr den Rest eines Wassers anbot, was sie gierig auf Ex austrank, ehe Tim die nun leere Flasche wieder einsteckte. Dann spazierten sie weiter, bis Jessica ihren Freund erneut eine Frage stellte.
,,Wieso müssen wir uns denn den anderen anpassen ? Eigentlich hätten wir uns ja auch am Strand sonnen können !“

,,Jessica wir wohnen doch schon am Meer und den Brocken sehen wir nicht jeden Tag !“
Kurze Zeit später erreichten sie eine Straße, an deren Rand mehrere Bänke standen. Immer mehr Wanderer kamen ihnen nun entgegen, wobei sich Tim erneut, aber mit einem schweren Plumpser auf die Holzbank fallen ließ und aus seinem Rucksack zwei Brötchen raus zog und Jessica, die sich neben ihn gesellte auch eins anbot. Widerwillig nahm sie es, bedankte sich kurz und biss ab, ehe sie erneut Tim ansah, der gierig und herzhaft in das seine biss. Als hätte er es mit einem Wolf erkämpfen müssen und es siegreich errungen. Was Jessica erneut, aber amüsierend zum Grinsen brachte.

,,Du scheinst ja auf alles vorbereitet zu sein.“
Abrupt hielt Tim inne, schluckte seinen Bissen runter und schaute sie lässig an, ehe er cool mit den Schultern zuckte.
,,Ich mache mir nun mal gerne Pläne und plane dann zwei Schritte im Voraus.“
,,Gilt das auch für unsere Beziehung ?“, fragte sie nun spitz. In diesem Moment schaute er sie nur peinlich gerührt an, ehe er seinen Blick geradeaus auf die anderen vorbeigehenden Wanderer richtete und fieberhaft nach einer Antwort suchte. Bis er mit einem zufriedenen Lächeln wieder zu Jessica sah und ihr eine Gegenfrage stellte.
,,Und wenn es so wäre ?“

,,Dann möchte ich die Pläne wissen, denn schließlich ist das auch meine Zukunft !“
In diesem Moment packte Tim sein Brötchen weg, stand auf, streifte sich den Rucksack wieder über die Schultern und ging wortlos ohne sie weiter, was dazu führte, das Jessica beleidigt das Gesicht verzog, ebenfalls ihr Brötchen wegpackte und Tim im Eiltempo wieder einholte und das abgesprochene Gespräch noch mal begann.
,,Ich möchte aber schon eine Antwort bezüglich dieses Themas wissen. Immerhin ist es mir sehr wichtig !“
Tim begann erneut zu seufzen und schließlich begann er zu antworten.
,,Wenn du es genau wissen willst, dann möchte ich dich heiraten und vier Kinder mit dir haben.“
Kurz darauf blieb sie unschlüssig mit offenen Mund stehen, was Tim dazu veranlasste sich mit einigen Falten auf der Stirn wieder zu seiner geliebten Freundin umzudrehen.

,,Eh ? Habe ich da auch mal ein Mitspracherecht ? Was machst du wenn ich keine Kinder haben will ?“
Auf ihre skeptische Frage begann Tim sie nur sanft anzulächeln und trat einige Schritte sogar auf sie zu.
,,Die Liebe gewinnt immer und wir werden uns schon einigen.“
In diesem Moment brummte sie nur noch leise vor sich hin, was Tim aber in ihren Augen, zum Glück nicht verstehen konnte. Aber wie Tim immer so ist, ließ er mal wieder nicht locker, weshalb die Frage von ihrem Freund sie auch nicht weiter überraschte.
,,Hast du was gesagt ?“
Doch Jessica zuckte nur resigniert mit den Schultern und stolzierte kühl an ihn vor rüber, wobei sie ihm nur noch ein paar leicht beleidigende Worte entgegnete.

,,Ich wollte deine Zukunftspläne nicht stören. Aber du hättest sie mir auch ruhig schon mitteilen können.“
Das konnte Tim nun wahrlich nicht auf sich sitzen lassen und holte sie mit einer gehörigen Portion Schuldgefühle im Herzen wieder auf.
,,Ich wollte es dir ja auch später erzählen, aber bislang habe ich einfach nicht den richtigen Moment gefunden ! Und außerdem hast du nicht gefragt.“, gab er kleinlaut zu, woraufhin Jessica wieder hochnäsig ihre Nase in die Luft reckte.
,,Ja, ja, ich habe mal wieder Schuld. Schon gut Meister.“
,,Das habe ich nicht gesagt !“

