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This Year's Love

von Libet
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Chris Hemsworth Tom Hiddleston
17.10.2020
29.04.2021
4
3.955
3
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17.10.2020 1.015
 
Erstes Kapitel



Mit den Feiertagen ist es so eine Sache. Zuerst Vorfreude, Sehnsucht nach vermeintlicher Ruhe, warmen Gesprächen, Geborgenheit im Kreis der Lieben. Dann stets mehr Trubel als erwartet, wobei man sich stets einreden kann, es sei genau diese Geselligkeit, die die eigene Familie ausmacht.

Wenn dann die Geselligkeit dann der Gereiztheit weicht, man langsam erkennen kann, dass sich innere Ruhe und Gemütlichkeit nicht nach Feiertagen richten, muss man sich wohl langsam eingestehen, einer Illusion nachgehangen zu haben. Dann doch, letztlich, das Gefühl der Geborgenheit, aber ein anderes, als das, worauf man sich seit den ersten Dezembertagen gefreut hatte. Vertrautheit im Stress, harte Worte stets gefolgt von stiller Vergebung, Lachen, ein paar Gläsern Rotwein und hartem Gebäck. Alles wie immer, nur an diesen Tagen im Jahr aufgebauscht von Erwartungen und Dekoration. Und dann, schließlich, doch Geborgenheit.

Er schreckte aus seinen sich kreisenden Gedanken, der Fahrer hielt und räusperte sich mit einem bedeutungsschwangeren Blick auf die Rückbank. Die Straße war still und nass vom abendlichen Regen, die Lichter des schwarzen Wagens reflektierten blendend in Pfützen und Fenstern.

Das Haus, das sich in die Gesellschaft anderer großer, stiller Gebäude reihte, löste kein Gefühl des Nachhausekommens in ihm aus. Nicht jetzt, nach den Tagen voller lauter Stimmen, hektischer und gemächlicher Schritte. Dem Lachen seiner Schwestern, dem knarzenden Ton der Dielen, dem Knacken der Scheite im Kamin. Ja. Zuletzt dann doch Geborgenheit und die ersehnte Ruhe, die warmen Gespräche. Wie immer zu spät, nach einer tagelangen Phase des Akklimatisierens. Selbst seine Eltern waren versöhnlich gewesen, nachdem sie sich die giftigen Blicke und spitzen Bemerkungen im Laufe der letzten Jahre zunehmend abgewöhnt hatten. Und dann waren sie vorbei, die Feiertage. Also wieder nach Hause. Nach Hause, eine komische Formulierung für den Weg von der Familie zu diesem großen, stillen Haus.

Er schüttelte unwirsch den Kopf. Genug. Kein Grund, sich selbst zu bemitleiden. Es war viel zu tun die nächsten Tage. Er würde gar keine Gelegenheit haben, sich einsam zu fühlen.

Letzteren Gedanken versuchte er, festzuhalten, während er die große Tür aufschloss, das Licht in dem großen Gang einschaltete, in das große Bad im ersten Stock ging und sich schließlich in das viel, viel zu große Bett legte. Leise drang Gelächter und das Klirren von Gläsern, mit denen angestoßen wurde, durch das gekippte Fenster vom Nachbarhaus an sein Ohr auf dem kalten Kissen. Ansonsten gähnende Leere. Wieder diese Stille.
Tom schloss die Augen.

Er war entschlossen, sich die Melancholie am nächsten Morgen aus dem Körper zu schütteln. Ein wenig Laufen, dann Duschen. Mails beantworten, mit dem Management telefonieren. Auspacken, Wäsche waschen, dann wieder einpacken. In der Nacht der Flug nach Los Angeles. Ein mattes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Die Stadt der Engel. Wie weihnachtlich.


