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Bis zum bitteren Ende

von Cathala
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
OC (Own Character) Tenzin
17.10.2020
12.11.2020
8
30.153
 
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17.10.2020 1.930
 
Anm.: Die Story spielt während der Abwesenheit des Avatars. Ich weiße darauf hin, dass es ein Femslash (Lin Beifong/OC) ist und das Rating nicht ohne Grund gewählt wurde.

Ich habe mir nur die Figuren und das Setting ausgeliehen und verdiene mit meiner Schreiberei kein Geld.

Allerdings würde ich mich sehr über eure Meinung und auch konstruktive Kritik freuen.

Bisher habe ich ein Update pro Woche geplant, aber es könnte sein, dass daraus auch zwei werden.

Und nun viel Spaß mit dem ersten Kapitel und bleibt gesund!




Kapitel 1: Einsamkeit


Es war eine verdammt lange und anstrengende Woche gewesen. Sie hatte einen Schmugglerring hochgenommen, der mit vom Aussterben bedrohten Tieren und deren Felle gehandelt hatte. Das hatte ihr einige schlaflose Nächte und unzählige Überstunden eingebracht. Wenngleich sie Tiere nicht besonders mochte, so konnte sie es nicht hinnehmen, dass man sie aufgrund ihrer Einzigartigkeit töten wollte. Dann waren da noch die üblichen Querulanten und eine Entführung, die glücklich darin endete, dass der Mann seine Frau unverletzt zurück erhielt und liebevoll küssend die Arme um sie geschlossen hatte. Wenigstens war keiner ihrer Leute ernsthaft verletzt worden.

Vor knapp einer Woche hatte einer ihrer Offiziere geheiratet und sie war zur Hochzeit und der anschließenden Feier eingeladen gewesen. Der Höflichkeit halber hatte Lin der Zeremonie beigewohnt, doch der Feier war sie fern geblieben. Es war eine sehr romantische Zeremonie mit vielen Tränen gewesen. Das hatte ihr die eigene Einsamkeit mit aller Härte vor Augen geführt.

Lin musste erkennen, dass ihr die ständige, selbstgewählte Einsamkeit allmählich zu viel abverlangte. Nach der hässlichen Trennung von Tenzin vor so vielen Jahren hatte sich sich in die Arbeit gestürzt, um die Einsamkeit zu verdrängen und es hatte sehr lange sehr gut funktioniert, doch seit einiger Zeit fühlte sie die ungewollte Einsamkeit stärker. Noch mehr Arbeit und noch mehr Training und die Erschöpfung ließ sie vergessen, zumindest eine Weile.

Es war ihr während der Zeremonie kaum möglich gewesen Freude zu heucheln. Natürlich hatte sie es nicht nötig und normaler Weise heuchelte Lin nicht, aber sie konnte ihren Offizier gut leiden und wollte ihm und seiner frisch Angetrauten nicht den Abend verderben, also begann sie sich unauffällig zurück zu ziehen, als ihre Fassade bröckelte.

Als sie Tenzin und seine Frau unter den Gästen sah, verließ Lin sofort die gerade beendete Zeremonie und flüchtete erneut vor ihren Gefühlen. Tenzin war ihre erste große Liebe gewesen, so hatte sie lange Zeit gedacht. Doch nach einer Weile wurde ihr klar, dass dem nicht so gewesen war und es auf Dauer nie zwischen ihnen funktioniert hätte. Für Tenzin hatte sie eindeutig zu viel Feuer und Dominanz ausgestrahlt. Lin hatte Pema nie verziehen, dass sie sich mit Tenzin schon getroffen hatte, als ihre Beziehung noch lief, doch sie musste sich eingestehen, dass Pema deutlich besser zu dem Luftbändiger passte als sie selbst es je gekonnt hätte. Es hatte sie Jahre gekostet, aber irgendwann konnte sie sich für die beiden freuen und ihnen ihre Liebe zu einander gönnen.

Seit sie die Angst der beiden um einander gesehen hatte, als sie von den Equalisten angegriffen wurden, überwand Lin ihre negativen Gefühlen und opferte sich für die Familie des Luftbändigers. Wenn ihr auch das Glück verwehrt geblieben war, so sollten doch zumindest diese beiden glücklich bis an ihr Lebensende sein. Nachdem sie Equalisten besiegt worden waren und sie ihre Kräfte durch den Avatar zurück erhalten hatte konnte sie sich mit Tenzin und Pema aussöhnen und es hatte gut getan ein paar gute Freunde gewinnen zu können, die so etwas wie Familie waren. Dennoch fühlte Lin die Einsamkeit jedes Mal wenn sie die beiden Glücklichen sah, obwohl sich die beiden sehr bemühten ihr die Einsamkeit zu vertreiben.

