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Mörderisches Halloween

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P12
Dr. Anja Licht Franz Hubert Johannes Staller
17.10.2020
31.10.2020
6
5.923
1
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17.10.2020 1.209
 
Kapitel 1:
1. November

Niemand konnte ahnen, was gestern, am 31., passiert war. Nicht Girwidz, nicht Hansi, nicht Hubsi. Auch nicht die Menschen, die auf grausamste Art und Weise ihr Leben verloren. Jetzt, einen Tag später,sieht ganz Deutschland fassungslos ins sonst so idyllische Wolfratshausen und frägt sich, wie das alles passieren konnte.

Einen Tag zuvor, 31. Oktober, Halloween

Hubert wusste, dass dies ein anstrengender Tag werden würde. Jetzt, vormittags, war nur die Ruhe vor dem Sturm. Halloween. Er selbst hatte-schon allein wegen seines Alters- nichts damit am Hut, aber auch, weil er so einen „Ami-Scheiß“, wie er es nannte, nicht ganz nachvollziehen konnte. Aber gut. Sollten sich die Jugendlichen doch ihre Freude damit machen, solange er sie nicht stockbesoffen und vollgekifft wieder einsammeln musste und ihren Eltern erklären musste, warum ihre Brut plötzlich Wodka trinkt und Joints raucht.
Er hatte sich Kaffee aus dem Automaten geholt und setzte sich an seinen Schreibtisch. Gegenüber von ihm nahm gerade Hansi Platz. „Servus, Hansi“, begrüßte er seinen Partner und besten Freund. Dieser nickte ihm jedoch nur schwach zu. „Is wos?“, fragte Hubsi angesichts des Mienenspiels seines Kollegen.

„Naa. I hob heit bloß schlecht gschlaffa. I hob ´träumt, dass solche Killerclowns nach Wolfratshausen kommen. Furchtbar.“, er schüttelte den Kopf. „Ja, heut is ja auch Halloween.“, nickte Hubsi. „Ich brauch etz erst amal meinen Kaffee.“, mit diesen Worten stand Johannes Staller wieder auf. Kurz darauf hörte man schon das Sirren und Rumoren des Automaten, und Hansi trat wieder ein mit einer Tasse Kaffee, setzte sich und schlürfte aus der Tasse.

„Guten Morgen meine Herrschaften!“, ertönte plötzlich Girwidz´Stimme. „Guten Morgen!“, antworteten die beiden Streifenpolizisten wie zwei Schulbuben, die ihre Lehrerin begrüßen. „Heute steht viel an, wir haben alle Hände voll zu tun!“, Girwidz stand neben dem Schreibtisch und wedelte enthusiastisch mit den Armen.

Hubert wollte gerade fragen, ob er das „Wir“ nicht genauer erläutern konnte, da kam ihm Hansi auch schon zuvor. „Ja, wos denn?“ „Also: Zuaalleeerst fahren sie mich zum Bürgermeister, dann schön Streife fahren, ein paar Falschparker hier, ein paar Strafzettel da. Sie wissen schon. Und dann abends, wenn die Saison“, Girwidz rieb sich zufrieden die Hände, „beginnt, schauen Sie doch mal, was für Vampire und Monster sich hier so rumtreiben und ob die auch alles schön richtig machen.“ Hubert konnte sich ein Stöhnen nicht mehr verkneifen, was ihm einen mahnenden Blick von seinem Chef einbrachte.

So saßen sie kurze Zeit später auch schon in Wagen 3 und kutschierten Raimund Girwidz durch Wolfratshausen, um ihn beim Bürgermeister abzusetzen.

Dann klingelte plötzlich Huberts Handy: „Ja, Sonja was gibt´s?“ Man hörte dann nur noch ein „Mhm.“, „Hmm“, „Ok“ und „oh“, dann legte Hubsi wieder auf. „Da is a Doder gfunden worden, mia miassen da etz hin!“, berichtete er Hansi. „Was- Wie, ein Toter?“, Girwidz hatte sich entgeistert nach vorne gelehnt, „das kann doch jetzt nicht Ihr Ernst sein??!“, rief er und riss sich die Möchtegern-Angeber Sonnenbrille herunter. „Jaa….“, Hubert zuckte mit den Schultern, „da kenna mia etz a nix dafür.“

„Verdammte Scheiße! Wissen Sie eigentlich, wie sie mir jetzt die Quote zerstören? Hm? Nein, natürlich nicht! Aber ich, ich habe heute ein Treffen mit dem Bürgermeister, und mich macht der dafür verantwortlich, wenn niemand mehr hier her ziehen will, weil es die höchste Mordrate in ganz Bayern hat!!“, polterte Girwidz los.

