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Walkürenblut (Teil 6)

von Cleo28
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Beth Turner Coraline Duvall Mick St. John OC (Own Character)
17.10.2020
27.06.2021
8
21.657
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
17.10.2020 840
 
Liebe Leserinnen und Leser,

tatsächlich beginnt nun schon der sechste Teil von Walkürenblut. Ich hoffe, ich kann euch fortwährend mit meiner Geschichte rund um Lily und Gabriel begeistern. Irgendwann wird Walkürenblut enden, aber es schwirren mir noch so einige Abenteuer im Kopf herum, die Lily noch erleben sollte, bevor ihre Geschichte endet. Leider kann ich euch aus zeitlichen Gründen nicht garantieren, dass ich regelmäßig ein neues Kapitel poste, aber ich gebe mein Bestes.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

Eure Cleo



Prolog



Glücklich roch Ninsun an einer weißen Lilie im prächtigen Garten des Palastes in Uruk. Es war ein herrlicher Tag. Auch ihr Leben war wundervoll. Endlich gehörte ihr geliebter Ehemann nur ihr. Nach seinem Versprechen würde es auch so bleiben. Zudem hatten sie zwei wundervolle Kinder, die mittlerweile erwachsen waren, ihr Leben sehr gut meisterten. Allerdings bedauerte Ninsun, dass weder ihr Sohn noch ihre Tochter bisher ihre wahre große Liebe gefunden hatten. Zwar hatte Jasmina sich verliebt, auch eine Tochter bekommen, aber die Liebe zu dem Mann bestand nicht lange. Er war halt nicht ihr Gegenstück. Ihre Enkeltochter war nun schon seit einigen Jahrhunderten in einem hohen Alter gestorben. Sie bedauerte, dass Susanna sich nicht verwandeln lassen wollte, aber dennoch genoss sie gerne die Zeit mit ihren Nachkommen, ihren Enkeln, die sich bisher alle für das menschliche Leben entschieden hatten.

„So tief in Gedanken versunken?“, sprach Otilia sie wohlwollend an.

„Ja“, seufzte Ninsun, drehte sich zu Otilia um.

„Beide werden ihre große Liebe finden“, verriet Otilia. „Zuerst dein Sohn und dann deine Tochter.“

„Gilgamesch bereitet mir Sorgen. Er hadert mit seinem Schicksal Inannas Zögling und ihr Geliebter zu sein.“

„Er war noch sehr jung, als er den Fehler machte, sie als seine Nin-gu zu erwählen.“

„Ja, ich riet ihm eindringlich davon ab“, bedauerte Ninsu, ihren Sohn damals nicht aufhalten zu können. „Inanna wird ihn niemals aufgeben, auch würde sie niemals eine andere Frau akzeptieren, die er wahrhaftig liebt.“

„Nein, das wird sie nicht“, stimmte Otilia ihr zu. „Seine Seelenverwandte wird ihretwegen drei überaus leidvolle Leben haben, in denen Gilgamesch und die weiße Lilie sich lieben.“

„Drei Leben?“

„Ja, sie wird wiedergeboren werden.“

„Das wird Gil großen Kummer bereiten.“

„Schon recht bald wird sie vor diesem Palast stehen. Allerdings wird sie nicht allein kommen. Ihre Freunde und ihre Familie begleiten sie“, teilte Otilia ihr Wissen über die Zukunft.

Verstehend nickte Ninsun, während sie liebevoll die weiße Lilie berührte. „Ich sah eine weiße Lilie. Sie war so wundervoll, aber dann verunstalteten rote Narben ihre Schönheit.“

„Die leidvollen Narben der Vergangenheit dreier Leben, unserer Zukunft“, flüsterte Otilia.

„Willst du damit sagen, dass mein Sohn seine wahre Liebe das erste Mal treffen wird, wenn sie bereits ihr drittes Leben führt?“

„Ja“, erwiderte Otilia. „Zudem wurde sie vom Schicksal auserwählt, unsere Welt zum Besseren zu verändern. Sie wird kommen, um sich hier vor ihren Feinden zu verstecken.“

„Dann bringt sie Uruk in Gefahr“, entfuhr es Ninsun besorgt.

„Nein, das wird sie nicht. Im Gegenteil. Außerdem ist sie eine Königin Uruks“, versetzte Otilia, bevor sie ging. Nachdenklich betrachtete Ninsun die weiße Lilie.  

Die Sonne stand im Zenit, als Ninsun ihren Sohn im Garten entdeckte. Die Sonne brannte auf ihn hinab. Es machte ihm nichts aus, denn seine menschliche Seite schützte ihn.

„Hier hast du dich schon immer gerne aufgehalten“, erklang die Stimme seiner Mutter hinter ihm. Er drehte sich zu ihr um, während Ninsun aus dem Schatten in die Sonne trat.

„Suna“, begrüßte er seine Mutter liebevoll.

„Was beschäftigt dich?“, hakte Ninsun mütterlich nach.

„Ich weiß nicht, ob ich dieses Leben noch länger will. Ich meine, dieses Leben mit ihr!“, stieß Gil verachtend aus.

„Du meinst Inanna“, wusste Ninsun und setzte sich auf die kleine Bank. Sie reichte ihrem Sohn eine Hand und forderte ihn still auf, sich zu ihr zu setzen.

„Sie macht mich wahnsinnig!“, fuhr Gil wütend fort.

„Ich weiß, Gil. Sie ist sehr einnehmend und besitzergreifend in ihrem Wesen“, wusste Ninsun.

„Ich will sie nicht mehr als meine Geliebte“, stieß Gil verzweifelt aus.

„Ich bezweifle, dass sie das ist“, bemerkte Ninsun bekümmert.

„Suna, was meinst du damit?“

„Sie ist nicht deine Geliebte, weil du sie nicht liebst. Ihr habt eine sexuelle Beziehung zueinander, aber keine Liebesbeziehung. Sie verdient die Bezeichnung Geliebte nicht“, versetzte Ninsun.

„Liebe!“, sagte Gil abwertend. „Was soll das schon sein?“

„Es gibt verschiedene Arten der Liebe. Zum einen die Liebe zwischen Eltern und ihrem Kind. Dann gibt es die Liebe zwischen Geschwistern. Es gibt die Liebe zwischen Freunden, Vertrauten und dann gibt es noch die große Liebe“, erklärte Ninsun. Sie wusste ganz genau, dass er nur von einer bestimmten Liebe sprach. Er liebte Inanna nicht, aber er sollte es tun. Alle Welt redete davon, was sie doch für ein tolles Liebespaar wären.

„Mag sein“, erwiderte Gil, „aber ich habe die große Liebe noch nicht entdeckt.“

Ninsun stand auf und pflückte eine Blume in ihrer unmittelbaren Nähe. Es war eine weiße Lilie. Nachdenklich roch sie an der Blüte. „Eines Tages wirst du sie finden. Gib auf deine Ninurisa Acht!“ Ninsun reichte ihm die weiße Lilie.
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