Nachdem sich Lin mit Tenzin und seiner Familie ausgesöhnt hatte dachte sie darüber nach, ob sie sich vielleicht auch mit ihrer  Schwester aussöhnen sollte. Ungeplant traf sie schließlich auf ihre jüngere Schwester und nach vielen Vorwürfen, Geschrei und einem Kampf der sie in ihrem geschwächten Zustand an ihre Grenzen gebracht hatte, lagen sich die beiden Schwestern, als sie alleine waren, in den Armen und weiten bitter Tränen um die gemeinsame Zeit die sie beide vergeudet hatten.

Auch wenn sie Familie und Freunde hatte, dich sich um sie sorgten, war Lin dennoch alleine. So alleine wie sie fast schon immer gewesen war. Ihre Zeit mit Tenzin hatte die Einsamkeit für eine Weile vertrieben, doch Lin war damals schon klar gewesen dass ihre Beziehung keinen Bestand haben würde. Dennoch hatte es weh getan als Tenzin sie verlassen hatte, auch wenn es nur eine Frage der Zeit gewesen war.

Seit dieser Zeit war sie alleine geblieben. Zuerst weil Lin sich auf ihre Arbeit konzentriert hatte, dann einfach weil sie nicht von einer andern Person abhängig sein wollte.

Keine Beziehungen, keine Affären, nur Einsamkeit.

Und nun würde sich eh niemand mehr für sie interessieren, sei es weil sie die Polizeichefin war oder weil sie nicht mehr ganz so jung war. Graues Haar war sicher abschreckend auf eventuell Interessierte, auch wenn sie lange nicht zum alten Eisen gehörte. Lin war halt keine Dreißig mehr, das war schon lange vorbei. Die Grauhaarige hatte sich damit abgefunden, dass sie auch für den Rest ihres Leben alleine bleiben würde, dennoch schmerzte die Einsamkeit.

Aber nun, an diesem Samstag Abend, hatte sie wirklich genug davon.  Als Polizeichefin von Republica nahm sie sich heraus, den Abend und den folgenden Sonntag dienstfrei zu bleiben. So saß sie nun also an der Bar und trank mit finsterem Gesicht das hochprozentige Gesöff das keinen Namen verdiente und versuchte die Wochen und Monate sowie ihre erneut aufwallende Einsamkeit zu vergessen.

Plötzlich setzte sich jemand auf den Platz links neben sie. Stur sah Lin weiter gerade aus und versuchte zu ignorieren, das sie von ihrem ungewollten Sitznachbarn intensiv gemustert wurde. Minutenlang geschah nichts und schließlich schnaubte Lin genervt aus und sah nach links. Dort saß eine zierliche Frau mit freundlichen braunen Augen, dunkelbraunen Haaren die ihr lang und glatt über die Schultern fielen und sah sie freundlich grinsend an. Die Langhaarige hatte eine schlichte weiße Bluse, die locker fiel und eine dunkelblaue Stoffhose mit weitem Bein an, die ihr ein schlichtes aber elegantes Aussehen verliehen und ihre Zierlichkeit betonte.

„Hey ich bin Kara!“, stellte sie sich freundlich vor.

„Schön für dich!“, antwortet Lin schroff, denn sie wollte keine Gesellschaft wenn sie sich betrank.

„Noch schöner wäre es, wenn du mir deinen Namen auch verraten würdest“, sagte Kara und sah Lin weiterhin grinsend an.

„Wirst du dann wieder verschwinden und mich alleine lassen?“

„Vielleicht.“

„Lin Beifong“, antwortet sie trocken und hoffte dass sie nun ihre Ruhe haben würde.

„Schön dich kennenzulernen, Lin!“

Lins Antwort bestand aus einem Schnauben von dem sie hoffte, dass es diese Kara verärgern würde. Doch wie sich herausstellte war dies Kara gleichgültig, denn sie bestellte sich einen Tee und blieb seelenruhig sitzen, nur um Lin weiterhin zu mustern.

„Hau ab, ich will alleine sein“, machte Lin nach einigen weiteren Minuten deutlich.

„Schön für dich! Ich aber nicht!“, konterte Kara.

„Dann such dir jemand anderen!“, fuhr Lin die jüngere Frau unfreundlich an.

„Nein! Die sind mir alle zu langweilig!“

Lin sah ihre Sitznachbarin wütend an und leerte ihr Glas in einem Zug, um sich sofort ein weiteres zu bestellen.

„Wenn du vergessen willst, kenne ich da eine bessere Methode. Von der hat man am nächsten Morgen auch garantiert keine Kopfschmerzen!“, trällerte Kara und zwinkerte ihr zu.

Sofort wurde Lin hellhörig. Sollte Kara ihr etwa ein illegales Angebot machen. Also doch kein Wochenende für die Polizeichefin. Sie war immer im Dienst auch wenn sie auf dem Weg in ihr wohlverdientes Wochenende war. Na immerhin, ihre Rüstung hatte sie ja noch an und die Handschellen waren griffbereit.