„DA KANN DOCH DA HUBSI A NIX DAFÜR!!“, brüllte Hansi zurück. Girwidz lehnte sich, angesichts der äußerst lauten Meinungsäußerung des sonst so ruhigen Stallers, erschrocken zurück. „Herrschaftszeiten!“, Hansi schüttelte den Kopf und bretterte weiter durch die Stadt. Hubert, der das ganze wie ein Spektakel betrachtet hatte, sah Hansi mit einer Mischung aus Unglauben und Bewunderung an. Es kam so gut wie nie vor, dass Hansi ihren Chef anschrie. Doch diesmal tat er es, und setzte sich für ihn, Hubert, ein. Er klopfte seinem Freund anerkennend auf die Schulter.

Sie mussten zwar einen kleinen Umweg zum Rathaus machen, doch den taten sie gerne, schon alleine deswegen, um das Ekelpaket in Form ihres Vorgesetzten dort abliefern zu können. Dann, nach etwa zehn Minuten erreichten sie den Tatort. Es war eine ruhige Wohnsiedlung mit Ein-und Mehrfamilienhäusern. Vor einem großen, fleckig blau angestrichenen Mehrparteienhaus hielten sie an. „Des is doch die Adresse, die uns die Sonja gegem hat?“, fragend lehnte sich Hansi nach vorne, um die Adressplakette sehen zu können. „Jo, des is“, bestätigte Hubert und Hansi parkte das Auto in der Einfahrt neben einem ziemlich ramponierten und dreckigen Nissan.

Sie stiegen aus und sogleich kam ihnen eine ältere Frau entgegen, die aufgeregt mit den Armen wedelte. „Da Thomas is tot!“, rief sie aufgedreht. „Wosn für a Thomas?“, hakte Hansi nach und tätschelte der Frau beruhigend die Hand. Diese musste sich erst mal beruhigen, doch dann sagte sie: „Thomas Birnbacher. Des is mei Nachbar, scho seit zwanzg Johr!“, erklärte sie und deutete auf den Hauseingang. „Ja und weiter?“, schob Hubsi ungeduldig nach. Verständnislos blickte ihn die Frau an. „Ja, wie alt isser, wer sind Sie überhaupt, was macht er so…“, führte Hubsi aus.

„Achsooo! Ja, 49 isser, hat koa Frau und is Bauarbeiter.“, berichtete sie, „und mei Name is Annalena Baierl, aber Sie kennan ruhig Anni zu mir sagn!“ Sie zwinkerte den beiden Polizisten schelmisch zu. „Okaaayy…“, wich Hansi aus. So ein älteres Semester war jetzt nicht unbedingt sein Typ…

„Schad is drum. So a guader Mo, und so gscheid…A Frau hätt ihm gutgetan…“, bedauernd schüttelte Frau Baierl den Kopf, als sie zu dritt vor der Leiche standen. Dann hörte man, wie ein Auto anhielt und kurz darauf stand Anja im Raum, ihre beiden schweren Koffer in der Hand und sah aufden Toten herab. Dann machte sie sich an die Arbeit. Hubert musterte seine Exfrau von hinten. Sie war so schön, das Haar war zu einem Knoten zusammengebunden, aus dem jetzt aber schon Strähnen heraushingen. Er war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht merkte, dass Anja mit ihm redete. Erst als sie sich vor ihm aufgebaut hatte, die Hände in die Hüften gestemmt und ihn leicht kritisch ansah, erwachte er aus seiner Starre. „Ich rede mit dir!“, rief Anja und wedelte vor seinem Gesicht.

„Ja, is ja scho guad.“, beschwichtigte er. „Also der Tote is zwischen 40 und 50 Jahr alt.“, informierte die Pathologin. „Ja, 49 war er halt. Des hamma a scho gwusst.“ Anja, die den spöttischen Unterton ihres Exmannes gehört hatte, fuhr unbeirrt fort: „Todeszeitpunkt vor ca. einer Stunde, Todesursache weiß i no ned ganz genau. Alles weitere wie immer nach der Obduktion.“

„War des alles?“, entfuhr es Hubert. Sie seufzte.„Dir auch noch einen schönen Tag!“, konterte sie betont freundlich und packte ihre Sachen zusammen. Hubsi spürte den tadelnden Blick seines Kollegen auf sich. Er war mal wieder viel zu unfreundlich gewesen. Warum konnte er nicht einmal nett zu ihr sein, sie bedachte ihn ja auch immer mit einem Lächeln. Als Anja verschwunden war, kam Hansi auf ihn zu. „Sag amal, hat des etz wieder sein miassen? Die Anja hat doch gar nix gsagt!“, rief er verständnislos.

„Ja, i woas. S duad ma ja a leid.“, gab sein Kollege missmutig zu und wollte gerade weiterreden, da unterbrach das Klingeln von Hansis Handy das Gespräch. Hubert beobachtete die Miene Stallers. Erst ahnungslos, dann fassungslos und entsetzt. Hansi legte auf. „Die ham scho wieder an Toten gfunden!“

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