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Die Maschine dröhnte laut, so laut, dass auch die Ohrstöpsel nicht viel ausrichten konnten. Er rieb sich mit Zeige und Mittelfinger über die gerunzelte Stirn, kniff die Augen zusammen. Warum gab es immer nur zu laut oder zu leise? Zu schnell, zu langsam? Dabei war dieser Flug nur der Anfang. Das vergangene Jahr war noch nicht beendet, doch er war in Gedanken schon im nächsten, das gefühlt mit der Abreise von seinen Eltern begonnen hatte. Gott, er konnte nicht einmal die nächsten beiden Wochen gedanklich überblicken. Er atmete tief durch, nahm einen Schluck Wasser.

Da war sie wieder, die Unruhe.

„Ladies and gentlemen, we are now preparing for landing. Please stow your carry-on items in the designated areas and return to your seats, then fasten the seat belt. We are going to arrive at L.A. International Airport at 7:20 am local time. Todays weather is mild with expected temperatures up to 18 °C. We wish you a pleasant stay in L.A. and thank you for traveling with our crew.“

Okay. Dann mal los.


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„DAD!“

Herrje.

„DAAAD!“

Es stimmt, was man sagt. Zwillinge bedeuten, einer schreit immer. Chris betrachtete resigniert das Chaos, das der glucksende Junge mit der Schaumbadflasche auf dem Boden des Badezimmers anrichtete, ehe er sich zu dessen schreienden Bruder umdrehte, der ihm begeistert seine mit Sahne verschmierten Ärmchen entgegenstreckte. Er wich galant aus, ehe die kleinen Hände seine frisch gebügelte Anzugshose erreichen konnten.

„Okay, kleiner Mann. Ab nach unten, Pfoten waschen. – Elsa?“
Seine Frau streckte den Kopf aus dem Ankleidezimmer.
„Hast du sie gefunden?“
„Da ist nur noch eine dunkelgraue, Chris. Ich weiß nicht, wo du die immer verlierst. Aber komm her, wird schon gehen.“

Ihre schlanken Finger legten die graue Krawatte um seinen Hals und schlangen geschickt einen Knoten. Er nutzte den Moment und legte seine Hand an die Wange seiner Frau. Seine schöne, geduldige Frau.
„Danke.“

Sie lächelte ihn milde an, Antwort genug.
„Ich muss dann los. Ich melde mich, wenn ich im Hotel bin, okay? Vielleicht kannst du gleich mal nach Sasha sehen, der hat scheinbar deinen Nachtisch für heute Abend entdeckt und verteilt ihn wahrscheinlich gerade auf dem Treppengeländer.“

Elsa seufzte.
„Ist gut. Komm heil an. Ich gebe dir India heute Abend ans Telefon, ja? Grüß mir die Anderen. Und viel Spaß!“
Chris nickte. Seine Älteste war noch unterwegs, also verabschiedete er sich nur von seinen beiden Jungs und gab seiner Frau noch einen letzten, zärtlichen Kuss, dann schulterte er den Weekender und schnappte sich den Rollkoffer, der schon an der Haustür bereitstand.


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Ein ruppiger, flacher Schlag einer warmen Hand hinterließ ein Glühen auf Toms Schulter, als er in das Gesicht des groß gewachsenen Mannes blickte, der von hinten an ihn herangetreten war. Dessen breites Grinsen steckte auch ihn an.

„Du hast über die Feiertage eindeutig weniger zugelegt als ich!“, spöttelte Chris Hemsworth. „Bist du sogar noch dünner geworden?“

„Bei mir hat es ja auch nicht für die Rolle des Donnergottes gereicht. Die hatten wohl ihre Gründe.“

Chris zog Tom in eine Umarmung, bei der er dem Briten so fest auf den Rücken klopfte, dass dieser einen Hustenreiz unterdrücken musste.

„Ich wollte gerade hoch aufs Zimmer, Elsa anrufen. Die anderen sitzen an der Bar. Ich komm gleich nach. Dann trinken wir noch einen zusammen, ja?“

Tom merkte erst, wie die Anspannung aus seinen Eingeweiden wich, als sich die Fahrstuhltür schloss. Er atmete laut aus.
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