,,Aber erneut gedacht !“, brummte Jessica weiter, wobei sich Tims Augen leicht verengten und sich einen weiteren Kommentar verkniff. Schlussendlich wusste er doch in seinem Herzen ganz genau, das Jessica genauso wie er des Öfteren wegen jeglichen Kleinigkeiten in Streit gerieten und es nur eine Frage der Zeit war bis sich alles wieder einrenkte. Doch wer wäre nun der oder die Erste der oder die nun nachgeben würde ? Ein langer Seufzer machte sich bei Tim schon breit. Bislang stand es bei ihren Streits immer unentschieden und endeten davor immer in einer Sackgasse mit einem Ja und einem Nein Fragespiel. Und er wollte es sich nicht ausmalen wie es wäre, wenn die Schachpartie auch unweigerlich zum Unentschieden plädieren würde. Den Rest des Aufstieges verbrachten sie schweigsam Seite an Seite und mussten sogar einigen Radfahrern ausweichen, die meinten der Weg hinunter vom Brocken wäre eine Downhill-Strecke.

,,Idioten !“, zischte Tim nur vor sich hin, der am meisten von diesen Radfahrern mehr oder weniger beinahe weg gebügelt wurde, was zumindest bei Jessica für ein annäherndes und leichtes Lächeln sorgte, das die wogen ihrer zwischenmenschlichen Beziehung zwischen sie und Tim ein wenig auflockerte, auch wenn sie dabei leicht mit dem Kopf schüttelte.
Mit einem letzten Funken an Lebenskraft, hatten sie sich schlussendlich hinauf zum höchsten Punkt des Harzes geschafft, den Brocken ! Auf dessen 1142 Metern der riesige Turm in rot und weiß erstreckte, neben dem rechts ein Hotel mit Restaurant und ein Naturkundemuseum standen.
Tim und Jessica brauchten nicht sehr lange, um zu erkennen das alle Plätze im Gebäude und draußen restlos belegt waren, weshalb Jessicas Frage durchaus berechtigt war .

,,Hier oben ist ja die Hölle los. Also wo wollen wir unser Spiel aufbauen ?“
In Tims Ohren klangen ihre versöhnlichen Töne, wie Musik in den Ohren , weshalb er versuchte weiterhin auch einen Gang runter zu schalten.
,,Ich weiß schon wo. Folge mir bitte Frau und wenn es geht unauffällig !“
Und während Tim stolz sich seinen Weg durch das Gedrängel der Tische bahnte, seufzte Jessica leicht verzweifelnd vor sich her, nickte ihm stumm nach und folgte ihm weiter kommentarlos bis schlussendlich an einem Kompass ankamen, welcher von lauter Bänken umzingelt war, während Jessica sich den großen Kompass genauer besah, steuerte Tim einen großen Felsbrocken an, klopfte mit der rechten Hand auf ihn, ließ seinen großen Rucksack mit den Worten. ,,Hier ist es gut.“, von den Schultern fallen und holte das Schachspiel raus, während Jessica noch immer gebannt auf diesen Kompass starrte und Tims Aussage bestätigte.
,,Dann baue es mal auf !“

Und Tim kam der Aufforderung auch sogleich nach. Als das Spielfeld aufgebaut war, setzte sich Jessica ihm gegenüber und nahm den Rucksack ab, während Tim seinen ersten Zug mit seinem weißen Bauer machte. Jessica schaute sich hoch konzentriert und mit verengten Augen das Spielfeld an. Doch in den ersten 10 Minuten passierte nichts ! Und auch nach weiteren 10 Minuten nicht, was Tim beinahe vor lange Weile um den Verstand brachte und er innerlich nur noch eins dachte.
*Man selbst eine Schildkröte wäre schneller beim Denken !*
Schließlich wurde es ihm zu bunt und forderte sie auf.
,,Würdest du jetzt endlich bitte mal deinen ersten Zug machen !“

Langsam hob Jessica ihren Blick vom Spielfeld und schaute ihn leicht säuerlich an.
,,Ich überlege ! Schließlich hast du zu mir mal gesagt, man soll jeden Zug genau überdenken !“
Er runzelte nur weiter die Stirn und schüttelte nur innerlich weiter mit dem Kopf. Er wusste schon jetzt das es ein verdammt langer Tag noch werden könnte und trotzdem hoffte er nicht auch noch Spinnweben hier anzusetzen, während Jessicas angestrengter Blick wieder auf das Spielbrett fiel. Erneute 10 Minuten waren vergangen und wieder hielt es Tim mit seiner Ungeduld nicht mehr aus.
,,Würdest du jetzt bitte Mal anfangen !“