Kara sah amüsiert zu wie Lin darüber nach zudenken schien, ob sie verhaftet werden musste. Erneut musterte sie die ältere Frau von oben bis unten in ihrer Rüstung und stellte fest, dass sich ihr Wunsch nicht verändert hatte. Die jüngere Frau hoffte, dass sie die richtigen Worte finden würde, denn Kara war sich sicher, dass sie bei dieser unnachgiebigen Frau nur eine Chance haben würde.

„So und was wäre das wohl?“, fragte Lin schließlich kühl.

Jetzt oder nie, dachte Kara, als sie all ihren Mut zusammen nahm und selbstsicher als sie es wirklich war begann zu sprechen und Lin dabei fest in ihre grünen Augen sah.

„Verbring die Nacht mit mir!“

Kurz entglitten Lin ihre Gesichtszüge bis sie sich wieder fasste und die Frau wütend ansah. Sie mochte es nicht, wenn sich jemand über sie lustig machte.

„Sicher, denn ich bin ja auch genau dein Typ und nur so alt dass ich deine Mutter sein könnte! Und jetzt geh, bevor ich mich vergesse und such dir jemand anderen für ein Abenteuer!“

„Danke für das Kompliment, aber ich bin nicht ganz so jung wie ich vielleicht aussehe!“

Karas Herz klopfte wie wild, als sie sich zu Lin lehnte, um ihr ins Ohr flüstern zu können. Oh sie war so verdammt nervös und gab sich sehr viel selbstsicherer als sie es wirklich war, doch Kara wusste, wenn sie Erfolg haben wollte, dann musste sie jetzt dran bleiben und mutig sein.

„Abgesehen davon, will ich  Dinge mit dir tun, die man auf keinen Fall mit jemanden tun will, mit dem man auch nur im Entferntesten verwandt ist!“, flüsterte Kara in Lins Ohr.

Zufrieden beobachtete Kara wie sich eine leichte Gänsehaut auf Lins Hals ausbreitete und zog ein wenig dreist die Luft ein um an Lin zu riechen, die das ganze ohne Reaktion zu ließ.

„Selbst wenn dem so sein sollte… du bist nicht mein Typ! Und jetzt verschwinde!“, zischte Lin unfreundlich und bemühte sich der Versuchung die Einsamkeit zumindest für eine Nacht zu entfliehen, zu widerstehen.

Lin versuchte ihre verwirrenden Gefühle in den Griff zu bekommen. Diese Frau hatte es tatsächlich geschafft sie aus dem Konzept zu bringen. Überraschender Weise empfand Lin die ihr aufgezwungene Nähe nicht unangenehm sondern erschreckend erregend. Sie musste wohl einsamer sein als sie sich selbst eingestehen wollte. Sie dürfte diese Schwäche nicht zulassen!

Mit wütendem Blick lehnte sich Lin ein wenig zurück, um Kara in die Auge sehen zu können und sie einzuschüchtern. Als Lin in die Augen der jüngeren Frau blickte und darin tatsächlich Verlangen sehen konnte, verstand sie die Welt nicht mehr. Man musste Kara nur ansehen, um zu wissen, dass sie jeden haben könnte. Lin spürte gerade am eigenen Leib wie überzeugend die jüngere Frau sein konnte. Daher war es ihr unbegreiflich, wie Kara überhaupt Interesse an ihr haben könnte.

„Gewähre mir nur einen Kuss und ich überzeuge dich vom Gegenteil“, flüsterte Kara kokett.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sich Lin tatsächlich begehrt und es verwirrte sie völlig. Sie wusste dass sie der jüngeren Frau vielleicht nachgeben würde unabhängig davon, dass sie bisher noch nie Interesse an einer Frau gehabt hatte. Ihre Einsamkeit machte sie im Moment gerade sehr anfällig und Lin hasste sich für diese Schwäche. Dennoch musste sie erschrocken feststellen, dass sie ernsthaft darüber nachdachte mit Kara diese eine Nacht zu verbringen. Sollte Lin dieses Angebot auf eine Nacht ohne weitere Verbindlichkeiten einfach annehmen, um ihre Einsamkeit zu vergessen? Eigentlich war es nie Lins Bestreben gewesen einen anderen Menschen so in ihr Leben zu lassen, nur für eine Nacht. Sie war eher der Typ ganz oder gar nicht, was bisher bedeutet, dass sie eine einzige, mehr oder weniger, ernsthaft Beziehung gehabt hatte und seitdem der Einsamkeit frönte. Oh, die Versuchung an diesem Tag eine Ausnahme zu machen war sehr groß. Irgendetwas hatte diese Kara an sich, dass Lin tatsächlich darüber nach denken ließ der Verlockung nach zu geben.








To be continued


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