Dieser Befehl schien in Jessica etwas auszulösen und ganz langsam, wenn auch zögerlich nahm sie einen weißen Bauern in die Hand und wollte ihn gerade auf ein Feld setzen. Was bei Tim innerlich zu einem großen Jubel führte, als Jessica ihm die Freude aber sofort wieder vermieste, weil sie ihren Zug zurück tat und erneut auf das Spielfeld glotzte, wobei Tim nur noch resigniert aufseufzen konnte und sich mit dem rechten Ellenbogen voller Enttäuschung auf dem Stein abstützte und seine Hand gegen den Hinterkopf drückte. Allmählich begann er sogar innerlich noch Gott um Hilfe zu flehen, das seine Geliebte endlich den ersten Zug tat. Und tatsächlich, nach weiteren 5 Minuten war es soweit !

,,Na endlich !“, stöhnte Tim schließlich und setzte eine weitere. Doch kaum war Tim fertig, begann die Grübelei bei Jessica erneut und so brauchten sie insgesamt für die ersten 5 Züge schon allein 2 Stunden, was sich bei Tim als inneren Frust wieder spiegelte, während Jessica auf der anderen Seite, weiter voller Motivation und Konzentration jegliche Möglichkeiten im Kopf durchging, damit Tim auch ja keine Figur von ihr einkassieren und somit das Spiel entscheiden konnte. In der Zwischenzeit verließen die meisten Leute den Brocken, während die Sonne weiter dem Horizont gegen Westen entgegen fieberte und sich zur Ruhe neigen wollte.
Mittlerweile begann Jessica sogar Selbstgespräche zu führen und überlegte hin und her, ob sie nun Tims weißen Läufer schlagen sollte oder nicht. Schließlich wurde es Tim zu viel und versuchte bei ihr Nägel mit Köpfen zu machen.

„Nun mach doch endlich ! Ich möchte gerne zurück bevor es dunkel wird.“
Jessica zuckte dabei wie immer unwirsch mit den Schultern. Allerdings ohne den Blick vom Brett zu nehmen.
„Ich habe eine Taschenlampe dabei und du ?“
Tim begann erneut genervt zu seufzen. Er kannte die Antwort und es kam ihm so vor als hätte ihn ein Bumerang getroffen.
„Nein habe ich nicht. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich eine brauche.“
„So was weiß man doch. Ich sag ja, wir Frauen können eben alles besser planen als der Mann.“, entgegnete Jessica sachlich, wobei Tim nur noch einen Spruch im Gedanken hatte.
*Nur Schach spielen können sie nicht !*

Doch er wollte nicht wieder mit Jessica im Streit liegen und lenkte ein.
„Wenn du meinst.“
Kurz darauf tat sie ihren nächsten Zug, gefolgt von ihm. Bei ihrem nächsten Zug brauchte sie wieder eine Stunde Überlegung und erneut war der Frust aus Tim herauszuhören.
„Wieso brauchst du so lange ? Ich habe heute noch etwas anders vor.“ sagte er und versetzte nach ihrem Zug, die nächste Figur.
,, Was denn ? Hast du etwa eine heimliche Geliebte, die ich nicht kenne ?“ fragte sie sachlich und konzentrierte sich weiter auf das Spiel, während Tim das sofort verneinte.
„Red kein Schmarn, Jessica. Ich liebe nur dich.“
„Ja ja das haben andere auch schon gesagt und dann gingen sie trotzdem fremd.“, meinte Jessica lapidar, wobei ihre Augen noch immer auf diesem Spiel hingen und die Figuren schon leichte Schatten über die keine Spielflächen warfen, während Tim sie nun skeptisch musterte.
„Traust du mir etwa nicht?“

„Doch, aber Männer sind eben Schweine und denken nur an das Eine. Sie können eben nicht anders.“
Inzwischen hatte sich seine Wut weiter auf ihre nüchterne Aussage verändert und war auf das nächste Level gestiegen. Er konnte den Zorn in seinen Adern spüren und deshalb schrie er seine nächsten Worte heraus.
„Ich liebe nur dich und würde dich niemals betrügen!“
Sie blinzelte mehrmals und winkte ab. In der Zwischenzeit wurden die Schatten immer länger. Die restlichen Menschen verließen den Brocken und stiegen in die Bahn, die sich dann in Bewegung setzte. Nur die Mitarbeiter des Restaurants waren noch da und räumten auf. Was sich für Jessica und Tim so anhörte, als würden die ersten Gerippe da drinnen zu Grabe getragen

Nach einer weiteren Stunde machte sie ihren nächsten Zug und er konterte sofort.
Dann überlegte sie wieder die Sonne ging unwiederbringlich für heute unter. Woraufhin es augenblicklich auf den Brocken dunkel wurde.
Jessica bemerkte es erst gar nicht und holte gedankenverloren die Taschenlampe aus ihrem Rucksack, knipste sie an und leuchtete mit der linken Hand auf das Spiel.
Tim sah dabei auf seine Uhr und stöhnte. Es war schon acht Uhr und eigentlich wollte er schon längst zurück im Hotel sein und sich eine warme Dusche gönnen. Weshalb er Jessica nun zur Eile drängte.
„Du hast sicherlich schon bemerkt, dass ist schon dunkel ist oder ? Ich will weg hier !“
Erst jetzt sah sie zum ersten Mal wieder auf und zuckte mit den Schultern.
„Ich habe Zeit.“

Bevor er etwas erwidern konnte, sah Tim wie zwei Männer auf sie zukamen. Sie schienen hier oben zu arbeiten.
,,Haben sie hier ein Zimmer ?“ fragte der eine.
Tim antwortete mit einem gequälten Lächeln.
„Leider nicht, aber wenn wir zu Ende gespielt haben, dann gehen wir zurück zum Hotel.“
Die Männer sahen sich unglaublich an.
„Sie wollen allen Ernstes im dunkeln dem Berg wieder runter wandern ? Das ist doch viel zu gefährlich !“
Tim nickte kommentarlos und konzentrierte sich dann wieder auf das Spiel. Wobei die beiden Männer erst jetzt richtig registrierten das die beiden jungen Leute Schach spielten, wobei auch sie sich ein schelmisches Grinsen nicht mehr verkneifen konnten.

„Und wer gewinnt ?“ fragte der eine barsch.
„Keine Ahnung, aber ich denke, wir wissen es erst im nächsten Jahrhundert.“ sagte Tim leicht betroffen, während Jessica ihm gleich mit einer forsche Antwort parierte.
„So spät ? Ich dachte unsere Enkelkinder könnten schon die letzte Schlacht schlagen.“ erwiderte sie wieder sichtlich gut gelaunt und versetzte eine weitere Figur.
„Ich bin eben ein Optimist.“ entgegnete er bloß schalkhaft und setzte schnell weiter.
„Das sind ja ganz neue Töne.“ sagte sie nur und so spielten sie weiter Zug um Zug, wobei sie nicht mal bemerkten, das die beiden Herren sich schon entfernt hatten.

Erst gegen elf entschied Tim endlich das Spiel für sich. Er streckte die Faust nach oben und strahlte vor Glück, bis die nächsten entschlossenen Worte von ihr, in dieser Dunkelheit, sein Glück zerstörten.
„Ich will eine Revanche und das sofort !“
Perplex begann er vor sich hin zu blinzeln, ehe er nach einer Ausrede suchte.
„Jetzt ? Ich bin müde und ich will zurück und das heute noch.“, woraufhin Jessica zu betteln anfing.
„Komm schon, das ist nicht fair. Schließlich warst du im Vorteil und ich brauchte eine Runde zum aufwärmen. Jetzt werde ich dich fertig machen, darauf kannst du dich verlassen !“
Auf diese Kampfansage, begann Tim zu stöhnen und zu jammern.
„Ich möchte aber nicht mehr spielen !“

Was sie zum Grinsen brachte.
„Dann viel Glück beim zurück wandern im dunkeln. Ich warte hier und komme dann nach. Mal sehen, ob du heil, ohne Licht, unten ankommst.“
„Schon gut, schon gut. Ich baue schon auf.“, gab Tim sich geschlagen und alle Figuren standen wieder an ihrem Ursprungsplatz.
Nach einer Stunde inmitten ihres schon diesmal sehr weiten Spiels, hörten sie auf einmal ein Geräusch und ein Scheinwerfer leuchtete sie an.
„Ein Hubschrauber! Was will der den hier?“ schrie Tim schließlich voller Erregtheit, doch Jessica ließ sich erst gar nicht davon stören und konzentrierte sich weiter auf das Spiel, bis die Rotoren-Blätter die Figuren vom Brett fegte.
„Na toll, ich war gerade am gewinnen und jetzt können wir von vorne anfangen. Das ist nicht fair und ich werde mich bei der Gewerkschaft beschweren !“, wetterte sie sie säuerlich, wobei sie schlussendlich nur noch zu sehen konnten, wie ein Neonseil aus dem Hubschrauber geworfen wurde und kurz darauf sich eine Gestalt an ihm heruntergleiten leiten ließ.

Als die Person auf den Boden in etwa 100 Metern Entfernung auf kam und sich ihnen vorsichtig näherte. Erkannte Tim, das es sich hierbei um eine Frau handelte.
„Was können wir für sie tun ?“ fragte Jessica nun neugierig, dessen Wut mit einem Mal, verflogen war und trotzdem nebenbei versuchte das Spiel wieder aufzubauen.
„Ich bin von der Bergwacht. Wir sind hier um sie zu retten.“, antwortete die Frau einfühlsam und hob ihre Hände. Jessica ließ daraufhin einen Bauer, den sie gerade vom Boden aufgehoben hatte, wieder fallen und schaute Tim fragend an, der ihr nur mit einem Schulterzucken antwortete, ehe Jessica energisch das Wort an die Dame von der Bergwacht richtete.

„Sie brauchen uns nicht zu retten. Wir wollen nur unser Spiel fortsetzen, wo sie uns schon gestört haben. Ich muss sie bitten zur gehen.“
Tim bekam auf ihre Aussage den Mund nicht mehr zu und die Frau schien daraufhin etwas zu verwirrt zu sein. Sie sprach etwas in ihren Funk, der sich an ihrer Schulter befand und kurz darauf holte sie eine Spritze aus ihrer Jackentasche hervor, mit die sie sich vorsichtig Jessica näherte.
Bevor die beiden überhaupt noch regieren konnten, befand sich die Spritze bereits im Arm von Jessica, woraufhin sie müde zu blinzeln begann.
„Was soll das ?“ fragte Tim nun aufgebracht und stand sogar auf, während Jessica zur Seite fiel und regungslos am Boden liegen blieb.

„Wir haben entschieden, das ihre Frau nicht zurechnungsfähig ist und mussten sie ausschalten. Ein Psychologe würde sich gerne mit ihnen unterhalten, denn wer auf den Brocken wandert um dort Schach zu spielen, hat nach unsere Meinung nicht alle Tassen im Schrank.“ erklärte die Frau in der Zwischenzeit nun sachlich, wobei sie in diesem Moment Jessica erstmal ignoriert wurde..
,,Tja und darum bitte ich Sie mir zu folgen.“, wobei die Frau eine einladende Geste zum Helikopter vollführte, was Tim dazu brachte sich zu beschweren.
,,Aber das können Sie doch nicht machen ! Wir sind zwei harmlose Bürger !“
Die Frau lächelte.

,,Das haben andere auch schon gesagt und die sitzen heute noch in der Anstalt.“
Ein weiteres Seil wurde runter gelassen und in weniger als 10 Minuten saßen sowohl Tim, als auch die ohnmächtige Jessica mit der unbekannten Schwester und dem Piloten am Steuer, im Hubschrauber.
,,Wo fliegen wir eigentlich hin ?“, fragte Tim über den Funk, den er beim Eintritt in das Fluggefährt bekommen hatte und die Frau begann ihn beruhigend zu antworten.
,,Nach Halberstadt. Keine Sorge, jetzt sind sie in Sicherheit.“
,,Und was ist mit ihr ?“, fragte Tim, dessen besorgter Blick sofort wieder zu Jessica glitt, dessen Kopf auf seiner rechten Schulter ruhte und keinen Ton mehr von sich gab.
,,Keine Sorge, in einer Stunde wacht sie wieder auf und wird vielleicht nur leichte Kopfschmerzen haben.“
Woraufhin Tim erneut schwer seufzte.
,,Na toll, jetzt bin ich nicht mehr der Schachfolter ausgesetzt, aber muss, wenn sie wieder wacht ist, ihr Geheule ertragen ! Ist ja ein toller Tausch !“
Die Frau zuckte mit den Schultern.
,,Würden Sie lieber im Dunkeln zurück wandern ?“

Tim schaute noch einmal auf die schlafende Jessica und begann schließlich zu nicken.
,,Ich glaube ich wähle lieber die Wanderung.“
Doch die Antwort war eine ganz andere.
,,Zu Spät, jetzt müssen Sie dadurch..“
Und ein letztes Mal an diesem Tag begann der 35 jährige zu seufzen.
,,Na super, ist ja echt Klasse. Da freue ich mich jetzt schon drauf.“
Und mit diesen frustrierten Worten, begann noch einmal der Helikopter seine Runde zu drehen und flog in die Nacht hinaus mit Kurs auf Halberstadt.

Ende.